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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zubilden bis zubläser (Bd. 32, Sp. 247 bis 249)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zubilden, v., von Herder geprägtes wort der classischen zeit, zu einem zweck oder verhältnis ausbilden, besonders von geistigen, auch sprachlichen beziehungen. 1) mit bezug auf dinge: zuerst erhellet, warum alle ihrem lande zugebildete sinnliche völker dem boden desselben so treu sind Herder 13, 261; bei weitem ist unsre sprache noch nicht so gebildet, jedem vortrage, jeder art des wissenswürdigen so zugebildet, als die sprachen unsrer nachbarn 17, 309; eine besondere art gneis, oder vielmehr eine granitart, die sich dem gneis zubildet Göthe 30, 23 W.; so machte es mir viel freude zu sehen, wie jüngere männer sich dieser hoffnungsreichen periode zubilden IV 24, 150 W. 2) zu personen: er hat sein zeitalter sich zugebildet Göthe 36, 317 W.; ein langer umgang hat mich ihm zugebildet Schiller 4, 272 G. 3) gelegentlich 'hinzubilden': wenn die vermutung von jüngern präpositionen, die der sprachgeist verwendet oder zubildet, auf ältere, dunklere gilt J. Grimm kl. schr. 4, 251. —
 
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zubildung, f.: hier ist die fuge noch erkennbar, wo die spätere zubildung sich an den älteren mythos anschlosz Laistner nebelsagen 326. —
 
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zubilligen, v., addicere Stieler 152. zugebilligt werden vortheile, rechte durch gesetz, vertrag oder verfügung einer oberen gewalt: die Sachsen ... gaben für, man solte ihn ausz vermüge des bundts ihr vaterlandt gantz und nicht halb widerumb zubillichen Bas. Faber Saxonia 20b; den deichgrafen ... blieb, ... was ihnen von jedem neuen besitzer oder aus dem sterbehause zugebilliget war J. Möser 1, 406; worauf denn demselben ... die summe von zweyhundert thalern als fixe besoldung zugebilligt ward Göthe IV 34, 25 W.; was die verfassung ihnen (dem abgeordnetenhaus) an rechten zubilligt, soll ihnen unverkürzt zukommen Bismarck pol. reden 2, 86 Kohl. vereinzelt von einer ungünstigen verfügung: das wird mir auch kein herr zubilgen, das ich euch den wagen gar bezahlen sol discurs v. d. zustand der kipper u. wipper (1611) a 4b. —
 
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zubilligung, f.: die z. eines solchen rechtes handwb. d. staatswiss. 2 7, 94. —
 
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zubinden, v., mhd. zuobinden, selten belegt, mhd. wb. 1, 130b, Lexer 3, 1181, frühnhd. allgemeiner Er. Alberus (1540) 36a; 36b; Frisius 92b. 1) durch binden verschlieszen, besonders v. säcken, paketen, kleidungsstücken: und man band die vasz uben veste zu Stolle thür. chron. 127; die schuh, den sack etc. zubinden Kramer 1, 115c; wann der sack voll ist, bindet (knüpfet) man ihn oben zu (am galgen) 2, 1208b; das packet manuscript ..,

[Bd. 32, Sp. 248]


welches mit einem braunen schmalen bändchen zugebunden ist Göthe IV 21, 65; ein schatz ..., welcher .. in einem zugebundenen socken steckte G. Keller 4, 225. mit einer verschiebung des objects: die nesteln zubinden Kramer 2, 131b; um das schuhband ihr zuzubinden Bettine die Günderode 1, 316. 2) die augen, den mund verbinden:

der kellner sey die blinde kuh!
dem wöll wir binden die augen zu
J. Ayrer 3, 2149 Keller;

sie sollen mir die augen zubinden und mich in der galerie zu Florenz herumführen Heine 3, 303 Elster; ich musz mir nur selbst predigen, damit ich andern leuten den mund zubinde Caroline 1, 19 Waitz. 3) kranke glieder einwickeln, blutgefäsze abbinden, wunden verbinden: salb in (den kopf) wol mit der salben, und bind ihn gleich darauff wol zu, lasz ihn also zugebunden tag und nacht O. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 80 (ähnlich 2, 105); underhalb dem schaden, und nach seinem rechten aussgelauffnen blut bind zu Paracelsus op. (1616) 1, 723b; mit dem verschinen (verschienen) verruckt sich der bruch, dann das auff und zubinden mag nicht sein chir. (1618) 505c; drucke den safft in den schaden, und lege das kraut drauff, binde es zu Walther pferde- u. viehzucht (1658) 52; aber der verhaltene jubel sprengte ihm fast die zugebundene ader auf Jean Paul 7—10, 88. 4) durch binden lähmen, die bewegung rauben: wenn meinem geiste die flügel frey wären, die ich bey jeder arbeit für ein journal fest zubinden musz Heinse 9, 253 Schüddekopf; noch dasz die Holländer die deutsche lebensader, den Rhein, zubinden und sperren dürften E. M. Arndt für u. an s. l. Deutschen 3, 73. 4) ein ding an ein gebundenes anbinden: heute sollen ... die Wedekindschen preisschriften ihnen zugehn, drei stücke, sammt meiner abstimmung, die ich zugebunden habe J. Grimm an Dahlmann 1, 255. 5) in veralteter rechtssprache: ein urteil zubinden (bestätigen, rechtskräftig machen) Haltaus 2165; Campe 5, 885a; binde zu das zeugnis, versiegele das gesetz meinen jüngern Jes. 8, 16. 6) veraltet in kirchlicher sprache: czubindet ir ruwe alligat contriciones eorum Diefenbach-Wülcker 915; dieselben sünd mag geistliche oberkait wol auflösen, aber nit zepinden anders dann mit der pes Berthold v. Chiemsee 627. —
 
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zubindung, f.: in zubindunge in obligatione Diefenbach-Wülcker 915 (Frankfurter stadtb. 2, 26), s. zubinden 5. —
 
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zubisz, m., wie imbisz:

dabei ein brödchen, nicht zu grosz,
als kräftgen zubisz mit verzehren
K. E. Ebert fromme gedanken (1859) 165.

auch nd. tobiet 'zuspeise' Stürenburg 284. —
 
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zubitten, v.: als nn der wind auffentstndt ..., liesz er alle patron und hauptleüt der schiff im zbitten Carbach Livius 177a; in Bayern hieszen die für die ernte zugebetenen helfer bittschneider Bücher arbeit u. rhythmus4 304.
 
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zublähen, v., sich aufblähen:

hilff gott, her keyser, seht irs nicht,
wie sich der abgott dort zubleht?
Just. Menius zum bapsttum k 5.


 
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zublasen, v. 1) im eigentlichen sinne: weilen ihnen der wind von norden zubliese M. Krämer leben und tapfere thaten (1681) 550;

der schmid der schrey: sitz darinn still;
erst ich weidlich zublasen will
H. Sachs 17, 292 G. (vgl. kinder- u. hausm. 2, 288);

eine lange reihe von nachtwächtern .., welche sich einander zublieszen Brentano 5, 148. durch blasen verschlieszen: das .. metall wird in .. zugeblasenen glasröhren aufbewahrt Liebig handb. d. chemie 446. 2) danach übertragen 'schüren, antreiben', meist zum bösen: zublasen inspirare, instigare Kirsch cornu copiae (1731) 367b; der teuffel stet do hynden und blest zcu wye eynn köler Luther 11, 24 W.; die gnädigen herren vettern und frauen basen ... haben so zugeblasen, dasz einstens ein groszes miszvergnügen unter den jungen leuten entsprang

[Bd. 32, Sp. 249]


Schwetschke ausgew. schr. (1866) 1, 59. 3) trans.: und bleset ihnen (den waldvögeln) der wind, der ir gehülff und capellmeister ist, lufft zu Gabr. Rollenhagen indianische reysen (1603) 120; die (berge) recken ihre kahlen scheitel einander entgegen und blasen sich nebelwolken zu Scheffel w. 2, 140. 4) übertragen 'einem gedanken eingeben', meist im sinne des bösen und heimlichen. der nachdruck liegt gegenüber zuflüstern auf der wirkung (anders Campe), von einblasen kaum unlerschieden, wie Heynatz 2, 186b versucht: einplasen zuplasen zuraumen (zuraunen) oder raten. suggerere i. submittere voc. theut. (1482) f viiib;

manic valscher red
wart im geblâsen zuo
Ottokar östr. chron. 58 985 Seemüller;

und glaubst nit jedem schmeichler, was
er dir zu-bliess
H. Sachs 1, 120 K. (fast gleich 15, 106);

es ist ganz merkwürdig, zu sehen, welche einwürfe und ausflüchte der erbfeind den kindlichen seelen (der wilden) zubläst Anzengruber 3, 173. 5) einem das fehlende wort zuflüstern, soufflieren, besonders bei schauspielern Campe 5, 885b, Heinsius 4, 1784b: sufflare einem heimlich etwas zublasen, wie die nechsten nachtbar in den schulen dem thun, die recitirt Corvinus (1646) 3452;

darmit die sach ich bessern thu,
dem wider-thail ich es zu-blasz,
und redt er etwas wieder das,
sag ichs dem ersten wieder an
H. Sachs 5, 330 K. (ähnlich 14, 306);

die worte bliesz mir Amor zu
Stieler geharnschte Venus 102 ndr.

sein nachbar aber ... wolte ihm die antwort zublasen, und sagte ihm in geheim zu medic. maulaffe 230. —
 
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zubläser, m., mhd. zuoblæser Lexer 3, 1190 1) wie zublasen 2: dasz auf mich, den agitator, den zubläser, den rädelsführer, die hälfte der schuld fällt Spielhagen 4, 643. 2) 'souffleur' Campe: dasz man .. nicht erst nach einem dic mihi oder zubläser sich umsehen dürfte Musäus physiognom. reisen 3, 199; wenn sie beim anfragen ihrer rolle einen zubläser nöthig gehabt hätte W. Raabe schüdderump 2, 149. selten zublaser Friedr. Arndt bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 54. —

 

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