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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zottlich bis zuerkaufen (Bd. 32, Sp. 141 bis 156)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zottlich, adj., auch zottlicht, zöttlicht, zottlig, gleich zottig; in bair.-österr. ma. zottlet: ein zottlichten budelhund polit. maulaffe 14; reime vom zöttlichten hosenteufel Musculus hosenteuffel 3 neudr.; ein zottlicht unthier graf Stolberg 5, 86; sie war ein wildes frauenwesen, schmutzig und zottlig Speck zwei seelen 2 7.
 
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zottmagd, f., 'folgemagd', wie zottjungfrau, zottelmagd: eyn czadmeyd Diefenbach 420c; pedisequa, zotmagd, die der frawen nachtritt Zehner nomenclatura (1645) 295.
 
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zsch im anlaut, besonders von ortsnamen, gehört nach dem östlichen Mitteldeutschland, besonders dem königreich Sachsen, und entspricht in wörtern deutschen ursprungs dem sch. es erscheint auch in manchen mundarten der österreichischen Alpenländer (Kärnten, Tirol) als vertreter von z, meist tsch geschrieben.
 
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zscharren, v.: wenn der pantoffel knarret und das weiblein zscharret, so ist es nicht gut (zeichen heftiger, unerlaubter verliebtheit) Mathesius katechismus 157, ist wohl gleich scharren.
 
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zscheuke, f.: celox .. ein jagschiff, zscheuke: genus navigii brevis et agilis, ein fasell Corvinus 175. küstenländisch oder binnenländisch?
 
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zschirpen, v., zwitschern, vgl. DWB schirpen, schilpen, DWB schülpen: fringultire .. zschirpen wie ein spatz Corvinus 363;

so zschirpt die zarte sommergrille
Kretschmann 1, 198.


 
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zschitzern, v., zwitschern:

dem wagen, der von stein und lauter golde stralt,
sind ztschiz und ztschizernde die geil verbulten spatzen
vereinigt nachgefolgt
Hoffmannswaldau 2, 140 Neukirch.

[Bd. 32, Sp. 142]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zschokerle, n.?, dohle, corvus oder colocus monedula Naumann naturgesch. d. vögel 2, 93; Brehm thierl. 4 9, 241. wahrscheinlich in den österreichischen Alpenländern.
 
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zschuckel, f., ?: es ist ein elendes ding, wenn einer nicht renth und zinse hat, und hat nichts gelernet, weder in der schuel, noch im handwerck, der mus nothalben ein kriegsman werden, oder um hofedienste rennen und laufen, und oft die seel an zaun henken. und da er schon ein dienstlein bekömpt, sitzt er auf der zschuckel, mus allen hoffschrantzen die hende und den halsz füllen und frönen Mathesius Syrach 2, 139b.
 
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zu, adv. und präp., ahd. zuo, zi, ze, za, mhd. zuo, ze, as. afries. tô, ti, te, ags. tô. hierzu auch got. du.
A. herkunft und geschichte der form.
1) die geschichte des zu bietet besonders reichliche beispiele für die allgemeinen vorgänge, die in der ausbildung und umbildung der als adverbien und präpositionen gebrauchten partikeln immer wieder zu beobachten sind (vgl. J. Grimm gr. 2 2, 689 ff.; 3, 242). es ist einmal die wechselnde erweiterung und verengung der wortform wie des gebrauches. von dem adverb spaltet sich als besondere anwendung die präposition ab, vgl. Delbrück grdr. 2 3, 642 ff. diese scheidet sich im germ. regelmäszig als tonschwache form, die auch in der zusammensetzung mit verben ursprünglich ihre stelle hat, von dem betonten adverbium, zugleich der form der nominalen zusammensetzung, s. Sievers Paul u. Braunes beitr. 5, 480, J. Schmidt Kuhns zschr. 26, 24. die spaltung gleicht sich wieder aus, indem die eine form den dienst der anderen übernimmt. diese einheitliche form hat dann wieder das streben, sich dem satzton entsprechend abzustufen. meist verallgemeinerte sich die betonte form des adverbs als die deutlichere, es kann aber auch die tonschwache form sich allein halten, wie es wohl in got. du zu beobachten ist. ein weiterer anlasz zu veränderungen liegt darin, dasz sich der geltungsbereich von *mit dem anderer präpositionen berührte und auf sie übergriff oder sie verlor.
2) die für das westgerm. allgemein bezeugte trennung der präp. *ti, te vom adv. *weist auf eine ältere stufe, wo *auch als präp. gebraucht wurde. diese wird sich schon vor der trennung der germ. hauptmundarten aus dem älteren adv. umgebildet haben, worunter die enge syntactische beziehung zu einem subst. und feste verbindung mit einem casus zu verstehen ist, nicht die stellung. die gegentheilige auffassung, welche diese umbildung dem westgerm. sonderleben zuweist (Brugmann grdr. 2 2, 2, 813) beruht auf der auffassung des dat. als mischcasus, worüber bei der casusrection von zu zu handeln ist.
als ortsadv. stammt es aus dem idg., wie auch die in der bedeutung nahestehenden präp. sl. und lit. do, air. do (Brugmann grdr. 2 2, 2, 787). sie gehen, wie auch die entgegengesetzten präp. lat. de, osk. dat, ir. dī 'von weg, von herab' Delbrück 1, 764, auf hinweisende partikeln zurück. der in ihnen enthaltene pronominalstamm ist in den einzelsprachen durch eine ganze reihe von partikeln örtlicher bedeutung vertreten: av. da in vaēsmanda 'zum hause', gr. δε in οἴκαδε, ἀγορήνδε, Ἀθήναζε (ζ = σδ), ὅνδε δόμονδε, ὅδε, ἐνθάδε, δέ aber, δή, lat. quan-do, denique, i-dem u. s. w., got. unte Brugmann 2, 2, 790. 812; Delbrück 1, 766; Walde 166 f.
auf hohes alter deutet auch got. du, das regelmäszig nur in der verbalcomposition und als präp. erscheint. als solche stimmt es mit westgerm. ti, te, zi, ze so nahe, dasz es unmöglich ist, die wörter zu trennen. daher wird man den der lautverschiebung widersprechenden anlaut wie auch den vocal von du unbedenklich mit Delbrück idg. forsch. 21, 35 daraus erklären, dasz es eine proklitische form ist. nun zeigt sich in unserem schriftgotisch du schon wieder an tonstarker stelle, z. b. du ni waihtai, s. W. Schulze Kuhns zeitschr. 42, 329, sogar als adv. in atgaggandei du προςελθοῦσα Luc. 8, 44; bairandam du Marc. 10, 13 (oft besprochene stellen).

[Bd. 32, Sp. 143]



im nord. ist *verschwunden. im an. wird seine stelle versehen durch das alte at, lat. ad, und das neugebildete til, s. Noreen gesch. d. an. 186 in Pauls grdr.3. at als vertreter von gemeingerm.ist besonders deutlich in der verbindung mit dem inf. das heutige dän. und schwed. hat es nur in dieser verwendung. neben die präp. til ist hier hos getreten, zu hūs gehörig, nur persönlich gebraucht, wie frz. chez Falk-Torp-Davidsen 421.
3) die unterscheidung der formen des adv. und der präp. ist auf dem ganzen westgerm. gebiet immer mehr zurückgetreten. das engl. kennt schon auf der ags. stufe nur tō. in Deutschland sind die kurzformen der präp. innerhalb der literarisch bekannten zeit immer mehr geschwunden. in den maa. findet neben dem adv. zuo die präp. als za, zi, ze nur wohl noch in den österreichischen Alpenländern, so im kärnt. Lexer 267. anderswo beschränkt sich die kurzform auf überlieferte formeln. z. b. im Elsasz Martin-Lienhart 2, 889, und bis ins nfränk. hinunter. die Mühlheimer ma. hat təxlīks 'zugleich', tryk 'zurück', tə 'allzu' Maurmann §§ 84, 151, 189. auch das neunl. hat im formelhaften gebrauch te, neben der herrschenden präp. tot und dem adv. toe.
4) das vordringen der adverbialen form ist am deutlichsten im oberd., wo zuo mit seinem diphthong von ze lautlich am weitesten abstand. es meldete sich das bedürfnis, auch für die präp. eine betonte form zu haben. die alte regel der unbetontheit der präpositionen ist schon früh durchbrochen worden, indem sie vor dem sich an sie anlehnenden tonlosen pron. den ton an sich nahmen. diese betonungsweise ist heute wohl in allen germ. sprachen üblich, allerdings als die eine gegenüber der anderen, wo bei hauptton auf dem verb die gruppe präposition und pronomen als ganzes schwachtonig sind. so haben wir komm zú mir! neben kómm zu mir!, oder auf die frage wann géhst du zu ihm? die antwort ich geh' níe wieder zú ihm. (daneben ist komm zu mír eine willkürliche gelegenheitsbetonung, die hier nicht in betracht kommt). in solchen fällen trat das adv. zuo an die stelle der präp. ze, wie sich gelegentlich im reime deutlich zeigt:

am dritten tage kam sein bruder
und sprach zu ihm: ich kom auch zuder (zu dir)
H. Sachs 5, 270 Keller;

ich bin frau Armt, mein waltbruder,
in groszen trewen kumb ich zu dir 3, 13.

die verschiedene betonung macht in der Schweiz die präp. sogar dreiformig zúə mer, zu der muəter, z'Arau, z'grosz; adv. zuə: zuə luege A. Frey analecta germanica (1906) 40. zuerst erscheint dies bei Notker, belege bei Graff altd. präp. 246 ff., sprachsch. 5, 577. da diese verbindung sehr häufig ist, verbreitete sich zuo als präp. zunächst in Oberdeutschland in der mhd. zeit immer mehr Lachmann z. Iwein 5873. doch blieb es auf solche fälle beschränkt, wo es im satze den ton trug, wie sich auch in den seltenen beispielen zeigt, wo die präp. durch den schlusz des verses vom nomen getrennt wird:

mîn reht ist daʒ ich grîfe zuo
antwurte
Wolfram Willehalm 300, 4.

andere belege bei San-Marte reimregister zu Wolfram 109.
5) zur alleinherrschaft ist zu als präp. im md. gelangt, wo das alte zuo zu zu, im westen zo vereinfacht wurde, welche formen zu den kennzeichen mitteldeutscher texte gehören. zu, zo waren zunächst adverbien, sie konnten aber ze leichter verdrängen, weil der einfache laut sich leichter als der Diphthong abschwächen und den unbetonten satzstellen anpassen kann. auszerdem sind adv. und präp, in der hauptbedeutung einander gleich und stehen in der anwendung so nahe bei einander, dasz sie manchmal schwer zu unterscheiden sind. auf md. gebiet werden seit dem 13. jh. präp. und adv. in der schrift nicht mehr unterschieden.
während die md. aussprache sich in der allgemeinen sprache durchsetzte, hielt sich die oberd. form in der schrift als zuo, z oder auch zue. Brack schreibt: viritim von man zuo man A 4a; appello zuo land scheffen; canna der geradhalm von dem knöplin zuo dem andern

[Bd. 32, Sp. 144]


c 6a. zue ist im 17. jh. eine beliebte orthographische form (schles.?): das andere aber mit gutachten zue eur f. gnaden und der andern herrn fürsten und stände resolution aufgestellet acta publica 1, 40 Palm; zuer erledigung solcher differentz 45; von zeit zue zeit 39; so hat er mich und dieses mein Teutschland weitlich zuer bank gehauet Rist friedewünschende Teutschland 18. Stieler unterscheidet betontes zue von der präp. zu: zuefall accidens gegen zu fall; zuebereiten apparare gegen zu bereiten ad apparandum 2653. vereinzelt ist zui: Fridrich marggraue zui Brandenburg, des saltzes halben in und durch unser landt zui faren urk. des des markgrafen Johann v. Brandenburg (1484) bei Grefe salzdebit der Lüneburger saline 58. wo sich die alte kurzform erhalten hat, wie im nl. und oberd. maa., beschränkt sie sich auf bestimmte erstarrte verbindungen, in denen die präp. eine von der allgemeinen abweichende bedeutung hat.
6) auch für ze- als vorsilbe in der bedeutung zer-, wie sie auf dem ganzen deutschen sprachgebiete bis in die frühmittelhochdeutsche zeit üblich war, ist im md. zu- ebenso allgemein und zur selben zeit wie die präp. zu eingetreten. desgleichen hat im mnd. und afr. to- das ältere te-, ti allmählich verdrängt, z. b. mnd. tobreken, afr. tobreka Richthofen 1088b. mnl. ist noch teblouwen, tebreken u. s. w. Verdam handwb. 588a, im neunl. fehlt die partikel, dafür zusammensetzung mit ver- oder stuk. mit der ausbildung der gemeinsprache, besonders seit dem 17. jahrh. tritt ihm das oberd. zer- immer mehr an die seite, welches dem allgemeinen sprachgefühl, wie auch dem bedürfnis der sprachmeister, die nur in der betonung verschiedenen, in der schrift gleichen formen, wie etwa zúschlagen und zuschlágen, zu unterscheiden, sehr willkommen war. Stieler verwirft es zuerst durchaus: zer- praepositio inseparabilis minuendi, destruendi. improvidi Germanorum zer- et zue saepe pueriliter confundunt dicuntque pro zerschlagen pertundere zueschlagen 2624; 2654. Gottsched folgt ihm, ebenso verdammt Frisch das zu als veraltet 2, 472a; 483a. damit ist die sache entschieden. vorher ist es aber nicht selten, in wbb. wie auch im literarischen gebrauch. das voc. theut. von 1482 (Nürnberg) hat nur zu-. Bas. Faber (1587) hat meist zu-, wechselt aber sogar im selben worte mit zer-; ebenso Corvinus (1623), der z. b. zubrechen, zureiben neben zerbrechen, zerreiben schreibt; immerhin überwiegt bei ihm zer-. noch Schottel braucht zu- ohne bedenken, s. den beleg hierunter. Luther hat auszerdem noch zur-, z. b. zurschellen, zurschrecken Francke 2 1, 72, s. bei zur-. sonst hat er zer-, zu- nebeneinander, und die lange erhaltung des zu- mag auf sein beispiel sich gründen, noch bei Heynatz 2, 674 wird er als zeuge dafür angerufen. literarische belege: als widder einen gemeynen feynd und zustorer der christenheit Luther christl. adel 31 neudr.; lieber herr gott, wie zuengstet sich zuweilen Augustinus do über tischreden 375b; zubrochens herzen ps. 34, 19; zuschlagens und demütigen geists Jes. 57, 15; (Loth) der wird diesen Sodomitern fürgestellet, als wäre er ein narr, den müssen sie zuängsten und zudrängen J. Böhme 2, 400; demnach übergehe ich die unrichtigen gewonheiten, zutrette den stinkenden miszbrauch Schottel sprachk. (1641) 7;

nur zerreiszen
und zubeiszen
wolte ich das ungeheur Reineke Fuchs (Rostock 1650) 390;

und ob wol unschuld den zähnen der verfolgung härter als kieselsteine wäre, so hülfe disz doch nicht zu ihrer erhaltung, sondern sie geriehte nur darüber unter die hämmer, und weil man sie nicht zubeiszen könnte, würde sie gar zermalmet Lohenstein Arminius 2, 1337a;

grüszet herr N. der gläser zubricht
Menantes neue briefe (1723) 347;

andere pflegen auch krebsaugen zu zubeiszen oder etwas kreide hinunter zu schlucken (gegen sodbrennen) Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 330. vgl. th. 15 bei zer-.
7) das adv. trat früh zu der in form und bedeutung verflüchtigten präp. verdeutlichend hinzu, ein vorgang, welcher dem vorgeschichtlichen der umwandlung des ursprünglichen

[Bd. 32, Sp. 145]


ortsadverbs in die präp. gleich ist. und zwar blieb es entweder getrennt:

und kam ze Tintajœle zuo
Gottfried Tristan 3879,

oder es trat unmittelbar vor die präp., mit der es zu einem worte, einer neuen präp. verschmolz. ahd. zuoza, zuoze Graff 5, 575; mhd. zuoze, zuoz, zutz, mit dem pron. verschmelzend zuozim, zuozin mhd. wb. 3, 852b. während diese bildung auf hochd. gebiete weit verbreitet war, beschränkte sie sich nördlich der lautverschiebung auf den westen; as. tote belege bei Wadstein 228; afr. Richthofen 1087b; mnd. tot 'mehr nl., doch zuweilen auch in rein nd. schriften' Schiller-Lübben 4, 593a; mnl. tot Verdam handwb. 595a; im allgemeinen ist diese doppelform wieder verschwunden, doch ist im nl. tot die herrschende form der präp. geblieben. ähnliche bildungen sind mhd. dâze, datz mhd. wb. 1, 689b; 3, 852b, und hinze, hinz Graff 5, 575; 3, 852b, beide ebenfalls verschwunden. das zweite lebt in der bedeutung 'jetzt' im koburgischen fort th. 5, 1547. ferner unze, unz aus untze Graff; mhd. wb. 3, 191a; Lexer 2, 1992, seit dem 14. jahrh. verdrängt durch das aus bî ze entstandene bisz.
B. das adv. zu.
I. in selbständiger verwendung.
1) allgemeines zu als adverb ist in seiner ursprünglichen bedeutung durchaus lebendig; nur ergiebt sich aus dieser eine einschränkung des gebrauchs. seiner herkunft von einem demonstrativ-stamme entsprechend, bezeichnet es die thatsache, dasz irgend eine richtung ins auge gefaszt wird. diese an sich klare eigenbedeutung reicht aber ihrer natur nach niemals aus, um eine deutliche anschauliche vorstellung auszudrücken. zu bedarf daher immer eines ergänzenden wortes, mit dem es im satze in erster linie begrifflich zusammengehört. allein tritt es als adv. nur auf, wenn die ergänzung vorausgesetzt, aber nicht ausgesprochen ist. dann kann es aber gerade recht deutlich sein, im sinne von 'vorwärts', 'gradezu':

sie zerrt das lippen-paar bald hin, bald wieder her,
bald hoch, bald in die läng, bald zu, bald in die quer
Rachel satyr. ged. 132.


die nächste anlehnung bietet, wie bei allen solchen adverbien, das verb. daraus ist mit der ausbildung der besonderen deutschen wortstellung die sogenannte trennbare oder unfeste zusammensetzung entstanden (vgl. Leinen über wesen u. entstehung d. trennb. zus. des deutschen zeitwortes Straszb. 1891; Brugmann über das wesen der sogenannten wortzusammensetzung, verh. der k. sächs. ges. d. wiss. phil.-hist. cl. 52, 358 ff.). diese war schon bei beginn unserer literarischen überlieferung ausgebildet, aber sie hat, bei zu ganz deutlich, eine entwicklung durchgemacht. im as., ags., ahd. und noch im mhd. und mnd. ist das begriffliche band zwischen verb und adv. noch loser, weil das adv. noch durchaus seine anschauliche räumliche bedeutung hat und darum selbständiger ist; vgl. die belege und hinweise bei Schmeller Heliand 2, 118b, fürs ahd. auszer bei Graff die specialglossare für Tatian u. Otfried, ferner die liste bei Lexer 3, 1180 ff. und San Marte reimreg. 109. es ist dann oft nicht leicht zu sagen, ob zuo zum verb oder zu einem anderen wort in der nächsten beziehung steht:

wem gefuor ie künegîn sô zuo?
Wolfram Willehalm 148, 20;

der kêrte sîme herren zuo Parz. 349, 27;

dô sprach er Obilôte zuo 368, 13;

wan dâ hœrt doch arbeit zuo
Hartmann Iwein 2735.


in der heutigen sprache wird das räumlich gebrauchte freie adv. in der bedeutung deutlich von der unfesten zusammensetzung unterschieden, welche dadurch enger geworden ist, dasz sie eine einheitliche, mehr oder weniger übertragene bedeutung bekommen hat. wir unterscheiden er ging langsam dem walde zu gegen heute ging mir ihr schreiben vom 8. dieses monats zu, oder er kam auf uns zu gelaufen gegen der hund ist uns zugelaufen. die form der sätze ist gleich, die bedeutung und die beziehungen von zu sind wesentlich verschieden. wo wir zu als selbständiges adv. empfinden, vermögen wir nicht

[Bd. 32, Sp. 146]


den inf. für sich allein zu bilden; zugehen und zulaufen haben als solche nur die zweite bedeutung. auch haben die dem adv. vorangehenden, es bestimmenden wörter, wo das verb auf zu folgt, bei stark hervorhebender sprechweise ihren eigenen ton, während sie im anderen falle sich dem ton des verbs unterordnen. in der orthographie wird der unterschied nicht immer beachtet. auch heute schreibt noch mancher wie Forster, sinn- und tonwidrig: auch ist fast jede allee des Augartens ... zeuge der wünsche, die ich für sein ... wohl dem himmel zugebetet habe 7, 123.
andererseits übt die formale gleichheit der beiden ausdrucksweisen ihren einflusz auf die bedeutung aus. zu nimmt auch allein eine bedeutung an, die ihm zunächst nur in der verbindung mit verben zukommt. so entstand die bedeutung zu 'geschlossen', s. u. bei II 4.
ein ähnliches sich-trennen und sich-berühren ist zwischen der adverbialen und der präpositionalen construction zu beobachten. in der alten sprache ist kein unterschied der bedeutung zwischen er gie im zuo und er gie ze im, zwischen er sprach im zuo und er sprach ze im. es ist nicht viel mehr, als was es ursprünglich war, ein unterschied der wortstellung und damit des klangbildes des satzes, kein unterschied des sinns, sondern nur der stärke des ausdrucks. die neuere sprache unterscheidet aber sehr genau er sprach zu ihm und er sprach ihm zu, er schwamm zum ufer und er schwamm dem ufer zu, vgl. u. bei II 1. aber wiederum werden in mundartlicher ausdrucksweise solche wendungen, die zunächst mit der präp. gebildet sind, in die form des adverbialen satzes umgelegt. westf. hei wurr den herren seo fräch teo 'er wurde so frech gegen den herrn', da es mir dünne tau 'das ist mir zu klein' zeitschr. f. d. phil. 16, 95. das sind aber einzelne fälle, im allgemeinen beruht der heutige gebrauch des adverbs zu auf seiner eigenen geschichte.
2) zu als allgemeines adv. der richtung wird ergänzt
a) durch das entgegengesetzte ab, in der formel ab und zu, die fast gleichbedeutend ist mit hin und her th. 5, 1373, hin und wieder 1374. die sinngemäszere folge zu und ab ist sehr selten: so ich mit einem öffentlichen, freien sichern geleite zu und abe gnugsam versehen würde Luther protestation 1, 340a. ab und zu ist mhd. noch nicht belegt, erscheint aber schon im frühnhd., zunächst noch in bestimmter räumlicher bedeutung: münch Albrecht z manch malen .. von der schönen frawen ab und z gieng Arigo decameron 262. bald geht es über in die bedeutung des häufigen 'hin und her', ohne rücksicht auf den ausgang oder das ziel der bewegung:

lauf gschwind hurtig ab und zu,
gleich wie ein vöglin, das heiszt ku
Scheit Grobianus v. 424;

die segel gehen ohne ruh'
in gröszter zahl mit waaren ab und zu:
Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 57;

viele fremde, .., ritten auf der Harlburg ab und zu Fouqué altsächs. bildersaal 2, 281; die freunde des verstorbenen und zahlreiche geschäftsleute gingen ab und zu, halfen und ordneten Keller 1, 30; Anne Lene ging in stiller geschäftigkeit ab und zu Storm 1, 76. in der umgangssprache sehr beliebt ist die zeitliche anwendung im sinne von 'von zeit zu zeit, gelegentlich', vgl. DWB ab und an: ein geschöpf, das nicht ab und zu einmal in die stadt fährt Fr. L. Schröder 3, 9; aus der verfolgten gondel schallte ab und zu der heisere schrei des papageis Gaudy 13, 23. ähnlich zu und weg: aber .. alle 32 winde, sie mögen schöne tage zu- oder wegwehen, halten länger an als die windstille der ruhe! Jean Paul 15/18, 388.
b) durch einen das ziel der bewegung bezeichnenden dativ. dieser ist nicht der casus der präp. zu, sondern der seit alters in der 'bestimmungsgruppe verb mit substantiv und adverb' übliche, s. Behaghel Heliand-syntax § 332, bes. s. 211. (Erdmann unters. zur Otfrid-syntax 2, 226 bespricht nur die fälle mit ingegin und nicht die mit zua.) das ziel ist, wenigstens nach heutigem sprachgefühl, noch nicht erreicht gedacht, die bewegung also in

[Bd. 32, Sp. 147]


ihrer dauer vorgestellt, im gegensatz zu der präpositionalen verbindung, die in der regel die erreichung des ziels einschlieszt, oder doch nicht ausschlieszt. wir unterscheiden danach er ging dem hafen zu von er ging zum hafen, was den ganzen verlauf der bewegung darstellt. die ausdrucksform ist ausgesprochen literarisch und in der umgangssprache nicht üblich, welche verbindungen mit anderen präpositionen vorzieht: ich gehe auf das haus zu, nach dem hafen zu u. ä., s. u. darum wird sie gern und auch falsch gebraucht, um einen gewählten ausdruck zu erzielen. er fährt dem dorfe zu im sinne von er fährt zum dorfe ist ein beliebter fehler in tertianeraufsätzen.
α) von wirklichen bewegungen: und ziehet ein jeder seinem losament zu Fronsperger kriegsbuch 1, C 6b; darnach fart er ... der Normandy zu Seb. Münster cosmogr. l;

der gantze hauf am selben end,
versamlet sich in kurtzer weil
und lief Atridae zu in eil
Spreng Ilias 2, 21a;

und wann es an ein nisen geht,
dem nechsten zu der bey dir steht
solt husten in sein angesicht
Scheit Grobianus v. 265;

im taumel meiner wonne .. floh ich .. dem palaste meiner mutter zu Gerstenberg Ugolino 244 Hamel; der pfarrherr mit dem vater gingen dem gemeindehause zu Göthe 25, 49;

sie richtet ihren tritt der schwelle zu 11, 30;

er eilt durch wiesen, die der thau befeuchtet,
dem kloster zu, das ihm entgegenleuchtet 16, 173;

schon zog der aar dem horste zu
Droste-Hülshoff 2, 30;

doch gottes engel kennt sie wohl, und schirmend breitet er die flügel
den kreuzlein zu, die pflock an pflock
sich reihen um den marmorblock 2, 13;

und sah die collegen dem stadtthor zu ziehen Raabe Horacker 17; damit wandte er sich ab, der wand zu Polenz Grabenhäger 390. auch übertragen:

verbannung, tod, entwürdigung umschlieszen
mich fest und ängsten mich einander zu
Göthe 10, 371.

einem zu wollen hiesz in älterer sprache 'ihm zu leibe wollen': wo man dir von des evangelii wegen zu wil Luther 32, 395 Weim.; wenn man dem hunde zu wil, so hat er das ledder gefressen (wenn man einen fassen will, so hat er leicht eine entschuldigung) 5, 270b Jena. dazu: wo man dir mit gewalt nicht zu kan 394. mnd. heiszt einem to wesen 'einem zu leibe gehn' Schiller-Lübben 4, 552. das verb bleibt hier auch unausgedrückt: und weil S. Paulus zu wenig geleret, besserstu den harnisch mit einem langen spiesz, und flugs mir zu mit bloszem kopf, bloszer brust, bloszem bauch Luther antwort auf das überchristl. buch bocks Emser 1, 366b.
β) selten vom blick, weil leicht miszverständlich: und blickte ruhig der gegend zu, von wo der mächtige Attila herkommen sollte Fouqué altsächs. bildersaal 175.
γ) das ziel ist ein mehr oder weniger räumlich gedachter zustand: dem himel zu fahren, wie ein kuh in ein mäusloch Nas warnungsengel 102; das seelosz verwegen volck aller kriegsknecht, das do gält näme und züge dem tüfel zu Eberlin v. Günzburg 1, 13 neudr.; das ist nun der schelmen mumia, der nichts soll oder nütz ist, dann allein in die erden mit ihm, den würmen zu Paracelsus 2, 311c Huser;

gib gott, dasz ich ersteh vom grab dem himmel zu
Logau 375 Eitner, nr. 777;

der abend kommt heran, ich geh dem tode zu nr. 779;

sein wöhr ein jeder bald ergriff
und eilten der versammlung zu
Spreng Ilias 2, 15a;

so gehn die hochzeit-leut
der trauung zu in aller erbarkeit
Chr. Reuter Harlequins hochz.-schmaus 66;

er zwang das kirchenrecht in engere grenzen, einer gallicanischen kirche zu arbeitend Laube 4, 146.

[Bd. 32, Sp. 148]



δ) es wird, vom redenden aus geschaut, eine lage angegeben: von dem querschiffe, dem hauptaltar zu, enthält das hauptschiff den chor Stifter 14, 280.
ε) zu mit dem dativ vertritt auch eine trennbare zusammensetzung:

lieb thier,
es gilt dir,
lieb kuh,
mir zu, (vom zutrincken)
Lehman florilegium 2, 780.


c) durch eine vorausgehende präposition.
auf. in dieser verbindung verliert auf die bedeutung des 'hinauf', man vergleiche ich gehe auf den turm und auf den turm zu. in der auffassung der bewegung stimmt diese verbindung mit der dativ-verbindung, aber sie ist allgemein, gerade in der umgangsprache, durchaus üblich: er zohe nach seiner wal bald ausz Teutschland auf Rom zu Seb. Franck chron. Germ. (1538) 23; ja er machte sich nach wenig monaten auf, und auf Nürnberg zu Nas antipap. eins u. hundert 2, F viia; die mit so unzalbarem volck der Hunnen .. auf Gallien zu naheten Stumpf Schwytzerchron. 192a; (.. hawen auf einander zu,) schausp. engl. com. 227 Creizenach (scenische bem.); als ich solches hörete, gieng ich eiligst auf sie zu Chr. Reuter Plissine 10 neudr.; zween äpfel fielen vom körbchen, und hüpften den hügel herunter, gerade auf mich, auf mich zu Sal. Geszner (1778) 2, 32; mein kleines singchor, ..., bildet sich recht hübsch und wirkt auch schon auf das theater zu Göthe IV 19, 475; und beide sind denn ein bischen auf Wilmersdorf zu Fontane I 5, 119. auch zeitlich; er geht auf die fünfzig zu.
gegen. alterthümlich als bezeichnung der richtung, vgl. IV 1, 2211: also hat man die .. hohen gebirg in den wellischen Alben gegen abend zu auch beleget Mathesius Sarepta 16a; ob ich gegen abend oder gegen der sonne niedergang zu marschiren sollte Chr. Reuter Schelmuffsky 13 neudr. in der regel zur angabe einer lage im raume, wobei das auge den gegenstand in einer bestimmten richtung sucht: der (weg), gegen der rechten hand zu, war ein fuszpfad Moscherosch gesichte 342; sondern es wäre auch ein bequem gartenhaus, das etliche fenster gegen dem garten zu hätte Chr. Weise erznarren 69 neudr.; gegen die grenzen der wiesen zu war ein gebirgsbach, über welchen ein hoher steg führte Stifter 5, 1, 220. man sagt auch zeitlich es geht gegen mittag zu, wo zu aber eine überflüssige erweiterung ist.
nach. in richtungsangaben. nach heutigem sprachgefühl nur bei ortsnamen oder bestimmten ortsangaben:

wo nach der Pleisze zu die schnellen posten eilen
König ged. 45;

sie seyn jetzo auf der reise nach Egypten zu Schupp 294 (Lucidor); ich ritt auf dem fuszpfade nach der hecke zu Göthe 23, 75; man ritt auf dem wege nach Langendamm zu Polenz Grabenhäger 1, 33. hart sind ausdrücke wie: sie ging nach einer groszen pfütze zu Ludwig 2, 23.
beliebt scheint die verbindung in der gelehrten poesie des 17.—18. jhs. gewesen zu sein, auch des reimes wegen. dabei wird oft die bewegung als ganzes gemeint:

der nach dem hofe zu, die in das königreich
König 14;

das gevögel in den lüften
fleucht nach seinen löchern zu
M. Behm Königsberger dichterkreis 87 neudr.

in lagebestimmungen, vgl. bei b δ: wir hatten ein paar grosze zimmer im seitenflügel nach dem hofe zu Göthe 25, 170; der untere gelbe saum nach dem weiszen zu II 1, 114; vor dem hause nach dem strande zu war ein fischerplatz Steffens was ich erlebte 1, 29. von einer gedachten richtung: der tüchtige mensch wird sich bald von auszen nach innen zu bilden Göthe 24, 273; Göthe hat die tragödie nach dem genrebilde zu zerstückelt und abgeschwächt Ludwig 5, 233.
zu, im ganzen selten und veraltet, zur genauen bezeichnung einer richtung:

[Bd. 32, Sp. 149]


da stund vom Gisen zwar herauf
zum kaufhaus zu, ein solcher hauf
von mann und weibern, jung und alt
Fischart glückh. schiff 22 neudr.;

trit zu ihm zu
P. Gerhardt 3, 329b Fischer-Tümpel;

eines males sihet er zwene zimmerleute, mit einem langen zimmer, das sie auf den achseln tragen, zu einem engen geszlein zu Hayneccius Hans Pfriem 4 neudr.; sie (die bilder) werden, je nachdem der brechende winkel gehalten wird, vom beobachter ab oder zum beobachter zu gerückt Göthe II 2, 28. die präp. wird durch das adv. wiederholt:

oho, sasa, zum teufel zu I 16, 3;

weil du ganz und gar keine lust zu nirgends zu hast Chr. Reuter Schelmuffsky 12 neudr.
d) durch ein anderes adverb.
α) das adv. steht neben zu und rückt mit ihm zu einem worte zusammen, ahd. hera zuo, (h)wara zuo, dâr zuo, dara zuo Graff 5, 578; mhd. her zuo, hin zuo, zuo hin, zuo her, dâ zuo, war zuo mhd. wb. 3, 516a; Lexer 3, 686; nhd. herzu, hinzu, zuhin, bei Maaler zuhin fliegen, von Frisch als veraltet abgelehnt 2, 483a, dazu, wozu, hinden zu Maaler 222d, Frisius 1422a, hindenanz Maaler, von hinten zu, gerade zu, nahe zu, stracks zu, gleiche zu, veraltet Steinbach 2, 1122; zuwärts. mehr mundartlich sind hinauf zu, neben zu, bei zu th. 1, 1411 (nordd. nach nd. bi to), heim zu th. 4, 2, 885; überhaupt wuchern diese bildungen in der alltagsprache, s. die musterkarte bei Martin-Lienhart 2, 889: und stilschweigen die lüt hinden z in arsz liesz sehen Till Eulenspiegel 6 neudr.;

frösche tügen hinten zu, fornen aber nicht zum essen
Logau 336 Eitner;

Johanna (ergreift ihn von hinten zu am helmbusch) Schiller 13, 279; bespottinge van achter tô doet einem wê Tunnicius nr. 278 Hoffmann; dann und wann sah sie, wie nach hinten zu der kleine plättofen glühte Fontane I 5, 128; man musz zuweilen .. schimpfende, lächerliche und kurtzweilige reden je der gelegenheit nach neben zu einflicken Jac. Frey gartengesellschaft 4 Bolte; wir wöllen heyme zu Fischart geschichtsklitterung 139;

ein lorberstreuszlin sie im liesz,
das er heim zu ein zeichen brecht
Scheit frölich heimfart O iiia.

hierher gehört das zeitliche iezuo, aus welchem jetzt entstanden ist, s. IV, 2, 2314.
β) das pron. adv. da, hier, wo geht voran, im einfachen satz an dessen spitze. diese alterthümliche und rhythmisch bequeme ausdrucksweise ist auf die umgangssprache beschränkt, aber überall üblich, s. th. 2, 654 f., Paul d. wb. 85b. seit die schulgrammatik sie gebrandmarkt hat, gilt sie als besonderes kennzeichen nachlässiger, ungebildeter rede.
die literarischen belege dieser sogenannten abtrennung des zu gehören der älteren zeit an oder einer absichtlich mundartlich gefärbten redeweise. auffällig sind einige stellen mit wo in rein räumlicher bedeutung, welche das einheitliche wort wozu ganz verloren hat. dagegen hat die verbindung mit da mehr eine übertragene bedeutung: da gebe gott seine gnade zu Luther 23, 12 Weim.; da sagen die rechten heyligen neyn tzu 10, 1, 460 (weitere belege aus Luther bei Francke 2 2, 180); war zu man ihn brauchen wolte, da war er geschickt zu Alberus fabeln 12 neudr.; ist mir nun dise büberei also geschehen euwers hus halben, da kan ich nit zu Eulenspiegel 121 neudr.; ich gib nun aber kein geld zu 51; da sage ich nein zu Liscow 651;

wo fahrt ihr denn zu?
immer nach dem thore zu
Chr. Reuter Schlampampe 97;

sagt, wiszt ihr, wo Marloff oder Friedheim zu liegt? Tieck 5, 74; neffe, sprich, gieb's von dir, wo du zu willst Müllner 7, 270.
γ) das pronominale adv. unterbleibt nicht selten in älterer sprache oder lässiger rede; dann erscheint zu ganz

[Bd. 32, Sp. 150]


selbständig, die beziehung ist aber irgendwie hinzugedacht:

vor kam ich allweg sichlich wol z
N. Manuel 470 Bächtold;

ein kleinot woltest haben du,
wie möcht ich aber kommen zu?
Spreng Ilias 4a;

noch manchen gott würd' ich so an die wand hinarbeiten (malen), aber ich kann vor meinem bauch nimmer zu maler Müller 1, 166;

was würde euer mann zu sagen?
Tieck 1, 135.


dagegen haben wir noch einfach die alte räumliche bedeutung von zu in beispielen des 17. jahrh., wo wir allgemein hinzu oder herzu sagen: denn der krieg wäre ein gefährliches feuer, welches zu leschen alle kluge nachbarn zulaufen müsten Lohenstein Arminius 2, 1278a;

der hirte läszt die herde stehn,
läuft zu, um beim vorübergehn
an deinen augen sich zu weiden
Stoppe Parnasz 3;

Francesco springt zu und befreit Gaddo Gerstenberg Ugolino 253 Hamel.
3) neben solchen verben, welche für sich schon eine bewegung in irgend einer richtung bezeichnen, giebt zu diesem vorgang selber einen gewissen nachdruck. es wirkt etwa so wie die präp. do und po beim slav. verbum. es bezeichnet zunächst das einsetzen der thätigkeit, z. b. in schlag zu! stosz zu! schieszt zu!, im mhd. zuoslâfen 'einschlafen' Lexer 3, 1187, mnd. tōslāpen Schiller-Lübben 4, 589b. daraus entwickelt sich der begriff der beschleunigung Adelung lehrgebäude 2, 136, überhaupt der anspannung, der energischen verstärkung des thuns: ich will schnell zu arbeiten, feste zu hauen ordentlich zu schlagen. dies ist besonders im nd. und in der vom nd. beeinfluszten sprache ausgebildet. so entstehen der form nach unfeste zusammensetzungen; darin ist zu aber immer selbständig und hat überall die gleiche bedeutung, vgl. u. II 2.
hiermit berührt sich zu in der bedeutung des ausharrens, der unablässigen thätigkeit. dies leitet sich unmittelbar von zu im sinne von 'weiter', 'gerade zu' ab, was immer weiter geht, läszt nicht ab. so spricht, deutlich scheidend, Steinbach von der significatio festinandi vel continuandi 2, 1122.
die erste bedeutung geht von bildungen aus, die als unfeste zusammensetzungen aufzufassen sind, vgl. unten. aber schon durch die berührung mit der zweiten, die auf dem einfachen adv. beruht, zeigt sich die selbständigkeit dieses zu. allgemein wird es auszerdem ohne eine anlehnung an ein verb gebraucht. in dem anruf nur zu denkt man an gar keine besondere art von bewegung, sondern es genügt hier die allgemeine bedeutung des adv.
a) verstärkendes zu. sein besonderer platz ist in antreibendem zurufen: geh zu! drauf zu! schlag zu! zu, vorwärts! mach zu, dasz du fertig wirst! belege:

schlag zu, pehr zu, und blew im auch
sein rucken so weich als ein bauch
Sachs 14, 58 Keller-Götze;

spann an! fahr zu! es hat kein noth
Ayrer dramen 308 Keller;

da regnets eitel glück, dasz man im koth sitzt bis über die ohren, da hagelts mit reichsthalern zu, dasz es beulen gibt Schupp 531;

kratzt und scharret nur zu; erst findet ihr moos an den wurzeln
Göthe 50, 58 Weim. (R. F. 5, 200);

fahrt zu, Fricke, und fahrt wo möglich leise! Raabe Horacker 176; da erst erstickte der jubelruf: zu braver junge! in dem angstruf: er ist verloren! Ludwig 1, 373; ich habe gestern und heute bis mittag papiere durchgesehn und verbrannt, und damit manches stück vergangenheit hinter mir geworfen, was ... unter dem lesen wieder so frisch aus dem grabe stieg dasz ich wollte, ich hätte lieber blind zugebrannt, dann wäre es mir wenig gewesen Droste-Hülshoff deutsche rundschau 151, 292 (an E. Rüdiger). noch ein bezeichnendes plattdeutsches beispiel: 'bliev man ümmer hier, scholmeister,

[Bd. 32, Sp. 151]


denn kakt Anna god to' (wenn der lehrer zum mittagessen kommt, wird besser gekocht) Fehrs 2, 98.
als verstärkung dieses zu erscheint nur zu, wie nur fort! nur her! nur weiter th. 7, 1006:

(Saladin)
nur zu! ich habe nicht zuerst gezogen
Lessing 3, 42 (Nathan II 1);

da ergriff ihn ein solcher schrecken, dasz er nicht aufhörte zum fuhrmann zu rufen: nur zu! nur zu! Göthe 43, 227;

nur zu! bald sind sie da 9, 90 Weim. (mitsch. 677);

nur zu! rühr' mit dem ungeheuren spane
den kessel um!
Rückert 1, 12.

plattd. man to, in nordd. umgangssprache in der mischform man zu sehr beliebt, daher auch bei norddeutscher halbmundart: du sollst es uns erzählen! hier auf der stelle! man zu, Hein! Frenssen Jörn Uhl 432.
b) zu drückt das unablässige thun aus: wie sie mich dasselbe mal zu hertzte und zu leckte Chr. Reuter Schelmuffsky 8 neudr. (B). meist in die vorstellung des angespannten, energischen übergehend:

ich mahle zu und streiche zu,
und sehe kaum mehr was ich thu
Göthe 16, 151 Weim. (künstlers apotheose);

denn er läutete zu wie toll und törig 50, 39 (R. F. 3, 294).

ans werk, ans werk
und laszt euch nicht ruh!
gegraben, gehämmert,
zu und zu!
Raabe nach d. gr. kriege 225.

so heiszt zue-mache in Basel, im gegensatz zu der in Norddeutschland herrschenden bedeutung, 'fortfahren' Seiler 328a. meist ist es erweitert als in einem zu: es regnet, er gähnt in einem zu s. th. 3, 116, wie in einem fort 4, 9, und als immer zu: er redet immerzu; es soll auch ein regent immer zu seine majestät und hoheit wol genau acht haben Schupp 556; womit ein neuer haven erst (zuerst) gefüllet wird, darnach schmecket er immer zu 559; ich versprach, was sie begehrte, ich hätte zu und immer zu versprochen Göthe 25, 146;

immer zu! immer zu!
ohne rast und ruh! 1, 84;

und du, du menschen-schifflein dort,
fahr immer, immer zu! 1, 95.

immer zu mit beziehung auf ein verb. hat einräumende bedeutung, th. 4, 2, 2072:

sturm immer zu.wir stehen fest
Filidor der Dorferer geharnschte Venus 43.

durch nur erweitert nur immer zu:

nur immer zu! euch ist die welt erschlossen
Göthe 3, 25;

nur immer grade zu, geh zu Adelen 4, 54;

ihr auge bat: nur immer zu!
je weher, desto besser
Mörike 1, 60 (Göschen).

sing nur als zu hessisch s. th. 1, 247.
c) hierher gehört auch der vom 16.—18. jh. oft belegte wunsch und grusz glück zu, dem bergmannsgrusz glück auf verwandt, s. th. 1, 604, jetzt veraltet:

glück zu, ir herrn und gsellen mein!
H. Sachs 5, 97 Keller;

hierauf ruft inen das volck z,
glück zu, glück zu, mit guter rh,
vollbringet frisch und gsund die reisz
Fischart glückhafte schiff 8 neudr.;

glück zu, gevatterin! ich wil euch wunder sagen
Rachel satyr. ged. 25 neudr.;

glück zu, o jüden-könig!
P. Gerhardt 3, 304 Fischer-Tümpel;

(Franz) glück zu, Franz! weg ist das schooskind Schiller 2, 24. eine erweiterung ist:

glück zu auf meiner seiten
Fr. Forster teutsche liedlein 61 neudr.

auch bei Seb. Franck sprichw. (1541) A ii 3b.
adv. ist zu auch vor dem dativ: glück zu dem neueren künig Züricher bibel (1 kön. 10). Pickelhäring verdreht es in strick zu, junker könig schausp. engl. comöd. 78 Creizenach.
4) zu, prädicativ für 'geschlossen', mit gegensätzlichem auf im wechselgebrauch zusammengehörend (vgl. Brugmann

[Bd. 32, Sp. 152]


grdr. 2 2, 2, 773) ist eine abkürzung aus zusammensetzungen wie zugeschlossen, zugemacht u. ä., in welchen die erklärung dieser abliegenden bedeutung zu suchen ist, u. II 4. sie ist erst gegen ende des mittelalters in den allgemeinen gebrauch gekommen. mhd. nur einmal aus dem 14. jh. belegt (zuo stân, stelle aus den mystikern mhd. wb. 2, 2, 576a z. 45). im frühnhd. ist sie allgemein bekannt, wie im heutigen nhd., nd. und nl. diese kürzung lag sehr nahe, weil in den zusammengesetzten verbalformen die präp. die bedeutung beherrschte, besonders in zuotuon, zuogetân.
so tritt es dann in verbindung mit sein, bleiben, werden, auch haben, halten, behalten. eigenthümlich ist die verbindung mit gehen: das fenster geht nicht zu 'es läszt sich nicht (vollständig) schlieszen' Adelung lehrgeb. 2, 136.
a) frühe belege: do hatte der torworte der thor gereite dry uf geton, bisz uf eyn tor das uszerste, das was noch zu, und her slosz gereite doran, das behilt her kumme zu, wanne dy ausze worn, dy slugen mit exsen dar an und drungen dor an Stolle thüring. chron. 2 Hessel; wo sol er (Abraham) hyn? alle land sind yhm zu Luther 24, 450 Weim.; da war die thür des himmels zu Ringwaldt evangelia k 7b; es schlafen nit alle die die augen zu hond H. Bebel klugreden 156b;

die thor sind numehr alle zu
Eyering proverb. 3, 129.


b) zu wird zunächst von dem gesagt, was schlieszt, dann auch von dem, was verschlossen wird, wie die thür ist auch das haus, wie das augenlied das auge zu. es gesellt sich vorzugsweise zu solchen begriffen, die in der alltagsrede immer wiederkehren, in welcher es in erster linie zu hause ist. es hält auch bei übertragungen in den kreis des unsinnlichen die räumliche anschauung fest. der reichstag ist zu kann in nachlässiger sprache heiszen 'das reichstagsgebäude ist verschlossen', aber nie 'der reichstag ist geschlossen'. bei einem so lebendigen brauche sind reichlichere belege am platze.
bei thor, thür u. ä.:

die ober stallthür, die ist zu
H. Sachs 9, 258 Keller-Götze;

mein begehren ist, dasz ihrs mirs noch einmal thun solt, die weil die thür noch zu ist Grimmelshausen 2, 420 Keller;

nachdem er (der Messias) aber kömpt, sind alle thüren zue
Opitz teutsche poem. 181 neudr.;

es ist auch keine thüre, die nicht einmal aufginge, und wäre sie noch so lang zu gewesen Ludwig 2, 343.; er schlug noch mit der faust auf das eiserne Thor, recht freudig, dasz es einmal zu sei Stifter 2, 83;

auf grünem kirchhof blieb ich stehn
und sah ein haus fast grosz und schön,
doch thür und fensterladen zu
und alles still in todter ruh
Boie 336 Weinhold;

das haus ist sein, hat ers gern zu,
ist billich dasz ers selber thu
Scheit Grobianus 2373;

alle läden sind noch zu, und ist alles erst im anfang (der fremdenzeit in Karlsbad) Göthe IV 19, 343; der präsident hat ihn einen naseweis geheiszen: ergo ist das glücksthür gesperrt, der schlagbaum ist zu Iffland 8, 18; wie kommts aber, dasz das begräbnüsz noch zu ist Chr. Reuter Schlampampe 135 neudr.
bei augen, ohren, nase: dein augen sollen zu sein über dich, die weil mein augen offen sind über dich Luther 18, 489 Weim.; behalt die augen zu, bisz es (die draufgestrichene salbe) zergehet Gäbelkower artzneyb. 1, 86, die augen waren zu, und die kleine hand war fest geschlossen Storm 1, 94;

und doch hast du die augenlider zu
H. v. Kleist 2, 276;

sind des richters ohren zu?
Logau 662 Eitner.

die ober-erde ging zur ruh
und hatte sinn und augen zu geharnschte Venus 135 neudr.;

die geisterwelt ist nicht verschlossen:
dein sinn ist zu, dein herz ist todt!
Göthe 14, 30.

[Bd. 32, Sp. 153]


sprichwörtlich: wer in fremde land reiset, der musz das maul zu und den säckel offen haben Lehman florileg. polit. 2, 709; wenn das loch unter der nasen zu were, blieb viel bösz unterwegen 552 (ähnlich schöne weise klugreden 21a).
von der kleidung: dy manne trugen rocke, dy woren forne czu allirdinge Stolle thüring. chron. 190 Hessel; ei, lasz doch die knöpfe zu, Anton! Iffland 2, 16; das fräle begriff nicht, wie ihr das kleid zu geworden sei Ludwig 2, 296;

... wiltu das pfeiffenwerck recht treiben
so las die andern finger zu bleiben
Agricola musica instrumentalis deudsch 12.


sonstiges: abergläubische mägde .. kaufen .. vor dem heiligen abend .. semmel und zwar das letzte stöszchen, das auf einem ende zu ist Grimm d. sagen 1, 89; wenn die Spree all nich zu wird (zufriert, vgl. nl. toeliggen 'zugefroren sein'), denn bin ich in stücker dreivier tagen all widder retur von Berlin H. Hauptmann biberpelz 23;

halb aufgeblüht, und halb noch zu,
ach, lächelst du auf mich
R. Z. Becker Mildheim. liederb. 17;

ihr wendet kaum den rücken, so ist auch schon das buch zu Göthe 43, 48;

zet — u — zu,
machs buch zu! (kinderspruch)
Brendicke 195b.


c) der imker sagt: die jungen immen sind zu (vorher sind sie offen; wenn die brut die gehörige grösze hat, erhält sie einen deckel und liegt 9—10 tage verschlossen) Overbeck gloss. melitt. (1765) 51.
d) zu zeigt seine selbständigkeit ohne die stütze eines verbs, besonders in befehlendem anruf, in öffentlichen aufschriften tür zu! die augen zu! buch zu!: halt, halt, die nasen zu schausp. engl. comödianten 95 Creizenach;

'du hast ein kleines beutelein
es giengen kaum drey heller drein.'
sie lacht und sprach 'nein nein, zu zu'.
Forster frische teutsche liedlein 106 neudr.;

wirklich, es waren knallbonbons. .. 'aber nun müssen wir auch ziehen, Lene; halt fest und augen zu!' Fontane I 5, 138; nun einmal aufmerksam gelesen, gemessen, gewogen! dann buch zu! Bürger 179b Bohtz. auch in einen satz eingefügt:

schläft du auch mit augen zu,
findet doch dein geist nicht ruh
Heine 2, 230 Elster.


e) von der prädicativen anwendung geht es auch hier in die attributive über, in welcher zu sogar unbesorgt flectiert wird. dieser brauch ist mundartlich und in lässiger umgangssprache im ganzen sprachgebiet zu hause, wird aber in sorgfältiger sprache durchaus gemieden. die flectierte form heiszt zuer, zue, zues; kärnt. zuoer, zuoe; nd. toe; im südwesten zuener, zuene: ein zuer wagen, eine zue droschke, er sitzt am zuene fenster Wunderlich umgangspr. 229; Albrecht 241b; Kleemann 26b; Askenasy 48; Jecht 128b; Lexer kärnt. wb. 267; Schmid schwäb. wb. 551. in der literatur nur gelegentlich: so wären sie ... in einem zuenen wagen ... forttransportiert worden Bettine dies buch gehört d. könig 1, 134.
II. verbale zusammensetzungen mit zu.
die verben mit zu- bilden heute begrifflich eine einheit, in welcher die bedeutung des einfachen verbs mehr oder weniger verändert oder abgelenkt erscheint. zu unterscheiden ist dabei die hauptmasse der zusammensetzungen, worin die bedeutung von zu als des in eine richtung auf irgend etwas weisenden adv. zur geltung kommt, von bestimmten einzelnen gruppen, in denen zu jedesmal eine besonders abgezweigte und selbständig gewordene bedeutung hat.
1) die verben der hauptgruppe bezeichnen durchweg den vorgang, der sich vom subject auf das ziel zubewegt, nicht ausschlieszlich als einen räumlichen, sondern sie vermitteln durchweg irgend eine, bald leise anklingende, bald unbedingt herrschende innere beziehung zwischen dem subj.

[Bd. 32, Sp. 154]


und dem ziel. dies erscheint, mit ausnahme der ersten untergruppe, stets als ein persönlicher oder 'persönlichgefärbter dativ' (J. Grimm gr. 2 4, 812, vgl. auch Erdmann-Mensing 2 § 258). man kann ihn nicht mit Paul wb. 572a aus dem dativ der präp. zu erklären, weil bei dieser die grundlegende räumliche bedeutung auch bei weiterer übertragung erhalten bleibt und weil die präpositionale verbindung gerade im gegensatz zur verbalen zusammensetzung verwandt wird: der vater bringt den sohn zur schule gegen dieser lehrer bringt der schule neue schüler zu; er redete zu ihm gegen er redete ihm zu. die drei ausdrucksformen zu als adv., zu als präp. und zu mit verb zeigen eine wachsende abschwächung der räumlichen auffassung und steigerung des persönlichen antheils: der vogel fliegt dem neste zu, der vogel fliegt zum neste, der vogel ist uns zugeflogen (vgl. oben I 1).
geschichtlich gehen diese zusammensetzungen unmittelbar oder als nachbildungen auf solche zurück, wo zu unzweifelhaft adv. ist, wie es der brauch des mhd. zeigt (s. oben I 1). die bedeutung dieser zusammensetzungen hat sich also seit dem mittelalter stark verschoben. diese verschiebung hat erst im 18. jh. ihren äuszersten punkt erreicht (s. u. bei g), in älterem nhd. haben wir noch gelegentlich die stärkere räumliche anschauung: er (der verliebte) war wie eine fliege, die, je mehr sie von dem zucker weggejagt wird, je mehr sie darnach wieder zuflieget Olearius pers. baumgarten 40, vgl. I 2 d γ.
a) am klarsten erscheint noch die bedeutung von zu in zubeugen, -bewegen, -biegen, -drehen, -kehren, -neigen, -wenden (vgl. Krömer Paul u. Braune beitr. 39, 500 ff.), die mit vorliebe reflexiv gebraucht werden. bei vorwiegend räumlicher auffassung liegt hier auch eine mehr oder weniger starke innere beziehung vor, die ihren ausdruck in dem dativ findet. dem entspricht auch die betonung, nach welcher zu hier zum verb gehört: der hund kehrte die nase dem winde zu; aber sie wollten nicht aufmercken, und kereten mir den rücken zu, und verstockten ihre ohren, dasz sie nicht höreten Sacharja 7, 11; zuweilen, wenn ich aus meinem fenster in den garten sehe, wie der wind unten die kaiserkronen, rosenäste, narcissen, oben die jungen pflaumenbäume, kirschbäume, pappeln zusammentreibt, und wie sie dann thun, als wenn sie sich einander zubeugten Arnim an Bettine (1806) 24;

alter gesellet sich jugend, jugend zum alter,
aber am liebsten bewegt gleiches dem gleichen sich zu
Göthe 4, 124.


b) verben, die eine lange bewegung auf ein ziel hin bezeichnen, haben in der zusammensetzung mit zu meist eine übertragene, einheitliche bedeutung, die sich von der räumlichen verwendung bei selbständiger bedeutung von zu im mhd. zum theil recht weit entfernt. so zudrängen, -fallen, -gehen, -kommen, -laufen, -ziehen (refl.), auch -stehen, -stoszen, -flieszen, -fluthen, -strömen.
c) verben, die nur eine besondere bewegungsart ohne die vorstellung der weiterbewegung ausdrücken, erhalten durch zu die richtung auf eine person hin: zu-flattern, -hüpfen, -huschen, -rollen, -schleichen, -streichen, -stürmen, -stürzen.
d) ähnlich haben sich die verben der rede entwickelt. im as. heiszt es:

endi sprac im thô mið is wordun tô Heliand 969.

vgl. die formeln bei Sievers 442. ähnlich im Tatian 133, 8; 146, 4; 242, 1; auch Otfrid I 19, 3; 4, 26; II 13, 13. so noch bei Wolfram (s. o.) und im Reinke de Vos:

to hant spreken se Reinken to 6536.

ursprünglich wird die bedeutung gewesen sein 'sich mit der rede nach einem hinwenden' (vgl. Krömer 507). weit davon ab liegen die heutigen zureden, -sagen, -sprechen, ferner zu-geloben, -schwören, -sichern, -stimmen.
e) denen gegenüber haben verben, welche für sich eine besondere art der geräuschbildung ausdrücken, durch zu den sinn des mittheilens bekommen: zuächzen, -brüllen, -dütteln, -flüstern, -girren, -jauchzen, -jubeln, -lispeln,

[Bd. 32, Sp. 155]


-murmeln, -rauschen, -raunen, -zischeln, -zischen, auch zuklingen, -tönen, -blasen, -wehen. hierher auch zubeben, vgl. bei g:

wechselnd, von zwei klosterhügeln, schwebten
glockentöne durch das thal der ruh;
wie der trennungswechselseufzer, bebten
sie verhüllt in nacht, einander zu
Tiedge 2, 151.


f) dasselbe ist bei den verben des sehens oder sichtbarwerdens. neben zusehen, -schauen erscheinen neugebildet solche verben, die wieder eigentlich nur eine art der augenthätigkeit oder der lichterscheinung bezeichnen, mit zu aber die beziehung auf eine person hinzu erhalten: zuäugeln, -blicken, -blinken, -blinzeln, -blinzen, -gaffen, -glotzen, -greinen, -gucken, -schielen, -zwinken. ferner zulachen, -lächeln, -lugen, -weinen, dann zublitzen, -funkeln, -glänzen, -glühen, -schimmern.
g) diese beiden neuen gruppen der art zuächzen und zuäugeln, die sich in freier bildung ständig mehren, haben sich dadurch weiter entwickelt, dasz sie ein sachobject erhalten und so mit transitiv werden. es ist das eine lebhafte, anschauliche ausdrucksweise, die von Klopstock besonders in den poetischen stil eingeführt worden ist, wo ihr bereich unbegrenzt ist:

rausche, flüstre meinem sang
melodien zu!
Göthe 1, 101 Weim.;

o mein führer! was blicket dein auge
mir vor (für) entsetzen zu?
Klopstock Messias 13, 804;

weheten doch sanftrauschende winde sein innig verlangen,
seiner seufzer laut, seine gesänge dir zu! oden 1, 34.

noch stärker ist die umwerthung in zubeben:

nieder sank sie zur erde, rabbuni! bebte sie ihm zu Messias 15, 752;

dank beb ich dir zu
Platen 263.


h) dieser brauch hat sein vorbild in den verben der bedeutung 'irgend etwas zu einer person hin bringen', wie zubringen, -befördern, -bestellen, -schicken, -senden, -stellen, -tragen. auch bei diesen verben überwiegt, vor der bedeutung des räumlich nahebringens, die, dasz der empfänger in persönliche berührung, in den besitz des übersandten gelangt, die verfügung darüber erhält. an diese verben schlieszt sich eine zahlreiche gruppe des sinnes, dasz einer person das ihr zukommende gegeben wird, oder dasz eine person dahin gestellt wird, wo sie hingehört: zuachten, -bescheiden, -bestellen, -bestimmen, -bieten, -billigen, -eignen, -erbieten, -ertheilen, -fügen (anders hinzufügen), -kündigen, -messen, -ordnen, -rechnen, -schätzen, -theilen, -verordnen, -wägen, -weisen, -zählen, auch zudecretieren und zudictieren und die gruppe zugeben, -gestehen, -gewähren, -gönnen, -lassen. weiter zuschanzen, -schustern, -spielen, -stecken.
2) verben mit zu ohne dativ.
bei verben, welche eine auf einen gegenstand gerichtete lebhafte oder gewaltsame thätigkeit ausdrücken, verstärkt zu die vorstellung von dieser thätigkeit (vgl. oben I 3). das oder der angegriffene wird entweder gar nicht oder durch die präp. auf hinzugefügt. nahe steht diesem zu, in verbindung mit gleichen verben, los. solche sind zufahren, -fassen, -greifen, -grapsen, -langen, -packen, -tappen, -tasten, weiter zuhauen, -prügeln, -schlagen, stechen.
mhd. ist davon nur zuogrîfen belegt, ein für Wolfram charakteristisches verb, weitere verbreitung in der unliterarischen sprache aber nicht unwahrscheinlich. jedenfalls kennt das mhd. den damit zusammenhängenden antreibenden zuruf nu zuo! u. ä. mhd. wb. 3, 856b; Lexer 3, 1189, s. o. I 3.
solche verben sind ferner zublättern, -bläuen, -feuern, -heizen, -läuten. dabei fehlen adverbiale gradbezeichnungen nur in lässiger sprache: ich will ordentlich zuarbeiten (sagt der knabe, der seine schularbeiten bald hinter sich haben möchte); aber der leser musz seines orts auch behend zublättern und nicht sowohl die hände in den schosz legen als das buch Jean Paul 1, 281; so dasz ich .. wund .. wurde, ohne dasz er darum weniger zupläute Wieland Lucian 4, 262; vgl. die belege bei I 3 a.

[Bd. 32, Sp. 156]



3) in verbindung mit vielen transitiven verben bezeichnet zu die hinzufügung von etwas gleichartigem. meist wird heute dafür hinzu gebraucht, wenn das, was vermehrt wird, angegeben wird: er dichtete noch einen akt zu; er dichtete zu seinem drama noch einen akt hinzu. solche verben sind zubauen, -bilden, -büszen, -dichten, -füllen, -geben, -erben, -erkaufen, -erlernen, -erwerben, -gewinnen, -gieszen, -kaufen, -laden, -legen, -lernen, -liefern, -mengen, -mischen, -schieszen, -steuern. manche von ihnen werden vorzüglich ohne obj. gebraucht, das entweder als bekannt vorausgesetzt, oder nur so im allgemeinen angenommen wird. so zubauen, -füllen, -gieszen, -laden, -legen, -schieszen. hierzu auch zunennen, -benennen, -benamen, -benamsen.
hieraus hat sich in neuerer zeit die bedeutung entwickelt, dasz der aufwand vergeblich ist, so in zubuttern, -brocken, -setzen.
mhd. ist dieser brauch nur spät belegt (zuoslahen Lexer 3, 1187), wohl aber hat zuo diese wirkung bei substantiven wie zuobuoze, zuoman, zuowîp (s. u. III 1). von einem wort wie zuobuoze kann die ganze gruppe ihren ausgang genommen haben. dazu kommt noch das mhd. in derselben bedeutung wie heute allgemein übliche zuonemen. es steht aber in seiner bedeutung für sich. ein anderes ursprungsgebiet sind verben wie zumischen, wo die reine bedeutung von zu noch deutlich ist.
4) die zusammensetzungen mit zu in der bedeutung des schlieszens, sperrens bilden in der heutigen sprache eine sehr zahlreiche, sehr lebenskräftige gruppe. im ags. fehlen sie ganz, auch im as. sind sie nicht belegt. aus dem ahd. gehört wohl dazu zuobituon comprimere labia, portas obicere, stringere manus Graff 5, 321. hier kann die bedeutung des schlieszens schon in bituon stecken, wie bislioʒan 6, 813, wogegen zuotuon im ahd. nur 'hinzuthun' ist 5, 324, auch ist zuoklîban, -klebên nur adhaerere 4, 543; 545. im mhd. sind gerade zuo-tuon, -sliezen, -sperren, -slahen im heutigen sinne durchaus üblich, wie auch die gegentheiligen verben mit ûf. das mnd. weist noch viel mehr verben auf, die zugleich eine besondere art darstellen (z. b. to-palen einen flusz durch pfähle sperren, up-palen das gegentheil). erst dem nhd. gehört die allgemeine prädicative verwendung des alleinstehenden adv. zu an (s. o. I 4). wenn auch das fehlen der belege, bei dem verhältnismäszig engen vorstellungskreis der mhd. und noch mehr der ahd. literatur, sichere schlüsse nicht zuläszt, so ist doch klar, dasz dieser brauch auf deutschem boden nach dem abwandern der besiedler Englands aufgekommen ist. er wird seinen ausgang von einer art des schlieszens aus genommen haben, welche mit einer bewegung auf einen gegenstand hin verbunden war. es liegt am nächsten, an das thor oder die thür zu denken, die sich auf die wand oder mauer zu bewegen. ein zeugnis dafür bietet die as. Virgilglosse togidanemo converso Wadstein 113, 21. sie gehört zu Äneis 9, 723: portam vi multa converso cardine torquet obnixus latis humeris. s. auch bei schlieszen th. 9, 692. auf als gegensatz, was zu der allgemeinen bedeutung der beiden adv. durchaus nicht passen will, stellte sich leicht daneben, wenn die wendung 'die augen aufthun' schon allgemein üblich war. das öffnen der thore und läden, besonders am morgen, steht dem öffnen der augen nahe genug. der übergang von 'auf' zu 'öffnen' erklärt sich auch am einfachsten vom auge her. bei gesenktem blick ist das auge verdeckt, wenn der blick sich in die höhe richtet, wird es frei, vgl. th. 1, 606. dem schlieszen sich das aufgehen der sonne, das aufbrechen der blumen leicht an. auch diese bedeutung ist deutsch, im engl. hat up gerade die gegentheilige bedeutung bekommen: to shut up 'zuschlieszen', to prop up 'zupfropfen'.
die wechselform mit auf- ist nicht bei allen verben möglich, allgemein nur bei der ersten und dritten gruppe hierunter. von den nahestehenden verben mit ver- (th. 12, 1, 55 nr. 5) unterscheiden sie sich dadurch, dasz sie den verschlusz als sichtbar fürs auge darstellen, während bei den anderen der abschlusz gegen irgend ein eindringendes die hauptsache ist.

[Bd. 32, Sp. 157]



a) die verben bezeichnen das schlieszen einer thür u. dgl. dadurch, dasz der thürflügel u. s. w. in die absperrende lage gebraucht wird. zumachen, mhd. zuo-tuon, mnd. todôn und to-maken, zudrücken, -schlieszen, -sperren, -klappen, -lehnen, -schlagen, -schmeiszen, -schmettern, -stoszen, -werfen, -ziehen, die meist auch auf andere verhältnisse übertragen werden können.
b) es wird etwas offenes oder freiliegendes verschlossen oder verdeckt, wobei die einfachen verben die besondere art der thätigkeit bezeichnen: zuackern, -bauen, -beiszen, -biegen, -blenden, -blinzen (die augen), -brennen, -butzen, -drehen, -ebenen, -falten, -falzen, -flicken, -halten, -hängen, -henken, -henkeln, -kleben, -klopfen, -kneifen. -knipsen, -nähen, -schmieden, -setzen, -stampfen, -stopfen, -wälzen, -zwängen, -zwicken; zubinden, -knoten, -knüpfen; zubetten, -decken. vgl. die ebenso gebildeten verben mit ver-.
c) zu verbindet sich unmittelbar mit einem subst. zum verb. das subst. bezeichnet entweder das werkzeug, das beim 'zumachen' benutzt wird: zubeilen, -hobeln, -hämmern, -keilen, -nageln, -schaufeln, -schrauben, -eggen, forken, -harken, -pflügen, -walzen.
oder den gegenstand, mit dem etwas verschlossen wird: zuklinken, -riegeln; zugürten, -häfteln, -häkeln, -haken, -heften, -knäufeln, -knöpfen, -nadeln, -nesteln, -schnüren; zukorken, -pflöcken, -pfropfen, -spünden, -stöpseln; zupetschiern, -siegeln.
oder das mittel, welches dabei benutzt wird: zukleistern, -leimen, -löthen, -pechen, -pichen, -schlämmen.
oder den gegenstand, welcher hergestellt wird, um etwas abzusperren: zudämmen, -deichen, -graben, -mauern.
d) auch bei intransitiven hat zu diese bedeutung. neben dem allgemeineren zugehen (vgl. I 4) giebt es einige andere verben von besonders kräftiger anschaulichkeit: zufrieren, -rosten, -schneien, -trocknen, -wachsen; zuheilen, -narben; zubacken, -kleben.
5) die zusammensetzung mit zu heiszt 'zurechtmachen zu einem zweck'. dies geht auf verbindungen mit der präp. zu zurück. den fisch zubereiten ist eine abkürzung für den fisch zum essen bereiten. dieser brauch ist erst nhd. belegt, aber allgemein, besonders in den handwerks- und berufssprachen zu hause: zubereiten, -richten, -rüsten; zuarbeiten, -bearbeiten, -behauen, -bilden, -brennen, -brühen, -gewöhnen, -hauen, -lehren, -reiten, -runden, -schleifen, -schneiden, -schrägen, -spitzen, -stutzen.
III. substantive mit zu-.
die mit zu beginnenden substantiva sind, soweit sie nicht ableitungen, entweder zusammensetzungen mit selbständigen substantiven wie zudiener, zufrau, zubrot, zuspeise oder verbalsubstantive zu verben, die mit zu zusammengesetzt sind.
1) in der ersten gruppe bedeutet es 'hinzu', ein zubrot ist ein brot, welches hinzugegeben wird, ein zuweib ein weib, welches ein mann auszer seinem rechtmäszigen hat. diese wörter sind auch im mhd. häufig, während die entsprechenden verben noch fehlen (oben II 3).
2) in der zweiten ist die zahlreichste und zugleich lebendige, ständiger neubildungen fähige gruppe die der masc. sie gehören fast ausschlieszlich zu starken verben, deren einfachen verbalstamm sie in derselben ablautsform enthalten, wie die entsprechenden einfachen substantive, z. b. zufall, zudrang, zugang, zulauf, zuruf, zuspruch.
3) geringer an zahl und, wie es scheint, von der weiterbildung ausgeschlossen sind die fem. zufahrt, zufuhr, zuflucht, zukunft, zunahme, zusage, zuschrift, zuthat. diese substantive bezeichnen zunächst immer den vorgang; zu hat darin in zweiter linie die bestimmt aufgefaszte richtungsbedeutung, es sei denn, dasz das betreffende verb die räumliche bedeutung schon ganz verloren hat, wie zunahme von zunehmen. auch haben einige sehr viel gebrauchte wörter sich in ihrer bedeutung sehr weit, besonders ins abstracte, entwickelt. manchmal kann dasselbe wort seiner bedeutung nach zu beiden gruppen gehören. zuflusz und zustrom können den vorgang des

[Bd. 32, Sp. 158]


zuflieszens oder zuströmens bezeichnen, oder wie zubach einen nebenflusz oder -strom.
IV. zu als bezeichnung des übermaszes.
0)herkunft und formales.
1) die verbindung von zu mit einem adj. oder adv. ist in ihrer eigenthümlichen und für sich stehenden anwendung schon im westgerm. ausgebildet worden. sie findet sich in allen mundarten des festlandes und im ags. Graff 5, 575; mhd. wb. 3, 856b; Lexer 3, 1036; Schmeller Heliand 2, 108b; Wadstein 55, 24; Schiller-Lübben 4, 557a; Richthofen 1087b; Verdam handwb. 588a; Bosworth-Toller 992b, fehlt aber beim got. du Winkler casus-syntax 310. von anfang stellt zu sich hier als adv. dar, wie besonders die vorwiegende verbindung mit dem adv. zeigt. vor allem gilt das für unser heutiges empfinden, wie es sich in der gelegentlichen gefühlsbetonung geltend macht: das ist ja zú schön! zú dumm! zú nett, worin freude, entrüstung und ironisch verkleideter ingrimm sich äuszern. die regelmäszige betonung in dieser verbindung, wie auch ihr syntaktisches bild ist aber ganz das gleiche wie in den formelhaften verbindungen der präp. zu in adverbialer anwendung. als sätze sind der weg führt zu weit und der weg führt zu thal, er kommt zu spät und er kommt zuletzt, mach's nicht zu schlimm! und thu mir's zu lieb nicht von einander verschieden. und gerade diese einfachen satzformen sind für dies zu die normalen, für weitergehende anwendungen vorbildlichen. nun erscheint auch in den älteren perioden überall, wo präp. und adv. verschiedene formen haben, hier die kurzform der präp., s. die verweise oben, noch heute so im nl. te. schon in unserer ältesten überlieferung steht hier also die form der präp. fest und ihre bedeutung als präp. ist so verblaszt, dasz immer die unflectierte form des adj., manchmal das adv. darauf folgt. es ist ganz deutlich, dasz dieser brauch auf die prädicative verwendung von verbindungen der präp. zu mit einem adj. zurückgeht bei verben wie 'werden, machen, zählen zu' Erdmann Otfrid-syntax 2, 73 fusznote. bei Otfrid sieht man gerade verben wie duan und zellen oft in solchen sätzen: auch ist die vorstellung des übermaszes in manchen fällen gar nicht vorhanden a. a. o. 267. anderseits liegt die ausbildung des brauches schon lange vor unserer literarischen überlieferung. daher ist die schwierige frage, wie die unflectierte adj.-form an stelle des dativs, der doch einmal dahin gehört hat, getreten ist, nicht zu beantworten. man kann vielleicht mit der möglichkeit rechnen, dasz dieser dativ die substantivische form hatte und dann, als die formel erstarrte und dieser casus auszer gebrauch kam, ein formenaustausch eintrat. oder es lag hier ähnlich wie bei der verbindung der präp. mit dem neutr. das fragenden und demonstrativpron.; man vermied den dativ, weil er einen ausgesprochen persönlichen charakter hatte. wie es ahd. zi hwiu, zi diu hiesz, so hätte man auch in der prädicativen verbindung des pron. mit dem neutr. des adj. den instr. gebraucht, der dann als fremdkörper weggeschoben wurde, als die gebrauchsform fest war und durch die allgemein prädicativ gebrauchte form des adj. ersetzt wurde.
wie dem auch sei, es finden sich noch in historischer zeit beispiele für die prädicative verwendung, wo die vorstellung des übermaszes erst gleichsam auf der schwelle steht:

imo was eo fehta ti leop Hildebr. 27;

ze sûre werden mhd. wb. 2, 2, 755b; sunst erzürnt der bär, und darf dem menschen der schimpf wol zu saur werden Gesner thierbuch 15b Herold-Forer. auch taucht einmal wieder der präpositionale charakter dieses zu auf: alienum amicitia nostra das unser freundschaft zu nahe und zu wieder ist Bas. Faber 37a. am lehrreichsten ist wohl das nhd. zu kurz kommen, welches trotz der deutlichen grundlage empfunden wird wie zu spät kommen.
2) in der regel verwenden wir, und so war es auch früher immer, dies zu in einfachen sätzen vor einfachem adj. oder adv. in prädicativer verwendung. er ist zu klein, er kommt zu spät sind die musterformen. ob es

[Bd. 32, Sp. 159]


adj. oder adv. ist, ist für die bedeutung des zu ganz gleichgültig. dagegen ist es vor attributivem adj. nur dann ungezwungen, wenn dies ganz einfach ist: nach langem klagen und zespater reue Arigo decameron 256; von diesen (nachfolgern) hat jeder, zwahr ohne zweifel guter mainung, doch vielleicht etliche jüngere aus zuunzeitigem äufer, etwas darzu gethan Rompler v. Löwenhalt ooo iiii; dann ward mir geweissagt in meinem herzen, als diese zu stumpfen sinne zu fassen vermögen maler Müller 1, 3; alles ist heut nach Meerholz gefahren zum vetter mit der zu groszen nas Bettine Günderode 1, 2.
mehr oder weniger als härte empfinden wir dagegen fügungen wie: brachte das ... blosz in ein zu kleines papier eingeschlagene paquet meiner briefe Pückler briefw. u. tageb. 131;

ists schöner, Galliens zu zarte seelen rühren
Mastalier ged. 76.

oder die verbindung mit zusammengesetzten ausdrücken:

ihn hatte
sein eignes schwert, zu eingedenk
des hohen schwurs, gestürzt
Gerstenberg ged. eines skalden 364 neudr.;

und Steinbüchse aus Berlin war zu geistig klar, um sich zu erinnern, dasz er um mitternacht ein 'blödsinniger esel' genannt worden sei Raabe ges. erz. 2, 82.
oder mit participien als prädicat: der emigrant war in der deutschen sprache zu unwissend Steffens was ich erlebte 1, 5; das hervorragende der häuser glich mehr thurmartigen gebäuden, doch ist alles zu zerstört Ritter erdkunde 1, 810; er geht unter, weil er zu vertrauend ist Ludwig 5, 278.
oder mit einem unbestimmten pron.:

zu manche leidenschaft verstimmt mein saitenspiel
König ged. 115.


3) beliebt ist die verbindung mit dem unbestimmten artikel oder dem unbestimmten pron.:

ach warum, o natur, ...
gabst du zum gefühl mir ein zu biegsames herz
Klopstock oden 1, 31 Pawel-Muncker.

in mittel- und norddeutscher umgangssprache nimmt man da, den maa. entsprechend, das zu voraus wie gar und ganz. gegen den widerspruch der grammatiker schreiben auch erste schriftsteller so, nicht nur im lässigen briefstil: das is zu was dummes, he is zu ä dummes luder Jecht Mansfelder ma. 128b, ähnliches Albrecht 241b, Weise syntax der Altenburger ma. 156; er hat zu einen gelben schnabel dazu, das er alte schelck solte from machen Luther 20, 76 Weim.; es dringt zu eine grosze masse existenz auf einen zu Göthe IV 8, 139; Lichtenberg, ...., war doch zu ein guter beobachter und zu geistreich, als dasz II 1, 233 (farbenlehre).
0)bedeutung und verwendung.
1) zu drückt vor dem adj. oder adv. aus, dasz ein zu erwartendes oder zu verlangendes maasz überschritten wird.
a) bei räumlichen maaszbezeichnungen:

iedoch war mir das bett zu hoch,
wie oft ich daran auf hin kroch
Fischart flöhatz v. 107 neudr.;

da wurde dem mädel das brüstchen zu voll,
das seidene röckchen zu enge
Bürger 61 Bohtz;

die taube sprach: es ist zu weit
Geibel 8, 103;

die lade war zu kurz für ihren wuchs Gutzkow zaub. v. Rom 1, 21; ein ehrgeiz, dem, ..., die welt zu klein zu sein schien Ranke 14, 43. übertragen: weisheit ist dem narren zu hoch spr. Sal. 24, 7; ihnen war der stempel des werdens zu tief eingeprägt Mommsen röm. gesch. 2 1, 9; wenn nicht unerhörte, langvorbereitete miszverständnisse zu tief eingewurzelt sind, ...., kann die kurze zeit seiner amtsführung in Wien wahrhaft segensreich werden Bismarck ged. u. erinn. 1, 104 volksausg.
b) bei zeitbestimmungen:

doch dunkt mich, mach uns nit zulang,
das er dich nit in grimm erwüsch
Fischart flöhatz v. 290 neudr.;

[Bd. 32, Sp. 160]



schaw! das sagt ich dir im anfang,
wir wurden allhie stehn zu lang
H. Sachs 6, 143 Keller;

ich komm eintweder zu langsam oder zu bezeit schöne weise klugreden 87b; die straffe kam inen gar zu beizeite Luther 28, 687 Weim.;

ich fürcht, es wer nun heint zu spat
H. Sachs 2, 28 Keller;

der tod ist mir vil z' früe vorhanden
N. Manuel 29;

wenn Phöbus' rosse sich zu schnell
in dunst und nebel stürzen
Göthe 4, 282 Weim.;

vor kummer altert' ich zu frühe 2, 115;

und zu spät in die nacht mag ich nicht Ludwig 2, 9; zubald nimmt der dichter einseitige partei Herder 17, 67; sie (die pferde der walachischen post) sind klein und unansehnlich wie überall, wo das thier zu frühzeitig eingespannt wird Moltke 1, 137.
c) bei anderen masz- oder gradbezeichnungen: man hat dich mit einer wage gewogen und zu leicht gefunden Dan. 5, 27;

und ob dir schon entpfelt der plunder, (beim abtragen der speisen)
was soll es sein? das ist kein wunder,
dann es war dir an gwicht zu schwer
Scheit Grobianus v. 578;

so steht dich hoffzucht vil zu thewr v. 348;

wiederumb, wenns stehet blosz
und die armut wird zu grosz
P. Gerhardt 3, 313 Fischer-Tümpel;

zu manche leidenschaft verstimmt mein saitenspiel
König (1745) 115;

wenn die sonn zu heisz wil scheinen
treib ich meine herde fort
zu den schattenreichen haynen
Neumark mus.-poet. lustwäldchen 1, 408;

er ist ein wenig zu heisz gebadt ist 'er gerät leicht in zorn' schöne weise klugreden 26a;

ich armes mädchen, ich war zu jung
Göthe 1, 196 Weim.;

da er nun seine strasze ging
dacht' er: ich machte mich zu gering 16, 114;


d) bei eigenschaften irgendwelcher art:

und sprech nit, das ich sy zu treg,
der bott der ist schon uf dem weg
Seb. Brant narrenschiff 3 Zarncke;

alsdann wird sie mich
erst beweinen bitterlich,
dasz ich nur zu trew,
sie gewesen nur zu schew
Zinkgref auserles. ged. 52 neudr.;

bald war ich zu bescheiden und wurde übersehen Knigge umg. mit menschen 1, 31; denn erstens kommt es leicht heraus, wenn einer zu arg flunkert Immermann 1, 7; viel zu körperlich und schwer ist dieser süsze, sonst so labende wein Tieck 4, 25.
2) häufig vorkommende verbindungen verschmelzen zu einem worte, das auch als subst. auftritt; zubald, zufrüh, zuspät, zuviel, zuwenig, zuweit: wo vom zufrüh oder zuspät soviel abhängt Ludwig 5, 206; das zuweit wird wohl die zeit ründen und abthun Herder 24, 349.
3) die häufigste verbindung ist zu viel, schon bei Otfrid zi filu, s. Erdmann Otfridsyntax 73 fuszn. es geht von wirklicher maszbezeichnung bis zu bloszer gradabstufung über: trink nicht zu viel mädgen Chr. Reuter ehrliche frau z. Plissine 22 neudr.; uff daz sye gemeinem christlichem volck zu irer vorvolgung nit zu vyel ursach gäben Hutten 1, 406; das ist, mir sind alle ding fry, wie wol etlichs weger ist vermitten, wo es den nächsten zu vil verbösret Zwingli freiheit d. speisen 6 neudr.; sprich mir aber nicht zu viel gegen den communismus vor diesen leuten Herwegh briefe 35;

zu viel kann man wohl trinken,
doch nie trinkt man genug
Lessing 1, 65;

allein für mein geschlecht ist es zu viel gewaget,
zu viel gefahren sind in der vertraulichkeit
Göthe 9, 74 Weim.


4) stehende verbindungen sind etwas zu theuer kaufen, zu hoch anrechnen, etwas kommt, steht zu theuer, etwas zu strenge, zu ernst, zu leicht nehmen: er könne

[Bd. 32, Sp. 161]


seine gesellschaft nicht zu theuer erkaufen Klinger 3, 65; der ... staat bezahlt den preis seiner selbständigkeit nicht zu theuer, indem er die leiden des krieges auf sich nimmt Mommsen röm. gesch. 2 2, 19; die ortsnamen wirst du überhaupt nicht zu strenge nehmen Brentano 5, 5. zu weit gehen, etwas zu weit treiben:

ein eifer, dessen glut die tugend selbst entzündet,
ist zu entschuldigen; und geht er auch zu weit,
so ..
Joh. E. Schlegel 1, 11;

du treibst den spasz zu weit
Göthe 9, 84 W. (mitsch. 625).

daher das adj. zuweitgehend: zuweitgehende forderungen, zumutungen; er hatte aufmerksamkeiten für uns alle, zuweitgehende für mein gefühl Fontane I 1, 148.
zu nahe treten: ich möchte ihnen nicht zu nahe treten; den henden verbüt sie, das sie dem lyb zu nahe kommen Keisersberg bilgersch. C iid; wie ich denn auch versichert bin, dasz keinem redlichen manne durch das gantze werkchen mit einem worte zu nahe getreten polit. maulaffe, vorrede.
etwas zu sehr, zu wohl wissen: wir wissen nur zu sehr, dasz die überzeugung nicht von der einsicht, sondern von dem willen abhängt Göthe II 2, 18 Weim.;

ich weisz es nur zu wohl 9, 70 W.;


5) verstärkende erweiterungen sind all zu, mhd. alze: allzuviel ist ungesund;

all zu arm und all zu reich
ist nicht gut
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 313;


gar zu:

kan ich sagen ...
dasz der all zu teutsche Rist
gahr zu sehr verleumdet ist
Rist friedewünschende Teutschland (1648) 38;

denn gott, der nicht kann triegen,
der liebt mich gar zu sehr
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 349;

auch in locken hab' ich mich
gar zu gern verfangen
Göthe 6, 53 Weim.;

wenn es gar zu kalt und regnicht ist 45, 3; sie haben ein gar zu natürliches ansehen Wackenroder herzensergieszungen 46.
viel zu:

ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen ruhm
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 352b;

ich heisze Erni uz dem Melchthal,
aber Underwalden ist mir vil zu schmal Schweizer schausp. d. 16. jahrh. 3, 21 Bächtold;

die zuhörenden vögel, denen es viel zu lang dauerte Brentano 5, 89;

dein vater, sprach er, war mir viel zu kalt,
zu rasch
Lessing 3, 23.


nur zu: ein kanarienvogel ... flog ... auf hand und schulter seines ihn nur zu sehr verwöhnenden herrn Fontane I 5, 12; ich fühlte leider nur zu bald, wie ... aufrichtig meine liebe war Göthe 23, 59 W.; allein wie schwer fand er es nur zu bald, einem solchen vorsatze treu zu bleiben! Mörike 3, 33; es war leider nur zu begreiflich Mommsen röm. gesch. 2, 131; die tollsten übergänge .. sind bei meinen russischen freunden nur zu gewöhnlich Herwegh briefe 79. dazu der beleg o. vor 5. ähnlicher art auch leider zu: das sehen wir leyder zu war in Sodoma und Gomorra S. Franck trunkenheit (1531) A iiia.
zu gar, zu viel: so seindt auch diese ort desz sommers gantz unmeszig hitzig, winters zeit aber zu gar fröstig Fronsperger kriegsbuch 2, F 3a; dasz die strasz der fürbitt nicht zugar mit grasz verwächst Luther briefe 5, 287; ungeacht, was die alten darvon geschriben, oder die zuvil grose fürwitz ... täglich von newem erdencket Sebiz feldbau 1.
6) zu, stark betont, erscheint als lebhafte gefühlsäuszerung: das ist zú schön, zú dumm; ich bin zú

[Bd. 32, Sp. 162]


glücklich, ich habe meinen kelch geleert Gerstenberg Ugolino 243 Hamel.
7) verneint ergiebt zu eine verstärkung des gegentheils, besonders in lebhafter umgangssprache: bringen sie mir zu essen, aber nicht zu wenig! kommen sie her, aber nicht zu langsam! da wurde gelogen, aber nicht zu knapp. schon Wolfram liebt diese ausdrucksweise:

wît, niht ze kleine (sind die näpfe) Parz. 84, 26;

daz was dem herren niht ze leit 59, 20.

nhd. belege:

zu Schöpring auch, wie ich euch sag,
het wir ein beger, was nit zu vil
Schmeltzl zug in das Hungerland A 3a;

doch musz man in der wahl nicht gar zu sorglich seyn
Rachel sat. ged. 30 neudr.;

dannenhero würde die wahl unter so vielen nicht gar zu leicht seyn Ch. Weise erznarren 8 ndr.; auf welche weise .. ich meinem hause .. einige ehre verschafft habe, das freilich nach unser heutigen denkart .. nicht gar zu viel bedeuten will, werde ich an seinem orte erzählen Göthe 43, 15 W. dazu den beleg aus Mommsen anfang vor. spalte.
8) noch stärker sind als eine sehr beliebte form der übertreibung wendungen von der form nichts ist mir zu schwer, kein weg ist mir zu weit: in kein geld ausz geben z vil oder z schwere dauchte Arigo Decameron 66 Keller;

kein lant den Teutschen war zu weit,
wo sie erhörten krieg und streit
Casp. Scheit frölich heimfart B iia;

kein reysz noch weg ist mir zu ferr
H. Sachs 2, 6 Keller;

kein fels und stein,
kein wächter mag zu mächtig sein
dem fürsten unsres lebens
P. Gerhardt 3, 306 Fischer-Tümpel;

kein fels ist ihm zu schroff, kein steg zu schmal
Göthe 2, 146 Weim.


9) gerne werden gegensatzpaare mit zu zusammengestellt.
a) um sie zueinander in gegensatz zu stellen: in diesen beiden fürsten regte sich ... der gedanke an die krone; aber der eine war zu entfernt, der andre nicht stark .. genug Ranke 1, 241; deine münzschrift möcht' noch .. finden, man druckt nie zu spät, wohl aber leicht zu früh Göthe IV 8, 2 Weim.;

zwei der feinsten lacerten, sie hielten sich immer zusammen,
eine beinahe zu grosz, eine beinahe zu klein I 1, 134.


b) um die vorstellung des übermaszes zu steigern:

ze wenig und ze vil
verhönet alle spil
Keisersberg brösambuch I 31b;

zu wenig und zu vil
verderbt das spil,
masz und ziel
giebt das beste spiel
Pistorius thesaur. paröm. 927;

aber weh mir, wenn ich ungeschickt war und die spargelstange zu lang oder zu kurz abstach Fontane I 5, 148.
c) um etwas als in der mitte liegend zu kennzeichnen:

ich bin zu alt, um nur zu spielen,
zu jung, um ohne wunsch zu sein
Göthe 14, 76 Weim.;

ob dies die werke sind von menschenhänden?
zu schlecht zum keller und zu gut zum stollen
Droste-Hülshoff 2, 101.


d) beide verneint drücken das rechte masz der mitte aus: seine reden waren zam, meszig und vernünftig, seine wort nit zu rauch oder zu lind Carbach Titus Livius 151b; man musz nicht zu hoch und nicht zu nieder anfangen Lehmann florilegium polit. 1, 23;

drumb so gib mir füll und hüll
also, wie dein hertze will:
nicht zu wenig, nicht zu viel
P. Gerhardt 3, 313 Fischer-Tümpel.

[Bd. 32, Sp. 163]



10) das masz, um welches etwas zu viel oder wenig ist, wird durch den acc. oder durch die präp. um ausgedrückt: der gegenstand ist zwei mark zu theuer; er ist zwei centimeter zu klein; der schusz ging um eine linie zu kurz; siehst du denn gar nicht, dasz ihr die hüften eine hand breit zu hoch sitzen Fontane I 5, 146;

... mein kind,
das ich um ein jahrzehnd zu spät geboren!
Gaudy 2, 10.

veraltet ist der gen.: einer noten zu hoch singen Agricola sprichw. 97b.
11) der gegenstand oder die person, im verhältnis zu der etwas zu grosz oder klein ist, oder die person, welche etwas so empfindet, steht entweder im dativ, besonders in poetischer sprache, oder mit den präpositionen für oder zu: wer hat den drachen gebaut? zu schrecklich der erde, ward sein kerker das weltmeer maler Müller 1, 5;

dem haufen sind zu kraftlosz wir
H. Sachs 1, 216 Keller;

wie du, zu grosz dem eifergeiste,
Preuszens erhabenen könig aufsuchst
Ramler lyr. ged. (1772) 156;

für einen sterblichen war ich fast zu beglückt
Cronegk 2, 35;

so feine gemälde .., die für die sinnen zu zart und unbegreiflich sind Breitinger crit. dichtkunst 1, 20; dieweil sie nun zu ohnmächtig sind zu diesem starken geist J. Böhme Aurora (Stuttgart 1835) 117;

wie grosz es war, zu eng zum schauplatz deiner tugend
v. König ged. 3;

welche weisz zuschelten ich im viel zu gering bin Fischart Eulenspiegel 14 Hauffen; licht, .. zu grosz bist du mir, zu unermeszlich maler Müller 1, 5.
12) die warnung vor dem zuviel findet naturgemäsz in vielen sprichwörtern ihren ausdruck: all zu viel ist ungesund; zu vil ist ungesund weise klugreden (1548) 12a; wer zu vil wil haben, dem wirt gar nichts oder zu wenig 32a; 43b; man kan des gten nit zu vil thn; in saltzen hab ein masz, des schmaltz kanst nit zu vil dran thun 38a; zu vil lust bringt unlust 44a; zuvil zerreiszt den sack 81a; es ist keim zseher kein spil zu grosz, ausz eines andern beutel ist kein schantz zu grosz 37b, 41a; wer zu eilend in einen angster schenckt, der schütt mehr daneben dann drein 62a; wer den herren zu nahe ist, der wil ersticken, und wer in zuferr ist, der wil erfrieren 38b; zu frühe gesattelt, ist oft langsam geritten Lehmann florileg. polit. 1, 27; man darf dem unglück keinen botten schicken, es kompt von ihm selbs nur zufrü ins hausz weise klugreden 42a; sparen ist zu spat, wanns geht an die hoffstat oder hauszrath 95b; wer zu fast eilt, kompt langsam heym 62a; wem zu wol sei, der neme ein weib 62b; wann dem esel zu wol ist, so gehet er aufs eisz tantzen und bricht ein bein 15a, 59a.
13) was zu viel ist, steht dem entgegen, was eigentlich sein soll oder hätte geschehen sollen. der ausdruck mit zu steht dann inhaltlich gleich einem irrealen bedingungssatz: es ist zu spät! er ist ihnen .. zuvorgekommen! Gerstenberg schlesw. literaturbriefe 204 neudr. der entgegengesetzte vorgang wird
a) einfach vorausgesetzt: nun wird mir aber der mühe leider zu vil Scheit Grobianus 8; die neugier war doch zu grosz gewesen Polenz Grabenhäger 1, 2.
b) durch einen nebengeordneten satz ausgedrückt: auch hätte sie (Hinkel) ihm (dem Alektryo) gerne längst den hals abgeschnitten .. aber er war ihr zu der hühnerzucht .. gar zu nöthig Brentano 5, 52; und auch mein jüngstes söhnlein Conrad .. ist dir nicht zu gut gewesen, und du hast ihn auch umbringen lassen Tieck 4, 184.
c) durch einen infinitiv mit zu oder um zu, s. auch belege bei 9 c: er noch etwas ze jung ist, sölche wirdikeit ze empfahen Arigo decameron 68 Keller; die sache ist zu ernsthaft, um ein wortspiel daraus zu

[Bd. 32, Sp. 164]


machen Gerstenberg Ugolino 227 Hamel; sie dünkten sich zu klug, sich unterhalten zu lassen Göthe 22, 99 Weim.;

thun als wenn sie zu fürnehm wären,
mit dem bauer ein glas zu leeren
Schiller 12, 15.


d) durch einen satz mit dasz, als dasz, damit: Siewang war verehrer der sitten, aber seine seele war zu grosz, als dasz er die übertretung derselben an einem fremden hätte rächen sollen Haller Usong 22; du kennst Jena zu wenig, als dasz es dir etwas heiszen sollte, wenn ich sage: Göthe IV 29, 54 Weim.; lasset ja das manuscript nicht zu offenbar werden, damit es nicht im druck erscheine IV 33, 28 W.;

greif mich auch nicht zu heftig an,
damit ich nicht vergehe
P. Gerhardt 3, 390a Fischer-Tümpel.


14) zu mit dem adj. wird zu einem neutralen subst. zusammengefaszt in einem abstracten, aufs allgemeine gerichteten stile, beliebt bei Herder: da ist nichts von dem zu-ähnlichen zu besorgen Herder 8, 142; ging sie (die vernunft) in das zufeine und zog daraus schlüsse, die aus dem gegebnen sich nicht ergaben, so war dies ein fehler nicht der vernunft, sondern der falschen vernunftkunst 21, 209; dies idiotistische hält Abbten bei mir schadlos gegen alles zu-französische, oder zu-britische 2, 282; vor dem zu-individuellen ist man schon dadurch bewahrt O. Ludwig 5, 263.
C. die präp. zu.
0)formales.
1) zu regiert den dativ allein. auch ist der dativ von anfang der zu dieser präp. und ihrer vorstufe *gehörige casus gewesen; dasselbe gilt für got. du. doch treten zu verschiedenen zeiten abweichungen auf.
a) zwei fälle von acc. beim got. du, Grimm gr. 24, 929, sind zweifelhaft, vgl. Köhler über den syntakt. gebrauch des dat. im got. 45—47. zweifelhafter ist es auch, ob der inf. nach du als acc. anzusehen ist, s. unten D.
b) wie bei einigen anderen präp. steht im ahd. nach zi der instr. des demonstrativ- und interrogativpron., deren dativ nur persönlich gebraucht wird, zi thiu, zi hwiu Delbrück syncret. 150, noch mhd. ze diu, ze wiu Wilmanns 3, 704 f. reste davon mögen sich mundartlich erhalten haben, so taucht im 17. jh. zu weh? auf: 'lasse uns deine kleinodien, deine frauenzier besehen!' 'zu weh?' war ihr frag Abele künstl. unordn. 1, 288. auch bair. zuwo 'warum': zwo bist du da v. Klein 252. sonst dauern vielleicht die verdunkelten instrumentale als scheinbar substantivisch flectierte dative fort in mhd. ze wâre, zwâre, ze guote; nhd. zu gute thun, zu leide, zu liebe, bei denen aber angleichungen und ausgleichungen mit im spiele gewesen sind.
c) allgemein braucht man bei zu für die fehlenden dative die unveränderlichen etwas und nichts, und über ma. und zwanglosen umgang hinaus zu was, trotz Lessing und Göthe gelegentlich beanstandet, Andresen sprechgebr. 42 (lehnt ab), Sütterlin spr. d. gegenw. 198 (stellt fest), vgl. th. 3, 118 b; 7, 719. belege: die künste sind das, zu was wir sie machen wollen Lessing 4, 395; zu was vor einem ende er vorhanden ware Grimmelshausen 2, 340 K.; es ist aber auch nichts so gut, es ist zu etwas schädlich Rabener 1, 172; zu was es nutzt, fragt niemand Göthe IV 41, 17 Weim.; aber hier könnt ihr doch zu etwas kommen, was der ganzen welt noch ein räthsel ist Bettine dies buch gehört d. könig 1, 193. besonders hat es seinen platz in lebhaften fragen: zu was denn?; gott sey dank, dasz wir friede haben, zu was das kriegsgeschrey? Göthe IV 1, 197 Weim. die ältere spr. schlosz daran subst.: von wannen und zu was zeit Xylander Polybius 8. länger hielt sich zu was ende? s. th. 3, 457.
d) für die verbindung mit dem pron. sind allgemein üblich dazu, hierzu, wozu (schon Luther 6, 416 Weim.; 18, 26 Weim.): glaube mir, ., zu solcher frage, dazu gehören jahre Fontane I 5, 161. ältere formen darzu noch

[Bd. 32, Sp. 165]


Kramer 2, 1475b, warzu nicht über das 16. jh.; länger worzu Frisius 28b, neben wozu Stieler 2653, Kramer: es ist nichts so bösz, es ist worzu gutt Voigtländer oden u. lieder 18, xv (1642), schwindet im 18. jh., letzter beleg M. I. Schmidt g. der Deutschen 1, 27 (1778). gelegentlich auch negativ nirgendzu Rompler v. Löwenhalt 60 (1647).
e) schwierig zu erklären ist die form von zuerst, zuletzt, zumeist, zuvorderst. das älteste und vorbildliche davon ist zuerst, ahd. zi êrist, zi furist. man kann diese wörter als zusammenrückung von präp. und adv. auffassen, wie vor morgens, bis heute, lat. ad - huc, a-mane Brugmann 2 2, 2, 782. s. u. V 3 a. es darf aber nicht auszer acht gelassen werden, dasz zi êrist in der bedeutung mit aʒ êrist zusammengeht, so langenoch in der sprache erhalten bleibt. aʒ, got. as. at, ags. æt regiert zwar im allgemeinen den dat., nur in einigen besonderen fällen den acc., got. in zeitbestimmungen z. b. at maurgin waurþanana, ahd. in diesen superlativadverbien. so kann bei der engen berührung des ahd. zi und at der acc. in zi êrist eine nachwirkung des ursprünglich zu aʒ, at gehörigen acc. sein, vgl. Krömer Paul u. Braunes beitr. 39, 491, Delbrück gr. 2 1, 763. vgl. unten sp. 168, 3.
f) mitteldeutsch ist der acc. bei zu, nach art der mit zwei casus verbundenen präp. (ähnlich wie das bekannte komm bei mich Albrecht 38; Weise Altenburg 143), literarisch belegt bis ins 18. jh. vom standpunkt der heutigen sprache ist er ein fehler: so schickte derselbe ... 2 kannen von den allerbesten Alacanten weine zu sie, ...; in einer viertel stunde wollte er zu sie kommen Chr. Reuter ehrl. frau 9; fing ich zu ihn an und sagte Schelmuffsky (vollst. ausg.) 9 ndr.; so geh ich zu die mägde Hartnack erläuterter Terenz 16 (1711); so oft ich zu sie komme Stranitzki oll. Fuchsmundi 247 ndr.; gleichwie der magnet das eisen, ein bündel voll ducaten einen geitzigen, ..., also reiszet mich, groszer Mecenat, dero vortrefflichkeit zu sie (anrede) Liscow 51. in Schlesien gilt der acc. als 'feiner': ich hoa vertrauen zu sie (zum härr dukter) festschr. Breslau (1911) 681.
g) scheinbar ist auch der gen. in verbindung mit adverbien besonders der zeit: z morgens empfacht diser künig alle sendtbrieff Franck weltb. 9b; so kamen sy z jars einmal 135a; z abendts felt die kelt an Schaidenreiszer Od. 72a; do behauseten wir zu nachts Dürer tageb. 47; frustra zu virgebenisz, to vergeefs Diefenbach 249b; zu rings um, vgl. unten V 3 b. ähnliches im ags. Delbrück syncret. 150.
2) die verschmelzung des artikels mit zu
a) findet regelmäszig statt im dat. sing. zum und zur, vgl. th. 2, 974 f., und zwar ausnahmslos in der prädicativen verwendung er schlug ihn zum ritter, s. Grimm gr. 2 4, 500, wo der artikel seine hinweisende kraft ganz eingebüszt hat, daher als zu einem und zu einer gedeutet Kramer 2, 1477, und in adverbialen und formelhaften ausdrücken, besonders abstracten: zur noth; zum glück; jemand zum besten haben; zur see gehen; zum guten hirten; zum blauen löwen. dagegen giebt es fälle, wo der artikel in sorgfältiger ausdrucksweise stets selbständig erscheint Paul gr. 3, 172 f.
α) wo das betreffende subst. etwas bestimmtes einzelnes bezeichnet: schon schweigt man stille zu der ermordung des Octavius Mommsen röm. gesch. 2, 67; Sulla verstand sich zu der bedenklichen aufgabe 154; der andere aber wollte sich zu dem guten gesellen machen, ihm zutrinken Brentano 5, 454; er ... risz zu dem bereits offenstehenden mittelflügel auch noch die beiden nebenflügel auf Fontane I 5, 161. wenn man dagegen z. b. in dem satze das ... meer hat die Hellenen zur seefahrenden nation gemacht Mommsen röm. gesch. 1, I, I 6 zu der einsetzt, so wird der sinn wesentlich verändert.
β) wenn der bestimmte artikel auf einen folgenden satz hinweist: zu der zeit, als unser herr Christus als ein kleiner knabe unter den menschenkindern weilte Arndt für u. an s. lieben Deutschen 1, 231; jene anregung .., kraft deren die güter nicht mehr zu den städten, in

[Bd. 32, Sp. 166]


denen ihre besitzer wohnten, .. steuern sollten Ranke 1, 140.
b) war früher üblich auch im plur. zun entsprechend dem mhd. zen. es kommt vor bis tief ins 18. jh. Stieler 2653a, Kramer 2, 1477c, Gottsched deutsche sprachkunst 5 165 f., Weitenauer orthogr. wb. (1764) 168 geben zun als richtige form an, Frisch lehnt es aber schon ab als veraltet und verwerflich, wenngleich mit falscher begründung, weil zu 'also einen accusativum regieren würde' 2, 483a. so auch Heynatz 2, 677 u. Braun 318a. dagegen brauchte es noch der junge Schiller, belege in Gödekes ausg. 5, 1, ccvii. besonders häufig belegt sind zun zeiten und zun füszen:

meint yemant das ich in nit rür,
der gang zun wysen für die thür
S. Brant narrenschiff 134 Zarncke;

das ander wündschen oft und dick
und sich darumb erst lang bemühen
oder darumb zun göttern fliehen:
Fischart Eulenspiegel 22 Hauffen;

tzun tzeytten Machabeorum Luther 11, 332 Weim.; ein büchlin ..., so er widder den prediger zun Barfuszen bey euch gemacht 23, 15; wie Paulus in der andern zun Corinthern am vierden spricht 26, 227; zun zeiten des Costnitzer concili 7, 567; zun götzen lauffen Melanchthon anrichtung der lat. schulen (1543) c ib;

der fürst spricht zun räthen:
H. Sachs 2, 31 Keller;

und nur zun himmelphorten
verweisets (das vöglein) allen thon
Spee trutznachtigall (1649) 3;

wie vom scheitel bis zun füszen,
deine purpur-ströme flieszen
Canitz 2c;

ich will ihm zun füssen fallen
Schiller 2, 53.


anstatt zun liest man recht oft zum, besonders in den titeln der episteln. im volksmunde scheint es in häusernamen weit verbreitet gewesen zu sein: zum drei lilien (Göttingen) anz. f. d. altert. 17, 345 note; zum drei rosen; zum drei palmzweigen (Leipzig) Albrecht 49. in diesem falle steht es wohl unter dem einflusz der vielen namen im sing. zum braunen hirschen, goldenen löwen. Gottsched verurtheilt es heftig d. sprachkunst5 166. belege von Luther bis Lessing: die epistel zum Ebreern Luther 24, 379 Weim.; die epistlen zum Timotheo zum Galatern Zwingli v. d. freiheit der speisen 40 neudr.; die sonne und der mondt, welche beyde .. zum zeitten ... umb etwas abnehmen, zum zeitten aber, sich ... mehren Thurneysser magna alchymia (1583) 12;

schau, wie dir dein diener zum füszen hier liegt
Neukirch ged. (1744) 35;

ihr niedern töne schweigt! von pracht und glanz entzücket,
sey ich zum sternen jetzt mir und der welt entrücket
Lessing schriften (1753) erste ausg. 2, 66 (später zun);

dasz ich auch einst mit ruhm zum kindern sagen kann 159 (spätere ausg. zun).

vgl. anz. f. d. alt. 17, 137 f., 345 f., wo weitere belege, desgleichen Paul-Braune beitr. 20, 336 f. und 560 f.
3) zu ist unter allen präp. diejenige, mit welcher die meisten festen formeln gebildet sind. da manche vor der ausbildung des best. art. entstanden sind und in den jüngeren das zugehörige subst. meist in allgemeiner bedeutung steht, so fehlt der artikel sehr häufig. im einzelnen schwankt der gebrauch, im ganzen ist im nhd. die neigung zu beobachten, den bestimmten artikel zu setzen. die formeln ohne art. sind ererbt, die seit dem 17. jh. gebildeten haben durchweg den art., z. b. zur genüge, zum glück, zur not, zur stelle, zur last legen, zur schau stellen, zur see gehn. in einigen fällen ist in alte formeln der art. eingeführt: zur ader lassen, zur kirche, schule gehen, sich zur wehr stellen, in anderen schwankt er wie zu und zum worte, zu und zur ruhe kommen, für zum grunde, im 18. jh. üblich, hat sich zu grunde durchgesetzt. analogische gelegentliche wendungen ohne art. erscheinen jetzt mehr gesucht als gewählt; er setzt sich sogleich zu maulthier Göthe 31, 247 Weim.;

[Bd. 32, Sp. 167]


und floh eilend zu meer
Bürger 203.

das schwanken ist in den einzelnen fällen besonders zu beobachten, s. Grimm gr. 2 4, 499 f.; th. 2, 993—998.
4) in einzelnen mundarten erscheinen erweiterte formen, entstanden im engen schlusz an das folgende wort, meist pron. mit anlautendem vokal.
a) mit n: zen none zeit weistümer 6, 71 (1394); zaənüns, zə-n-üns (östl. vom Lech) Schmeller maa. Bayerns 77 f.; den einen macht sie zn eim löwen Murner geuchmatt d 3a; schles. zûn'm, zûn'r, zûnd'r zu ihm, ihr, dir festschr. Breslau 681. sogar ein adverb. derzune: du muszt dich viel zu gutt derzune haln 684. zuənər 'mehr hierherwärts', wohlfeiler Schmeller 4, 213.
b) mit r: zə-r-üns (Naab) Schmeller 78.
0)geschichte der präp. zu.
1) *ist als präp. in allen westgerm. sprachen ebenso lebendig wie als adv. dieser präp. darf das got. du gleichgestellt werden, weil es nicht nur in der rection u. der allgemeinen bedeutung, sondern auch in so besonderen anwendungen, wie der finalen und prädicativen, und der verbindung mit dem inf., sich mit dem westgerm. aufs engste berührt, vgl. o. sp. 142. das adverbiale *wäre dann neben dem lautlich unterschiedenen du im got. geschwunden, und das got. stünde hierin mitten zwischen dem westgerm. und dem nordischen. auch wenn man dagegen die ansicht, dasz die präpositionale verbindung mit dem dativ erst im sonderleben zu stande gekommen sei (Brugmann grundr. 2II 2, 813), festhalten will, so dürfen die belege aus dem got., wenn nicht als geschichtliche vorstufen, so doch als belege für verwandte erscheinungen angeführt werden.
2) der dativ kann nicht wohl vertreter des alten locativs sein, weil die entwicklung zur präp. innerhalb des germ. erfolgt ist, welches keinen loc. mehr hatte, s. Delbrück synkr. 162. er ist also als eigentlicher dativ der beziehung aufzufassen. *tō, seiner herkunft von einem hinweisenden adv. entsprechend, das erst in einzelnen idg. sprachen sich besonders entfaltet hat, unterscheidet sich von den älteren, aus ortsadverbien hervorgegangenen präp. dadurch, dasz es nicht wie jene eine bestimmte raumanschauung (des 'in', 'über', 'um' u. s. w.) enthielt, sondern nichts als den bloszen hinweis. wenn also ein vorgang durch das adv. in eine richtung eingestellt wurde, so bedurfte es einer ergänzung des bloszen 'da!' durch die person oder sache, auf die sich die einstellung bezog. dafür war der gegebene casus der dativ, s. Delbrück synkr. 149. aus der ständigen nachbarschaft ist dann wie bei den anderen präp. die enge verbindung geworden, in welcher das wort erst zur präp. wurde. der vorgang ist im got. an einigen stellen zu beobachten: duatiddja imma hundafaþs Matth. 8, 5; þanuh atberun du imma barna ei attaitoki im, iþ þai siponjos is sokun þaim bairandam du Marc. 10, 13. reichlicheren aufschlusz gibt das ags. asächs. ahd. mhd., auch das ältere nhd., s. o. sp. 153 ff. dazu noch einige belege zur erläuterung:

endi sprac im thô mið is wordun tô
swîðo gôd gumo Johannes te Kriste Heliand 969.

womit zu vergleichen:

Johannes thô gimahalde endi tegegnes sprac
them bodun baldlîco 914.

weiter:

þæt hié him tô mihton
gegnum gangan Beowulf 313;

âhyld me dîn eare tô inclina ad me aurem tuam ps. 70, 3; he hêht him fetigean tô sprecan sine Caedmon 161, 17 (nach Bosworth-Toller 989b). im ahd. mhd. u. nhd. schlieszen sich adv. und verb. zwar immer mehr zur unfesten zusammensetzung an einander, aber das adv. bleibt selbständig genug, um die bedeutung des dativs erkennen zu lassen, besonders bei verben wie gân, rîten, kêren und vor allem sprechen Kelle Otfrid 738a; Graff 6, 370; mhd. wb. 3, 856 ff.; Lexer 3, 1180—1189. zu beachten sind auch die vielen fälle, wo das adv. zuo am

[Bd. 32, Sp. 168]


ende des verses mit einem vorausgehendenzusammengehört:

dâ kêre dîne erbarme zuo
Wolfram Willehalm 1, 11.

wenn auch die entwicklung zur präp. einer viel früheren zeit angehört, so kann doch das mhd. adv. zuo, weil es in der bedeutung dem urg. *gleich und von der herrschenden form der präp. lautlich geschieden ist, die stufen jener entwicklung veranschaulichen. wenn Wolfram sagt:

man mac noch dicke schouwen
froun Lûneten rîten zuo
etelîchem râte gar ze fruo Parz. 436, 9,

so ist zuo in engerer verbindung mit rîten als mit den folgenden worten. man vergleiche den vers mit den vielen von der art:

der knappe reit ir balde zuo 138, 15.

enger ist die verbindung über den reim weg:

wir suln bêde samt zuo
herzenlîcher klage grîfen 488, 22.

hier ist zuo, was wir präp. nennen, vgl. oben sp. 145 ff., wo noch bestimmter hätte hervorgehoben werden müssen, dasz die wendungen von der art er ging dem walde zu erst der neueren zeit angehören und zwar einer ausgesprochen schriftmäszigen ausdrucksweise.
3) ahd. zi, za berührt sich mit az, dem im ahd. schwindenden vertreter des germ., im got., an., ags., afries. u. heute noch im engl. lebenden at, das wieder lat. ad entspricht. die räumliche bedeutung der unmittelbaren berührung liesz sich mit der vorstellung der ruhe, wie der der richtung verbinden. das lat. ad hat beides in lebendigem gebrauche, auch die ruhevorstellung Thes. 1, 518 bis 529. im germ. hat at, wo es auszerhalb fester formeln vorkommt, nur die ruhebedeutung, 'lage an einem punkte', und wird mit dem dat. als vertreter des alten loc. verbunden. der acc. erscheint nur in zeitbestimmungen, z. b. got. at dulþ paska Brugmann grundr. 2II 2, 794; Delbrück I 763; Gebhardt altwestnord. präp. 65. das vor unserer überlieferung liegende zurücktreten der richtungsbedeutung möchte man mit dem aufkommen von *in der richtungsbedeutung zusammenbringen. im deutschen ist at seit beginn der überlieferung im schwinden. in den Heliandhss. zeigt sich schon an dafür. im ahd. ist an, bî, auch in dafür eingetreten, und es erscheint az als präp. nur noch in bestimmten örtlichen u. zeitlichen formeln wie az zesuun halp, az steti, az rahhu, az êristin, az êrist, az oparôst, az nidarôstin Graff 1, 523 f., ahd. präp. 94, und in der verbalcomposition azsîn. in diese formeln ist zi eingedrungen, das in denselben oder ähnlichen formeln ruhebedeutung angenommen hatte, s. u. bei III. aus dieser berührung erklärt sich, dasz die formeln zi êrist, zi obarôst nur ruhebedeutung haben, s. u. III 1 b γ, wahrscheinlich auch die flexionslose form der superlativa darin; auch ist darauf zurückzuführen zi zesuun halp und ahd. mhd. nemen ze, vgl.:

that sie at ênigumu manne mêde ne nâmin Hel. 1844.

dagegen sind die verbalcomposita ausgestorben.
4) zu hat sich dann besonders in nicht räumlichen ableitungen und festen verbindungen ein weites gebiet erobert. höchst mannigfaltig erscheint es im mhd. und der südwestd. büchersprache des 16. jh. auch hat es seine geltung in den oberd. mundarten bewahrt, hingegen ist es in büchern mitteldeutscher herkunft und auch im nhd. eingeschränkt, u. in den mitteld. maa., auszerhalb einiger formeln, verdrängt. im Frankfurter druck des Renner von 1546 wurden ze banne tuon, ze diute, ze aller stunde, ze maniger stunde, zehant, zeinmal durch in banne thun, gar recht, allzeit, gar manche stunde, sobaldt, eynmal, auff einmal, eynst ersetzt Warlies d. Frankfurter druck des Renner 76. ein anderes mal tritt neben das unsichere zu ein deutlicheres an oder nach: wan nach dem, das es (das bild) dem andern gelicher ist, darz und darnach jaget es .. darnach wirt es gelicher dem, das es jaget, darz ez ilet meister Eckhart b. d. göttl. tröstung 20 Strauch (d. myst. 2, 431). anstatt

[Bd. 32, Sp. 169]


in stücke gehn hiesz es früher zu stücken gehn, anstatt im felde sein zu felde sein oder liegen, worüber unten im einzelnen mehr. im schles. geht man an, auf die heirat, in die kirche, beichte, schule, eis geschäfte, man fragt was soll ich in die kirche anziehen?, man spricht auf jemand Drechsler festschr. Breslau 651; 664. im obers. beschränkt sich der gebrauch von zu auf überlieferte wendungen wie zu hause, sonst braucht man auf, bei und in Albrecht 241b, Bruns volkswörter d. prov. Sachsen 4b, Müller-Fraureuth 36; 80; 558; Weise Altenburger synt. 143. dasselbe wird in Hessen beobachtet (Hünfeld, Cassel, Niederhessen). aus dem westfälischen wäre anzuführen he tüt bi siinen suon, dat land heurt nich bui iusen hof Jellinghaus ztschr. f. d. phil. 16, 92. genauere beobachtungen sind wünschenswerth. auch im umgangshochdeutsch, wenigstens im norden, wird zu verdrängt, und zwar durch nach s. th. 8, 11: er geht nach seinem vater. andere verschiebungen müssen am einzelnen orte behandelt werden.
0)bedeutung.
die eigenthümliche bedeutung von zu erscheint uns am deutlichsten in verbindungen wie er kommt zum freunde, er geht zur schule. mit der räumlichen bewegung nach einem ziele verbindet sich hier die vorstellung des zweckes oder allgemeiner desjenigen, was bei der person oder an dem orte vorgeht. das räumliche tritt darin zurück, und in vielen anderen fällen verflüchtigt sich die eigenbedeutung von zu so sehr, dasz es als ein bloszes beziehungswort erscheint. ebenso wird es in der unabsehbaren menge der festen, einheitlichen verbindungen zu einem bloszen wortbildungstheil, den die sprache dann auch aufgibt, siehe unten V 4. so stört es nicht, wenn in einem und demselben satze zu in verschiedener verwendung wiederholt auftritt: zum ersten sein zu merkhen die tag und feyer, zu welchen ain yeder richter nicht soll an den rechten sitzen ursach zu verhörn. 2. zu welcher stundt des patriarchen anwaldt oder richter zu recht nider sizen soll und daz zu derselben stundt ain yeder sich stelle, der zu rechten daselbs stee und zu schaffen hat Görzer urkundenbuch 87; im beisein eines gantzen ratz, welcher dan zlob got des almechtigen und seiner mter Marie da z opfer gat, und tregt ein yeder ratzher ein kertz z dem altar, z einer gedechtnis Gebweiler beschirm. d. lobs Maris (1523) 17a; zum viertzehenden, zu ubirfluss hat er nit allein in ihm selbs die sund, todt, hell ubirwunden und unss furgehalten zu glauben, sondern zu mehrem trost .. die anfechtung erlitten und ubirwunden Luther 2, 691 Weim.; und auf dem zweiten (bild) stund das heilige grab zu Jerusalem zu sehen, das war von Saladins reitern zerstampft, verunreint, zu einem stall verwandelt Scheffel w. 3, 39;

schlummer und schlaf, zwei brüder, zum dienste der götter berufen,
bat sich Prometheus herab seinem geschlechte zum trost;
aber den göttern so leicht, doch schwer zu ertragen den menschen,
ward nun ihr schlummer uns schlaf, ward nun ihr schlaf uns zum tod
Göthe 2, 124 W.


darum erscheint es schwierig, die mannigfaltigkeit des heutigen gebrauches von einem geschichtlichen ausgangspunkte abzuleiten. die erste frage ist, ob die von anfang belegten fälle der ruhebedeutung dazu nöthigen, als geschichtliche grundlage eine präp. mit doppelter, ruhe- u. richtungsbedeutung anzusetzen, wie etwa an und in, so Paul d. wb. 570, auch gr. 4, 4 (§ 279). dem widerspricht aber die thatsache, dasz das westgerm. *regelmäszig nur mit einem cas. sich verbindet, dem dat. (der kein urspr. loc. ist, s. o. 2), wie auch got. du, während nie und nirgend eine unterscheidung von acc. und dat. nach der bedeutung vorkommt. auch läszt sich die doppelte bedeutung nicht damit vereinigen, dasz dem *die vorstellung einer besonderen raumanschauung am object fehlt, welche die voraussetzung dazu ist. hingegen erscheint die richtungsbedeutung, je älter die überlieferung, um so mehr als die herrschende, s. Krömer Paul-Braune beitr. 39, 481 ff., für got. du Winkler germ. casussyntax

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275—311, für ags. Dening ruhe- u. richtungsconstr. 61. auch heute bezeichnet zu überall da die richtung, wo es in seiner eigenbedeutung deutlich ist, während die ruhebedeutung in erstarrten wendungen zu hause ist. diese lassen sich auch durchweg aus der richtungsbedeutung befriedigend erklären, s. u. III.
ausgang und fortgang der bedeutungsgeschichte wird klarer, wenn man die richtungsbedeutung genauer bestimmt als die einstellung in eine gewisse richtung, vom subject auf ein object hin, gleichsam das einnehmen der richtigen front vorm antreten, 'das hin einer richtung oder bewegung als gegensatz des vonweg, also ohne in diesem hin ein bestimmtes hinauf, hinein, hinunter u. s. w. anzugeben' Graff ahd. präp. 242. im got. du zeigt sich diese bedeutung besonders in dem unterschied von gaggan, galeiþan du gegen qiman at gr. 24, 969. für das westgerm. sind die verhältnisse im ags. maszgebend, s. Dening ruhe- u. richtungsconstr. 20 ff. für das as. te gilt dasselbe:

giuuitun im thô te hûs thanan
fon HierusalemJoseph ende Maria,
hêlag hîuuiski : habdun im hean kuning
simbla te gisîða,sunu drohtines
(sie sind auf dem wege) Hel. 531.

quâmun thar te Johannesecuningo gisîðos
(zielbestimmung ist thar, durch te Joh. erläutert) 952.


auch im hd. ist die bedeutung bis heute lebendig, wie sich in der neuausgebildeten verwendung des adv. zu, s. o. sp. 145, zeigt, sowie überall, wo die präp. in eigenen, bewuszt geformten ausdrücken erscheint: quod placeat tibi visere relictam noctem terrarum ... uuile du danne hara sehen, ze dero uuerltfinstri dannân du fuore Notker 1, 231 P.; swenne der (der wille) ... daz fiwer der sele bringet unde sî alsô durchgêt, daz allez daz verzert wirt, daz in der natüre zuo sünden gloset d. myst. 2, 411;

wo zu des Rheines heil'gen wogen
die Lahn in bunten ufern rauscht,
da ist ein adler aufgeflogen
E. M. Arndt 4, 91 (lied vom Stein).


von dieser bedeutung unterscheidet sich diejenige, welche die bewegung bis zum erreichten ziele verfolgt. obgleich früh belegt, ist sie der entwicklung nach die jüngere. ihre ausbildung läszt sich durch das mhd. ins nhd. verfolgen, wo sie geradezu als die hauptbedeutung erscheint. dieser gang entspricht der verschiebung der auffassung von bewegungsvorgängen, die ganz allgemein im deutschen zu beobachten ist. diese verschiebung bewirkt, dasz wir heute in vielen ererbten verbindungen, wie auch in mhd. textstellen, zielbedeutung anstatt der ursprünglichen richtungsbedeutung sehen. in solchen verbindungen verliert mit der schwindenden räumlichen anschauung die präp. an ihrer eigenen bedeutung. darum flieszen in ihnen die beiden grundbedeutungen zusammen und es bleibt nur die allgemeine vorstellung einer irgendwie räumlich gerichteten beziehung übrig. so ist die einordnung der festen verbindungen mit zu ohne willkür nicht möglich, und gerade in solchen besteht ihr statistisch tatsächliches vorkommen in der überwiegenden masse.
I. zu bezeichnet die richtung auf ein ins auge gefasztes ziel.
1) die richtung wird durch hin und her und deren ableitungen verdeutlicht (wovon belege hierunter bei den verschiedenen anwendungen), auszerdem in älterer zeit durch die advv. zu und wert, wärts, dies schon westgerm., ags. tô mynstre weard u. ä. Bosworth-Toller 1010a: eines mals sihet er zwene zimmerleute, mit einem langen zimmer, das sie auff den achslen tragen, zu einem engen gesslein zu Hayneccius Hans Pfriem 4 ndr.; uf hb sente Peter unde sach zu himele wert und tet sin gebet zu gote wert. do er daz getet, do sach er zu berge wert altd. pred. 1, 205 Schönbach;

einsmals da ich zu Lübeck war,
gdacht nach Riga mit meiner wahr
zur seewarts auff ein schiff zufahrn
B. Waldis Esopus 2, 40 Kurz;

[Bd. 32, Sp. 171]



je weiter du zu landwert springst
je mehr du nach dem unglück ringst 2, 198.


2) zu verbindet sich mit verben, die irgendwie die einstellung in eine bestimmte richtung bezeichnen.
a) in weitgehendem masze in der älteren sprache.
α) wenn die richtung einer arbeit angegeben wird: runde tartschen, die werffen sy z den schüssen für Franck weltb. 215a; dann obwol an den enden, da rosshub, hanenfuss ... wächsset, das wasser nicht weit ist, so ist es doch nit vil guts, wann man es nicht zum allertieffsten grabet Sebiz feldbau 14;

und als man nun grub zu dem grundt
den tempel drauff zu bawen
H. Sachs 15, 469 G.


β) mit binden: unde be diu lustet siu gebunden uuerden ze demo ende des kuotes Notker 1, 292 P.

er bant ez zuo dem satele Nib. 891, 2.


γ) mit nahen, sich nähern, as. s. Holthausen as. elementarb. 185, mhd. wb. 2a, 294b; Lexer 2, 20 f. auch im früheren nhd. Kramer 2, 1474b, jetzt bloszer dativ: zu land nächnen Diefenbach nov. gl. 316b; fürst A. ... näherte sich zu ihm Lohenstein Arminius 1, 32b; wer einen strohern schwantz hat, nähere sich nicht zum feuer Kramer 1325a; du siehst hier eine anzahl menschen vor dir, die ... in vollem vertrauen sich zu dir nahen Göthe 17, 193 W.
δ) mit nehmen u. ä., mhd. besonders urloup und rât nemen ze einem gr. 24, 992 f. zu grunde liegen wohl ausdrücke wie wazzer ze einem brunnen nemen, über beziehung zu älterem at s. o. sp. 168, 3:

den (seinen freund) bôt her snellîche
den dranc zo (von) sînem knehte haln
Berthold v. Holle Crane 441;

ich wollt ê zeinem juden borgen
Walther 100, 29.


b) bei wenden, kehren, neigen u. ä.
α) räumlich:

ich sprach, im bett zur wand gekehrt
Brentano 5, 77;

wie ihr die sonn, wann sie am aller tiefsten stehet
zum untergang geneigt, am allergrösten sehet
Zinkgref auserles. ged. 63 ndr.;

nu hör, min tochter, und sihe, neige ze mir dinú oren Seuse 223 B.; den weiszen kopf seitwärts zu einer frisch erschlossenen provinzrose beugend Storm 7, 285; nur eine sonnenblume .. neigte traurig den geschlossenen kelch zur erde E. Th. Hoffmann 1, 16 Gr.;

und weint und fleht, die hände zum Zeus erhoben
Schiller 11, 286.


β) an die räumliche schlieszen sich andere vorstellungen und verdrängen sie.
aa) der persönlichen beziehung: ich heisze der getreue Eckart, und so wenden sich bedrängte und nothleidende zu mir Tieck 4, 178 (dafür meist sich wenden an Heynatz 2, 671; Campe 5, 882a);

rief gar traurig seinen lieben kindern:
kehrt zu mir, ihr lieben armen kleinen
Göthe 2, 52 W.;

do sich sant Franciscus keren wolt zu got von der welt Keisersberg bilgerschaft b id. vgl. th. 5, 420 sich zu gott kehren, jemand bekehren. veraltet zu ihnen! beim zutrinken, als 'ungut' bezeichnet von Campe.
bb) der innerlichen beziehung zu einer handlung oder einem zustand:

mein hertze soll sich fort und fort
an diesem und an allem ort
zu deinem lobe neigen
P. Gerhardt 3, 399b Fischer-Tümpel:

sein charakter neigte immer zum ernst Tieck 4, 20.
cc) der veränderung: ain geschickter man vil ding z schimpff wenden kan G. Mayr sprichwörter (1567) b 8 α; veränderung des wetters zu schönung Paracelsus op. 1, 374; ist ihnen ein wunderbarliche und treffliche

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verkerung der sachen zum ergern z gestanden Xylander Polybius 61; möge ... die angelegenheit zu ihrem wunsche sich wenden Göthe IV 31, 102 W.; diese fehden nahmen, ..., eine wendung zu gunsten Östreichs Ranke 1, 254; etwas zum guten, zum besten kehren, wenden.
c) auf derselben anschauung beruht, nur in übertragener anwendung üblich, halten zu, sich halten zu: habe dich ze gote Notker 2, 137; also sol das geistlich turteltüblin sich allein halten zu got irem herren Keisersberg bilgersch. c iiib; ohne alle schwierigkeit versprachen sie, sich zum reiche zu halten Ranke 1, 116; eine predigt, dasz man kinder zur schulen halten solle Luther 302, 508 W.; etwas zu rate halten.
d) der älteren sprache eigen ist richten zu, sowie viele freiere verbindungen: nachdem sie die sachen in Africa geschickt und z gtem wesen gerichtet hatten Xylander Polybius 67;

kein streich war da vergebens nicht,
als der zum fehler war gericht
Dähnhardt griech. dramen 2, 238.


e) sprechen, sich mit worten zu einem hin wenden. diese bedeutung kam in der älteren, noch mhd. reichlich belegten construction er sprach im zuo schärfer heraus, s. o. sp. 145 I 1, ist aber dem heutigen deutsch durchaus gegenwärtig, wie die von alters festgehaltene unterscheidung gegen das mit dem dat. der angeredeten person verbundene sagen zeigt th. 8, 1652; 10, 1, 2805 ff.; gr. 24, 1000 ff.
α) am reinsten zeigt sich das 'sich redend zu einem hinwenden', wo auf den inhalt des gesprochenen kein bezug genommen wird: dencke ze mînero bete stimmo die ih ze dir frummo Notker 2, 12 P.; in mînemo truobesali ruofta ih ze mînemo herren, unde hareta ze gote 42; wann einer ... zum himmel argumentiert Lehmann floril. 1, 152; schrey zum fuhrmann ungestümlich ein Hayneccius meister Pfriem 4 ndr.;

heymliche red hab ich zu dir
H. Sachs 1, 212 K.;

aus tiefer noth schrei ich zu dir
Luther;

sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm
Göthe 1, 169 W.;

doch ein wort zu dem verwegnen!
Göthe 2, 28 W.;

betet er zu allen göttern, fördersamst zum sonnengott (Faust 10016) 151, 243 W.

ohne verb.: zu gott der mund, zu gelt das hertz Lehmann floril. 1, 282.
β) der inhalt des gesprochenen wird in syntaktischer verbindung mit dem verb. zum ausdruck gebracht:

da rüfft das ganze Israel
zu gott umb hilff in seiner qual
H. Sachs 1, 212 K.;

aber hatt künig Soldan etwas zu Fortunato zuklagen Fortunatus 92 neudr.; dasz ich zu dir das ungeheure von der seele sprechen konnte Storm 8, 163; doch dünkte es sie nicht unbehaglich, ... endlich wieder einmal zu einem guten alten bekannten von sich und ihrem leben zu sprechen G. Keller 7, 350. so von dem namen, den man gibt: man sagt kartoffeln zu erdäpfeln gr. 24, 732.
γ) in der redeeinführung, wo in der einschaltung sagen dem mhd. noch nicht geläufig war Lachmann zu den Nib. 1760, 3:

beiter sprach er zu mir: werde mir zeuge du stein!
Göthe 2, 127 W.;

natur und geist — so spricht man nicht zu christen (Faust 4897) 151, 14 W.;

gedult, sagte ich zu mir Grimmelshausen 2, 10 K.; hertzog Hermann fieng nach ihrem schlusse zu denen andern fürsten an Lohenstein Arminius 1, 16b; der erste bediente rief zu einem zweiten ...: 'führe den herrn gleich zur baronesse' Göthe 23, 154 W.; 'du fährst', fuhr sie zum kutschenden zu fort, 'den schlechten weg hin' 24, 166. ohne verb.: Ulysses z seinen gesellen

[Bd. 32, Sp. 173]


Schaidenreiszer 53a (am rande); in bühnenanweisungen:

(zu Luisen) sprich unglückselige
Schiller (kab. u. liebe V 2) 3, 484 G.

in titeln von vorreden, flugschriften veraltet: das narrenschiff zum leser Seb. Brandt narrenschiff 3; ein trew vermanung Martini Luther zu allen christen sich zu vorhuten fur auffruhr und emporung Luther 8, 676 Weim.
δ) veraltet sind ganz seltenes fragen zu: si fragten z einander, was das wer, so er derstúnde von den dotten erste deutsche bibel 1, 154; he frogg to sinen nber (mundartlich aus Westfalen) zeitschr. für deutsche phil. 16, 94. Luther nicht: das ist auf die hebreysche weysse, die do spricht: 'ich frage tzu gott, ich frage tzu den toden', das ist inn unsser sprach so vil gesagt: ich radtfrage gott, ich radtfrage die todten 8, 536 W., auch nicht th. 4, 1, 1, 52 ff. schreiben zu: brief die sy zu einander geschriben hond C. Hedio chron. German. j iiii b; schribt Paulus zun Corinthiern I. ca: VI Zwingli freiheit d. speisen 6 ndr.; darnach der fürst Philippus hertzog zu Cleve ... (hat) ein namhafftigs buch .. zu dem .. keyser Carol dem fünfften verfertigt Fronsperger kriegsb. 2 vorr.
ε) schwören zu kommt zusammen mit sich bekennen zu: (Ixion) eidota ze hello daz er mit Junone slâfen uuolta Notker 1, 224 P.;

mîn herze, ir schône und diu minne habent gesworn
zuo einander, des ich wêne, ûf mîner fröuden tôt
Heinrich v. Morungen M. F. 134, 7;

da schwer du mir zu Gott ein eyd
H. Sachs 12, 531 K.-G.;

weil sie (d. Römer) .. zu diesen bildern zu schweren pflegten Lohenstein Armin. 1, 40b; (ich) wäre .. gar nicht abgeneigt, auch zu deiner fahne zu schwören Göthe 24, 274 W.; der verfasser gehört zu denjenigen, die aus dem dunkeln ins helle streben, ein geschlecht, zu dem wir uns auch bekennen 412, 210; dasz er ... sich zu seinen büchern bekannt Ranke 2, 7.
ζ) zu bezeichnet den bezug auf den gegenstand des sprechens, allgemein mit sagen: was sagen sie zu dem blatte? Arnim 2, 128;

so sag ich nein z allen dingen
H. R. Manuel weinspiel v. 3372 ndr.

oft als ausdruck des staunens oder der entrüstung: was sagen sie denn dazu? hierzu geläufige wendungen des geschäftlichen und öffentlichen lebens: sich zu einer sache äuszern; zu einem gegenstand das wort nehmen, ertheilen, die feder ergreifen; zur geschäftsordnung! zur person!; zur sache! Schiller 12, 115; 121; 123; veraltet bei reden: ein krieg darz nüt ze reden ist Frisius 153b; red nichts dann gts zu eim dinge sch. w. klugreden 43b; antworten zu allen sachen H. Sachs 1, 73 K., zu derselben frag Eulenspiegel 43. ungewöhnlich bei einwilligen: sie hatten zu dieser ... trennung ... eingewilligt (nach frz. consentir à) Zimmermann einsamkeit 1, ix. hierauf beruhen die titel von abhandlungen, büchern, sammelschriften: vorred Ulrichs von Hutten zu dem gesprächbüchlin Hutten 1, 47; vorbericht zur ersten ausgabe Abbt 2, 3. nach heutiger auffassung gehört hierher auch zu etwas glück wünschen. entsprechend in der umkehrung schweigen zu etwas: die fromm einfaltigheit der christen, hat z vil dingen geschwigen Zwingli freih. d. speisen 36 ndr.; alle die da schweygen tzu den sunden Luther 101, 1, 261 W.; da musz man das maul halten zu der unterdrückung des volkes Polenz Grabenhäger 2, 22;

als sie verzagt zu allen dingen,
hat er sie durch den losen man
für leyb-eygen ansprechen lan
H. Sachs 2, 16 K.;

ich bin zu allen sachen still
Göthe 17, 37 W.;

in die herzen ist es eingegraben,
wozu die lippen keine worte haben
Körner 2, 248.

[Bd. 32, Sp. 174]


freier: zu disem gebet stnd der fluss Calliroe still Schaidenreiszer Od. 22b. dieselbe einstellung gelegentlich bei taub.

er war zu unsrer bitte taub
Lessing 3, 8 M.

nicht auf den gegenstand, sondern die absicht des redens gehen wendungen wie zum guten, zum besten reden, zur sühne, zur versöhnung reden Weise Altenburger synt. 148; zu lieb reden loqui ad voluntatem, in gratiam Dentzler clavis 367b; die ärzte wollen zum besten reden, ich aber weisz nicht, was draus werden soll Göthe IV 38, 70 W. vgl. u. bei IV 1.
η) dieselbe anschauung liegt vielen wendungen der alten rechtssprache zu grunde, persönlich und sachlich: klaget maget oder wedewe to landrechte over iren vormünden Sachsenspiegel 3 1, 196 (art. 41); das sprachen sie aber, in zuversuchen, auff das sie eine sache zu ihm hetten Luther Joh. 8, 6; hat Demetrius ... zu jemand einen anspruch apostelgesch. 19, 38; darzwischen sprach der abt von Kaisham mit recht zu dem acker und wurd im zu Werd (Donauwörth) nach stat recht eingesprochen chron. v. Kaisheim 371; ob derhalben sein zeugnus vil gelte, das stelle er zum richter Ayrer proc. jur. 447; das recht zur krone war nicht erblich Göthe 22, 73 W. zu etwas anspruch haben von Heynatz 2, 671 getadelt:

yedoch der richter ihm darnach
fünff Wiener pfunt zur strafe sprach
H. Sachs 9, 264 K.


in derselben weise verdammen, verurtheilen zu, wovon das zweite an stelle des im mhd. üblichen verteilen getreten ist: metalarii ertzgraber die zu einer straff in das bergwerck verdampt sind Calepinus undec. ling. 890b; zum ruder verdammt seyn Kramer 2, 379a; zum tod verurteilen Frisius 189a, bis heute allgemein; dies arme kind wurde nun zum galgen verurteilt G. Keller 5, 189. ferner zu gnaden, treuen, befehlen: eyn empfelchnisz z gott dem herren ew. wiszh. betbüchl. 6 iiib;

scalchen und diuwen
pevalech er daʒ vihe ze triuwen Wiener genesis 45, 26;

befehlt eure seele gott zu gnaden
Göthe 14, 190 W.

sowie zur rede setzen, stellen s. th. 10, 1, 649.
f) ähnlich wie den bezug der rede auf den gegenstand drückt zu bei anderen handlungen eine theilnehmende begleitung eines vorganges aus.
α) eine gebärde, ausdrucksbewegung oder einfach eine begleitende handlung: zum bätten weynen addere precibus lachrymas Frisius 1053a; zu allem lachen Kramer 2, 1474b; sie lächelte zu glück und unglück Gutzkow zauberer von Rom 7, 169; Philine, die zu dieser erscheinung grosze augen machte Göthe 22, 43 W.; wir sehen die klügsten, verständigsten menschen im gemeinen leben schritte thun, wozu wir den kopf schütteln müssen Knigge umgang mit menschen 1, 1; wir sprachen vielerlei und tranken eine flasche wein dazu Eckerman 1, 139; sie brauchen blosz zu meinem sprechen zu kauen J. Paul 24—26, 74;

und zu ihren frechen küssen
leuchtet mit verdrusz der gott
Göthe 2, 29 W.


β) begleitende klänge, musik, weise: ze tantz machen oder pfeyffen Frisius 218b; zu tantz machen Calepinus 352b; ein lied zum dantzen, zum sauffen Kramer 2, 1477b; Christus hab vileicht selbst zu Cana zu tantz gepfiffen Ambach vom tantzen (1543) d 2a; noch exsistiert für mich kein wort: sondern nur töne zum wort einer empfindung Herder 5, 10;

viel hunde (hört ich) zu dem weydwerk pellen
H. Sachs 1, 438 K.;

jetzt sol man alle glocken lüten
z disen freidenreichen zeiten,
in aller welt z disen sachen,
ja grose frödenfeuer machen
Murner luther. narr v. 2631 Merker.

[Bd. 32, Sp. 175]


umgekehrt canere ad tibiam zu einer schweglen, einer zincken, einer flöuten singen Frisius 181a; (Hilaria) sasz am flügel, zu eigner begleitung singend Göthe 24, 340 W.; ein student sang . am offenen fenster zur zither Eichendorff 3, 392; zur laute singen Schiller 2, 67; lieder zur laute; concino mitsingen, zu einanderen singen Calepinus xi ling. 293a;

die zweiglein schwanck
zum vogelsang
sich auff, sich nieder neigen
Spee trutznachtigall (1649) 37;

und zu aller art von liedern
schlingen sich des festes kränze
Göthe 2, 154 W.


g) sehen, schauen, die augen, den blick irgend wohin richten.
α) in der älteren und dichtersprache ohne nähere bestimmung, sehen als richtungsverb., s. Sievers Paul-Braune beitr. 12, 168, Wiessner 26, 506: auff ein ding über zwerch die augen setzen wie ein schütz zu seinem zweck Calepinus xi ling. 266b;

unser augen sehen zu dir
H. Sachs 1, 216 K.;

starr
blickt sie zum himmel, blickt verirrt umher
Göthe 10, 257 W.;

dafür heute auf:

und alle die männer umher und frauen
auf den herrlichen jüngling verwundert schauen
Schiller 11, 221 G.


β) heute durch eine richtungsangabe, seis als adv., seis im verb, gestützt: Reinhard blickte forschend zu ihr hin Storm 1, 21; Lene, die ... freundlich zu ihr hinüber grüszte Fontane I 5, 127; Amaliens blicke irrten von dem einen eingang zu dem andern Ch. Bischoff A. Dietrich 221; mit welchen gefühlen sah ich oft hinüber zu den armen, die im . zwischendeck fuhren 260;

doch zu der ferne bleibt mein blick gerichtet
Göthe 4, 28 W.

besonders vom blick in die höhe, auch nach unten: wie zu den sternen des firmaments, wendet er seine augen zu solchen wunderwerken empor Göthe 46, 367 W.; und schauten zum deutschen himmel hinauf Schaffner J. Bregger 105; wer nicht aus forschbegier seine sinne zur unergründlich strahlenden höhe erhob 56;

ich ging, du standst und sahst zur erden
Göthe 1, 69 W.


γ) zu etwas sehen, schauen, alem. luegen zu Frisius 1377b heiszt im älteren nhd. auf etwas achten: will man solchen ... schäden fürkommen, so soll man fleissig und zum offtermal zu den weinfassen sehen lassen Sebiz feldbau 529; hie hörst kurtzlich ir (der bischöfe) ampt sin, uffsehen z den schaffen, sy spisen, nit schinden, nit schaben Zwingli freih. d. speisen 30 ndr.; zu seinen sachen schauen Spreng Ilias 45b, zu der wunden 68; zu seinem ding lgen H. R. Manuel weinspiel v. 1776 ndr.;

wer will, dasz ihme geling,
der sehe selbst zum ding
Lehmann floril. 1, 271;

Götz, sei unser hauptmann, oder sieh zu deinem schlosz und deiner haut Göthe 8, 144 W. danach achthaben, sorgen zu: hab acht zum seckel Lehmann floril. 1, 393; mich dauert der gute Flachsland herzlich; habt wohl acht zu ihm Wieland br. an Merck 2, 177; gte sorg zu dem vych haben Frisius 19b, zum haus Moscherosch gesichte 1, 133; guck aus zum kind! ebda; mercket auf zu diesen dingen Rinckhart christl. ritter 16 ndr. zum rechten sehen jetzt gegen nach dem rechten sehen zurückgetreten, s. th. 8, 396 f β.
δ) 'auf einen hinblicken' bekommt den sinn 'von jemand etwas erwarten', 'auf etwas hinschauen' 'von etwas erwarten'; daher sich versehen (th. 12, 1251), vertrauen. verlassen zu, heute nur noch zum theil üblich: zu denen

[Bd. 32, Sp. 176]


so daheim ir gsind verwaltend, versich ich mich aller eeren und gtes Zwingli deutsche schriften 1, 84; der schwalben, .. und anderer vögel, die sich zu euch alles guten versehen Miller predigten für das landvolk 1, 4; wer wolt zletzt dich haimschen, oder sich z dir vertrawen Schaidenreiszer Od. 38a;

dar ich mi gudes to verleth,
dat was de genne de my verreth
Husemann nr. 89 Weinkauff;

dagegen fester bewahrt hoffen, besonders hoffen zu gott, reichlicher belegt als th. 4, 2, 1670 andeutet: darumb, wenn der mensch in sinen sünden verhertet, ..., und kein hoffnung wil haben z gott Keisersberg bilgersch. 21c; aber ich hoffe zu gott, dasz er meine zunge lähme, bevor sie zustimmt Bismarck gedanken u. erinnerungen 1, 267; ich hoffe zu deinem mütterlichen herzen, du wirst ihm das nicht versagen können maler Müller 1, 13; ein sohn da gute hoffnung zu ist filius bonae spei Calvisius 375; was haben sie denn zu seiner besserung für hoffnung Göthe 23, 31 W. veraltet: hoffnung zu groszen ehrenstellen J. E. Schlegel 3, 346. so fassen wir auch heute das aus dem folgenden zu erklärende: wollte zu gott, du könntest dann mit mir unter meinen blühenden bäumen lustwandeln Wieland briefe an Merck 1, 126.
h) weiter geht, mhd. brauch fortsetzend, das ältere nhd., indem zu sich an verben des denkens, suchens, begehrens, wünschens anschlieszt:

wöllen nit wagen ire leiber,
sondern gedenken heim zu land
Spreng Ilias 2, 18b;

arme leut dencken alles zu ihrer verachtung Lehmann floril. 1, 53; selig sind die da hungert und durstet ze reht erste d. bibel 1, 17;

sie (die seele) söhnt sich alle stund zu ewigsanfter ruh
Rompler v. Löwenhalt 125;

alle ir gedencke z im stunden Arigo Dec. 127; do was ein ander graff ... tzu dem schet er gesellschaft Fortunatus 143 neudr.; diese (zigeunerin) machte ... kundschaft zu mir Grimmelshausen 2, 44 K. heute noch allgemein: viel glück zur reise! Göthe IV 3, 54 W.; so wird mir schon ... zu meinem neuesten werke gratuliert Mörike 3, 12.
i) noch weiter wurde es in älterer sprache im sinne von 'mit hinsicht, bezug auf' frei verwandt:

dune kanst ze ritterschaft niht
Hartmann Gregorius 1537;

sun, mir saget vil maneger munt,
dem ze ritterschaft ist kunt 1548;

man wil yetzundt z herren machen
die ganz nüt kynnendt z der sachen
Murner narrenbeschwörung 218 ndr.;

wir mögen nüt wider die warheit aber für oder z der warheit Zwingli freih. der speisen 34 ndr.; zur barmhertzigkeit mehr vermögen, plus ad misericordiam posse Steinbach 1122; und ist offenbar, dass alle menschliche weissheit zu dem irdischen leib im liecht der natur ligt Paracelsus op. 2, 463; sich zu nahrung und kleidung mit demjenigen behelfen, was unsre güter ertragen Grimmelshausen 2, 336 K.; was man zu ehren erspart, das fürt der teufel sonst hin (vielfach belegtes sprichwort) klugreden 93b; so bäurisch quartiert von leib war er (Socrates) ... zu weibern (aber villeicht nit zum Alcibiad) unglückhafftig Fischart geschichtklitterung 19 ndr.;

und wird dir zu dem reden glücken
Scheit Grob. v. 315 ndr.

in neuerer zeit in gelegentlicher anwendung: mein gott, ... wie liebreich du bist, wie reich an maasz zum wohlthun maler Müller 1, 4;

was zu dem reichsvolk ist, habt ihr gesehn:
ich kann nur baun auf meine eignen scharen
Müllner 3, 126 (könig Yngurd III, 4).

[Bd. 32, Sp. 177]


formelhaft: zu leib und gut Agricola sprichw. 115a; der gewiss artzet zu leib und seelen Wickram 2, 138; zu tisch und bett scheiden cur. bauernlex. (1738) 189.
3) das lageverhältnis von gegenständen im raume wird durch zu bezeichnet, indem von dem einen zum anderen die richtung genommen, gleichsam visiert wird: eine linie, ebene steht senkrecht, wagerecht zu einer anderen; eine linie läuft parallel zu einer anderen; ein planet steht in opposition zur sonne, ein haus liegt quer zu einem platze; das vorgedachte weisze papier stand vertical zu dem horizont und parallel mit der linse Göthe II 2, 30 W.; ich sage, unter mir auf einer fläche liegt ein dorf, und eben diese fläche liegt vielleicht wieder an einem abgrund, der viel höher ist als mein verhältnisz zu ihr (mit einer verschiebung des standpunktes) I 19, 267; wie dann auch die gipfel aus den selben ebinen z gerechten winckeln stehn Xylander Polybius 390; man reisz mitten durch die lini ... z gleichen winckeln ein creutzlini A. Dürer etl. underricht zur belag. d. stett a 4b; weiter hinderhin beseits zu morgenwertz (liegt) Assiria Franck weltbuch 163a; droben auf der geest ... war zu westen eine ... grabstätte Storm 7, 200. hierauf beruhen die seemännischen bezeichnungen der windrose: norden, norden zum osten, nordnordost, nordost zum norden, nordost, nordost zum osten u. s. w. Manson seebuch 3 (üblicher zu osten u. s. w.).
so auch die ausdrücke zu gleicher, zu ebener erde: eine reihe fenster zur gleichen erde bildeten den untern theil des hauses Steffens was ich erlebte 1, 59; zu ebener erde und im ersten stock Nestroy 1, 3.
a) hierauf beruhen die angaben der lage mit beziehung auf eine person und der seitenlage zur rechten, linken hand oder seite, zu beiden seiten und ähnliche paarige ausdrücke, in denen das jetzige sprachgefühl zumeist einfach ruhelage wahrnimmt: leuorsum zu der lincketten hant wert, ter lochter hand wart Diefenbach 326a; die landstraasz wöllen wir ziehen, weder zur rechten, noch zur lincken seyten weychen Züricher bibel 4. Mos. 20. eine gewisse absicht .., von der er weder zur rechten noch zur linken ausweichen darf Gerstenberg schlesw. literaturbr. 111 ndr.;

gleich zur linken
durchs gebüsch hinan;
hier ...
hier zur seit' hinab
quillt der brunnen
Göthe 2, 172 W.;

zur rechten sieht man wie zur linken
einen halben Türken herunter sinken
Uhland 1, 255 (s. th. 8, 390);

die flügel hing er ab zur seit
Brentano 2, 74;

ist einer noll, so trachte er dahin, dasz er sich einer ansehnlichen ziffer zur seyten stell, so gilt er viel Lehmann floril. pol. 2, 793; die .. kriegsflotte, die des feindes einbruch zur wasserseite verhütete fischbüchlein 181; der thür z baider seit hüttende Schaidenreiszer Od. 23b; und daneben zu flügeln jedes orts oder auff beyd seiten, nemlich zu der rechten und lincken hand Fronsperger kriegsbuch 1, 166a; zu allen seiten treten die objecte in verschiedene grade der helle und dunkelheit Herder 22, 57. in der dativ-gruppe: mir zur seite, zur rechten, zur linken Frisius 408a. attributiv: mit meiner nachbarin zur linken Fontane I 5, 140. aus der räumlichen gehen in die instrumentale bedeutung über die veralteten ausdrücke mit paarigen körpertheilen: ze beyden backen blaasen Frisius 693b; Gabriotto und sein gesell ihre schwerter zu beiden händen namen buch der liebe 252; und frassen zu beiden händen die wassernuteln und käsküchlein Fischart geschichtklitterung 313 ndr. belege für zur seite gehen, stehen, haben th. 10, 1, 386—389; 8, 389; 6, 1046. in dieser weise braucht Fronsperger zu flügeln: alle hacken und schützen pferde zu flüglen neben ausz unden und oben angehengt kriegsb. 1, 122b.
b) dieselbe anschauung bildete zu füszen, zu häupten, älter zu (dem) haupt (th. 4, 2, 598 ff.), als angabe einer stellung mit bezug auf ein ruhendes wesen:

[Bd. 32, Sp. 178]


abends, wenn ich schlafen geh,
vierzehn engel bei mir stehn:
zwei zu meiner rechten,
zwei zu meiner linken,
zwei zu meinen häupten,
zwei zu meinen füszen
Arnim-Brentano des d. knaben wunderhorn 2, 547 Box.;

stnd neben dem beth z dem haubt Penelope Schaidenreiszer Od. 19a; sich z fssen auff seines gesellen beth setzet Wickram 1, 7; auf einem groszen grabstein, zu dessen häupten eine senkrecht stehende marmorplatte in die ... kirchhofmauer eingelassen war Fontane I 6, 3. von hier aus versteht sich der plur. in zu füszen fallen, mhd. noch ze fuoze.
c) zur hand oder zu handen ist, wonach man mit der hand langen kann: habere in procinctu zu der hand und in bereitschafft haben B. Faber thesaurus (1587) 176a; der mensch ... gewöhnt sich, die mittel zu benutzen, die ihm gleich zur hand sind Göthe 22, 335 W.; vielleicht fällt mir nicht alles bey, weil ihre briefe mir nicht alle zu handen sind IV 28, 62;

gleich die dan ihn (den bienenkönig) begleiten
und lauffen ihm zur hand
Spee trutznachtigall (31666) 122.

einem zur hand gehen, stehen, arbeiten belege th. 4, 2, 346. eigenthümlich für 'diktieren': aus welcher . neigung sie (Kurasche) .. besagtes traktätel, ..., zu ihrer eignen hand hat schreiben lassen Grimmelshausen 2, 38 K.
d) zu der hand bezeichnet in verschiedenen gegenden den platz des linken pferdes: wenn ein gespann vom sattel aus gelenkt wird, sitzt auf diesem pferde der führer. der ausdruck ist zu einer zeit erstarrt, wo nur diese art zu fahren üblich war: sie (blinde pferde) ziehen wohl, allein zur hand musz man sie spannen Walther pferde- und viehzucht (1658) 37; links oder zue der hand zieht das zuederhandross, das zuederhändig oder der zuederhänder, rechts oder von der hand das vonderhandross, das vonderhändig oder vonderhänder Staub-Tobler 6, 1430; vgl. auch 1, 840. der ausdruck verkürzt sich im zuruf an die thiere zu der 'links', von der 'rechts': declinare a malo et facere bonum sein gleichsam zwei reiben (eine wegscheide), wie die fuhrleut davon reden von der und zue dier (1656) Schmeller 2, 1071; ostfries. platt to hand in der fuhrmannspr. links, im gegensatz zu van hand Stürenburg 285b; in Süderdithmarschen ruft man beim pflügen toui und fani Clausen beitr. zum schlesw.-holst. wb. 23. s. auch handgaul und handpferd th. 4, 2, 388; 410. dieselbe anschauung zeigt bergmännisches zur hand arbeiten, 'wenn der häuer mit vollem schlage nach der rechten hand zu arbeitet', gegens. über arm arbeiten, mit der rechten hand über den linken arm Jacobsson 4, 726b. umgekehrt(?) dextrarius (pferd) das czu der hand geeth Diefenbach nov. gl. 133a.
e) ein ähnliches abmessen vom subject zum gegenstand ist auch in den mhd. üblichen ausdrücken wie einem zu gesichte, zu gehör zu erkennen: aber der lerer nit bas leren mag, dann so er die ding, die er sagt, z oug des lerenden wesenlich zögt Terenz deutsch (1499) xa; der stern Christi auff Bethlehem ... dem menschen zu gesicht gestelt Paracelsus 2, 427b; einem etwas zu gehör reden Kramer 2, 1475a; die worte sagte ich Lydien zu gehör Göthe 23, 56 W.;

ungerechter, den gerechten
bruder du statt meiner schimpfest,
denn du träfst auf den unrechten,
schimpftest du ihm zu gesichte
Brentano 3, 70.


f) das lageverhältnis bezeichnet zu auch, neben vorherrschenden an u. bei, nach nahe, näher, nächst, zunächst vgl. th. 7, 275 ff.: ich setzte mich .. nahe zum ofen Grimmelshausen 2, 17 K.; dieweil es sich näher zur sonnen und zum luft thut Sebiz feldbau 14; Homerus .. naher zu dem rechten weg redt Schaidenreiszer Od. 5; näher zum ursprung Herder 5, 10; sitz du zenächst z der frauwen Frisius 1076a; und bereitet sich dadurch eine stufe näher zum ziel Göthe II 6, 44 W.;

[Bd. 32, Sp. 179]


lasset meer und wällen rasen,
wällen gehn zum himmel nächst
Spee trutznachtigall (1649) 104;

ich häng es (das bild) in der stube nächst zum bette
Grillparzer 9, 159.


g) ein solches lageverhältnis erscheint verbunden mit der vorstellung des erreichten zieles bei verben wie stellen, setzen, legen. zu berührt sich da mit an, bei, neben und gewinnt im einzelnen an räumlicher anschauung. bei sitzen und stehen zeigt sich so ein bloszes lageverhältnis, veraltet: wann Maria stnd auswendig z dem grab und waint erste deutsche bibel 1, 418; und er (Petrus) sasz mit den ambechtern z dem feur und wermt sich 1, 181; so sitzt er yergens under einem boum oder z einem külen brunnen und rget ein wile Keisersberg bilgersch. 18b.
4) zu dient dem vergleiche.
a) durch das zusammenhalten treten gröszen- u. auch andere verhältnisse hervor: vil lesen macht öd, ernstlich betrachten ain text und geschrift zu geschrift halten, das erleuchtet und sterckt Eberlin v. Günzburg 1, 203 ndr.; ein geschöpf .. welches sich zu ihm verhalten würde etwa wie er zum maikäfer Holtei erz. schr. 1, 4; hatten sich noch gestern diese zu jenen wie zwei zu acht verhalten Schaffner Jonathan Bregger 88; so verhält sich .. die lateinische mundart zu der umbrisch-samnitischen .. wie die ionische zur dorischen Mommsen röm. gesch.4 1, 14; verhältnismäszig zu unsern kräften und zu den meinigen Göthe IV 23, 323 W.;

honig ist galle zu ihr
Herder 26, 68.


b) daher das ältere vergleichen zu gegen heute herrschendes mit: so müssend ir mir platz lassen, gleich zu gleichem zu vergleichen Paracelsus (1618) 260a; warumb er in z eynem tier und maul geleichet hette Arigo dec. 589 K.; man verglich: thiere unter einander, thiere zum menschen, menschenrassen unter einander, die beiden geschlechter wechselseitig Göthe II 8, 11 W.; zu ihnen kann ich mich gar nicht vergleichen Varnhagen Rahel 2, 527.
c) aus dem vergleich ergibt sich die übereinstimmung, das zueinander passen: wie die Aegypter ... und andere völker gethan, die auch ... zu ihrer sprach bequeme buchstaben erfunden Grimmelshausen 2, 1053 K.; es ist nicht jeder mann zu allen sätteln gerecht Fr. Wilhelm sprichwörter register p α (nr. 800); das vorhandene so zu bilden und richten, dasz es zu dem neuen paszt und klappt Göthe IV 43, 179 W.; es ist eine grosze thorheit, zu verlangen, dasz die menschen zu uns harmonieren sollen bei Eckermann 1, 151; das liesz ihr hübsch zu den braunen augen Storm 1, 4; 18; zu den blonden locken stehen seltsam die dunkelbraunen, fast schwarzen augen Stifter 1, 218;

nein! in das altverfallne lasz mich ziehn,
zu meiner lage stimmt es, meinem sinn
Göthe 10, 381 W.


d) oder des gegensatzes: wie wol grosse unterscheid von einer (speise) z der andern was Arigo dec. 40 K.; im geraden gegensatz zu dieser anlage steht nun die anlage zum charakter, nämlich zum charakter in dem modernen sinne, wo er die opposition gegen die allgemeine welt- und zeitlage bedeutet Immermann 18, 172; im gegensatz zu den verlogenen geschichten der romanschriftsteller Schaffner Jonathan Bregger 17.
5) so ist zu ganz allgemein zum ausdruck eines verhältnisses oder einer beziehung geworden.
a) diese entwicklung zeigen die verbindungen mit stehen: räumliches enthalten noch zu bank, zu markte, zu kauf, zum verkauf, nicht mehr das daran anknüpfende zu buch stehen: ein schöne metzg, darum gemeinlich von 27 bis in die 30 meister zu banck stehen Stumpf Schwytzer chron. 386a. weitere belege th. 10, 2, 1650. ähnlich zur lehre stehn, zu gesichte stehn u. verw.: ein junger mensch nahmens ..., steht gegenwärtig in der Tromsdorfischen apotheke zur lehre Göthe IV 15, 17 W.;

[Bd. 32, Sp. 180]


dazu der beleg oben 5 d. ganz geschwunden in gut stehen, einem stehen mit dat. der person. vergessen ist die ursprüngliche anschauung in zu gevatter, zu rede stehen, woraus zu ebenfalls schwindet, th. 10, 2, 1574; 1601. auf anderer auffassung, s. o. 1 b und g, beruhen die veralteten wendungen des sinnes 'der sinn ist gerichtet auf':

zu gottes ehr sein herze stand
H. Sachs 1, 215 K.

nur das verhältnis bezeichnet zu bei personen: wie steht ihr zu ihm? treu zu einem stehn, zu jemand stehn. jeder rest von anschauung ist geschwunden in beliebten ausdrücken unserer amts- und geschäftssprache zu einer frage, meinung, ansicht, zu einem antrage stehen, stellung nehmen, wie in den verwandten ausdrücken zu gebote, zu diensten, zur verfügung stehen. reines beziehungswort ist es in den besonders der älteren sprache eigenthümlichen unpersönlichen wendungen und den ihnen nahe stehenden persönlich geformten: ihr hadert um eine kleinigkeit, da euer thron vielleicht zum spiel der rache steht Klinger 2, 71; die wal wirt z dein selbst rath und betrachtung steen Schaidenreiszer Od. 51a; wenn es z meiner wal stünd 11a; es steht zu unsrer macht, zu unserm willen; wie zu gott steht; es steht zu dir, .. meine freundin zu werden Pfeffel pros. vers. 3, 50.
b) es sind besonders rechtliche beziehungen, welche früher in weiterem umfange, jetzt in beschränkung auf einzelne formeln durch zu ausgedrückt werden, vgl. o. 1 e η.
α) zu personen, im allgemeinen veraltet, besonders nach verben, die das eingehen eines rechtsverhältnisses bezeichnen:

jetz hab ich fug und recht zu dir
H. Sachs 2, 15 K.;

da verdingt er sich z eim schmacher Eulenspiegel 70 ndr.; der knecht sprach, ich wolt gern z euch dingen Pauli schimpf u. ernst 18; er vermietet sich zum viehe festschr. Breslau 682;

ich will mich zur lieben Maria vermiethen
Brentano 5, 66;

die Genueser verbunden sich zum papst Stumpf Schwytz. chron. 92b; Esaias Preisensyn goldschmidgesellen, der sich zu Hansen Lenckers goldschmids dochter verheurat anz. f. kund. d. vorz. n. f. 24, 256 (Nürnberg. rathsverlasz 24. 7. 1583); kein ord darff zum andern heyratten Franck weltb. 194a.
so wird es auch in mundart und umgangssprache wie engl. to gebraucht, um ein rechts- und verwandtschaftsverhältnis als solches zu bezeichnen: dasz er nicht vater ist zu diesem Schiller 2, 20; als richtiger voater zu menner tochter darf ich doas nicht festschr. Breslau 682; er war zu ihm wie ein vater ebda;

der fremde könig ...
der nicht jung war mit unsern jünglingen,
dem unsre worte nicht zum herzen tönen,
kann er ein vater seyn zu seinen söhnen?
Schiller 13, 186 G.


β) zu sachen, eigentlich und auf andere verhältnisse übertragen:

welche ein erb ist zu dem reich
H. Sachs 13, 13 K.-G.;

das recht zur krone Göthe 22, 73 W.; die anwartschaft zu so vielen königreichen Lohenstein Arminius 1, 157a; der ausschusz ist zum zusammentritt während der unterbrechung der verhandlungen des reichstags berechtigt gesetz über den vaterländischen hilfsdienst § 19; (statuten) zu denen wir euch alle verbinden Eberlin v. Günzburg 1, 108 ndr.; unverbunden zu solichem fasten 1, 18; die drei zu ewiger anbetung und fürbitte verlobten adeligen klosterjungfrauen Brentano 5, 67; zu sünden ist man weder obrigkeit oder eltern zu gehorsamen schuldig Lehmann floril. 1, 274; unter verpflichtung zu geldzahlung und geiselstellung Mommsen röm. gesch. 4 2, 7.
γ) danach allgemeiner für bestimmte beziehungen von person zu person oder sache: so war er auch selbst der

[Bd. 32, Sp. 181]


zimmermann, maurer und decker zum gantzen haus gewesen Grimmelshausen 2, 412 K.; Diocletianus, ..., hat vil wonung zu einem gallischen weyb, die eine weyssagerin war Stumpf Schwytzer chr. 181a.
6) den eigentlichen bereich dieser verwendung bilden die inneren beziehungen.
a) allgemein, besonders von personen: es ist in seinem (Tiecks) verhältnis zu mir .. etwas, wie es nicht sein sollte .. Tieck kam dadurch zu mir .. in eine schiefe stellung Göthe bei Eckermann 1, 143 W.; verhältnisz zu den frauen 46, 26 W., zu Berlin IV 34, 129 W., zu anderen bei Eckermann 1, 96, der kinder zu den eltern Polenz land d. zukunft 220; ich hab .. unendlich ähnlich gefühl zu dem deinen Göthe IV 4, 319 W.; ich habe kein rechtes gemüth zu ihm Passow leben u. briefe 155;

ist er zu mir gesinnt, wie ich zu ihme bin
Rachel sat. ged. 88 ndr.;

die staatsgewalten fühlten sich immer in unauflöslichen beziehungen zur hierarchie Ranke 2, 4; ihre vorgebliche freie stellung zum dritten gebot Fontane I 1, 53. früher weitergehend: ain erlichen uffrechten wandel z dem nächsten menschen Eberlin v. Günzburg 1, 2 neudr.
b) freundliche gesinnung, liebe, neigung, vertrauen, heute im allgemeinen nur im engen anschlusz an diese worte: nâch dem ist er guot unt beʒʒer, dar nâch er ... gewar wirt natiurlîcher minne unde neigunge zuo vater unt muoter, zuo swester unt bruoder unt zuo ime selben Eckhart d. myst. 1, 427; liebe zur heimat, zum vaterland und volk Schaffner Jonathan Bregger 27; auszer dem besasz er zutrauen zu mir Polenz Grabenhäger 2, 39; christenliche lieb z sinem nechsten Keisersberg bilgersch. b iia; mein ... freuntschaft z euch Arigo dec. 267 K.; deine liebe und neigung zu mir Göthe IV 29, 89 Weim.; neigung zu schönen formen I 46, 74.
c) zu im anschlusz an enge verbale verbindungen dieses sinnes im frühnhd. sehr üblich, ist heute veraltet: in allen ... meinen glück- und unglücklichen zufällen, ich jederzeit ... mein sinn ... zu deiner majestät setze Guarinonius grewel der verwüstung, dedicatio 2a; lieb und trew, die ich zu gantz teutscher nation, ... tragen solle 3; lieb tragen zu einem H. Sachs 2, 28 K., treue Tieck 1, 97; gunst und freundschaft zu einem haben Arigo dec. 29 K.; mit freundschaft zu einem thun Franck chron. Germ. 27a; ein lust zu einem haben Scheit frölich heimfart d iib; si ... einem jüngling .. solt vermehelt werden, z welchem sie keinen willen hett Wickram 2, 142 Bolte-Scheel; insonderlich habe sein hertz allezeit mehr zu den Römern, als zu den Deutschen gehangen Lohenstein Arminius 1, 26a; und du wirst dir ein freudiges hertz erkämpfen zu deinem gott Brentano 4, 35. entsprechende adj. werden, be sonders in vertraulicher rede, als prädicate mit zu verbunden: sei lieb zu mir! er war so nett zu den kindern; jener springbrunnen, der mir als kind mein auge ausspritzte, war menschenfreundlicher zu mir H. Eulenberg alles um liebe 34; die beiden jungen herren sind die güte selbst zu mir 6.
d) an den naheliegenden begriff der begierde knüpft zu in der älteren sprache an: alsô daz der bischof inprant in bôser begerunge ... zu der jungfrowen Hermann v. Fritzlar d. myst. 1, 10 P.
e) veraltet ist ebenfalls die verbindung mit hasz u. ä.: und gewan .. ain groszen hasz zu Andolosia Fortunatus 143 ndr.; aus grossem grimmen, den die Alemannier zu den Römern trugen Stumpf Schwytzerchr. 307b; usz misstrüw z gott Eb. v. Günzburg 1, 27 ndr.; ob sie auch zu jemand feindschafft haben Schupp 282.
f) die innere richtung geht auf eine thätigkeit oder zustand als lust, liebe, drang, hang, trieb zu etwas: begirden .., denn z fleischlichen gelüsten, denn z gytigkeit Keisersberg bilgerschaft 9a; die leichtfertigkeit der menschen zur unkeuschheit Paracelsus 2, 649; wer

[Bd. 32, Sp. 182]


sich vor worten förcht, der hat kein herz zum thun Lehmann floril. 1, 252; hang zur melancholey Lenz 1, 67; eifer zu ritterlichen übungen Göthe 22, 27 W.; begierde zum erwerb 23, 145; neigung zum schulmeistern Gutzkow zauberer v. Rom 1, 6; wozu in mir kein drang ist, das thue ich nicht Pückler briefw. 1, 370; sie hatte ihren thränen und klagen freien lauf gelassen, wozu sie in der Heiterethei dabeisein den mut nicht gehabt O. Ludwig 2, 98. weitere belege th. 4, 2, 436; 6, 925 u. 1317; 7, 582. freier von dingen, auf die das interesse gerichtet ist: feinen köpffen, die hiezu naturt und geneigt, und lust und lieb zu der mathematiken und künsten haben Mathesius Sarepta 143b; die begierd zu geld und gütern Lehmann floril. 1, 276; lust zu würfeln und zu karten S. Dach 711, zu unserm schaden P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 330a; wann alles was da lebt, ein frewd zum wasser hab Guarinonius grewel d. verwüst. 903; das ich keinen sonderlichen lust zu seinem getränck trug Grimmelshausen 2, 19 K.; aus lust zu fremden sitten Gottsched ged. 30; leidenschaft zur bühne Göthe 21, 22 W.; geschmack zur baukunst 27, 183 W.; hang zu höherer kultur E. Th. A. Hoffmann 10, 32. dieselbe beziehung zeigt das jetzt nicht mehr übliche gewöhnen zu: die hunde zum ruffen gewöhnen Duez (1652) 187; viele tausende starben jeden tag, und dadurch geschreckt, gewöhnte ich mich zu einer gewissen lebensart Göthe 43, 73 W.;

ungewöhnt zu dem waffentanz
Klopstock oden 1, 4.


g) ebenso bei adjectiven: zum äuszersten entschlossen; die zum nachgeben geneigten städte Mommsen röm gesch. 2, 32;

unruh'gen sinns, zur nahen flucht gewillet
Göthe 2, 4 W.

dir zu jedem dienst erbötig,
schöne Luna, sei uns gnädig! (Faust 18042) 15, 156.

freier: deswegen sie zum blutvergiessen und beuten unverzagt sein solten Stumpf Schwytzer chr. 276a; unsinnig zum tantzen Ambach vom zusauffen b iva; einbrünstige thier z der unkeuscheit Heyden Plinius 165; er ist faul, langsam zum arbeiten Kramer 2, 1477a; zur lust und unlust gleich geschwind Bürger 47a Bohtz; schnell zum hoffen O. Ludwig 2, 391; zu aller arbeit faul Rachel sat. ged. 20 ndr.; zu ehrlichen geschefften sind wir gar verdrossen, wacker aber zu schnöden hendeln Fr. Wilhelm sprichw. reg. m m y α; scharf zu gesichten, hell zur begeisterung Klopstock oden 1, 22. übergehend in die anwendung h α.
h) weiter erscheint zu überall, wo ein bezug auf die ausführung eines vorganges oder der eintritt eines zustandes zum ausdruck kommt, wobei neben die hinsicht je nach dem zusammenhang der begriff der absicht tritt. in diesem bereich haben sich so viele fest eingeübte verbindungen gebildet und formen sich immer neu, dasz sie nur gruppiert und angedeutet werden können.
α) der inneren geneigtheit nahe steht die tauglichkeit und fähigkeit: aber danck hab der mensch ..., der dazu taug und bereit ist und gestattet, das er ein hausz und ein wonung ist der ewigen gute und gotheit theologia deutsch 37 Mandel; wer zu seinem rath und kanzler tauge, werde ... auch zu einem domherrn gut genug sein Ranke 1, 103; ein sohn, der sich zu diesem handwerk schickt Göthe 21, 105 W.;

zu des lebens lustigem sitze
eignet sich ein jedes land (Faust 7610) 15, 137 W.;

wer so lang vom toten zehrt, der verfault zum leben H. Eulenberg alles um liebe 12 (I 5); mit mancherlei talenten, besonders zu saitenspiel, gesang und bildnerei E. M. Arndt 1, 9; tugentlich .. z königklichem stand und grossen sachen Xylander Polybius 5; geübt zum rdern 321; ein fruchtber gegent z der waid der vich erste d. bibel 4, 117; man weysz nit ehe, war z der besem gt ist, bisz das er verkeret ist Tappius 121; der wird gt z einem vogelhund, und der ander z

[Bd. 32, Sp. 183]


einem bracken Keisersberg bilgersch. 24c; z allem gten untüchtig klugr. (1548) 58b, fähig Lenz 1, 62; zu neuen formen ... geschickt Göthe II 6, 5 W.; zu jedem geschäft untauglich IV 35, 287; ungeschickt zu jeder unterhaltung I 7, 162 W.;

gewaltig helden zu dem streit
Spreng Ilias 34a.

geschwind, träge zu s. bei g. formelhaft der mann, der rechte mann zu etwas, er hat's dazu, verbindungen mit genug und zu (übermasz): zum rübenschneiden ist meiner noch stark genug Schaffner J. Bregger 110; bist du nicht zu alt zum athemholen .., so sei's auch nicht zum denken Bettine d. b. gehört dem könig 1, 27; zum pfaffen bin ich noch zu jung, zu gut gewachsen Lenz 1, 3.
β) die richtung geht auf eine zu erwartende folge: dasz ende ist entweders zur ewigen seeligkeit: .. oder aber ist das ende zur ewigen verdammnusz Moscherosch ins. cura par. 28 ndr. formelhaft zu, zum tode, vgl. unten IV 2 h:

swie wunt er was zem tôde Nib. 926, 1;

ein stich er zu dem todt empfieng
Spreng Ilias 84a;

din siechtumb ist nit z dem tod erste d. bibel 1, 381 (2, 178); es ligt einer gefangen im thurn zum tode Paracelsus 2, 477; einer zum tode siechen E. Th. A. Hoffmann 10, 22; ich kranke zum tode O. Ludwig 2, 467; grosz zum kind Frisius 1040a; weh zum kind Wickram 6, 310 B.;

wann ir ist zu eim kindlin weh
H. Sachs 10, 81 K.


γ) bereitschaft, bereit machen: kot habet alle zîte gezeichenet unde gefuoget ze iro ambahten Notker 1, 44 P.; ein anderes, noch gröszeres (magazin) mit fertigen zum versand bereiten schuhwaren aufgefüllt Schaffner Jonathan Bregger 21; zum dienst bereit Arigo dec. 74 K., zu seinem willen 260, zu allem Brentano 5, 49; zur reise fertig v. König ged. 13, zur probe Pfeffel poet. vers. 10, 81; secht die gegent: wann sy seint ietzunt weysz z dem schnitte (quia albae sunt iam ad messem) erste d. bibel 1, 349; und seht in das feld, denn es ist schon weis zur ernte Luther Joh. 4, 35; zum kriege rüsten th. 8, 1546; sich z allem schicken comparare se ad omnia Dasypodius 413a; binenstöck zu den imen beraiten Sebiz feldbau 61; etwas zum nachtessen zurichten Kramer 2, 1477b; mancher hat ein ansehen zum regenten, und ist darzu abgericht wie desz Markolfi katz zum liecht halten Lehmann floril. 1, 36;

stimmt die kehle zum gesange
Göthe 2, 25 W.;

der empfohlene Rellstab hält sich noch in Weimar auf, um sich zum Heidelberger akademischen leben vorzubereiten IV 35, 138 W.; das land wird zu bohnen und erbsen gedüngt I 28, 179 W.; wie man die (küchenteiche) zu den karpfen zurichten soll fischbüchl. 118;

der schäfer putzte sich zum tanz
Göthe (Faust 949) 14, 51 W.;

und selbst die liebe, wie in stahl gegürtet,
zum todeskampf gerüstet, tritt sie auf
Schiller 12, 154 G.;

mit festausgepolstertem lederwams thaten wir uns zu der fahrt an Scheffel 3, 49.
δ) anlasz, plan, entschlusz, ansatz zu einer handlung oder einem vorgang: den plan zum zweiten theile des Faust Eckermann 1, 207; die veranlassung zur herausgabe dieses büchleins Hebel 2 vii Behaghel; ihr vorschlag zu einem briefwechsel Herder 17, 5; ein anfang zur hinfallenden kranckheit Grimmelshausen 2, 338 K., zu einer menschlichen sprache Herder 5, 18; ein ansatz zu nationaler einigung Mommsen röm. gesch. 4 1, 30; wo der genius ansetzt zum sprung Bettine d. b. gehört d. könig 1, 275; dasz .. die nöthigen anstalten zur rettung bei feuersgefahr gemacht werden Iffland 1, 19; ob der adel sich zum brückenzoll verstehen will Moltke schr. u. denkw. 1, 111; kurz darauf traten Bessers

[Bd. 32, Sp. 184]


Preuszen zum sturm an Stegemann g. d. kr. 3, 202; den ausschlag zum guten geben Fontane I 5, 123;

(die zweige im winde) zur music sich nit säumen
Spee trutznachtigall (1649) 2.

hierzu die veralteten ausdrücke: ze reisz lauffen Frisius 119b (vgl.z reysz im krieg militiae Dasypodius 402a); zu sturm lauffen Guarinonius gr. d. verwüstung 967; zu wet laufen 1171; Riederer spiegel d. w. rhetorik (1493) j vb; Abr. a St. Clara etwas für alle 1, 90; z wett schieszen Schaidenreiszer Od. 32a. in Wiener ma. auch vom gegenth.: hören s' doch auf zum schönthun Nestroy 3, 41; wenn der mann nur zum groszthun aufhöret! 4, 122.

welt ir mir loufen mit
ze wette zuo dem brunnen Nib. b 973, 3.


ε) veranlassung, antrieb, mahnung, zeichen, zustimmung, wobei zu zum bloszen ausdruck der beziehung geworden, die richtungs- und zielbedeutung nicht mehr unterscheiden läszt: aufforderung zum tanz; ich rathe nicht zu vielen fetten speisen Brentano 5, 138; wer der .. überweisung zu einer beschäftigung nicht nachkommt gesetz über den vaterl. hilfsdienst § 18, 1; dasz er ... den ruf des glöckleins überhörte, das zur lernstunde mahnte oder zur vespermahlzeit Scheffel w. 3, 30; eine nachhause-reise ... wozu mich der herzog ... einlud Göthe IV 19, 404 W.; deshalb ruf ich dich auf zu einem tapfern entschlusz 41, 65; zur ordnung rufen; ob schon die andern weise meister ihre stimmen zur aderlasz geben Guarinonius grewel der verwüstung 986; die centurien .., die zu den testamenten ... ihr vollwort geben Mommsen röm. gesch. 1, 85; receptui canere zum abzug blasen Corvinus (1646) 142; zu pferde blasen, rufen Kramer 201a; 379c; nachdem der wachsame stadtthürmer zu hilfe geblasen hatte Brentano 5, 144; gute wahr lobt sich selbst, zu guten wein darf man kein zeichen auszstecken Lehmann floril. 1, 506; stünd sein antlitz am himel, die bauren würden zum wetter leuten klugreden (1548) 39b;

dasz dir, mein vaterland, es gott bewahre,
das infanteriesignal zum avancieren,
dann bist du sicher vor Franzosen und Baschkiren
Detlev v. Liliencron 1, 30.

refl. ausdrücke: sich zum dienst melden; sich zur annahme eines amtes bereit erklären; Werner ... erbot sich zu beweisen und zeugen Göthe 21, 93 W.
i) allgemeiner drückt zu das verhältnis eines vorganges oder zustandes zu seiner wirkung aus; der begriff der absicht tritt hier noch mehr in erscheinung.
α) allgemein von dem wirken in einer bestimmten richtung: weil er, anstatt für die erhaltung seiner brüder zu beten, zu ihrer zerstörung arbeitete Klinger 3, 41; des maurers arbeit geschieht ... wo nicht immer im verborgnen, doch zum verborgnen Göthe 20, 98 W.; ich benutze diese zeit so gut ich kann, arbeite vor zu einem bändchen aus meinem leben, zu einem fernern heft von kunst und alterthum, so wie zur naturwissenschaft IV 32, 216; hierdurch werde ich denn veranlaszt, zu jenem unternommenen aufsatz .. sammelnd nachzudenken IV 26, 73; ihr betragen zu denen andern sachen, die mich plagen, macht mir so einen seltsamen druck auf die seele IV 3, 72; jene beiden bände führen den etwas sonderbaren titel: zur farbenlehre, wodurch ausgedrückt wird, dasz es nur eine vorarbeit sein soll II 51, 325; das schlosz wart zum sturmb geschossen Wilwolt v. Schaumburg 84; die wähler zur zweiten (kammer) Lang von und aus Schwaben 1, 3.
β) insbesondere mit verben wie helfen, nützen, dienen:

und was sonst sind für grobe gsellen,
die mir zur arbeit helffen wöllen
Scheit Grobianus v. 58 ndr.;

land alles zeitlich fallen; dann es euch z dem ewigen nit genutzen mag Wickram 1, 164; zu dem, was er vorhatte, konnte ihm auch Antonio nur von fraghaftem nutzen sein Schaffner Jonathan Bregger 65; z der sache dienen Frisius 1b; 1130b; Murner luth. narr

[Bd. 32, Sp. 185]


89; cibarius das z der speysz ... dienet Frisius 220a; was dienet das tzur sache? Luther 10, 2, 236 W.; und alles was zum unterhalt und zur bequemlichkeit des kindes dienen mochte Pfeffel pros. vers. 5, 171; zum trost, zum heil, zum besten dienen;

dann übung nutzt zur gsundtheit vil
Scheit Grobianus v. 3884 ndr.

mit thun: diu zal tuot wênic zuo der güeti des gebetes d. myst. 2, 611; und was thut ihr zur sachen? Fischart geschichtklitt. 74 ndr.; wer ich bin, thut gar nichts zur sache Holtei erz. schr. 1, 72. mit sein: (Wilhelm sagte ihr) dasz ihm dieser flor zu keinem gebrauche sei Göthe 22, 255 W.; ein mann versieht das amt hinreichend, der zweyte ist nur wie zur gesellschaft IV 29, 89; einem zu dienste, diensten, zu willen sein; zu befehl!

ist so was auch für geld zu kauf?
Claudius 5, 205.


γ) mit verlegung des subjects bei anwenden, brauchen, gebrauchen, stellen, haben: man braucht die sporn zu guten und bösen pferden Lehmann floril. 1, 147; do er sines vatters gt einem priester gab, das z bruchen z gebüw einer kirchen Keisersberg bilgersch. b id; der zehnte ... solle zu einem baldigen Türkenkriege verwendet werden Ranke 1, 204; ob wir ... verharren, oder ... wider anfahen söllen, stelle ich z deiner willküre Schwarzenberg der teutsch Cicero 45a; verbindungen mit stehen s. oben; unter schwachen rückenhaltern, welche eine localmacht zu ihrem winke hatten Möser 6, 211; etwas zu gebote, zur verfügung haben;

des (goldes) mancher mehr vertut als er sein hat zu solde
Fleming 166.


δ) daran schlieszt sich der gegensatz von 'förderlich' und 'hinderlich': in allen freyen erbaren künsten beides zum fried und zum krieg dienstlich Xylander Polybius vorr. 2; was ein gebürg für grossen vortheil thut zur weid, jagd Sebiz feldbau 5;

dasz gute werck hinderlich seyen!
zur seligkeit
Fischart nachtrab 50 Kurz.


ε) insbesondere brauchte man früher zu von dem, was gegen' oder 'für' krankheiten gut ist: den safft braucht man zu den würmen Wirsung artzneybuch register bei flöchkraut; zur bräune der zungen 183a; Wiltpad ein statte und ain natürlich pad ... ist gut zu den gelidern Lad. Suntheim (vor 1513) würtemberg. vierteljahrshefte 1884, 128; eine zugsalbe zu den pferden, die auch heilet Walther pferde- und viehzucht 147; der einem todten ein artzney zur gesundheit wil geben Lehmann floril. 1, 15.
ζ) weiter von dem was nothwendig ist und einem fehlt, was ausreicht: alle ding, so uns not sind z seel und lyb Zwingli deutsche schr. 1, 36;

wilt du ietz von mir weichen ab,
so ich zu nötten dein bedarff?
H. Sachs 1, 432 K.;

da eine absolute ruhe zu meiner wiederherstellung nöthig ist Göthe IV 39, 154 W.; zu den vier letzten (bänden) bedarf ich musze und stimmung IV 8, 12; die zeit, die man zum lesen braucht IV 32, 126; schrift, ..., zu deren vollem verständnis .. ein schlüssel nötig ist Bahrdt g. s. lebens 1, 2; als jenem .. die erde zum begräbnüsse gebrach, dem sie kurtz vorher zu ausbreitung seiner siege gefehlet hatte Lohenstein Arminius 1, 5b; so konnte er dessen, was zum volksführer ihm abging, allerdings entrathen Mommsen röm. gesch. 2, 192; dem schneider fehlte nichts zur seligkeit O. Ludwig 2, 336; und ein kleiner witwengehalt, ..., reichte gerade zu dem kleiderbedarf und einigen andern kleinen ausgaben hin G. Keller 4, 3; zum sterben zu viel, zum leben zu wenig.
η) raum, zeit, gelegenheit, grund: als remise zur aufbewahrung von bohnenstangen Fontane I 5, 122;

die Rudelsburg, das ist ein ort
zum schwärmen und zum trinken studentenlied;

[Bd. 32, Sp. 186]



zum lernen gibt es freilich eine zeit
Göthe (Faust 6754) 15, 97 W.;

sechsz stunden müssen auch zum kopff-gebinde seyn
Rachel satyr. ged. 127 ndr.;

ich lasse mir keine zeit dazu H. Eulenberg alles um liebe 15; es ist nie zu spät zum besser machen 25; ich gebe ihr das beste, wenn ich ihr gelegenheit zum lernen gebe Ch. Bischoff Am. Dietrich 232; wozu wir ... weder raum noch beruf haben Göthe 48, 46 W.; wie wenige haben zu jenem anblicke die gelegenheit, zu diesem gange die musze Immermann 18, 85; Ägypten legte den ersten grundstein zu diesem vortrefflichen gebäude Rabener 1, 151; wann ... und du im (dem nächsten) ursach gibst z ergernisz und z schaden siner selen Keisersberg bilgerschaft b iiia; nie ... hatte frau von Leukstädt grund zu klagen gehabt über Klara Polenz Grabenhäger 1, 20.
θ) stoff, mittel, werkzeug zu etwas, überhaupt wer oder was eine gewisse bestimmung hat, meist als syntaktische verkürzung der unten IV 1 c—g zu besprechenden erscheinungen: wasser zum waschen, zum trinken, papier zum drucken, zum schreiben Kramer 2, 1477b; leder zu schuhen, tuch zu hemder 1475a; rothen damask zu neuen kleidern Chr. Reuter ehrl. frau z. Plissine 7 ndr.; nun rückten die maschinen an, eine zum stanzen, eine zum walzen, eine zum nähen Schaffner Jon. Bregger 32; lächerlich ist's, ... wenn man aus kälbern hund zum jagen will machen Lehmann floril. 1, 31; an den anstalten zum löschen war kein mangel Eckermann 3, 59; dat beste harnasch, dat he hadde to enes mannes live Sachsenspiegel 1, 180 3 Hohm.;

weiber sind äcker zum ruhen mit nichten,
weiber sind äcker zum bauen und früchten
Logau 321 lit. ver. (2, 5, 56);

ich will dir auch gewehren
ein täglich mittelkleid, ein bessers, eins zu ehren
Rachel satyr. ged. 54 ndr.


k) in weiterer abschwächung bleibt nur noch die zugehörigkeit übrig, vgl. für das aus dem rechtsleben entwickelte gehören zu th. 4, 1, 2, 25: der fuhrmann zum schiff hat die leinwaden pferde .. angespannt schausp. engl. com. 75;

des tuchs trägt mancher zu einer kappen
Fr. Wilhelm sprichw. reg. e β, nr. 2;

die thür zum hausflur Gutzkow zauberer v. Rom 1, 23; der schlüssel zum keller, zum schlosz Fontane occupation 220; den hahn zu einem fasz Schnitzler grüne kakadu 100; meine vorarbeit zum Lucrez Göthe IV 34, 132 W. (vgl. o. 2 e ζ); die motive zu den nachfolgenden erzählungen Gaudy 13, 12. in ausdrücken dafür, dasz etwas zueinander gehöriges zusammengebracht wird: er hat yhm eyn rthen z seinem eygnen arsz gemacht Tappius adag. cent. sept. 61b; zu ihrem prachtkästchen ist das schlüsselchen gefunden Göthe 25, 78 W.; ich (wollte) ihnen aus allen ständen genug figuren und handlungen zu ihren harten pinselstrichen finden 23, 25; wenn sie (die geschichte) den körper zu den ideen hergibt 46, 11.
7) aus der richtungsbedeutung heraus ist es gelegentlich möglich gewesen, den dativ durch zu zu ersetzen: gehorsam sein z Cristo erste d. bibel 3, 7; wann wir sein ein gter geschmack Crists z got (deo) 2, 114; mit penningen oder mit panden die man mag vorsetzen zu den juden Varnhagen urkundenbuch 304 (1309); aber got wird abwenden alles übel z meinen feinden (avertet deus mala inimicis meis) Hutten 1, 415 B.;

das man end mach zu diesem ding!
H. Sachs 2, 10 K.;

zu den todten immer das beste; so sei dir auch Minos,
lieber bürger, gelind, wie du es selber dir warst
Göthe 5, 282 W.


II. zu bezeichnet das ziel.
wenn eine verbindung mit zu sich an ein verb der bewegung anschlieszt, entwickelt sich die vorstellung des erreichten zieles, indem die bewegung in ihrem ganzen verlauf

[Bd. 32, Sp. 187]


bis zum ende ins auge gefaszt wird. solche zielbestimmungen mit zu schlieszen darum die vorstellung der dahin führenden strecke in sich, und zwar je räumlicher sie gemeint sind, um so deutlicher. dabei kommt das ziel nur allgemein als ende der bewegung in frage, nicht die art und weise, wie es, räumlich angesehen, erreicht wird. es ist immer etwas gedachtes ganz allgemein dabei, nämlich, dasz eine räumliche beziehung hergestellt ist. dazu tritt, von der richtungsbedeutung her, der gedanke, dasz die bewegung an dem orte ihr ende finden soll, der endpunkt also ziel im eigentlichen sinne ist. man vergleiche: ich gehe in den garten mit ich gehe zum garten, im ersten fall liegt der garten beim hause, im zweiten davon ab; der erste ausdruck ist räumlich bestimmt, der zweite allgemein, wozu der begriff der absicht tritt. ähnlich stehen sich gegenüber er kommt zum freunde und er tritt an den freund heran, geht auf ihn los. oder:

zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!
Schneckenburger deutsche lieder 19,

und:

an den Rhein, an den Rhein,
zieh nicht an den Rhein!
Simrock 3 (1844).

der allgemeinere sinn der zielbezeichnung mit zu zeigt sich deutlich, wo andere präp. daneben verwandt werden: so wie auf die Gerbermühle, bei schönen tagen, so zu den schönsten bildern wirst du her gewünscht Göthe IV 26, 87 W.;

würden alles dir vertrauen,
wolltest du zu unsern gauen
dich ans grüne meer verfügen (Faust 7207) I 151, 119.


die zielbedeutung ist beim ags. to, wie dem got. du, so auch im ahd. deutlich entwickelt; weniger deutlich erscheint sie im as., was aber seinen grund in dem geringen umfang der denkmäler und ihrer stilart haben kann. im mhd. und mnd. erweitert sie ihren bereich, noch mehr im frühnhd. etwa seit anfang des 18. jhs. verengt er sich in der angedeuteten weise. so ist auch die besondere auffassung der zielbedeutung im einzelnen verschieden.
1) zu bei räumlich angeschauten zielen.
a) wie im mhd. erscheint im älteren nhd. zu nach verben, welche einen auf ein ziel gerichteten vorgang in seinem ganzen verlaufe verfolgen.
α) allgemein: clopfet her zu mir und ich tn uch uf altd. pred. 1, 231 Schönbach (kurz vorher heiszt es: wane ir wizzet niht zu welicher zit der bote unsers herren gotis da zu tre clopfe, und gleich nachher: cumet her zu mir); streck ein lang vogelrohr uber eine gantze gassen einem andern zum ohr Wirsung artzneybuch 197c. den begriff 'weiter als auf bogenschuszweite' drückt Gottfried so aus:

wol alsc verre von der habe,
daz man mit einem bogen dar abe
niht mohte haben geslagen ze in Tristan 8687.


β) insbesondere verbanden mhd. und frühnhd. mit zu die verben hauen, schlagen, schieszen, stechen, stoszen, werfen, ferner zielen, treffen und greifen, was unser nach nicht genau wiedergibt:

bist du der kämpffer, so haw zu mir,
dergleich haw ich wider zu dir
H. Sachs 16, 86 K.-G.;

der wirt wolt z dem pfarer schlagen Eulenspiegel 113 ndr.; wie schlagst du dich selbsten zum schedl Guarinonius grewel der verwüstung 1050; immer zum ziel, zweck schieszen, treffen; in bündnussen zielen die mächtigere mit zur grossen scheiben Lehmann floril. 1, 127; u. schossen z ihm zm zil, z todt Nas eins u. hundert 2 via;

sie (die bienen) zihlen scharpff mit augen
zum reichsten blümlein zart
Spee trutznachtigall3 (1649) 128;

grosz ist, wer zu heil'gem ziele
mit gerechtem wurfe trifft
Brentano 2, 37.

[Bd. 32, Sp. 188]


greifen zu früher allgemein: in sölchem krieg greift keyser Otto zu dem schlosz Rhynegk Stumpf Schwytzerchron. 339b; greyfen z eim corripio Frisius 338b; Dentzler (1716) 140a; zum beutel greiffen metter mano alla borsa Kramer 2, 1477b; zur sachen, zun sachen greifen Nas eins u. hundert 4, 71c;

warum greift dieser herr so ungern zu dem hute
Grob dichter. vers. 36.

heute in dem sinne 'zu einem werkzeug, einem mittel greifen', s. th. 4, 1, 6, 28: Wilhelm und Laertes griffen zu den rapieren Göthe 22, 37 W.; zu den waffen!;

und nun geschwind zum pergament! zum griffel!
Göthe 10, 290 W.


b) den räumlichen vorgang des herankommens an ein ziel drückt zu im allgemeinen nur in der älteren sprache aus: do er (Eraclius) do quam zur phorten da unser herre was in geriten, ..., do ging die mre zusamne altd. pred. 1, 207 Schönbach; sy legt die winstern hand z dem nagel: und die zeswen z dem hamer der schmid erste d. b. 4, 356; und da der tag . anbrach, lendeten wir mit unserm schiff z ainem hol Schaidenreiszer Od. 53a; als ein meyszlein, das einem zu der hand fleuget Paracelsus 2, 32b; der lieutenant trat zu der schönen und fragte Göthe 24, 288 W.
c) die neuere sprache braucht dafür in der regel eine genauere präp. wie an, auf, vor; zu erhält die anschaulich räumliche bedeutung meist durch ein stützendes ortsadverb., welches entweder das ziel als solches (her, hin) oder die art und weise, wie es erreicht wird, genauer bestimmt.
α) bei dingen im raum: zu einem engen gesslein zu Hayneccius H. Pfriem 36 ndr.; wir machten uns . wieder zu den hütten hinauf Göthe 19, 250 W.;

doch schreite weiter, was auch hier sich finde,
zum lande hin, dem doch kein andres gleicht 2, 152;

welch ein ächzen, welch gestöhn
dringt herauf zu unsern höhn! (Faust 7662) 15, 139.


β) bei personen:

mein Abel, kum zum herren her
H. Sachs 1, 66 K.;

ein gut geschick führt dich zu uns herein
Göthe (Faust 6887) 15, 104 W.;

zwischen zwei felsigen ufern, ..., strömt ein flusz, erst rauschend, dann sanft zu uns heran IV 35, 302; man konnte auch nicht zu dem kapitän in die kajüte hinein Brentano 5, 7.
γ) auf solchen verbindungen beruhen auch die wen dungen der art zur thür herein, hinaus gehn. zunächst ist der durchgang das ziel der bewegung und wird durch weitere angaben näher bestimmt:

dô gienc zer tür în aldâ
ein ritter blanc
Wolfram Parz. 407, 11;

dô wart von der frouwen
zem venster oben în gesehen 574, 11;

dô gienc mîn her Gâwân
ûz zer kemenâten tür 588, 25;

wen du die vögel wilt betriegen,
das sy dir z dem garn ynfliegen
Murner narrenbeschw. 54 ndr.

hier verbindet sich zer tür u. ä. mit dem ortsadv. zu einer einheit, in welcher es der untergeordnete theil ist. dadurch bekommt ze, zu die bedeutung eines ein- oder durchganges, zu- oder ausganges aus einem geschlossenen raum. ähnlich in engl. maa. go to doors (zum hunde), put the dog to doors engl. dial. dict. 6, 172a.
aa) das subst. bei zu bezeichnet einen ein- oder ausgang: einen zum thor hinaus jagen, zur thür hinaus stoszen, zum fenster hinaus gucken Kramer 2, 1477; bist zur stubenthür hinein gangen, so fal zum fensterladen wider hinausz Fischart geschichtklitterung 338 neudr.; mit denen ich mich mit zur stubthür hinauspackte Grimmelshausen 2, 360 K.; zum saalfenster hin aus stürzt er wüthend in den Main hinunter Göthe 8,

[Bd. 32, Sp. 189]


161 W.; die pfarrin, die zum hofthore hereinkam 27, 363; so wisse man .. lange genug, dasz die liebe zum fenster hinausspringe, wenn die armut zur thür hineinkomme Schaffner Jonathan Bregger 54; die nacht sah schwarz zu den fenstern herein Tieck 4, 145; zum fenster hinunter pfeiffen Chr. Reuter Schelmuffsky 17 ndr. freier von irgend einem hin- oder herwege: sie .. gingen so zu zwei verschiedenen seiten der wunderinsel hinaus Maler Müller 1, 80; als er ein mädchen zur treppe heraufkommen hörte Göthe 23, 151 W.; schles. zum berge nunderfahren Drechsler festschrift Breslau 684. besonders vom leibe, eigentlich und übertragen: es gadt z eim or eyn und zum andern widerumb ausz Frisius 145a; diser hertzog ward ... an heimlichen orthen zum hindern eyn erstochen Stumpf Schwytzerchron. 250b; ubel gewonnen gut schwiert manchen zu den augen und nägeln herausz Lehmann floril. 1, 21; er traff den hirsch zum hindern klawen hinein, dasz im durch bede ohrn hinauszging klugr. (1548) 149b;

die freundschaft sah zum blick heraus
E. v. Kleist 1, 259 Sauer.


bb) den raum, zu dem der ein- oder durchgang führt (die fälle mit hinein, an sich nicht deutlich, sind durchweg so aufzufassen):

thet wider zu dem sal eingon
H. Sachs 9, 529 K.-G.;

die blümlein zart erspriessen,
zur erden kriechens aus
Spee trutznachtigall (1649) 96;

niemant z der stat weder ausz noch ein lassen Arigo decam. 3 K.; einen zur stadt hinaus peitschen Kramer 2, 1477c; Laertes lief .. zur stube hinaus Göthe 22, 29 W.; zu dem garten hinaus 21, 13; zur welt hinaus P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 411b; da dir das hemd zu den hosen herauszhieng Chr. Weise die drei ärgsten erznarren 11 ndr.; der teufel fährt zur hölle nauf Kasperspiel, gehört Dresden 1910.
d) zu in der angabe eines grenzpunktes, der als masz dient,
α) ist für sich allein veraltet: als er nun z halber leiter kam, der marschalck ein still anblasen liesz Wickram 1, 127; der gmeyn mann trg kurtze wappenröcklin kaum z halbem ars Franck weltb. 66b. so auch nicht räumlich als gradbezeichnung: bisz dasz er zum letzten heller bezalte Fischart binenkorb 106b. fest verbunden haben sich zu boden, zu grunde und zu ende, wovon heute zu grunde richten (schon Frisius 16a; 277b) und zu ende allgemein: funditus delere zu grund vertilgen Bas. Faber thes. 346a; funditus evertere zu grundt verstören Diefenbach 252b; er ist unsprechlich, er wardt noch nie tzu grund gar auss gesprochen theologia deutsch 32 Mandel; das angefangene mährchen zu ende lesen Tieck 1, 64; bis wir zu ende gelebt haben Herder 5, 98; etwas zu ende denken. ähnlich: es war nie deine sache, etwas zu stande zu bringen, du warst immer müde, eh' es zur hälfte kam Göthe 21, 49 W. in zeitangaben noch immer gelegentlich: man hatte noch zwei gute stunden zu dem marktflecken O. Ludwig 2, 13;

das wunder es dauert zum morgenden tag
Göthe 1, 207 W.


β) wird heute meist durch bis zu ausgedrückt, wodurch der blick auf die zurückgelegte strecke gelenkt wird:

der frosch zu stund
sich nieder ducket bisz zu grund
H. Sachs 5, 84 K.;

bevor er alles bis zum letzten buchstaben gelesen hatte, was es heute zum lesen gab Schaffner Jon. Bregger 17. zeitlich: ich will nit bisz ze abend läben Frisius 876b; continuatio solcher histori bis zum friedensschlus Grimmelshausen 2, 8 K.; ausruhen bis zum aufgang der sonne Klinger 3, 83. freier: mit gefängnis bis zu einem jahre und mit geldstrafe bis zu zehntausend mark ... wird bestraft ges. über den vaterl. hilfsdienst § 18; dann hätte sein herr bis zum escadronschef, ja noch besser bis zum regimentskommandeur

[Bd. 32, Sp. 190]


weiterdienen können Polenz Grabenhäger 1, 3. als gradbezeichnung: drollig bis zur ausgelassenheit Göthe 21, 150 W.;

und bis zum sinken überladen
entfernt sich dieser letzte kahn
Göthe (Faust 933) 14, 50 W.


e) in der regel bezeichnet heute zu, im gegensatz zum älteren brauch, s. o. b, die gedachte thatsache, dasz ein ziel erreicht wird, während für den räumlich gesehenen vorgang eine genauere ortspräp. gebraucht wird: wir muszten, um zu den andern brücken zu kommen, über anderthalb stunden durch die sandigen flecke reiten Göthe 19, 263 W. (4 zeilen später: endlich kamen wir an die brücken); meine rückkehr zur stadt IV 29, 55;

der tauber schwingt neugiergesellig sich
zum nahen busch 2, 75;

zum alten sitze kehrt er, wie zuvor
Droste-Hülshoff 2, 208.

dies besonders deutlich in verbindungen mit ort, stelle, ende, ziel, zweck:

welle selbst, auf wogen wellend,
dringt er zu dem heil'gen ort
Göthe (Faust 7306) 15, 124 W.

sein red zum end bringen peroro Frisius 987a; etwas zu einem guten ende bringen Keisersberg bilgersch. 21b; der kompt nicht zu end Lehmann floril. 2, 954; zum zweck gelangen Krmer 2, 1477b;

das häupt, die füsz und hände
sind fro, dasz nun zum ende
die arbeit kommen sei
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 298.


α) diese auffassung zeigt sich im besonderen, wenn das ziel ein räumlich ausgedehntes ist, mit dem irgend eine berührung erfolgt, vergl. die belege bei c α: ein turn, des höch raicht z dem hymel erste deutsche bibel 3, 75; will jemand noch besonders, bei dem worte Propyläen sich jener gebäude erinnern, durch die man zur atheniensischen burg, zum tempel der Minerva gelangte Göthe 47, 5 W.;

ging ich den felsenweg, den schroffen, grauen,
hernieder dann zu winterhaften auen 2, 4 W.

hierher gehören die verbindungen mit boden, erde, grund, s. unten 5.
β) dieselbe anschauung steckt in ausdrücken der art etwas zu papier bringen Kramer 2, 1474c, zu buch, zu den akten nehmen und danach gebildeten:

so zog auch aus Galiläa,
dasz man ihn zur liste nehm',
Joseph in das land Judäa
Brentano 1, 279.


γ) ebenfalls nur die berührung im allgemeinen bezeichnet zu mit ortsnamen, früher in der zielbedeutung allgemein, jetzt nur bei solchen ortsnamen üblich, die an sich oder wegen eines adj. mit dem art. verbunden sind. sonst haben ortsnamen mit zu nur ruhebedeutung, s. u. III 2 b α. (ich reise zu Deutschland ist ein bekannter sprachfehler nordischer ausländer):

die hexen zu dem Brocken ziehn
Göthe (Faust 3956) 14, 199 W.;

wann
du heim zur heiligen Zelea kehrst
Bürger 1, 157b Bohtz;

vahr henn zo Molnheym und lasz dir den gecken snyden Tappius adagia (1545) 60a; wo er dich bekommen mag, wirstu zu Franckreich geführt Aimon (1535) c ib; durch eine gesandtschaft zu Rom Lohenstein Arminius 1, 22a.
δ) so auch bei bewegungen des schalles: wenn die stimme deiner reue nicht mehr zu meinem ohre reichen kann Göthe 23, 104 W.;

schalle zu dem heiligen strande
losung dem gelobten lande 2, 45 W.


ε) in älterer sprache gerne von physiologischen vorgängen, jetzt bis auf einige feste wendungen veraltet:

[Bd. 32, Sp. 191]


nun denk wann du die hend erkaltest,
und in ein kaltes wasser haltest,
so laufft die kelt zum hertzen geschwind
Scheit Grobianus v. 2665 ndr.:

die nassen hosen th darvon,
und lass die werm (des ofens) zun beinen gon v. 4558;

doch ist ihnen (den kühen) die treber besser, dann daz schrott, dann der treber schlägt inen zur milch, daz schrott aber zum fleische viehbüchlein 29; die rose schlug zur wunde s. th. 9, 405 i; das blut ist ihm zu kopfe gestiegen Brentano 5, 358; der wein steigt einem zu kopfe. daher in übertragener verwendung zu herzen gehn; etwas zu herzen fassen, nehmen s. th. 4, 2, 1214f.
ζ) eine besondere bedeutung haben die ausdrücke wie das oberste zu unterst kehren bekommen, von Gottsched unter den 'nebenwörtern der unordnung' aufgezählt sprachkunst 3 375:

der stewrman stund fest an den pflug,
und schnit solch furchen in den Rein,
das das underst zu oberst schein
Fischart glückh. schiff r, 386 ndr.;

und kert allen dingen das hinderst zum fördersten Scheit Grobianus 6 neudr.; das hinterste zu vorderst und das unterste zu oberst bringen Kant 3, 320 Hart.
f) bei verweilender darstellung schlieszt zu die vorstellung der strecke bis zum ziel in sich: da kamen hinder in stende gar vil lútseliger kinden mit brinnenden kerzen z dem alter, eine na dem andern Seuse 22 B.;

auf den (tod) mir zeyget genius,
der zum ruhenden fusz für fusz
schlich
H. Sachs 1, 440 K.;

mein wandrer hinkt an seiner glaubenskrücke
zum teufelsstein, zur teufelsbrücke
Göthe (Faust 10121) 15, 248 W.;

der weg zur hölle ist mit guten vorsätzen gepflastert; ohne unsern vorsatz zu offenbaren, schritten wir zum Rheinstrand Scheffel Juniperus 64;

zum bühl ist's noch trocken und wenige schritt'
Göthe 2, 36 W.;

vom himmel kommt es,
zum himmel steigt es,
und wieder nieder
zur erde musz es ... 56.

übertragen: in der philosophie geht der weg zur wissenschaft nur durch die kunst Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 82.
g) diese vorstellung tritt deutlich hervor, wenn der ausgang der bewegung durch von angegeben wird, wobei zu gerne durch bis gestützt wird, vgl. o. sp. 189 d β. die bewegung ist oft nur die des abmessenden auges: von der stat Regio pisz zu der stat Gaietta Arigo decam. 74 K.; zwar von der treibe bis zum treibhaus sey der graben in ordnung Göthe IV 8, 27 W.; bei stengeln, welche von knoten zu knoten geschlossen sind II 6, 37; wir sahen einige gletscher von ihren höhen bis zu der wolkentiefe herabsteigen I 19, 253; auf dem weg von der brücke zum nahen fenster O. Ludwig 2, 307. entsprechend von zeitstrecken: vom herbste 1789 bis zu ostern 1791 E. M. Arndt 1, 66;

denn hier musz alles in seinem gleise
vom morgen bis zum abend gehn
Baumeister zimmermannsspr. 6.

ungemein zahlreich bilden sich die formeln, welche entweder dasselbe wort, oft durch ein und ander vertreten, oder entgegengesetzte begriffe paaren. sie haben verschiedene besondere bedeutungen angenommen.
α) der abstand erscheint als besonders grosz: ist nicht Deutschland von einem ende zum andern durchreist Göthe 22, 110 W.; also dasz die gräntze des römischen reiches von den weiszen Britten bisz zu den schwartzen Mohren .. sich erstreckte Lohenstein Arminius 1, 6b; von einer wand zur andern ruhte eine alte lanze Brentano 5, 21; von worten zu wercken ist ein weiter weg Lehmann floril. 1, 153. ebenso auch zeitlich von langer

[Bd. 32, Sp. 192]


dauer: sie horchte begierig auf, während ich ihr gar nichts verschwieg vom anfang bis zu dieser stunde G. Keller 4, 55.
β) sie bezeichnen das hin und her: wenn die sonn z uns gadt und wider von uns Frisius 14b; das haupt ... kan nicht stracks auf seynem nacken bestehen, sondern musz von einem ort zum anderen wancken Ambach vom zusauffen c iiib; so vil etwan ein eerenampt begärend, gond sy von eim zum anderen darumb zegutzlen oder zu wärben Frisius 890b; von baum zu baum!
γ) einen von ort zu ort fortschreitenden vorgang:

thaler, thaler, du sollst wandern,
von der einen hand zur andern kinderspiel;

castellatim von schlosz z schlosz, von einer veste z der andern Frisius 196b; von stadt zu stadt, von dorf zu dorf Kramer 2, 1474c; der trank aber ging ... von mund zu mund Maler Müller 1, 59; allen hahnen von Gelnhausen ..., die erwachend von haus zu haus, von thurm zu thurm sich ... zukrähten Brentano 5, 28; eine .. von volk zu volk fortschreitende überlieferung Ranke 1, 3.
δ) ebenso von der zeit: es zergot alles von stund z stund, von tag z tag, von jor z jor, von ougenblick z ougenblick faren wir do hin uff diser bilgerfart Keisersberg bilgersch. c ic; dasz er mich . von einem tag zum andern vertröstete Göthe IV 1, 3 W.; so lebt er von tag zu tag I 45, 5; mein bruder .., schob die erfüllung des versprechens von einer zeit zur andern auf Steffens was ich erlebte 1, 5. steigerung: die teure nimpt von tag z tag z Frisius 697b; Carlstadt schritt von tag zu tag zu auffallenderen veränderungen fort Ranke 2, 16.
ε) daraus entsteht der begriff einer gesammtheit: von anfang bis zu ende; die ganze breite des Wallis von berg zu berg lag bequem anzusehen unter uns Göthe 19, 264 W.; wie sie ... ihn über und über . von kopf bis zu den füszen beschaute Lenz 3, 100; sie war ... von kopfe bis zu den füszen schwarz gekleidet G. Keller 7, 216; von glid z glid, von stuck z stuck Frisius 123b; 810b; die (anatomie) ... legt ihm für seine augen das corpus physicum, von glid zu glid, von stuck zu stuck Paracelsus (1618) 81a; vögel vom zaunkönig bis zum storche Brentano 5, 19; von dem stolzen patrizier bis zu dem schuhmacher und pfefferkrämer Klinger 3, 71;

als wenn die schlangenfackel der Erinnen
von berg zu thal, von land zu meer ihn triebe
Göthe 2, 13 W.;

sangen's, und die lobgesänge tönten fort im Gothenheere,
wälze sie, Busentowelle, wälze sie von meer zu meere
Platen 1, 6 Hempel.

zeitlich: von jahrhundert zu jahrhundert; hinfort zu ewigen zeiten Paracelsus op. (1616) 2, 586;

und auf den sternen waltend sitzet
von ewigkeit zu ewigkeit
Arndt 4, 110.


ζ) gleiche und ähnliche wendungen drücken die genaue auffassung, wiedergabe und deutung sprachlicher zusammenhänge aus: ein ding wüssen von stuck z stuck Frisius 928a, von wort z wort 1021a; das lautet von wort zu wort also Grimmelshausen 4, 537; hat er diss büchlein, ... von synnen z synnen, und nicht von worten z worten, ... verteutscht Schwarzenberg Cicero 65a; von silbe zu silbe, von zeile zu zeile. ähnlich: von heller zu pfennig (bezahlen) F. L. Schröder dram. w. 1, 26.
η) oft schlieszt sich daran die vorstellung des gleichmäszigen abstandes: von 20 zu 20 metern werden stangen aufgerichtet; von 100 zu 100 metern steht ein posten. besonders von regelmäsziger wiederholung in der zeit: ein andrer (see), ... auf welchem man jährlich von zeit zu zeit, ernden, fischen und jagen kan S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn 63; von jahr zu jahr, zwier in der woche Adelung umständl. lehrgebäude 2, 34; man ...

[Bd. 32, Sp. 193]


theilte .. den acker .. von acht zu acht jahren auf Mommsen röm. gesch. 2, 165; alle unangenehmen empfindungen von stunde zu stunde, von tag zu tage abschütteln Göthe 21, 45 W. vgl. δ.
θ) als maszbezeichnung gibt die formel grenzwerte an: in diesem gasthof sind zimmer von zehn bis zu hundert mark; sechs kinder von eilf zu zwei jahren Göthe 19, 26 W.
ι) die ältere sprache liebte es, so ausgang und ende eines vorganges gegenüber zu stellen: mit den selben wortin so vr die sele vonme lichnamen zun ewigen genaden altd. pred. 1, 139 Schönbach; vom läben zum tod richten Frisius 1391b; solche leut von gott ab, und zu dem teuffel fallen Moscherosch insomnis cura parentum 61 ndr.; die greffin ... mit ir selbes rates pflage und von grunt ze poden ir sache bedencken warde Arigo dec. 229 K.; Franciscus ..., der sich hie hat in armut geben und seine brüder in ein regel verfast, nit mer zu haben wann von der handt zu dem munde Luther 10, 3, 404 W.
κ) eine unmittelbare persönliche beziehung drücken formeln aus, in denen zu meist die richtungsbedeutung hat (vgl. oben sp. 178 I 3 e): von hand z hand Frisius 802b; ich hab gesehen den herren von antlütz z antlütz erste d. bibel 3, 154; wann ich rede z ihm von munde z mund 4, 48; dasz er sehr begierig war, sie von angesicht zu angesicht zu sehn Tieck 4, 301;

segen dir von mund zu munde!
Göthe 4, 17 W.

eine solche bedeutung hat auch die in den letzten 30 jahren in briefen üblich gewordene gruszformel von haus zu haus.
λ) in der dichtersprache wird von oft erspart:

da verklang es klein zu klein
Göthe 6, 255 W.;

sage, was ich dir befohlen,
wort zu wort der sängerin
Kind ged. 2, 295;

unzahlbar ihm laternen (die bienen durch das wachs)
erhaltens tag zu tag
Spee trutznachtigall (1649) 140.


h) das angegebene ziel wird nicht erreicht, sondern eine auf dieses eingestellte lage, vgl. oben DWB I 3.
α) in verbindung mit gegenständen, bei oder neben denen etwas oder jemand platz nimmt oder nehmen soll: do man sy (die ringe) z einander leget Arigo dec. 34 K.; einem der zum steur-ruder gesetzt ist Lohenstein Arminius 1, 143a; ich stellte mich zu dem tisch Grimmelshausen 2, 343 K.;

und handt gstelt zwen auf die wacht
einen für d'scheuer und ein zum brunnen Endinger judensp. 22 ndr.;

nun wurden 4 wachtschiffe mit soldaten zur aufsicht zu dem englischen schiffe postiert Ritter erdkunde 4, 619; wenn man nicht den prügel zum hund legt, ... so acht er kein gebot Lehmann floril. 1, 292; stehet zu den riegeln, ihr gewaltigen, die pforten des abgrundes aufzuwerfen Raabe I 6, 244;

ihre wuth wird dich zerschmettern,
kein stein zu dem andern stehn
Brentano 1, 333.

veraltet und alterthümlich.
β) von personen das gegenüber und nebeneinander, besonders von weib und mann ausdrückend, schon mhd.: sich zu einem, einer ins bette, an die seite legen, sich zu einem setzen mettersi appresso, accanto di uno Kramer 2, 1474b;

Kassîe zu im legete sich
Heinrich v. Freiberg Tristan 5903;

Cordely: dann ich ouch gar gern z üch wär.
kriegsman: kum grad z mir, mins Cordelin,
sitz an die grünen sytten min.
Pauly Gumpostbrüy: meitly, kumm sitz du z mir har
H. R. Manuel weinsp. v. 468 ff. ndr.;

wenn meine zeitgenossen fallen, so ist es meine pflicht, sie aufzuheben, aber nicht zu ihnen in den koth zu liegen Schubart ästh. d. tonkunst 179;

[Bd. 32, Sp. 194]


und liegen will ich Mars zu dir,
du liebesgöttin stark
Göthe 2, 181 W.;

und sie kommt und wirft sich zu ihm nieder 1, 223;


2) das ziel ist ein zeitliches, vgl. 1 g und h.
a) allgemein:

o des lebens ohne leben,
das zum tode leufft Königsberger dichterkreis 63 ndr.;

also begleit' ich Theresiens herrschaft
mit dem gesange zu kommenden altern
Denis lieder Sineds 94;

wir reichen nicht hinauf zu ihren tagen,
die letztesten hat Herkules erschlagen
Göthe (Faust 7197) 15, 119 W.


b) das ziel ist ein bestimmter zeitpunkt oder eine zeitstufe, lebensalter: also es quam zu der mitternacht, do quam eyner gegangen vor das thor Stolle thür. chron. 2;

die nacht, die ist zu endt gebracht,
die sonn ist uff gegangen
Zinkgref auserles. ged. 48 ndr.;

zum alter kommen Frisius 135a; zu seinen tagen kommen 1a; zu jahren kommen zum 'reifen' und zu 'hohem alter' kommen; da sie beide z iren jaren kämen, sölten sie hochzeyt halten Stumpf Schwytzerchron. 265a.
c) veraltet sind terminbestimmungen mit zu:

sus wart dâ urloup genomen
zeime ganzen jâre
Hartmann Iwein 2925;

er machte fride zuo drin tagen
mit des povels ingesinde
Ottokar östr. reimchron. 14236 Seemüller.

im got. allgemein für eine zeitstrecke du jêram þrim Luk. 4, 25, s. Schultze 69a.
d) eine besondere bedeutung hat sich schon früh entwickelt in kommen zu bei einem im ablauf befindlichen vorgang: commodum intervenit er kam eben recht dar zu, als wäre er gerffen Corvinus (1623) 494; er kam grade noch zur eröffnung der sitzung, zum beginn des zweiten aktes.
3) die verbindung mit zu verleiht solchen verben den sinn der bewegung, denen er an sich nicht zukommt.
a) nach älterer auffassung des dadurch ausgedrückten vorgangs: hüt euch ihr jovisten, das podagram will z euch nisten Fischart praktik 11 ndr.; wer sich mit dräuwort lesset töten, dem sol man mit fürzen zum grabe leuten Gastner dicta proverbialia 68b nach Merker zu Murners luther. narren 441.
b) heute in freier, nachdrücklicher weise: o mein gott! welch' eine menge entschlummert zu dir! maler Müller 1, 6; wie wir nun in der besten lust waren, so kam Edward und Fidele zu der stubenthür hineingelacht Reuter Schlampampens krankheit u. tod 92 ndr.
c) desgl. in reflexiven ausdrücken: hat er ... z den schiffen sich gethon Xylander Polyb. 16; der mensch ... der sich scheiden wil von der welt z got Keisersberg bilgerschaft 1; und wie die kinder Israels ... sich widerumb in Egypten wunschtend, z den verlasznen speysen Zwingli freiheit d. speisen 3 ndr.;

so schmeichel dich fein zu im dar
Scheit Grobianus v. 4328 ndr.;

es war ein kind, das wollte nie
zur kirche sich bequemen
Göthe 1, 204 W.;

wer zu den müttern sich gewagt,
hat weiter nichts zu überstehen (Faust 7060) 15, 112 W.;


d) mit wollen, sollen, müssen, dürfen, können, lassen und sein: da wollte Charitas natürlich zu ihr in die bibliothek Ch. Bischoff Amalie Dietrich 241; sie schob ihn erregt bei seite und sagte: lassen sie mich gleich zu herrn doktor! 225; so gern wär ich diesen abend noch zu ihnen Göthe IV 3, 153 W. hieraus feste verbindungen: einem zu leibe wollen; es wil mir nicht zu sinn P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 382b; B. Goltz jugendleben 1, 377; will mir .. jemand zu halse pol. maulaffe vorrede 10b.

[Bd. 32, Sp. 195]



4) neben die räumliche vorstellung tritt, wie in vielen bisherigen belegen zu sehen, der begriff der absicht und drückt jene zurück.
a) die verbindung mit zu bezeichnet den raum, in dem man sein will oder soll, vgl. 1 e α: an dem virzigisten tage nach siner geburt quam er zu sime goteshuse, zu sime tempel altd. pred. 1, 158 Schönbach;

zur küchen kamen sie gerant,
da lag der braten dort und brant
Scheit Grobianus v. 4471 ndr.;

wer do wil ... keren wider z sinem vatterland, das ist ewig seligkeit Keisersberg bilgersch. ia; dasz bildung die thüren öffnet zu den wichtigsten stellen und berufen Polenz d. land der zukunft 236.

genug! mit meinem gatten bin ich hergeschifft
und nun von ihm zu seiner stadt vorausgesandt
Göthe (Faust 8168) 15, 178 W.;

der tag, der tag beginnt den frischen lauf!
zum hohlen stamme nachtgevögel kehren
Droste-Hülshoff 2, 114.


b) die absicht richtet sich auf etwas, was in beziehung zu dem ort des zieles steht.
α) das ziel gewährt etwas, schutz, ruhe, genusz u. ä. hierzu zu bett, zur ruhe, zu tische gehn s. sp. 197: man sol auch sie lassen faren z bad und z nahen fründen Eb. v. Günzburg 1, 31 ndr.; ich hett mich auch gern gewermet, aber ich kundte nicht zum ofen kommen klugr. (1548) 72b;

(er) führt mich zu frischen quellen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 357b;

sie warfen mit brust sich zu brüsten
Göthe 1, 202 W.;

bringt ihn zu seinem elemente (Faust 6943) 15, 106.


β) man hat am ziel etwas vor, besonders in festen verbindungen, wo das ziel ein gebäude ist, das dann seine bedeutung verändert in die des vorganges an dem orte. hier steht zu im gegensatz zu in, an, auf und in berührung mit nach. man geht zum bahnhof, zur bank, zum strand, zum turnplatz, altüberliefert sind zur schule und zur kirche, früher ohne artikel: von jugend auf wie wir mit einanderen zeschl sind gangen Frisius 679a; sie haben all in einer schlen zu schle gegangen Tappius adagia 139; singen und lesen und ze kore gan und ze reventor gan Tauler pred. 354, 11b; er leufft zum tisch wie ein saw zum trog klugr. (1548) 36b; wie die abgeordneten der zünfte im 13. jahrhundert in vielen städten zu rathhaus gingen, lange ehe ihnen sitz im rath eingeräumt war Niebuhr röm. gesch. 2, 436. er geht zur see heiszt heute 'er wird seemann', er fährt zur see 'ist seemann', anders: dagegen will die mutter nicht einwilligen, dasz Hamlet mit Horatio zur see gehe Göthe 22, 161 W.
γ) am ziel soll mit dem object etwas vorgenommen werden; es sind dieselben oder ähnliche verbindungen: einen z kirchen tragen Frisius 912b; einen zu grabe tragen; darumb ir gsellen, helft im klagen, und zu dem kirchof tragen Fischart geschichtklitterung 70 ndr.; setz mir die milch zu feur Rachel sat. ged. 17 ndr.; die ein schweinlin zu marck triebe Grimmelshausen 2, 454 K.; der faule geht zur arbeit, wie ein dieb zum galgen Lehmann floril. 1, 46; und führt sie (die Saale das scheiterholz) meilen weit zu ihrer bestimmung, zum feuerheerd Göthe IV 29, 89 W.; speisen zum munde führen; da ich leise meine flöte zum munde brachte maler Müller 1, 74.
δ) umgekehrt wird in der verbindung mit zu der beabsichtigte vorgang zum räumlichen ziel, besonders, wo es sich um geselligkeit, um essen und trinken handelt: coenas obire hin und wider gon z gastmäleren Frisius 890b; zu kost gehen (vgl. DWB kostgänger) Kramer 2, 1474c; er ist ein bewanderter man, er ist zwey mahl zur kirmes gewesen, und ein mahl in der mühle Friedr. Wilhelm sprichw.-reg. c y a nr. 160; auch zum Gründer markt, Dorle? O. Ludwig 2, 9; der Kuntz ist ... ist ein weltman, gehet zm bier und zm wein Nas antipap. hundert

[Bd. 32, Sp. 196]


u. eins 3, 191a; die gesellen schienen zu biere gegangen Holtei 1, 37. zur versammlung, zum konzert gehen, vgl.zum theater gehen.
5) es gibt eine überaus grosze menge fester verbindungen mit räumlichen zielbegriffen, von welchen die meisten altererbt sind und keinen artikel bei sich haben. auch hier gibt zu im vergleich mit anderen präp. das allgemeinere; man vgl. DWB zu netze treiben und ins netz treiben. die finale bedeutung überwiegt, doch zeigen manche der alten formeln rein räumliche bedeutung, bisweilen die blosze richtungsbedeut., z. b. der geytzig hängt den kopf nur zum boden Lehmann floril. 1, 276; zu berge, zu thal. sie gehören als sprachliche erscheinung zusammen, für welche eine übersicht genügt, während im übrigen auf die betreffenden artikel verwiesen wird, unter hinzufügung einiger ergänzungen.
zur erde, zu boden, zu grunde: einen zur erden werffen Kramer 2, 1477c; (sie ihn) pey dem hare z dem erdrich zugen Arigo dec. 56 K.; in der stube nebenan fiel etwas mit dumpfem schlage zur erde Fontane I 6, 31; ich eile, ihn zur erde zu bestatten Klinger 4, 50; zu boden s. th. 2, 212 ff.; z grund faren Frisius 990b; hefen, ..., ist was sich im geträncke zu grunde setzet Gueintz d. rechtschreibung 79; ze grund gon sterben interire Maaler 513a; z schyteren oder z grund gon Frisius 169a; z grund gon 4a; z grund richten 277b; heute zu grunde gehen, richten, s. o. sp. 189 d α.
zu berge, zu thal, in der regel richtungsangabe: diu io ze tale sîgenta rihti dero aho defluus ordo lapsi gurgitis Notker 1, 310 Piper; zu thal lassen Fischart geschichtklitterung 257 ndr.; Wickram 7, 170; die haare gehen, stehen einem zu berge Frisius 1163a; Kramer 2, 1474c; die zu thal rollende wetterwolke Laistner nebelsagen 75. zu thal 'fluszabwärts', zu berg 'dem flusz entgegen' Jacobsson 8, 294a, hd. kaum noch lebendig. nd. allgemein in der verkürzung dal. zu haufen, zu hauf s. bei zuhauf.
zu acker gehen, fahren 'ackern', vgl. DWB zackern: ze acker gon arare Maaler 513a; Diefenbach nov. gl. 30, Frisius 577a. in weiterer anwendung vom verkehr, besonders geschlechtlichem: wer mit narren (hrn) zacker geht, der eget mit geuchen (gecken) z klugr. 22a (22b) (1548): nemo timeat quod bubonem vel cambuccam accipiat, er fahr denn mit frawen zu acker Paracelsus chir. (1616) 1, 591b. zu felde: darnach so jagen sie sie (die jungen gänse) zu felde viehbüchlein (1667) 106; das volk sagt: der pflug geht zu felde J. Grimm rechtsalterth.4 1, 52. zu felde ziehen Kramer 2, 1474c. vgl. u. sp. 201, 8 e ζ.
zu dorfe reiten Adelung umst. lehrgeb. 2, 135; volle bawren soll man zu dorf lassen Lehmann floril. 3, 451.
zu holz, zu walde: ube er (der vogel) îo doh ûzer dero cheuio ze holz indrinnen mûoz, târ er sînen lieben scato sihet si tamen saliens arto tecto uiderit gratas umbras nemorum Notker 1, 138 P.; z holtz faren, gon lignor Frisius 771b; mit diesen worten ging er zum pallast auss, und reydt zu wald Aimon (1535) h ia.
in der jägersprache: zu baue gehen oder kriechen von dachs oder fuchs, zu baume steigen vom auerhahn, zu baum fallen von birk- und haselhühnern Campe 5, 882b; zu fährte kommen der leithund nimmt die fährte auf Campe. der jäger richtet das wild zu holze (verlert die fährte im holze) Jacobsson 4, 723b; der hirsch geht zu felde tritt abends aus dem wald heraus, zu holze tritt morgens zurück; jäger ziehen zu holze Campe; morgen früh ziehe ich zu holze (auf den hirsch) Löns das zweite gesicht 129; eine weile sasz er (der fuchs) still, dann rückte er zu felde 136; zu holze schieszen 'das wildpret schieszen und nicht treffen, so dasz es sich verkriecht, stirbt und von maden gefressen wird' Zggers 2, 1406.
zu sumpfe, zu tage, zu seil im bergbau Jacobsson 4, 730b; 8, 294a; Veith 484; 486. zu tage bringen, fördern, kommen, treten u. ä. im allgemeinen gebrauch.

[Bd. 32, Sp. 197]



zu lande in die heimat: er darff nit mer zeland kommen, sein heimat ist im verschlossen Frisius 234a. von der see ans land 106b; 396b; 1141a; Kramer 2, 1474c; wann das schiff wol zu land kompt, so ist der schiffmann gt klugreden (1548) 41b; seind wir nach allen unsern krefften an die rder gestanden, haben z land gearbaitet Schaidenreiszer Odyssea 36a. zu wasser werden boote, schiffe gebracht, gelassen, lebensmüde mädchen gehen zu wasser th. 13, 2311. ein schiff geht zu anker Lueger 1, 348, zu segel th. 10, 1, 87.
zu pferd, rosz, schiff, wagen gehen, steigen reisende: aber als er zu ros sitzen wolt Amadis 1, 25 K.; dasz er schwerlich wieder imstande sein würde, zu pferde zu steigen Polenz Grabenhäger 2, 300; zu schiff gehen Kramer 2, 1474c; Hulsius 2, 192a; am 31. august stiegen die fürsten .. zu schiff Ranke 1, 83; zu wagen steigen Bürger 1, 159a Bohtz. vgl. sp. 207 III 1 b β.
zu haus, zu hause gehen, durch nach hause gehen verdrängt und im gebrauch seit Gottsched sprachkunst 3442 und seinen nachsprechern Heynatz 2, 672, Campe 5, 881b durch die schulregel verpönt, hat sich doch nicht nur in mundart und umgang (überall da, wo heim nicht üblich ist), sondern auch litterarisch erhalten, vgl. th. 4, 1, 2410, Adelung 2, 1022, nicht blosz bei Norddeutschen, wie Arndt und Hebbel: in der hälfte september kehr ich alsdann wieder zu hause Göthe IV 37, 122 W.;

aus einer groszen gesellschaft heraus
ging einst ein stiller gelehrter zu haus I 2, 273.

zu haus immer in den verbindungen von haus zu haus, s. o. sp. 193 g κ, zu haus und hof: diesz aber alles wird ihm zu haus und zu hof kommen Göthe IV 27, 221 W. die oberdeutsche sprache des 16. jhs. verdeutlichte zu haus durch heim:

nun wöllen wir hin heym zu hausz
H. Sachs 2, 19 K.;

nun will ich mich heim machn zu hauss 9, 135.


zu hofe, th. 4, 2, 1657: man ruft keim esel zu hoff, er soll dan säck tragen Lehmann florileg. 1, 211. zu kirche, zu schule s. o. 4 b β. zu thurm: das ist zumal klätzmännisch, dasz man einen zu thurn legt, oder sonst strafft, und darnach kundschafft hört, was einer begangen Lehmann floril. 2, 751; mancher thut ein ding so gern, als der bawer der zu thurn gehen sol 2, 866. zu markte s. th. 6, 1645 und beleg bei 4 b γ. zu herberg einkehren s. th. 4, 2, 1061.
zu bette s. th. 1, 1723f., zu neste 6, 622f., zu stall 102, 602, zu loch 6, 1094: wo der Luther nicht were, die schwermer solten gar bald ... zu loch kriechen Luther 23, 37 W., zu winkel: wir erschracken und thetten z winckel kriechen Schaidenreiszer Od. 37a.
zur bank hauen th. 1, 1109, zu kreuze kriechen 5, 2179 4 b, zu paaren treiben 7, 1391.
zu tische: z tisch sitzen accumbo Frisius 20a, discumbo 426a; es geschah, so er mornendes aber dar ze tisch gesass Seuse 12 B.;

stätt und ammaister und rhatsherren,
die zwischen sich zu tisch sie sezten
und mit gespräch und speis ergezten
Fischart glückh. schiff 29 ndr.;

da es bei meinem späten zutischgehen für mich keinen nachmittag gibt jahrb. d. Grillparzerges. 3, 207; zu tische führen Fontane I 5, 140. seltener zu tafel, vgl. th. 11, 15 β:

will jemand mit z taffel sitzen
Scheit Grobianus v. 635 ndr.


z stl gehen exonerare alvum Dasypodius 437a; Frisius 79b; nicht mehr üblich.
vom leibe und seinen theilen: einem zu leibe gehen th. 6, 586f. zu leibe kommen; widerumb ze leyb legen, am leyb widerumb znemmen Frisius 292a.
zu augen, ohren: das sy sich sauber anlegen und den werbern z augen geen solt Schaidenreiszer Od. 77b; das, was ihm jetzt zu augen kam Göthe 24, 5 W.; zu ohren kommen, fassen, nehmen th. 7, 1248 p. zu

[Bd. 32, Sp. 198]


munde fahren mit der speise Kramer 2, 79a; so offt man zum maul fert klugr. (1548) 44b. blut, wein steigt zu kopf s. th. 5, 1760, seltener zu haupt: still, Guler, dir steigt das blut zu haupt C. F. Meyer Jürg Jenatsch 211; vgl. o. 1 e ε. mundartliches, westf.: eth werdt mir tho halse und tho büke komen in me cudetur haec faba Tappius adagia 96b. zu fusze, zu fusz th. 4, 1, 1, 993 m: vom rosz oder pfärd absteygen zefsz Frisius 417b; z fsz fallen, einem z fsz fallen 6b; 15b; einem zu füszen fallen sp. 178 b u. th. 4, 1, 1, 990f. etwas zur hand nehmen th. 4, 2, 343, zu handen gehen, kommen, stoszen, etwas zu handen geben, nehmen, bringen sp. 344 d: das einem yetlichen zehand kam, was einem yeden zehand stiesz oder in die hend ward Frisius 28b; (sie) sasz ... auff den wagen, nam die gaisel z iren handen Schaidenreiszer 24a; und reicht die stücke, wenn sie ihm zu handen kommen, baldigst ein Göthe IV 28, 10 W. zur faust kommen (zum schlagen) W. Spangenberg gr. dramen 2, 6 Dähnhardt.
ausdrücke vom sterben s. 8 i.
mit räumlicher zielauffassung heiszt es die sonne geht zu gnaden: als die sonn zu gnaden gieng Xylander Polybius 375. schles. die sonne geht zu golde, zu glanze Drechsler Wenzel Scherfer 121; festschr. Breslau 682; die sonne ... war selbigen tag schon zu golde gegangen Lohenstein Arminius 1, 7b. zu rüste s. th. 7, 1543f.: die nachmittagssonne war schon ziemlich tief zu rüste gegangen Stifter 1, 242. der tag geht zur neige: es sollte auch dieser tag nicht ohne ein gewitter zur neige gehen H. v. Barth aus den nördl. kalkalpen 329.
durchweg unräumlich sind die verbindungen mit weg: darnach ..., haben ... (sie) ire bantzerhemder ... z weg gelegt, damit sie gegen abent sich nit lang dörfften rüsten Wickram 2, 157 Bolte.
6) mit personen als ziel verbindet sich zu kaum ohne den begriff des beabsichtigten.
a) zweck der bewegung ist einfach, dasz jemand bei einer person sein will oder soll oder ein gegenstand in verbindung mit einer person gebracht werden soll: vielmal hat ein furst oder herr die zu im abgefertigte bottschafft zu beantworten verzogen Kirchhof militaris disciplina 98; als er so bis in die nähe des schlossthores gekommen, kehrte er zu den seinigen an das brünnchen zurück Brentano 5, 34; als man der heimat näher kam, stahl sich auch mancher treue mann zu den seinigen hinweg Treitschke d. gesch. 1, 248; der general ritt zu uns hinter das prasselnde gebäude Detlev von Liliencron 1, 28 (sommerschlacht); man hatte mich ... zu unserm nachbar auf das comptoir gethan Göthe 21, 41 W.;

sobald mein sohn herein ist, weiset ihn
zu mir
Schiller 12, 180 G.;

nun becher, zu der freundin! bleibe klar und ganz
Göthe 4, 13 W.

dieselbe auffassung auch in negativem ausdruck:

die liebe gegenwart, die tröstliche,
bringt keine freude, keinen trost zu mir
(den sie doch bringen sollte) 11, 292.

hierher gehört die verwünschungs-, dann auch bekräftigungsformel zum teufel! zum henker! zum kuckuck! aus wendungen wie jemand zum teufel jagen, wünschen.
b) damit verbindet sich der gedanke, dasz man von der person etwas will (bes. hilfe, schutz), bes. in wendungen wie zum richter, zum kadi, zum direktor, zum bäcker, barbier, zum mädchen, zum weibe gehen, laufen u. s. w. die bedeutung der person tritt dabei gegenüber dem, was man haben will, oder was vor sich gehen soll, in ähnlicher weise zurück wie in zur kirche, zur schule gehn, s. sp. 193, 4 b β. ze mäde goen ist luxemb. 'sich bewerben' Gangler 489. diese umdeutung tritt bald sehr deutlich, bald unbestimmt auf: kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid Matth. 11, 28; die fürsten der pfaffen und die phariseer samenten sich z Pilatus erste d. bibel 1, 114;

[Bd. 32, Sp. 199]


zu der apfelverkäuferin
kamen kinder gelaufen,
alle wollten kaufen
Göthe 3, 185 W.;

(er) nahm daher zuflucht zu seinen südamerikanischen verwandten Steffens was ich erlebte 1, 8; nun säumte die teuflische witwe nicht, schnurstracks und mit einem guten gefolge zum konsul Aquilinus zu laufen und bei ihm den mönch der ärgsten schandthat anzuklagen G. Keller 7, 348.
c) das ziel ist die gemeinschaft mit personen: zun feynden fallen descisco Frisius 396b; und es versamlet sich zum könige Salomo alle man in Israel 1. Kön. 8, 2, vgl. sp. 204 i und Calwer bibelconcordanz 1269f.; gleich zu gleich gsellt sich gern klugr. (1548) 23a; do man sie peyde gegenwürtig aller hern und fürsten z einander gab (zur ehe) Arigo Dec. 72 K.; verwandte fanden sich bei dieser gelegenheit zu verwandten Schiller 7, 180 G.;

laszt mich, ich komme bald zu euch hinab
Göthe 10, 27 W.;

ja! mische dich zum luftigen gesinde (Faust 7240) 15, 121;

ich darf
vor meinem könig meine tochter nennen,
ich darf ihn bitten, sie zu mir herauf,
zu sich herauf zu heben 10, 251.

so von parteien, confessionen u. s. w.: wenn die, die zu unsere religion treten wollen, erst müssen informirt werden Lessing 173, 22 M.;

auch im lager
giebt es der braven männer gnug, die sich
zur guten sache munter schlagen werden
Schiller 12, 191 G.

gegenständliches persönlich gefaszt:

ja! wenn zu Sol sich Luna fein gesellt,
zum silber gold, dann ist es heitre welt
Göthe (Faust 4609) 15, 17 W.


d) das ziel ist die wohnung, bei einem besuch oder dauernder aufnahme: z mir, in mein hausz ad me Frisius 27b; zu einem (ins haus) gehen, kommen andare .. da uno in casa, venir a trovar uno Kramer 2, 1474b;

ich hab von Gabriel vernummen,
der herr werd morgen zu uns kummen
H. Sachs 1, 56 K.;

ich ging gegen fünf zu Göthe Eckermann 1, 77; bei gutem (wetter) stieg (ich) zum wächter auf den groszen viereckigen thurm Scheffel 3, 22 Pr.; den könig ... auf einen löffel suppe zu sich einladen Brentano 5, 111. veraltet mit einkehren:

wan (wirst du) wider zu mir kehren ein?
Spee trutznachtigall (1649) 18.

von dauernder aufnahme ins haus, weiter in den haushalt, in die familie: (der) Italiäner ... (wollte) von der herkunft des kindes ... weiter nichts bekennen ..., als dasz er solches nach dem tode seines bruders ... zu sich genommen habe Göthe 21, 163 W.; sie wissen vielleicht nicht, mein fräulein, dasz die braut vor einigen jahren ein allerliebstes verwaistes kind ... zu sich genommen hatte Tieck 4, 277; als der mensch zu uns zog Schaffner Jon. Bregger 137. erweitert hat die verbindung sich zur bedeutung 'heimat', so wie in bei uns: als wenn unsers frühlings heerholde, sonderlich die störche, aus denen warmen ... landen wieder zu uns kämen Prätorius winterfl. d. sommervögel, vortrab a 2a;

bruder, nimm die brüder mit,
mit zu deinem alten vater,
zu dem ew'gen ocean
Göthe 2, 54 W.


e) dadurch bekommt die verbindung einen gefühlsinhalt, nämlich den des gefühls der persönlichen nähe, des glücks des naheseins und der sehnsucht. das berührt sich mit der vorstellung des beieinanderseins, s. sp. 193, i β: dann waren sie zu einander gekommen und reichten sich die hände Storm 1, 25; Fritzen wünsch ich hundertmal zu mir Göthe IV 8, 30 W.; auf den flügeln der einbildungskraft hatte sich Wilhelms begierde zu dem reizenden mädchen erhoben I 21, 12 W.;

je mehr und mehr als dann die lieb
zur liebe ruckt
Zinkgref auserles. ged. 31 ndr.;

[Bd. 32, Sp. 200]



so dränget mich die süsze lust zu dir
Bürger 156a Bohtz;

die seel' zur seele fliehend
Göthe 6, 44 W.;

laszt sie zu uns, in unsre arme, in unsre herzen kommen Tieck 4, 93.
7) besonders entwickelt haben sich reflexive verbindungen.
a) rein räumlich 'zu sich heran' ist veraltet: z im gürten vestem connectere Frisius 300a; hast du die knoden nit z dir? wilt du mich nit lassen gon non manum abstines mastigia? 11a; einen z im trucken 270a; kein wunder, das sie (die kirche) das crucifix so freundlich zu ir schmuckt und truckt Fischart binenkorb (1588) 179a;

fründlichen er sich z mir schmuckt
und schimpfft mit mir
H. R. Manuel weinsp. v. 2955 ndr.;

so thuts den mund bald auff und nimt das gebisz zu sich Walther pferde- und viehzucht (1658) 27.
b) allgemeiner von personen, die man in die nähe ruft, nimmt: zu im locken illicere Diefenbach 286b; wer ein bawren will betriegen, musz ein bawren zu sich nehmen Lehmann floril. 1, 108; Jeremias nahm sieben priester zu sich und verbarg das heilige feuer in eine tiefe grube Herder 26, 357. zu sich nehmen hat den sinn 'einen ins haus aufnehmen', s. 6 d.
c) ein ding in seinen besitz, in verwahrung nehmen: sîn nevo Alderih zuhta daz rîche ze sih Notker 1, 6 P.; und zogen zu sich, an hindernus, gmain gut Eberlin von Günzburg 1, 177 ndr.; ein jeder geytzt jetzo, als wann er wolt der welt gut allein zu sich reissen Lehmann floril. 1, 275; dann möchte er meine sachen zu sich nehmen Göthe 43, 122 W.; dasz ich ... ein .. büchelchen ... zu mir steckte 21, 23.
d) zu sich nehmen braucht man von der nahrung, auch von geistiger: während der hof in einem pavillon erfrischungen zu sich nahm E. Th. A. Hoffmann 10, 26 Grisebach; eine arzenei, .. die man mit widerwillen zu sich nimmt Göthe 23, 65 W.; nehmen wir doch unter brot und weyn Christum tzu uns Luther 8, 516 W., von den Nibelungen habe ich seiner zeit so viel zu mir genommen als mir frommte Göthe IV 31, 272 W.
e) zu sich (selbst) kommen von seelischen vorgängen, vgl. th. 5, 1669 b, 'zum bewusztsein, zur besinnung, zur besonnenheit zurückkommen': und gelag also hingescheiden in der unmaht ein wili . so er denn aber z im selber kom Seuse 71 B.; wider z im selbs kommen Frisius 97a; er verlor alles bewusztsein, und als er wieder zu sich kam, waren reiter und wagen ... verschwunden Göthe 22, 46 W.; als sie wieder zu sich erwachte, däuchte ihr, dasz es ein leichtes sein müsse, jezt gar zu sterben Tieck 4, 335; bisz ich ihn wieder zu ihm selbst brachte Grimmelshausen 2, 338 K.; komm zu dir, mein sohn, du bist ja ganz blasz vor glück Seidel vorstadtgesch. 161; diesen unglücklichen ..., die gewisz, wenn sie wieder zu sich selbst kommen, ihr gegenwärtiges betragen bereuen werden Göthe 22, 54 W.
8) zu in räumlichen ausdrücken wird zum ausdruck einer nicht räumlichen beziehung.
a) das ziel ist der besitz von irgend einer sache, vgl. 7 c: du gangest, wie fast du wellest, magstu doch nit kummen z der besitzung des himelischen vatterlands Keisersberg bilgerschaft 1; er kommt zum besitz eines .. gemäldes .. niemand weisz woher Göthe IV 8, 55 W.; zu brod, zu geld, zu mitteln kommen Kramer 2, 1475a; auf diese weise kommt ein armes herz zu einem warmen anzuge Schaffner Jon. Bregger 62; z seinem rächt kommen Frisius 49a; zu einem amt, einer stellung kommen vgl. u. sp. 204, h. in persönlicher wendung entsteht ein ausdruck, der räumlich genommen etwas ganz anderes heiszt: kann ich wohlfeiler zum edelmann kommen? Klinger 3, 76. danach einem zu etwas verhelfen, früher helfen, s. th. 4, 2, 952; 12, 560; Frisius 56b; darz will dir (kaiser Karl) und dinen underthonen gott helffen durch Martinum Luther und Hutten Eb. v. Günzburg 1, 5 ndr.; es war natürlich sein . bester

[Bd. 32, Sp. 201]


freund, ..., gewesen, der ihm zu dieser erfahrung verhalf Raabe Altershausen 37. schlieszlich auch die ausdrücke von leiblichem gewinn: zu fleische kommen Kramer 2, 1475a; Campe 5, 883a; zu leibe kommen; widerumb zu leyb legen, am leyb widerumb zunemen Frisius 356b; so können sie es (ein dürres pferd) in drei wochen hübsch zu leibe bringen Walther pferde- und viehzucht 3, s. sp. 197. ähnlich zu athem, zu kräften kommen.
b) das gedachte ziel erscheint als ein weiter weg-, vor allem höherliegendes: zu einer stellung befördern, auch persönlich zum leutnant befördern; derselben ainer z der regierung ... aufgeworfen wurde Schaidenreiszer Od. 4b; bald trat die epoche ein, in der die dritte grosze nationalität, ..., die germanische, zur herrschaft im occident emporkam Ranke 14, 9; im menschen ist das thierische zu höhern zwecken gesteigert Göthe II 8, 8 W.; bey der jetzigen lage der literatur ..., arbeiten sich geistreiche junge männer schneller empor zu klarer übersicht IV 35, 284;

den wunsch der liebe, die zum all das eine,
zum ewigen das gegenwärtige,
das flüchtige zum dauernden erhebt,
den zu erfüllen ist sein (des priesters) göttlich amt 10, 374.


c) so ist dann auch das ziel etwas, wozu man erweckt, belebt wird, vgl. sp. 205 i:

die lieb manch keusches hertz erwecket
offt zu manch unlöblicher that
H. Sachs 2, 24 K.;

(die lerche) die früh den menschen zur arbeit wecket maler Müller 1, 7; vom allmächtigen odem ins leben erwärmet, zum schönsten wunder erwachet 1, 15; der knabe ward wieder zum leben hergestellt Göthe 20, 161 W.; in der kunst, die so manchen gleich beim eintritt in das leben zum leben rettet 24, 25 W. ähnlich umgekehrt einschlafen, einschläfern zu: und schlief bald zu unterhaltenden träumen ein Novalis 4, 110 Minor.
d) indem eins zum anderen gelegt die menge vermehrt, entsteht die bedeutung des 'hinzu', auch des 'zuviel': etwas zum übrigen thun, zum alten eisen werfen; ich wollte es noch heute zu dem anderen in der galerie aufstellen lassen Mörike 3, 33; oder ... (gott) warf den, der die schuld kontrahiert, zu den toten Fontane occupation 252; zu dem damen-calender so wie zu dem morgenblatte bin ich geneigt einiges mitzutheilen Göthe IV 25, 204 W.; beitrag zu den kosten; wichtige beiträge zu meiner arbeit Ritter erdkunde 1, x; beilage zum brief der Günderode Bettine Günderode 1, 25; vielleicht ist's hier am platze, zu dem obgesagten, ..., ein wort anzufügen Göthe IV 27, 236 W.; wir wollen es .. zur uhr schlagen, macht hundert (franken) Schaffner Jon. Bregger 70.
α) an besonderen ausdrücken gehört hierher: intransitiv schlagen zu s. th. 9, 405 i, kommen zu: hierzu kommet, worzu kommet Stieler 2653; zu der demüthigung der Pfalz kam der tod des churfürsten von Trier Ranke 1, 109; dazu kommt, dasz; eins kommt zum andern. weiter wird in der reihe beitragen, rechnen, zählen, achten zu es mehr zum formwort: was chemie und anatomie zur ein- und übersicht der natur beigetragen haben Göthe II 6, 8 W.; so dasz man sie zu den gebildeten frauen rechnen konnte Arndt 1, 8; ein bauwerk, das zu den sieben wundern der welt gezählt wird Brentano 5, 173; eine mode, die man mitmacht, wiewohl sie zu den schlechtesten zählt Fontane occupation 16; ze lob und rm zmässen, zschreiben Frisius 130a.
β) unabhängig vom verb erhält so zu die bedeutung 'auszer, mitsamt, nebst', was mhd. sehr beliebt war mhd. wb. 3, 855:

'allez mîn gewætewil ich mit mir tragen,
den gêr zuo dem schildeund al mîn pirsgewant'.
den kocher zuo dem swertevil schiere er umbe gebant. Nib. 916;

[Bd. 32, Sp. 202]



dehein wîp
diu zuo ir êlîchem man
ie deheinen man gewan
Stricker pf. Amis 383;

und lasz ihn noch die goldne last
zu andern lasten tragen
Göthe 1, 163 W.;

ir ... den beutel zum geld verspielet Harsdörfer frauenz.-gesprechsp. 1, l ib; den mantel zu dem rock lassen faren Eb. v. Günzburg 1, 192 ndr.; sie büszten zu dem feindlichen lager das eigne sowie an todten 9000 mann ein Mommsen röm. gesch. 2, 5. doppel- u. kontrastformeln: den spott zum schaden haben; den schaden zum spott behalten Schweinichen 51 Österl., eins zum andern. laster z laster thn Frisius 30b; das schlimmste zum schlimmen wird sich ereignen Göthe 25, 98 W. daher die adverbialen ausdrücke zu dem, zu diesem, zu alle dem, zu allen diesen dingen. verwandt sind ausdrücke wie einem die butter zum brote nicht gönnen. auch hat sich eine besondere art von zusammensetzungen daraus entwickelt wie zubrot, zugemüse, zumann, zuweib.
γ) hierher gehört das nachdrückliche dazu:

gevatern hiezen sie sich
und wârn gesellen darzuo
Stricker kl. ged. 6, 5 Hahn;

das ist eine dame und ein frauenzimmer dazu Fontane I 10, 338.
e) das ziel ist eine handlung oder ein vorgang.
α) am deutlichsten ist die räumliche auffassung, wenn eine wirkliche bewegung zu dem ziele führt:

geh hin zu deinem geschäfte,
gute biene
Herder 26, 11 Suphan;

flog gleich der mägde schar
zum dienst heran
Bürger 1, 155b Bohtz;

dasz, zum zwecke,
wasser fliesze
und mit reichem, vollem schwalle
zu dem bade sich ergiesze
Göthe 1, 215 W.;

fürchterlich schön ist er .. wenn er .. zum raube ausgeht maler Müller 1, 21; durch die gefahr ihrer ehre, ... angefeuert, folgten sie von einem schiffe nach dem andern zum kampfe Ranke 14, 7;

ein weib, das ziemlich früh das volk zur arbeit jaget
Rachel sat. ged. 39 ndr.


der begriff der wirklichen bewegung liegt energischen aufforderungen, ohne verb, zu grunde: zum essen! zu hilfe!

zum sturm! zum sturm! die hörner schreien! drauf!
Detl. v. Liliencron 1, 30.


handlung oder vorgang sind durch wozu oder dazu angedeutet: er soll thun wozu ihn sein natur treibt Lehmann floril. 1, 243.
β) ein durch zu mit einem eine handlung oder einen vorgang bezeichnenden subst. verbundenes verb der bedeutung kommen oder bringen bezeichnet das einsetzen und den abschlusz der handlung. besonders in der geschäftssprache des 19. jhs. treten so die subst. auf -ung und die infinitive als subst. massenhaft auf; obwohl als umständliche umschreibungen verpönt, sind sie entstanden aus einem wirklichen bedürfnis: die Römer ... z solchem fürhaben getretten ... seindt Xylander Polyb. 2; z der that kommen Hutten 1, 409; wider zu seinem vorhaben kommen Kramer 2, 1474b; zum werk schreiten 1477a; oder es (das talent) kam . bei dem mangel vollständiger vorbereitung ... nicht recht zur thätigkeit Göthe 46, 96 W.; vom zanken kamen sie (ein ehepaar) zum geschirrzerschlagen und zu körperlichen thätlichkeiten Schaffner Jon. Bregger 140; zur musterung schreiten acta publica 1, 5 Palm; unterzeichneten ... zu zwangsmitteln schreiten Brentano 5, 362; zu werk gehen Herder 21, 156, zu werke Göthe 21, 65 W. alte formel zu hilfe kommen s. th. 4, 2, 1324.
γ) desgleichen bei persönlichem object: einen zu etwas antreiben, zwingen, nöthigen, bitten, laden, beruffen Kramer 2, 474b; wo sind ietz unser rychen burger und burgerin, die man nit mag z bezalung bringen Keisersberg

[Bd. 32, Sp. 203]


bilgerschaft 1; do sie, ..., . gestüpft wirt z fröid der wält, z thantz, gsang, geschwatz und z grosserem Eb. v. Günzburg 1, 25 ndr.; was vor eine schwer verständliche veranlassung den autor zur verfassung dieses werckleins befürdert Grimmelshausen 2, 6 K.;

dich zu lieb und that entzündet
Göthe 6, 7 W.;

zum trinken stets gereizter schlund 6, 39;

wie soll sich da der sinn entwickeln,
der einzig uns zum rechten führt (Faust 4802) 15, 11;

hat man den feind zum weichen gebracht und will ihn weiter verfolgen Wilhelm I. milit. schr. 1, 242; am ende des jahres 1863 sah ich mich zu einer schriftlichen erörterung mit ihm genötigt Bismarck ged. u. er. 2, 17 volksausg.; die nicht im sinne des § 2 beschäftigten dienstpflichtigen können jederzeit zum vaterländischen hilfsdienste herangezogen werden gesetz über den vaterländischen hilfsdienst § 7; er ... risz die ermüdeten, ... armeen auf der ganzen linie zu neuem angriff fort Stegemann gesch. des kr. 3, 203; laden, bitten zu einer mahlzeit, einem gericht, einem fest, zur leiche, persönlich zu gaste laden, zu gevatter bitten. daraus die prädicative verwendung:

bei einem wirte wundermild
da war ich jüngst zu gaste
Uhland 1, 49.


δ) ebenso bei gegenständen oder verbalabstracten als objecten, bei deutlicher perfectiver bedeutung: eine maschine zum stillstand, einen zug zum halten, ein uhrwerk zum gehen, ein unternehmen zu fall, ein werk zur ausführung bringen, ebenso zur entwicklung, zur vollendung; ein stück zur aufführung, einen rechtshandel zum austrag, einen kampf, eine frage zur entscheidung bringen, führen, eine höchst lebendige und sich unbeschränkt ausbreitende ausdrucksweise, die schon in die grammatik gehört wie auch die als passivform angesprochene umkehrung: ein stück gelangt zur aufführung, die gesetzesvorlage zur verabschiedung u. s. w.: da er das manuskript des katers hätte genau durchgehen müssen, ehe er es zum druck beförderte E. Th. A. Hoffmann 10, 10 Grisebach; die sühneversuche brachten erst die innere feindseligkeit zum ausbruch Ranke 1, 125; jene anregung wegen der pfahlbürger ... wuszten sie 1512 zur vertagung zu bringen 1, 140; und so ist diese frage ... zur gemeinsamen berathung gediehen Savigny vom beruf uns. zeit 1.
ε) entsprechende verbindungen mit verbalsubstantiven zwang zur arbeit, nöthigung zur abreise, einladung zum fest, aufforderung zum tanz, überweisung zu einer beschäftigung gehen vielfach auf die richtungsbedeutung zurück s. DWB I.
ζ) hierher gehören manche feste verbindungen wie zu gange, zu stande, zu rande, zu wege, zu werk bringen und kommen: einen hauffen zegang bringen agmen concitare Maaler 513a; zu werck legen exequi Diefenbach 216a; zum werke schreiten Kramer 2, 1477a; derowegen so haben ihre majest. den an- und fortzug ihres . kriegsvolcks nunmehr zu wercke setzen lassen acta publica 1, 229 Palm. diese verbinden sich in persönlicher wendung auch mit adv. der art und weise, oft unter änderung des sinnes mit etwas zu rande, zu stande kommen, ferner in norddeutscher umgangssprache er ist heute mächtig zu gange, er ist mit ihm mächtig zu kehr gegangen; wie wir die zu kehr getrieben Klinger theater 4, 121. mit werk: beide liebhaber sind schon gewohnt, heimlich und vorsichtig zu werke zu gehn Göthe 21, 65 W.
zahlreich sind solche ausdrücke für kampf und krieg, von wirklicher bewegung bis zum einheitlichen ausdruck:

der fähnrich zog zum kriege soldatenlied.

zu kriege, zu streite, zu felde ziehen, kommen, schlieszlich ganz verschmolzen kriegszug, feldzug. mit wenigen soll man rath halten, mit vielen zu krieg ziehn Lehmann floril. 2, 619; zum treffen kommen Kramer 2, 1477b; mit den werbern z kampf tretten Schaidenreiszer

[Bd. 32, Sp. 204]


Odyssea 3b; Ulysses und Irus kummen mit ainander z straichen 76a;

da meint ich, wenn ich zschlag möcht kon,
so wölt ich ouch mit in darvon
H. R. Manuel weinspiel v. 349 ndr.


η) desgleichen alte und neue ausdrücke der rechtsprache to achte dun Sachsenspiegel 13, 326 (III 34, § 12) Hohmeyer; to borge dun 13, 226 (70 § 2); to kampe gan 197; z bann tn Diefenbach 215a; dz ich ... z peinlicher straff gezogen, und unerfordert einiges rechtens z dem tot geheyschen werde Hutten 1, 412; diese bösewichter zur strafe ziehen Forster 2, 93; jemand zur rechenschaft, verantwortung ziehen; etwas zu treuen händen übergeben; zu treushanden geben, lassen H. Sachs 9, 385 K., legen klugr. 22a.
f) das ziel sind geistige vorgänge.
α) solche, die irgendwo im leibe ihren ort haben. an zu augen, zu ohren kommen, s. o. sp. 197, schlieszt sich zu gesicht, zu gehör kommen, bringen und weiter zum bewusztsein, zur kenntnis kommen, bringen in immer freierer verbindung, die in sich eng zusammengeschlossen die eigenbedeutung von zu ganz unterdrückt. die bedeutung ist durchweg ingressiv: die insel ... kam uns am folgenden morgen zu gesicht Forster 2, 157; wenn uns ein ... auf's gute und vortreffliche ... gerichteter schritt zur ansicht kommt Göthe IV 41, 116 W.; da kamen die wunderlichsten gestalten ... zum vorschein IV 8, 92; mit diesen gespenstern ... die nicht so zur erscheinung kommen, wie sie sollten Göthe bei Eckermann 3, 138; jedes neue jahrzehnd ... hat neue aufruhre zur schau geführt Zschokke 9, 1; söliche red und wort dem parfusser münch inquisitore z gehöre kamen Arigo dec. 42 K.; im Melchisedech der jude ze gedancke kam venne a memoria 33; von demselben ich vil ding ... gehört, und z gedächtnus gefast habe Schwarzenberg Cicero 65b; derselbe . war zu etwas miltern gedanken gerahten Bucholtz Herkuliskus 47; nun gelangen dessen (des Theognis) rätselhafteste worte zum klarsten verständnis Göthe 41, 2, 213 W.; er (der arbeiterausschusz) hat anträge, wünsche und beschwerden ... zur kenntnis des unternehmers zu bringen ges. über d. vaterländ. hilfsdienst § 12.
β) noch weiter geht es, wenn die fähigkeit zum denken als das ziel erscheint: wider z einem gten verstand kommen, wider z vernunfft oder sinnen kommen Frisius 1152b; dieses bringt sie (die trunkenbolde) nit allein zu unvernunfft, sonder auch zu verkerung der sinn Ambach vom zusauffen c ia; so konnte Lord Byron nie zum nachdenken über sich selbst gelangen Göthe bei Eckermann 1, 204;

wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu verstand!
Göthe (Faust 7874) 15, 146 W.

in besonderem sinne zur besinnung, zu sinnen, zum bewusztsein kommen: das ist . das beste, dasz sie zeitlich wieder zu sinnen kompt Grimmelshausen 2, 563 K.;

von dem wilden sang erwecket,
kam nun Apo auch zu sinnen
Brentano 3, 57.

von der sache, die einem einfällt: wie es niemant ze sinn kam Frisius 363b.
γ) oder das ziel ist ein einzelner gedanke: nun kam er zufälligerweise ... zu dem einfall, allein ganze stücke ,. vorzustellen Göthe 22, 117 W.; jene schilderung führt unmittelbar .. zur betrachtung, dasz 46, 25.
g) das ziel ist das sprechen oder auch schreiben, der redner kommt zu(m)worte, der gegenstand zur sprache: da ward er mit der wirtin reden, daz sie z red kamen, daz er alt beltz künd weschen Eulenspiegel 46 ndr.; wie ... Robertus mit dem gelerten man z worten kumpt Wickram 2, 130 Bolte; der herr liesz mich nicht zu worte kommen Eichendorff 3, 66; einen brief ..., wodurch er die angelegenheit endlich zur sprache bringen wollte Göthe 21, 96 W.; während ... das göttliche in Christo ... von ihm zum ausdruck gebracht worden ist D. Fr.

[Bd. 32, Sp. 205]


Strausz 3, 22. zu einer sache kommen, schreiten u. ä. heiszt danach 'auf sie zu sprechen kommen': so kam er doch früher oder später immer zum altertum, besonders zum griechischen, zurück Göthe 46, 25 W.; nun zu der witterung, als einem haupterfordernis der reise- und badetage IV 33, 28. hierher gehört dem sinne nach: die ... landsknechte ... gingen miteinander zu rath Brentano 5, 449, älteres ze radt werden Frisius 265a.
h) als ziel erscheint ein zustand. der ausdruck hat immer perfective bedeutung, so haben sich viele feste wendungen perfectiven sinnes ausgebildet wie zum amte, zur regierung, zu ansehn, geltung, bedeutung gelangen, kommen. äuszerer zustand: und kam also z armt Fortunatus 5 ndr.; sobald er zu seiner ihm gemäszen freiheit gelangte Göthe 46, 24 W. mannigfache verbindungen mit ruhe, von sich zur r. begeben, jemand zur r. bringen bis sich zur r. setzen 'sein geschäft aufgeben', und älterem sich zu ruh geben, jemand zur ruh lassen 'zufrieden l.' Calepinus vii ling. 1, 17a, noch schles. Drechsler festschr. Breslau 682, so auch zu frieden, s. bei zufrieden. entwicklungszustand oder daseinsform: zur zeitigung gelangen Kramer 2, 1477c; sie (die mutter) kommt mit ihm (dem kind) zum keimen und blühen Schaffner Jon. Bregger 135; einen entschlusz zur reife bringen Göthe 21, 97 W.; dem schönen lauf zur vollendung entgegen II 6, 5;

lieber zurück zum thier
als ein betrognes weib
H. Eulenberg alles um liebe 49 (III 7).

gradbezeichnungen: in einer zeit, in der es das papier und der buchstabe zu einer bedeutung gebracht haben, wie ... vor tausenden von jahren bronze und eisen Schaffner Jon. Bregger 16;

zum äuszersten soll's ja nicht kommen
Schiller 12, 154 G.

ausdrücke des erfolges oder miszerfolges: es soll mir eben dieses jahr nichts zum glück schlagen Göthe IV 27, 197 W.;

auch der esel kommt zu ehren 2, 162 W.;

keine macht, die .. alles zu unserm besten lenkt? 21, 107; wenn ich zu gnaden kommen will Gotthelf 10, 261; zu verlur gehen Thurneysser alchymia 134; Guarinonius grewel d. verwüstung 1060; wobei seine kaffeetasse zu schaden kam Schaffner Jon. Bregger 128; hierumb ir teutschen secht wer euch ... in fremden landen z nachred bringe Hutten 1, 417. ebenso zu nutze, statten, zu ehren, zu schanden, zu schulden bringen, kommen, sich etwas zu schulden kommen lassen. älter zu fug, zu pasz, zu steuer kommen. s. u. IV 2 i γ.
i) hierher gehören viele ausdrücke vom 'geboren werden' und 'sterben', von räumlich getrennter bis zu einheitlich abstracter auffassung: ein knäblein kan in dem sibenden monat vollkömmlich zu der welt geboren werden Harsdörfer teutsche secretarius 1, 397; alles was zum leben hervortreten ... soll, musz eingehüllt sein Göthe II 6, 14 W.; zur welt bringen, kommen; zum leben kommt man doch, man weisz selbst nicht wie E. Th. A. Hoffmann 10, 16; das diser dot wider z dem leben kum Gebweiler besch. d. lobs Marie 17b; die element, die ersten anfäng eines dings, ausz welchen es zu seinem wesen kompt Calepinus xi ling. 469a. vom sterben, räumlich: in dem munde einer zum tode gehenden heldin Göthe bei Eckermann 3, 129; so vr die sele von me lichnamen zun ewigen gnaden altd. pred. 1, 139 Schönbach; zum himmel, zur hölle fahren, früher zu h. Frisius 4b; er fr ... z got Keisersberg bilgersch. 1; entpfoch mich .. z dir 1; zum vater gehn von der erden P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 335b. heute mit adverbialer best. auf eine schreckliche weise zu tode kommen und unpersönlich es geht zum sterben, zu ende: es geht mit mir zu ende Göthe IV 8, 9 W. hierzu das biblische: und Isaac ... ward versamlet zu seinem volck, alt und des lebens sat 1. Mos. 35, 29; danach segnet er sie, und ward versamlet zu seinen vetern 1. Makk. 2, 69.

[Bd. 32, Sp. 206]



k) ein zustand des gemüths ist das ziel: reytzen zm zorn irritare Dasypodius 402a germ.-l.; bewege z zorn l.-g. 192a; z barmherzigkeit bringen, zu erbärmd bewegen 31a; uber welche that könig Ludewig ... zu grossem trauren kam Stumpf Schwytzerchron. 200a; von dem glücke ..., zu dem mich dieser sonderbare seitenweg geführt hat Göthe 22, 7 W.; eine wahrheit .., die ihn zur verzweiflung bringt 21, 124 W. so auch von äuszerungen des gefühls: zum lachen, weinen bringen; eine rede in versen, wodurch die ganze familie ... zu thränen bewegt wurde Göthe 21, 139 W. vgl. u. IV 2 f. aber es erscheinen auch herz und gemüth als ziel, oft noch in deutlich räumlicher auffassung: jeder klageton geht ihm ... wie ein pfeil zum herzen! Herder 5, 15.
danach einheitliche formeln der älteren sprache: etwas zu herzen fassen Frisius 185b; 388a; 1189a; das fasset er so hoch z hertzen, dasz er 7 tag lang weder essen noch trinken wolt Stumpf Schwytzerchron. 264a; fasseten zu gemüt ..., wie grosse schäden .. sy entpfangen Schaidenreiszer Odyssea 42b; di red gieng mir gar hoch z mt Schwarzenberg d. teutsch Cicero 151a. heute allgemein sich etwas zu gemüthe, zu herzen nehmen: es scheint, dasz der arzt und die natur sich diesen tyrannischen spruch zu gemüthe genommen haben Göthe IV 27, 6 W.; die rätin ist doch keine frau, die sich so etwas zu herzen nimmt Fontane I 6, 35; einem etwas zu gemüthe führen.
III. die bedeutung des erreichten zieles geht über in die des seins an diesem ziel, indem die wortgruppe mit zu, als einheit gefaszt, sich an ein ruheverb. und weiter an das verb. sein anschlieszt: er geht, liegt, ist zu bett. ein weiterer schritt ist es dann, dasz die wortgruppe als ortsbestimmung dem übrigen satz gegenüber selbständig wird. neben diesem syntaktischen vorgang geht der bedeutungswandel, durch welchen viele richtungsverba des mhd. im nhd. zu ruheverben geworden sind, wie stehen, sitzen, liegen. das ganze spielt sich durchweg in festen verbindungen ab, die mit richtungsbedeutung sich aus gebildet haben, in denen zu zum bloszen ausdruck irgend einer örtlichen beziehung wird, während die ruhebedeutung in dem ganzen ausdruck enthalten ist. so kann zu nebeneinander in scheinbar entgegengesetzter bedeutung auftreten: do unser herre der heil. Crist geborn was zu Bethlehem ..., do quamen dri künige uz Osterlant zu Jherusalem altd. pred. 1, 153 Schönbach (Luther hat an der zweiten stelle gen); wenn du dieses merkest, so behalte sie (die schweine) zu hause und treibe sie nicht zu felde viehbüchl. (1667) 79. wie sich aus der richtung das lageverhältnis und daraus der begriff der ruhelage entwickelt, ist oben unter I 3 ausgeführt.
1) dieser vorgang zeigt sich auf deutschem boden allgemein, u. zwar schon in den ältesten denkmälern, während das ags. at behielt (vgl. o. sp. 168, 3) u. erst aus neuengl. maa. ähnliches für to angegeben wird: he lives to home, to Gosport engl. dial. dict. 6, 171. doch beschränkt sich die ruhebedeutung im ahd. und as. auf die verbindung mit ortsnamen und superlativen Graff ahd. präp. 248. erst im mhd. u. frühnhd. breitet sie sich mächtig aus, s. mhd. wb. 3, 853, Benecke wb. zu Iwein3 307. es kommen sogar vereinzelt verbindungen mit personen vor, s. u. 2 a β und 6 δ. das nhd. lehnt die ruhebedeutung auszerhalb der ererbten gebrauchsformen ab und zieht, wenn es auf das räumliche ankommt, andere präpos. vor: der kranke liegt zu bett, der gesunde im bett; die herrschaften sind bei tisch, sagt das dienstmädchen, man sieht sie am tische sitzen, aber er ist zu tisch heiszt 'er ist fortgegangen, um zu mittag zu essen', worin ein rest der vorstellung vom wege dahin enthalten ist. dann braucht man immer zu: er ist zur schule, zur kirche, zur stadt, zur sitzung, zum konzert; er ist bei uns zu besuch; wo er zum tee bei den geschwistern blieb Mörike 3, 28.
a) die ruhebedeutung erscheint in enger verbindung mit sein, liegen, sitzen bei allen in der richtungsbedeutung vorkommenden wörtern, vor allem dann ohne artikel, wie zu bette, zu felde, zu holze, zu walde, in engerer

[Bd. 32, Sp. 207]


verwendung zu tage liegen (urspr. bergm.), zu grabe liegen, ein zu anker liegendes schiff Harsdörfer gesprechsp. 4, 70. älter zu himmel, zu hölle, zu herberge sein, liegen. zustandsangaben: zu ende sein, zur ruhe, zu frieden sein, bleiben, zu grunde liegen, früher zum grunde, zuletzt bei kaiser Wilhelm I. mil. schr. 1, 6, nur noch übertragen zu boden liegen. zur stelle sein Tieck 4, 397; Brentano 2, 49; zur tafel sein Rachel sat. ged. 96 ndr. zur see fahren vom seemannsberuf: wer vor schiffer oder steurmann will zur see fahren Manson seebuch (1701) 4. eine ähnliche worteinheit ist zu gericht sitzen, gelegentlich freier:

sitzen vor den pyramiden,
zu der völker hochgericht
Göthe (Faust 7246) 15, 121 W.

andere freiere verwendungen lassen ihr vorbild erkennen: und so wäre der erste bärenhäuter zur welt Brentano 5, 462; wir wollen ins haus gehen ... die thiere sind auch schon zu quartier Storm 1, 105; der könig war bereits zum schlaf, als gemeldet wurde, dasz sich in Rezonville ein zum nachtquartier geeignetes haus gefunden habe Fontane occupation 206. auf die ruhebedeutung beschränkt ist neuerdings durch schulregel u. 'guten ton' zu hause (s. o. sp. 196 und hierunter b α).
b) schärfer tritt die ruhebedeutung in der syntaktisch selbständigen adverbialen und in der attributiven verwendung hervor. früher war sie weit über das formelhafte hinaus üblich: das sy (die bauern) ... zu feld sicher leben S. Franck weltb. 193b; zwo nymphae dienten im zu tisch C. Scheit frölich heimfart d iia;

hunde die zu tische schmeicheln
Logau 1, 555;

bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget
Rachel sat. ged. 21 ndr.

(ortsbestimmung gegen zur see bei a); welcher zu weg bawt, musz red lassen für oren gahn Wickram 4, 98; lutt man sturm mit der grossen gloggen zum münster Platter 77 Boos; bedaucht in seltzam, dasz die heiligen z himmel so vil begird nach gelt und gt hetten Stumpf Schwytzerchron. 200b; neben andern .. inslen, die man z aussgang des Rheyns sihet 3b;

zum ersten: wann hoch ich, im fürstlichen rathe,
zu throne mich zeige im kaiser-ornate
Bürger 66b Bohtz.

zeitlich: da zum ewigen libe ist vil gut wesen altd. pred. 1, 173 Schönbach. heute beschränkt sich diese verwendung auf bestimmte fälle.
α) sie erscheint in bestimmten wortverbindungen, nämlich der art zu ende, zu anfang: zu ende der wiese .. lag ein wirtshaus Brentano 5, 453;

zu mitten dieses zorns so denk auch deiner gnaden
Fleming lit. ver. 1, 450.


weiter zu hause, zu wasser, zu lande, mit anderer bedeutung hier zu lande, gerne in den paarigen ausdrücken zu wasser und zu lande, zu hause und zu hofe, gelegentlich noch zu tisch und zu bett als formel für die eheliche gemeinschaft. endlich das zeitliche zur stelle und die lagebezeichnung zu füszen, zu fusze s. sp. 170. diese ausdrücke werden gerne attributiv gebraucht: ein weihnachtsfest zu hause, eine reichstagswahl hier zu lande;

als leiter zu land und see
Göthe 6, 9 W.


β) zu als andeutung eines beförderungsmittels oder -weges, beschränkt auf ganz wenige ausdrücke: zu pferde, zu fusz, zu wagen, zu schiff, zu wasser, zu lande reisen u. ä.; für sie mögt ich nichts aufpacken als gypssachen, die zu wasser gehn könnten Göthe IV 8, 84 W.; der ... weg ... wurde zu wagen zurückgelegt Storm 1, 8; so konte man eher zu schiffe von einem orte zum andern kommen Heilmann gesch. des pelop. krieges 9. so auch vom kampfschauplatz: z mer streiten Fischart glückhafft schiff 3 ndr.; von den Ephesiern .. zur see bei Kyme geschlagen Mommsen röm. gesch. 2, 54. andere verbindungen erscheinen nur mit diesen

[Bd. 32, Sp. 208]


zusammen oder gegen den gebrauch: zu kutsche in carrozza Kramer 2, 1474c; der alten schachtel seye dieser habit sonderlich zu esel .,. überaus wol angestanden Grimmelshausen 2, 33 K.; von Lübeck nach Hamburg zur achse (gereist) Holtei erzähl. schr. 1, 115; bald zu bahn, bald zu fusz Schaffner Jon. Bregger 161. sonst reist man mit der bahn, mit einem dampfer, auf einem elefanten, und Frisius unterscheidet: es seye z wasser, z rosz oder auff der ax 42a. frei:

nur durch die haine!
zu stock und steine!
(über stock und steine)
Göthe 15, 232 W. (Faust 9780).

ausgegangen ist diese ausdrucksweise von zu pferde 'beritten', s. vor. sp. a:

doch die röm'sche reiterei
rettete sich in das frei,
denn sie war zu pferde
Scheffel werke 6, 188;

mit einem jungen menschen, der zu pferde herbeikam Göthe 21, 69 W.; vom rossz oder z rossz streyten Frisius 489b;

heten si dô gevohten
ze rosse mitten swerten
Hartmann Iwein 7117;

ze rosse huop sich der strît 6988.

in paarung damit oder in gegensatz dazu tritt zu fusz:

wie wol si strîten kunden
ze rosse und ze vuoze! 6993;

es seye ze rosz oder ze fsz Frisius 153a; z rosz und fsz gerüst Schaidenreiszer Od. 35b; die kranckheit kompt gemeiniglich daher geritten, und hinckt zu fusz hinweg Lehmann floril. 1, 467; Wilhelm eilte zu fusz durch das gebirge voraus Göthe 22, 34 W.;

und trab zu fusen übers feldt
H. Sachs 9, 19 K.


entsprechende attributive verwendungen: eine reise zu fusz; jäger zu pferde; drey hundert z rosz Xylander Polybius 10; vier tausent z fsz 41; niederlagen zu wasser und zu lande; unternehmungen zur see; leutnant zur see. abweichend in der form und im gebrauch etwas eingeschränkt zur see: so dasz man die verbindung mit Aquileia nur zur see noch unterhielt Mommsen röm. gesch. 2, 185. weiter hat sich hieraus gebildet gut zu fusz, nicht gut zu fusz sein; nit wol ze fsz Frisius 46a; 591a.
γ) wohl die älteste ruhebedeutung haben die verbindungen mit superlativen, die eine endlage bezeichnen, s. Graff altd. präp. 167. sie haben heute nur ruhebedeutung und sind regelmäszig mit einer genaueren ortsbestimmung verbunden, während ursprünglich die richtung nicht ausgeschlossen war: unde daz liehta fiur beite ze oberôst, tiu suâra erda sinche ze niderôst Notker 1, 291 P. auszer den ganz zur worteinheit gewordenen zuerst und zunächst sind es die paare zu oberst, zu unterst, zu vorderst, zu hinterst, zu innerst, zu äuszerst, zu höchst, zu tiefst, die drei letzten von den gradbezeichnenden zum äuszersten, höchsten, tiefsten unterschieden. diese adv. scheinen jetzt mehr schriftmäszig zu sein: ich satzte mich nun gantz zu oberst Chr. Reuter Schelmuffsky 18 neudr.; zuoberst im hintergrunde steht die orgel G. Forster 3, 359; ganz zu unterst auf dem boden des koffers lag die silberne uhr Droste-Hülshoff 2, 300;

der (falke) ist so lerchenklein zu seh'n
zuhöchst im himmelsdome
G. Keller 9, 57.

auch im sinne des durcheinander vgl. sp. 191 ζ:

mei keller is hoch,
mei scheuer is tief,
zu oberst, zu unterst —
da lag ich und schlief
Göthe 3, 57 W.


2) bei ortsnamen.
a) bei ortsnamen hat zu schon in ahd. und altsächsischer prosa die ruhebedeutung angenommen, im Heliand nicht.

[Bd. 32, Sp. 209]



α) diese enge verbindung mit den ortsnamen hat sich vermuthlich in solchen fällen ausgebildet, wo noch eine allgemeine richtungsangabe erläuternd hinzutritt, wie es dem altepischen stil eigen war. als syntaktisch untergeordnete gruppe kennzeichnet sich die verbindung mit zu auch dadurch, dasz es immer schwachtonig ist und in den die formen unterscheidenden maa. und in den crit. ausgaben hier für ze nie zuo erscheint:

thô uuarð thar gisamnod filu
thar te HierusalemJudeono liudio, Heliand 97 Behaghel (ähnlich 791; 951; 4545);

geuuêt imu thô mid is iungoronfan them gômun ford
Kristus te Kapharnaum,cuningo rîkeost,
te theru mârun burg 2088f.;

tô uuard taz ten cheiser lusta, daz er Dioterichen uriuntlicho ze houe ladeta, tara ze dero mârun Constantinopoli Notker 1, 5 P.;

dô si ze Bechelârenkômen in die stat Nib. 1105, 1;

er wolde varn von lande
ze Britanje in daz lant
Hartmann Erec 5649.


β) die beiden richtungsbestimmungen verbinden sich enger, dann wird ze mit dem ortsnamen zum attribut und kann als solches sich an eine ortsbezeichnung in beliebiger verwendung, auch als ruheangabe, anschlieszen:

die vursten lobeten dô ain sprâche
hin ze dem stuole ze Âche kaiserchron. 16943;

so er si dann brahte under daz tor ze Jerusalem Seuse 37 B.; taz zuêne chuninga nordenân chomene, einêr imo den stuol ze Romo undergieng Notker 1, 5;

diu burc ze Bechelârendiu was ûf getân Nib. 1258, 2;

er wolt ouch gerne gebeten
ze Rôme in der houbetstete kaiserchron. 14 327;

ich wil iu immer fremde sîn
ze Britanje in dem lande
Hartmann Erec 1131 (ähnlich 2346);

to Lutsenborch op de mueren
daer loopt een water claer
Uhland volksl. 1, 293;

ich wohnte mit meiner mutter,
zu Köllen in der stadt
Heine 1, 148 E.;

zu Aachen im alten dome liegt
Karolus Magnus begraben 2, 434 E.;

im landt z Meissen kam ain predicant ainen krancken z versehen Nas antipap. eins und hundert 2, 244a. fest ist die verbindung in der stat ze Wormʒe u. ä. s. th. 10, 2, 422, 2.
γ) so hat diese verbindung auch für sich allein die ruhebedeutung:

ce Kolne was her gewîhet bischof Annolied 109 Rödiger;

dienstman was er ze Ouwe
Hartmann arme Heinrich 5;

... sîn manlîchiu kraft
behielt den prîs in heidenschaft
ze Marroch unt ze Persîâ
Wolfram Parz. 15, 17;

dô sprach der künec Gunther'ir sult uns wizzen lân,
wenne si die hôchgezîtzen Hiunen wellen hân' Nib. s. 226, 7 Zarncke.


δ) auf einem anderen wege kommen engl. maa. zu ähnlichem ausdruck: he lives to Grimsby ward noo, he lives over to Gosport engl. dial. dict. 6, 171. die lage wird hier von einem punkte aus gesehen, vgl. o. I 3.
b) heute hat zu bei ortsnamen nur die ruhebedeutung, erscheint aber nur in verbindung mit städtenamen ohne artikel, nie bei flusznamen, die ja den artikel fordern, gegenüber mhd. ze Rîne, bei ländernamen nur in festen attributiven verbindungen, während die adverbiale verbindung früher vereinzelt vorkam, im 19. jh. aber nicht mehr belegt ist: z Beyern ist ein narr gewesen klugr. (1548) 90a; dasz zu Arcadien ein armer baursmann were 50a; Herkules ... der überall zu Italien tempel hatte Wieland Horazens sat. 2, 199.

[Bd. 32, Sp. 210]



α) auch bei städtenamen hat zu einen alterthümlichen klang und gehört dem schriftmäszigen ausdruck an, während es der gesprochenen sprache fremd ist. so brauchen wir es zur angabe des geburtsortes, des ortes der ausfertigung einer urkunde, eines druckes: da Jhesus geborn war zu Bethlehem, im jüdischen lande Luther; Wolfgang Göthe, geboren zu Frankfurt am Main, am 28. august 1749; geben zu Wormbs, den 3. septemb. im 1551. jar Scheit Grobianus 7 ndr.; eynes was gedruckt z Wittenberg Vogelsang-Cochlaeus 2 ndr.; zu Hamburg bei Georg Papen im 1651. jahre Zesen rosenmand, titelbl. auch bezeichnet es niemals ein räumlich gefasztes sein, wo es für in gebraucht wird, sondern bezeichnet meist ein dauerndes verhältnis zu dem orte als einheit menschlichen zusammenlebens, und auch bei vorübergehender berührung in seiner beziehung zu dem vorgang als seinem schauplatz, vgl. Campe 5, 881b; Weygand synonymen 3, 1169: an den herrn professor Gall zu Wien. hier ist alles genau bezeichnet, ich weisz nun, dasz Galls aufenthaltsort Wien ist, dasz er dort eine anstellung als professor hat Fr. L. Jahn 1, 93; zu Rom, zu Paris seyn, wohnen, leben Kramer 2, 1474c; collegio Carolino zu Braunschweig Lessing 7, 5 M.; wann Nürnberg mein wer, so wolt ichs z Bamberg verzeren sch. w. klugr. (1548) 82a; B. ... studierte zu Halle die rechte Göthe 46, 15 W.; monsieur Blaire, ein Engländer, der sich zu Genf aufhält 19, 249; zu Seldwyl bestand ein kammachergeschäft G. Keller 4, 216; aber die leute zu Sodom waren böse Luther; meynung Huldrichen Zuinglis z Zürich geprediget Zwingli von d. freiheit der speisen 1 ndr.; weil er ... als schulmeister der oberste zu Rumpelskirche wäre Chr. Weise die drei ärgsten erznarren 8 ndr.; auf dem tournier zu Worms Pfeffel pros. vers. 1, 115; dies alles (die kapitulationsverhandlungen) war zu Frescaty Fontane occupation 218.
β) die räumliche berührung schlechthin bezeichnet zu nach verben wie ankommen, anlangen: er gelangt endlich zu Drepanum an Ramler einl. in die schönen wissensch. 2, 192; Wilhelm kam zu Hochdorf an Göthe 21, 137 W.; als der kaiser zu Worms erschien Ranke 1, 122.
γ) zu nach einem fürsten- oder herrentitel bezeichnet ursprünglich den wohnsitz, dann noch lange das herrschaftsverhältnis, besonders bei ländernamen; der unterthänige ausdruck verlangte es: Peleus ain herr z Pylo Schaidenreiszer Odyssea 47b; groszfürsten im Finsterstall ..., und niderherren zu Nullibingen Fischart geschichtklitt. 1 ndr.; dem allerdurchleuchtigsten, groszmechtigsten, unuberwindtlichsten fürsten und herrn, herrn Maximiliano dem andern, erwehlten römischen keyser, ..., zu Hungern, Böhem, Dalmatien, Croatien ... könig, ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgund Fronsperger kriegsb. vorr. I a 2a. noch im 18. jh. heiszt es churfürst zu Sachsen, doch wird dieser gebrauch als fremdartig empfunden. Heynatz sagt, könig zu Böheim gehöre nicht zum guten gebrauch 2, 672 und Campe findet zu ungut in fällen wie der vormalige kurfürst zu Maynz 5, 881b. das von ihnen vorgezogene von ist heute auszer in höfischen kanzleiformeln allein üblich. dagegen unterscheidet man den herzog zu Sachsen als titelträger von dem regierenden herzog von Sachsen. vielfach in namen des älteren adels: Johann Jakob graf und edler herr von und zu Eltz, Alexander burggraf und graf zu Dohna-Schlobitten gräfl. taschenb. (1921) 288.
δ) an die attributiven formeln haben sich auch ange schlossen die bezeichnungen von gebäuden, klöstern, kirchen nach den heiligen u. orden, von bürger- u. noch immer wirthshäusern nach ihrem abzeichen. eine liste solcher häusernamen bei Kehrein ahd. u. mhd. wörter aus lat. urk. 67 f.: in der ... kirche zu St. Joseph Göthe 24, 48 W.; bei einer reparatur am kirchendache zu Sankt Georg O. Ludwig 1, 146; in dem ... brünnlein, in dessen nähe die gnadenkapelle zum guten wasser steht Stifter 51, 29; ich war einige zeit discantist zum heiligen Kreuz O. Jahn Mozart 1, 4; es was zuo Meiland ein guardian zuo den barfüssern Pauli sch. und ernst 54;

[Bd. 32, Sp. 211]


starb hie ze Costentz und lit z den predigern Richental Constanzer conzil 46; wann ich burger und seszhaft ze Constenz was, z dem guldin bracken 13; burger und wirdt z der blmen z Colmar Wickram 3, 3; ich kehrte im gasthof zum römischen kaiser ein Steffens was ich erlebte 4, 16. von der vorstellung des abzeichens entfernen sich jüngere bezeichnungen: zur stadt Hamburg, zur schönen aussicht, zur wald- und wasserfreude Storm 5, 265; sogar zum deutschen hause; zum Langen hus schon 1290 in Frankfurt Kehrein 67. ferner z' heeren die wohnung des pfarrers Gangler 489.
ε) ortsbezeichnungen mit zu, als bestimmungen von personen durch haus- und hofnamen, sind in groszer menge zu familiennamen geworden, das Hamburger adreszbuch von 1919 enthält z. b. Zumbach, Zumbeck, Terbeck, Torbeck, Zurborg, Terborg, Thorborg, Zerbrüggen, Terfloth, Zergiebel, Zurheiden, Terheyde, Zurlinden, Zurmühlen, Tormählen u. s. w. alte namen der art Gotzo zu dem birbaume, Elizabet zur somerwunne Kehrein 70 f.