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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zottelmütze bis zottelwolf (Bd. 32, Sp. 134 bis 135)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zottelmütze, f.: eine baumwollene zottelmütze, in gestalt der alten stutzperrücken Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers 7, 29.
 
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zotteln, v. , vereinzelt zötteln: er .. zöttelt betrübt zur hellen Ayrer histor. processus juris 492. es kommt wohl in allen ober- und mitteldeutschen maa. vor Gombert bem. u. ergänz. 5, 5, Brendicke 196a, Albrecht 241b (vgl. XIV), Hertel 266, Crecelius 936, Follmann lothr. maa. 560, Martin-Lienhart 2, 921, Schmid schwäb. wb. 550, Seiler 327a, Schmidt id. bernense bei Frommann 4, 153a, Schöpf 831, Höfer 3, 340, Loritza 148, Unger-Khull 654, Lexer kärnt. wb. 260, nd. toddeln Danneil 224a. es bezeichnet fast überall einen nachlässigen, unsichern, unschlüssigen gang, 'laxis membris incedere' Schmidt, dann 'ohne festes ziel einhergehen'. der zusammenhang mit zottel, zotte beruht wie bei zotten und zottern auf alltäglicher, derben anschauung, es ist ursprünglich das hin- und herbaumeln der verschmutzten und verkletteten behaarung des viehs (schaf, ziege), vgl. bei zotten reiszen, und zotte. daraus ergab sich einerseits 'nachschleppen von kleidern im schmutz', andrerseits die übertragung auf personen, die hinter einer andern her zotteln, weiter auf das langsame, nachlässige gehen. dieselbe anschauung liegt andern wörtern zu grunde, die in der sprache ohne deutliche etymologische beziehung selbstständig auftreten wie zoffmagd, zottelmagd, zottmagd, zottel (zodel), gezotter, zottlete, zotterte 'hinterdrein gehendes gefolge' Stalder 2, 478, Seiler 327a.
1) 'mit kothigen und zerschleppten kleidern gehn' Frisch 2, 481c.
2) 'in fetzen heraushängen': hauwet in (den suchhund) nun ein schwein, dasz die derme zum leib aus zotteln Kirchhof wendunmuth 1, 69. vgl. den beleg aus Neander bei zotten 2.
3) hinter einem her zotteln, einem nachzotteln Stieler 2634: die kinder zotteln hinter dem vater her Albrecht; zotteln 'nachlaufen' Gottsched d. sprachkunst 115; ich fragte, wies doch kehm, dasz derselbe hinderste mann sich nicht zu den fördersten gesellte, sondern allzeit hinder ihm her zodelte? da gaben sie mir zur antwort, es wer sein reisiger knecht (eines vornehmen reisenden) Sohle don Kichotte 276; ein alter herr zottelt hinter seiner frau und tochter Castelli 10, 188. vgl. DWB nachzotteln th. 7, 237 'nachgehn, durch dick und dünn mitlaufen', mitzotteln Frisch 2, 481c.
4) die weiterbewegung wird ausgedrückt durch adv. her, daher, heraus, herauf, herum, heim: herzotteln, einherzotteln Steinbach 2, 1121; also zottelten sie unverrichter sachen widerumb heim zu ihrem Grandgusier

[Bd. 32, Sp. 135]


Fischart geschichtklitterung 347 neudr.; man .. alle .., wan sie .. auszerhalb der zugordnung daherzottelten, .. merode-brüder nante Simplicissimus 331 neudr. Kögel; in deme er wie ein italienischer hausierer damit herumb gezottelt Prätorius vom Katzen-Veite D 5b; allenthalben zotteln sie (die quacksalber) mit wie die budelhund mediz. maulaffe 978; seht doch was kommt dort vom wald herauf gezottelt Tieck 3, 138; und da fällts euch gerade ein, hinter mir drein zu zotteln Eichendorff 2, 37.
5) für sich allein ist es nachlässiges, schlenkeriges gehen, meist mit der betonung des langsamen, so auch vom reiten, vgl. DWB zotteltrab. die verwendung ist beeinfluszt durch das klangverwandte zockeln: also zottelten wir alle drey auff einen volkreichen platz Grimmelshausen 2, 49 Keller; zu hause zotteln sie in leinwandkütteln Chr. Weise drei ärgsten erznarren 159 neudr.; schwerfällig hob er sich vom lager (der bär) und zottelte brummend in den wald Musäus volksmärchen 3, 19 Hempel; an ihrer (der groszmutter) hand zottelt Johannesli Gotthelf 4, 114; und ich kann nach haus zotteln zu fusz Ebner-Eschenbach 4, 386; es passieret allerlei über die herzogliche chaussee, und das getränke ist auch nicht unter allen schenkenzeichen dasselbe, und dann zottelt man auf seinem alten gaule in die kreuz und quere Raabe Abu Telfan 1, 68.
6) zotteln für 'ziehen an einem wagen', arbeiterausdruck Göhre denkw. u. erinn. eines arb. 2 124. in Berlin 'umziehen', vgl. zockeln.
7) participiale adjective knüpfen in der bedeutung unmittelbar an die subst. zotte, zottel an. gezottelt: kugeln (gugeln), die hatten lappen, die waren verschnittn und gezattelt Limpurger chronik nach Frisch 2, 481c. als hexameterwort bei Voss:

... zwei jungen der rauh gezottelten bärin Ovids verwandl. 2, 324;

und dir, schön am altare gestellt, der gatte der ziegen,
purpurnes blut hinström' aus der gezottelten brust ged. (1802) 6, 293.

ebenso verzottelt: verzodelder kerl, med verzudelden hâren Hertel thür. sprachschatz 266.

schon entmähst du dir gern den verzottelten bart mit der hippe
Voss Ovids verwandl. 2, 319.


8) mundartlich ist es auch transit. in dem sinne von zetten, verzetteln Pfister nachtr. 346; Follmann lothr. maa. 560, els. verzotteln Martin-Limhart 2, 920b. etwas anders mnd. töddern 'durchschlagen durch ein sieb' Schiller-Lübben 4, 558a (aus d. Hamburger kochb.). auch intr.: das korn toddelt aus einem loch im sack heraus Danneil. in der kundensprache heiszt zotteln 'stehlen': der letzte, mit dem ich tippelte, hat mit mir eine staude gezottelt (ein hemd gestohlen) und ist dann verduftet, der lump! Paul Barsch von einem, der auszog 2, 125.
 
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zottelpelz, m.: die groszbären, ... mit .. stummelhaftem schwanze und dichtem zottelpelze Brehm thierl. 3 2, 213; der schlanke Ungar mit rundem hute, schnurrbart, zottelpelz (schafpelz) und flatternden weiszen beinkleidern Stifter 3, 198. —
 
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zottelpintscher, m. Brehm 3 2, 141. —
 
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zottelroth, adj.: der zottelrothe, traubenart, 'mit langen trauben und kleinen, dünnen beeren' Jacobssohn 8, 173b; Campe.
 
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zottelsammet, m.
 
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zottelschweif, m.:

wohlgemuth sasz Satan nieder,
schlang den zottelschweif in reife
Pichler neue marksteine 83.


 
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zotteltrab, m., 'zockeltrab, zuckeltrab': die freunde ritten in gemüthlichem zotteltrab quer über die wiese Ebner-Eschenbach 8, 90.
 
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zottelung, f., 'ingressus tardus' Stieler 2635.
 
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zottelwelche, m., art des weinstocks Schlechtendal flora v. Deutschl. 5 21, 247. —
 
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zottelwolf, m., 'zerlumpter kerl', wie zottelbock, mundartlich Schmeller 2 2, 1166; Brenner Baierns maa. 2, 329 (Rhön). literarisch: er macht ... aus einem pferd keinen Richelieu,

[Bd. 32, Sp. 136]


aus einem zottelwolf keinen Absalom dän. schaubühne 1, 260.

 

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