Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zopfhede bis zopfmode (Bd. 32, Sp. 87 bis 88)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zopfhede, f., Prechtl 23, 101. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfholz, n., astholz, 'das aus den baumwipfeln geschlagene holz' Heyse 2, 2105; Beil 1, 674; nd. toppholt Woeste 273a; Bauer-Collitz 104.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfig, adj. , zöpfig Castelli 1906, zopficht Diefenbach 123b, zöpficht Kramer 1, 584b.
1) wer einen zopf trägt: ob sie wohl von fernen zonen reden, ..., vom gelben zopfigen Chinesen, vom schönen stillen Hindu ..? Allmers marschenbuch 1/2, 283;

wo des zopfigen Chinesen
trank im silberkessel zischet
Droste-Hülshoff 1, 220.


2) was zum zopfstil gehört, im engeren sinne, von dem stil des endenden 18. jhs., in weiterem von dem stil der ganzen zeit des 17. und 18. jhs., von dem sich die neue zeit abwandte. es ist nicht immer deutlich, was gemeint ist; jedenfalls ist im allgemeinen, nicht genau kunstgeschichtlichen gebrauche, die weitere bedeutung die herrschende. dasselbe gilt für zopfperiode, zopfstil, zopfzeit und ähnliche wörter: die alte, einst byzantinisch angelegte, jetzt höchst zopfig überbaute kirche Gutzkow zauberer v. Rom 5, 8; nachdem wir ... gegangen, sehen wir ... plötzlich die drei thürme von Kitzbühel über die wiesen ragen — zwei ältliche und einen zopfigen Steub drei sommer in Tirol 1, 40; die symphonie hat mehr, als andere Haydn'sche, etwas zopfiges R. Schumann 4, 77; der überflüssigen zopfigen schnörkel thut sie (die orthographie) sich ab Scherer kl. schr. 1, 409.
3) in naher beziehung zum vorigen, das was veraltet ist
a) sachlich, ohne tadelnden klang: und was für ein heroisch-romantisches bergland ist dieses kleine zopfige Schwabenland Kürnberger 2, 151; sie (die verse) sind herzlich schlecht, aber geben auch mit ihrem zopfigen beigeschmack unverkennbar ein stück der Boyenschen natur wieder Meinecke Boyen 1, 77.
b) als veraltet, überständig, pedantisch: hatt' den kopf voll lateinischem, griechischem und anderem zopfigen teufelszeug Meszner ausgew. w. 26; universitäten, denen der könig in seinem vorurtheil gegen die zopfige deutsche gelehrsamkeit fremd blieb Prutz preusz. gesch. 3, 224; diejenigen liberalen wurden als flau und zopfig gescholten, welche das unternehmen (die vollendung des Kölner domes) .... mit zustimmung und freude aufnahmen Laube 16, 26.
4) grob, von geweben: ein gut par schu und new hosen von zopsigem (l. zopfigem) nollenthuch Fischart geschichtsklitterung 240 neudr.

[Bd. 32, Sp. 88]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zopfknoten, m., eine art knüpfarbeit Dillmont encyclop. d. weibl. handarb. 412. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfkopf, m.: nie waren zopf- und schwedenkopf, dreieckiger und runder hut, tuch- und zeugrock dichter an einander Jean Paul 19, 8. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfland, n.: endlich erreichten wir den hauptort unseres zopflandes (der Morlacken, wo die männer zöpfe trugen) Kohl reise nach Istrien 2, 186.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zöpflein, n. ,
1) von mädchen:

o, wie weint die schöne braut so sehr!
muszt die zöpflein schlieszen ein
unterm goldnen häubelein
Brentano 1, 450;

es hätt' e' paar zöpfle, sie sind wie gold
Herder 25, 201;

da entstanden eine unzahl dünner zöpflein (auf den köpfen der bauernmädchen) Ebner-Eschenbach 5, 186.
2) von männern, scherzend, der zopf des 18. jhs.: 'beim henker', sagte Vult und streifte dem notarius das zöpflein herunter Jean Paul 20/23, 190; jetzt flecht' ich dir dein zöpflein mit ganz andern empfindungen und fingern als vorhin, pompöser krauskopf! 200;

manchmal ist sein humor altfränkisch, ein zierliches zöpflein,
das, wie der zauberer spielt, schalkhaft in rücken ihm tanzt
Mörike 1, 124 (Göschen).


3) von pferden: dieser klopfte den falben die starken hälse und legte ihnen die zöpflein der .. mähnen zurecht Ebner-Eschenbach 2, 49.
4) zöpfli pflanzenname im Berner oberland, lavendula officinalis Pritzel-Jessen 205; Stalder 2, 478.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zöpfling, m.: meinen dienstfertigen zöpfling (Chinesen) Hildebrand reise 186.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopflos, adj.: Chinas männer trugen freies haar, bis 1644 die Mandschu den zopf .. zum symbol des loyalen neuchinesentumes erhoben . seitdem ist 'zopflos' infam Ratzel völkerk. 3, 554;

was sprecht ihr immer verächtlich von zöpfen,
als wäret ihr zopflos nach eigener wahl!
Grillparzer 3, 168;


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfmacher, m., ein gewerbe, capillaturae artifex Stieler 1195; früher auf dem lande ein besonderes handwerk, um künstliche prachtzöpfe für bräute herzustellen Jacobsson 8, 279b. allgemein: des rittmeisters reitknecht, der sonst ein guter zopfmacher is Ayrenhoff 4, 304. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zopfmode, f.: mit unordentlich durchein andergehendem, von aller zopf-, aller pudermode abweichenden ... haar Gutzkow ges. w. 4, 108. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: