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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zopfbeutel bis zopfeneisen (Bd. 32, Sp. 85 bis 87)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zopfbeutel, m.: wie ihm da der amtsgemäsz seidene haar- oder zopfbeutel mit einem vergifteten messer ... vom kopfe getrennt worden sei Kerner bilderbuch 310.
 
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zöpfchen, n.
1) bei frauen.
a) kleine zöpfe: ihr hellblondes haar war ... in viele löckchen und zöpfchen geschlungen Hauff 1, 10; (sie) flocht ihr langes schwarzes haar auf zigeunerisch in zierliche zöpfchen Eichendorff 3, 403.
b) bei dichtern, liebkosend, die frei getragenen zöpfe:

mein mädel trägt ein lündisches kleid,
zwei bunte zöpfchen auf jeder seit
Hoffmann v. Fallersleben 1, 201;

es spielten die blonden zöpfchen
um wange mir und brust
Ludwig 1, 40.


2) bei männern: der herzog mit ..., seiner mit buckeln versehenen, gepuderten frisur mit einem zöpfchen Kerner bilderbuch 6; er war ein alter junggeselle, trug gepuderte haare und ein zöpfchen noch anfangs der zehner jahre Keller 1, 192.
3) büschelchen, besonders verklettetes, verknotetes.
a) von haaren: denn ... verfilzt sich, ... der haarwuchs der südafrikanischen Bantuneger ebenfalls zu kleinen zöpfchen Peschel völkerk. 99; seine perrücke hat wunderliche zöpfchen Göthe 32, 235 Weim.; und prüfen wir einzelne teile, wie das kleine zöpfchen vor dem linken ohr Brunn kl. schr. 2, 407.
b) von wolle, flachs, garn, nd. töpken; 'so viel flachs man auf einmal zupfend aus dem rocken zieht', 'der rest der auf dem rocken bleibt' Schambach 232a: durch das stete abnehmen (beim stricken der ferse des strumpfes) nach 8 maschen bildet sich ein zöpfchen an beiden seiten der ferse Dillmont encyklop. d. weibl. handarb. 245.
 
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zopfdichter, m.: die alten zopfdichter haben den Rheingau stereotyp das 'deutsche Italien' genannt Riehl naturgesch. d. volkes 1, 144. ähnlich zopfcomponist.
 
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zopfdienst, m., in der verbindung zopf- und gamaschendienst: doch sein irrtum ist so verzeihlich als jener unserer groszväter, welche die heroen des groszen Friedrich für unübertrefflich hielten und den gottlosen spott ihrer enkel über zopf- und gamaschendienst nicht ahneten Hauff 1, 248. —
 
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zopfducaten, m., auch schwanzducaten, wie die zopfthaler mit dem bilde Friedrich Wilhelms I. Brockhaus 14 16, 1014; zweitens wurde ihm als rückständiges osterpatengeld für jedes jahr, das er zurückgelegt, ein zopfducaten legiert Jean Paul 3, 92. —
 
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zopfdürr, adj., wipfeltrocken: vielfach verlichtete und verheidete bestände .., in den einzelne zopfdürre eichen und verkrüppelte buchen vegetierten Schwappach handb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 343. —
 
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zöpfelarbeit, f., 'gattung von seidenarbeiten im 16. jh., die auch zopfnaht hiesz' Unger-Khull 653.
 
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zopfen, v.
1) nebenform von zupfen, literarisch einzeln bis ende des 18. jhs. belegt, besonders aus dem südwesten. Stieler bringt es vor zupfen wegen der alphabetischen ordnung, die anführungen haben alle u 2633.
a) für zerren, zupfen:

mag auch bei keinem krancken knochen
auch nit den kindern zopffn und lausen
H. Sachs 17, 65 Keller-Götze;

seins vaters kleine hund und katzen asen ausz seiner schüssel, er auch selbs mit ihnen, zopfft sie beim

[Bd. 32, Sp. 86]


schwantz Fischart geschichtsklitter. 201 neudr.; bald werden sie gezopffet, und wissen doch nicht woher es kömpt Prätorius vom Katzenveite I 2 r;

etliche härlin auch ausz geropffet
und von der ochsen stirnen zopffet
Spreng Äneis 112a;

prenez vous par le nez zopffet euch selbst bey der nasen Duez div. prov. 29; zopf den schläfer dort an der nase Klinger theater 2, 315; zoppe sie sich an ihrer nas Askenasy Frankfurter mundart 29; es thut nichts, wenn du sie gleich bei dem schurze zopfst Gottsched deutsche schaubühne 5, 455.
b) greifen, insbesondere vom schergen Dentzler 364b:

das kind nit mer nach messern zopfft,
wen mans niet auff die hend geklopft
Eyring prov. 1, 44;

der scherg hat einen gezopft ihn heimlich ergriffen Schmeller 2 2, 1145; prehenso ... einem nachgehen und ihn zopffen Corvinus 656.
c) pflücken, besonders veilchen und hopfenblüten zupfen in Schwaben Schmid 550; Schmeller 2 2, 1145; Meisinger Rappenauer mundart 213: feyelen zopfen germ. 27, 86; man zopft nun den hopfen auf dem felde oder zu hause ab Metzger landwirthsch. pflanzenkunde 1, 386.
2) einen zopf machen, allgemeiner die haare in ordnung bringen, wie zöpfen in diesem sinne, süddeutsch: Judith strälet und zopffet ir haar Züricher bibel buch Judith 10, 3, wo Luther übersetzt und flochte ir har ein; zopfen, das haar flechten expedire comas Spieser 4, 434a; jetzt thu dich waschen und zopfen, dasz du sauber zum anschaun bist Ganghofer gartenlaube 1905, 671b (der mann im salz).
 
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zöpfen, v. ,
1) das haar in zöpfe flechten, in ordnung bringen, vgl. th. 4, 2, 10. Lexer kärnt. wb. 266; Hertel 260; cirratus ghetoppet Diefenbach nov. gloss. 93a: mein rauhes har gezöpfet ward Wickram 5, 268;

thut euch ein weil zöpffen und strelen
H. Sachs 14, 54 Keller-Götze;

ihre arm und der hals waren mit zahlperlen geziert und der kopff gezöpfft und auffgebeudelt Grimmelshausen 4, 618 Keller; 'kann ich mich irgendwo .. frisch zöpfen?' Auerbach 1, 55; da fühlte er eine hand in seinen locken. zuerst schüttelte er den kopf, dann sagte er rauh: 'was willst du?' 'dich zöpfen.' 'nein, lasz!' 'aber zusammenbinden will ich deine locken' Schmitthenner neue novellen 359. dafür auch zöpfeln Schmeller 2 2, 1145.
2) in der forstsprache 'den wipfel aushauen' Hoyer-Kreuter 873b, auch in nd. mundarten töppen Woeste 273a; töpen Bauer-Collitz 104. von zopf II 3.
3) in der falknerei in nicht ganz deutlicher bedeutung (zu mhd. schüpfen?): drauff wird das käutzlein gesetzet (als lockvogel), und fürters an das lederne riemlein eine zimliche schnuer an eine rolle eingebunden, dasz man ihn zöpffen, und flattern machen kan Aitinger jagd- u. weidbüchlein 225.
 
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zopfende, n. , förster- und zimmermannswort.
1) am gewachsenen baum das wipfelende des stammes, der wipfel: vom zimmerholz bleibt im holz übrig wipfel, äst und zopfende, die schopfgleichen äste unter dem wipfel Frisch 2, 481b; Heyse 2, 2105; Beil 1, 674; und soll die claffter drey ellen hoch und breit gesetzt, und die scheibe drey ellen langk von dem keuffer selbst gehawen, auch zopfende und zelge mit uffgehawen werden Schwappach handb. d. forst- und jagdgesch. 1, 466 (preusz. forstordn. v. 1590); nach dem abhauen der bäume liegen verbliebene zopfenden Fleming vollk. teutsche jäger 73; (die eben 'gesetzten' jungen hirsche) liegen dan 3, 4 oder 5 tage unter einem dicken gebüsche oder zop-ende (!), auch wohl, unter einem umbgefallnen .. baume Täntzer Dianen jagtgeheimn. 1, 71; die rinde ist sogar ... besonders am zopfende, der der kiefer zum verwechseln ähnlich Ratzeburg waldverderbnis 2, 46.
2) am gefällten, zurecht gehauenen baume das obere, schmalere ende, im gegensatz zum stammende Stosch

[Bd. 32, Sp. 87]


versuch 2, 541; Jacobsson 8, 279b; Benzler deichlexikon 2, 298; Blaschke wb. d. technik 144; gespaltene .. lattstämme werden über die balken so gelegt, dasz .. stamm und zopfende abwechseln Karmarsch-Heeren 32, 594. in der turnsprache werden stamm- und zopfende am schwebebaum unterschieden Jahn 2, 55; Kregenow-Samel geräthkunde 100.
 
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zopfeneisen, n., 'art grobeisen' Unger-Khull 653.

 

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