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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zonentarif bis zopfbolle (Bd. 32, Sp. 75 bis 84)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zonentarif, m., berechnung der fahrpreise und frachtsätze nach gröszeren entfernungsmaszen, besonders im eisenbahnwesen: in den ländern des zonentarifs kostet jetzt die elle (die eisenbahnelle heiszt kilometer) einen kreuzer! Rosegger II 2, 7, 302. —
 
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zonenweise, adv.: die einfachen gesetze, nach denen diese erscheinungen sich zonenweise gruppieren Humboldt kosmos 1, 14. —
 
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zonenweit, adv.: zonenweit verschiedene sitte Laube 5, 162, vgl. DWB zone 3. —
 
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zonenzeit, f., die für je 15 längengrade gleiche, je um eine stunde abweichende einheitszeit.
 
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zope, f., abramis ballerus L., ein fisch aus der karpfenfamilie Brehm thierleben 8, 279 Pechuel-Lösche. in den Marken, zupe in Schlesien Siebold süszwasserfische 130, entspricht oberd. pleinzen Fulda versuch 603a. zu unterscheiden von dem vogel zoppe.
 
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zopf, m. herkunft und form.
zopf ist ein gemeingermanisches wort, ahd. zoph Graff 5, 640, mhd. zopf mhd. wb. 3, 946b; Lexer 3, 1149, mnd. nd. nl. top(p), ags. topp Bosworth-Toller 1002b an. toppr Fritzner 3, 712a, schw. topp, dän. top. ebenso alt ist das ablautsverhältnis zu mhd. und heute tirol. und kärnt. zipf mhd. wb. 3, 901a, Lexer 3, 1131, kärnt. wb. 266, Schöpf tirol. id. 829, mhd. nhd. zipfel, me. tip Stratmann-Bradley 610a, ne. dän. tip, schw. tipp (ags.

[Bd. 32, Sp. 76]


und an. nicht nachgewiesen), auszerdem zu zapfen, mhd. zapfe, ahd. zapho Graff, mnd. tappe Lübben-Walther 399a, ags. tæppa Bosworth-Toller 970a, me. tappe Stratmann-Bradley 602b. dies wird zwischen zipf und zapfen allgemein anerkannt, für zopf bestritten wegen des vocalismus von Kluge 7 507b, nur zögernd angenommen von Hirt bei Weigand 5 2, 1302, doch s. Sievers in Paul-Braune beitr. 16, 237. die formen mit infigiertem nasal mhd. zumpf, zumpe penis und mnd. timpe zipfel. die versuche, diese wörter weiter zurück zu verfolgen, haben noch keine ergebnisse gebracht, durch welche die bedeutungen befriedigend erklärt würden, vgl. Fick4 1, 453; 3, 155. 164. 168; Falk-Torp 1237. am nächsten steht die russ. wortgruppe dyba wippe, dybit's'a sich sträuben, zu berge stehn, stat' na dybkí anfangen zu stehn, von kindern, stat' na dybý sich bäumen, dybom aufrecht, s. Franck 2 703a. jedenfalls weist die alte consonantenverdoppelung auf eine entwicklung vor dem germanischen, s. Wilmanns 2 1, 166. im französischen erscheint es auf grund alter entlehnung als toupet. bedeutung.
zopf ohne nähere bestimmung ist für uns die haarflechte, insbesondere eines weibes. diese bedeutung ist aber verhältnismäszig jung und räumlich begrenzt. sie ist auf hochdeutschem boden entstanden und noch heute dem hd. eigenthümlich, während sie den andern germ. sprachen fremd geblieben und auch von den nd. mdaa. nicht allgemein aufgenommen ist. dem nl. fehlt sie, für das nd. verzeichnet sie nur Diefenbach: toppe der vruwen nov. gloss. 90b. auf dem ganzen germ. gebiet finden sich die bedeutungen haarschopf, haarbüschel, auch bei thieren; büschel von wolle, von hanf, flachs; baumwipfel. mit ausnahme des hd. ist es ferner allgemein das oberste, die spitze, bes. eines berges, eines mastes, auch der scheitel (an.; im ags. und me. ist es sogar kopf). ursprünglich bezeichnete es entweder den germ. am wirbel zusammengebundenen haarschopf Heyne hausaltert. 3, 81, oder auch einen baumwipfel. von beiden aus lassen sich die verschiedenen einzelbedeutungen entwickeln, vgl. bei schopf th. 9, 1527 ff. schwierig bleibt das verhältnis zu den ablautsverwandten. nd. nl. e. skandin. tip bezeichnet wohl von hause aus das äuszerste ende eines hervorragenden körpertheils, haar, nase, finger, zeh, bei zapfen kommt man aber auf die in tannzapfen enthaltene bedeutung. es wird das urwort schon in vorgerm. zeit den haarschopf und das ihm ähnliche triebende von pflanzen nebeneinander ausgedrückt haben.
für das hd. ist von der vorherrschenden bedeutung auszugehen.
I. zopf für haarflechte, vgl. bei haarzopf th. 4, 2, 42. diese bedeutung hat das wort bekommen, als die deutschen frauen anfingen, ihre haare geflochten zu tragen. wann das geschehen, ist eine frage der hausalterthümer, s. Heyne 3, 82. was die ahd. glossen zophe cicinni, zopfe anciae meinen, ist nicht deutlich, jedenfalls wurde das dem lat. cincinnus nahe cirrus noch lange zur glossierung von zopf gebraucht Stieler 766; Spieser (Basel 1700) 2, 434a. im mhd. ist jedenfalls die bedeutung 'flechte' die herrschende, wie die belege in den wbb. zeigen. dem entsprechen die erklärungen der älteren nhd. wbb.: geflecht oder zopf trica voc. theut. 1482 k iiiib; zopf trica Brack; zopf oder sunst geflochten ding Dasypodius 467a; spirae zöpfe Golius 265. ein altes wort ist daneben flechte, s. th. 3, 1738, welches wohl immer, jedenfalls heute ausschlieszlich bei frauen gebraucht wird. es ist ein gewisser unterschied da, flechte ist gleichsam körperlicher als zopf, das ding mehr für sich, ohne rücksicht auf die trägerin, nach breite, schwere, farbe betrachtet.
1) vorwiegend wird zopf von der haarflechte der frauen gebraucht, denen diese ordnung der haare als die natürlichste, gesundeste und einfachste eigenthümlich ist.
a) der zopf wird zusammengebunden, gemacht, zu rechtgemacht, geflochten: cirrus haarzopf, zusammengebunden haar Golius 118; zöpfe machen Dentzler 364b; helfet mir den zopf machen (einladung zur hochzeit

[Bd. 32, Sp. 77]


an die freundinnen der braut im Schwarzwald) Scherz 2, 2113;

er scheint zu fragen, ob das liebchen
die zöpfe schon zurecht gemacht
Mörike 1, 31;

und ains tages das har mit wyplichem flysz durch ire junkfrowen kämen liesze und ... zöpff darusz flechten Steinhöwel de claris mulieribus 26; als die junckfrawen der künigin einen zopf hetten geflochten, stunde auf die künigin mit dem anderen ungeflochten zopf Eyb 1, 31;

welch ungebetne hand
hat diese zöpfe künstlich mir geflochten
Schiller 15, 1, 23;

guck, wie spröd' sie thut zum scheine,
trutzig ihre zöpfe flicht
Mörike 3, 106;

am morgen konnte sie mit dem zöpfeflechten nur langsam fertig werden Viebig d. schlafende heer 2, 275.
das haar wird in einen zopf geflochten oder gebunden: die erwachsenen russischen jungfrauen ... lassen sie (die haare) in einen zopf geflochten auf dem rücken, ... hangen Olearius vermehrte reisebeschr. 91; allein die allgemeine sitte schlang das in zöpfe geflochtene, ... haar auf dem scheitel in einen knoten Böttiger kl. schr. 3, 291; ihr haar war an der stirne und schläfen straff zurückgestrichen und hinten in einen starken zopf gebunden Keller 6, 33.
umgekehrt werden die zöpfe aufgeflochten, ausgeflochten, älter auch aufgethan: Line, die .. ihren blonden zopf halb aufgeflochten hatte Fontane I 6, 367; flicht deine zöpfe aus Jes. 47, 2 (flichte deine zöpfe auf Züricher bibel, nieders. flechte dinen flechtsnur uth Stade 759); die zupfen aufthn, oder ausz einanderen thn expedire comas Maaler 533r.
die meisten winden oder legen die zöpfe um den kopf, oder binden sie auf, wofür ältere ausdrücke sind auf machen, aufschmücken, aufstricken: lange schwarze haare waren in locken und zöpfen um den kopf gekräuselt und gewunden Göthe 21, 142 Weim.; die prachtvollen kastanienbraunen haare waren, in schwere zöpfe geflochten, um den edel geformten kopf gelegt Ebner-Eschenbach 4, 43; und sie band ihre immer noch glänzend schwarzen zöpfe auf, nahm einen breiten strohhut darüber Keller 4, 202; die haare in zöpfe geflochten und aufgebunden H. L. Wagner theaterstücke 5; ich weisz nichts, ..., als dasz sie (Evchen Humbracht) heut in aller früh sich die zöpf aufmachte, ein bonnet rond aufsetzte und fortgieng 114; sie (Eva) liesz ihre unaufgeschmückten güldene zöpfe bis auf die dünne weiche hinunter fallen Bodmer v. d. wunderbaren 323;

das haar hett sie gepflantzet fein
und ihr gar schön geflochten ein,
die zöpf gestricket auf darbey
Spreng Ilias 191a.


b) schöne zöpfe gelten als ein besonderer reiz der frauen, insbesondere der jungen mädchen, am meisten für die sie darstellenden, besingenden, verehrenden männer: frau Dörr ..., die ungemein stolz auf ihren echten zopf war Fontane I 5, 248; ihr wisset auch was mir geschehen ist, dasz ich meiner metzen (braut) in die zöpfe geflochten bin briefe 3, 9; achetez de ce beau ruban, pour les tresses de votre maitresse kaufet von diesem schönen band, euer allerliebsten zu zöpfen Duez nomenclatura (1652) 61;

deine sehr-schöne-geflammeten zöpfe
gleichen dem klee und weichen ihm nicht
Zesen vermehrter Helikon 3, 19;

haar, das sich in braunen zöpfen
verwirrt um gelbe nacken schwingt
Kästner 1, 122;

ach! so ein schönes, schlankes, nettes kind, in der allerliebsten Zürchbieter tracht! wie ihm die goldfarbnen zöpf so fein herunterhiengen! Bräker 1, 62;

und ihr im schmuck der lange zöpfe,
ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank
Freiligrath 1, 12.


c) die zöpfe sind auch die schwache stelle der frauen, an welchen sie zum spasz gezerrt oder zu allerlei miszhandlung

[Bd. 32, Sp. 78]


gepackt werden: Rienäcker ... ziepte .. die ... portierstochter von hinten am zopf Fontane I 5, 156;

du wirst vielleicht auf Venus dich verlassen
und üben nur die zöpfe recht zu fassen
Morhof unterr. v. d. d. spr. 1, 802;

wolt euch wol bei den zöpffn umbziehen
und ewers hochmuts sein ein brecher (droht der knecht der köchin)
H. Sachs 17, 181 Keller-Götze,

wer es ein ee gewesen vor,
ich nem myn trütlin by dem hor
und wolt die zöpff im also flechten,
das nit ein jeder strel kündt schlechten,
als ich in myner kunst wol kan
Murner narrenbeschw. 242 neudr.;

die dritt erwischt sie bei dem zopf
und schlägt an hals ir gleich die flesch
Fischart Eulenspiegel 336 Hauffen;

gleich darauf begann auch ein mädchen unterdrückt zu schluchzen, das er plötzlich am kopf gezerrt, weil es sein brot hatte auf die erde fallen lassen Keller 3, 128; (Friedrich) stürzte wüthend in die stube, wo der alte Hirschbauer seine tochter soeben an den zöpfen ergriffen hatte und die hand aufhob, sie zu schlagen Kurz sonnenwirth (1874) 1, 166;

reisz ir mit har ausz einen zopf
und drollt mit dem zopf in das hausz
H. Sachs 9, 282 Keller-Götze;

unde furten (die Ungarn 912) vile frauwen .... mit sich, mit den haren unde mit den czoppen zusammengestricket unde mit seilen durch ire bruste gebunden Wigand Gerstenberg chron. 69.
d) der zopf, als merkmal der frau, wird nach dem alten schwäb. und bair. recht beim eid berührt J. Grimm rechtsaltert. 4 2, 548, wo weitere belege: Hans v. Au und Elsbeth seine hausfrau verkauften i. j. 1429 an Rotweil güter zu Dreiszlingen; sie gelobten den kauf mit hand und mund, mit zopf und brust Schmid schwäb. wb. 550. der zopf wird auch geopfert: sy (die schäfersfrau, die vom blitz verschont wird, der den mann tötete) ted bosze und trugk ore czopphe keyn Wiszensee zu sente Conrade Stolle thür. chron. 189.
auch sonst gilt der zopf als merkmal des weiblichen geschlechts: die weiber in mannshüten, die männer in weibischen zöpfen aufziehen Dannhawer catechismusmilch 2, 96; dieser Jochen war .... eine klein gewachsene arme witwe ..., die .... die kleider eines verstorbenen zwölfjährigen sohnes anzog, den zopf abschnitt und sich so ..... unter die buben mischte Keller 2, 234. so bezeichnete man in ungalanten zeiten das weib als das thier, welches zöpfe trägt:

darumb wer sich nicht will bemühen,
soll vor dem thier, welchs zöpf hat, flihen
Fischart philos. ehzuchtbüchl. 268 Hauffen;

wer ruw und frid wil haben, der ht sich vor dem thier das zöpff hat Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 132; man friszt die thier nicht, die zöpff tragen Harsdörf fer frauenzimmergesprechsp. 2, 339; von dannen rührt ursprünglich her, dasz die weiber den hoffart-kitzel haben, und kein stoltzers thier auf erden anzutreffen, als dasjenige, welches zöpf tragt Abraham a St. Clara Judas d. ertzschelm 2, 267. ähnlich: ach wann einer uber ein bar zöpff fellt, dem gnad gott Nas antipap. eins u. hundert 4, 363a.
e) zopf, zöpfe ist kurzweg die alte, noch vielfach auf dem lande, in der städtischen tracht im kindes- und backfischalter übliche haartracht, die zöpfe frei herabhängen zu lassen, vgl. Heyne hausaltert. 3, 82. daher früher magtzopf voc. theut. 1482 t IIIIr. so heiszt es: sie trägt einen zopf, zöpfe:

sunder sal
sint der meide kleider,
ir zöpfe val
Neidhart 14, 38;

a propos Tübingen! dort sind mädchen, die tragen die zöpfe
lang geflochten xenien 29;

vergegenwärtigte ich mir vollends den hübschen backfisch mit .... den schwarzen zöpfen Gaudy 2, 112; die gestalt eines mädchens, ... das haar in dicken blonden zöpfen Storm 1, 100; Gretchen war ein zierliches

[Bd. 32, Sp. 79]


püppchen, mit sorgfältig geflochtenem, gelben zopf, der nie ohne buntes band war Polenz Grabenhäger 1, 258.
f) zöpfe sind falsche zöpfe: die zöpf, die die frauen machen, da kein oder wenig har ist, und nemen fremd har und ist etwen todten har, das sie darin binden Keisersberg brösamb. 1, 96a; auch trugen frauen und jungfrauen zöpfe von einem pfund seiden, von 4 heupfarben, bis an die erden lang, unten mit gold verbunden Hennenberger preusz. landtafel (1595) 279;

die muter kauft ir (der tochter) ein rock oder drie,
zwen mentel, ein schwebisch schürz auch dabei,
wezker, schwebisch ermel, güldn gürtl, schnür und zopf,
das sie ir bindet umb den kopf
Schade satiren u. pasqu. 1, 168.


2) zopf bei männern.
a) wurde und wird gebraucht, so oft geflochtene haare als männlicher kopfschmuck aufkam, und wo dies bei fremden völkern beobachtet wird, vgl. Heyne hausaltert. 3, 71; mhd. wb. 3, 947a; Lexer 3, 1150b. Albrecht III., mit dem zopf, der noch zu Laxenburg vorhanden sein soll S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn 444 (vgl.zopfgesellschaft); und hette jeder (von den kaiserlichen kammerdienern) von eignem haar ein zopff auf das lengst vorn ab über seyn angesicht hangen Kirchhof wendunmuth 2, 65; ich wuste nicht, ob er (der offizier) sie oder er wäre, denn er trug haar und bart auf frantzösisch, zu beyden seiten hatte er lange zöpff herunterhangen, wie pferds schwäntz Grimmelshausen 1, 119 Keller; das übrig har lassen sie (die Tartaren) lang wachsen und machen zwen zöpff darauss Seb. Münster cosmogr. 1956; diese (haartracht polynesischer eingeborenen) besteht nämlich aus lauter kleinen zöpfen, die kaum so dick als die spule einer taubenfeder ... sind Forster 2, 211; bei einer bedauerlichen mehrheit unserer landsleute beschränkt sich das wissen vom himmlischen reiche auf den zopf Peschel völkerkunde 384.
b) ist insbesondere der von Friedrich Wilhelm I. zur vereinfachung der haartracht eingeführte zopf, auch der preuszische zopf genannt, der im 18. jh. als männertracht allgemein üblich war.
α) der zopf ist die militärische haartracht, der musketierzopf Voss antisymb. 2, 184: die haare müssen entweder in einen zopf geflochten, oder derb unter den hut gesteckt werden Fleming d. vollk. deutsche soldat 25; sie (die grenadiere) ... hatten auf den gepuderten häuptern über den steinharten zöpfen hohe spitze grenadiermützen sitzen Kerner bilderbuch 7; bei einer wohl eingerichteten compagnie soldaten, bei der jeder ... zopf so dick, als der andere ... ist Nicolai Seb. Nothanker 1, 37;

hier steht er wirklich auf dem kopfe,
und hier als männlicher soldat
mit degen, hut und langem zopfe
Göthe 4, 224 Weim.;

ein derber gesunder landjunker mit ungeheuern stiefeln, einem preuszischen zopfe und tressenhut Cl. Brentano Godwi 1, 31.
β) der zopf gehörte zum anständigen anzug eines mannes: nun siehst du doch aus wie ein mensch, nur fehlt der zopf, in den ich deine haare einzubinden bitte, sonst hält man dich doch einmal unterweges als juden an und fordert zoll und geleit von dir Göthe 23, 136 Weim.; ihr (anrede) zopf ist noch gut, die frisur passiert für den abend Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 28. daher Spiegelbergs aufforderung: will er itzt gleich den zopf hinaufschlagen und mit mir zum teufel gehn Schiller 2, 83 (räuber 2, 3).
γ) der zopf ist für die spätere zeit das kennzeichen und symbol des 18. jhs. geblieben: wir möchten doch wohl nicht ein bild aus dem siebenjährigen kriege sehn, wo Schwerin ohne zopf dargestellt wäre Fouqué gefühle, bilder 1, 259;

verschnittnes haar im schopfe
macht nicht allein den mann, —
ich halt' es mit dem zopfe,
wenn solche männer dran
Fontane ged. 258 (der alte Dessauer).

[Bd. 32, Sp. 80]


dazu kam, besonders im anfang der zopflosen zeit, die vorstellung des altmodischen und ferner des überlebten zwanges: dasz der menschenfeind .... einen altmodischen blauen rock mit einem kleinen zopf hatte Brinkmann Athenäum 2, 322; ja wahrlich, jeder gegenwärtige augenblick ist stets ein homo novus, ein emporkömmling, und die vergangenheit, selbst mit dem zopf und der beutelperücke und im reifrocke erscheint merkwürdig als der vornehme herr und die erlauchte gnädige dame Raabe ges. erz. 3, 247; zuletzt wurden noch ein uhlanenschnürleib, ein zopf und ein corporalstock verbrannt (beim Wartburgfest) Treitschke 2, 427.
das ablegen der zopftracht war daher mehr als ein wechsel der mode, ein übergang in ein neues zeitalter: heute morgen entschlosz ich mich kurz und gut, ohne einem menschen ein wort davon zu sagen, meinen zopf zu verabschieden Forster 8, 300; er (Jean Paul) ging dort nach englischer mode mit entblöszter brust und abgeschnittenem zopfe Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 208; der zopf fiel hinweg, die truppen erhielten zweckmäszigere waffen und kleider Treitschke d. geschichte 2, 293.
3) zopf als sinnbild des 18. jhs. bezeichnet
a) die veralteten politischen und sozialen zustände, den geist des rationalismus und absolutismus. er verbindet sich gern mit philister und perrücke, bei militärischen verhältnissen mit gamasche. der ausdruck musz in der sprache der studenten um die zeit der befreiungskriege aufgekommen sein. er ist wahrscheinlich erst eine abstraction aus der wendung den, einen zopf abschneiden, welche zur zeit der reformen Scharnhorsts eine zeitgeschichtliche bedeutung bekommen haben würde, zunächst in militärischen kreisen. der erste literarische beleg, von 1815, ist in der zusammensetzung zopfwesen enthalten, s. unten sp. 90, und setzt den ausdruck als allgemein bekannt voraus. auch ist die verbrennung des zopfes auf dem Wartburgfeste 1817, vgl. den beleg aus Treitschke bei 2, nicht zu denken, ohne dasz der zopf schon zum symbol der rückständigkeit geworden war:

der zopf der hängt ihm hinten
Chamisso 3, 94 (trag. gesch.) (1. druck 1821/22 nach Gödeke 6, 141);

wider zopf und philisterei! burschen heraus! (studentenlied anfang der 40 er);

daneben war freilich viel philisterei und residenzlerei, und im bürgerstande viel zopf Hoffmann v. Fallersleben leben 6, 2; die mitglieder des collegiums machten mir einen würdigern eindruck als die Aachner, aber doch in ihrer gesammtheit den eindruck von zopf und perrücke Bismarck ged. u. erinn. 1, 28 volksausg.
weiter bekam es den allgemeineren sinn von verstockter, unbeweglicher pedanterie: Mack war .... ein wahrhaft exemplarischer ausdruck des sprichwörtlich gewordenen zopfes des kaiserlichen hofkriegsrathes Häuszer deutsche gesch. 2, 604; dies geschieht wenn er die schulweisheit und den gelehrten zopf daheim läszt Stöckhardt chem. feldpredigten 1, vii; wir alle litten in unserer jugend unter dem einflusz dieser genialitätssucht, die, .... planmäszige arbeit als zopf verfehmte Riehl deutsche arbeit 281. der zopf ist schlieszlich ein einzelner veralteter zustand, der abgeschnitten oder abgehauen werden musz: eine partei ... war damit einverstanden, dem schauspieler den hervorruf zu verschaffen und ... diesen alten zopf abzuhauen (dasz die schauspieler einem hervorruf nicht folgen durften) Laube 16, 104;

der armeezopf liegt erstochen,
Jenas zopf ist auch gerochen,
doch manch andrer macht sich breit!
wann zerfetzt uns die ein retter?
Ludwig, schick ein donnerwetter
in die zöpfe dieser zeit!
Freiligrath 3, 35.

dieselbe bedeutung in zusammensetzungen wie zopfgedanke, zopfgelehrsamkeit, zopfgalanterie, vgl. unten bei zopfig.
b) daher heiszen altmodische, dem fortschritt abgeneigte personen auch zopf Hügel 196; Hertel 266; Jakob las sich also einen zopf zum meister aus, einen mordiokerl

[Bd. 32, Sp. 81]


vom philister und spieszbürger Gotthelf 11, 10; ich bin noch so vom alten .. schlage, was sie in den zeitungsblättern immer den zopf titulieren Holtei erz. schr. 23, 253. dasselbe ist zopfbürger Gotthelf 1, 223.
c) zopf als spottname für den nüchternen classicistischen baustil, der auf das roccocco folgte (Ludwig XVI., Friedrich II.), soll anfang des 19. jhs. in der Schinkelschen schule aufgekommen sein Brockhaus 14 16, 1014b. als ein wort der künstlerjugend jener zeit nennt es auch Immermann: der scherz über die sogenannte zopfperiode des achtzehnten jahrhunderts ist in unserer schule (der Düsseldorfer) bekanntlich ein stehender geworden 20, 205 (Düsseldorfer anfänge). es ist ein seitentrieb des unter a behandelten zopfes. er hat dann einerseits das herabsetzende abgestreift und ist eine rein sachlich kunstgeschichtliche bezeichnung geworden, und greift andererseits über das gebiet jenes classicismus hinaus auf das gebiet des roccocco und barock hinüber, s. belege bei zopfarchitekt, zopfig, zopfstil, zopfthum, zopfzeit: ich aber möchte sagen, dasz selbst aus manchen stücken unserer besten abermals ein zopf hervorsieht, freilich viel vornehmer und poetischer zusammengeflochten als jener puderige Immermann (fortsetzung des eben gegebenen belegs); seine erfindungen können sich vom geist des zopfs nicht los machen Justi Winckelmann 2, 1, 84; die Dorotheenstädtische kirche .... ist jetzt übergothisiert worden. innen war die kirche zopf, klein, niedrig Gutzkow 1, 108; die groszen epochen der musik und der bildenden künste, gothik, renaissance, barock und zopf gehören .... allen culturvölkern an Treitschke d. gesch. 5, 395. allgemeiner vom geschmack jener zeit: dasz er den mythologischen zopf von Cypria, Amor und grazien etc. noch nicht abgelegt hat D. Strausz 9, 317. auch von stücken in zopfigem stil: welch' alten zopf hast du denn auf einem trödel erstanden? (ein altes pastellbild) Gutzkow ritter vom geiste 3, 156.
hierzu composita wie zopfaltar, zopfkirche, zopfkunst, zopfperiode, s. den beleg aus Immermann, zopfprogramm, zopfphantasie, zopfpracht, zopfschnörkel, auch das adj. zopfartig.
4) auf den mannszopf des 18. jhs. gehen einige verbreitete volksthümliche wendungen zurück.
a) einem den, einen zopf machen, andrehen, anhängen ist, ausgehend von thatsächlichen späszen, 'zum besten haben, hintergehen', allgemeiner 'einem etwas anhängen', schlieszlich 'vorwürfe machen, schelten', belegt für Basel Seiler 327a, Aarau Hunziker 311, Leipzig Albrecht 241b, Berlin Brendicke 196a. abweichend bedeutet es im Elsasz 'besser und mehr arbeiten, übertreffen' Martin-Lienhart 2, 912b. literarisch beliebt in der vormärzlichen literatur: bis dasz ihm der bube von hinten einen groszen papiernen zopf angesteckt hat Grabbe 1, 425; hatte sie mich erst verstricken wollen, so konnte sie ja hernach die absicht haben, mir einen zopf zu machen Gutzkow 5, 31; er ... that wenigstens, als bemerkte er's nicht, wenn ihm Alboin ... einen zopf drehte 5, 154; durchlaucht wissen, dasz eine nicht courante phrase in Frankreich dem besten buche einen zopf anhängt Pückler briefw. u. tageb. 6, 21; ne, ich sag's gar nicht erst, sonst macht onkel mir 'nen zopf Holtei erzähl. schr. 14, 43. a zöpferl anhäng'n ist in Wien beim tarok 'den pagat gegen den spieler machen' Hügel 196.
b) sich einen zopf trinken sich einen rausch trinken, wird gleichzeitig mit sich einen haarbeutel trinken aufgekommen sein, s. th. 4, 2, 24. wie haarbeutel ist dann zopf auch für sich allein 'rausch'. mundartlich noch heute Martin-Lienhart 2, 912b, Hertel 265, Frischbier 2, 498a, in der studentensprache und literarisch nur in der ersten hälfte des 19. jhs., s. zeitschr. f. d. wortforsch. 12, 293, jetzt schon seit mindestens 30 jahren ausgestorben:

mein Deutschland trank sich einen zopf,
und du, du glaubtest den toasten!
Heine 1, 310;

o afterklugheit unsrer zeit!
wer fragt noch nach den köpfen?

[Bd. 32, Sp. 82]



schwebst du in trunkner seligkeit,
so spricht man von den zöpfen,
die zöpfe zählet man an dir,
die köpfe läszt man fliegen
W. Müller 406;

so bleiben freisinnig die köpfe,
bekommen vom wein sie auch zöpfe
Nestroy 6, 197.


c) Jean Paul braucht einen langen zopf haben für 'klug sein' von einem advocaten; ob mit anschlusz an eine vorhandene redensart, ist zweifelhaft: er möchte aber immer einen zopf haben, so lang wie mein rechtes bein, er hätte mir nichts anhaben sollen 5, 97.
5) als zopf bezeichnet man dinge, die einer haarflechte ähnlich sind.
a) geflochtene gegenstände, in der heraldik geflochtene quäste Schumacher wapenkunst 87. e zopf hamf geflochtene hanffasern Martin-Lienhart. ein seidenzopf seidenfäden die in zopfform geflochten verkauft werden, in älterer zeit (15.—17. jahrh.?) wahrscheinlich spottname für einen stutzer, wie der familienname Siedentopp, Siedentopf u. ä. zeigt.
b) gegenstände, welche eine nach zopfart geflochtene form haben: man lehret ferner von den 5. seulen, wie selbe mit ihren fuszgestellen ...., denen darauf ruhenden zwerch-balken, zöpfen oder widderhörnern, wie in der ionischen oder dritten ordnung unterschieden werden (theil des capitells?) Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 8, 437;

es zieren selbige bald kleine schwarze zöpfe,
bald hörnerchen, die klein und bunt (die insecten)
Brockes ird. vergn. 4, 202.


c) zopf ist ein gebäck, bei dem die teigstriemen zopfartig übereinander gelegt sind. es ist ein altes festgebäck, das ursprünglich der totenverehrung angehört, woran der in Baiern am allerseelentage vom taufpaten geschenkte seelenzopf erinnert Jean Paul 27/29, 377, Schmeller 2 2, 1145. als gebildsbrot scheint es ein älteres haaropfer ersetzt zu haben, vgl. zeitschr. des ver. f. volksk. 11, 21; 12, 201. 440. in älterer zeit spielt es eine rolle als abgabe zu gewissen zeiten: Birlinger schwäb.-augsb. wb. 440b; dem kursner zu sant Marteins tag ain gans, zu weinachten ain zopff, zu oster ain fladen (aus einer hs.) Schmeller. nonnenzöpfe waren gar eine abgabe der frauenhäuser Hauffen zu Fischart gorgon. medusenkopf 420, 97. es bleibt noch länger ein feines gebäck, das als geschenk eine besondere bedeutung hat, z. b. vom burschen an das mädchen (s. auch Schmeller): ich schick úch ein fläschlin mit baumöl und ein wenig griener bonen und zwölff wecken und einen zopf und einen hannenkam Steinhausen privatbriefe d. mittelalters 1, 193; aber das thut nichts, ich lasse den zopf dennoch hier und esse selbst einen zipfel davon, wenn ihr mir eine tasse kaffee dazu gebt! Keller 5, 167. zopf in dieser bedeutung mit zöpfle, zöpfel ist besonders im alemannisch-schwäb. und bair. gebiete zu hause, belegt für Basel Seiler 329b und Ulm Schmid 550. doch soll es auch im meisznischen üblich gewesen sein Hübner 4, 1032a.
6) zopf, als etwas das hinterherhängt, ist auch volksthümlich ein gefolge menschen: und wenn man dann so 'n begräbnis sieht .. der pastor und ein zopp menschen hinterdrein G. Hauptmann weber 49. hierzu thüring. zopfgänger, ein 'nicht geladener hochzeitsgast, der als verwandter mit eingeschmuggelt wird' Hertel 265.
II. reste und spuren älterer bedeutungen.
1) zopf für haarbüschel, manchmal mit locke in be rührung, vgl. th. 6, 1102.
a) bei menschen in verbindung mit schopf: une touffe de cheveux ein haarlock oder haarzopf Duez 101; zopff eines knabens scorpius cirrus (im lat.-dtsch. theil scorpiones, plur. haarlocken der knaben) Dentzler 364b;

zum schädel, ohne zopf und schopf,
zum nackten schädel ward sein kopf
Bürger 156;

und hing sein flachs auf seiner knechte köpfen,
und diese rocken schlössen seine dirnen
mit knieen fest und fingen an den zöpfen
und schöpfen an zu spinnen und zu zwirnen,

[Bd. 32, Sp. 83]



eh' würde spuhl' und spindel ab sich drehen,
als wir den halben flachs gesponnen sehen
Brentano 10, 270 (gründung Prags).

daher auch der wendung beim schopfe nehmen entsprechend:

der mein (des glücks) sich stets umwälzend rad zerstückt
und mich so klug bei meinem zopf genommen,
dasz ich ihm nimmermehr vermochte zu entkommen
König in Hoffmannswaldaus u. and. deutschen ged. 7, 160.

hierzu, wie bei schopf, die wendung dir rappelts wul ungern (unterm) zoppe Jecht Mansfelder mda. 128a. auch uff'n zopp spucken Brendicke 196a, wie auf'n kopf spucken schelten.
so nannte man auch die allongen der staatsperrücken zöpfe: die aus den rauhen schaf-fellen auf art der peruquen gemachten mützen, deren herabhängende zöpfe im bedürfenden falle unterm halse sich zuknüpfen lassen allgem. haushaltungslex. 2, 692b; zumal die hände sonst nichts zu thun hatten, als die zöpfe von der peruque .. bald hinter, bald vor zu werfen polit. maulaffe 317; der andere hätte den seinen (bart) in zöpfe oder allonges geflochten discourse d. mahlern 2, 87.
in verschiedenen zusammensetzungen bezeichnet zopf eine ekelhafte krankheit der kopfhaut, plica polonica, weichsel-, juden-, gütchens-, salben-, wichtel-, mahren-, mohrenzopf Stieler 2633; Prätorius anthropodemus 1, 42; Chomel 8, 2327.
b) bei thieren: welches (das rehwild) anstatt der ruthen hinten einen zopf lange, ... starke spieszhaare hat Heppe aufrichtiger lehrprinz 205;

ein hase rauft den zopf (am schwanz) nur toten löwen aus
Lohenstein Ibrahim Sultan 105.

bei pferden ist zopf der zwischen den ohren nach vorn fallende büschel, s. DWB schopf 5, th. 9, 1529. gleichbedeutend ist frz. toupet. schon mhd.:

der zoph was für daʒ houbet lanc
Hartmann Erec 7331.

kötenzopf ist der büschel an der fessel. mundartlich für die wollzotten der schafe: dei töpe dei se afsnîet von'n schâpen Schambach 232a.
zopf ist auch der schopf auf den köpfen gewisser vögel, 'quales picus martius, et alauda, et grues in capitibus gerunt' ... germ. haarzöpf Calepinus undecim ling. 247. danach zopfadler, zopfente, zopflerche, zopfscharbe, zopftaube u. a. m., auch bei schopf 6 a th. 9, 1530.
auch von künstlichen haarbüschen: das eiserne gewand und der helm, von welchem ein zopf von pferdehaaren herunter fiel Breitinger crit. dichtkunst 1, 39; quaste, auch wohl zopf genannt, ist der breite haarbüschel, in welchen der zagel des löwen ausgeht Querfurth wb. d. herald. terminologie 106.
2) zopf ist ein ungeordneter büschel von blättern, ähren, von pflanzenfasern, wollfäden: ähre .. in einem zopf von kleinen blättern Oken allg. naturg. 3, 2, 1003; 'viele an der spitze eines stengels bei einander stehende neben- und deckblätter' Heyse 2, 2105; top 'so viel halme, wie man mit beiden händen umfassen kann' und 'der letzte flachs, der um das wockelsch gewickelt ist' Schambach 232a. beim flachsbinden ist es hie und da ein bestimmtes masz 'bündel von 40—60 händen voll' Frischbier 2, 498a, nicht deutlich erklärt Frisch 2, 481b. ähnlich ein zopf hanf, 'in Caub ein gebündchen hanf von etwa pfd.' Kehrein volksspr. in Nassau 1, nachtr. 60. in heutiger technik ist ein hanfzopf 'ein aus hanf gedrehter und mit mennigkitt getränkter ring, der unter einem schraubenkopf bezw. einer mutterscheibe bei unebenen flächen als dichtungsmittel dient' Stenzel seemannswb. 161. andererseits kommt mehr das lockere, unordentliche darin zum ausdruck: een topp hêde, heu in Lippe Frommann 6, 486. daher auch grobe faserige stellen: ein übelstand .. war die bildung von zöpfen aus den fasern in den maischen Muspratt chemie 371. zopfengarn 'name einer groben garnsorte' Unger-Khull 653. mit beiden bedeutungen spielend s. oben II 1 Brentano 10, 270.

[Bd. 32, Sp. 84]



3) zopf baumwipfel im gegensatz zum stamm, als forstmännischer ausdruck allgemein Jacobsson 8, 279b; 'das oberste des baumes, welches nicht mehr zum bauholze tauget' Stosch versuch 2, 541, auch die abgehauenen äste sind zöpfe (auch abgänge oder zacken) 539; die sogenannten kienwipfel haben nur trockenen zopf Ratzeburg waldverderbnis 1, 111. auch im allgemeinen gebrauch: sie klettern an dem (palm) baum hinauf bis an den zopf, daselbst schneiden sie durch die rinde und hangen geschirre daran, fangen also den saft auf Olearius vermehrte reisebeschr., morgenländ. reise 31; und nachher schnitten sie zopf und äste ab, fuhren sie fort und der stamm blieb liegen und faulte von der Marwitz 99. mundartlich im md. Vilmar 472; nd. top, topp Bauer-Collitz 104a; Woeste 273a; Schambach brem.-ns. wb. 5, 82. hierzu nd. topwelle, 'aus dem wipfelende zugehauene welle (rundholz)', auch als zopfwelle verhochdeutscht Bauer-Collitz 104a.
4) zopf, auch als dimin. zöpfel, für zipfel ist im süden in belegen älterer zeit nicht selten Stalder 2, 478, Heyse 2, 2105: ein grosz lynin tuch mit den vier zöpffen zemen bunden Zwingli freih. d. spr. 5 neudr. (apostelg. 10); es hat keine nase, schlitz an dem mündlein wie ein knebelbart, oder wie die zöpffel an den spanischen manteln Christophorus Irenäus seltzame wundergeburten n 1b; denselben pischolf hat got bevolhen besonder klaydung und ornat zetragen ..., als inifel mit zopfen Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 659; Hensel mit dem czoppe Jelinek 995; weil sie (die meisterjungfer) ... die glücklichen mit einem ... zopfen wurst oder einem alten küchli regalierte Gotthelf 1, 128. auf diese bedeutung geht auch zurück: da seh nur, unserm Kathrinen thurm sein zopf brennt Bettine dies buch gehört dem könig 2, 532 (frau rath), vgl.turnzupfel turmspitze, münsterzipfel Straszburger münsterthurm Martin-Lienhart 2, 912a. das nd. stimmt dagegen mit dem weitergehenden engl. und nord. gebrauch: de topp van dem barge brem.-ns. wb.;

wann de sunne schint oppen topp (berggipfel, beim untergehn),
dann giət et acht dage regen dropp
Woeste

(worauf die angabe 'zopf prov. forestclad summit of a mountain' Muret-Sanders 2, 2333b beruht, ist nicht festzustellen). in der bedeutung mastspitze ist top von dort ins hd. gerathen. die bedeutung spitze, oberes ende dürfte ursprünglich auch in der alliterierenden formel zagel und zopf J. Grimm rechtsaltert. 4 1, 10 stecken, vgl. Brinkmeyer 2, 746b. nd. mit der wohl jüngeren variante topp und tögel ansetten ('ursprünglich vom pferd, das sorgfältig aufgezäumt wird' brem.-ns. wb.). mit der herrschenden bedeutung von zopf erneuert:

freute mich des leichten gangs,
und wie ich sie seh'
vom zopf zur zeh!
Göthe 3, 36 Weim.

hierzu auch seemännisch top und takel Kluge seemannsspr. 785. ähnlich heiszt verwandtes nd. timpe 'die ecke' bes. vom brod, auch kopf: he het wat im timpen 'ist betrunken' brem.-ns. wb.
 
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zopfabschneider, m.: die groszen zopfabschneider der menschheit haben zu allen zeiten, auch wenn an den zöpfen gelegentlich einige köpfe hängen geblieben sind, zu ihren wohlthätern gehört Augsburger allgem. zeit. 1866, 4854. — männer, welche aus krankhaftem triebe jungen mädchen die zöpfe abschneiden.
 
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zopfader, f., veraltet für die vena saphena interna Hyrtl 171. —
 
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zopfarchitekt, m.: der kahlen ernüchterung, welche die zopfarchitekten des späteren achtzehnten jahrhunderts einfalt nannten Justi Winckelmann 1, 260. —
 
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zopfbolle, m. f.?, plantago maior Stalder 2, 478.

 

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