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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zollforderer bis zollgebiet (Bd. 32, Sp. 57 bis 59)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zollforderer, m., veraltet: der was nit edler gepurt, sunder ein burger zu Constantinopel, ein gegenschreiber bei den offnen zolfordern der gewerbtreibern S. Franck chronica 165b. —
 
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zollforderung, f. Frisch 2, 481a. —
 
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zollfrage, f., 1) zolluntersuchung: aus späterer zeit weisz ich .., dasz Prag immer der schwierigste durchgangspunkt war für den reisenden mit pasz und zollfrage Laube 1, 198. 2) zollangelegenheit: die nachrichten, welche ich ew. hoheit über den stand der zollfrage mitzutheilen mir erlaubt Freytag briefe an herzog Ernst 191.
 
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zollfrei, adj. , mhd. zolvrî, zollevrî mhd. wb. 3, 403a, Lexer 3, 1149, mnd. tolnvrî, s. den beleg hierunter aus dem Sachsenspiegel, jedenfalls im ausgehenden mittelalter allgemein übliches wort der geschäftssprache, in den wörterbüchern immunis a vectigali. zollfrei ist
1) ein volk, ein gebiet, in dem, eine stelle an der kein zoll erhoben werden darf: wenn man sie der verpflichten dienstparkeit erinnert, schützen sie sich mit selbst erdichter freiheit, rümen sich ein zolfrei volck, und thun sich unzinszbare gottes knecht nennen Thomas Stör christl. weingarten (1524) c 9a; sie sind ein freyes volck .. zollfrey, keiner jurisdiction noch botmäszigkeit underworffen Moscherosch gesichte 37; zwo zollfreye steinerne schöne quaderstückige lange brucken Stumpf Schwytzerchron. 431a.
2) eine person, die keinen zoll zu zahlen braucht: papen unde riddere unde ir gesinde wesen tolnvri Sachsenspiegel 35 Homeyer (II 27, § 2);

waz zolles solt ein ritter geben?
Wolfram Willehalm 116, 17.

sprichwörtlich: studentengut ist zollfrei Eisenhart 645; auch: niemand ist allenthalben zollfrei Henisch 1201.
3) die ware, auf die kein zoll erhoben wird: zollfrei war improfessae merces Dasypodius 467a; und wöllen wo und wer uns in unser heer profandt zuführen, maut und zollfrei, und ungeirrt allenthalben durchgehen laszt Göhler chronica d. kriegshändel Maximiliani 24a.
4) der in verbindung mit verben der bewegung und passiven häufige prädicative gebrauch geht nach heutigem gefühl ins adverb über. allgemein sagt man: waren

[Bd. 32, Sp. 58]


passieren zollfrei, gehen zollfrei ein und aus, werden zollfrei bezogen, ein- oder ausgeführt. dem entsprechen ältere belege: do lisz man mich fahren zollfrey Dürer tagebuch 47; von dohär kompt es, das die von Weiszenburg zollfrei durch Ettlingen fahren S. Münster cosmographei 672.
sprichwörtlich von narren:

so gehe du voran, weil narren zollfrei wandern
Hoffmannswaldau ged. 3, 126 Neukirch.


5) das sprichwort gedanken sind zollfrei ist schon im 16. jh. allgemein bekannt; es wird von Luther öfter angeführt, zuerst 1523: denn war ist das sprichwort: gedancken sind zollfrey 11, 264 Weim. das sprichwort wird von Frisius mit einem römischen rechtssatz (dig. 48, 19, 18) zusammengebracht: cogitationis poenam nemo patitur. Ulpian. man straaft keinen u sinnens willen, dann, wie man spricht, gedencken ist zollfrey 241b; ähnlich Faber thesaurus 30a, Nigrinus von zäuberern 445, Corvinus fons latinit. 28. es ist also keine übersetzung, sondern war schon vorhanden, als das studium des römischen rechtes in Deutschland begann, dürfte aber kaum viel älter sein. eine deutliche übertragung jenes satzes ist: die innerlichen affecten seyen zoll- und strafffrey Dannhawer catechismusmilch 2, 181; vgl. auch gedancken sind zoll- aber nicht verdamnüsz frey Hohberg georg. curiosa 3, 120a. vielfach umgeformt und abgewandelt: meine eigenen gedancken ... seynt nicht zollfrey vor gott Grimmelshausen Simpl. 568 neudr.; bücher, sagt er, die einfuhr fremder gedanken ist hier zollfrei Herder 17, 400; luft und träume sind noch zollfrei in unserm lieben vaterlande Klinger werke 9, 152.
6) zollfrei ist auch frei von zwang, von strafe: wie schwer es sei, die zolfreien zaumlosen begird im zaum zu halten S. Franck chron. Germ. (1539) 28b; und damit auch dero (der wäscherinnen) übermüthiges verhalten nicht zollfrei ablaufft, ist durch sein gebet geschehen Abr. a St. Clara mercks Wien 50. —
 
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zollfreiheit, f., entsprechend dem adj. zollfrei 1) örtliches privileg: wie zum beispiel ... Brundusium jetzt die für diesen seehafen so wichtige zollfreiheit erhielt Mommsen röm. gesch. 2, 343; 1410 haben die ..., landgrafen von Thüringen und Meiszen, auf der Saale bis gegen Weiszenfels wegen des in ihren landen eingerissenen holzmangels bedeutende zollfreiheiten und zollermäszigungen gewährt Schwappach handb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 195. 2) privileg von personen, handwb. f. staatswiss. 8, 1042b; in Frankfurt (gab es) ein pfeifergericht, auf welchem die schöffen feierlich den abgesandten fremder städte zollfreiheit bewilligten J. Grimm d. rechtsalterthümer4 2, 462; der rath zu Schaffhausen ehrte seine tugend durch verleihung lebenslänglicher zollfreiheit Steub drei sommer in Tirol 1, 288. 3) von waren: sehr früh erwarben die geistlichen herren für die waaren, die zu der groszen messe geführt wurden, auf der strasze schutz- und zollfreiheit Freytag 17, 419. 4) sprichwörtlich: gewisz hat die zollfreiheit unserer gedanken und der geheimsten regungen unseres herzens bei uns nie auf schwächeren füszen gestanden, als itzt Lavater physionom. fragm. 4, 4. s. u. zollfreiung. —
 
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zollfreisig, zollfreisich, adj.: zolfraisiges guet 'gut mit dem man sich gegen die zollgebote vergangen hat' Schmeller2 1, 827 (danach mhd. wb. und Lexer); und swas salz kumbt an unnser zohlstett zu Wasserburg, und daselb heraus für das tor dasselb salz soll für sich gun (!) hinz Munchen an unnser zollstadt ...; oder swo man dasselb salz begreiffet (wenn es nicht auf der zollstrasze transportiert wird), so ist es zollfraisich und hat unnsern zol verfürt (1332) Lori baier. bergrecht 9. —
 
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zollfreiung, f.: vermöge derselben muszte sich Karl verbinden, die rheinische kurfürsten durch förderungsbriefe oder sonst in ihren zöllen und zollfreiungen wider das herkommen zu beschweren Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 30. —
 
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zollfreund, m.: die zollfreunde haben mir denn nach haus geschickt Gerlach briefw. m. Bismarck 38; o mein zollfreund! keine gedanken sind weniger zollfrei als die witzigsten Jean Paul 45/47, 43 Hempel.
 
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zollgardist, zollwächter:

[Bd. 32, Sp. 59]


sieht aber der zollgardist, dasz der kaufmann ... seine ware viel zu gering anschlägt Hebel werke 2, 464. —
 
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zollgebäude, n.: die neuen preuszischen zollgebäude Göthe III 11, 254.
 
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zollgebiet, n., vgl. 3zoll 2: so brachte es doch die unglückliche territoriale gestaltung Preuszens mit sich, dasz . die monarchie .. in zwei getrennte zollgebiete .... zerfiel Bernhardt gesch. d. waldeigenthums 3, 21. —

 

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