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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zögelzange bis zögern (Bd. 32, Sp. 21 bis 22)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zögelzange, f., 'damit das zögel-schürbel aus dem gröbsten geschmiedet wird' Minerophilus.
 
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zoge, f., von ziehen, hundeleine: folgten 50 rieden, welche an zogen geführt wurden, wie gebreuchlichen (in einem jagdaufzug 1630) zeitschr. f. culturgesch. 5, 249. auf ein anderes wort, dessen bedeutung und form nicht klar sind, weisen zwei alleinstehende glossierungen: purste oder porste oder vischschup seta zoga purst voc. theut. 1482 aa 2b; zogen, pl., 'ein gattung hüte, den filzhüten entgegengesetzt' in Ulm Schmid schwäb. wb. 550.
 
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zogelich, adj., sachte, in der Schweiz Stalder 2, 477; Frommann 4, 153a: man musz mit den leuten gar zogelich umgehen Gotthelf 22, 307. anders in Hessen gezoglich: sich gezoglich gegen jem. stellen, 'zu thätlichkeiten übergehen'. zu gezog schlägerei und veraltetem zogen zerren (vgl. bei zögern) Vilmar 472.
 
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zogemesser, m., schnitzmesser: tzogemesser mrg. schnitemesser (i. dolabra) Diefenbach 53b.
 
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zogen, v., gemeingerm. ableitung von tiuhan, *tugôn Fick 34, 166; an. toga Fritzner 3, 710a; me. toʒen Stratmann 612b; ahd. zogôn Graff 5, 620; mhd. zogen mhd. wb. 3, 935b; Lexer 3, 1145. das im mhd. in verschiedenen bedeutungen verbreitete wort erscheint literarisch nur noch zu beginn der nhd. zeit in der schon mhd. überwiegenden bedeutung 'sich von einem ort zum andern bewegen', besonders von reisenden schaaren, von heereszügen: an dem andern tag dar nach zoget der herr wider in die stat Steinhöwel Äsop 39 Österley; dorumb David stnd auff in der nacht er und sein mann: das sy zogten frú und kerten wider zu dem land der philistier erste deutsche bibel 5, 125 Kurrelmeyer (1 Sam. 29, 11); agmen zogende heres kraft Diefenbach nov. gloss. 12b;

gebt uns urlaup und laszt uns zogen
(der precursor am schlusz) fastnachtsp. 313 Keller.

provinzial ist zogen in Preuszen 'ziehen, flieszen': das (eingedämmte) wasser kann nicht zogen Frischbier 2, 498a. hierzu mhd. zogelen Lexer 3, 1145: vurbaʒ zogelen in daʒ gebît Jeroschin 25, 698; in neuerer zeit mundartlich zogeln, zugeln, im Pinzgau 'gehn', in Nürnberg 'zoten reiszen' Schmeller 22, 1096.
 
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zögen, v., zeigen, got. ataugjan; ahd. zougen Graff 5, 614; mhd. zöugen, zougen mhd. wb. 2a, 453b; 3, 921a; Lexer 3, 1158; mnd. tögen. nur noch mundartlich im Elsasz Ch. Schmidt 442b, aber nicht bei Martin-Lienhart. literarisch ebendort im anfang der nhd. zeit: aber der lerer nit bas leren mag dann so er die ding die er sagt zu oug des lerenden wesenlich zögt Terenz deutsch (Straszbg. 1499) xa.
 
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zögerei, f., gelegentliche bildung:

und gröszer wird die cumpanei,
und gröszer nur die zögerei
und immer lauter das geschrei
Hoffmann v. Fallersleben 3, 54 Gerstenberg.


 
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zögerer, m., von zögern, einer der überhaupt oder bei einem besonderen anlasz zögert, ein wort des tadels: alles war auch dieses mal schon verloren, als der zögerer anlangte Dahlmann gesch. von Dännemark 4, 169;

[Bd. 32, Sp. 22]


da kommt der zögrer endlich!
Bauernfeld ges. schr. 1, 193.

vereinzelt ist die transitive verwendung, s. DWB zögern II 1: wir wollen es nicht der ... zeit überlassen, dasz sie diese verwüster .. der natur, oder die trägen zögerer ihrer ausbildung wegräumen Herder 22, 314 Suphan. dafür zöger Steinbach 2, 1099, grammatikerconstruction aus undeutlicher aussprache.
 
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zögerlich, adj.: diese sache geht sehr zögerlich Steinbach 2, 1099, nicht üblich geworden.dazu unzögerlich, verzögerlich Sanders 1776a: dieser (besitzer eines affen, der ein corpus juris beschädigt hat) bringt alle so wohl verzögerliche als zerstörliche schutzreden (einreden) vor Quistorp an Gottsched bei Danzel 14.
 
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zögermuth, m., gelegentliche bildung, 'zaghafter gemüthszustand':

Brangane folgt mit zögermuth
Immermann 13, 195 Hempel.


 
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zögern, v. , ein wie zaudern dem nhd. eigenthümliches wort. form und herkunft.
zögern ist eine iterativform von zogen, die als solche sehr alt sein kann, aber, von einer ganz zweifelhaften stelle (genesis 79, 15 Diemer, vgl. 2, 37) abgesehen, erst gegen 1700 sich in der schriftsprache eingebürgert hat. dagegen gleitet mhd. zogen schon vereinzelt in die bedeutung 'zögern' über:

ir zogen (mit der antwort) daʒ ist doch umsust
Ulr. v. Eschenbach Alexander anh. 296.

auch transitiv:

wâ mit er mich nu zoget
Walther 104, 14.

mundartlich erscheint zögern als 'ohne zweck hin und her ziehn' in Baiern Schmeller 22, 1097, verbreiteter sind verwandte, auch auf ziehen zurückgehende bildungen im nd. und md. (vgl. bei zocken) tockern, zockern, zöckern brem.-nieders. wb. 5, 78; Schambach 236a; zopperen, zökkeren, zögeren, zukkelen moras nectere cunctari, säumig zu sein suchen Schottel 1449: hertoge Hinrick .. tockerde dar ock mede van eyner tiit to der anderen chron. d. städte 16, 407 (Braunschweiger schichtbuch); dazu tockeringe Schiller-Lübben 5, 281a; töckerie ndd. jahrb. 34, 98a. ferner steir. zeckern 'zaudern', zeckerer 'faulpelz' Unger-Khull 645b.
für zögern braucht Luther verziehen Calwer bibelconcordanz 1284, und säumen 1011b. die älteren wörterbücher geben für cunctari harren sumen zwifelen Diefenbach 162b; verziehen, hinderen Dasypodius 46b; für differre verziehen, verlengen, underziehen Diefenbach 181a; für hesitare zwifeln 276b; zweiflen Dasypodius 90b, für moror ich verziehe, hindere 142b; Diefenbach 367c. noch Spieser (Basel 1700) übersetzt cunctor langsam sein, saumen, verhinderen 1, 271a, und sogar Weber lat.-deutsch. universalwb. (1745) nennt es nicht, hat aber zaudern.
die ältesten belege weisen nach dem südwesten und zeigen die später vereinzelte, und zwar selbständig geprägte transitive bedeutung, s. unten II 1: hie mit ... will E. F. G. disen armen priester zögern, gnediklich und um gottes willen verhören oder verhören lassen A. u. Th. Blaurer briefwechsel (1509—1548) 1, 554; der pfarrer zögerte mich auf seinem losament bis 10 uhr Grimmelshausen Simpl. 1, 137 Keller. es ist zweifelhaft, ob unser wort damit geschichtlich zusammenhängt. in der oben angeführten stelle aus Schottel erscheint es nicht wie ein allgemein übliches wort des hochd. der zusammenhängende gebrauch beginnt, und zwar in intransitiver bedeutung, mit zwei dichterstellen:

wie lange zögert ihr, euch zu entfernen?
Neukirch Hoffmannswaldaus u. anderer deutsch. ged. 7, 205;

wenn hat es dem Adon verstöret seine ruh,
mit: zögre, zögre nicht, ach komm, wo bleibest du?
Warnecke poet. versuch (1704) 415.

[Bd. 32, Sp. 23]


seitdem steht der gebrauch von zögern fest. das wort wird also von den Schlesiern in die schriftsprache eingeführt sein. bedeutung.
zögern ist das mehr oder weniger absichtliche verweilen in dem zustand vor der ausführung einer handlung, die man vor sich hat oder die von einem erwartet wird. es nimmt in der regel dabei keine rücksicht auf die ursache, während zaudern die folge von unschlüssigkeit, säumen von lässigkeit ist Campe 5, 821a (bei zaudern); Eberhardt-Lyon 17 850.
es wird gebraucht
I. eigentlich und vorherrschend, intransitiv.
1) ohne bezug auf die verzögerte handlung.
a) die vorausgesetzte bedeutung 'zwecklos hin und her ziehen' schimmert noch durch, wo es sich um eine bewegung handelt, vor allem wo besondere bestimmungen auf das verweilen an einem orte weisen: wo zögert er Schiller 14, 55; nun kam ihm der schreckliche gedanke, die mutter sterbe, während er hier oben (am rande des waldes) zögere Raabe hungerpastor 251; das trieb, da er zögerte (hinauszutreten), sie wieder hinein in den saal Ludwig 1, 151 Stern;

wer dächte, dasz Apoll gerufen zögere
Ebert episteln u. verm. ged. 39.

es schwächt sich ab zu 'in der bewegung stocken, nicht vorwärtskommen':

so sehr ich eilte, muszt' ich dennoch zögern,
weil ich von Rom mir andre wege suchte;
denn schon sind alle heiden auf dem zuge
Tieck 1, 227.

von naturvorgängen: er schildert, wie er dann, wenn der frühlingsregen zögerte, wasserfässer herbei schaffen liesz Wimmer gesch. d. deutsch. bodens 65. anschaulich wirkt es in poetischen schilderungen:

in den heitern lüften zögerten wandernde vögel
Hölderlin 2, 143 Litzmann;

da ist's, als ob, erstaunt zumal,
noch zögern will der letzte strahl
Droste-Hülshoff 2, 30;

die (tanne) zögert an abgründen,
wo alles rings
hinunter will
Nietzsche 8, 366;

hallen, ... in deren geheiligtem haag verflossene jahrhunderte zu zögern scheinen Justi Winckelmann 1, 17. es wird sogar kühnlich mit einer ortsbestimmung verbunden:

wie! oder zögerst du von des Albion
eiland herüber
Klopstock oden 1, 11 Pawel-Muncker;

die sonne zögert aus der welt
D. v. Liliencron 9, 77 (ein erinnern).


b) zögern ist ganz allgemein das gegentheil vom rasch einsetzenden handeln, manchmal mit betonung des gefährlichen, manchmal des vorsichtigen, auch hinterhältigen, 'meist in übler bedeutung' Frisch 2, 480c: er (Ananda, schüler Buddahs) begehrt von einem tschandala-mädchen, das wasser schöpft, einen trunk, und als es zögert, um ihn nicht durch berührung zu beflecken, spricht er Peschel völkerkunde 285; da der römische hof zögere, wolle er nicht zögern: als kaiser ... berufe er das concilium Ranke sämmtl. werke 1, 166; wenn wir zögern, so ziehen sie mir vor's schlosz Göthe 8, 104 Weim.;

Burleigh. erwarte, zögre, säume, bis das reich
in flammen steht
Schiller 12, 536;

aber Alexanders heldensinn verschmähte zu zögern und zu erschleichen, wo er handeln und entscheiden konnte Droysen gesch. Alexanders d. groszen 57.
c) die dauer des zögerns wird angegeben durch ein adverb oder einen satz mit bis: ah, mademoiselle, ich zögere ihnen wohl zu lange? Ebner-Eschenbach 4, 104; sie blickte mich an, zögerte ein weilchen, bückte sich dann und nahm die frucht Stifter 5, 1, 121; und indem sie gleich mitzugehen willens schien, zögerte sie doch eine kurze zeit, einige rosen brechend, bis der diener weg war Keller 4, 52. mit hin verbunden: er

[Bd. 32, Sp. 24]


(Göthe) liesz sich nöthigen und treiben und zögerte geheimnisvoll hin, bis er im 82. jahr mit diesem lebenswerke zugleich das leben abschlosz Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 97, s. hinzögern th. 4, 2, 1549.
d) das particip zögernd begleitet nach stehendem brauche ein verb.,
α) der bewegung oder des stehenbleibens: und von einer starken vorahnung erfüllt .. schritt er .. zögernd weiter Fontane I 6, 112;

und als die sonne hoch am himmel zieht,
da lenkt er zögernd heimwärts seine tritte
Droste-Hülshoff 2, 223;

und zögernd schiebt des greises hand
den kleinen kalten arm zurück 2, 31;

zögernd kommt die zukunft hergezogen
Schiller 11, 14;

sie blieb zögernd stehen und sah ihn einige augenblicke schweigend an Eichendorff 3, 133.
β) des sagens vor directer rede: zögernd, denn an ihren reden sah er schon, wie wenig sein einkauf ihr behagen würde, antwortete er Grimm deutsche sagen 1, 166; er antwortete zögernd: 'jawohl' M. Meyr erzähl. aus dem Ries 1, 208.
dabei gleitet oft die participiale bedeutung ins adverb hinüber, vgl. unten III 2: wenn er die erste strecke seines weges nur scheu und zögernd zurücklegt Raabe hungerpastor 190; endlich fragte Oversberg sehr leise und sehr zögernd: wenn ich bliebe? Ebner-Eschenbach 4, 178.
2) die verzögerte handlung wird ausgedrückt durch
a) einen infinitiv mit zu: das süsze gefühl ... liesz mich immer noch zögern, ins haus hinabzugehen Storm 1, 64; sie zögert (Medea) zur that zu schreiten Herder 17, 382; ich zögre fast, es auszusprechen Fontane I 4, 293.
b) durch ein verbalsubstantiv oder gleichartiges wort, durch die präposition mit angefügt: Philipp war undankbar genug, mit der auszahlung zu zögern Schiller 4, 94; er zögerte mit dieser urkunde von einem monat zum andern Bahrdt gesch. seines lebens 3, 78; alles bunte seidene, mit dessen ankauf man weislich zögerte Göthe 24, 314 Weim.; Agnes zögerte mit ihrem entschlusse Keller 2, 228; seit einigen tagen zögert eine der schwiegertöchter des königs mit ihrer niederkunft Gutzkow 7, 302.
c) durch ein verbalabstract oder gleichartiges wort als subject zu zögern: noch zögerte der angriff Moltke ges. schr. u. denkwürdigk. 1, 174; die versendung des vollständigen heftes möchte wohl noch eine zeitlang zögern Göthe IV 37, 54 Weim.; mit angst harrte er der antwort, die ewig, ewig zögerte Stifter 1, 200; diesem entschlusse zögerte die ausführung Becker weltgesch. 13, 449.
3) in der verneinung bezeichnet zögern nachdrücklich den unmittelbaren beginn einer handlung.
a) alleinstehend: der zögerte nicht lange, sondern liesz sich von ihm alle die alten und neuen minnelieder .. abschreiben, deren er habhaft werden konnte Keller 6, 39; deine bitte .. ist zu dringend, als dasz ich länger zögern könnte W. v. Humboldt ges. schr. 1, 19; dir stehen noch schmerzliche ökonomische opfer bevor, unterwirf dich ihnen ohne zu murren und zu zögern Meinecke Boyen 1, 141.
insbesondere in kräftiger aufforderung zu schleunigem thun, im imperativ und verwandten formen:

dann zögre nicht, o Daphne! lasz uns beide
Cytherens heiligthum' uns nahn
Miller gedichte 292;

zögre länger nicht!
maler Müller 1, 81;

du sollst nicht zögern — keinen tag Bauernfeld ges. schr. 6, 134.
formelhaft ist die frage was zögerst du? in verschiedenen abwandlungen: mort! was zögerst? maler Müller 1, 364; murrst du? zögerst du? Schiller 2, 176;

[Bd. 32, Sp. 25]


nun hast du das kaufgeld, nun zögerst du doch?
Heine 1, 20;

was denn noch zögern? dann schnell nur fort Fouqué altsächs. bildersaal 4, 68.
b) formelhaft ist auch zögern mit dem infinitiv in der auffordernden frage: warum zögern sie (anrede) zuzugreifen? Klinger werke 1, 186; was zögern wir, sie noch einmal anzufeuern? neues theater 1, 5; mit welchem recht zögert ihr da, die mitwirkung euerer brüder ... laut zu begehren? briefe von und an Herwegh 176.
c) nicht zögern mit dem inf. ist, wie in anderen sprachen, als stehende verbindung für das, was sofort eintritt, in der erzählung, besonders der geschichtlichen, beliebt: und zögerte keinen augenblick, sie nun auch ins werk zu setzen Ranke 1, 20; obwohl es die fassung zweifelhaft liesz, ob die auffordrung aus der eignen initiative Roons hervorgegangen oder von dem könige veranlaszt war, zögerte ich nicht abzureisen Bismarck gedanken u. erinnerungen 1, 294 volksausgabe; er konnte nicht länger zögern, sich es selbst zu gestehn Göthe 23, 141 Weim.; das vaterland rief mich, und ich durfte nicht zögern, dem rufe zu folgen E. Th. A. Hoffmann 6, 78 Grisebach.
ungewöhnlicher ist die anwendung auf gegenwärtiges und zukünftiges und nicht frei vom verdacht der einwirkung des frz. ne pas tarder à: wir werden aber nicht zögern, die bewohner Kaschgariens zu den türkischen mischvölkern zu rechnen Peschel völkerkunde 135.
II. transitiv, vgl. sp. 22 unten.
1) zögern wird nach Klopstocks vorgang in poetischer sprache des 18. jhs. im sinne von verzögern gebraucht:

sie stärket uns, zögert des todes
gang, die mächtige freude
Klopstock Messias 16, 222;

grausame nymphen! rief sie, ach! zögert nicht meinen tod Sal. Gesner schriften (1777/78) 1, 80;

fort! dein zagen zögert den tod heran
Göthe 14, 229 Weim.;

der herr zögert nicht die verheiszung C. u. L. van Esz bibel (2 Petri 3, 9), wo Luther verzeucht hat.
durchaus sprachgemäsz ist transitives hinzögern, hinauszögern s. th. 4, 2, 1549.
2) seltener ist reflexives sich zögern: solange .. der gewünschte morgen sich zögert Bodmer samml. critischer u. poet. schr. 1, 14;

und schon geht der mohr verzweifelnd
da es sich so lange zögert
Herder 25, 153.

gewöhnlich dafür die verbindung mit hin: das gewitter zögert sich hin; es zögert sich hin.
III. recht selbstständig sind die nominalformen ge worden
1) der inf. als subst.
a) allgemein: nur das zögern macht feige Klinger neues theater 1, 6;

wenn redlichkeit verspricht ihr opfer beizutragen;
gilt treues zögern mehr, als falsche fertigkeit
Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 143;

ein kurzes zögern noch, dann reichte er sie dem greise hin Ebner-Eschenbach 2, 49.
b) durch verbindung mit einem demonstrativ- oder possessiv-pronomen auf einen besonderen fall bezogen: dieses zögern hinderte ihn Ludwig 1, 280; Schiller beobachtete dies zögern, und sagte eben diese folgen der zögerung .. voraus Gervinus gesch. d. deutschen dichtung 5, 426; mein zögern ist verzeihlich Göthe 9, 178 Weim.;

der Oxenstirn, der Arnheim, keiner weisz,
was er von deinem zögern halten soll
Schiller 12, 107;

und geht an den folgen seines zögerns unter Ludwig 5, 278.
c) beliebt und fast formelhaft sind die verbindungen mit den präpositionen durch, mit, nach, wegen, ohne.

[Bd. 32, Sp. 26]


ständige beiworte sind dabei langes, längeres, anfängliches, weiteres, einiges, manches: das wurde durch längeres zögern nur noch schlimmer Ludwig 2, 90; du hast recht zu schelten, mein sohn, sprach mit verlegenem zögern die alte Holtei erz. schr. 5, 221; nach anfänglichem zögern Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 495; aber es bedurfte der erlaubnis der gnädigen frau, und sie ertheilte sie nur nach einigem zögern Alexis hosen 1, 27; die anfechtung musz .. ohne schuldhaftes zögern erfolgen bürgerl. gesetzb. § 121.
fest ist die verbindung ohne zögern:

ohne zögern, ohne worte
schreiten sie zu rascher that
Göthe 1, 176 Weim.;

ich war auf deine frage gefaszt und erwiderte ohne zögern Ebner-Eschenbach 4, 95.
2) das part. präs. als adj. oder adv.
a) die langsamkeit eines vorgangs oder einer handlung, in der musik verhaltenes tempo, nach it. ritardando.
α) schlechthin: o wie lang, wie öde, wie schreckhaft ist die zögernde winternacht für den gefangenen Schubart leben u. gesinn. 2, 47; im zögernden galopp der schnecke Pfeffel poet. versuche 2, 41; mit langen, bald schnellen, bald zögernden schritten ging der gefangene general .. auf und nieder Moltke ges. schr. 1, 71; die viertaktige phrase musz zögernd vorgetragen werden R. Wagner ges. schr. u. dicht. 5, 166;

aus dem leben, das bald durch felsen
zögernder flieszt, und bald
flüchtiger
Klopstock oden 1, 165 Pawel-Muncker.


β) mit betonung der vorsicht oder der unentschlossenheit: Klotilde willigte ohne zögernde eitelkeit in das singen ein Jean Paul 7/10, 94; er hält der krone die forderung der freiheit entgegen .., zögernder seiner geistlichkeit die forderung der ewigen vernunft Dahlmann gesch. d. franz. revolution 166; so dasz der prinz mehrmals sein leeres glas rückwärts über seine schulter hielt, wo es zögernd wieder gefüllt wurde Bismarck ged. u. erinnerungen 1, 351.
b) vorsichtig-unentschlossene langsamkeit als eigenschaft: Tardif, die träge, zögernde schnecke J. Grimm Reinhart Fuchs, vorrede 229; Hamilton wurde ... zu rascherem vorgehn vermocht, als seiner zögernden natur entsprach Ranke 16, 300; jener bedächtig, weitblickend, zögernd, klug Scherer d. literaturg. 30; herr Bolten bemerkte den ängstlichen, zögernden ausdruck in ihrem gesicht Seidel vorstadtgesch. 99.

 

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