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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zochzinke bis zofendienst (Bd. 32, Sp. 15 bis 20)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zochzinke, vereinzelte volksetymologische umformung von hyazinthe: ein strausz von wohlgeruch duftenden zochzinken mit herabsinkenden glöcklein Musäus volksmärchen 1, 97 Hempel.
 
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zocke, f., 'der vorspringende unterbau eines bauwerks, sockel' Meyer conv.-lex. 6 18, 562a; Brockhaus 14 16, 1001b; podium zocke Vitruvius de architectura anh. 51 Rode; ist eine zocke oder sonst eine erhebung oder vertiefung .. vorhanden allg. d. biblioth. anh. zu bd. 25 bis 36, 845.
 
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zockel, f., holzschuh, mundartlich im ganzen Alpengebiet Lexer kärnt. wb. 266; Unger-Khull 654a; Schöpf 768, 830; bair. zuckel Schmeller 2 2, 1084, im 12. jh. als demin. belegt: crepida zockelnb zockelira, lies zockelîn Steinmeyer-Sievers 3, 652; Graff 5, 626. das verhältnis zu it. zoccolo, kroat. zokla, ngr. τζοκαρον ist nicht ganz deutlich: die frauen (im mohrenland) haben vor der scham ein spann breit von dem holz, daraus man die zockeln macht an einer schnur hangen Leos von Rozmital reise 180 Schmeller.
 
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zockelholz: die mauren von Fez .. hatten .. clipeos e corticibus quercuum quod zockelholtz vocant Monetarius bei Schmeller.
 
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zockeln, v. , von zocken, selten neben zuckeln.
1) unruhig ziehen, zerren: auf der bequemen landstrasze machte er durch unnöthiges zockeln sein pferd unruhig Vischer auch einer 2, 20.
2) intr., meist mundartlich 'in kleinen schritten hinterherziehen, hinterherzotteln' Hertel 265, Kleemann 26b; so zockelte er denn auf der .. strasze im langsamsten passe hin Dingelstedt die neuen argonauten 186.
 
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zocken, v. , ahd. zocchôn Graff 5, 623; mhd. zocken mhd. wb. 3, 937b; Lexer 3, 1145; nd. tocken Schiller-Lübben 4, 558a brem.-nieders. wb. 5, 78; Bauer-Collitz 106a, 312b; auszerdem in Thüringen und im südlichen Franken belegt Hertel; Meisinger Rappenauer mda. 213. bair. erscheint nur zucken. in der Schweiz nur intr. vom zucken des schmerzes, s. unten, dagegen für verlocken, betrügen, zöken, zöucken, zöchen mit gedehntem stammvocal (nach brieflicher mittheilung), auf mhd. zœhen beruhend Maaler 523a; Stalder 477; Schmidt id. bernense bei Frommann deutsche mdaa. 4, 153a.
obwohl nur auf deutschem sprachgebiet belegt, ist die grundform von zocken doch als eine besondere germanische bildung neben den andern zu *tiuhan gehörigen

[Bd. 32, Sp. 16]


schwachen verben anzusehen, vgl. Fick 3 4 166; Falk-Torp-Davidsen 1315. von ihr ist it. toccare, franz. toucher ausgegangen Diez 5 1, 146. deutsche weiterbildung ist, auszer zockeln, zöckern umziehen (Iglau) zeitschr. f. d. alt. 5, 254, nd. töckern zögern, zaudern brem.-nieders. wb. 5, 78.
zocken eigenthümlich sind die bedeutungen 2 und 3, die letztere ist in der Schweiz und im Elsasz zu hause, während es sonst aus md. und nd. gebieten belegt ist. bedeutungen.
1) ziehen, zerren, reiszen.
a) in md. und ndd. mundarten 'etwas in büscheln ausziehen, in kleinen griffen ausziehen' Harz, Nordhausen Hertel 265, ebenso nd. tocken ten Doornkaat-Koolman 3, 422; nd. jahrb. 32, 166; uuttocken auszupfen brem. nieders. wb. 5, 78. besonders vom wollezupfen, carminare .. zeisen .. wolle flucken .. kampeln .. tzocken Diefenbach 102a: so czockte unde czeysste sie die wollen, die sie vorters spynnen wulde Wigand Gerstenberg chron. 193 Diemar; in Hannover vom heu, das entweder mit der hand oder mit dem tokker, hautokker, tok-haken oder tokkelhaken aus der scheune oder von der banse heruntergezerrt wird brem.-nieders. wb. 5, 78; nd. jahrb. 24, 125a. danach in mundartelndem hd. an etwas zupfen: dies hatte die wirkung, die die frauen mit ihrem flehenden zerren und zocken nicht hatten erreichen können Sohnrey im grünen klee 242; der noch seinen soldatenschnurrbart trug und selbstbewuszt daran zockte 294.
hierzu gehört das adj. zocket: nimb rein rüsten werck oder flachsz und schneide in als lang der wol zocket ist Würtz practica der wundartzney 39; 'groszährig vom hafer' Unger-Khull 653, und zöckli, n., hede Stalder 477, und zöcklein, n.: da sie (die altmärkischen städte) zuvor mit zöcklein, roten sencklen und sunderlichen knoten und mit den heiligen ihren patronen siegelten Entzelt cron. d. alten mark lb.
b) 'wiederholt ziehen, mit dem leitseil oder zügel' Meisinger Rappenauer mda. 213.
c) zausen, plagen:

daʒ dich der divel zocke
Mone schausp. des mittelalters 1, 81.

reflexiv sich zocken sich zanken Hertel 265.
d) vom zuziehen eines fangnetzes: eyn faudt (vogt) der sall jagen ane hecken und ane garn zuzocken weisth. 1, 498 (Dreeicher wildbann 1338).
e) sich zocken, sich an zocken sich anmaszen, ahd. sih zochôn, anazochôn arrogare Graff 5, 623; mhd. wb. 3, 937b; Lexer 3, 1145;

swer sich daʒ an wil zocken
er habe grœʒer her gesehen,
daʒ ist im selten sît geschehen
Wolfram Willehalm 9, 4.


2) locken. im mittelalter in md. und mnd. quellen, mit stehendem reim locken mhd. wb. 2, 937b; Lexer 3, 1145; Schiller-Lübben 4, 558a;

lâge hatte er gesat
unde sante eine rote
so hin in di gegenôte,
di daʒ volc da zockte
und herabe lockte
Jeroschin 139b Pfeiffer.

auch in den mundarten desselben gebiets Bauer-Collitz 106a. 312b; enem das sinige aftokken brem.-nieders. wb. 5, 78. über schweiz. zöken s. oben.
3) intr. vom zerren, zucken des schmerzes, besonders in einer entzündung, in der Schweiz und Schwaben Seiler 327a: es zockt mir; die wunde zockt Stalder 2, 477; zoggen Schmid schwäb. wb. 551; ältere literarische belege aus der Schweiz und dem Elsasz: der sol diss (kranich) fleisch meyden, der stäts mit dem flusz der guldinen aderen beladen wirt, fürauss so dise kranckheit vast zocket Gesner thierb. (1563) 2, 167a Herold-Forer; die dritte art der wundsucht wird genennet dasz zocken oder die unrhu oder auch die wundsucht in der wunden Würtz practica der wundartzney 364; dann die arth ist in den spiritibus, dass sie zu gleicher weiss

[Bd. 32, Sp. 17]


nagen, wie der wurm im finger, denn also ist die mercurialische arth, wo sie sich centriert, da nagt es und zocket wie ein brennender kohl Paracelsus (1616) 1, 656b.
4) vereinzelt mundartlich auch zögern, zaudern Kehrein volkssprache u. volkssitte in Nassau 1, 455.
 
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zöfchen, n. , dimin. von zofe.
1) hebt das zierliche, gewandte hervor:

mein schönes zöfchen, meinen besten grusz
Bauernfeld 1, 234;

die göttin der gelegenheit,
wie'n zöfchen, flink und heiter,
kam sie vorbei
Heine 1, 237;

(der papagei)
mein rang ist gleich nach der mätresse;
ein zöfchen dient mir, wenn ich esse,
und mein gebauer ist ein thron
Pfeffel poet. versuche 2, 122;

mit rosiger nase schleppt der lakai
die schwere tanne von hinnen;
das zöfchen trägt ein leiterchen nach
zu ersteigen die grünen zinnen
Keller 10, 97.


2) bezeichnet das unbedeutende des standes:

was hat das zöfchen an den sohn vom haus zu schreiben?
Müllner, dram. w. 6, 101.


3) wird spöttisch, auch verächtlich gebraucht:

maulend ging hinweg das zöfchen
Immermann 12, 77;

die gröszte freude über meinen unfall hatte wohl das zöfchen, dem ich auf der Weser auf dem speiseschiffe ... so strenge mitgespielt hatte, und das jetzt recht stattlich bei dem major .. eine art von haushälterischer liebschaft machte Seume 11, 117.
 
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zofe, f. , dienerin einer vornehmen frau für den persönlichen dienst, ein dem nhd. eigenthümliches wort. form und herkunft.
zofe tritt zuerst im 17. jh. auf, und zwar in Obersachsen Corvinus fons latinitatis 623 (1623), Zesen Helikon 2, 4a (1656), Duez (1663), Reyher, Stieler: als ich in ihr haus kahm, so ward ich straks von einer zohffen in ein zimmer begleitet Zesen adriat. Rosemund 41 neudr.; doch sie hörten den bescheid, der edelmann vergäbe seine zofe dem verwalter Chr. Weise (1675) die drey klügsten leute 340. in den wbb. des 15. und 16. jhs., Brack, Maaler, Frisius, Dasypodius, Golius, fehlt es bei pedissequa, vgl. unten. Schaidenreiszer nennt die mädchen der Nausikaa hoffjungfrauen Odyssee 24a, dagegen heiszt es bei Prätorius: diese königin .. sol .. sich mit ihren gespielen oder zoffen in unsere landschaft begeben haben Blockesberges verrichtung (1662) 14.
die heutige gedehnte aussprache des o wird früh durch schreibung (zoofe, zohfe bei Zesen) und reim bestätigt Grünwald vorrath d. männl. u. weibl. reime (1695) 198. daneben geben Stieler zaufe neben üblicherem zofe 2593 und Schottel zauffe neben zoffe 1447. andererseits bezeugt die im anfang, bis zu Günther, scheinbar überwiegende schreibung zoffe eine nebenform mit kurzem vocal, noch im reim auf hoffen, aber zofen geschrieben, bei Schiller 1, 192 (anthologie), auf welche auch die vorgeschichte des wortes hinweist. die eigenthümliche bedeutung von zofe ist im anfang dienerin, die der herrin nachfolgt, folgemagd, es wird von den lexikographen Reyher, Stieler durch nachtreterin (s. th. 7, 209), pedissequa glossiert: pedissequa .. eine aufwärterin, nachtreterin, zoffe, die einer auff dem fusze nachfolgt Corvinus; treulich will ich auch einen studiosum vermahnet haben, dasz er sich ja hüte vor dem stücke fleische, das der frauen hinten nachgehet, ich will sagen, vor einer sogenannten zofe der wohlgeplagte priester (1695) 55. es entspricht dem älteren zoffmagd, welches wie zochjungfrau, zottmagd, zottelmagd und elsäss. ketschmagd (th. 5, 629) dem 15. und 16. jh. angehört. in diesen verben ist der erste theil ein verb, welches 'nachlässig gehen, hinterherschlendern', auch von kleidern 'nachschleppen' bedeutet. die wörter sehen wie spottnamen aus, etwa auf eine neu

[Bd. 32, Sp. 18]


aufkommende sitte, s. DWB zoffen. auf zoffmagd beruht zoffe, die herrschende form zōfe geht dagegen entweder mittelbar durch zofmagd oder unmittelbar auf md. zōfen für obd. zaufen (s. bei zoffen) zurück, vgl. DWB zaufe bei Stieler und Schottel. als 'sächsisch' wird zofe für kammerjungfer ausdrücklich bezeichnet von Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3, 614 und Fulda versuch e. idiotikensammlung 603a. bedeutung.
1) wenn auch der eigentliche begriff nachtreterin bald verblaszt ist, so bleibt doch zofe die dienerin der vornehmen, früher ausschlieszlich adligen frau, die ihr persönlich aufwartet: zove, ist ein mädchen, so der adelichen frau ihren putz verfertiget, sie bedienet, und ihr täglich aufwartet. das gemeine volk an etlichen orten nennt sie aus unverstand treppenfleisch Amaranthes 2166; bei sich ereignenden vacanzen .. bekam einer der domestiquen, der eine zofe aus dem hause heirathete, den vacanten dienst der Leipziger aventurier 2, 128; noch sitzt sie auf dem stuhle geheftet, indessen dasz ihre geschäftige zofe die schwarzglänzenden haare ringelt, locken an locken aufbauet, und sie mit wohlgerüchen und juwelen durchwebt Hirschfeld 165; möchte der himmel es fügen, dasz ich das arbeitsame kind bald in einem guten adeligen hause als zofe anbrächte! J. Paul 3, 205. die zofe wird darum von anderen mägden unterschieden: drüber stehet eine vorwitzige zoofe auf (vorher ist von der magd die rede) Prätorius anthropod. plut. 1, 43; allermaszen solcher die käsemutter zu ihr (der köchin) und der zoffe gesagt Thomasius ged. u. erinner. 1, 9; die dorff-schänken, allwo ich mit denen bauer-mägden offt bessere kurtzweil triebe, als mit mancher hoch angesehenen, lumpichten zofe Zendorius a Zendoriis teutsche winternächte 25; nachdem er sie befragt, .. ob keine magd oder zofe etwas verschuldet Stifter 1, 226.
2) selten, von mägden allgemein: des morgens gehen I. F. G. ins bräuhaus und sehen wie allda mit den hainischen zofen gehauset sei worden Schweinichen denkwürdigk. 177.
3) dem mädchen von stande gegenüber ist die zofe die niedrig stehende: ein hausknecht oder eine einfältige zofe Bode Montaignes leben u. meinungen 1, 154; junge männer, welche ... als kellner, ladendiener, ... mit dem lächeln einer zofe dankbar vorlieb nahmen, ... verdrehen sentimentalen 'fräuleins' die köpfe, wenn sie akteurs sind oder auch nur heiszen Holtei erzählende schr. 35, 129;

der (der sohn des schreibers) in den kargen feierstunden
romane von der zofe borgt
Droste-Hülshoff 1, 219.


so bekommt das wort auch für sich einen herabsetzenden klang: den wer wolte der überligen zoffen und faulen ammen mehr Prätorius philosophia colus 191. mundartlich zaffe 'schlechtes mädchen' Hertel 261; zafentink 'schnippisches, freches mädchen' auf dem Eichsfeld Hentrich 29.
4) wie der dienst der zofe, so ist das wort schon früh vornehm geworden und hat sich in der gewählten sprache festgesetzt, der es jetzt ausschlieszlich angehört. aus dem eigentlichen gebrauch ist es am ende des 18. jhs. verschwunden. 'das wort ist im gewöhnlichen hd. sprachgebrauch veraltet, und blosz für die höhere und dichterische schreibart aufgesparet worden' Adelung; Heyse 2102. es war wohl nur auf einem beschränkten gebiet ein wort des hausgebrauchs und ist den anderen gegenden durch die schöne literatur vermittelt worden. doch scheint es in neuerer zeit noch in Österreich wirklich für kammerjungfer gebraucht zu werden: die zofe behauptete, just die ohren hätte sie sich verstopfen müssen Ebner-Eschenbach 4, 192. vgl. auch den beleg aus Stifter unter 1. sonst ist es ein ausgesprochen literarisches wort, auch wo es in briefen u. ä. vorkommt: nun was gehn mich die andern an, ich habe ja nichts mehr mit ihnen zu tun, auszer etwa mit deiner zofe Bismarck br. a. s. braut u. gattin 64.

[Bd. 32, Sp. 19]



noch einige belege aus der poetischen und der roman literatur:

der jünger, der bereits ins hohenpriesters hofe
als wie zu hause war, der redet mit der zofe,
die sonsten hüterin der thüre muszte seyn
Schmolcke sämtl. trost- u. geistr. schr. 2, 303b;

auf, zofen eilt
Schiller 1, 316 (Semele);

(die vertriebene Germania) ich musz alleine sein,
von zofen unbedient
Fleming deutsche ged. 1, 102 Lappenberg;

zu eben dieser zeit ritten ... drei junge damen mit einem geleite von knappen und zofen Fouqué Zauberring 2, 69; die frau herzogin mit ihren zofen und pagen harret Arnim 10, 162; ich habe die herrin mit einer ... zofe auf seine nächste burg zu bringen C. F. Meyer der heilige 75.
5) zofe wird oft mit einem bestimmten nebensinn gebraucht.
a) des zierlichen, gewandten, stehende beiwörter sind klein, niedlich, reizend:

die kleine braune Delia,
die niedlichste von allen zofen
Pfeffel poet. versuche 1, 69;

die kleinste zofe wird nichts mehr an dir beneiden
Göthe 16, 35;

ein weib voll hoher majestät,
und neben ihr mit leichtem trippeln geht
die kleine zofe
Droste-Hülshoff 2, 223;

ein schöner, vierzehnjähriger knabe, welchen der landvogt eigens ausgesucht und in das gewand einer reizenden zofe gekleidet hatte Keller 6, 225;

die königin der feen.
katze, werd' zofe,
sanft und doch beiszig,
katzennatur!
Grabbe 4, 45 Blumenthal (Aschenbrödel).


b) höfischer leichtfertigkeit, entweder scherzend:

sieht scheel er einmal nur die zofe,
den läufer und den schooszhund an,
so mag der vogelfreie mann
bald nach dem schlosztor um sich sehn
Göckingk ged. 1, 33;

die herrn und fraun am hofe,
die waren sehr geplagt,
die königin und die zofe
gestochen und genagt
Göthe 14, 106;

als der könig Rhampsenit
eintrat in die goldne halle
seiner tochter, lachte diese,
lachten ihre zofen alle
Heine 1, 329.

oder verächtlich, gehässig, wie schranze, besonders ende des 18., anfang des 19. jh.

der miszbrauch wütet scharf, und macht uns so veracht,
dasz jungfer, zoff und trosz mit steifen fingern lacht
Günther 389;

das andenken der pracht der .. kleider, in der sie sich oft der gaffenden menge der zofen und kammerdiener gezeigt hatte Nicolai Seb. Nothanker 1, 1;

damit geschminkte zofen ihn befächeln
Schubart 2, 68;

pfui über dich buben hinter dem ofen
unter den schranzen und unter den zofen
Körner 1, 140 Hempel.


unter den umgebungen (im gegensatz zu den 'groszen herren' selbst), den höflingen, kammerdienern, zofen, da erhebt sich das kreuz des künstlers Hegner 5, 129.
in derselben auffassung braucht F. L. Jahn zofe als m. und das verb zofen: wer immer nur dann mit einstimmt, wenn andre leute der wahrheit und gerechtigkeit das wort reden, ist ein zofe und schranz 2, 473; solcher mag .. hinter papst Hildebrand als rauchfaszschwenker zofen 80.
c) daher bildlich soviel als gefällige, käufliche dienerin:

das glück ist eine zofe,
so sich nach ihrer frau, der unbeständigkeit
in allem richten musz
Günther 1028;

die kunst wurde eine zofe der königspracht Böttiger kl. schr. 2, 7; entsetzlich schnell verwilderte die bühne nach Shakespeares tode, sie ward eine zofe der Stuarts Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 4.

[Bd. 32, Sp. 20]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zofe, f., schleppe eines kleides: zofe von ziehen, syrma, der schweif, zagel Frisch 2, 480c ; syrma, schweif, schwanz eines nachschleppenden kleides, schleppe, zofe, zesche reg. d. lat. w. 105c, danach Adelung, Campe u. a. wörterbücher, sonst nicht belegt, darf aber nicht als ein etwa von Frisch zur erklärung von 1zofe erschlossenes wort abgelehnt werden, da es zu der bedeutung hinterherschleppen von zoffen paszt, s. bei zoffen.
 
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zofen, v., md. vertreter von mhd. zâfen schmücken, pflegen, erziehen, im mhd. bei dichtern des bair.-östr. und ostmitteld. gebiets häufig belegt s. zâfen th. 15, 20; hat in nhd. zeit auf md. gebiet nur eine nicht ganz deutliche spur hinterlassen:

im sommer sitzt sie bey dem zofen (beim putzen)
und beiszt die armen fenster aus,
im winter setzt sie sich zum ofen
und hält mit feuerpfannen hauss
Rachel satyr. ged. 146 neudr.,

vgl. fensterbeiszerin th. 3, 1523.
 
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zofendienst, m.: statt dessen (statt einer zofe) erscheint jeden morgen und jeden abend ein kleines scheuszliches gespenst .., das zofendienste bei der holden Marianne verrichtet E. Th. A. Hoffmann 9, 40; jeden abend .., wenn sein zofendienst beendigt ist 41; nun muszte sie (Elisabeth Charlotte) sehen ... dasz die prinzessinnen dieser (der Maintenon) zofendienste leisteten Döllinger akad. vorträge 1, 337. —

 

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