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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zoberstein bis zocken (Bd. 32, Sp. 13 bis 15)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zoberstein, m., ein steinerner trog an einem brunnen, dasselbe wie DWB brunnentrog th. 2, 436: bornstein zoberstein crepare voc. theut. 1482. die lateinische erklärung ist entstellt, und bornstein ist sicher brunnenstein, da born 'brunnen' in der nachbarschaft der stelle mehrfach vorkommt, vgl. auch wasserstein urnarium, aquarium Golius 391. 402. Frisch führt zoberstein aus dieser quelle an, und übersetzt richtig alveus lapideus 2, 480c, scheint also das wort noch gekannt zu haben. aber er hat den fehler (druckfehler?) bernstein. danach hat Brinkmeier es in die beiden bedeutungen 1) bernstein, 2) steinerner trog zerlegt, wozu er noch zuberstein setzt, also auch kenntnis der richtigen bedeutung verräth. daher dürfte auch die falsche ansetzung 'bernstein' im mhd. wb. 2, 2, 617b stammen, und Wackernagels unnöthiger versuch, es als zouberstein zu erklären zeitschr. 9, 567. —
 
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zoberstock, m., ein stock, der durch die beiden handgriffe des zobers geht Frisch 2, 480c.
 
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zoche, f. , auch zogge geschrieben Thaer grundz. d. ration. landwirthsch. 3, 41, aus dem slav. socha, welches in allen slav. sprachen verbreitet ist und eine ganze reihe von bedeutungen aufweist, die sich um die hauptbegriffe hakenpflug, knüppel, gabelholz ordnen lassen arch. f. slav. phil. 28, 488—495. die grundbedeutung dürfte die erste sein (über den urpflug vgl. idg. forsch. 17, 116ff., bes. die abbildungen). das wort ist zu verschiedenen zeiten, an verschiedenen orten übernommen worden und erscheint als f. und als m.
das f. zoche bedeutet

[Bd. 32, Sp. 14]



1) in der provinz Preuszen den 'polnischen' hakenpflug ohne räder, welchen die deutschen colonisatoren von den einwohnern kennen lernten; der deutsche räderpflug heiszt dort nur pflug Frischbier 2, 496 (idg. forsch. 17, 131, abb. der zoche 116): die karstpflüge oder zochen sind aus dem karste, der zweitheiligen hacke hervorgegangen Schwerz prakt. ackerbau 128; was muszte man von einem fürsten denken, der in Preuszen den gebrauch des alten preuszischen pfluges, der sogenannten zoche, .., mit dem tode bedrohte Prutz preusz. gesch. 2, 348.
theile der zoche heiszen zochbaum, zocheisen u. s. w., zochbaumnetz 'ist ein netz mit zochbaumähnlichen bäumen' Frischbier.
2) eine fähre aus baumstämmen, früher in Ruszland, jetzt hier wie dort vergessen Hübner curieuses lex. 1739; Jablonski 2, 1838b.
3) holzscheit, knüppel, nur einmal mhd. auf bair.-österr. gebiet, wo sonst in dieser bedeutung das m. gilt:

swâ sî mich erreichen
mohte mit der zochen (vorher schît)
wol über drî wochen
moht man die biule vinden vom übelen weibe 713 Haupt.


 
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zoche, zochen, zoch, m. , in den bair.-österr. mundarten verbreitet, welche das slav. socha mit umwandlung des grammatischen geschlechts aufgenommen haben, vgl. DWB zoche, f. die bedeutungen gehen auf 'knüppel' und 'strunk' zurück, in einer solchen ist das f. nur einmal belegt, s. DWB zoche 3. die entlehnung wird in die ahd. zeit fallen, wie bei zobel.
1) stock, knüppel.
a) in eigentlicher bedeutung, nur aus Tirol belegt, zoch'n abgehauener, von zweigen entblöszter ast Schöpf 830. eine nebenform ist bair. zocher ramex Schmeller, auch für das männliche glied, priapus czochir Diefenbach nov. gloss. 303a (gloss. von 1420). davon das wort bair. zochen, den hund zochen 'ihm einen querprügel an den hals hängen' Schmeller.
b) schelte für männer, die sich nicht zu benehmen wissen, ein 'klotz' Schmeller 2 2, 1075; auch in der Pfalz Autenrieth 156; als zâchen Brenner Baierns mdaa. 2, 450; als zoch Schmeller; Schöpf 830; und mit dem lieutenant soll sie fein sein, .., damit er manier lernt und spürt, dasz wir nicht von einem solchen zochen abhängen Pichler gesch. aus Tirol 2, 149.
hierzu das adj. zochet, roh, grob, thöricht Schöpf 830.
2) docht, faden, geht auf die bedeutung 'strunk' zurück, welche socha in dem benachbarten czech. hat Štrekelj arch. f. sl. phil. 28, 489. diese bedeutung hat auch mhd. zoch, zâch Lexer 1047, wo der vocal an tâht angeglichen ist, zawch voc. theut. (1482) pp 4b; zauche c 5b; zachen, zahen Schmeller 2 2, 1100.
a) docht Schmeller, Schöpf 823, Autenrieth 156, Schmid 550 (im Schwarzwald), zawch oder dacht in einem liecht lumen voc. theut. 1482: vil gefäsz seind gemacht von metall, wie die brunnen schüssel, auf yeden leuchter drey auf eynander, vil öls und baumwollin zohen ringsz umb angezündt, gibt den sälen das liecht (im königspalast zu Kalikut) Seb. Franck weltbuch 200a; kaiser Theodosius hab ein leuchter gehabt zu nacht, der jm selbs öl zum zochen gossen habe Aventinus chron. 280;

darauf was ein zauch der glam
Michael Beham Wiener 128, 6:

die beiden letzten belege bei Schmeller. mit theer, fett oder harz getränkte stricke, wie noch heute die straszenarbeiter sie brauchen, sind wohl die zochen bei Mathesius: denn wenn bergkleut das gestein vor dem ort mürbe machen ... wöllen, da richten sie auch ihre fewer auff steglein, an das gestein, und zünden es mit perdten (?) an, und legen zochen darunder Sarepta 139a.
b) lunte, zündstrick, mhd. zâch Lexer 1047; Schmeller 2 2, 1075: mach darein ein wicklein oder zochen zu dem feuwerwerck gehörig Fronsperger kriegsbuch 2, Ll 4b;

[Bd. 32, Sp. 15]


zuletzt namen die Ungarn zohen, wurfen ein gewaltig feuerwerk von bäch und schwefel in die stadt bei Schmeller;

drin stak ein bein,
war mit salpeter gefüllet fein,
doran ein zochen glimmend hing
der mit eim drum ins pulver ging
Schade satiren u. pasquillen 1, 102.


c) herabhängende fetzen an kleidern bair. u. fränk. Brenner Baierns maa. 2, 268.
d) grobe stelle im fadengespinnst Autenrieth 156.
e) 'fadenförmige, zähe materie' Schmeller.
 
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zochjungfrau, f., dienerin, dasselbe wie nachtreterin, die der herrin auf der strasze nachgeht: pedissequa ein kemerein oder zochjunkfrawe voc. opt. (Leipz. 1501) I 6b. es ist wie zoffmagd von zoffen, zottjungfrau von zotten, ketschmagd von ketschen von zochen 'langsam, schleppend einhergehn' Schmeller 2 2, 1079 abzuleiten, das sich zu zoche, m., 2 c ebenso verhält wie zotten zu zotte: aẽschichti zoche s'daher Schmeller. auch zocheln:

wal e rass'n hat gmacht
und umzochelt is mit san schaz in de nacht
Wagner Salzburger gsangel bei
Schmeller.

sonst hat zochen die bedeutung umziehen, wohnung wechseln in Nordthüringen Hertel 265; Liesenberg Stieger ma. 224, entsprechend nd. tochen, tocheln Schiller-Lübben 4, 577b; Schambach 231a. selten für locken:

dann ist die leber ihm gleich an der rechten seiten,
die das geblüte pflegt zu zochen und zu leiten
den andern gliedern zu
Opitz 3, 214 (Breslau 1690).


 
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zochzinke, vereinzelte volksetymologische umformung von hyazinthe: ein strausz von wohlgeruch duftenden zochzinken mit herabsinkenden glöcklein Musäus volksmärchen 1, 97 Hempel.
 
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zocke, f., 'der vorspringende unterbau eines bauwerks, sockel' Meyer conv.-lex. 6 18, 562a; Brockhaus 14 16, 1001b; podium zocke Vitruvius de architectura anh. 51 Rode; ist eine zocke oder sonst eine erhebung oder vertiefung .. vorhanden allg. d. biblioth. anh. zu bd. 25 bis 36, 845.
 
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zockel, f., holzschuh, mundartlich im ganzen Alpengebiet Lexer kärnt. wb. 266; Unger-Khull 654a; Schöpf 768, 830; bair. zuckel Schmeller 2 2, 1084, im 12. jh. als demin. belegt: crepida zockelnb zockelira, lies zockelîn Steinmeyer-Sievers 3, 652; Graff 5, 626. das verhältnis zu it. zoccolo, kroat. zokla, ngr. τζοκαρον ist nicht ganz deutlich: die frauen (im mohrenland) haben vor der scham ein spann breit von dem holz, daraus man die zockeln macht an einer schnur hangen Leos von Rozmital reise 180 Schmeller.
 
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zockelholz: die mauren von Fez .. hatten .. clipeos e corticibus quercuum quod zockelholtz vocant Monetarius bei Schmeller.
 
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zockeln, v. , von zocken, selten neben zuckeln.
1) unruhig ziehen, zerren: auf der bequemen landstrasze machte er durch unnöthiges zockeln sein pferd unruhig Vischer auch einer 2, 20.
2) intr., meist mundartlich 'in kleinen schritten hinterherziehen, hinterherzotteln' Hertel 265, Kleemann 26b; so zockelte er denn auf der .. strasze im langsamsten passe hin Dingelstedt die neuen argonauten 186.
 
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zocken, v. , ahd. zocchôn Graff 5, 623; mhd. zocken mhd. wb. 3, 937b; Lexer 3, 1145; nd. tocken Schiller-Lübben 4, 558a brem.-nieders. wb. 5, 78; Bauer-Collitz 106a, 312b; auszerdem in Thüringen und im südlichen Franken belegt Hertel; Meisinger Rappenauer mda. 213. bair. erscheint nur zucken. in der Schweiz nur intr. vom zucken des schmerzes, s. unten, dagegen für verlocken, betrügen, zöken, zöucken, zöchen mit gedehntem stammvocal (nach brieflicher mittheilung), auf mhd. zœhen beruhend Maaler 523a; Stalder 477; Schmidt id. bernense bei Frommann deutsche mdaa. 4, 153a.
obwohl nur auf deutschem sprachgebiet belegt, ist die grundform von zocken doch als eine besondere germanische bildung neben den andern zu *tiuhan gehörigen

[Bd. 32, Sp. 16]


schwachen verben anzusehen, vgl. Fick 3 4 166; Falk-Torp-Davidsen 1315. von ihr ist it. toccare, franz. toucher ausgegangen Diez 5 1, 146. deutsche weiterbildung ist, auszer zockeln, zöckern umziehen (Iglau) zeitschr. f. d. alt. 5, 254, nd. töckern zögern, zaudern brem.-nieders. wb. 5, 78.
zocken eigenthümlich sind die bedeutungen 2 und 3, die letztere ist in der Schweiz und im Elsasz zu hause, während es sonst aus md. und nd. gebieten belegt ist. bedeutungen.
1) ziehen, zerren, reiszen.
a) in md. und ndd. mundarten 'etwas in büscheln ausziehen, in kleinen griffen ausziehen' Harz, Nordhausen Hertel 265, ebenso nd. tocken ten Doornkaat-Koolman 3, 422; nd. jahrb. 32, 166; uuttocken auszupfen brem. nieders. wb. 5, 78. besonders vom wollezupfen, carminare .. zeisen .. wolle flucken .. kampeln .. tzocken Diefenbach 102a: so czockte unde czeysste sie die wollen, die sie vorters spynnen wulde Wigand Gerstenberg chron. 193 Diemar; in Hannover vom heu, das entweder mit der hand oder mit dem tokker, hautokker, tok-haken oder tokkelhaken aus der scheune oder von der banse heruntergezerrt wird brem.-nieders. wb. 5, 78; nd. jahrb. 24, 125a. danach in mundartelndem hd. an etwas zupfen: dies hatte die wirkung, die die frauen mit ihrem flehenden zerren und zocken nicht hatten erreichen können Sohnrey im grünen klee 242; der noch seinen soldatenschnurrbart trug und selbstbewuszt daran zockte 294.
hierzu gehört das adj. zocket: nimb rein rüsten werck oder flachsz und schneide in als lang der wol zocket ist Würtz practica der wundartzney 39; 'groszährig vom hafer' Unger-Khull 653, und zöckli, n., hede Stalder 477, und zöcklein, n.: da sie (die altmärkischen städte) zuvor mit zöcklein, roten sencklen und sunderlichen knoten und mit den heiligen ihren patronen siegelten Entzelt cron. d. alten mark lb.
b) 'wiederholt ziehen, mit dem leitseil oder zügel' Meisinger Rappenauer mda. 213.
c) zausen, plagen:

daʒ dich der divel zocke
Mone schausp. des mittelalters 1, 81.

reflexiv sich zocken sich zanken Hertel 265.
d) vom zuziehen eines fangnetzes: eyn faudt (vogt) der sall jagen ane hecken und ane garn zuzocken weisth. 1, 498 (Dreeicher wildbann 1338).
e) sich zocken, sich an zocken sich anmaszen, ahd. sih zochôn, anazochôn arrogare Graff 5, 623; mhd. wb. 3, 937b; Lexer 3, 1145;

swer sich daʒ an wil zocken
er habe grœʒer her gesehen,
daʒ ist im selten sît geschehen
Wolfram Willehalm 9, 4.


2) locken. im mittelalter in md. und mnd. quellen, mit stehendem reim locken mhd. wb. 2, 937b; Lexer 3, 1145; Schiller-Lübben 4, 558a;

lâge hatte er gesat
unde sante eine rote
so hin in di gegenôte,
di daʒ volc da zockte
und herabe lockte
Jeroschin 139b Pfeiffer.

auch in den mundarten desselben gebiets Bauer-Collitz 106a. 312b; enem das sinige aftokken brem.-nieders. wb. 5, 78. über schweiz. zöken s. oben.
3) intr. vom zerren, zucken des schmerzes, besonders in einer entzündung, in der Schweiz und Schwaben Seiler 327a: es zockt mir; die wunde zockt Stalder 2, 477; zoggen Schmid schwäb. wb. 551; ältere literarische belege aus der Schweiz und dem Elsasz: der sol diss (kranich) fleisch meyden, der stäts mit dem flusz der guldinen aderen beladen wirt, fürauss so dise kranckheit vast zocket Gesner thierb. (1563) 2, 167a Herold-Forer; die dritte art der wundsucht wird genennet dasz zocken oder die unrhu oder auch die wundsucht in der wunden Würtz practica der wundartzney 364; dann die arth ist in den spiritibus, dass sie zu gleicher weiss

[Bd. 32, Sp. 17]


nagen, wie der wurm im finger, denn also ist die mercurialische arth, wo sie sich centriert, da nagt es und zocket wie ein brennender kohl Paracelsus (1616) 1, 656b.
4) vereinzelt mundartlich auch zögern, zaudern Kehrein volkssprache u. volkssitte in Nassau 1, 455.

 

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