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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zoberbaum bis zoche (Bd. 32, Sp. 12 bis 14)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zoberbaum, m., die tragestange, mit welcher zwei männer einen zober tragen 'falanga tzober-baum' Diefenbach 223a; Trochus R 1b, zowerbaum Hupel 271, mnd. toverbom Schiller-Lübben, vgl. Campe oben bei zober 1. als bauernwaffe: alsbaldt nimpt der bawr seinen zoberbaum zur handt, und thut eine mächtige schlacht mit den wippern von dem jtzigen zustande der kipper und wipper B Ib (1621). —
 
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zoberkessel, nur mnd. toverketel Schiller-Lübben 4, 600. —
 
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zoberkiepe, f., nd. towerkiepe, towelkiepe 'schachtelförmige, geflochtene kiepe oder tasche, in der die feldarbeiter ihr brot mitnehmen' nd. jahrb. 34, 98a (aus Eilsdorf bei Halberstadt). —
 
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zoberknecht, m., hölzernes gestell, um einen waschzober drauf zu stellen, im mitteldeutschen theil von Waldeck Bauer-Collitz 226a, 227b.
 
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zoberl, n. , bei Stieler zoberle, eine bald verächtliche, bald scherzhaft gebrauchte bezeichnung für mädchen, auch allgemein für weiber, besonders in den österreichischen,

[Bd. 32, Sp. 13]


auch in bayr. mundarten üblich Loritza id. Viennense 148a; Höfer 3, 339; Unger-Khull 653; Schmeller 2 2, 1075. zoberl ist ein regelrechtes diminutiv zu zobel, wie vogerl von vogel. da ihm 'und den leuten' die bedeutung dieses schimpfwortes unbekannt war, vermuthete Höfer wohl mit recht, dasz es ursprünglich eine von dem thier zobel oder richtiger von der herrschenden bedeutung dieses wortes, 'pelz', entnommene bezeichnung für die weibliche scham gewesen sei. wie zobel zu dieser verwendung gekommen sei, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden. die weitere entwicklung ist dieselbe wie bei fud und füdel, s. theil 4, 1, 1, 363 und wegen der volksthümlichen auffassung solcher derb heiten Schmeller 1, 694. beliebt scheinen ironische beiwörter wie sauber, erbar, fein, vgl. zobel2, zobelchen und zobelein.
1) von weiblichen personen:
siehst du, sagte ich weiter zu ihr, was vor ein erbar zoberl du bist, damit ruffte ich meine frau, welche ihre drey heller auch darzu gabe, und der köchin dergestalten zuredete, dasz sie endlich zu weinen .. anfienge Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1687) 760; negocire mit deinem zoberl wie du willst; mich wirst du nicht mit ihr betrügen Ayrenhoff drei lustspiele, nach Paul zeitschr. f. d. wortf. 12, 69;

aha! da ist das mädchen, das heute dawar
nur her, nur her, du sauberes zoberl!
Heufeld neue sammlung von schauspielen, (Wien 1764—69) 5, 121, 8.


2) verächtlich von männern: saubere zoberln (studenten); es tragen viel zoberl einen zobel von auszen, welche doch neben einen stinkenden ilteisz im busen tragen Schmeller; ein solches zoberl und satans früchtl Abraham a St. Clara bei Schmeller. vgl. Stieler 523.
3) als kosewort für kinder führt es Stieler an: sed zoberle, dicitur de matris amato filiolo. hinc dicunt: es ist ein feines zoberl, materculae festivus est filius 2637, als schimpfwort für zornige kinder in Steiermark Unger-Khull 653; eigensinniger, widerspenstiger knabe, im Oberinnthal zoberli Schöpf tirol. id. 830.
 
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zoberstange, f., tragstange für einen zober Frisch 2, 480c, Campe, tinale eyn czoberstange voc. ex quo (Eltvil 1472) 16, 5v, zobirstange Diefenbach 223a: zöber, welche ... an einem zoberbaume oder zoberstangen vor die saltzkothe getragen werden Hondorff 30. —
 
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zoberstecken, m., vectis tineae Diefenbach 584b. —
 
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zoberstein, m., ein steinerner trog an einem brunnen, dasselbe wie DWB brunnentrog th. 2, 436: bornstein zoberstein crepare voc. theut. 1482. die lateinische erklärung ist entstellt, und bornstein ist sicher brunnenstein, da born 'brunnen' in der nachbarschaft der stelle mehrfach vorkommt, vgl. auch wasserstein urnarium, aquarium Golius 391. 402. Frisch führt zoberstein aus dieser quelle an, und übersetzt richtig alveus lapideus 2, 480c, scheint also das wort noch gekannt zu haben. aber er hat den fehler (druckfehler?) bernstein. danach hat Brinkmeier es in die beiden bedeutungen 1) bernstein, 2) steinerner trog zerlegt, wozu er noch zuberstein setzt, also auch kenntnis der richtigen bedeutung verräth. daher dürfte auch die falsche ansetzung 'bernstein' im mhd. wb. 2, 2, 617b stammen, und Wackernagels unnöthiger versuch, es als zouberstein zu erklären zeitschr. 9, 567. —
 
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zoberstock, m., ein stock, der durch die beiden handgriffe des zobers geht Frisch 2, 480c.
 
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zoche, f. , auch zogge geschrieben Thaer grundz. d. ration. landwirthsch. 3, 41, aus dem slav. socha, welches in allen slav. sprachen verbreitet ist und eine ganze reihe von bedeutungen aufweist, die sich um die hauptbegriffe hakenpflug, knüppel, gabelholz ordnen lassen arch. f. slav. phil. 28, 488—495. die grundbedeutung dürfte die erste sein (über den urpflug vgl. idg. forsch. 17, 116ff., bes. die abbildungen). das wort ist zu verschiedenen zeiten, an verschiedenen orten übernommen worden und erscheint als f. und als m.
das f. zoche bedeutet

[Bd. 32, Sp. 14]



1) in der provinz Preuszen den 'polnischen' hakenpflug ohne räder, welchen die deutschen colonisatoren von den einwohnern kennen lernten; der deutsche räderpflug heiszt dort nur pflug Frischbier 2, 496 (idg. forsch. 17, 131, abb. der zoche 116): die karstpflüge oder zochen sind aus dem karste, der zweitheiligen hacke hervorgegangen Schwerz prakt. ackerbau 128; was muszte man von einem fürsten denken, der in Preuszen den gebrauch des alten preuszischen pfluges, der sogenannten zoche, .., mit dem tode bedrohte Prutz preusz. gesch. 2, 348.
theile der zoche heiszen zochbaum, zocheisen u. s. w., zochbaumnetz 'ist ein netz mit zochbaumähnlichen bäumen' Frischbier.
2) eine fähre aus baumstämmen, früher in Ruszland, jetzt hier wie dort vergessen Hübner curieuses lex. 1739; Jablonski 2, 1838b.
3) holzscheit, knüppel, nur einmal mhd. auf bair.-österr. gebiet, wo sonst in dieser bedeutung das m. gilt:

swâ sî mich erreichen
mohte mit der zochen (vorher schît)
wol über drî wochen
moht man die biule vinden vom übelen weibe 713 Haupt.


 
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zoche, zochen, zoch, m. , in den bair.-österr. mundarten verbreitet, welche das slav. socha mit umwandlung des grammatischen geschlechts aufgenommen haben, vgl. DWB zoche, f. die bedeutungen gehen auf 'knüppel' und 'strunk' zurück, in einer solchen ist das f. nur einmal belegt, s. DWB zoche 3. die entlehnung wird in die ahd. zeit fallen, wie bei zobel.
1) stock, knüppel.
a) in eigentlicher bedeutung, nur aus Tirol belegt, zoch'n abgehauener, von zweigen entblöszter ast Schöpf 830. eine nebenform ist bair. zocher ramex Schmeller, auch für das männliche glied, priapus czochir Diefenbach nov. gloss. 303a (gloss. von 1420). davon das wort bair. zochen, den hund zochen 'ihm einen querprügel an den hals hängen' Schmeller.
b) schelte für männer, die sich nicht zu benehmen wissen, ein 'klotz' Schmeller 2 2, 1075; auch in der Pfalz Autenrieth 156; als zâchen Brenner Baierns mdaa. 2, 450; als zoch Schmeller; Schöpf 830; und mit dem lieutenant soll sie fein sein, .., damit er manier lernt und spürt, dasz wir nicht von einem solchen zochen abhängen Pichler gesch. aus Tirol 2, 149.
hierzu das adj. zochet, roh, grob, thöricht Schöpf 830.
2) docht, faden, geht auf die bedeutung 'strunk' zurück, welche socha in dem benachbarten czech. hat Štrekelj arch. f. sl. phil. 28, 489. diese bedeutung hat auch mhd. zoch, zâch Lexer 1047, wo der vocal an tâht angeglichen ist, zawch voc. theut. (1482) pp 4b; zauche c 5b; zachen, zahen Schmeller 2 2, 1100.
a) docht Schmeller, Schöpf 823, Autenrieth 156, Schmid 550 (im Schwarzwald), zawch oder dacht in einem liecht lumen voc. theut. 1482: vil gefäsz seind gemacht von metall, wie die brunnen schüssel, auf yeden leuchter drey auf eynander, vil öls und baumwollin zohen ringsz umb angezündt, gibt den sälen das liecht (im königspalast zu Kalikut) Seb. Franck weltbuch 200a; kaiser Theodosius hab ein leuchter gehabt zu nacht, der jm selbs öl zum zochen gossen habe Aventinus chron. 280;

darauf was ein zauch der glam
Michael Beham Wiener 128, 6:

die beiden letzten belege bei Schmeller. mit theer, fett oder harz getränkte stricke, wie noch heute die straszenarbeiter sie brauchen, sind wohl die zochen bei Mathesius: denn wenn bergkleut das gestein vor dem ort mürbe machen ... wöllen, da richten sie auch ihre fewer auff steglein, an das gestein, und zünden es mit perdten (?) an, und legen zochen darunder Sarepta 139a.
b) lunte, zündstrick, mhd. zâch Lexer 1047; Schmeller 2 2, 1075: mach darein ein wicklein oder zochen zu dem feuwerwerck gehörig Fronsperger kriegsbuch 2, Ll 4b;

[Bd. 32, Sp. 15]


zuletzt namen die Ungarn zohen, wurfen ein gewaltig feuerwerk von bäch und schwefel in die stadt bei Schmeller;

drin stak ein bein,
war mit salpeter gefüllet fein,
doran ein zochen glimmend hing
der mit eim drum ins pulver ging
Schade satiren u. pasquillen 1, 102.


c) herabhängende fetzen an kleidern bair. u. fränk. Brenner Baierns maa. 2, 268.
d) grobe stelle im fadengespinnst Autenrieth 156.
e) 'fadenförmige, zähe materie' Schmeller.

 

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