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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zobeltribut bis zoberstange (Bd. 32, Sp. 10 bis 13)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zobeltribut, m., abgabe, die aus zobelfellen besteht, s. DWB zobel 1 b: wo er von den anwohnenden Tungusen den zobeltribut einzog Ritter erdkunde 2, 603. —
 
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zobeltuch, n., = ein halstuch Hertel thür. sprachschatz 265; geht vielleicht zurück auf die im mittelalter und noch später, vgl. DWB zobel strich, übliche verwendung des zobels als besatz an der halsöffnung.
 
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zobelwiesel, m., älterer name für den zobel Campe 5, 877b. nicht mehr üblich.
 
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zobelzehnte, m., dasselbe wie zobeltribut, ältere form zobelzehend: der befestigte ort, von Jakutsk, bot für den zobelzehend viel vortheil dar Ritter erdkunde 2, 601.
 
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zober, m. , md. form von zuber, bei welchem wort über die herkunft zu handeln sein wird. form.
1) zober verhält sich zu oberd. zuber wie hobel, hovel zu hübel th. 4, 2, 1879, köbel zu kubel th. 5, 1541, 2485, knobel zu knubel th. 5, 1448, ober zu uber Franke grundzüge d. schriftspr. Luthers § 52. im vocal stimmt es zum nd. tover, mnl. tover Schiller-Lübben 4, 599; Woeste 273b (gegen tûwer 277a); Gallée vorstudien 326, wo aber töver, mit umlaut, weit verbreitet ist Schiller-Lübben; Schütze 4, 267. ohne umlaut noch heute in towerkiepe, towelkiepe nd. jahrb. 34, 98a, s. u.
die form mit o geht in den mundarten bis zur linie Main-Erzgebirge, zuber hat Schlesien, belege bei zuber, Böhmen Jellinek 995, Ostfranken zuwer Heilig 70, gegen zuewer im Vogtland, dessen grundform zober ist Gerbert 211, Frankfurt zuwwer, plur. züwwer, ziwwer Askenasy 26, 93, Pfalz zuwwer, plur. ziwwer, dim. ziwwerche Autenrieth 157, gegen zower 156. ob elsäss. zower fasztrichter zu zober gehört, ist neben zuber gieszkannenbrause zweifelhaft Martin-Lienhart 2, 891a.
der inlautende consonant ist, wie die schreibung der erwähnten an das oberd. grenzenden mundarten zeigt, bilabialer spirant. dem entspricht auf ndd. gebiet der orthographische wechsel zwischen w, v und b: töver Schiller-Lübben, töber Schütze, zower Hupel idiot. der deutsch. spr. in Lief- u. Esthland 271.
auch in der nhd. schriftsprache ist in den ersten jahrhunderten zober das md., wie zuber das oberd. wort. doch erscheint neben zober gelegentlich auch zuber, so bei Luther in dem beleg unten bei 7, so auch: Petrus hett ein zcuber vol (fische) gebetten 34 1 576; in einem satze: alsdann nimmt man schaaflorbern in einen zuber wasser, und setzt die streichkarpffen .., darein, .., nimmt die karpffen aus dem zober, und reibt ihnen

[Bd. 32, Sp. 11]


die bäuche brav mit dem schaafmiste Döbel jäger-practica 4, 96a. in einigen fällen, wo schriftsteller, die sonst zuber schreiben, zober anwenden, handelt es sich um stehende ausdrücke des hallischen salzwerks, so zweimal bei Mathesius (die belege unten bei 1 e) und einmal in Bechs übersetzung von Agricolas bergwerckbuch (Basel 1621) auf der holzschnitttafel mit abbildungen des salzbergwerks in Halle: aber der fulaimer helt bey zehen römische nöszlen, der zober acht fulaimer. in solche zober wird das salzwasser aus den saltzbornen gossen 456; zober, modulus im gloss. vielleicht ist die tafel ganz aus der vorlage entnommen.
es hat aber im 18. jh. zober im norden und in der mitte noch den vorrang, nur zober gibt Frisch, Adelung stellt zuber als mundartliche form daneben, Campe setzt sie gleich, dagegen kennt der baier Braun nur zuber. dies wird mit beginn des 19. jhs. die herrschende schriftform. wo J. Möser zober schrieb: es werden die zober mit wasser auf schleifen (welche von einer neuen feuerlöschordnung vorgeschrieben waren) niemals in gebirgen gebraucht werden können patriot. phantasien 3, 102, setzte die spätere gesammtausgabe zuber ein 3, 158 (1842). so gibt auch Voss in realistischer schilderung das plattdeutsche töver mit zuber wieder:

ferner klatscht in dem zuber ein schwärzliches ding wie ein sandart ged. 1, 124 (1802).


jetzt ist zober der schriftsprache ganz fremd, in mundart und häuslicher sprache, wie auch nd. tover, in einigen gegenden bekannt, in andern ganz ausgestorben. in Oberdeutschland ist die verwendung vielfacher und mannigfaltiger und weicht auch von der ursprünglichen gestalt des gegenstandes ab. man ist deshalb versucht, als heimath Oberdeutschland anzusehen, die rückverschiebung des anlautes im nd. würde sich aus dem bedeutungsnahen tubbe (engl. tub) erklären lassen.
2) der plur. wird im 18. jh. regelmäszig mit umlaut gebildet zöber, entsprechend dem oberd. züber. heute würde man wohl zober sagen, wie zuber: die sole, in die, unter den zapfenlöchern stehende zwey hölzerne zöber laufen lassen Hondorff saltzwerk zu Halle (1670) 30; die anzahl der zöber Hübner curieuses lex. 1739 (1714). daneben ohne umlaut: in zwey über die schultern herabhengenden eymern oder zobern Amaranthes 1268; besonders als maszbezeichnung nach zahlen: es gehören aber zu einem jeden werck 4 zober gewisz bey jedes pflicht zu gieszen Mathesius Sarepta 127v. bedeutung.
1) hier werden nur die bedeutungen besprochen, welche bei mitteld. zober und nd. tover eigenthümlich oder besonders häufig sind. alles andere bei zuber. es ist in der regel das grosze holzgefäsz mit zwei handhaben, ohren, durch welche eine tragestange gesteckt wird Schiller-Lübben 4, 599a; Hupel id. der d. spr. in Lief- u. Esthland 271. eine weiter entwickelte form des zobers beschreibt Campe, wobei durch die handhaben ein kürzerer stock, der zoberstock gesteckt wurde, welcher wieder durch die in der mitte zweier groszer tragstangen, der zoberbäume, befindlichen öffnungen geschoben wurde 5, 878a; vgl. Frisch 2, 480c. er dient zur beförderung schwerer flüssiger lasten: H. hastu nicht ehe von zauberern gehört? Joh. Cl. wat meine jey, min here? frage jey na einem töver, darin man water drecht? schauspiele des herzogs H. J. v. Braunschweig bei Schiller-Lübben.
2) insbesondere gehört das wort als handwerksausdruck dem salzbergwerk zu Halle an, je zwei 'bornknechte' trugen die sole vom brunnen zur pfanne, abgebildet in Agricolas bergwerckbuch verdeutscht von F. Bech 454; Mathesius Sarepta 125v; Jablonski 2, 1838a: ein jeder zober hat sein besonderes zeichen, als der fisel, das hertz, der apfel Hübner curieuses lex. 1739. für diese zöber galt ein bestimmtes masz, 8 'fülleimer' Mathesius Sarepta 125v; Hondorff saltzwerk zu Halle 4; Jablonski: ein zober aber hält nach ertz-bischoffs Ernesti thal-ordnung von anno 1482 acht eymer, deren einer auf dem schlosz Giebichenstein, der andere auf

[Bd. 32, Sp. 12]


dem rathhause zu Halle, und der dritte auf dem Thalhaus, damit die böttger in nachahmung der zöber sich darnach richten Hübner.
3) auch für andere flüssigkeiten wird zober als masz genannt. für bier war es früher in Eisenberg in Altenburg ein 30 l fassendes masz Hertel 265. wahrscheinlich wurde dort das leichte hausstandsbier in offenen gefäszen, zobern, getragen, wie das frühere eimerbier in Holstein und Hamburg, auch trenkbier 'hiesz vor alters in Hamburg hausbier, was jeder hausvater für die seinigen brauen, doch nicht verkaufen durfte' Schütze 4, 279. dem eimerbier entspricht zoberbier, in Zeitz noch als familienname vorkommend (nach mündlicher mittheilung). daraus erklärt sich wohl der unverständliche ausdruck ein tranck zober Mathesius: sein (des jarknechts) lon ist 18 schilling groschen, und darneben ein tranck zober Sarepta 126.
zober als masz für wein: item 19 m. vor 3 zobir welisch wynes die der huskompthur zu Thoran dem meister koufte, yo den zobir vor 6 m. Marienburger tresslerbuch 56.
4) zober als behälter für lebende fische: de rad schenkede em (dem bischof) einen tover vull hekede, einen tover quabben Renner Bremer chronik ad an. 1534 bei Schiller-Lübben; man ... nimmt den karpfen aus dem zober Döbel jägerpractica 96.
5) als ein gefäsz 'mit tragbändern auf dem rücken wasser, bier zu tragen, auch zur weinlese' wird zober bei Chomel angeführt, in welcher bedeutung in Oberdeutschland zuber mehrfach belegt ist.
6) unklar ist die erklärung von Pomey: molucrum mühlstender, oder der zober, ist ein gefäsz damit man allerley verrichtet indiculus universalis 440 (1698).
7) in bildlichem gebrauch:
a) bezeichnet zober ein übermäszig groszes gefäsz im gegensatz zu kleineren, überhaupt etwas groszes:

o du hund söffst wohl einen zober voll aus
Chr. Reuter ehrliche frau z. Plissine 23 neudr. (II, 7);

ei, haalt mi den töber,
de ammer löppt öber!
Schütze 4, 267.

dre grote stene vellen van deme hemmele, iewelik alsogrot als en tover Lüb. chron. 1, 265 nach Schiller-Lübben 4, 599a; daher die sprichwörtliche wendung: köndten sie (die bischöfe) uns in einem leffel alle erseuffen, so nemen sie keinen zober dazu Luther 16, 10 Weim.;

könt'n sie uns all im löffl versaufen
sie würden kein zober dazu kaufen
Rollenhagen froschmeusler 3, 1, 16;


b) ist den zober auf beiden schultern tragen so unmöglich, als zweien herren dienen:

ik kan den tover up beiden schuldern dragen
und twen heren to licke denen Hildesheimer stiftsfehde 224 bei
Schiller-Lübben;

daher duplicanus eyn touer dregher qui duabus partibus favet Diefenbach nov. gloss. 142b.
 
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zoberbaum, m., die tragestange, mit welcher zwei männer einen zober tragen 'falanga tzober-baum' Diefenbach 223a; Trochus R 1b, zowerbaum Hupel 271, mnd. toverbom Schiller-Lübben, vgl. Campe oben bei zober 1. als bauernwaffe: alsbaldt nimpt der bawr seinen zoberbaum zur handt, und thut eine mächtige schlacht mit den wippern von dem jtzigen zustande der kipper und wipper B Ib (1621). —
 
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zoberkessel, nur mnd. toverketel Schiller-Lübben 4, 600. —
 
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zoberkiepe, f., nd. towerkiepe, towelkiepe 'schachtelförmige, geflochtene kiepe oder tasche, in der die feldarbeiter ihr brot mitnehmen' nd. jahrb. 34, 98a (aus Eilsdorf bei Halberstadt). —
 
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zoberknecht, m., hölzernes gestell, um einen waschzober drauf zu stellen, im mitteldeutschen theil von Waldeck Bauer-Collitz 226a, 227b.
 
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zoberl, n. , bei Stieler zoberle, eine bald verächtliche, bald scherzhaft gebrauchte bezeichnung für mädchen, auch allgemein für weiber, besonders in den österreichischen,

[Bd. 32, Sp. 13]


auch in bayr. mundarten üblich Loritza id. Viennense 148a; Höfer 3, 339; Unger-Khull 653; Schmeller 2 2, 1075. zoberl ist ein regelrechtes diminutiv zu zobel, wie vogerl von vogel. da ihm 'und den leuten' die bedeutung dieses schimpfwortes unbekannt war, vermuthete Höfer wohl mit recht, dasz es ursprünglich eine von dem thier zobel oder richtiger von der herrschenden bedeutung dieses wortes, 'pelz', entnommene bezeichnung für die weibliche scham gewesen sei. wie zobel zu dieser verwendung gekommen sei, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden. die weitere entwicklung ist dieselbe wie bei fud und füdel, s. theil 4, 1, 1, 363 und wegen der volksthümlichen auffassung solcher derb heiten Schmeller 1, 694. beliebt scheinen ironische beiwörter wie sauber, erbar, fein, vgl. zobel2, zobelchen und zobelein.
1) von weiblichen personen:
siehst du, sagte ich weiter zu ihr, was vor ein erbar zoberl du bist, damit ruffte ich meine frau, welche ihre drey heller auch darzu gabe, und der köchin dergestalten zuredete, dasz sie endlich zu weinen .. anfienge Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1687) 760; negocire mit deinem zoberl wie du willst; mich wirst du nicht mit ihr betrügen Ayrenhoff drei lustspiele, nach Paul zeitschr. f. d. wortf. 12, 69;

aha! da ist das mädchen, das heute dawar
nur her, nur her, du sauberes zoberl!
Heufeld neue sammlung von schauspielen, (Wien 1764—69) 5, 121, 8.


2) verächtlich von männern: saubere zoberln (studenten); es tragen viel zoberl einen zobel von auszen, welche doch neben einen stinkenden ilteisz im busen tragen Schmeller; ein solches zoberl und satans früchtl Abraham a St. Clara bei Schmeller. vgl. Stieler 523.
3) als kosewort für kinder führt es Stieler an: sed zoberle, dicitur de matris amato filiolo. hinc dicunt: es ist ein feines zoberl, materculae festivus est filius 2637, als schimpfwort für zornige kinder in Steiermark Unger-Khull 653; eigensinniger, widerspenstiger knabe, im Oberinnthal zoberli Schöpf tirol. id. 830.
 
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zoberstange, f., tragstange für einen zober Frisch 2, 480c, Campe, tinale eyn czoberstange voc. ex quo (Eltvil 1472) 16, 5v, zobirstange Diefenbach 223a: zöber, welche ... an einem zoberbaume oder zoberstangen vor die saltzkothe getragen werden Hondorff 30. —

 

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