Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zobeln bis zobelstrich (Bd. 32, Sp. 8 bis 10)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zobeln, zöbeln, adj., zu zobel, was aus zobelpelz gemacht ist. ahd. mhd. zobelîn:

der wirt hete durch siecheit
grôʒ viur und an im warmiu kleit,
wît, lanc und zobelîn
Wolfram Parzival 231, 1-13;

daraus zabelyn, zöblein, zöblen, zöbeln, zoblen, zobeln: item 3 m. an 8 scot vor guldynne borten zu der zabelynnen schuben Marienburger tresslerbuch 319; auch sol hinfüro einicher unnser burger oder inwoner von mannsbilder nit tragen oder zu seinem leibe geprauchen einich hermelein, zöblein oder lassatein wat Nürnb. polizeiverordn. 104 lit. ver.; inn zöblenen mantelen Guarinonius grewel der verwüstung 625;

ein zobeln schaub und gülden kleydt
wird offt gefüttert mit hertzeleydt
Burkard Waldis Esopus 1, 29 Kurz;

sach sitzen einen herren prechtig,
herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig,
in einer köstling mardren schauben,
sammaten leybrock, zöblen hauben
H. Sachs 1, 438 Keller;

denn ihr gröster reichthum ist ein schnelles pferd, ein guter bogen und ein zoblener peltz Lohenstein Arminius 1, 542b.
mit dem ende des 17. jhs. hören die belege auf, seitdem verschwindet es aus dem gebrauche wie die andern adj. auf -în, welche pelzwerk oder thierfleisch bezeichnen J. Grimm gramm. 2, 171 neudr. Adelung hat das wort nicht mehr. anstatt dessen braucht man entweder zusammensetzungen oder sagt aus oder von zobel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobeln, verb., an den haaren ziehen, zupfen, zausen, mundartlich in Nürnberg und Schwaben Schmeller 2 2, 1075 (quelle aus Oberschwaben); Schmid 550; danach Heyse 2102, nicht in der Schweiz (nach brieflicher mittheilung):

den kumbts in die stuben geloffen,
der busen stet ir oben offen,
ihr har verbilbitzt, zapfet und stroblet,
als ob sie hab der rab gezoblet
H. Sachs 5, 185 Keller.


es liesze sich dies wort von zobel ableiten, 'den pelz zausen', es wird aber, trotz der durch den reim bezeugten lautlichen abweichung im innern, zu mitteld. zobbeln, nd. tobbeln, tobben zu stellen sein, welche in der bedeutung nahe stehen, in Frankfurt zobbele zupfen: und

[Bd. 32, Sp. 9]


zobbelt den herr parrer am chorrock Askenasy 225; westfäl. 'tuəbeln zupfen, zerren': bai sik unner de süəge menget, dai maut līen dat se ne tuəbelt Woeste 272b; tobbeln 'im churbraunschw. nicht nur ziehen, sondern ein heimliches liebesverständnisz mit einer person haben' brem.-niedersächs. wb. 5, 83; mnd. tobben 'zupfen, locken, mit jemand sein spiel haben, jemand etwas (bes. geld) abzwacken' Schiller-Lübben 4, 553b; 5, 280b; hamb. im 18. jh. wie mnd. Richey 309, daneben die zusammensetzung aftobben; ostfries. 'ziehen, zerren, schleppen, locken' ten Doornkaat-Koolman 3, 418a, wo es mit tokken in der bedeutung zusammengeht 422; nl. tobben 'sich abmühen, abarbeiten, placken' und 'sich sorgen machen', dazu tobber, tobberd 'armer schlucker' Sicherer-Akveld 1, 1095a; im bereich des brem.-niedersächs. wb. entspricht in der bedeutung auch toppken: eenem dat geld aftoppken 5, 84. in der bedeutung berührt sich damit tocken s. bei zocken. diese verben haben sich in der bedeutung gegenseitig beeinfluszt, es ist daher schwierig, die ursprüngliche bedeutung von tobben festzustellen, und daher nicht möglich, seine formale vorgeschichte zu erkennen. das von Schmeller herangeholte zöpeln 'an den haaren ziehen', 2, 1075 gehört jedenfalls nicht zu zobbeln und tobben. eher paszt es zu H. Sachsens gezobelt, das damit aber von den andern verben abgerückt wird.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelpelz, m.
1) der pelz des einzelnen thieres: die Preuszen ... kannten den werth des goldes noch nicht; für wollene kittel tauschten sie freudig die edelsten marder- und zobelpelze aus Zschokke ausgew. schr. 30, 351; des tributs, ... von den dort nomadisierenden völkern, zumal der zobelpelze Ritter erdkunde 2, 601.
2) pelzwerk aus zobel, worunter meist ein mantel zu verstehen ist: zobelpelz tunica e pellibus martis scythicae Stieler 467. er wird als die solide tracht der guten alten zeit, die einen buff in der not leiden konnte, gegenüber dem modischen putz gerühmt: da die groszen heupter (Karl der grosze) jhr wolffsbeltz in regen und schnee und jre blosze marder und zobelbeltze zu ehren trugen Mathesius Sarepta 191a. zobelpelze erscheinen als kennzeichnende tracht östlicher völker: denn die zobelbeltze sind weg. die polnischen suppen sind versaltzen (Polen ist in noth) Prätorius anthrop. plut. 3, 203; chinesischer sitte folgend, kleiden die hohen würdenträger in Tibet sich in reiche zobelpelze Ratzel völkerkunde 3, 381; als tracht vornehmer und reicher leute: der könig ..., welcher ein zobelpelz mit schwarzem tuch überzogen hatte Schweinichen denkwürdigkeiten 28;

er schielt nicht gleich nach friedrichsdoren
in seiner kranken hand. sie sind in rockeloren
und zobelpelz ihm gleich
Schiller 11, 300;

als die fürstin, in ihren .. zobelpelz verhüllt, in den wagen stieg Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 3, 164; eine fast eifersüchtige regung durchschosz das herz der dame unterm kostbaren zobelpelz Viebig das schlafende heer 1, 208. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelpinsel, m., aus den haaren der zobelschwänze, elastischer und daher in der anwendung vorzüglicher als die fehpinsel, mit welchen sie übrigens gleichen gebrauch haben Prechtl technol. encykl. 11, 139; mit welchen schweinsborsten wird hier der zobelpinsel der kabbalistischen schreibart und ein hasenhaar chinesischer malerei nachgeahmt! Hamann 2, 517 Roth.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelpleinzen, m., auch zobelpleinze, f. (vgl. th. 7, 1931), ein fisch, abart des pleinzen, aus der familie der karpfen, abramis blicca: 'ist auf dem rücken blau mit bräunlichem schimmer (vgl. das 'wasser des zobels') .. gefärbt' Brehm thierleben 3 8, 281; 'lebt in der Donau, nicht höher als Oberöstreich' 280. nach Oken in Österreich bezeichnung der brachsen zur laichzeit allg. naturgesch. 6, 318. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelrand, m., plur. zobelrände und zobelränder, kunstausdruck der kürschner vgl. DWB zobel 2 b;

der süden (gab) seidene gewänder,
der kalte norden zobelränder
Boie bei
Weinhold 352.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelschieszen, n.: dann ausz Moskau haben mich die weisze beern und auch das zoblschieszen vertrieben Stranitzky reiszbeschreibung 36 neudr.

[Bd. 32, Sp. 10]


zobelschwanz, m., vgl. DWB zobel 2 a: die Rauglosen tragen nur .. zobelschwänze, eichhornpelz u. dergl. auf ihren mützen Ritter erdkunde 2, 1056. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelschwarz, adj., schwarz wie zobel d. i. braunschwarz: die kostbarste .. abart (der sibirischen eichhörnchen) .. ist im sommer zobelschwarz, im winter schwarz-grau Ritter erdkunde 3, 114. in dichtersprache einfach steigernd 'tiefschwarz': neben ihm (dem satan) sasz auf dem throne die zobelschwartz gekleidete nacht Bodmer abh. v. d. wunderbaren 168. als wappenfarbe schwarz:

der schilt von zwelf strichen klâr
zobelswarz, lieht golt gevar! Seifried Helbling XIII 36.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelschweif, m., für zobelschwanz in dichterischer sprache:

zobelschweife, schleier reich mit gold durchschossen
trifft er dort
Gaudy 24, 111.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelspitze, f., schwanzspitze des zobels (?): müffgen, seynd kleine länglicht zusammengenehete müffe, .. um und um mit zobelspitzen bestoszen Amaranthes 1297. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zobelstrich, m., ein schmaler zobelbesatz am halsausschnitt an frauenkleidern: selbst die zobelstriche sind nur zum staat erdacht. denn wo sieht man wohl, dasz die selben den hals wirklich zu bedecken gebraucht werden? vernünft. tadlerinnen 1, 375. nicht mehr üblich, wohl aber das einfache wort strich in dieser bedeutung.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: