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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziwebe bis zobel (Bd. 31, Sp. 1737 bis Bd. 32, Sp. 1)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ziwebe, f., s. zibebe, f., sp. 875.

[Bd. 31, Sp. 1738]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ziwí(tt), interj., der meisenschlag: ziwi ziwi Wackernagel voces var. animant. 26; ziwitt ziwitt Leithäuser Barmen 31; vgl. zizibe,
 
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zizenille, f.: 'nauisches bier, so zizenille genennet wird, ist auch ein gut, aber dabey starck und dick bier, dahero das sprichwort davon lautet:

wer zizenille trincken will,
der musz drey tage liegen still'
Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 62b.


 
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zizi, interj. (vgl. zi sp. 874); lockruf für katzen, insbes. schweiz. Enderlin Kesswil 29; Vetsch Appenzell 67; zi, zitz Stalder 2, 470; Wackernagel voces var. animant. (1869) 37; auch bair. und hess. (s. u.); verschiedentlich nominaler bestandteil in (schmeichel-)namen für katzen: schweiz. id. 4, 479; 4, 1742; 4, 2003; vgl. die bezeichnungen des katzenweibchens hess. zitz, ziss, auch kitz, f. Crecelius 935; 496; bair. zisz Schmeller-Frommann 2, 1157; (hierher noch ostfries. ziet 'katze' Stürenburg 338 ?); das hess. ziss bezeichnet auch das weibchen von kaninchen, hasen, eichhörnchen Vilmar 471; vgl. DWB zatze, f. 'hündin' sp. 322 und altmärk. sīss lockruf für säugende fohlen, sīssföll'n neben tǖsföll'n 'weibl. fohlen' und tǖskalf, tȫz 'weibl. kalb' Danneil 193a; 229a; einzelne dieser formen wohl in (sek.?) berührung mit der wortsippe zitze, f., zitzen, vb. (s. d.).
 
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zizi, m., emberiza cirlus (L.) 'zaunammer', vgl. frz. zizi, m. 'bruant de haie': Naumann vögel (1822) 4, 251; Brehm tierl. 4, 344 P.-L.
 
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zizibe, [tsí-], interj. und subst., lautmalend, in wechselnden formen insbes. mundartl. verbreitet. 1) ruf der meise:

es (das meisel) singt allzeit, was gibst? was hast?
sein alten zitzeberg (varr. zitter-, zizerberg, zu zu zuberg)
(1 hälfte d. 17. jhs.) 'geistlich vogelgesang' eines südwestdt. verfassers bei
Wackernagel voc. var. anim. (1869) 126a.

ähnlich im schweiz. und schwäb. (formen s. unter 2); vgl. oben ziwi(tt) und Suolahti dt. vogelnamen 155.2) name der meise: zitzibăren, zitzibären, f. 'blaumeise' schweiz. id. 4, 1442; zitzigä(k) neben pfitzigäg, m. 'kohlmeise' Fischer schwäb. 6, 1248; zizigē, m. 'kohlmeise' Haltrich siebenb.-sächs. id. 68b;

(man hört) den kleinen vogel zizibee
sein dünnes liedchen zirpen
Brehm Apis u. Este (1931) 243.


 
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ziziese, s. 3ziese, sp. 1231.
 
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zizigall, m., der finkenschlag: zitzigall Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 369a; Naumann vögel (1822) 5, 27.
 
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zizisbeo [-ḗ-], m., zizi(s)be [tsí-], m., f. 1) it. cicisbeo 'hausfreund, gesellschafter, auch liebhaber einer dame'; als bildungsfremdwort in ital. schreibung (und aussprache Campe verdeutschungswb. [1801] 226a) seit dem ende des 18. jhs. bezeugt Schulz dt. fremdwb. 1, 115; auch mit anpassung der aussprache an dt. lautungsgewohnheiten [tsītsisbḗō], dadurch veranlaszt die schreibung zizisbeo: die kammerherrin hielt ihn für so falsch wie ihren zizisbeo Jean Paul w. 7/10, 65 Hempel; mit abfall der fremden endung:

allein, wohin indesz mit ihrem cicisbe? (:canapee)
Wieland s. w. 11 (1839) 250;

dafür Campe a. a. o. mannvertreter, beimann; abgeschliffen zu zizisbe, zizibe in österr. ma. (Wien) Sonnleithner id. austr. (1824) 129; Jakob Wien 227a; auch Fischer schwäb. 6, 1249; formal mit 2 zusammenfallend. 2) it. cicisbēa 'kokette'; in einigen obd. und westmd. maa. spöttische bezeichnung (teilweise veraltet) eines gezierttuenden mädchens, insbes. in der wendung jungfer, fräulein zizibe 'geputzte schöne, puppe' Fischer schwäb. 6, 1249; zuzibē 'lustiges, affektiertes mädchen' Schmeller-Frommann bair. 2, 1168; zizibe Castelli österr. 273; Jakob Wien 227a;

[Bd. 31, Sp. 1739]


zizebee Kehrein Nassau 1, 454; zitzabē Heinzerling-Reuter Siegerland 340b; siebenb. zízipē Kisch vgl. wb. 254; Kramer Bistritz 144; zizibe 'alte weibsperson' Fischer a. a. o.
 
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zmasche (-ā-), (f.?) bezeichnung einer sorte feiner lammfelle in der kürschnersprache; poln. smusik, m. 'fein gegerbtes lammfell'; vereinzelte nebenform zu schmāsche (mundartl. und in älterer sprache auch smāsche), f., teil 9, sp. 944: von eim kauffman seufft einer 2721 schwartz selendische zmaschen

[Bd. 31, Sp. 1740]


J. Albrecht rechenbüchl. (1534) N 4a; als meisterstück des kürschnerhandwerks: ein priesterrock mit einem aufgesetzten goller, reimlich mit angefallenen falten von einem halben hundert weisen zmaschen neun viertel, einer elen lang, zehen elen weit Frisius handwerckerceremonial (1708) 335. auch zmāschel, n. (Unger-Khull 653b): die feinste sorte (von baranken, lammfellen) ... heiszt bei uns gewöhnlich 'schmosen, schmasen oder zmascheln' Prechtl technol. encycl. (1830) 11, 37.

[Bd. 32, Sp. 1]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zobelm. , in Sibirien lebendes kleines raubthier, den wieseln und mardern verwandt, mustela zibellina, früher auch zobelthier, zobelwiesel genannt Campe 5, 877b, seit alten zeiten wegen des pelzes hochgeschätzt: thierlein so köstliche fell haben Hulsius (1657) 283; dann der von dem thier gewonnene pelz. herkunft und formen.
1) das wort erscheint zuerst als glosse, mehrfach in den hexametern de volucribus et bestiis, ältester beleg tebelus zobel Steinmeyer-Sievers 3, 35, in einer hs. des 11. jh., vgl. 4, 626. es ist in ahd. zeit, nach der verschiebung des anlautenden t zu z, aus einer slavischen sprache entlehnt: czech. sobol, russ. sobolĭ Miklosich, Palander die ahd. tiernamen 59, O. Schrader idg. forschungen 17, 29. das anlautende stimmlose s wurde bei der übernahme ebenso durch die affricata z ersetzt, wie in zeisel, ziesel = czech. sisel, poln. susel, russ. susolŭ, zoche = poln. sochá archiv f. slav. philologie 28, 494. wie zeisel und bilch ist zobel durch den ostwestlichen pelzhandel in Deutschland bekannt geworden (Palander 5), in welchem die zobelfelle zur Karolingerzeit ein wichtiger, bis nach Spanien vertriebener artikel waren, vgl. anz. f. d. alterthum 17, 272. da das wort sich aus dem slavischen nicht weiter erklären läszt, so wird es ursprünglich aus der sprache eines sibirischen volkes stammen, wenn die grenzen seines ursprünglichen verbreitungsgebiets vom Ural bis zum Behringsmeer und von den südlichen grenzgebirgen Sibiriens bis gegen 68 gr. nördl. br., (Brehm thierleben 3 1, 598) auch für die ältesten zeiten stimmen. aus dem hd. ist mnd. sabel, zabel, zabil Marienburger tresslerbuch 78, von da schwed. und dän. sabel entlehnt, sowie auch niederl. sabel, mittelengl. sable Stratmann 515, anord. safali Fritzner 157a; auf einer niederd. form beruht auch mlat. sabellum Ducange, im mittelalter ging der hauptweg des russischen pelzhandels von Nowgorod über die Ostsee Weinhold die deutschen frauen im mittelalter 1 426; Stieda Revaler zollbücher ciii. eine jüngere entlehnung aus dem nhd. ist heutiges dän.-schwed. sobel Falk-Torp 1104.
2) formen. der nom. acc. plur. heiszt mhd. noch zuweilen zobele, jetzt allgemein zobel, veraltet sind die formen zöbel und zobeln:

zwêne swarze zobele guot
die wurden dem künige hôchgemuot
von der Riuʒen lande brâht Mei und Beaflor 41, 6 Pfeiffer;

die hermelin, zobel, ..., wie kleyn und forchtsam sie sint Fischart phil. ehzuchtbüchlin 240 Hauffen auf diesen gefilden, wo Tungusen und Russen .. zobel aufjagen J. v. Müller 1, 501;

die deck fewerck, zöbel und mader
Hans Sachs 14, 285, 24 Keller-Götze;

so viel zöbel in der Moschkau, und so viel äpfel in Frankreich wachsen Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 7, 150; zobbeln bei Luther in dem beleg 2 a α; dem schreiber der die zobeln brachte Olearius pers. reisebeschr. 1, cap. 15; zobeln, ein kostbares peltzwerk, kommt aus Moscau, und werden diese thier, .., in Sibirien gefangen Marperger kauffmannsmagazin 1422. bedeutung.
1) zobel ist das werthvolle pelzthier:
a)

dar quam der zobel und der mart Reinhart Fuchs 1339;

zobel der treget wolgemuter
fürsten und herrn das köstlichst futer
H. Sachs 7, 452, 37 Keller;

H. Sachs zählt ihn versehentlich unter den thieren auf 'so man findt in deutscher refier', sonst ist er, besonders in neuerer zeit grade das charakteristische thier für Ruszland und Sibirien: so sollen auch gar in den kalten nordischen Sibirien solche hohe Cedern wachsen, darinnen sich die zobel aufzuhalten pflegen Fleming vollkommene teutsche jäger 35a; so kann Heine witzeln:

[Bd. 32, Sp. 2]


und im geiste waren wir wieder in unserem gelehrten Sibirien, wo die kultur so grosz ist, dasz die bären in den wirtshäusern angebunden werden und die zobel dem jäger guten abend wünschen 3, 57 Elster (vgl. zobel2). die thiere werden gefangen und totgeschlagen, damit der pelz nicht verletzt wird; daher ein wortspiel Jean Pauls: in unsern schlachten, worin wir gleich dem zobel und dem strausz nicht mit kugeln, sondern mit prügeln erleget werden 6, 45 Hempel.
b) die jagd auf zobel ist ein regal des russischen kaisers Chomel öconom. u. physical. lexicon 8, 2427, und die einwohner und die strafgefangenen dort haben eine bestimmte zahl von fellen als abgabe an den kaiserlichen hof zu liefern (kronzobel) Hübner curieuses lex. 1739; Jablonski 2, 1838a; Meyer konversationslex. 6 20, 972b. daher ist zobel fangen oder jagen kennzeichnend für das leben eines verbannten in Sibirien und wird in diesem sinne gebraucht vgl. DWB zobelfang: anderstens stellte mich der bauer zu Sibir an einen morast, dorten hab ich ihm müssen, leyder! nichts als zobl schiezn Stranitzky lustige reiszbeschreibung 8, neudr.

ich zög vor Petersburg, und ohne viel zu fragen,
schickt ich den ganzen hof ein bissgen zobeljagen
Göthe 9, 484 Weim. (die mitschuldigen);

wir haben lange genug zobel gefangen, laszt 's uns einmal auch mit blumen versuchen Schiller 1, 202 (vorrede zur anthologie); der general Vandamme selbst ward gefangen und nach Sibirien abgeführt, damit er dort zobelfangen lerne Arndt schriften für und an seine lieben Deutschen 1, 242;

dem galgen ist er zwar entgangen,
doch nur um zobel in Sibirien zu fangen flugblatt auf Napoleon aus d. j. 1813 (
B. Lange die öffentliche meinung in Sachsen 1813—1815, 89).


2) zobel, der von dem thiere gewonnene pelz, ist die herrschende bedeutung; bei Adelung wird dies noch als einzige bedeutung angeführt und ausdrücklich vom zobelthier unterschieden: dasjenige thier, von welchem der zobel kommt 4, 1729.
a) der einzelne balg.
α) meist im plural gebraucht: item 40 m. 4 scot dem meister vor 90 zabil, yo den zabil vor 16 scot Marienburger tresslerbuch 78; also auch wüllen gewandt, seyden, marder, zobbeln yn finstern gewelben odder kreme feyl zu haben (ist eine 'triegerei im handel') Luther 15, 310 Weim.; so dasz aus agsteine ... der schönste glantz-firns gemacht, und damit die zobel gefärbet würden Lohenstein Arminius 2, 858a; dieses gebirge ist die südlichste grenze des pelzwerkes, zumal der guten zobel Ritter erdkunde 2, 115; auch sind die bälge (der iltisse) nicht so gut und dauerhaft (wie die der marder), ob selbige gleich so braun, wie zobel, gefärbet werden können Döbel jäger-practica 1, 43;

du kalter nord, behalte deine zobel!
Schubart sämtl. ged. 2, 241.


sie werden im pelzhandel nach zimmern zu 40 stück gezählt Stieler 2138; Brockhaus14 16, 975. diese berechnung war schon im pelzhandel von Nowgorod im mittelalter üblich Sattler handelsrechnungen des deutschen ordens 173, 27—30; Stieda Revaler zollbücher ciii: auf den morgen hat der könig JFG. zwei zimmer zobel .. verehren lassen, meinem vater aber und Hans Zedlitzen, sowohl dem kanzler, zwei zobel und zwei marder Schweinichen denkwürdigkeiten 29 Österley; so von ih. zaar. majest. an die gesandten und ihre völcker die verehrungen, nemlich etliche zimmer zobeln, brachten; ein zimmer aber ist 20 paar. den beyden gesandten wurden 11 zimmer gute zobeln ingesampt gegeben, den offizieren, junckern, ... jedem ein zimmer futter zoblen (geringere sorte) Olearius persianische reisebeschreibung 1, cap. 15.
die kürschner unterscheiden die theile des balges nach ihrem werth: zobelbäuche, zobelpfoten, zobelkehlen, zobelrände, zobelschwänze Seyler gesch. d. heraldik 98b.

[Bd. 32, Sp. 3]



β) die zobel werden als besatz und futter von kleidungsstücken verwerthet: ich ging allezeit in meinem schlafbeltz .. mit zobeln gefüttert Grimmelshausen Simplizissimus 453 neudr.; maszen er denn auch .. seinen groszen mit zobeln gefütterten schlafpeltz alsobald angezogen hatte polit. maulaffe 161;

braucht jedermann perrükken,
so weisz sie haupt und haar mit zobeln auszuschmücken,
Rachel satyr. ged. 27 neudr.;

sein kleid war aus zobeln und schwartzen füchsen
Lohenstein Arminius 2, 490b;

ihr futterwerk zu den winter-kleidern war nichts anders, als von der eusersten nord-spitze hergebrachte zobeln und hermelin 2, 84a. heute braucht man hierfür den sing. als stoffbezeichnung, s. DWB zobeln adj.
b) zobel, im sing., ist die gattung pelzwerk:

und das beeiste land, das uns den zobel schicket
Joh. E. Schlegel (1761—70) 4, 57.


α) es gilt seit alten zeiten als das kostbarste pelzwerk neben dem hermelin. darum schmücken die dichter des mittelalters ihre hauptpersonen damit, um die anschauung eines vornehmen und bevorzugten daseins zu geben vgl. A. Schultz höfisches leben 1 193ff. und die belege zu β. es dient auch als werthmesser für andere arten:

im kam ouch von Ruschîe
manec veder grâ und bunt.
eʒ kostet ouch vil manec pfunt
der zobel und der harm
H. v. d. Türlin krone 542;

daher sprichwörtlich:

und trüege ein wolf von zobel ein hût,
nâch künne er lîhte tæte minnes. frühl. 245, 59.

ähnlich, nur mit anderer verwendung des wortes zobel:

slüffe ein schalc in zobeles balc,
dannoch wære er drinne ein schalc
Freidank 49, 19 Grimm.

als vornehmstes material deutet es die arbeit des kürschners an: ein jeder soll zu morgens ... ein h. mess hören, .. nachmahls gehe der tischler zu seinem hobel, der kirschner zu seinem zobl Abraham a St. Clara Judas, der ertzschelm 1, 359; schau man ein wenig die männer an, wie sie sich nöthen müssen .. der kürschner bey dem zobel etwas für alle 2, 622.
β) zobel wird und wurde schon in alter zeit wegen seiner kostspieligkeit meist nur als besatz oder verbrämung gebraucht. im mittelalter wird der mantel am halse, und am untern saume damit eingefaszt, je breiter je besser. am höchsten galt die verbindung mit dem in der farbe contrastierenden, ebenso werthvollen hermelin, unter welchem hierbei auch das russische, nur durch den pelzhandel bekannte pelzwerk, und nicht der pelz eines heimischen wiesels zu verstehen ist, wie theil 4, 2, 1114 angenommen wird:

grüene samît was der mantel sîn,
ein zobel dâ vor gap swarzen schîn
ob einem hemde, daʒ was blanc
Wolfram Parzival 63, 24;

er (der mantel) was ze kurz noch ze lanc:
er swebete, dâ er nider sanc,
weder zer erden noch enbor.
dâ stuont ein hövescher zobel vor
der mâʒe als in diu Mâʒe sneit,
weder ze smal noch ze breit,
gesprenget swarz unde grâ:
swarz unde grâ diu wâren dâ
alsô gemischet under ein,
daʒ ir dewedereʒ dâ schein.
Gottfried Tristan 10928.

auch der rock, der über dem hemde getragen wird, oder das darüber liegende überkleid wurden mit zobel besetzt:

ein überkleit truoc diu meit
von scharlach, ein kappen guot,
diu zetal ûf die erde wuot,
mit zobel gefurrieret,
des swerze vil wol zieret
lûter kleineʒ wîʒeʒ vel (die haut des mädchens)
Heinr. v. d. Türlin krone 7718;

ein solches kleidungsstück wird gezobelt genannt:

disiu küneclîche wât
was gezobelt ûf die hant
Hartmann Erec 1571;

[Bd. 32, Sp. 4]



zobel zu tragen wie hermelin (th. 4, 2, 1114) wurde gegen ende des mittelalters ein vorrecht des fürstenstandes: deszgleich mögen graven unnd herrn, alle futter, auszgenommen zobel, und höchste futter antragen ordnung und reformation guter polizei (1548) 12a; oder was würde selbst in Nürnberg gesagt werden, wenn jetzt die gemahlinn eines rathsherrn mit einer sammeten pelzmütze mit zobel oder marder gebremt ihr haupt zieren wollte Nicolai reise durch Deutschland u. d. Schweiz 1, 245;

furt ir die drei, so uberadelt
eur hasen palk (die bürger und bauern) den zobel (der fürsten)
Liliencron hist. volksl. 1, 510.


in neuerer zeit wird zobel fast ausschlieszlich als verbrämung eines pelzmantels oder als frauenputz genannt, vgl. Meyers konv.-lex. 6 20, 973a: da gewahrte er einen groszen stattlichen mann, in einem langen talar von dunkelrotem sammet mit weiten ärmeln, und mit zobel reich besetzt E. Th. A. Hoffmann 7, 47; mehrere abende schon hatt' ich eine blendend schöne dame .. vor uns beobachtet, die in ihren rothsammtnen, mit zobel geschmückten pelz gehüllt, .. sich eben so früh einfand, als wir Holtei vierzig jahre 1, 361. mit zobel gefütterte mäntel gehören nur geschichtlicher oder phantasievoller darstellung an: er war in solcher eile aus England geflohen, dasz er nichts von einigem werthe mitgenommen hatte, und dem schiffer, der ihn nach Alcmaer überführte, zum lohne nichts als seinen mit zobel gefütterten rock geben konnte (Eduard IV) Görres ges. schr. 3, 10; da ziehen sie ihm (die schwestern dem alten Jacobi, wenn er auf die akademie geht) ein hemd von batist an mit frischem jabot und manschetten und einen pelzrock mit prächtigem zobel gefüttert Bettine Göthes briefwechsel m. e. kinde 2, 3.
3) zobel ist ein aus zobelpelz hergestelltes oder damit gefüttertes oder besetztes kleidungsstück.
a) ein mantel: ein swarze haub ein czabl und ein par hoz Jellinek mhd. wb. 994 (Iglauer stadtbuch, 15. jh.); onkel Levinus bewegte sich mit seinem jagdcostüme, zu welchem sich noch die wildschur gesellte, wie ein 'pelzmärtel' zur weihnachtszeit. aus bär und zobel konnte man ihn kaum herausfinden Gutzkow zauberer von Rom 6, 4. gerne mit dem besitzanzeigenden pron.: es ist euch mitt ewerer kutsch undt chaisse gangen, wie mir mitt meinem peltz undt zobel Elisabeth Charlotte briefe 453 lit. verein; schon hör ich das ohr zerfetzende geheule im unwirthbaren forst, und hülle mich angstvoll in meinen zobel Schiller 1, 203 (vorrede zur anthologie); eine persianerboa, — denn ihr zobel (zobeljacke) muszte geschont werden Sudermann das hohe lied 332.
b) ein pelzwerk für damen, im 17. und 18. jh.: zobel ist ein von dergleichen fell ausgeschnittener und mit taffet verfertigter palatin, so das frauenzimmer im winter um den halss schlinget Amaranthes frauenzimmerlexikon 2164, vgl. th. 7, 1411.
c) zobel sind schuhe (?), wenn nicht zockel zu lesen ist:

czwen zopel sam ein scharlach rott
warf sie von iren fussen drot
vnd schwang sie her in meine arm fastnachtspiele 1299 Keller.


4) zobel spielt in der geschichte der wappen eine grosze rolle.
a) zunächst wurde zobel wie andere kostbare pelze als schildbekleidung verwandt, entweder in ornamentaler gruppierung, oder als 'stückung', indem man daraus figuren ausschnitt und sie aufnagelte, anstatt sie aufzumalen Seyler gesch. der heraldik 96

ein eber darûf gesniten was (auf Tristans schild)
vil meisterlîchen unde wol
von swarzem zobel alsam ein kol
Gottfried Tristan 6620;

während der goldene schild die hombergischen adler von schwarzem zobel zeigte G. Keller 6, 100.
so auch auf dem über dem panzer getragenen kursît:

[Bd. 32, Sp. 5]


ûf sînem kursîte (Gawans)
von zobele wâren zwei gampilûn,
als Ilinôt der Bertûn
mit grôʒem prîse wâpen truoc
Wolfram Parzival 575, 27.


b) später, nach 1300, bezeichnet zobel nicht mehr den pelz, sondern die schwarze tinctur, wie das franz. sable Seyler 97: von zobel ein krebz Suchenwirt 14, 339;

tzway quartier klar von perlen rein
dy ander tzway nach zobel rar
Suchenwirt bei
Seyler 223.

dieser gebrauch ist spätestens gegen ende des 17. jhs. ausgestorben, jetzt dafür nur 'schwarz': übrige farben sind .. schwartz, nach ihrer (der Franzosen) benahmsung sable Menestrier wohlanständige adels-zierde (1691) 11.

 

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