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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitzferkel bis zivil (Bd. 31, Sp. 1723 bis 1724)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitzferkel, n.: eine halbwilde sau von den saugenden zitzferkeln (aufstören) B. Goltz hinter d. feigenblättern (1862) 1, 57.
 
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zitzger, m.: zezger 'melker' im Bündner Oberland (Schweiz) Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 140.
 
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zitz(i)- in fremdwörtern und lautmalenden ausdrücken s. ziz(i)-.
 
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zitzicht, adj. kompositionsglied 'mit zitzen versehen', in zuss. wie grosz-, dick-, schlappzitzicht Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470c; vgl. Stieler stammb. (1691) 2631.
 
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zitzkattun, m., die kattunart zitz: zitz-, entstellt zwistkattun Mensing schlesw.-holst. 5, 762; 764; Elberf. wb. 178b; ziskatung Müller-Schlösser Düsseldorf 272a; zitzekattung Hönig Köln 208b; Heinzerling-Reuter Siegerland 340b (veraltet); Liesenberg Stieger ma. 223; Hentrich Eichsfeld 37.
 
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zitzkind, n., 'kind, das noch von der mutter gesäugt wird', vgl. nd. titt(en)kind 'muttersöhnchen, verzogenes kind' Mensing schlesw.-holst. 5, 72: abgesetzte zitzkinder B. Goltz typen d. gesellsch. (1864) 1, 86; dazu: zitzkindlich, adj. Goltz ein kleinstädter in Ägypten (1877) 202.

[Bd. 31, Sp. 1724]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitzlein, n., 'kleine zitze'; schriftsprachliche diminutivableitung, mehrfach lexikalisch im 17. und 18. jh., so bei Decimator thes. (1608) zur wiedergabe der lat. diminutivform mammilla: mamma ... zitze oder brust; mamilla ... ein düttlein, zitzlein 769b; Stieler stammb. (1691) 2631; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470c; (schles.) zietzlein Steinbach (1734) 2, 1098; eig. entfaltungsbereich für diminutiv- und koseformen der wortsippe sind mundart und volkssprache, vgl. nd. und fries. titke(n), titje(n), obd. und in teilen des md. düttle(in), düttel u. ä. (bair. zitzelein = 1zitzerl 1 Schmeller-Frommann 2, 1167), wien. zitzerl (s. a. sp. 1723); vereinzelte -chen-formen im md.: titzchen, tittchen, zitzchen Gutzeit Livland 3, 2, 27a; didschen Hofmann niederhess. 82a. schriftsprachlich: vor seine (des kindes) zwei zitzlein an der brust, stunden zwei affenhaupter W. Bütner epitome hist. (1596) 482b. fraglich ob hierher hohenloh. züzlein, zizlein 'saugpfropfen, saugflasche?' Popowitsch versuch (1780) 242, vgl. DWB zutzel, DWB zutzeln (< sutzeln?).
 
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zitzlerei, f., bair.-österr.: ich kann dergleichen zizlereyen (gelegentliche besondere zuwendungen, aufmerksamkeiten) nicht leiden, ich zahl was recht ist, und bey dem bleibts slg. v. schausp. (1764) 6, 61; zu 2zitzel.
 
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zitzmanufaktur, f., wie zitzfabrik: Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 7, 24 beilage.
 
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ziu, s. ziestag, sp. 1236f.
 
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zivil, adj. , 'bürgerlich'; lat. cīvīlis (zu cīvis 'bürger', urverwandt germ. *hīwa-, vgl. got. heiwafrauja οἰκοδεσπότης, ahd. hīwo 'gatte', hīwa 'gattin' Feist vgl. wb. d. got. spr. 3253b), frz. civil; erste spuren der fremdwortsippe im dt.: civilissch (1539) Luther, civilsachen (1560) in bad. weist., civilitet (1563) Matthesius. das selbständig gebrauchte grundwort erst im 17. jh.: ob der schlechten civil- oder gemainen straffen (nach 1629) österr. weist. 1, 126, 7; demnach im 16. jh. aus dem lat. entlehnt, doch ist einflusz des frz. mehrfach wirksam geworden, insbes. noch im verlauf des 18. jhs., vgl. civilisiren (um 1700), civilisation (1775), civismus (1799). 1zivilist (1730) 'kenner des zivilrechts' beruht auf neulat. civilista. dem 19. und 20. jh. gehört die mehrzahl der im 16. und 17. jh. vereinzelten, im 18. jh. immer noch spärlichen zivil-zss. an (s. d.); insbesondere das neuzeitliche heereswesen und die groszen kriege des 19./20. jhs. haben zahlreiche dieser bildungen in umlauf gesetzt; vgl. auch das subst. zivil und 2zivilist.
das im lat., in den rom. sprachen und im engl. durch civilis, civil(e) abgedeckte sinngebiet fällt im dt. teilweise an bürgerlich; es engt namentlich die attributive verwendung ein, vgl. frz. année civile (ggs. astronomique): bürgerliches jahr; code civil (ggs. criminel): bürgerliches gesetzbuch; profession civile (ggs. militaire): bürgerlicher beruf; demgegenüber hat zivil sich hauptsächlich in gebrauchsweisen durchgesetzt, in denen es durch bürgerlich nicht (zivil 1) oder nicht bestimmt genug (zivil 2) wiederzugeben wäre; ferner wegen seiner formal besseren eignung zur komposition als bestimmungsglied in zahlreichen zss., auch in anwendungsbereichen, die bei attributiver fügungsweise im allgemeinen bürgerlich zufallen, vgl. DWB zivilgesetzbuch, DWB zivilehe, DWB zivilberuf (s. a. Adelung 1 [1774] 1207). die neigung der neueren rechts-, verwaltungs- und heeressprache zu terminologisch bündigen ausdrücken hat den attributiven gebrauch zugunsten der verwendung des wortes in der komposition weiter zurücktreten lassen (zivil 2).
1) als bezeichnung einer dem menschen als bürger, als glied der gesitteten menschlichen gesellschaft gemäszen haltung.
a) übereinstimmend mit lat. und frz. gebrauch 'gesittet, gesellschaftlich verfeinert, taktvoll und gewandt auftretend, von geschliffenem benehmen, höflich, umgänglich',

[Bd. 31, Sp. 1725]


in frühen belegen namentlich abgrenzend gegen die umgangsformen nichtzivilisierter, barbarischer völker: aber den Risemorern, Widinghardern, Föhringern, Sildingern, so nicht viel unter civile leute kommen, hänget wol etwas von geregten qualiteten an Danckwerth Schlesw. u. Holstein (1652) 92b; also erachte ich, dasz unsere vorfahren, durch umbgängnüsz mit andern ehrbahren heiden civiler worden Happel relationes cur. (1685) 2, 516b; und dörffte sein, dasz die Carnutes unter den Carnis, der beste kern desz carnischen adels, oder der civilste und politeste unter ihnen gewesen Valvasor herzogth. Crain (1689) 1, 81. civil 'höfflich, freundlich, ehrerbietig, discret' Nehring hist.-polit.-jur. lex. (1717) 206; Sperander handlex. (1728) 117a; 'höflich, gesittet' Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; magister Albus, ich habe ihn als einen zivilen, gescheiten und nicht unaimablen menschen kennen gelernt W. Raabe s. w. I 6, 386.
b) zivil als bezeichnung freundlich-zuvorkommenden verhaltens übertragen auf das gebiet kaufmännischer handelstätigkeit, vom preis; 'angemessen, mäszig, entgegenkommend, nicht übersteigert', vgl.humane preise; bezeugt seit der mitte des 17. jhs.; lexikalisch 1710: civil 'billig und gering im preisz, leidlich' Nehring hist.-polit.-jur. lex. (1717) 206; Schirmer kaufmannsspr. 215; medicamenta ... umb einen civilen preisz an dehnen, die solche rare medicamenten etwan nöthig haben möchten über zu lassen Glauber Glauberus concentratus (1668) 5; (er kann) mit einer solchen (perücke) ... gar wol und in civilen preisz ... bedienet werden Marperger haar- u. federhandel (1717) 177; civil 'billig, um guten oder leidlichen preisz' Sperander handlex. (1728) 117a; man kann sie (bücher) ... um sehr civilen preis haben Liscow elende scribenten (1736) 469;

(sein handwerk war,) madonnen ...
um sehr civilen preis aus pappe zu erschaffen
Wieland s. w. 11 (1839) 232;

für diese vergünstigung zahlte ich den zivilen preis von 'fünf Böhmen' Holtei vierzig jahre (1843) 2, 355; civile preise von Riehl culturstudien (1857) als charakteristische neubildung der sprache seiner zeit empfunden, vgl. R. M. Meyer 400 schlagworte 67; jetzt sitze mal 'n biszchen stille und verkaufe den gästen, die zu dir kommen, was sie haben wollen un mache zivile preise Kluge Kortüm (1938) 504; in der neueren wirtschaftssprache nicht mehr gebräuchlich.
2) 'den bürger betreffend, bürgerlich' (vgl. sp. 1724 den beleg aus den österr. weist.), eig. abgrenzend gegen jeden nicht-bürgerlichen bereich, doch nur als gegenbegriff des militärischen im sprachgebrauch entfaltet; 'nichtmilitärisch', häufiger in zss. (s. d.), attributiv insbesondere aus wortstilistischen rücksichten oder in ausdrücken unfesten charakters: wenn es ihrem lieben Nikolaus nicht gelinge, in der Schweiz — zivil — angestellt zu werden oder in Rom unter der garde des papstes, so könne aus der heurat nichts werden (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 171 Schulte-K.; heldenthaten der civilen entwicklung (1859) Ruge vorw. z. übers. v. Buckles gesch. d. zivilisation in England 1 (1868) VI; der (durch bomben) angerichtete zivile schaden ist bedeutungslos qu. v. j. 1940; meine beiden söhne dienen heute, der eine auf zivilem posten, der andere in der bewaffneten macht, ihrem führer Th. Mann Faustus (1948) 20; im ersten weltkrieg gab es noch ein ziviles heldentum hinter der front. wie lange gibt es jetzt noch ein hinter-der-front? wie lange noch ein ziviles dasein? Klemperer l. t. i. (1949) 10; viele hatten teile ihrer uniformen ersetzt durch zivile kleidung Feuchtwanger Simone (1950) 16. vom 'höheren' standpunkt des soldaten (offiziers) gern auch abwertend: nur irgendwelche zivilen probleme werden (in Hauptmanns jahrhundertfestspiel) gewälzt, dasz man das kotzen kriegt Renn adel im untergang (1947)

[Bd. 31, Sp. 1726]


297. in erweiterter verwendung, 'auszerberuflich, privat' sich nähernd, vgl. DWB zivil, n. 2: (die schauspieler) haben dann im zivilen leben das bedürfnis, sich zu geben, wie sie wirklich sind Mühsam namen u. menschen (1949) 180.

 

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