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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitzelkerze bis zitzenapfel (Bd. 31, Sp. 1721 bis 1722)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitzelkerze, f.: beim abstillen des kindes opferte die mutter ... einige geweihte kerzen, die sogenannten zitzlkerzen (in Westböhmen) A. John sitte, brauch u. volksglauben (1905) 119; zum vb. zitzen.
 
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zitzellehen, n., 'kleines darlehen' Unger-Khull steir. 650a.
 
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zitzeln, vb., 'stückeln, zerstückeln, in kleine teile verstreuen' Unger-Khull steir. 650a; vgl. zizerln 'kleine mengen abzwacken oder zugeben' Jakob Wien 227a; zetzeln (sp. 825) und zitzeln 'zaudern, langsam arbeiten' Lexer Kärnten 266, zitzerln Loritza Wien 148a.
 
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zitzelposten, m., 'kleiner rechnungsposten' Unger-Khull steir. 650a. —
 
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-schulden, f., pl., zintzel-, zitzelschulden debiti, crediti minuti Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a; (ein hausvater) bleibe ihnen (den handwerkern) nichts schuldig, so wird er vor andern befördert, ziehet ihm selbst keine zitzelschulden über den hals Hohberg georg. cur. (1682) 1, 178; Schmeller-Frommann 2, 1167; Unger-Khull steir. 650a; Schuller siebenbürg.-sächs. 74.
 
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zitzelweise, adv., 'stückweise, nach und nach in einzelnen, kleinen teilen, ratenweise' zintzelweis, zitzelweis zahlen pagar ... ogni volta qualche poco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a;

a lieb bist ma schuldi —
schau, mach da nix draus,
und zahl mih mit busserln
schön zizelweis aus
Seidl ges. schr. 3, 103 Max ('flinserln', ndöst.);

wienerisch auch zizerlweis: langsam, unter den gröszten qualen, zizerlweis würde er mich morden Nestroy ges. w. (1890) 3, 229; 2, 42; 2, 342; mundartl. bezeugt für das österr. (Wien, Kärnten, Steiermark, Tirol), bair. und siebenb.-sächsische.
 
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-wurst, f., Tiroler wurstsorte; 'eine wurst, deren fülle aus klein gehacktem kalbfleisch und fette besteht' Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz 5 (1785) 144 beilage.
 
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zitzen, adj., 'aus zitz (gefertigt, bestehend)', stoffadjektiv auf -en wie wollen, seiden, leinen, tuchen: im zitzenen camisole (1767) Möser patriot. phantasien (1778) 1, 220; er hatte ... einen braunen zizenen schlafrock an Jung-Stilling s. schr. 1 (1835) 324; Iffland dram. w. 3 (1798) 38; selbst die reichsten frauen besuchten morgens die kirche im kattunenen hauskleid und zitzenen mantel Diel Clemens Brentano (1877) 1, 38; vgl. zitzen, zitzig Fischer schwäb. 6, 1248.
 
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zitzen, vb., 'an der mutterbrust, am euter saugen; säugen'; nd. titten 'saugen' Mensing schlesw.-holst. 5, 72; 'säugen, saugen' Teuchert (Neumark) zs. f. dt. maa. (1910) 30; vgl. DWB tütten teil 11, 1, 2, sp. 1951; auch nordböhm. titten 'trinken, saugen' Knothe 178; nordfries. tetji 'saugen' Möller Sylt 265b; ostfries. tit(t)jen 'saugen, säugen' Doornkaat Koolman 3, 417a; obd. dutten, dutteln 'saugen', dudeln 'viel trinken, oft saugen' teil 2, sp. 1771; tut(t)eln 'saugen' teil 11, 1, 2, sp. 1938; md. titteln 'schöppeln, bechern' Follmann Lothr. 92b; (luxemb. tetten 'saugen' luxemb. wb. 437b; zimbr. tetten 'säugen' Schmeller-Bergmann 177b; vgl. frz. teter, it. tettare); fränk.-md. tützen

[Bd. 31, Sp. 1722]


(dützen Spiess Henneberg 49) 'an der brust trinken' Reinwald Henneberg 175; 'am euter saugen' Hertel Thür. 250; dutzen 'saugen' Vilmar Hessen 82; obd. dutzeln '(am sauglappen) saugen' teil 2, sp. 1773; zu diesen mundartl. verbreiteten bildungsvarianten mit gänzlich oder teilweise unverschobenen dentalen stellt sich zitzen in ähnlicher weise, wie im nominalen bereich zitze zu tit(te), ditz, dutten, tutte und den nahestehenden formen; fern bleiben sinn- und lautverwandte bildungen wie sucken, suckeln teil 10, 4, sp. 911; 909; sutzen, sutzeln teil 10, 4, sp. 1366; 1365; wohl auch zutzeln (< sutzeln?) teil 16, sp. 877; 920 (vgl. W. Schulze kl. schr. [1933] 212) und zutschen teil 16, sp. 876; vgl. noch tschutten 'kinder mit kühmilch nähren, statt sie zu säugen' Stalder Schweiz 1, 322; tschutschen 'saugen' als nordböhm. bei Kramer Bistritz 145; zullen, zulpen teil 16, sp. 526; 527; tschülpen teil 11, 1, 2, sp. 1443. auch got. daddjan (zur wz. dhēi 'saugen, säugen' Walde-Pokorny 1, 829) ist unverwandt. belege für zitzen, mundartl. auf das östl. md. beschränkt: zitsen 'saugen' (von kälbern, lämmern) nd. jahrb. 48, 23b (Neu-Golm/Mark); schles. zitzen 'säugen' Jungandreas zeitwortbildung 22; 'saugen' Schröer dt. maa. d. ungr. berglandes 2, 217a; zizien 'saugen' Haltrich siebenb.-sächs. 125; vgl. im westmd. und fränk. zützen 'saugen an der mutterbrust' Vilmar Hessen 473; 'saugen, trinken' Spiess Henneberg 295:

wer aber auf der faulen bank allzeit zu hause sitzet,
und in dem weichen wollustsbett an seiner mutter zitzet
E. Grave bei
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, )( )( )( 6b.


 
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zitzenader, f.: vena mammaria die dutten- oder zittzenader Woyt thes. (1696) 379. —
 
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-apfel, m.: duttenapfel sive zitzapfel 'malum orthomasticum, mammatum' Stieler stammb. (1691) 1378; zitzenapfel Oken naturgesch. (1839) 3, 3, 2086. —

 

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