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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitwerbalsam bis zitzdrucker (Bd. 31, Sp. 1713 bis 1715)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitwerbalsam, m., balsamum zedoariae Marperger kaufmannsmagazin (1708) 126. —
 
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-essig, m.: in pestzeiten ist der zitwereszig das allerbeste präservativ allg. haush.-lex. (1749) 3, 801b. —
 
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-kraut, n. 1) artemisia dracunculus L. 'estragon' (1600) Schwenckfelt lt. Marzell 1, 429. 2) das kraut der zitwerpflanze Campe 5 (1811) 877a. —
 
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-likör, m., zittwerliqueur über zittwersamen und zittwerkraut abgezogener feiner branntwein Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 42. —
 
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-rinde, f., melus (?) zedewynnesrynden (15. jh., md.) Diefenbach gl. 355b.
 
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zitwersaat,f., zitwersamen,m.
1) die als wurmmittel verwendbaren blütenköpfchen der artemisia cina und verwandter beifuszgewächse; zweifach irrige bezeichnung (same für blüte, zitwer für artemisia cina) einer alten, auch als hausmittel

[Bd. 31, Sp. 1714]


('wurmsamen') verbreiteten droge, vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 427. mundartl. in zum teil stark entstellter form vorwiegend auf nd. sprachgebiet (Ostfriesland, Oldenburg, Holstein, Westfalen, Mecklenburg, Brandenburg, Samland), doch auch für das obersächs. bezeugt, vgl. sêfkesâd Doornkaat Koolman ostfries. 3, 168b; sever(n)saad brem.-nds. wb. 4 (1770) 780; Böning Oldenburg 96; Schütze Holstein 4, 100; Mi Mecklenburg 74a; sevesaat Richey Hamburg (1755) 253; sippelnsd Woeste westfäl. 237b; ziftersoamen (Neu-Golm, mark Brandenburg) nd. jahrb. 48, 23b; zöbbast Fischer Samland 100; ziptersamen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 710a: nimm ... venedischen wurmsamen, welchen man auch zitwersamen nennet Ryff spiegel d. gesundth. (1544) 216a; darnach ... soll man nehmen ... katzendreck, attich, zitwersamen, jedes 2 loth M. Böhme roszartzney (1618) 16; also ist im Jochimsthal von B. M. Häszlers tochter ein 3 elligter wurm durch zittwersaamen ausgetrieben worden Lehmann hist. schauplatz (1699) 827; allg. haush.-lex. (1749) 3, 801b; Schedel warenlex. (1834) 2, 732; Dorstewitz-Ottersbach drogenkde (1921) 55. 2) der same der zitwerpflanze Adelung 5 (1786) 408. —
 
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-wein, m., durch zusatz der aromatischen zitwerwurzel gewürzter (kranken-)wein, hauptsächlich für das 16. jh. in der form zitwenwein bezeugt: Maaler teutsch spr. (1561) 523a; zitwan wein ist gt denen, die da seind kalter complexion Dryander arzenei gemeiner inhalt (1542) 37b; Wirsung arzneib. (1588) 422; zitwer ... ist aber doch sehr gebräuchig ... den köstlichen und gesunden zitwerwein zu machen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 207. —
 
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-wurz(el), f. 1) der wurzelstock der zitwerpflanze: zittwan, zittwenwurtz heiszet ... bey den arab. ärtzten zurumbet ..., die gemeinen ärtzt und apotecker nennens fälschlich zedoariam Wirsung artzneyb. (1588) reg.; Adelung 5 (1786) 408; Dorstewitz-Ottersbach drogenkde (1921) 16. 2) die zitwerpflanze selbst: zedoaria zitwer, zitwerwurtz Pancovius herbarium (1673) 424.
 
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zitz, m., s. zitze, f.
 
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zitz, m., der name eines ursprünglich in Ostindien hergestellten, mehrfarbig bemalten baumwollgewebes; seit dem ausgang des 18. jhs. allgemeine bezeichnung in Europa maschinell gewebter und bedruckter kattunsorten feinerer qualität.
wort und sache werden durch die handelstätigkeit der engl. und ndl. Ostindischen Kompanie seit dem 17. jh. in Europa bekannt. die bezeichnung des stoffes im hindi chīṇt ergibt engl. chint, aus dessen im kaufmännischen verkehr vorwiegender pluralform chints ('zitzsorten') sich im 18. jh. ein neuer singular chintz (pl. chintzes) abspaltet und verselbständigt (Murray s. v.). daneben steht ndl. chits, sits, zurückzuführen auf bengal. chits oder auf die maharaschtriform chīt (gleich chīṇt und chits zu skr. citrá-ḥ 'bunt' gehörig). im dt. erscheint die ndl. form (sits) in literarischer bezeugung des 18. jhs. als zitz, vereinzelt ziz, einmal zitze (leinewand, chites oder zitze [pl.?] genannt Noel Chomel öcon.-phys. lex. [1750] 2, 1088), mehrfach im pl. zitze, zizze (auch schwach flektiert verfertigung der zitzsen allg. dt. bibl., anh. zu bd. 25/36, 3338); lex. zahlreiche varianten, auch für die lautung belangvolle wie sitz frauenzimmerlex. (1773) 3933; Schwan 2 (1784) 1111; chits [kits] Jacobsson technol. wb. 1 (1781) 368a; chits [tšits] Schiffner allg. dt. sachwb. 10 (1831) 550b. als handelsausdruck hat sich die hochsprachliche form bis in das 19. jh. hinein nicht voll durchgesetzt; kaufmännische fachwörterbücher bevorzugen das englisch wirkende chits (daneben chints dank der führenden stellung Englands in der europ. zitzproduktion bis zur festlandsperre), vgl. Schedel warenlex. (1797) 1, 256; (1863) 1, 169a; handelslex. 3 (1847) 378. mundartl. geläufig bereits vor ausgang des 18. jhs., bezeugt für das schwäb., bair., rheinfränk. (Saarbrücken),

[Bd. 31, Sp. 1715]


mittelfränk. (Siegerland, Köln, Aachen), ostfränk. (Würzburg), nordthür. (Stiege), Estland, für teile des nd. (Waldeck, Schleswig-Holstein) sowie für das fries.
im dt. eingebürgert in der ersten hälfte des 18. jhs.; noch nicht bei Marperger kaufmannsmagazin (1708), wo jedoch bereits klage geführt wird über die verdrängung der einheimischen leinwand durch die gütemäszig überlegenen baumwollstoffe Ostindiens a. a. o. 263; lexikalisch zuerst 1748: zitz ein bunter baumwöllener zeug Gottsched dt. sprachkunst 103; vgl.: die bunten cattunen kommen aus dem königreich Bengala, und werden daselbst chites genennet haushaltslex. 1 (1749) 305a; zitz ebda 3 (1751) 801b. literarische belege:

bald will sie reiches band, bald eine theure spitze,
bald peltz und bald contouch vom allerfeinsten zitze
Henrici ernst-, scherzh. u sat. ged. 4 (1737) 345;

für 4 ell. besten zitz zur schürze à 2 thlr. Möser s. w. 1, 153 Abeken; manufakturen von haute- und basselisse-tapeten, von reichen brokaten, von feinen zizzen Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 253; das frauenzimmer trägt schleier von buntgeblümtem indianischen zitze Bürde erz. e. gesellschaftl. reise (1783) 253; sehr schöne zitze und andre gedruckte leinwandarten werden in einer ansehnlichen fabrike verfertigt Zöllner br. über Schlesien (1793) 2, 173;

(die dorfmädchen) zierten sich wie jungfern in kleinen städtchen,
trugen kattun und zitz statt leinwand
Kortum Jobsiade (1799) 3, 21;

ein stück des feinsten Augsburger zitzes, von allen möglichen farben, begleitete ihn Pfeffel pros. versuche (1810) 9, 30; Jean Paul w. 11/14, 256 Hempel; schlafrock von buntem ziz E. T. A. Hoffmann s. w. 15, 81 Gr.;

es ist, ihr Deutschen, eure scene
so malerisch wie bunter zitz
Platen w. 1, 539 Hempel;

(ein haus,) das nach dem bunten muster englischen zitzes angestrichen war Pückler-Muskau südöstl. bildersaal (1840) 2, 282; das sofa mit seinem überzug von feingeblümtem zitz stimmte wohl zu den lebhaften farben der tapete Storm s. w. 2, 68 Köster; die mit zinnoberrotem zitz bezogene ruhegelegenheit sog ihn ein H. Seidel Krüsemann (1935) 89.
 
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zitzdrucker, m., 'arbeiter, der zitzstoffe bedruckt' Abbt verm. w. (1768) 1, 291.

 

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