Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zittrach(t)geschwär bis zitwerlikör (Bd. 31, Sp. 1711 bis 1713)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -geschwär, n.: blätter und blumen (des cistus) zu einer salben gemacht, heilen die zittrachgeschwer Hohberg georg. cur. 1 (1682) 603. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-kraut, zitt(e)richkraut, n., verschiedene, zur heilung von zittrach verwendete pflanzen (s. zittrach 2, zitterwurz 1), vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 984. 1) gemeines fettkraut, pinguicula vulgaris L.: zitrochechrawt (1479) ber. d. bayer. bot. gesellsch. 18 (1925) 22; zittrachkraut (Pinzgau und Pongau) Jirasek beitr. z. e. bot. nomencl. (1806) 48, 62. 2) sempervivum tectorum L. zitterichkraut (Linz) Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 373b. 3) sedum acre L. zitterichkraut Höfer Österreich 3, 337. 4) groszes goldmilzkraut, chrysoplenium alternifolium L.: zittrachkraut (Salzburg) Jirasek beitr. z. e. bot. nomencl. (1806) 27, 62; zittrichkraut (Tirol) Rauschenfels in: d. sammler f. gesch. u. statistik von Tirol 4 (1807) 171; das zittrichkraut milzkraut Schöpf Tirol 829. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-mal, n., dass. wie zittermal (s. d.): impetigo zitterachmähler (1664) Diefenbach nov. gl. 211b; die wurtzel (der grindwurz) gepulvert und mit essig zu einer salben gemacht, heilt die zittrachmahl und flechten Hohberg georg. cur. 1 (1682) 543.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zittrecht, zittret, zittricht, adj., s. zittericht.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zittrig, adj., s. zitterig.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zittrüse, f., hautflechte, s. DWB zitterrose 1.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitwer, m. , curcuma zedoaria Roscoe; kulturpflanze Südasiens aus der familie der zingiberazeen; ihr getrockneter, ingwerartiger wurzelstock (rhizoma zedoariae) wurde während des mittelalters durch die Araber nach Europa eingeführt und als arzneimittel und gewürz viel verwendet (Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269). arab. zidwār 'zitwerwurzel' Lokotsch wörter orient. urspr. 173a; mit wandel der auslautenden liquida altspan. cetoal, altkatal. sitoval, afrz. citoval, citöal, pl. citovaus u. ä. Meyer-Lübke rom. etym. wb. 3802b; Tobler-Lommatzsch afrz. wb. 2, 451, dazu mengl. zedewal, neuengl. setwall; r-auslaut bewahren demgegenüber mlat. zeduarium (in zahlreichen, stark volkssprachlich beeinfluszten formen, vgl. Diefenbach gl. 634b), frühmhd., mhd., frühnhd. zitawar, zit(e)war, m. < über it. zettovario Kluge-Götze 15905a; Lexer 3, 1141; Diefenbach gl. 634b u. ö.; mnd. seduwer, seduer Schiller-Lübben 4, 166a; nhd. zitwer sowie die formen der neueren rom., germ. und slaw. sprachen Lokotsch a. a. o.; A. Mayer

[Bd. 31, Sp. 1712]


dt. lehnwörter im tschech. 31; 42; 56. für sich bleibt im dt. vom 13. bis in das 17./18. jh. bezeugtes zitwan, frühnhd. auch zitwen mit nasalem auslaut (kontamination mit verwandten bezeichnungen auf -an wie galgan, saffran?). im gebrauch hat im dt. die etymologisch berechtigte r-form, ausgenommen während des 16. jhs., den vorrang, gestützt durch mlat. zeduarium und formal wie sachlich nahestehendes ingwer.
früheste belege: zinamin unt zitawar in der paradieses-beschreibung der frühmhd. genesis 487 Dollmayr (zitwar in der Milstät-Klagenfurter hs. 9, 7 Diemer); dazu glossen des 11./12. jhs. citavvar zuzur ahd. gl. 3, 512, 22 St.-S.; zîtvar(e), zitvar zvzvr 3, 485, 29; zitwar zuzur 3, 579, 58; tolle pensum untie citewares, untiam ingebers (rezept) 4, 649, 11; vgl. Graff 5, 640; Germania 8, 301; zs. f. dt. wortf. 6, 198. zitwan: zitwân unde zinemîn Konrad Fleck Flore u. Blanscheflûr 2082 S., entstellt citamme (:klamme) im jüngeren Titurel 1768, 2 Hahn. formale abwandlungen landschaftlich-mundartlichen charakters und umdeutungen neben den normalformen zitwar, zitwan in frühnhd. zeit häufig; gedehnter stammvokal: s. o. und ziedewan lesart des Augsburger druckes von 1475 zu zitwar Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 3 Pf.; ziedewan (Mainz, 15. jh.) Lexer 3, 1141; zȳtwan calamus (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 65b; diphthongiert (?) zeitwan (15. jh., md.-obd.) Diefenbach gl. 634b; Schmeller-Frommann 2, 1165; vereinzelt in (ost)md. texten b für w: zitber (ende des 14. jhs., md.), mlat. zitbarum, sedbar Diefenbach gl. 634b; czetebar (Olmützer stadtbuch) Jelinek mhd. wb. 987; zittber Lehmann hist. schaupl. (1699) 1002, vgl. zittwersamen ebda 827; als mittel der ausspracheerleichterung sprieszt zwischen den im wortinnern zusammenstoszenden konsonanten häufig ein silbenbildender mittelvokal (e, vereinzeltund ) auf, so bes. im nd. und md. spachgebiet in vorwiegend glossarischer bezeugung (s. o.); als hd. erscheinung seit dem 16. jh. nach übereinstimmendem ausweis der literarischen und lexikalischen belege nicht mehr feststellbar. gleiche zeitliche und räumliche kennzeichnungen gelten für den wandel i > e in der stammsilbe, der teils lautgesetzlich, teils unter einwirkung von mlat. zeduarium erfolgt sein wird; doch zetwer als hochsprachliche nebenform noch bei Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b, vgl.zedwerwasser Krünitz öcon. encycl. 241 (1858) 83; weitere lautliche schwankungen (quantität und qualität des endsilbenvokals; d für t in der stammsilbe) sowie eine bis in das 19. jh. wahrnehmbare graphische unsicherheit gestalten die entwicklung der laut- und schriftform des wortes unruhig. völlig abseits stehen formen wie zwitwer (mit vorweggenommenem w der endsilbe?) calamus aromaticus (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 65b (vgl. Kramer-Moerbeek [1768] 436b) und zistwer (15. jh., md.) Diefenbach gl. 634b (vgl. Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 122), ferner umdeutungen wie czederwein, czede wort, czedarboum u. ä. Diefenbach nov. gl. 388a; gloss. 634b.
lex. bezeugung: zitwar, zitwan (zahlreiche lautliche und graphische varianten) Diefenbach gl. 81c; 88c; 94a; 355b; 623c; 624a; 634b; 639a; nov. gl. 65b; 383b; 388a; n-formen: zit(t)wen Alberus (1540) Ii 4b; Frisius (1556) 166a; zit(t)wan Frischlin (1586) 38b; Hulsius-Ravellus (1616) 432a; Widerhold (1669) 437b; r-formen: zit(t)wer, (zitwen oder) zitwer Decimator thes. (1608) 1486a; Schottel haubtspr. (1663) 280; Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b; Frisch (1741) 2, 480b; Gottsched dt. sprachkunst (1748) 115; Adelung 5 (1786) 408.
1) als bezeichnung der zitwerwurzel: pei des krautes (zeduarium) wurzel wehset diu wurz, die wir zitwar haizen (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 5 Pf.; (man gibt) von negel, mussat plunen, galgan, kubeben, zymidplud, paneyskorn, zitwar vom  zu karbaliren (reinigen) 1 dn. (Nürnb. um

[Bd. 31, Sp. 1713]


1400) städtechron. 1, 100; item 4  czydwar (1402—04) handelsrechn. d. dt. ordens 169 Sattler; nym ein halp mosz gtz geprantz wins, th die nach benant(en) kraütter dar inn ...: ... galganu(m), zitwar, cuboben ... (1480) mittelalterl. hausb. XIX Bossert-St.; zedoaria, zitwer wirt für vergifften lufft vnd pestilentz gebraucht Ryff confectbuch (1548) d 1b; nimb ... galgant 2. lot, zütwer 2. lot Seutter roszarznei (1588) 10; so solle man wohl gedörreten rettich und guten frischen zitwer unter einander stoszen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 32; zittwer: von einem groszen stein 1 gr. 10 pf. (zoll) (1660) Mylius corp. const. Marchic. 4, 1, 91; zitwer ... gehört mehr in die apothecken als in die kuchen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 207; eingemachter zitwer zedoaria condita Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b; (inhalt einer feldapotheke:) würtz-nelcken, zimmt, safran, galgant ..., muscaten-nüsse, zitwer, ingwer Fleming vollk. soldat (1726) 324b; die wurzeln oder samen dieser pflanzen sind das eigentliche gewürz, wie ingwer, zitwer Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 492; du magst noch gafferzeltlein und a weng an zittwer und lemoni verlangen, und dem apotheker sage nur, es ist uns unser vorrat ausgegangen und wir kaufen uns rantweise das sachen nach Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 2, 301; Wander sprichwörterlex. 5, 595.
2) die zitwerpflanze; zeduarium ... haizet zitwar. daz ist ain kraut daz wechst in den landen gegen der sunnen aufganch (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 3 Pf.; vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269.
3) übertragungen auf andere pflanzen, insbes. wilder zitwer (vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 690): bryonia, viticella, vitis alba Diefenbach gl. 81c; 623c; 624a; nov. gl. 383b; byronia schmärwurtz, hundskürbs, wilderzittwen, teufelskirsen, wildrben Frisius (1556) 166a; Widerhold (1669) 437b; in latinischer zungen viticella oder vitis alba oder brionia und in tütscher sprach wilder zitwan oder hundskürbs genant Braunschweig buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 123a; 91a; viticella wilder zitwen, stickwurtz Gersdorff wundarzney (1517) XCV 2a (voc. herbar.); schwartzwurtz (sonst hundskürbsz oder wilder zitwen genannt) Sebiz feldbau (1579) 72; s. a. unten wildzitwer; calamus aromaticus (acorus calamus L.: deutscher zittwer Holl wb. dt. pflanzennamen [1833] 184b): hemelzitwar, heidenis zítewar in kräuterglossaren (13. jh.) ahd. gl. 3, 540, 1; 3, 540, 2; heimescidwar, hēnenzitwar (14. jh.) 3, 552, 68; 3, 552, 69; zwitwer, heydens ceduer, heimlicher zitwan, heimischer zitwan (15. jh.) Diefenbach gl. 88c; nov. gl. 65b; mnd. heydens sedewer Schiller-Lübben 4, 166a; cyperus: ciperus zitewar, cidewar (13./14. jh.) ahd. gl. 3, 52, 11; vgl.(mhd.?) wildzytbar cyperus longus L. bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1301; caprifolium: cits (cit[w]er) (14. jh.) ahd. gl. 3, 528, 22; weiteres s. Holl wb. dt. pflanzennamen (1833) 82a; Pritzel-Jessen volksnamen der pflanzen 451.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitwerbalsam, m., balsamum zedoariae Marperger kaufmannsmagazin (1708) 126. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-essig, m.: in pestzeiten ist der zitwereszig das allerbeste präservativ allg. haush.-lex. (1749) 3, 801b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-kraut, n. 1) artemisia dracunculus L. 'estragon' (1600) Schwenckfelt lt. Marzell 1, 429. 2) das kraut der zitwerpflanze Campe 5 (1811) 877a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-likör, m., zittwerliqueur über zittwersamen und zittwerkraut abgezogener feiner branntwein Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 42. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: