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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zittrab bis zitwerbalsam (Bd. 31, Sp. 1709 bis 1713)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zittrab, zittrapp, n., hautflechte, s. DWB zitterrapp.
 
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zittrach(t), zittrache, zitt(e)rich, zitt(e)roch , m., f.; zittere, f., n. (auch m.?). bezeichnung verschiedener hautkrankheiten; zittrachkraut. ahd. zittaroh, zit(a)roh; mhd. ziteroch(e). das wort lebt heute nur in obd. und westmd. maa., früher war es vielleicht auch im ostmd. verbreitet. vgl.: die Sachsen nennen es (das zittermal) auch sehr undeutsch eine zittracht Alemannia 15, 228. ableitung von germ. *tetru in ags. teter, dt. zitter (s. 3zitter) = ai. da(r)drú- 'art hautausschlag' zur wurzel *der- 'schinden'. (dasz ai. dadruka- und ahd. zittaroh eine idg. bildung *dedrukos erweisen, ist angesichts der häufigkeit des ka-suffixes im aind. und der beschränkung von zittaroch auf das dt. zweifelhaft.) vgl. weiter cymr. tarwyden, bret. dervoeden und lit. dedervinė 'flechte' Walde-Pokorny 1, 800; Specht d. usprg. der idg. deklination 169.
altes maskulinum zeigen die meisten mundartbelege (s. u.), ferner: gegen den zitrach arzneibuch a. d. j. 1534 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164; und bestreich den zittrach damit Hohberg georg. cur. 1 (1682) 303b. auf vereinzeltes fem. deuten: für die geflecht und zittracht ... damit bestreich die flecht oder zitterich offt Gäbelkover artzneyb. (Eisleben 1595) 370a; die schlechte einfache zittere oder geflächt Uffenbach roszb. (1603) 2, 26; die zitterich und andere gebresten der häut Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 813. vereinzeltes neutr. steht wohl analog den kollektiven auf ahd. -ahi, denen sich das wort anschlieszt: zitterê, n. (Wetterau) Diefenbach gl. 288c; zweifelhaft ist das neutr. in: das versegent oder zytracht impetigo voc. theut. (1482) h 3b. unverschobenen dental im anlaut zeigt titturuh (9. jh.) ahd. gl. 2, 242, 47 St.-S. andere unverschobene formen s. unter 3zitter. dehnung des stammsilbenvokals, die auf ursprünglich offene silbe schlieszen läszt, zeigen bair.-österr. mundartbelege: beim ziehdrocha Schramek Böhmerwaldbauer (1915) 281; ziedarach Weitzenböck Innviertel 72; dazu auch zietracht Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 4, 173. schwächung des inlautenden dentals begegnet häufig im bair.-österr.: zidərachə~, zidrachə~ Schmeller-Frommann 2, 1164; zidarich, m. Castelli ma. in Österr. unter d. Enns 272. der mittelsilbenvokal ist sehr labil, wie schon die glossenbelege zeigen: impetigo zitiroch (11. jh.) ahd. gl. 3, 429, 17 St.-S.; impetigo warza citaroc, citaroch, zittaroch (12. jh.), citroh, citroch (13./14. jh.) 1, 351, 49. der ahd. endsilbenvokal o hält sich vereinzelt auch noch in späterer zeit: zytroch vertreiben arzneib. a. d. j. 1505 bei Schmeller-Fr. 2, 1164; zitteroch, m. Schmeller cimbr. 244. sonst hat sich das wort in der endsilbe den neutr. kollektivbildungen auf ahd. -ahi angeschlossen und nimmt an den starken lautlichen veränderungen dieser endsilbe teil. volksetymologisch entstellt ist cittarouga (12. jh.) ahd. gl. 1, 351, 51 St.-S. in frühnhd. zeit lautet die endung meist -ach oder mit anfügung von t -acht (belege s. u.). seit dem ende des 16. jhs. begegnen daneben geschwächte formen mit -ich: zittrach ... zitterich Gäbelkover (s. o.). die modernen maa. haben vielfach -ich: zitterich, zitrich, m. Vilmar-Pfister Hessen nachtr. 345; ziderich Hügel Wien 195; zittrich, m. Schöpf Tirol 829. daneben kommen aber auch noch formen mit -ach vor: zittrich, zittrach, m. Unger-Khull steir. 650a; zittrach Fischer schwäb. 6, 1246; zittrach, m. Zingerle Lusern 59. umgelauteter endsilbenvokal begegnet

[Bd. 31, Sp. 1710]


in: zitrechten Ruland lex. alchim. (1612) 487. andere hess. quellen zeigen vereinfachung der endung zu e, ê (kontraktion < ehe? vgl. J. Grimm dt. gramm. 2, 296 Scherer): zittere Frischlin (s. u.); zitterê Crecelius Oberhessen 935; zitteree (Wetterau) Kehrein Nassau 453; s. auch oben Uffenbach, Diefenbach. die flexion im sg. ist im allg. die eines st. masculinums: für wilden zitroch qu. a. d. j. 1571 bei Fischer schwäb. 6, 1246; der sulphur vertreibt zitracht Paracelsus opera (1616) 1, 1047 Huser; daneben aber auch sw. flexion: der zīdràchə (n. sg.; Bair. Wald) Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 450; für den zittrachen arzneib. a. d. 16./17. jh. bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164; ein zitrachten (acc. sg.) Paracelsus opera (1616) 1, 1047 Huser; ein citrachten (n. sg.) ders., chirurg. bücher u. schr. (1618) 578 Huser. in frühnhd. zeit wird das wort meist im pl. gebraucht. der nom., acc. hat in analogie zu andern pluralisch gebrauchten krankheitsnamen wie blattern, pocken meist die endung -en (beispiele s. u.). demgegenüber ist die endungslose pluralform selten: die bösen zittrach (acc. pl.) Hohberg georg. cur. 1 (1682) 303a; zitrch (sg. und pl.) Bacher Lusern 429.
1) bezeichnung verschiedener flechten- und krätzeartiger hautkrankheiten; vgl. Höfler dt. krankheitsnamenb. (1899) 856. lexikalisch seit dem ende des 15. jhs. belegt: impetigo zitrach vel zitracht (Nürnberg 1482) Diefenbach gl. 288c; zitrochen (pl.) impetigo dicitur scabies sicca voc. inc. teut. ante lat. (Straszb. ca. 1495) E 2b; zittere, gefläht Frischlin nom. triling. (1586) 84a; zittermal, zittrach mentagra, impetigo, lichen Schönsleder prompt. (1618) Qq 7b; zitter, zittrich ò zittermal Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; das zittermahl ... in einigen gegenden der zitter, zitterich Campe 5, 876b. literarische belege:

daz ander (der übrige teil des körpers) was belochen (eingeschlossen)
von breiten ziterochen
Heinrich v. d. Türlin crône 19 707 lit. ver.;

item bey dem prinenden hol
der florentzer, ein bad dient wol
für grint, räud, kretz und zitrach
und vil der gleichen ungemach fastnachtspiele 1257 lit. ver.;

das siebende buch von blatern, lähme, beulen, zittrachen und löcher Paracelsus opus chyrurg. (1566) 357; darumb von zittrachten zu wissen ist, das sie im leib nit mögen ir operation haben und werffen sich auszen auff die haut gleich einem rost ders., chirurg. bücher u. schr. (1618) 277 Huser; für wilden zitroch in den hennden qu. a. d. j. 1571 bei Fischer schwäb. 6, 1246; diese (salbe) ist gantz sicher, magst auch zu rauden, krätzen, schertzen, zitrachen, unnd was dergleichen ist, brauchen Wirsung artzneyb. (1588) 57; eine salbe für die mägere, für zitrachten, und für den fliegenden wurm Bapst v. Rochlitz artzneib. (1599) 459; also ist der speichel eines gesunden menschens ein treffliches cosmeticum, das alle kratzen und zittrach vertreibet Hohberg georg. cur. 1 (1682) 157; welche böse krätze (die man in Crain zittrach nennet) keiner ihm vertreiben können Valvasor herzogth. Crain (1689) 1, 597; flechte, zietracht, schwinde oder vergehe ... ist eine exulcerirte inflammation der haut, und eine art trockener krätze, welche anfangs wie gantz kleine blättergen auffahren, hefftig jucken, und nachdem man nur ein wenig kratzet, die haut gantz rauh und schuppich machen, und sich immer weiter ausbreiten Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 4, 173; der zitrich ist ein besonderer scharfer roter auswurf auf der haut des menschen, welchen die ärzte unter die kräze zählen Popowitsch versuch (1780) 643. ähnlich beschreiben die mundartwbb. die krankheit: eine entzündung auf der haut des körpers, mit aufwallenden roten bläschen, welche sich immer mehr ausbreiten Höfer Österreich 3, 337; ausschlag, flechte am leib

[Bd. 31, Sp. 1711]


Zingerle Lusern 59; das zittermahl, die flechte, erhöhung auf der erhärteten oberhaut Schmeller-Fr. 2, 1164; ein flechtenartiger trockner hautausschlag im gesicht Kehrein Nassau 453. vereinzelt in der bedeutung 'rotes muttermal' neben 'rote hautflecken' bei Fischer schwäb. 6, 1246. auch als hautkrankheit bei pferden und rindern: wilder zittracht (am schweif des pferdes) Sebiz feldbau (1580) 152; es ist der grindt und raude (der pferde) zweyerley art, als der truckene, so keinen eyter unnd feuchtigkeit von sich gibt unnd allein den eussersten theil der haut einnimpt, und wird von etlichen die schlechte einfache zittere oder geflächt genennet Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 26; 'ein hautausschlag des rindes' Unger-Khull steir. 650a.
2) eine pflanze, die zur heilung von zittrach verwendet wird, vgl. DWB zittrachkraut; für chrysoplenium alternifolium L. (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 984): groszes goldmilzkraut, zittriche Holl pflanzennamen (1833) 132b; zittrich (goldmiltz) Waldbrühl pflanzennamen (1841) 57; zittriche (Tirol) Rauschenfels in: botan. taschenb. (1801) 219. vielleicht dazu auch: nimb wilden citrich klain zerschniten, sonnenwürbel wurtz Seutter roszarznei (1588) bei Fischer schwäb. 6, 1246.
 
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zittrach(t)flecke, m., von zittrach befallene körperstelle: pomade vor zitrachtflecken allg. haush.-lex. (1749) 2, 510a. —
 
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-geschwär, n.: blätter und blumen (des cistus) zu einer salben gemacht, heilen die zittrachgeschwer Hohberg georg. cur. 1 (1682) 603. —
 
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-kraut, zitt(e)richkraut, n., verschiedene, zur heilung von zittrach verwendete pflanzen (s. zittrach 2, zitterwurz 1), vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 984. 1) gemeines fettkraut, pinguicula vulgaris L.: zitrochechrawt (1479) ber. d. bayer. bot. gesellsch. 18 (1925) 22; zittrachkraut (Pinzgau und Pongau) Jirasek beitr. z. e. bot. nomencl. (1806) 48, 62. 2) sempervivum tectorum L. zitterichkraut (Linz) Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 373b. 3) sedum acre L. zitterichkraut Höfer Österreich 3, 337. 4) groszes goldmilzkraut, chrysoplenium alternifolium L.: zittrachkraut (Salzburg) Jirasek beitr. z. e. bot. nomencl. (1806) 27, 62; zittrichkraut (Tirol) Rauschenfels in: d. sammler f. gesch. u. statistik von Tirol 4 (1807) 171; das zittrichkraut milzkraut Schöpf Tirol 829. —
 
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-mal, n., dass. wie zittermal (s. d.): impetigo zitterachmähler (1664) Diefenbach nov. gl. 211b; die wurtzel (der grindwurz) gepulvert und mit essig zu einer salben gemacht, heilt die zittrachmahl und flechten Hohberg georg. cur. 1 (1682) 543.
 
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zittrecht, zittret, zittricht, adj., s. zittericht.
 
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zittrig, adj., s. zitterig.
 
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zittrüse, f., hautflechte, s. DWB zitterrose 1.
 
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zitwer, m. , curcuma zedoaria Roscoe; kulturpflanze Südasiens aus der familie der zingiberazeen; ihr getrockneter, ingwerartiger wurzelstock (rhizoma zedoariae) wurde während des mittelalters durch die Araber nach Europa eingeführt und als arzneimittel und gewürz viel verwendet (Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269). arab. zidwār 'zitwerwurzel' Lokotsch wörter orient. urspr. 173a; mit wandel der auslautenden liquida altspan. cetoal, altkatal. sitoval, afrz. citoval, citöal, pl. citovaus u. ä. Meyer-Lübke rom. etym. wb. 3802b; Tobler-Lommatzsch afrz. wb. 2, 451, dazu mengl. zedewal, neuengl. setwall; r-auslaut bewahren demgegenüber mlat. zeduarium (in zahlreichen, stark volkssprachlich beeinfluszten formen, vgl. Diefenbach gl. 634b), frühmhd., mhd., frühnhd. zitawar, zit(e)war, m. < über it. zettovario Kluge-Götze 15905a; Lexer 3, 1141; Diefenbach gl. 634b u. ö.; mnd. seduwer, seduer Schiller-Lübben 4, 166a; nhd. zitwer sowie die formen der neueren rom., germ. und slaw. sprachen Lokotsch a. a. o.; A. Mayer

[Bd. 31, Sp. 1712]


dt. lehnwörter im tschech. 31; 42; 56. für sich bleibt im dt. vom 13. bis in das 17./18. jh. bezeugtes zitwan, frühnhd. auch zitwen mit nasalem auslaut (kontamination mit verwandten bezeichnungen auf -an wie galgan, saffran?). im gebrauch hat im dt. die etymologisch berechtigte r-form, ausgenommen während des 16. jhs., den vorrang, gestützt durch mlat. zeduarium und formal wie sachlich nahestehendes ingwer.
früheste belege: zinamin unt zitawar in der paradieses-beschreibung der frühmhd. genesis 487 Dollmayr (zitwar in der Milstät-Klagenfurter hs. 9, 7 Diemer); dazu glossen des 11./12. jhs. citavvar zuzur ahd. gl. 3, 512, 22 St.-S.; zîtvar(e), zitvar zvzvr 3, 485, 29; zitwar zuzur 3, 579, 58; tolle pensum untie citewares, untiam ingebers (rezept) 4, 649, 11; vgl. Graff 5, 640; Germania 8, 301; zs. f. dt. wortf. 6, 198. zitwan: zitwân unde zinemîn Konrad Fleck Flore u. Blanscheflûr 2082 S., entstellt citamme (:klamme) im jüngeren Titurel 1768, 2 Hahn. formale abwandlungen landschaftlich-mundartlichen charakters und umdeutungen neben den normalformen zitwar, zitwan in frühnhd. zeit häufig; gedehnter stammvokal: s. o. und ziedewan lesart des Augsburger druckes von 1475 zu zitwar Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 3 Pf.; ziedewan (Mainz, 15. jh.) Lexer 3, 1141; zȳtwan calamus (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 65b; diphthongiert (?) zeitwan (15. jh., md.-obd.) Diefenbach gl. 634b; Schmeller-Frommann 2, 1165; vereinzelt in (ost)md. texten b für w: zitber (ende des 14. jhs., md.), mlat. zitbarum, sedbar Diefenbach gl. 634b; czetebar (Olmützer stadtbuch) Jelinek mhd. wb. 987; zittber Lehmann hist. schaupl. (1699) 1002, vgl. zittwersamen ebda 827; als mittel der ausspracheerleichterung sprieszt zwischen den im wortinnern zusammenstoszenden konsonanten häufig ein silbenbildender mittelvokal (e, vereinzeltund ) auf, so bes. im nd. und md. spachgebiet in vorwiegend glossarischer bezeugung (s. o.); als hd. erscheinung seit dem 16. jh. nach übereinstimmendem ausweis der literarischen und lexikalischen belege nicht mehr feststellbar. gleiche zeitliche und räumliche kennzeichnungen gelten für den wandel i > e in der stammsilbe, der teils lautgesetzlich, teils unter einwirkung von mlat. zeduarium erfolgt sein wird; doch zetwer als hochsprachliche nebenform noch bei Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b, vgl.zedwerwasser Krünitz öcon. encycl. 241 (1858) 83; weitere lautliche schwankungen (quantität und qualität des endsilbenvokals; d für t in der stammsilbe) sowie eine bis in das 19. jh. wahrnehmbare graphische unsicherheit gestalten die entwicklung der laut- und schriftform des wortes unruhig. völlig abseits stehen formen wie zwitwer (mit vorweggenommenem w der endsilbe?) calamus aromaticus (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 65b (vgl. Kramer-Moerbeek [1768] 436b) und zistwer (15. jh., md.) Diefenbach gl. 634b (vgl. Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 122), ferner umdeutungen wie czederwein, czede wort, czedarboum u. ä. Diefenbach nov. gl. 388a; gloss. 634b.
lex. bezeugung: zitwar, zitwan (zahlreiche lautliche und graphische varianten) Diefenbach gl. 81c; 88c; 94a; 355b; 623c; 624a; 634b; 639a; nov. gl. 65b; 383b; 388a; n-formen: zit(t)wen Alberus (1540) Ii 4b; Frisius (1556) 166a; zit(t)wan Frischlin (1586) 38b; Hulsius-Ravellus (1616) 432a; Widerhold (1669) 437b; r-formen: zit(t)wer, (zitwen oder) zitwer Decimator thes. (1608) 1486a; Schottel haubtspr. (1663) 280; Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b; Frisch (1741) 2, 480b; Gottsched dt. sprachkunst (1748) 115; Adelung 5 (1786) 408.
1) als bezeichnung der zitwerwurzel: pei des krautes (zeduarium) wurzel wehset diu wurz, die wir zitwar haizen (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 5 Pf.; (man gibt) von negel, mussat plunen, galgan, kubeben, zymidplud, paneyskorn, zitwar vom  zu karbaliren (reinigen) 1 dn. (Nürnb. um

[Bd. 31, Sp. 1713]


1400) städtechron. 1, 100; item 4  czydwar (1402—04) handelsrechn. d. dt. ordens 169 Sattler; nym ein halp mosz gtz geprantz wins, th die nach benant(en) kraütter dar inn ...: ... galganu(m), zitwar, cuboben ... (1480) mittelalterl. hausb. XIX Bossert-St.; zedoaria, zitwer wirt für vergifften lufft vnd pestilentz gebraucht Ryff confectbuch (1548) d 1b; nimb ... galgant 2. lot, zütwer 2. lot Seutter roszarznei (1588) 10; so solle man wohl gedörreten rettich und guten frischen zitwer unter einander stoszen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 32; zittwer: von einem groszen stein 1 gr. 10 pf. (zoll) (1660) Mylius corp. const. Marchic. 4, 1, 91; zitwer ... gehört mehr in die apothecken als in die kuchen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 207; eingemachter zitwer zedoaria condita Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1470b; (inhalt einer feldapotheke:) würtz-nelcken, zimmt, safran, galgant ..., muscaten-nüsse, zitwer, ingwer Fleming vollk. soldat (1726) 324b; die wurzeln oder samen dieser pflanzen sind das eigentliche gewürz, wie ingwer, zitwer Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 492; du magst noch gafferzeltlein und a weng an zittwer und lemoni verlangen, und dem apotheker sage nur, es ist uns unser vorrat ausgegangen und wir kaufen uns rantweise das sachen nach Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 2, 301; Wander sprichwörterlex. 5, 595.
2) die zitwerpflanze; zeduarium ... haizet zitwar. daz ist ain kraut daz wechst in den landen gegen der sunnen aufganch (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 426, 3 Pf.; vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269.
3) übertragungen auf andere pflanzen, insbes. wilder zitwer (vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 690): bryonia, viticella, vitis alba Diefenbach gl. 81c; 623c; 624a; nov. gl. 383b; byronia schmärwurtz, hundskürbs, wilderzittwen, teufelskirsen, wildrben Frisius (1556) 166a; Widerhold (1669) 437b; in latinischer zungen viticella oder vitis alba oder brionia und in tütscher sprach wilder zitwan oder hundskürbs genant Braunschweig buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 123a; 91a; viticella wilder zitwen, stickwurtz Gersdorff wundarzney (1517) XCV 2a (voc. herbar.); schwartzwurtz (sonst hundskürbsz oder wilder zitwen genannt) Sebiz feldbau (1579) 72; s. a. unten wildzitwer; calamus aromaticus (acorus calamus L.: deutscher zittwer Holl wb. dt. pflanzennamen [1833] 184b): hemelzitwar, heidenis zítewar in kräuterglossaren (13. jh.) ahd. gl. 3, 540, 1; 3, 540, 2; heimescidwar, hēnenzitwar (14. jh.) 3, 552, 68; 3, 552, 69; zwitwer, heydens ceduer, heimlicher zitwan, heimischer zitwan (15. jh.) Diefenbach gl. 88c; nov. gl. 65b; mnd. heydens sedewer Schiller-Lübben 4, 166a; cyperus: ciperus zitewar, cidewar (13./14. jh.) ahd. gl. 3, 52, 11; vgl.(mhd.?) wildzytbar cyperus longus L. bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1301; caprifolium: cits (cit[w]er) (14. jh.) ahd. gl. 3, 528, 22; weiteres s. Holl wb. dt. pflanzennamen (1833) 82a; Pritzel-Jessen volksnamen der pflanzen 451.
 
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zitwerbalsam, m., balsamum zedoariae Marperger kaufmannsmagazin (1708) 126. —

 

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