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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterung bis zittrach(t)flecke (Bd. 31, Sp. 1707 bis 1711)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitterung, f. , seit dem 12. jh. belegtes, noch bis ins 19. jh. hinein gebrauchtes verbalabstraktum zu zittern; vgl. 4zitter. lexikalisch: frigor zitterunge (anf. 15. jh., obd.) Diefenbach gl. 247c; zitterung, bidmung, wegung tremor voc. theut. (Nürnberg 1482) pp 8a; die zitterung, das zittern Stieler stammb. (1691) 2638.
1) vom menschen, im sinne einer anschaulichen bewegung:

da (in der hölle) hörent si ain teufelisch gepelle
und inwendig ain peiszende consciencie
und ain zitterung aller dencie (lat. dentium)
Vintler pluemen d. tugent 10 042 Zingerle;

drausz (aus der trunkenheit) auch zitterung und ander schwacheiten volgen Ambach vom zusauffen (1544) C 4a; für zitterung der glieder nimb rosenöl Ruoff hebammenb. (1580) 240; eine krankhafte zitterung

[Bd. 31, Sp. 1708]


in allen gliedern Arndt schr. (1845) 3, 566. aufs seelische übertragen mit einer nuance im sinne von 'furcht': (sie) wurden getruobet, wurden beweget: diu bibenunge — ziterunge — begreif sie (vgl. vulg.: conturbati sunt, commoti sunt: tremor apprehendit eos ps. 47, 6) Windberger psalmen 212 Graff; also das der dinst niht sei an vorht und die frewd niht sei an czitterung (ut non sit servicium sine timore neque gaudium sine tremore) Johann v. Neumarkt schr. 1, 131 Klapper; pavor zitterung (ende 15. jh.) Diefenbach gl. 418a; forcht unnd zitterung zeleiden G. Alt buch d. cronicken (1493) 260b; (er) nam mit sich all schrecken, zitterung und unglück seiner bürger, und bracht solchs alles auff die feinde Lorichius pädag. princ. (1595) 216.
2) von gegenständen: zitterungen und vibrationen der sayten (vgl. zittern 3 a) Ramler schön. wissenschaften (1758) 1, 213; zitterung der luft Hamann schr. (1821) 1, 62; die zitterungen einer geschlagenen glocke Kant w. (1838) 8, 459. in der älteren fachsprache der astronomie das schwanken des firmaments zwischen nord und süd, die sog. präzession (vgl. zitterhimmel): der achtest himmel lauffet mit dem lauff trepidationis oder der zitterung von auffgang inn nidergang durch den antarcticum H. Frölich offenb. d. natur (1591) 59; der trepidation und zitterung lauff theatrum machinarum (1607) 1, 127.
 
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zittervogel, m., saxicola rubetra L.; zittervogel, der seine flügel unaufhörlich beweget, traguet, groulard Schrader dt.-frz. (1781) 1683c. wohl der gleiche vogel: tremblo oder zittervogel Hoffmannswaldau redeübungen (1702) 63. —
 
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-welle, f., (vgl. zittern 2):

fort! ihr edlen frohen gäste
in dem seeisch heitern feste,
blinkend, wo die zitterwellen,
ufernetzend, leise schwellen
Göthe I 15, 1, 133 W. —


 
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-wels, m., malapterurus electricus Gm., ein fisch, der wie der zitteraal elektrische schläge austeilt: zitterwels Oken allg. naturgesch. 6 (1836) 85; Forskal entdeckte den zitterwels im Nil Brehm tierl. 8, 242 P.-L.
 
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-woche, f., die zeit der ersten ehekonflikte nach den flitterwochen; begegnet nur als reimwort zu flitterwochen: aber unser herr gott kan inen das blettlein fein umbwenden, unnd ausz der flitterwochen eine zitterwochen machen theatrum diabol. (1587) 2, 27a;

jetzt sind vorbei die flitterwochen,
dann kommen auch die zitterwochen
Fischer schwäb. 6, 1248;

nach den flitterwochen die zitterwochen Gerhart Hauptmann ges. w. I 5, 429. —
 
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-woge, f., (vgl. zitterwelle):

blicke ruhig von dem bogen
deiner nacht auf zitterwogen
Göthe I 15, 1, 156 W.;

es träuft auf lauen zitterwogen
die linde luft dies lied daher
Strachwitz ged. (1850) 229. —


 
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-wurz, f. 1) eine art von rumex, die früher gegen hautkrankheiten verwendet wurde (vgl. zittrachkraut); zu 3zitter gehörig; vgl. DWB zetterwurz (sp. 824). meist wohl rumex acutus, crispus oder obtusifolius: rumex citterwurtz (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 322a; grindtwurtz, grindtkraut, streyffwurtz, zitterwurtz Lonicerus kreuterb. (1577) 116a; lapathum acutum zitterwurtz Megiser thes. polygl. (1603) 1, 776a; zitterwurtz rumex Tabernämontanus kräuterb. (1687) 824a; grindwurz ist ein kraut, welches die grätze, den zitrich und andere mängel der haut vertreibet ... lapathum, rumex, la parelle ... die zitterwurz Popowitsch versuch (1780) 165; die zitterwurz oder zitterwurzel rumex acutus L. Campe 5, 877a. 2) helleborus niger, wohl entstellt aus sitterwurz; vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 2, 800: zitterwurcze elleborus niger Closener voc. (1383, Schweiz) in: zs. f. dt. wortf.

[Bd. 31, Sp. 1709]


2, 185; elleborus niger zitterwrcze, swerwrcze (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 147b; helliborus nies-, zitter-, christwurz Prahn pflanzennamen (1909) 32. —
 
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-wurzel, f., rumex patientia L., wie zitterwurz 1 zu 3zitter gehörig: zitterwurzel Schrader dt.-frz. (1781) 1683c; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 310; (Thüringen) Pritzel-Jessen volksnam. d. pflanzen 349b.
 
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zittrab, zittrapp, n., hautflechte, s. DWB zitterrapp.
 
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zittrach(t), zittrache, zitt(e)rich, zitt(e)roch , m., f.; zittere, f., n. (auch m.?). bezeichnung verschiedener hautkrankheiten; zittrachkraut. ahd. zittaroh, zit(a)roh; mhd. ziteroch(e). das wort lebt heute nur in obd. und westmd. maa., früher war es vielleicht auch im ostmd. verbreitet. vgl.: die Sachsen nennen es (das zittermal) auch sehr undeutsch eine zittracht Alemannia 15, 228. ableitung von germ. *tetru in ags. teter, dt. zitter (s. 3zitter) = ai. da(r)drú- 'art hautausschlag' zur wurzel *der- 'schinden'. (dasz ai. dadruka- und ahd. zittaroh eine idg. bildung *dedrukos erweisen, ist angesichts der häufigkeit des ka-suffixes im aind. und der beschränkung von zittaroch auf das dt. zweifelhaft.) vgl. weiter cymr. tarwyden, bret. dervoeden und lit. dedervinė 'flechte' Walde-Pokorny 1, 800; Specht d. usprg. der idg. deklination 169.
altes maskulinum zeigen die meisten mundartbelege (s. u.), ferner: gegen den zitrach arzneibuch a. d. j. 1534 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164; und bestreich den zittrach damit Hohberg georg. cur. 1 (1682) 303b. auf vereinzeltes fem. deuten: für die geflecht und zittracht ... damit bestreich die flecht oder zitterich offt Gäbelkover artzneyb. (Eisleben 1595) 370a; die schlechte einfache zittere oder geflächt Uffenbach roszb. (1603) 2, 26; die zitterich und andere gebresten der häut Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 813. vereinzeltes neutr. steht wohl analog den kollektiven auf ahd. -ahi, denen sich das wort anschlieszt: zitterê, n. (Wetterau) Diefenbach gl. 288c; zweifelhaft ist das neutr. in: das versegent oder zytracht impetigo voc. theut. (1482) h 3b. unverschobenen dental im anlaut zeigt titturuh (9. jh.) ahd. gl. 2, 242, 47 St.-S. andere unverschobene formen s. unter 3zitter. dehnung des stammsilbenvokals, die auf ursprünglich offene silbe schlieszen läszt, zeigen bair.-österr. mundartbelege: beim ziehdrocha Schramek Böhmerwaldbauer (1915) 281; ziedarach Weitzenböck Innviertel 72; dazu auch zietracht Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 4, 173. schwächung des inlautenden dentals begegnet häufig im bair.-österr.: zidərachə~, zidrachə~ Schmeller-Frommann 2, 1164; zidarich, m. Castelli ma. in Österr. unter d. Enns 272. der mittelsilbenvokal ist sehr labil, wie schon die glossenbelege zeigen: impetigo zitiroch (11. jh.) ahd. gl. 3, 429, 17 St.-S.; impetigo warza citaroc, citaroch, zittaroch (12. jh.), citroh, citroch (13./14. jh.) 1, 351, 49. der ahd. endsilbenvokal o hält sich vereinzelt auch noch in späterer zeit: zytroch vertreiben arzneib. a. d. j. 1505 bei Schmeller-Fr. 2, 1164; zitteroch, m. Schmeller cimbr. 244. sonst hat sich das wort in der endsilbe den neutr. kollektivbildungen auf ahd. -ahi angeschlossen und nimmt an den starken lautlichen veränderungen dieser endsilbe teil. volksetymologisch entstellt ist cittarouga (12. jh.) ahd. gl. 1, 351, 51 St.-S. in frühnhd. zeit lautet die endung meist -ach oder mit anfügung von t -acht (belege s. u.). seit dem ende des 16. jhs. begegnen daneben geschwächte formen mit -ich: zittrach ... zitterich Gäbelkover (s. o.). die modernen maa. haben vielfach -ich: zitterich, zitrich, m. Vilmar-Pfister Hessen nachtr. 345; ziderich Hügel Wien 195; zittrich, m. Schöpf Tirol 829. daneben kommen aber auch noch formen mit -ach vor: zittrich, zittrach, m. Unger-Khull steir. 650a; zittrach Fischer schwäb. 6, 1246; zittrach, m. Zingerle Lusern 59. umgelauteter endsilbenvokal begegnet

[Bd. 31, Sp. 1710]


in: zitrechten Ruland lex. alchim. (1612) 487. andere hess. quellen zeigen vereinfachung der endung zu e, ê (kontraktion < ehe? vgl. J. Grimm dt. gramm. 2, 296 Scherer): zittere Frischlin (s. u.); zitterê Crecelius Oberhessen 935; zitteree (Wetterau) Kehrein Nassau 453; s. auch oben Uffenbach, Diefenbach. die flexion im sg. ist im allg. die eines st. masculinums: für wilden zitroch qu. a. d. j. 1571 bei Fischer schwäb. 6, 1246; der sulphur vertreibt zitracht Paracelsus opera (1616) 1, 1047 Huser; daneben aber auch sw. flexion: der zīdràchə (n. sg.; Bair. Wald) Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 450; für den zittrachen arzneib. a. d. 16./17. jh. bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164; ein zitrachten (acc. sg.) Paracelsus opera (1616) 1, 1047 Huser; ein citrachten (n. sg.) ders., chirurg. bücher u. schr. (1618) 578 Huser. in frühnhd. zeit wird das wort meist im pl. gebraucht. der nom., acc. hat in analogie zu andern pluralisch gebrauchten krankheitsnamen wie blattern, pocken meist die endung -en (beispiele s. u.). demgegenüber ist die endungslose pluralform selten: die bösen zittrach (acc. pl.) Hohberg georg. cur. 1 (1682) 303a; zitrch (sg. und pl.) Bacher Lusern 429.
1) bezeichnung verschiedener flechten- und krätzeartiger hautkrankheiten; vgl. Höfler dt. krankheitsnamenb. (1899) 856. lexikalisch seit dem ende des 15. jhs. belegt: impetigo zitrach vel zitracht (Nürnberg 1482) Diefenbach gl. 288c; zitrochen (pl.) impetigo dicitur scabies sicca voc. inc. teut. ante lat. (Straszb. ca. 1495) E 2b; zittere, gefläht Frischlin nom. triling. (1586) 84a; zittermal, zittrach mentagra, impetigo, lichen Schönsleder prompt. (1618) Qq 7b; zitter, zittrich ò zittermal Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; das zittermahl ... in einigen gegenden der zitter, zitterich Campe 5, 876b. literarische belege:

daz ander (der übrige teil des körpers) was belochen (eingeschlossen)
von breiten ziterochen
Heinrich v. d. Türlin crône 19 707 lit. ver.;

item bey dem prinenden hol
der florentzer, ein bad dient wol
für grint, räud, kretz und zitrach
und vil der gleichen ungemach fastnachtspiele 1257 lit. ver.;

das siebende buch von blatern, lähme, beulen, zittrachen und löcher Paracelsus opus chyrurg. (1566) 357; darumb von zittrachten zu wissen ist, das sie im leib nit mögen ir operation haben und werffen sich auszen auff die haut gleich einem rost ders., chirurg. bücher u. schr. (1618) 277 Huser; für wilden zitroch in den hennden qu. a. d. j. 1571 bei Fischer schwäb. 6, 1246; diese (salbe) ist gantz sicher, magst auch zu rauden, krätzen, schertzen, zitrachen, unnd was dergleichen ist, brauchen Wirsung artzneyb. (1588) 57; eine salbe für die mägere, für zitrachten, und für den fliegenden wurm Bapst v. Rochlitz artzneib. (1599) 459; also ist der speichel eines gesunden menschens ein treffliches cosmeticum, das alle kratzen und zittrach vertreibet Hohberg georg. cur. 1 (1682) 157; welche böse krätze (die man in Crain zittrach nennet) keiner ihm vertreiben können Valvasor herzogth. Crain (1689) 1, 597; flechte, zietracht, schwinde oder vergehe ... ist eine exulcerirte inflammation der haut, und eine art trockener krätze, welche anfangs wie gantz kleine blättergen auffahren, hefftig jucken, und nachdem man nur ein wenig kratzet, die haut gantz rauh und schuppich machen, und sich immer weiter ausbreiten Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 4, 173; der zitrich ist ein besonderer scharfer roter auswurf auf der haut des menschen, welchen die ärzte unter die kräze zählen Popowitsch versuch (1780) 643. ähnlich beschreiben die mundartwbb. die krankheit: eine entzündung auf der haut des körpers, mit aufwallenden roten bläschen, welche sich immer mehr ausbreiten Höfer Österreich 3, 337; ausschlag, flechte am leib

[Bd. 31, Sp. 1711]


Zingerle Lusern 59; das zittermahl, die flechte, erhöhung auf der erhärteten oberhaut Schmeller-Fr. 2, 1164; ein flechtenartiger trockner hautausschlag im gesicht Kehrein Nassau 453. vereinzelt in der bedeutung 'rotes muttermal' neben 'rote hautflecken' bei Fischer schwäb. 6, 1246. auch als hautkrankheit bei pferden und rindern: wilder zittracht (am schweif des pferdes) Sebiz feldbau (1580) 152; es ist der grindt und raude (der pferde) zweyerley art, als der truckene, so keinen eyter unnd feuchtigkeit von sich gibt unnd allein den eussersten theil der haut einnimpt, und wird von etlichen die schlechte einfache zittere oder geflächt genennet Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 26; 'ein hautausschlag des rindes' Unger-Khull steir. 650a.
2) eine pflanze, die zur heilung von zittrach verwendet wird, vgl. DWB zittrachkraut; für chrysoplenium alternifolium L. (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 984): groszes goldmilzkraut, zittriche Holl pflanzennamen (1833) 132b; zittrich (goldmiltz) Waldbrühl pflanzennamen (1841) 57; zittriche (Tirol) Rauschenfels in: botan. taschenb. (1801) 219. vielleicht dazu auch: nimb wilden citrich klain zerschniten, sonnenwürbel wurtz Seutter roszarznei (1588) bei Fischer schwäb. 6, 1246.
 
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zittrach(t)flecke, m., von zittrach befallene körperstelle: pomade vor zitrachtflecken allg. haush.-lex. (1749) 2, 510a. —

 

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