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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterröslein bis zitterstrahl (Bd. 31, Sp. 1706 bis 1707)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -röslein, n., diminutiv zu zitterrose 2 (s. d.); zur entstellung aus zeitlöslein s. die belege bei Marzell pflanzennamen 1, 560. 1) bellis perennis L.: zitterrösel gefülltes maszliebchen Martin-Lienhart elsäss. 2, 290b; zidderrésel Schmidt Straszburg 120a. 2) primula acaulis Jacq.: zitterrösli (St. Gallen) Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 309b. —
 
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-rübe, f., bryonia L., wohl zu 3zitter gehörig, da früher gegen hautkrankheiten verwendet; vgl.: (die wurzel von bryonia) vertreibt und verzeret flecken, anmäler und flechten Bock kreutterb. (1539) 2, 70b; zitterrüben, zaunrüben, stückwurtz bryonia, vitis sylvestris Marperger kaufm.-magazin (1708) 1421; zitterrübe, siehe zaunrübe, stickwurz Schrader dt.-frz. (1781) 1683c.
 
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zittersch(e), zitters(e), f., 'trockene hautflechte, zittermal (erhöhung auf der verhärteten oberhaut), brennende hautkrankheit, rötlicher ausschlag im gesicht' Follmann Lothr. 559. zu 3zitter gehörig; mit altem s-suffix oder aber ähnlich dem mnd. lerse (< lederse < lederhose) verkürzt aus zitterrose oder zitterdrüse (vgl. ahd. cithruos unter 3zitter). das s ist noch bewahrt in: zu allen zitterssen Bock kreutterb. (1539) 1, 102a; sitters, auch tsitters eine hautflechte Schön Saarbrücken2 194a. ferner im kompositum ziterswurz (s. d.). sonst ist s nach r stets zu sch geworden. vereinzelten sproszvokal i zeigt: ziterischen und trucken grint H. Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 71b. meist tritt das wort in einer analog zu blattern, zittrachen gebildeten pluralform mit -en auf. lexikalisch schon früh belegt: serpedo zittersche (anf. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 336b; gryndt auff der heut, serpedo, oder zittersch oder zittermal voc. theut. (Nürnberg 1482) m 8a. die literarischen belege gehören meist dem 16. jh. an: ampffer wasser vertribt die zitterschen Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 16b; rinnende schaden als zittersche, flechten Bock kreutterbuch (1539) 1, 72a; zitterschen, zittermal, haarwurm oder zittrachen zu heylen Wirsung artzneyb. (1588) reg.; saltzwasser ... heilet allerhand

[Bd. 31, Sp. 1707]


feuchten grind, flecken und böse frantzosen, zitterschen, harwürm und alle gifftige geschwer und offene schäden Röszlin Elsasz (1593) 99; die wilden beiszenden zitterschön (1602) Bauhin bei Fischer schwäb. 6, 1246; jede blatter oder zitriss (1706) Conlin ebda 3491. vereinzelt heute noch in westmd. maa.: zittersch roter ausschlag an der wange, der nicht vergehen will Schön Saarbrücken2 234b.
 
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zitterschein, m. (vgl. zitterglanz):

aber was er bald gewahret
in des busches zitterschein
Göthe I 1, 176 W.;

bei leiser sterne zitterschein
G Keller ges. w. (1889) 9, 248. —


 
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-schreck(en), m.:

ein zitterschröck und forcht begriff
die trojanische weibspersonen
Spreng Äneis (1610) 98b;

zitterschrecken Schupp schr. (1663) 952. —
 
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-schwert, n.: blankes schwert gladius fulminans, vibrans, nitidus, coruscus, alias zitterschwert Stieler stammb. (1691) 1958; zitterschwerdt Kramer-Moerbeek dt.-holl. wb. (1768) 436b.
 
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zitterschwurz, zitterswurz, f., dass. wie zitterwurz 1 (s. d.). kompositum zu zittersch(e), zitters(e): zyterschwurtz Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 78b; wyld ... zytterswurz, darumb dasz sie für die zytters gut ist Brunfels kreuterb. (1532) 271a; die ander wild rumex, grindtwurtz, zitterszwurtz Bock kreutterb. (1539) 1, 91a; rumex acuta, oxylapathus, anaxynis grindtwurtz, zitterswurtz Alberus nov. dict. (1540) FF 3a.
 
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zitterspiel, n., stäbchenspiel, mikado: jenes bekannte geduldspiel, das im französischen jonchets, im englischen und holländischen 'spilleken', im deutschen aber zitterspiel heiszt Fontane ges. w. (1920) II 3, 36. —
 
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-stimme, f.: zitterstimme (vox) tremula Stieler stammb. (1691) 2167; Kramer t.-it. 2 (1702) 1470b. —
 
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-stoff, m., 'die von einigen physikern vorgeschlagene benennung für das elektrische fluidum' Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 42: der zitterstoff und seine wirkungen in der natur C. Schmidt (Breslau, 1803) titel;

auf dem scheitel stiegen meine haare,
wie vom zitterstoff gerührt empor
Jung-Stilling s. schr. (1835) 2, 397. —


 
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-strahl, m., (vgl. zitterglanz): kein stern mit seinem grünen zitterstrahle; kein mond blikt durch die luft Petersen Ossian (1782) 99; Hebbel s. w. (1891) 6, 22. —

 

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