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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterpfennig bis zittersch(e) (Bd. 31, Sp. 1705 bis 1706)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitterpfennig, m., wohl 'pfennig, um den man (aus not, aus geiz) zittern musz'. diese deutung des wortsinns ist doch wohl dem von Götze frühnhd. gl. 2237a vorgeschlagenen 'draufgeld' vorzuziehen, der an eine entstellung des von ihm a. a. o. 236a angeführten ziderpfenning 'trinkgeld' (zu zider 'obstwein', das dann wie in zitteressig entstellt wäre) zu denken scheint. zider ist aber nach sp. 890 und Kluge-Götze etym. wb.11 710a erst im 18. jh. ins dt. entlehnt. ziderpfenning ist, jedenfalls nach sp. 891, überhaupt nicht bezeugt. belege:

ich hab ihn offt wol milt gesehen,
wenn er den zitterpfenning vertrunck
Hans Sachs 9, 24 lit. ver.;

wenn sie (die mutter) armen leuten nicht allein einen zitterpfennig mitteilet, sondern auch wann sie schon ihre milde und volle hand aufthut Barth weiberspiegel (1565) g 4a;

item er (der säufer) ist denn nichtes fest,
den zitterpfennig fahren lest
und gibt heraus nach aller ehr,
des morgens aber rewts ihn sehr
Ringwaldt lauter wahrheit (1588) 76.

auf eine person übertragen im sinne von geizhals: die codrische zitterpfennige und starckfiltzigen schwerväter (schwiegerväter) mögen sich hier schemen, dieselben fressen lieber selbs die kinder, als dasz sie was geben Herberger hertzpost. (1613) 1, 169; also müssen die zitterpfennige viel mal ihr gut andern lassen, die kein mal sagen: gott sei ihnen gnedig ebda 630. —
 
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-pilz, m., pilz der gattung tremella (vgl. zitterling 3): gr. Brockhaus15 20 (1935) 667b. auf die der gattung tremella nahestehende gattung auricularia übertragen: judasohr, zitterpilz Prahn pflanzenn. (1909) 13. —
 
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-prophet, m., quäker (vgl. zitterer 1 b): von denen ... quackern oder zitterpropheten anabapt. et enthus. pantheon (1702) 1, 92b. —
 
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-quäker, m., (vgl. zitterer 1 b): die schwärmerischen zitterquäker Zschokke ausg. schr. (1824) 5, 234. —
 
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-rapp, m., f., n., in den alem. maa. belegtes zitterab, zittrab ist wohl kompositum aus 3zitter und rappe ('rauhe finnen- oder krätzeknötchen auf der haut des menschen' Höfler krankheitsnamenb. 492) s. teil 8, sp. 117: zitterab m., n., f., gesichtsflechte, zittermal, dürrflecken, rötlicher ausschlag im gesicht Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; tšittərāb, m., roter, wolkiger, stark juckender ausschlag Stucki Jaun 207. in verkürzter form (s. 3zitter):

[Bd. 31, Sp. 1706]


's zittrapp zittermal, zitterflechte, die vergehe, art hautausschlag im gesicht, der eben so geschwind vergeht, als zum vorschein kommt. auch der zittrapp? (um 1750) bei Seiler Basel 326b. —
 
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-register, n., in orgeln die vorrichtung, die den ton tremulierend macht (vgl. zittern 3 b): Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1111b. —
 
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-roche(n), m., f., ein fisch der gattung torpedo Dum., besonders die bekannteste art torpedo marmorata Risso, der wie der zitteraal elektrische schläge austeilt; in älterer zeit zitterfisch (s. zitterfisch 1), zitterling (s. zitterling 1) genannt: sekretionen in ... den dazu eigentlich gebildeten theilen des zitterrochens J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 380; (ich) fuhr aber, wie von einer zitterroche berührt, zurück Gaudy s. w. (1844) 18, 47. das tier gilt als besonders häszlich: als breite scheibe dehnt sich der scheuszliche roche aus, bald schleimig und glatt als zitterrochen, der elektrische schläge austheilt Vischer ästhetik (1846) 2, 131. —
 
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-rose, -röse, f. 1) flechtenartiger hautausschlag; kompositum aus 3zitter und rose 6 e (s. teil 8, sp. 1178; zur verkürzung von zitter s. unter 3zitter): (kletten)wasser ist auch gut für die zittrüsen, all tag damit bestrichen Röszlin kreutterb. (1533) 119b; lichen, impetigo, mentagra flechte, zittrüsze Zehner nomencl. (1645) 280; zetterös 'ein flechtenartiger trockner hautausschlag im gesicht' Kehrein Nassau 453; 'ein leichter ausschlag ist die zitterrös an die ehleboge' Askenasy Frankfurt 162; zëdderûse, zitterêse, zëdderêse Crecelius Oberhessen 935. 2) narcissus pseudonarcissus L., manchmal auch für narcissus poeticus L.; als kompositum zu zittern aufgefaszte entstellung aus zeitlose (sp. 566, bed. 1 a. vgl. die gleiche entstellung bei zitterröslein). rose ist hier in der bedeutung 5 a (teil 8, sp. 1173) gebraucht: zitterrose Nemnich polyglottenlex. 2 (1794) 703; Perger namen d. pflanzen 3, 59; Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 41. —
 
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-röslein, n., diminutiv zu zitterrose 2 (s. d.); zur entstellung aus zeitlöslein s. die belege bei Marzell pflanzennamen 1, 560. 1) bellis perennis L.: zitterrösel gefülltes maszliebchen Martin-Lienhart elsäss. 2, 290b; zidderrésel Schmidt Straszburg 120a. 2) primula acaulis Jacq.: zitterrösli (St. Gallen) Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 309b. —
 
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-rübe, f., bryonia L., wohl zu 3zitter gehörig, da früher gegen hautkrankheiten verwendet; vgl.: (die wurzel von bryonia) vertreibt und verzeret flecken, anmäler und flechten Bock kreutterb. (1539) 2, 70b; zitterrüben, zaunrüben, stückwurtz bryonia, vitis sylvestris Marperger kaufm.-magazin (1708) 1421; zitterrübe, siehe zaunrübe, stickwurz Schrader dt.-frz. (1781) 1683c.
 
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zittersch(e), zitters(e), f., 'trockene hautflechte, zittermal (erhöhung auf der verhärteten oberhaut), brennende hautkrankheit, rötlicher ausschlag im gesicht' Follmann Lothr. 559. zu 3zitter gehörig; mit altem s-suffix oder aber ähnlich dem mnd. lerse (< lederse < lederhose) verkürzt aus zitterrose oder zitterdrüse (vgl. ahd. cithruos unter 3zitter). das s ist noch bewahrt in: zu allen zitterssen Bock kreutterb. (1539) 1, 102a; sitters, auch tsitters eine hautflechte Schön Saarbrücken2 194a. ferner im kompositum ziterswurz (s. d.). sonst ist s nach r stets zu sch geworden. vereinzelten sproszvokal i zeigt: ziterischen und trucken grint H. Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 71b. meist tritt das wort in einer analog zu blattern, zittrachen gebildeten pluralform mit -en auf. lexikalisch schon früh belegt: serpedo zittersche (anf. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 336b; gryndt auff der heut, serpedo, oder zittersch oder zittermal voc. theut. (Nürnberg 1482) m 8a. die literarischen belege gehören meist dem 16. jh. an: ampffer wasser vertribt die zitterschen Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 16b; rinnende schaden als zittersche, flechten Bock kreutterbuch (1539) 1, 72a; zitterschen, zittermal, haarwurm oder zittrachen zu heylen Wirsung artzneyb. (1588) reg.; saltzwasser ... heilet allerhand

[Bd. 31, Sp. 1707]


feuchten grind, flecken und böse frantzosen, zitterschen, harwürm und alle gifftige geschwer und offene schäden Röszlin Elsasz (1593) 99; die wilden beiszenden zitterschön (1602) Bauhin bei Fischer schwäb. 6, 1246; jede blatter oder zitriss (1706) Conlin ebda 3491. vereinzelt heute noch in westmd. maa.: zittersch roter ausschlag an der wange, der nicht vergehen will Schön Saarbrücken2 234b.

 

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