Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitternadel bis zitterroche(n) (Bd. 31, Sp. 1704 bis 1706)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitternadel, f. 1) kopfputz der frauen im 18. u. 19. jh.: man darff dem frauenzimmer keine zitternadel anbiethen, und an die ohren stecken lassen Hoffmannswaldau redeübungen (1702) 64; zitter- oder flimmernadeln, seynd grosze diamante und andere in gold und silber gefaste edelgesteine, so auf einen rund und hol gesponnenen zarten drat vernietet und von den dames hohen standes in die auffgezogenen haarpüffe vornher eintzeln gestecket werden, damit sie bey des kopffes bewegung um sich herum blitzen Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2164;

wenn sanfte zephyrs auf sie wehn,
so scheinen sie (die blüten), indem sie sich erschüttern,
den zitternadeln gleich, zu zittern
Triller poet. betracht. (1750) 1, 218;

du (d. sonne) scheinst der eitlen dame,
wenn ihre zitternadel
des bürgers auge blendet
Zachariä poet. schr. (1763) 3, 53;

in der angst (wer kann es vorsaz heiszen?)
wirfft sie ihm die zitternadel zu
Schiller 1, 192 G.,

was ist schönheit des leibes? s'ist doch nur schönheit des leibes, glanz einer zitternadel, darin kein edles gemüth groszen werth setzen kann Claudius w. 1, 276 Redlich; glänzende flitterblumen und blitzende zitternadeln von glas schmücken ihr hochfrisirtes schneeweiszgepudertes haupt Joh. Schopenhauer reise (1824) 1, 192. mundartl. belegt bei Fischer schwäb. 6, 1247; Lexer Kärnten 195. 2) kompasz:

[Bd. 31, Sp. 1705]


(die physik lehrt uns,) wie im sturm verschlagne masten,
leicht schwebend, eine zitternadel lenkt
Falk satiren (1800) 1, 125;

durch die kleine zitternadel,
die des seemanns wünschelrute,
fand derselbe damals auch
einen weg nach Tudia
H. Heine s. w. 2, 126 Elster.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitteroch, m., f., hautflechte, s. zittrach(t).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitterpappel, f., populus tremula L. (vgl. zitterbaum, -espe): zitterpappel Schwenckfelt stirp. et foss. Silesiae catalog. (1600) 166; Pancovius herb. port. (1673) 321; (die blätter der espe) hängen an dünnen und langen stielen, und müssen dahero ... auch bey der grösten windstille zittern und wackeln, welches diesem baum verschiedene nahmen als bey den Lateinern populus tremula, bey den Frantzosen tremble oder zitterpappel ... zu wege gebracht, und zu dem sprichwort: er zittert wie ein aespenlaub, anlasz gegeben hat Zincke allg. öcon. lex. (1744) 150; du bebst ja wie eine zitterpappel Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 2, 76; es ist aber sehr wahrscheinlich, dasz ... schwarz- und zitterpappel auch wirklich in Deutschland heimisch sind Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 305. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-perle, f., dichterisch 'tautropfen':

auch farb an farbe klärt sich los vom grunde,
wo blum und blatt von zitterperle triefen
Göthe I 15, 1, 6 W.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitterpfennig, m., wohl 'pfennig, um den man (aus not, aus geiz) zittern musz'. diese deutung des wortsinns ist doch wohl dem von Götze frühnhd. gl. 2237a vorgeschlagenen 'draufgeld' vorzuziehen, der an eine entstellung des von ihm a. a. o. 236a angeführten ziderpfenning 'trinkgeld' (zu zider 'obstwein', das dann wie in zitteressig entstellt wäre) zu denken scheint. zider ist aber nach sp. 890 und Kluge-Götze etym. wb.11 710a erst im 18. jh. ins dt. entlehnt. ziderpfenning ist, jedenfalls nach sp. 891, überhaupt nicht bezeugt. belege:

ich hab ihn offt wol milt gesehen,
wenn er den zitterpfenning vertrunck
Hans Sachs 9, 24 lit. ver.;

wenn sie (die mutter) armen leuten nicht allein einen zitterpfennig mitteilet, sondern auch wann sie schon ihre milde und volle hand aufthut Barth weiberspiegel (1565) g 4a;

item er (der säufer) ist denn nichtes fest,
den zitterpfennig fahren lest
und gibt heraus nach aller ehr,
des morgens aber rewts ihn sehr
Ringwaldt lauter wahrheit (1588) 76.

auf eine person übertragen im sinne von geizhals: die codrische zitterpfennige und starckfiltzigen schwerväter (schwiegerväter) mögen sich hier schemen, dieselben fressen lieber selbs die kinder, als dasz sie was geben Herberger hertzpost. (1613) 1, 169; also müssen die zitterpfennige viel mal ihr gut andern lassen, die kein mal sagen: gott sei ihnen gnedig ebda 630. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-pilz, m., pilz der gattung tremella (vgl. zitterling 3): gr. Brockhaus15 20 (1935) 667b. auf die der gattung tremella nahestehende gattung auricularia übertragen: judasohr, zitterpilz Prahn pflanzenn. (1909) 13. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-prophet, m., quäker (vgl. zitterer 1 b): von denen ... quackern oder zitterpropheten anabapt. et enthus. pantheon (1702) 1, 92b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-quäker, m., (vgl. zitterer 1 b): die schwärmerischen zitterquäker Zschokke ausg. schr. (1824) 5, 234. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-rapp, m., f., n., in den alem. maa. belegtes zitterab, zittrab ist wohl kompositum aus 3zitter und rappe ('rauhe finnen- oder krätzeknötchen auf der haut des menschen' Höfler krankheitsnamenb. 492) s. teil 8, sp. 117: zitterab m., n., f., gesichtsflechte, zittermal, dürrflecken, rötlicher ausschlag im gesicht Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; tšittərāb, m., roter, wolkiger, stark juckender ausschlag Stucki Jaun 207. in verkürzter form (s. 3zitter):

[Bd. 31, Sp. 1706]


's zittrapp zittermal, zitterflechte, die vergehe, art hautausschlag im gesicht, der eben so geschwind vergeht, als zum vorschein kommt. auch der zittrapp? (um 1750) bei Seiler Basel 326b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-register, n., in orgeln die vorrichtung, die den ton tremulierend macht (vgl. zittern 3 b): Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1111b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-roche(n), m., f., ein fisch der gattung torpedo Dum., besonders die bekannteste art torpedo marmorata Risso, der wie der zitteraal elektrische schläge austeilt; in älterer zeit zitterfisch (s. zitterfisch 1), zitterling (s. zitterling 1) genannt: sekretionen in ... den dazu eigentlich gebildeten theilen des zitterrochens J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 380; (ich) fuhr aber, wie von einer zitterroche berührt, zurück Gaudy s. w. (1844) 18, 47. das tier gilt als besonders häszlich: als breite scheibe dehnt sich der scheuszliche roche aus, bald schleimig und glatt als zitterrochen, der elektrische schläge austheilt Vischer ästhetik (1846) 2, 131. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: