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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterlaut bis zittermeister (Bd. 31, Sp. 1690 bis 1692)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitterlaut, m., von einigen grammatikern als phonetischer fachausdruck für das r verwendet: ein zitterlaut, das r Adelung umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 129; Pollak Noreen, einf. i. d. wiss. betr. d. sprache (1923) 69; Wossidlo-Teuchert meckl. wb. 2, 191. —
 
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-laute, f., s. zitherlaute.
 
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zitterlein, n., diminutiv zu 4zitter 2. nur aus alem. maa. belegt. 1) allgemein: zitterle grasstengel mit blühenden rispen Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a. 2) insbes. vom zittergras (s. d. und 4zitter 2 a; vgl. Marzell pflanzennamen 1, 663 f.): zitterlein zittergras, briza media Fischer schwäb. 6, 1245; zitterle Schmid schwäb. 548; Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; zitterli Wartmann beitr. z. st. gallischen volksbotanik2 17;

das veilchen so gefragt, erbebt auf seinem stiel
gleich einem zitterli, so hagel auf es fiele,
und stammelt Baseldütsch: nei, i denk allewil
numme ä ganz bescheide rölleli ze spiele!
Brentano ges. schr. (1852) 2, 567.

gelegentlich auch von ähnlichen pflanzen: zitterlein gipskraut, gypsophila [paniculata L.] Fischer schwäb. 6, 1245; die juncacee luzula, hainsimse [luzula pilosa Willd.] ebda. 3) silberscheibchen an brautkranz oder haube, welche die unbescholtene braut an der hochzeit trug Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; vgl. zitterer 2.
 
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zitterlich, adj. , zitternd, ängstlich; angsterregend. vom ende des 15. jhs. bis ins 17. jh. hinein belegt; gegenüber den ähnlichen bildungen zittericht, zitterig (s. d.) mehr das seelische wiedergebend. häufig in adverbieller verwendung. in nd. lautung: trepidus tzeterlick (15. jh.) Diefenbach gl. 594c. lexikalisch: dubitanter zitterlich, ungewiss Corvinus fons lat. (1623) 255; zitterlich, zittericht, zitterhaft und zitternd Stieler stammb. (1691) 2638.
1) vom menschen. nicht nur ein äuszeres zittern wiedergebend: gleych wie etwan Petrus zytterlich eyngieng in das hauss Anne, nachmals frostig, im haff Cayphe, bey dem feuer sitzende befunden C. Guetel eyn selig new iar (1522) B 3a;

aber in seinem eignen haus
filtzt und schmarutzt er (der geizhals) uberaus,
gibt zitterlich, bitt niemands ein
und ist viel härter als ein stein
Ringwaldt lauter wahrheit (1588) 105.

[Bd. 31, Sp. 1691]


meist mit deutlicher schattierung im sinne von ängstlich: trepidus zitterlich (15. jh., md.) Diefenbach gl. 594c; wo einer bei einer ubertrettunge begriffen, dem richter zitterlichen, und mit beferbtem angesichte, antwort gebe, ... da were nicht zugleuben, das der der ubertrettunge unschuldig sei Chr. König process (1541) 6a; animo trepidanti dicere furchtsam und zitterlich aussagen Corvinus fons lat. (1646) 912; Härz-währt erbrahch es (das brieflein) mit zitterlichen händen Zesen adriat. Rosemund 69 ndr. in freiem sprachgebrauch häufiger im sinne von angsterregend: dargegen ist nicht allein der tag Christi zitterlich und erschrecklich den ungleubigen, den weltmenschen, sondern auch alle vorlauffende zeichen V. Weigel kirchen u. hauspostill (1618) 11; Christus saget gar ernstlich und zitterlich Matth. 12 v. 36: die menschen müssen rechenschafft geben am jüngsten gericht Scheräus sprachenschule (1619) 71. mit einem abstraktum: die dactylischen reimen sich wol, wenn ich geschwinde verrichtungen, schnellen lauff, frölichkeit und zitterliche sachen anzeigen wil Opitz buch v. d. deutschen poeterey (1690) 148 E. Hannman.
2) in andern verwendungsarten (vgl. zitterig 2—4): mit ungleicher zitterlich und geschwinder bewegung Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 363; mit zitterlicher stimme Heinse s. w. 2, 259 Sch.;

irrlichter flatterten vor ihnen her
mit zitterlich funkelndem lichte
E. M. Arndt w. 6, 237 R -M. —

zitterlichkeit, f., gelegenheitsbildung, hier soviel wie sensibilität, erregbarkeit: seine geistige zitterlichkeit, erschütterlichkeit und vieltönigkeit E. M. Arndt schr. (1845) 3, 559.
 
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zitterlicht, n., vgl. zitterglanz: flamma tremula zitterlächt, das lälchend fheür Frisius dict. (1556) 1328a;

so bald mit schnellen zitterlichtern
ein kürasz durch die felder blitzt
Schwabe belust. (1741) 1, 421;

nur von ferne blinzt ein zages zitterlicht,
und von ferne klingt ein zager glockenton
Bierbaum ges. w. (1913) 1, 67.


 
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zitterling, m., ableitung zum vb. zittern mit verschiedenen singulären bedeutungen. 1) zitterrochen (s. d. sowie DWB zitterfisch 1): torpedo ein zitterling, schläffer oder krampfisch Faber thes. (1587) 874b; Reyher thes. (1668) 3, 1939; Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1683c. 2) furchtsamer mensch: der zierling und zitterlinge gezwitscher Jahn merke z. dt. volkstum (1833) 18; unmöglich kann es doch nunmehr noch einen solchen zitterling und solche bebende espenseele geben ders., w. (1884) 2, 464. 3) dass. wie zitterpilz (s. d.), benannt nach den zitternden bewegungen der gallertartigen formen: zitterling gekrauster, eszbarer pilz Martin-Lienhart elsäss. 2, 920b; zitterling Warburg pflanzenwelt (1913) 1, 149; tremella zitterling d. gr. Brockhaus15 20 (1935) 667b.
 
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zitterlinse, f., vicia tetrasperma L. oder vicia hirsuta L.: vogelwicke, linsenwicke, vogelzug, zitterlinse Leopold hdwb. d. ökon. (1805) 520b; vicia hirsuta L. zitterlinse Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 437b.
 
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zittermal, n., bezeichnung verschiedener flechten- und krätzeartiger hautkrankheiten; die stelle, die diese auf der haut hinterlassen; vgl. Höfler krankheitsnamenb. 390; zu 3zitter gehörig. im gegensatz zu einfachem zitter reich bezeugt, bes. in obd. und md. (vor allem alem., hess.) quellen des 16./17. jhs.; lexikalisch schon seit dem 14. jh. belegt: vertigo, inpetigo zittermal (14. jh.) voc. optim. 40b Wackernagel; zittermal oder zittersch oder grindt auff der heut serpedo voc. teut. (Nürnberg 1482) pp 8a; papula ein bläterlyn, pustula zittermal Dasypodius dict. (1536) 164c; mentagra eine krätze umbs kinn, eine schwinde, flechte, zittermahl

[Bd. 31, Sp. 1692]


Corvinus fons lat. (1646) 529; das zittermahl 'eine entzündung auf der haut, welche plötzlich entstehet, und eben so geschwinde wieder vergehet, in einigen gegenden der zitter' Adelung2 4, 1728: impetigines und serpigines, id est zyttermol und flächten, seint unreinungen der hut mit schwärung und tyeffe. und seint beyd fast ein ding und werden zm ersten als grosz als lynszen geteylt an vil stet. dornoch so werdent sye als eysszen mitt scherpffung. und seint etwan verborgen in der hut, etwan offenbor. und die vesten heisszen impetigines unnd die beweglichen serpigines, z teütsch das bösz, wild oder flyegend feür ... (sie machen) iuck- und byszen. und werdent aller merst an dem angesicht und vff der kinder häubter Gersdorff wundtartzney (1517) 81a; das ist das gsatz über allerley mal des auszsatzes unnd grinds, über den auszsatz der kleyder unnd der heüser, über die beülen, zittermal unnd eyterweisz (uber die beulen, gnetz und eiter weis Luther) 3. Mos. 14, 56 (Zürich 1531); die zittermälen auszerhalb das si die haut ungstalt machen, haben si kein schaden und sein zu heiln J. Heroldt v. d. zung (1544) vorr. X 2b; so auff der haut zitermal werden, bleiblich oder unbleiblich, fix oder unfix an seiner statt, rotfarb, ziegelfarb, mit bräune oder weisze vermischt ... so sag, dasz das serpigo sey Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 578 Huser; er hatte an dem lincken arm ein zittermahl, mit einem heszlichen grind Widerhold beschr. d. sechs reisen (1681) 1, 67a; das ervenmeel mit honig zu einen sälblein vermischet und angestrichen, machet eine saubere haut, reiniget sie von den zittermählern und der raude Hohberg georg. cur. 3 (1715) 1, 403b; ein groszes zittermal am arm (1722) schweiz. id. 4, 151; zittermaal flechte allg. haush.-lex. (1749) 3, 801. auch für hautkrankheiten bei pferden: biszweilen bekommen die pferde umb die kniescheiben, drüber oder drunter, zittermahl oder schuppichte flechten, impetigines Walther pferde- u. viehzucht (1658) 149. noch in alem. mundarten nachweisbar: schweiz. id. 4, 151; schorf, flechte Weber Zürcher Oberland 43; hautflechte, im gesicht oder an den händen Martin-Lienhart elsäss. 1, 664b; trockene flechten, muttermal Fischer schwäb. 6, 1247. zum verbreitungsgebiet vgl. aber auch die bemerkung: der zitrich, in Sachsen zittermal Popowitsch vers. (1780) 643. —
 
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-malsflechte, f., dass. wie zittermal: impetigo zittermalsflecht Junius (1567) 460b; Gratias saget, das er in (den stein) ... in zittermalsflechten gebraucht habe Wittichius bericht v. d. wunderb. bezoardischen steinen (1589) 6.
 
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zittermann, m., küster. dass. wie DWB zittermeister. zu 2zitter gehörig: de twey hus, dar her Hermen de alde ziterman nu inne wonhaftich is (1402) urk.-buch d. st. Halberstadt 2, 14; den ferding geldes, den nu her Hermen ziterman plecht to geven ebda 15; der neue cytermann (1705) protokoll d. Halberstädter domkapitels in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. preusz. staates 10 (1833) 179. —
 
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-meister, m., küster, vikar; s. das vorige: an der hohen stiftskirche zu Magdeburg (wird) derjenige domvicarius, der die aufsicht ... (über die sakristei) hat, der cither- oder sytermeister genannt Adelung2 4, 1727; Jacobus Knorr, vicarius und zittermeister beym hochw. domcapitul allhier Magdeb. urkunde von 1656; cithermeister ebda von 1675; zythermeister ebda von 1682; zithermeister Voigt hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 57; Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 24.

 

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