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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterholz bis zitterlinse (Bd. 31, Sp. 1688 bis 1691)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -holz, n., segelstange am schiffsmast: cornua spitz dess zitterholtzs Frischlin nomencl. (1586) 271b; antenna das zitterholtz, die segelstange nomencl. lat.-germ. (1634) 566; zitterholz spriet, dwarsmast van een schip Kramer-Moerbeek (1768) 436a.
 
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zittericht, zittricht, zitt(e)recht, zitt(e)r(e)t, adj., zitternd. vom ende des 15. jhs. bis ins 18. jh. bezeugte ableitung zum verb zittern, seit dem 18. jh. durch zitterig (s. d.) ersetzt. ungewöhnlich der vollständige ausfall des suffixvokals: ain buggloten ziterten (leib) (1486) Neidhart Terenz 62 lit. ver. lexikalische

[Bd. 31, Sp. 1689]


belege: trepidus zittericht, zitteret Diefenbach gl. 594c; zitterecht tremulus, horridulus Dasypodius (1536) 465a; zittericht machen tremefacere Stieler stammb. (1691) 2639; zitterhafft, zittericht, zitternd oder zitterlich seyn Ludwig t.-engl. (1716) 2599. von den menschlichen gliedern:

ich sprach zu im: o lieber, sag,
wenn du der füllerey anhechst,
ob du nit mit der zeit entpfechst
zittret hend und füsz nit allein
Hans Sachs 3, 519 lit. ver.;

(die leute) sauffen die augen ausz der stirn,
bekommen zittrecht köpff und glieder
Fischart w. 2, 291 Hauffen;

zu den spanadern, zitterechten und lamen glidern Bock kreutterb. (1539) 2, 43a. vom alter:

woll Noa, voll begier sein wehmuth zu vertreiben,
disz zittricht alter sein ohn sorgen nicht lies bleiben
T. Hübner die andere woche (1622) 237;

das ... trieffäugichte, zitterichte, abgediente, zahnlückichte ... alter Treuer Dädalus (1675) 1, 74. in weiteren anwendungsbereichen (vgl. zitterig 2—4): das zitteret (spritzende? gallertartige?) blt und eiter Fickler Olai Magni hist. (1567) 148; die zitterichte oder zitterente stimmen Porto physiognomy (1601) 189; ein zitteret fewer machen Frölich offenb. d. natur (1591) 589.
 
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zitterig, zittrig, adj. , zitternd. seit dem ende des 15. jhs. bezeugte ableitung zum verb zittern, die sich gegenüber konkurrierendem, in frühnhd. zeit noch vorherrschendem zittericht (s. d.) seit dem 18. jh. durchgesetzt hat. lexikalisch schon früh belegt: tremefactus zitterig (15. jh.) Diefenbach gl. 594a; zittriger, bidmiger, wegiger tremidus, tremulus voc. teut. (Nürnberg 1482) pp 8a; vast zitterig tremebundus Dasypodius (1536) 465a; zitterig oder zitternd das vil zittert Duez germ.-gall.-lat. (1664) 717; zitterig sehr zitternd Campe 5, 876b. zu den anwendungsbereichen des wortes vgl. DWB zittern.
1) vom menschen, meist mit dem nebensinn des schwächlichen, bes. von alten menschen: von allen gelidern ein schwach, zittrig und perlisiech mentsch J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 131 Götzinger; der gantze kopf ... (ist) zitterig Lichtenberg Hogarth. kupferstiche (1794) 4, 281; einmal auch konnten seine zitterigen hände das schüsselchen nicht fest halten br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 356; er ist ... zittrig, scheinbar nur haut und knochen Gerhart Hauptmann d. weber (1892) 95; ihr altes, zitteriges köpfchen (liesz sie) nur immer tiefer vor sich niederhängen A. Schebest leben (1857) 16; immerzu lallte der zittrige alte O. M. Graf unruhe (1948) 362; en âlen ziddereche männchen wb. d. luxemb. ma. 504a. besonders von der hand beim schreiben (vgl. zittern 1 c): das schreiben wird mir schwer von wegen der zitterigen hand Holtei erz. schr. (1861) 15, 8. dann auch von den schriftzügen: meinem vater, der keine expedite hand schrieb, und dessen deutsche schrift klein und zittrig war, konnte nichts erwünschter sein (als ein guter schreiber) Göthe I 26, 224 W.; (der) zittrigen handschrift Hebbel w. I 8, 324 Werner. mit der bedeutungsnuance der furcht (vgl. zittern 1 a β; zitterlich 1), fast im sinne von ängstlich: pusillanimis zaghaft, verzagt, erschlagen, zitterig, kleinhertzig Schöpper synonyma 27b Schulte-K.; wiewol dem gewissern unser gemüt auszweist nach zu herschen, mag doch uns nit wenig zitterig machen und erschütten der alten wolerfahrnen artzten ermanung Paracelsus opera (1616) 1, 477 Huser; ich nebst meiner gesellschaft waren sehr zitterig E. M. Arndt schr. (1845) 1, 194; Fontane ges. w. (1905) I 5, 41. vereinzelt und ganz ungewöhnlich wird das wort auf ein abstraktum bezogen: es ist eine merkwürdig feierliche, zitterige, tränenhafte, geheimnisvolle, närrische sache W. Raabe s. w. I 6, 30.

[Bd. 31, Sp. 1690]



2) von gegenständen: ein zittriges geländer daheim (20. 7. 1933) 15a; atemlos starr verhält sich das sonst so zittrige pappellaub Werfel Bernadette (1948) 53. im ostmd. erhält das substantivierte neutrum mundartlich die bedeutung 'gelee' (vgl. 4zitter 2 b): schles. zitterichs sulz Blumer Nordwestböhmen 96; zittriches Knothe Nordböhmen 554.
3) von akustischen erscheinungen: ist ihre stimm zittrig ...? Ludwig ges. schr. (1891) 2, 324; zittrige kardinalstimmen Hensel familie Mendelssohn (1879) 2, 117; den zittrigen seufzer Cl. Viebig d. vor d. toren (1949) 242. im sinne von tremulierend (vgl. zittern 3 b): das zittrige der melodie Fontane ges. w. (1905) I 6, 215; Schweitzer Bach (1948) 327.
4) von optischen erscheinungen: ein ziegelroter schmetterling, die einzige farbe in all dem zittrigen schimmer, umwebert unaufhörlich den hals des ungetüms Liliencron s. w. (1896) 5, 114; der smaragd an seinem finger wirft einen geheimnisvollen zittrigen feuerfleck auf die ins ungeheure strebende schwarz getäfelte decke Handel-Mazzetti Stephana Schwertner 1 (1912) 342; das zittrige licht in der bauernstube A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 36.
 
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zitterlaub, n.:

kein lüftchen zittert durch den dichten wald,
und regt sich gaukelnd der gestreckten esche
vielfach gewandtes zartes zitterlaub
Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 12;

zitterlaub am wiesensteige
rauscht mit süszem flüsterlaut
B. Weber lieder aus Tirol (1842) 145.


 
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zitterlaut, m., von einigen grammatikern als phonetischer fachausdruck für das r verwendet: ein zitterlaut, das r Adelung umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 129; Pollak Noreen, einf. i. d. wiss. betr. d. sprache (1923) 69; Wossidlo-Teuchert meckl. wb. 2, 191. —
 
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-laute, f., s. zitherlaute.
 
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zitterlein, n., diminutiv zu 4zitter 2. nur aus alem. maa. belegt. 1) allgemein: zitterle grasstengel mit blühenden rispen Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a. 2) insbes. vom zittergras (s. d. und 4zitter 2 a; vgl. Marzell pflanzennamen 1, 663 f.): zitterlein zittergras, briza media Fischer schwäb. 6, 1245; zitterle Schmid schwäb. 548; Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; zitterli Wartmann beitr. z. st. gallischen volksbotanik2 17;

das veilchen so gefragt, erbebt auf seinem stiel
gleich einem zitterli, so hagel auf es fiele,
und stammelt Baseldütsch: nei, i denk allewil
numme ä ganz bescheide rölleli ze spiele!
Brentano ges. schr. (1852) 2, 567.

gelegentlich auch von ähnlichen pflanzen: zitterlein gipskraut, gypsophila [paniculata L.] Fischer schwäb. 6, 1245; die juncacee luzula, hainsimse [luzula pilosa Willd.] ebda. 3) silberscheibchen an brautkranz oder haube, welche die unbescholtene braut an der hochzeit trug Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; vgl. zitterer 2.
 
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zitterlich, adj. , zitternd, ängstlich; angsterregend. vom ende des 15. jhs. bis ins 17. jh. hinein belegt; gegenüber den ähnlichen bildungen zittericht, zitterig (s. d.) mehr das seelische wiedergebend. häufig in adverbieller verwendung. in nd. lautung: trepidus tzeterlick (15. jh.) Diefenbach gl. 594c. lexikalisch: dubitanter zitterlich, ungewiss Corvinus fons lat. (1623) 255; zitterlich, zittericht, zitterhaft und zitternd Stieler stammb. (1691) 2638.
1) vom menschen. nicht nur ein äuszeres zittern wiedergebend: gleych wie etwan Petrus zytterlich eyngieng in das hauss Anne, nachmals frostig, im haff Cayphe, bey dem feuer sitzende befunden C. Guetel eyn selig new iar (1522) B 3a;

aber in seinem eignen haus
filtzt und schmarutzt er (der geizhals) uberaus,
gibt zitterlich, bitt niemands ein
und ist viel härter als ein stein
Ringwaldt lauter wahrheit (1588) 105.

[Bd. 31, Sp. 1691]


meist mit deutlicher schattierung im sinne von ängstlich: trepidus zitterlich (15. jh., md.) Diefenbach gl. 594c; wo einer bei einer ubertrettunge begriffen, dem richter zitterlichen, und mit beferbtem angesichte, antwort gebe, ... da were nicht zugleuben, das der der ubertrettunge unschuldig sei Chr. König process (1541) 6a; animo trepidanti dicere furchtsam und zitterlich aussagen Corvinus fons lat. (1646) 912; Härz-währt erbrahch es (das brieflein) mit zitterlichen händen Zesen adriat. Rosemund 69 ndr. in freiem sprachgebrauch häufiger im sinne von angsterregend: dargegen ist nicht allein der tag Christi zitterlich und erschrecklich den ungleubigen, den weltmenschen, sondern auch alle vorlauffende zeichen V. Weigel kirchen u. hauspostill (1618) 11; Christus saget gar ernstlich und zitterlich Matth. 12 v. 36: die menschen müssen rechenschafft geben am jüngsten gericht Scheräus sprachenschule (1619) 71. mit einem abstraktum: die dactylischen reimen sich wol, wenn ich geschwinde verrichtungen, schnellen lauff, frölichkeit und zitterliche sachen anzeigen wil Opitz buch v. d. deutschen poeterey (1690) 148 E. Hannman.
2) in andern verwendungsarten (vgl. zitterig 2—4): mit ungleicher zitterlich und geschwinder bewegung Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 363; mit zitterlicher stimme Heinse s. w. 2, 259 Sch.;

irrlichter flatterten vor ihnen her
mit zitterlich funkelndem lichte
E. M. Arndt w. 6, 237 R -M. —

zitterlichkeit, f., gelegenheitsbildung, hier soviel wie sensibilität, erregbarkeit: seine geistige zitterlichkeit, erschütterlichkeit und vieltönigkeit E. M. Arndt schr. (1845) 3, 559.
 
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zitterlicht, n., vgl. zitterglanz: flamma tremula zitterlächt, das lälchend fheür Frisius dict. (1556) 1328a;

so bald mit schnellen zitterlichtern
ein kürasz durch die felder blitzt
Schwabe belust. (1741) 1, 421;

nur von ferne blinzt ein zages zitterlicht,
und von ferne klingt ein zager glockenton
Bierbaum ges. w. (1913) 1, 67.


 
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zitterling, m., ableitung zum vb. zittern mit verschiedenen singulären bedeutungen. 1) zitterrochen (s. d. sowie DWB zitterfisch 1): torpedo ein zitterling, schläffer oder krampfisch Faber thes. (1587) 874b; Reyher thes. (1668) 3, 1939; Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1683c. 2) furchtsamer mensch: der zierling und zitterlinge gezwitscher Jahn merke z. dt. volkstum (1833) 18; unmöglich kann es doch nunmehr noch einen solchen zitterling und solche bebende espenseele geben ders., w. (1884) 2, 464. 3) dass. wie zitterpilz (s. d.), benannt nach den zitternden bewegungen der gallertartigen formen: zitterling gekrauster, eszbarer pilz Martin-Lienhart elsäss. 2, 920b; zitterling Warburg pflanzenwelt (1913) 1, 149; tremella zitterling d. gr. Brockhaus15 20 (1935) 667b.
 
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zitterlinse, f., vicia tetrasperma L. oder vicia hirsuta L.: vogelwicke, linsenwicke, vogelzug, zitterlinse Leopold hdwb. d. ökon. (1805) 520b; vicia hirsuta L. zitterlinse Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 437b.

 

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