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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zittergewölbe bis zittericht (Bd. 31, Sp. 1687 bis 1688)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -gewölbe, n., sakristeigewölbe; zu 2zitter: es können auch noch heutiges tages diejenigen, welche von dergleichen raritäten liebhaber sind, eines und das andere von solchen antiquitäten in dem sogenandten zittergewölbe zu sehen bekommen Rohr Unterhartz (1736) 176. —
 
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-glanz, m., unsicheres, spielendes licht; vgl. DWB zittern 4 b:

wer einmahl nahm in acht ein glass vol wasser stehen,
darein der strahlenschein der sonnen mögen gehen,
wie dessen zitterglantz mit ungewissen lauff
im zimmer flattern macht umfahrend ab und auff, ...
das flüchtig helle liecht
Hohberg habsburg. Ottobert (1664) Qq 8b;

man ruht auf weichem rasen,
von zitterglanz erhellt
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 125. —


 
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-gold, n., unechtes blattgold aus messing: behenck (gehänge) von rotten, gelben, blawen glässlein, die besonder mit zittergold eingefaszt seind Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 190; knittergold, flattergold, flindergold, flittergold, zittergold bergmänn. wb. (1778) 295a. —
 
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-gras, n., briza media L. vgl. Marzell pflanzenn. 1, 663; mundartlich neben gleichbedeutendem 4zitter 2 a und zitterlein 2 (s. diese) sehr verbreitet: zittergras Mensing schlesw.-holst. 5, 761; Martin

[Bd. 31, Sp. 1688]


Rhoden 278b; Hofmann niederhess. 270a; Fischer schwäb. 6, 1247; Martin-Lienhart elsäss. 1, 281a; Lexer Kärnten 266. schon seit dem 16. jh. belegt: gramen leporinum, gramen tremulum, panem leporis und linum divae Mariae; teutsch heiszet es hasengrass, zidern, zidergrass, unser lieben frauwen flachs unnd hasenbrodt Tabernämontanus neuw kreuterb. (1588) 666a; Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 487b; das zittergras 'eine grasart, welche bey der geringsten bewegung der luft zittert' Adelung2 4, 1727; Thaer grundzüge d. landwirtsch. (1809) 3, 276; B. Auerbach schr. (1892) 11, 60; Fontane ges. w. (1905) I 1, 123. dazu das adjektiv zittergrashaft: die dünne zittergrashafte schrift A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 469. —
 
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-greis, m.: was sich so ein alter zittergreis alles einbildet Salus nachdenkl. gesch. (1914) 86. —
 
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-grün, adj., stahlgrün, vielleicht entstellung aus sittichgrün (teil 10, 1, sp. 1260); Schmid erklärt es als kompositum zu sitter 'papagei': 'sittergrün, zittergrün grün wie die farbe der papageyen öfters ist' schwäb. 494; vgl. Fischer schwäb. 5, 1420. belege: verschiedene arten von grün, als da sind ... sittig- stahl- citronen- und zittergrün allg. haush.-lex. (1749) 1, 624a; Adelung2 4, 1728.
 
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zitterhaft, adj., zitternd; vom 17. bis ins 19. jh. bezeugte ableitung zum verb zittern (s. a. zitter, haftig): zitterhaft tremens, trepidus et trepidantertrepide Stieler stammb. (1691) 2638; zitterend, zittericht, zitterhaft Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470a. im sinne einer anschaulichen bewegung: eingefallene wangen und zitterhafte hände Zimmermann einsamkeit (1784) 2, 271. stärker das seelische betonend, mit einer schattierung im sinne von ängstlich (vgl. zitterlich): dieses brachten sie etwas zitterhaft vor, aus furcht, es möchte den brüdern nicht angenehm sein Cranz alte u. neue bruderhist. (1771) 582; ein ... zitterhaftes und schwächliches, aber doch wirkliches vertrauen zu Jesu Christo Spangenberg leben Zinzendorfs (1772) 139; mit einer zitterhaften höflichkeit Raabe s. w. I 6, 33. von tönen soviel wie 'tremulierend' (vgl. zittern 3 b): der vortrag (des musikstücks fiel) ein wenig tremulierend oder zitterhaft aus Keller ges. w. (1889) 3, 66. von festen körpern so viel wie 'schwingend': die meiste (körper sind) nicht zitterhaft Scheuchzer physica (1711) 1, 87. —
 
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-haftig, adj., zitternd; vereinzelt seit dem 15. jh. bezeugt: tremendus zitterhaftig (15. jh.) Diefenbach gl. 594a; so musz er lahm werden und die schenckel zitterhafftig Hildebrand goetia vel theurgia (1631) 216. stärker auf das seelische bezogen: zitterhaftig trepidus (1669) Diefenbach-Wülcker 915; das hat nicht nur mein verstand ... sondern mein hertz ... zitterhafftiger gefühlet Zinzendorf creutzreich (1741) 218;

und auch der trost, den sie denn bald bekommen,
wird noch was zitterhaftig angenommen gesangb. d. brüdergemeinde (1741) 1349, v. 17.

die bildung scheint in der sprache des pietismus häufiger gebraucht worden zu sein, vgl. A. Langen wortschatz d. pietism. (1954) 291.
 
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zitterhimmel, m. (vgl. zitterung 2): die alten astronomen schalteten zwischen den fixsternen und den planeten einen zitterhimmel ein, um ihm die kleinen anomalien der letzteren schuld zu geben Jean Paul w. 7/10, 593 Hempel.
 
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-holz, n., segelstange am schiffsmast: cornua spitz dess zitterholtzs Frischlin nomencl. (1586) 271b; antenna das zitterholtz, die segelstange nomencl. lat.-germ. (1634) 566; zitterholz spriet, dwarsmast van een schip Kramer-Moerbeek (1768) 436a.
 
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zittericht, zittricht, zitt(e)recht, zitt(e)r(e)t, adj., zitternd. vom ende des 15. jhs. bis ins 18. jh. bezeugte ableitung zum verb zittern, seit dem 18. jh. durch zitterig (s. d.) ersetzt. ungewöhnlich der vollständige ausfall des suffixvokals: ain buggloten ziterten (leib) (1486) Neidhart Terenz 62 lit. ver. lexikalische

[Bd. 31, Sp. 1689]


belege: trepidus zittericht, zitteret Diefenbach gl. 594c; zitterecht tremulus, horridulus Dasypodius (1536) 465a; zittericht machen tremefacere Stieler stammb. (1691) 2639; zitterhafft, zittericht, zitternd oder zitterlich seyn Ludwig t.-engl. (1716) 2599. von den menschlichen gliedern:

ich sprach zu im: o lieber, sag,
wenn du der füllerey anhechst,
ob du nit mit der zeit entpfechst
zittret hend und füsz nit allein
Hans Sachs 3, 519 lit. ver.;

(die leute) sauffen die augen ausz der stirn,
bekommen zittrecht köpff und glieder
Fischart w. 2, 291 Hauffen;

zu den spanadern, zitterechten und lamen glidern Bock kreutterb. (1539) 2, 43a. vom alter:

woll Noa, voll begier sein wehmuth zu vertreiben,
disz zittricht alter sein ohn sorgen nicht lies bleiben
T. Hübner die andere woche (1622) 237;

das ... trieffäugichte, zitterichte, abgediente, zahnlückichte ... alter Treuer Dädalus (1675) 1, 74. in weiteren anwendungsbereichen (vgl. zitterig 2—4): das zitteret (spritzende? gallertartige?) blt und eiter Fickler Olai Magni hist. (1567) 148; die zitterichte oder zitterente stimmen Porto physiognomy (1601) 189; ein zitteret fewer machen Frölich offenb. d. natur (1591) 589.

 

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