Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterflechte bis zitterhaftig (Bd. 31, Sp. 1687 bis 1688)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -flechte, f., 'ein trockener, abschüppender, hauptsächlich im gesichte oder auf behaarten kopfteilen sitzender, chronischer hautausschlag' Höfler krankheitsnamenb. 153a. zu 3zitter gehörig: (das bad) reinigt alle alte unheylbare schäden unnd verunreinigung der haut, zitterflechten, bösen, gifftigen grindt Ryff spiegel d. gesundh. (1544) 103b; blattern und zitterflechten Hohberg georg. cur. (1682) 1, 440. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-flecke, m., dass. wie zittrachflecke (s. d.); zu 3zitter gehörig: die zitterflecken oder flechten am leib Bock kreutterbuch (1539) 1, 155b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-geist, m., quäker, vgl. DWB zitterer 1 b: zittergeister oder kwaker-soziner Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 370. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gewölbe, n., sakristeigewölbe; zu 2zitter: es können auch noch heutiges tages diejenigen, welche von dergleichen raritäten liebhaber sind, eines und das andere von solchen antiquitäten in dem sogenandten zittergewölbe zu sehen bekommen Rohr Unterhartz (1736) 176. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-glanz, m., unsicheres, spielendes licht; vgl. DWB zittern 4 b:

wer einmahl nahm in acht ein glass vol wasser stehen,
darein der strahlenschein der sonnen mögen gehen,
wie dessen zitterglantz mit ungewissen lauff
im zimmer flattern macht umfahrend ab und auff, ...
das flüchtig helle liecht
Hohberg habsburg. Ottobert (1664) Qq 8b;

man ruht auf weichem rasen,
von zitterglanz erhellt
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 125. —


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gold, n., unechtes blattgold aus messing: behenck (gehänge) von rotten, gelben, blawen glässlein, die besonder mit zittergold eingefaszt seind Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 190; knittergold, flattergold, flindergold, flittergold, zittergold bergmänn. wb. (1778) 295a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gras, n., briza media L. vgl. Marzell pflanzenn. 1, 663; mundartlich neben gleichbedeutendem 4zitter 2 a und zitterlein 2 (s. diese) sehr verbreitet: zittergras Mensing schlesw.-holst. 5, 761; Martin

[Bd. 31, Sp. 1688]


Rhoden 278b; Hofmann niederhess. 270a; Fischer schwäb. 6, 1247; Martin-Lienhart elsäss. 1, 281a; Lexer Kärnten 266. schon seit dem 16. jh. belegt: gramen leporinum, gramen tremulum, panem leporis und linum divae Mariae; teutsch heiszet es hasengrass, zidern, zidergrass, unser lieben frauwen flachs unnd hasenbrodt Tabernämontanus neuw kreuterb. (1588) 666a; Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 487b; das zittergras 'eine grasart, welche bey der geringsten bewegung der luft zittert' Adelung2 4, 1727; Thaer grundzüge d. landwirtsch. (1809) 3, 276; B. Auerbach schr. (1892) 11, 60; Fontane ges. w. (1905) I 1, 123. dazu das adjektiv zittergrashaft: die dünne zittergrashafte schrift A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 469. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-greis, m.: was sich so ein alter zittergreis alles einbildet Salus nachdenkl. gesch. (1914) 86. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-grün, adj., stahlgrün, vielleicht entstellung aus sittichgrün (teil 10, 1, sp. 1260); Schmid erklärt es als kompositum zu sitter 'papagei': 'sittergrün, zittergrün grün wie die farbe der papageyen öfters ist' schwäb. 494; vgl. Fischer schwäb. 5, 1420. belege: verschiedene arten von grün, als da sind ... sittig- stahl- citronen- und zittergrün allg. haush.-lex. (1749) 1, 624a; Adelung2 4, 1728.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitterhaft, adj., zitternd; vom 17. bis ins 19. jh. bezeugte ableitung zum verb zittern (s. a. zitter, haftig): zitterhaft tremens, trepidus et trepidantertrepide Stieler stammb. (1691) 2638; zitterend, zittericht, zitterhaft Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470a. im sinne einer anschaulichen bewegung: eingefallene wangen und zitterhafte hände Zimmermann einsamkeit (1784) 2, 271. stärker das seelische betonend, mit einer schattierung im sinne von ängstlich (vgl. zitterlich): dieses brachten sie etwas zitterhaft vor, aus furcht, es möchte den brüdern nicht angenehm sein Cranz alte u. neue bruderhist. (1771) 582; ein ... zitterhaftes und schwächliches, aber doch wirkliches vertrauen zu Jesu Christo Spangenberg leben Zinzendorfs (1772) 139; mit einer zitterhaften höflichkeit Raabe s. w. I 6, 33. von tönen soviel wie 'tremulierend' (vgl. zittern 3 b): der vortrag (des musikstücks fiel) ein wenig tremulierend oder zitterhaft aus Keller ges. w. (1889) 3, 66. von festen körpern so viel wie 'schwingend': die meiste (körper sind) nicht zitterhaft Scheuchzer physica (1711) 1, 87. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-haftig, adj., zitternd; vereinzelt seit dem 15. jh. bezeugt: tremendus zitterhaftig (15. jh.) Diefenbach gl. 594a; so musz er lahm werden und die schenckel zitterhafftig Hildebrand goetia vel theurgia (1631) 216. stärker auf das seelische bezogen: zitterhaftig trepidus (1669) Diefenbach-Wülcker 915; das hat nicht nur mein verstand ... sondern mein hertz ... zitterhafftiger gefühlet Zinzendorf creutzreich (1741) 218;

und auch der trost, den sie denn bald bekommen,
wird noch was zitterhaftig angenommen gesangb. d. brüdergemeinde (1741) 1349, v. 17.

die bildung scheint in der sprache des pietismus häufiger gebraucht worden zu sein, vgl. A. Langen wortschatz d. pietism. (1954) 291.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: