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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterfisch bis zitterhaft (Bd. 31, Sp. 1687 bis 1688)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitterfisch, m. , in älterer zeit nur bezeichnung für torpedo marmorata Risso, den zitterrochen. nach bekanntwerden weiterer elektrischer fische (zitteraal, zitterwels, s. d.) wird das wort um 1800 zum sammelbegriff für alle mit elektrischen organen begabten fischarten; in der engeren bedeutung torpedo marmorata Risso wird es bald durch zitterrochen (s. d.) ersetzt.
1) torpedo marmorata Risso: der zitter- oder schleffer fisch weisz wol, wie er andere fisch schlefferecht ... machen sol Heyden Plinius (1565) 382; torpedo ... ein zitterling oder zitterfisch a tremore Faber thes. (1587) 1044b; der torpedo oder zitterfisch Frölich offenb. d. natur (1591) 239; O. Dapper, Africa (1670) 487b; zitterfisch 'torpedo, wird also genennet, weil er die glieder nicht allein zitternd und bebend, sondern auch eine zeitlang schlaffend und unempfindlich macht' Hübner cur. u. reales lex. (1714) 1738; 'der zitterroche ... auch zitterfisch und krampffisch in engerer bedeutung, taubfisch' Campe 5, 876b.
2) als sammelbegriff: der zitterfisch 'die benennung einiger arten von fischen, welche die merkwürdige eigenschaft haben, dasz sie menschen und thieren, die sich ihnen nähern, einen stosz oder schlag mittheilen ... zu denselben gehört 1. der zitteraal ... 2. der zitterroche ... 3. eine art welse' Campe 5, 876b; sonderbarer ... ist die ... electricität, welche bey den sogenannten zitterfischen mit groszer gewalt schläge gibt Oken allg. naturgesch. 4 (1833) 202.
3) nur vereinzelt für den zitteraal (s. d.): der zitterfisch war gleichsam der erste paragraph, der magnetische und elektrische materie verband Jean Paul w. 3, 193 Hempel; zitterfisch zitteraal Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 38. —
 
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-flechte, f., 'ein trockener, abschüppender, hauptsächlich im gesichte oder auf behaarten kopfteilen sitzender, chronischer hautausschlag' Höfler krankheitsnamenb. 153a. zu 3zitter gehörig: (das bad) reinigt alle alte unheylbare schäden unnd verunreinigung der haut, zitterflechten, bösen, gifftigen grindt Ryff spiegel d. gesundh. (1544) 103b; blattern und zitterflechten Hohberg georg. cur. (1682) 1, 440. —
 
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-flecke, m., dass. wie zittrachflecke (s. d.); zu 3zitter gehörig: die zitterflecken oder flechten am leib Bock kreutterbuch (1539) 1, 155b. —
 
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-geist, m., quäker, vgl. DWB zitterer 1 b: zittergeister oder kwaker-soziner Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 370. —
 
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-gewölbe, n., sakristeigewölbe; zu 2zitter: es können auch noch heutiges tages diejenigen, welche von dergleichen raritäten liebhaber sind, eines und das andere von solchen antiquitäten in dem sogenandten zittergewölbe zu sehen bekommen Rohr Unterhartz (1736) 176. —
 
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-glanz, m., unsicheres, spielendes licht; vgl. DWB zittern 4 b:

wer einmahl nahm in acht ein glass vol wasser stehen,
darein der strahlenschein der sonnen mögen gehen,
wie dessen zitterglantz mit ungewissen lauff
im zimmer flattern macht umfahrend ab und auff, ...
das flüchtig helle liecht
Hohberg habsburg. Ottobert (1664) Qq 8b;

man ruht auf weichem rasen,
von zitterglanz erhellt
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 125. —


 
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-gold, n., unechtes blattgold aus messing: behenck (gehänge) von rotten, gelben, blawen glässlein, die besonder mit zittergold eingefaszt seind Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 190; knittergold, flattergold, flindergold, flittergold, zittergold bergmänn. wb. (1778) 295a. —
 
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-gras, n., briza media L. vgl. Marzell pflanzenn. 1, 663; mundartlich neben gleichbedeutendem 4zitter 2 a und zitterlein 2 (s. diese) sehr verbreitet: zittergras Mensing schlesw.-holst. 5, 761; Martin

[Bd. 31, Sp. 1688]


Rhoden 278b; Hofmann niederhess. 270a; Fischer schwäb. 6, 1247; Martin-Lienhart elsäss. 1, 281a; Lexer Kärnten 266. schon seit dem 16. jh. belegt: gramen leporinum, gramen tremulum, panem leporis und linum divae Mariae; teutsch heiszet es hasengrass, zidern, zidergrass, unser lieben frauwen flachs unnd hasenbrodt Tabernämontanus neuw kreuterb. (1588) 666a; Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 487b; das zittergras 'eine grasart, welche bey der geringsten bewegung der luft zittert' Adelung2 4, 1727; Thaer grundzüge d. landwirtsch. (1809) 3, 276; B. Auerbach schr. (1892) 11, 60; Fontane ges. w. (1905) I 1, 123. dazu das adjektiv zittergrashaft: die dünne zittergrashafte schrift A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 469. —
 
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-greis, m.: was sich so ein alter zittergreis alles einbildet Salus nachdenkl. gesch. (1914) 86. —
 
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-grün, adj., stahlgrün, vielleicht entstellung aus sittichgrün (teil 10, 1, sp. 1260); Schmid erklärt es als kompositum zu sitter 'papagei': 'sittergrün, zittergrün grün wie die farbe der papageyen öfters ist' schwäb. 494; vgl. Fischer schwäb. 5, 1420. belege: verschiedene arten von grün, als da sind ... sittig- stahl- citronen- und zittergrün allg. haush.-lex. (1749) 1, 624a; Adelung2 4, 1728.
 
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zitterhaft, adj., zitternd; vom 17. bis ins 19. jh. bezeugte ableitung zum verb zittern (s. a. zitter, haftig): zitterhaft tremens, trepidus et trepidantertrepide Stieler stammb. (1691) 2638; zitterend, zittericht, zitterhaft Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470a. im sinne einer anschaulichen bewegung: eingefallene wangen und zitterhafte hände Zimmermann einsamkeit (1784) 2, 271. stärker das seelische betonend, mit einer schattierung im sinne von ängstlich (vgl. zitterlich): dieses brachten sie etwas zitterhaft vor, aus furcht, es möchte den brüdern nicht angenehm sein Cranz alte u. neue bruderhist. (1771) 582; ein ... zitterhaftes und schwächliches, aber doch wirkliches vertrauen zu Jesu Christo Spangenberg leben Zinzendorfs (1772) 139; mit einer zitterhaften höflichkeit Raabe s. w. I 6, 33. von tönen soviel wie 'tremulierend' (vgl. zittern 3 b): der vortrag (des musikstücks fiel) ein wenig tremulierend oder zitterhaft aus Keller ges. w. (1889) 3, 66. von festen körpern so viel wie 'schwingend': die meiste (körper sind) nicht zitterhaft Scheuchzer physica (1711) 1, 87. —

 

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