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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitterecht bis zittergewölbe (Bd. 31, Sp. 1685 bis 1687)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitterecht, zitteret, adj., zitternd, s. DWB zittericht.
 
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zitterer, zittrer, m., nomen agentis zu zittern; begegnet schon spätmhd. für lat. strix, einen vogel, der zitternde schreie ausstöszt: der vogel hieze wol aigenleich nâch der latein der zitraer oder der zandklaffer von seiner stimm oder von seinem geschrai Konrad v. Megenberg buch d. natur 224 Pfeiffer.

[Bd. 31, Sp. 1686]



1) von personen, die zittern.
a) allgemein. meist mit dem nebensinn des zitterns aus furcht: zitterer tremulus, tremebundus, homo timidus ac tremens Stieler stammb. (1691) 2638; trematore, tremolante Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470a; eine person, welche zittert Adelung2 4, 1728;

die zwitter und die zitterer,
die zischelten zusammen,
ob's schon zur zeit sei, die censur
aus Deutschland zu verdammen
Glasbrenner verbotene lieder (1844) 162;

zitterer furchtsamer mensch Schmeller-Fr. 2, 1164; Kuen oberschwäb. 57.
b) besonders von einem anhänger der mitte des 17. jhs. von George Fox in England gegründeten glaubensgemeinschaft society of friends, deren mitglieder den spottnamen quakers 'zitterer' erhielten. zitterer hat sich gegenüber der originalbezeichnung quäker (teil 7, sp. 2292) im dt. auf die dauer nicht durchsetzen können (s. auch die vereinzelten bildungen zittergeist, -prophet, -quäker). belege: quaker, ein zitterer sectarius ex Anglia Schottel haubtspr. (1663) 1379; die zitterer in Engelland Kramer t.-ital. 2 (1702) 1470a; der zitterer ... 'besonders ein nahme, welchen man auch wohl den quakern beylegt' Adelung2 4, 1728; an diesem tage empfing der könig aus Engelland einen brief von einer art volkes, welches man daselbsten quakers, das ist böber oder zitterer nennet und zwar darüm, weil sie in derselben zeit, wan sie ihr gebeht oder andacht verrichten wollen, ein zittern durch alle leibesglieder ankomt oder gleublicher von ihnen selbst gemacht wird. dan sie wollen hierdurch anderen einbilden, dasz sie besessen oder entzükt weren Zesen d. verschmähete majestät (1661) 378; quäcker und zitterer Dannhawer catech.-milch 9 (1672) 94; trepidanten oder zitterer J. Riemer d. trunkene träumer (1684) 177; ein zweig von der sippschafft der wiedertäuffer, oder der heutigen zitterer anabaptisticum et enthus. pantheon (1702) 3, 3; Jahn w. (1884) 2, 962.
2) vereinzelt in verschiedenen übertragenen bedeutungen. vom tremolo einer sängerin:

sie macht schöne zittrer und allerlei radel.
i glaub, ihre gurgel hängt völli am drahtel quelle von 1759 bei
Hartmann hist. volkslieder 3, 17.

von dem auf dem wasser zitternden mondlicht (vgl. zittern 4 b):

auf einer zinne glitzerte der mond
wie ein krystall und schwebte auf den wassern
des sees, ein weiszer zitterer, dahin
Herwegh Lamartine (1839) 5, 151.

ähnlich von einem silbern blitzenden schmuck (vgl. zitterlein 3): zitrr ehemaliger kopfschmuck der Lusernerinnen Bacher Lusern 429. im sinne von lat. tremor 'das zittern' (vgl. 4zitter 1): den zitterer haben Schmeller-Fr. 2, 1164.
 
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zitteresche, f., fälschlich für zitterespe (s. d.): zitteresche zitterpappel Münchhausen d. hausvater 5 (1770) 231; Gleditsch einleitg. in die forstwiss. (1775) 1, 526. —
 
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-espe, f.: die zitteräspe ... populus tremula L., die zitterpappel Adelung2 4, 1727; die zweige einer zitterespe Engel schr. (1801) 12, 130. —
 
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-essig, m., 'in den seestädten ein aus obst oder obstwein bereiteter essig; ein aus cider-essig (s. zideressig sp. 891) verderbtes wort' Adelung2 4, 1727; ein uxhäupt zittereszig märk. zollrolle von 1694 bei Mylius corp. const. Marchic. 4, 1, 123. vgl. die ähnliche form wein- oder zietereszig brandenb. zollrolle von 1721 ebda 378. —
 
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-feder, f., nur in der aus dem obersächs.-thür. raum belegten redensart sich vor jem. eine zitterfeder aufstecken; ironisch für 'sich vor jem. fürchten': wer gesündigt hat, der soll sich fürchten. antw. ich bin gar ein kleiner sünder, so dencke ich, die zitterfeder wird auch nicht grosz seyn, die ich auf den hut stecke Chr. Weise freym. redner (1693) 78; der kerl dürffte

[Bd. 31, Sp. 1687]


aber wohl dencken, man steckte vor ihm zitterfedern auf Reuter Schlampampe 127 ndr.; Edelmann bereitete schläge (1738) 15; Schrader dt. frz. 2 (1784) 1683c; Göpfert Erzgeb. 58; zitterfedder vor jemand uffsetzen Jecht Mansfeld 128a.
 
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zitterfisch, m. , in älterer zeit nur bezeichnung für torpedo marmorata Risso, den zitterrochen. nach bekanntwerden weiterer elektrischer fische (zitteraal, zitterwels, s. d.) wird das wort um 1800 zum sammelbegriff für alle mit elektrischen organen begabten fischarten; in der engeren bedeutung torpedo marmorata Risso wird es bald durch zitterrochen (s. d.) ersetzt.
1) torpedo marmorata Risso: der zitter- oder schleffer fisch weisz wol, wie er andere fisch schlefferecht ... machen sol Heyden Plinius (1565) 382; torpedo ... ein zitterling oder zitterfisch a tremore Faber thes. (1587) 1044b; der torpedo oder zitterfisch Frölich offenb. d. natur (1591) 239; O. Dapper, Africa (1670) 487b; zitterfisch 'torpedo, wird also genennet, weil er die glieder nicht allein zitternd und bebend, sondern auch eine zeitlang schlaffend und unempfindlich macht' Hübner cur. u. reales lex. (1714) 1738; 'der zitterroche ... auch zitterfisch und krampffisch in engerer bedeutung, taubfisch' Campe 5, 876b.
2) als sammelbegriff: der zitterfisch 'die benennung einiger arten von fischen, welche die merkwürdige eigenschaft haben, dasz sie menschen und thieren, die sich ihnen nähern, einen stosz oder schlag mittheilen ... zu denselben gehört 1. der zitteraal ... 2. der zitterroche ... 3. eine art welse' Campe 5, 876b; sonderbarer ... ist die ... electricität, welche bey den sogenannten zitterfischen mit groszer gewalt schläge gibt Oken allg. naturgesch. 4 (1833) 202.
3) nur vereinzelt für den zitteraal (s. d.): der zitterfisch war gleichsam der erste paragraph, der magnetische und elektrische materie verband Jean Paul w. 3, 193 Hempel; zitterfisch zitteraal Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 38. —
 
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-flechte, f., 'ein trockener, abschüppender, hauptsächlich im gesichte oder auf behaarten kopfteilen sitzender, chronischer hautausschlag' Höfler krankheitsnamenb. 153a. zu 3zitter gehörig: (das bad) reinigt alle alte unheylbare schäden unnd verunreinigung der haut, zitterflechten, bösen, gifftigen grindt Ryff spiegel d. gesundh. (1544) 103b; blattern und zitterflechten Hohberg georg. cur. (1682) 1, 440. —
 
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-flecke, m., dass. wie zittrachflecke (s. d.); zu 3zitter gehörig: die zitterflecken oder flechten am leib Bock kreutterbuch (1539) 1, 155b. —
 
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-geist, m., quäker, vgl. DWB zitterer 1 b: zittergeister oder kwaker-soziner Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 370. —
 
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-gewölbe, n., sakristeigewölbe; zu 2zitter: es können auch noch heutiges tages diejenigen, welche von dergleichen raritäten liebhaber sind, eines und das andere von solchen antiquitäten in dem sogenandten zittergewölbe zu sehen bekommen Rohr Unterhartz (1736) 176. —

 

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