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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitter bis zitterecht (Bd. 31, Sp. 1683 bis 1685)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitter, m. (in der bedeutung 2 auch f., n.), das zittern; eine grasart; eine geleeartige masse. im spätmhd. gebildetes postverbales nomen actionis zu zittern, das auch frünhd. in der schriftsprache lebendig ist, heute aber nur noch mundartlich, meist in der übertragung auf konkreta (2) vorkommt. zu lautlichen besonderheiten vgl. DWB zittern. das endungs-n in den älteren belegen unter 2 a ist wohl als singularisch aufgefaszte pluralform (nach den vielen kleinen ährchen?) zu deuten; vgl. die mundartl. pluralform zädrn Bacher (s. unter 2 a).
1) als nomen actionis 'das zittern', in den wbb. kaum verzeichnet: tremor zitter, zitterung, schrecken, forcht Schöpper synonyma 27c Schulte-K.; im sinne einer anschaulichen zitternden bewegung: (mein haupt)

[Bd. 31, Sp. 1684]


zitterti (vor schmerz) dennoht (obwohl es festgehalten wurde) under den henden. und des zitters enphinde ich etwi lang nach ostern (1347) Margaretha Ebner in: Margaretha Ebner und Heinrich v. Nördlingen 133 Strauch; (man steige langsam ins bad,) damit nicht etwann ein gäher schauder, frost oder zitter erweckt ... werde (1611) bei Fischer schwäb. 6, 1245;

(Sulmo wälzte sich in seinem blute)
bisz ihn an kam ein kalter zitter,
dasz ihm zustrich der tode bitter
Spreng Äneis (1610) 181b;

zittar (m.), das zittern der hände namentlich, doch auch dă zittar in dă beina Bühler Davos 1, 305. als medizinischer terminus technicus für lat. tremor: zum ersten eyn edle latwerg, welch vertreibt den zitter des hertzens Dryander d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 93b; der erschrecken ist ein leiblicher zitter, der da kompt ausz der forchte Paracelsus (1616) 1, 45 Huser. häufig ist die bedeutungsnuance der furcht (vgl. zittern 1 a β):

wie er (der bote Alexanders) hübischlich dâ warp,
allen der ziter dâ verdarp (alle hörten auf zu zittern)
Ulrich v. Eschenbach Alexander, anh. 1420 lit. ver.;

die starken Moab hat umgeben der zitter (tremor; forcht Mentel; zittern kam die gewaltigen Moab an Luther) 2. Mos. 15, 15 erste dt. bib. (Zainer 1475);

(Diomedes) lief
durch sie (die feinde) in zoren, grim und bitter
die feind kam an dess todes zitter
Spreng Ilias (1610) 53b.

so besonders in der formel furcht und zitter (vgl. zittern 5 c) und in den verbindungen mit zitter, ohne zitter (vgl. zittern 1 a β): der wiszag Davit spricht: zitter und forcht sint komen uf mich (1338) Heinrich v. Nördlingen in: Margaretha Ebner u. Heinrich v. Nördlingen 212 Strauch; jedoch wirdt die scheinbar und herrlich zukunfft dess herrn, bei allen zitter und forcht erwecken Schweickhart v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 96;

do sprach bald der ritter
ich wil dir (dem teufel) dienen ane zitter liedersaal 3, 257 Lassberg;

du knab solt werden ein strenger ritter
und solt beschützen one zitter
landt und leut, witwen und waisen
vor den feinden in krieg und raisen
Hans Sachs 11, 392 lit. ver.; 2, 53;

also die erd gewaltigklich
under dem volck erschüttet sich
es wanckten ihre füsz mit zitter,
sie waren voll dess kumers bitter
Spreng Ilias (1610) 27a.

als nomen actionis nur selten auf gegenstände bezogen: dessen (ton) dann keine andere ursach ist, als der zitter des klingenden metalles Cario neue hall- u. thonkunst (1684) 112; von der elektrizität (vgl. zitterstoff):

des zitters geist durchzuckte die gebilde
Zschokke ausg. schr. (1824) 15, 5.

mundartlich ist zitter als nomen actionis vor allem im westmd. raum verbreitet: zidder lux. wb. 504a; Hönig Köln 208a; Waldbrühl rhingscher klaaf 221; zëdder Rovenhagen Aachen 166b.
2) als konkretum. von gegenständen, die leicht in zitternde bewegung geraten.
a) briza media L., eine grasart, die nach den leicht im winde beweglichen ährchen benannt ist, dass. wie zittergras (vgl. Marzell pflanzennamen 1, 663): drumb das solche körnlin (an den ähren) stets weben und zittern, nent man es (die pflanze) auch im gaw zedern, an etlichen orten jungkfraw har Bock kreutterbuch (1539) 2, 27b; das hasengras oder zidern Tabernämontanus kräuterbuch (1588) 665; zidern, zittergrass, flittergrass Pancovius (1673) 12; ziedern Marperger kaufmannsmagazin (1708) 1415; zädr

[Bd. 31, Sp. 1685]


(pl. -rn), f., eine grasart Bacher Lusern 425; zitter, m., zittergras, briza media Fischer schwäb. 6, 1245.
b) eine gallertartige masse, nur mundartlich belegt (vgl. zitterig 2; zittern 2): ziller (zu -ll- s. unter zittern), n., schweinskäse, so benannt wegen der zitternden bewegungen beim schütteln Follmann Lothr. 558a; tsetr, n., beim pressen gekochter würste ausgepresste gallerte Hentrich Eichsfeld 41; zitter, m., erstarrte sulzartige bratenbrühe Blumer Nordwestböhmen 96; zidder, f., gallerte, bes. beim schweinegelee lux. wb. 504a; zitterer, zitter gallerte, tremelle Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164. vgl. auch die formal etwas abweichenden belege: zittere, f., gallert, sulz; sulz aus schweinsohren, schweineschwanz; fleischbrühe mit gewürzen Fischer schwäb. 6, 1246; altenburg. zitterte, m., gelee Müller-Fraureuth 2, 710a; sowie die komposita: zittermann gelee Gerbet Vogtland 209; zitteri-schmutz sulz, gallerte schweiz. id. 9, 1053; s. auch DWB zitterbrühe.
 
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zitter, adj., zitternd, vereinzelte, gelegentlich in frühnhd. zeit begegnende rückbildung aus zittern: mit weynenden augen, cziterem leibe Arigo decameron 61 lit. ver.; (ein zorniger mensch) mit wider und für sprintzenden augen und zitterem leib Wickram w. 1, 221 lit. ver.
 
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zitter-komposita. vorbemerkung: bei den zahlreichen zss. zum vb. zittern ist die etymologische zugehörigkeit meist nicht ausdrücklich angegeben, dagegen stets bei zss. zu 1zitter, 2zitter, 3zitter.
 
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zitteraal, m., gymnotus electricus L., ein in Süd- und Mittelamerika vorkommender fisch, der starke elektrische ströme aussenden kann (s. auch zitterfisch 3); zitteraal Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1683c; der zitteraal, auch betäubender aal, drillfisch, köngeraal Campe 5, 876b: die elecktricität des zitteraals, an welcher man in den neuesten tagen wieder zu zweifeln anfieng, ist nunmehro auszer allen zweifel gesezt (1776) Lichtenberg br. (1901) 1, 267; Gotthelf ges. schr. (1855) 9, 97. in vergleichen: meine starre hand, die einmal den tod wie einen zitteraal berührt hat Jean Paul w. 1, 258 Hempel; ich habe die vergangene nacht da gelegen, wie ein zitteraal, geladen mit elektrischem fluidum Holtei erz. schr. (1861) 39, 84.
 
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zitterab, m., f., n., hautkrankheit. s. DWB zitterrapp.
 
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zitterach(t), m., f., hautkrankheit. s. zittrach(t).
 
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zitteraffe, m., cercopithecus trepida Ph. L. St. Müller Linnés natursystem 1 (1773) 130; danach: der zitteraffe (simia trepida L.) Campe 5, 876b; der zitteraffe le singe trembleur Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1111b. zoologisch nicht sicher bestimmbar.
 
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zitterbaum, m., populus tremula L., dass. wie DWB zitterespe, -pappel: man theilet ihn (den pappelbaum) in dreyerley arten, nemlich in den weiszen mit breiten blättern, in den schwartzen und in den zitter-, weiden- oder pappelbaum allg. haush.-lex. (1749) 2, 499b; zitterbaum Gleditsch einl. i. d. forstwiss. (1775) 1, 526; Campe 5, 876b; Böttiger kl. schr. 3, 176 Sillig. wohl derselbe baum: für ein kropff nim zitterbaum und badschwamm, gleich vil ..., brenns zu pulver Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 165. —
 
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-brühe, f., gallerte, eine md. bildung (vgl. 4zitter 2 b): zötterbrîe die gallerte an der gepressten frischen rotwurst, an dem kalbsbraten Kleemann nordthür. id. 26b; gallerte: zederbríe Hertel Thür. 265; zitterbröih Schmidt Westerwald 340; zitterbrüh, -bröih Kehrein Nassau 1, 455.
 
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zittere, f., n., hautkrankheit. s. zittrach(t).
 
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zitterecht, zitteret, adj., zitternd, s. DWB zittericht.

 

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