Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitscheln bis zitter (Bd. 31, Sp. 1680 bis 1682)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitscheln, vb., zwitschern Jecht Mansfeld 128a; zum folgenden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitschen, vb., zwitschern, zirpen, piepsen; zischen, quietschen. lautmalend, besonders von vogelstimmen; vgl. ähnliches zätschen 2 (sp. 320), zietschen (sp. 1239), zötschen (teil 16, sp. 127), zwitschen (teil 16, sp. 1402), sowie zitscheln, zitschern. häufig substantiviert. vom laut der vögel: curruca, est avis der zötschet, zötzschen, zitzschen Schottel haubtspr. (1663) 1449; zitschen far' il verso di certo uccellino che fà zitsch zitsch! ò zötsch zötsch! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; es ist eine schwalbe die uber mir hinferet und zitzschet ein wenig Luther 54, 171 W.; (rotkehlchen) sind scheuer als viel andere junge vögel des waldes und lassen nur wenn sie sicher zu sein glauben, ein kurzes zitschen ... hören Naumann vögel (1822) 2, 1, 411. auch vom laut anderer tiere (Campe 5, 875a): von natur müssen sie (heuschrecken) zitschen und pfeiffen (1627) bei Fischer schwäb. 6, 1245; wann er ein hund gautzen oder ein mauss zitschen höret ebda. im sinne von zischen: sibilus piszpeln, zitschen (obd. 16. jh.) Diefenbach nov. gl. 337b; mit gleichsam einer canon zitschenden, also singend bald herbeykommenden kugel (1663) bei Fischer schwäb. 6, 1245. auf den menschen übertragen: (zauberworte) mit zitschen oder mit hauchen ... ausszusprechen ebda; wenn dieses zitschen auf der seite der weiber erklang Stehr d. heiligenhof (1918) 2, 36. in der bedeutung 'quietschen' bei Jungandreas schles. zeitwortbildung 42.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitscherlein, n., birkenzeisig, carduelis flammea (L.), wie zitscherling (s. d.) ableitung zu zitschern, möglicherweise in anlehnung an das gleichfalls lautmalende slaw. čečet (vgl. Berneker slaw. etym. wb. 1, 138) und das davon abgeleitete mit zitscherlein bedeutungsgleiche tschech. čečetka, poln. czeczotka (vgl. Suolahti d. dt. vogelnamen 123), vgl. auch: zätscher (sp. 320), zetscher (sp. 814), tschätscher (teil 11, 1, 2, sp. 1441), zötscherlein (teil 16, sp. 127), sowie gleichbedeutendes ziserinchen: linaria rubra zitscherlein Zehner nomencl. (1663) 299; zitscherlein Aler dict. (1727) 2, 2252b; das zitscherlein 'in einigen gegenden der nahme einer art hänflinge, von ihrer zwitschernden stimme' Adelung 4 (1801) 1727; meerzeiszlein, auch grässerlein oder zitscherlein benennt, ist ein kleiner graugespreckelter vogel, so an der brust eine anmuthige rothe farbe hat und hier zu lande nur zu zeiten im herbst und winter angetroffen wird Heppe wohlred. jäger (1779) 267a; fringilla linaria L. zizcherlein Naumann vögel (1822) 5, 174; zitscherlein fringilla linaria Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 262.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitscherling, m., birkenzeisig, carduelis flammea (L.). neben zitscherlein ableitung zu zitschern wie gleichbedeutendes zwitscherling (s. d.) zu zwitschern: 'der zitscherling ... hat den namen von seiner zitschernden stimme erhalten' Hagedorn s. poet. w. (1764) 46. vgl. auch schitscherling teil 9, sp. 227; zitscherling ziehet hier zu lande wie der seidenschwantz sehr selten ... es ziehet derselbe, wenn er kommt, in groszer menge als der zeissig, ist auch von solcher grösse und gestalt, aber an der farbe weit schöner, zumahl das hähn- oder männlein, welches an der brust sonderbar roth gesprengelt, auf dem rucken aber grau spräcklich ist Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 361a; zitscherlinge Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3034;

[Bd. 31, Sp. 1681]


vom zitscherling oder zwitscherling Döbel jägerpractica (1754) 1, 66b;

als gott der herr die vöglein schuf,
ich denk, am fünften schöpfungstag,
da standen sie so stuf zu stuf,
wie man sie jetzt noch sehen mag,
der dompfaff, rothschwanz, meis' und fink,
gnug, adler bis zum zitscherling
Fr. Kind ged. (1817) 3, 254;

fringilla linaria L. zittscherling Naumann vögel (1822) 5, 174; zitscherling leinfinke Müller-Fraureuth obersächs. 2, 709b. übertragen: weil es ein weichliches vöglein, so nennt man auch einen weichlichen menschen so Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3363; Noel Chomel, öcon-physic. lex. (1750) 8, 2426.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitschern, vb., zwitschern, zirpen; als frequentativum zu zitschen aus mhd. zitzern (mhd. wb. 3, 917a), wie gleichbedeutendes zwitschern < zwitzern; vgl. auch zätschern 3 (sp. 320), zetschern (sp. 814). von vogelstimmen: zitschern garrire, minurire Aler dict. (1727) 2, 2252b; zitschern, vom laut kleiner vögel Frisch t.-lat. (1741) 2, 480b; es witzschern und zitzschern und zwitzschern die hupfenden büsche (d. h. die in den büschen hüpfenden vögel) S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 35; zu welcher (zeit) ... die vöglein mit ihren helltzitschernden zünglein und lieblich zwitschernden stimlein, den annahenden tag der schläferwelt vermeldeten Harsdörffer Diana (1661) 3, 60;

du (nachtigall) suchest durch gekünstelt zitschern
verlangter langmuth linderung,
und durch ein springendes und tieffes zwitschern
der grausamkeiten hinderung
b. Feind dt. ged. (1708) 415;

alte leute schlafen wenig, drum sie ein klein vöglein mit seinem zitschern ... gar leichtlich aufwecken kan Paullini philosoph. luststunden (1709) 1, 790. mundartlich: zitschern zwitschern (vom rotschwänzchen) Jungandreas schles. zeitwortbildung 42; s. auch Fischer schwäb. 6, 3491 mit belegen. vom zirpen der heuschrecke: eine zitschrende heuschreck Stockfleth macarie (1669) 162; das weiblein (der heuschrecken) zitschert mit den flügeln qu. v. 1750 bei Müller-Fraureuth 2, 709b; zitschern (von heuschrecken) criqueter Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1683c; auf menschen übertragen: dieses meineydige volk (d. Juden) oder vielmehr die herümschweiffende rotte zitschert und lispelt, solcher ehemals heiligen sprache (d. hebräischen) noch etwas ähnlich Neumark palmbaum (1668) 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitschkern, vb., vom laut der schwalbe, grille Jungandreas schles. zeitwortbildung 90; zum vorigen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitschmaus, f., art von sorex L. vgl. zischmaus unter 1zischen 2 b. nur lexikalisch belegt: araneus mus ein spitz- oder zitschmauss, denn sie sollen vergifftet seyn Corvinus fons lat. (1646) 68; zitschmauss oder spitzmauss une musaraigne, ou une petite souris à long muffle, mus araneus Duez germ.-gall.-lat. (1664) 717.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zittel, m., entrundete nebenform zu züttel (teil 16, sp. 876); ein armer zittel ein armer kerl, ein dummer tropf (Elsasz) Klein dt. provinzialwb. 2, 248;

du unfletiger grober zittel,
wüst über wüst, rutzig und schmotzig
Wickram w. 4, 71 lit. ver;

ach gott, der gt arm zittell hatt jetzund alles seines adels vergessen ebda 2, 69; 5, 230.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitter, m., f., n., deichsel. s. zieter (sp. 1238).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitter, ziter, sit(t)er, sinter, m., f. (auch n.?), ein nur im nördlichen Harzvorland, bes. aus Gernrode, Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg bezeugtes wort, die z. t. auch als archiv verwendete sakristei in den kirchen bezeichnend. die herkunft des seit der mitte des 14. jhs. aus mnd. urkunden belegten wortes ist noch nicht eindeutig geklärt. von den durch eine anfrage im nd. kbl. 7, 7 angeregten deutungen ist

[Bd. 31, Sp. 1682]


zu erwägen die herleitung aus mlat. sanctuarium (> nd. sinter > siter nd. kbl. 7, 46f.) oder aus secretarium (über dt. zwischenformen > mlat. siterum > dt. siter nd. kbl. 16, 30), die mlat. beide die bedeutung 'sakristei' haben. während die frühen belege (s. u.) das masc. zeigen (das neutr. läszt sich nicht belegen), herrscht in neuerer zeit im genus unsicherheit, anscheinend hervorgerufen durch Adelung2 4, 1727, der das wort als fem. kennzeichnet. in der lautgestalt und schreibweise variiert das wort stark. der anlautende dental schwankt in den frühen urkunden zwischen spirans und affrikata: unter dem syttere (1396) Erath codex dipl. Quedlinb. (1764) 617; in dem czitere (1457) 782; in dem czytter (1458) 786. inlautenden nasal zeigt: XXII gr. vor eyn schrangkdör an den alden syntere (1458) Magdeburger baurechn. in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. preusz. staates 10 (1833) 184 Ledebur. nur aus sekundären quellen belegt ist die form: syterie nd. kbl. 7, 7; siterie Lübben-Walther mnd. hwb. 350a. belege: so scole wy ... datsilve gelt ... lecghen up unsen siter t Gherenrod (Gernrode 1358) cod. dipl. Anhaltinus 4, 130 Heinemann; alse der von Osterwick bref utwiset, den we in unsem zitere to sinte Mertene licgene hebben (Halberstadt 1377) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, 473 G. Schmidt; deme altare sunte Johannis Baptisten up unser borch up dem sytere (Quedlinburg 1389) urk.-b. d. st. Quedlinburg 1, 191; ein richtiges inventarium über den cyter (17. 12. 1705) protok. d. Halberst. domkapitels in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. pr. staates 10 (1833) 179 Ledebur; in der sacristei der oberkirche, dem sogenannten zitter, wies man ihnen ... den bartkamm des unten begrabenen königs D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 10, 4; die zitter (in der stiftskirche zu Quedlinburg) enthält wertvolle denkmäler mittelalterlicher kunst Meyers reisebücher, d. Harz (161901) 33; im nordkreuz (der Quedlinb. stiftskirche) ist dann noch vor 1200 der sog. zither, einst sakristei, jetzt schatzkammer, eingebaut worden P. J. Meier d. kirchen in Quedlinburg (1932) 19. noch jetzt ist in der umgebung von Wernigerode tsītər 'sakristei' älteren leuten bekannt (auskunft von K. Bischoff). — zusammensetzungen zitter-gewölbe, -mann, -meister (s. d.).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zitter, m., f., bezeichnung verschiedener flechten- und krätzeartiger hautkrankheiten, dass. wie DWB zittrach. auf idg. *de(r)-dru- zurückgehend; die germ. und idg. verwandten s. unter DWB zittrach. als simplex nur vereinzelt lexikalisch und mundartlich belegt; meist, da offenbar schon früh nicht mehr verstanden, mit einem zweiten erläuternden nomen komponiert (s. zitterflecke, -flechte, -mal, -rapp, -rose; zittersche). altes mascul. zeigen: zitter, m., der böse grind Fulda idiotikenslg. 601; der zitter, des -s Adelung2 4, 1727. fem., wohl in analogie zu flechte, zeigen: zitter, f., hautflechte Martin-Lienhart elsäss. 2, 920a; gegen die zitter Haltrich volksk. d. Siebenbürger Sachsen 266. unverschobener dental im anlaut begegnet im ahd. kompositum: petigo tetřafa (9. jh.), tetafic (9./10. jh.; der zweite kompositionsteil vîc 'feigwarze') ahd. gl. 2, 597, 17 St.-S.; tetrafig (12. jh.) 598, 36. sonst zeigt das im ahd. nur als kompositum bezeugte wort anlautend affrikata: impetigo warza, cittarouga ('eine mit zitterach-ausschlag entstellte augengegend' Höfler krankheitsnamenb. 23a) ahd. gl. 1, 351, 51 St.-S.; inpetiginem cittarlus (8./9. jh.; 'der im zitterach-ausschlag lebende läuseparasit; der von diesem parasiten nach dem volksglauben erzeugte zitterach selbst' Höfler 356) 354, 2; cittirlus 2, 201, 72; inpetigo citterlûs (11./12. jh.) 3, 501, 41; cŏterlus, rŏdo (11. jh.) 277, 6; impetigo citirlus vel rudigi (12. jh.) 2, 212, 52; inpetigo citterllus, ruda (13. jh.) 3, 302, 2. zu diesem kompositum auch wohl citervs (11./12. jh.; Steinm.: lies citerlvs) 4, 204, 2; petigo citirvs (11./12. jh.) 207, 12. unverschobenes mundartliches tattere (pl.) flechten Weitz Aachen 244 ist wohl aus gleichbedeutendem frz. dartre entlehnt. die mnd.

[Bd. 31, Sp. 1683]


und nd. belege (s. u.) sind, wie die anlautende affrikata zeigt, entlehnungen aus dem hochdeutschen. der stammsilbenvokal ist in den md. und nd. belegen zu e gesenkt: zäter, f., flechtenartiger ausschlag Kramer Bistritz 142; zätter, f. Haltrich siebenbürg.-sächs. 117; eine zeter (flechte am munde; West-Havelland) zs. d. ver. f. volkskde (1897) 73. eine verkürzte form mit ausfall der endsilbe zeigt sich in einigen kompositis: petigo citthruos (10. jh.; 'konsensuell oder sympathisch anschwellende drüsen beim zitterach; zitterach ... selbst' Höfler 106a) ahd. gl. 2, 607, 9 St.-S.; impetigo zitdruas (11. jh.) 241, 11; papula ein zittmahl, ἐξάνθημα Garth lex. lat.-germ.-graec. (1657) 566b; (weitere beispiele s. unter DWB zitterrapp, DWB zitterrose 1). dagegen ist die endsilbe erhalten in zitterdrusze Hildegard v. Bingen bei Diefenbach nov. gl. 211a. die gekürzte form tritt auch in einigen (vermutlichen) kompositis auf, deren zweiter kompositionsteil schwer deutbar ist: zittriben zitter an dem leibe Hulsius-Ravellus (1616) 432a; zittribe Stoer all.-frç.-lat. (1663) 635; zeatrüwe (westerwäld.) Kehrein Nassau 453; zittrus, zittruus, n., zittermahl oder vielmehr eine art krätze an menschen und vieh Stalder Schweiz 2, 476. ähnliche ungekürzte, jedoch gleichfalls schwer deutbare formen (verderbungen von zitterdrüse, zitterrose?) sind in alem. mundarten häufiger belegt: tsittarhūs, n., krätze Schmid Entlebuch 50; tsittərūssə hautausschlag Henzen Freiburg 142; zitteraus lichen Schmidt id. Bernense 81. der plural von zitter lautet wie der sg. Adelung2 4, 1727; mit anfügung von e: tsìtərə Martin-Lienhart; mit anfügung von -n wie in blattern, zittrachen (s. d.): zettern Kuhn (s. u.); zittern Kehrein Nassau 455.
belege aus dem hd. raum: impetigo zytter, flächten Gersdorff feldb. d. wundarzn. (1528) 99; zitter, flechte impetigo, mentagra Emmelius (1592) 113; zitter, zittrich ò zittermal impetigine, volatica Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; 'der trockne grind bey dem rindviehe, welcher gleichfalls das geflecht, ingleichen der zitter genannt wird' Adelung2 2, 190; zitter ist die räude bei manchen thieren unserer landwirthschaft Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1027a; zither ein krätzenartiger ausschlag Hintner Defferegger ma. 244. belege aus dem nd. raum: sorpido (serpigo) eis een ongemac dat men heet zeter ende inpigno (impetigo) mnd. qu. a. d. 14. jh. bei Schmeller-Fr. 2, 1165; gegen die zetern. man gehe an eine gelbweide, streiche mit einem zweige derselben dreimal über die zetern und spreche:

die zeter und die weide,
die wollten beide streiten,
die weide die gewann,
die zeter, die verschwand (Osthavelland)
A. Kuhn-W. Schwartz norddt. sagen, märchen u. gebräuche (1848) 441;

(wenn das rindvieh vom grind befallen ist, sagt man:)

guten morgen zettern!
du sollst weichen vom rindfleisch
wie der jud' vom schweinefleisch!
A. Kuhn sagen, gebr. u. märchen a. Westfalen (1859) 2, 210.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: