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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitrulle bis zitter (Bd. 31, Sp. 1679 bis 1681)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitrulle, f., citrullus vulgaris Schrad., wassermelone, vgl. Marzell pflanzennamen 1, 1029 und 1387. entlehnt aus frz. citrule (14./16. jh.) Gamillscheg etym. wb. d. frz. sprache 225. das i in citrullien, zitrullien-kern Marperger kaufmannsmagazin (1708) 288 ist unter einflusz von it. cetriuoli (dem pl. zu cetriuolo) entstanden wie citronien zu zitrone: citrullen cucumis citrulus Schönsleder prompt. (1618) K 1b; zitrulle cedruglia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; noch fint man eyn geschlecht diser cucumeren, das ist inn allen dingen denselben änlich, aber kleyner mit groszen braunen breytten kernen besetzt. die bletter sind allerding anzusehen wie das laub an den fremden coloquinten oder wie die bletter an der brionien

[Bd. 31, Sp. 1680]


mit vilen schnitten oder kerfen zerspalten, dieselbige nent man citrullen Bock new kreutterb. (1539) 2, 73b; ein auszgehöhlte zitrulle O. Dappers Africa (1671) 630a; citrullen Hohberg georg. cur. 1 (1682) 505; die citrullen oder angurien seyn kalt und feucht wie die melonen ..., sie seyn des sommers über nützlich und gut wider die hitz, wider den durst und entzündung der leber Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 860; zitrullen Ritter erdkde (1822) teil 13, 443.
 
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zitscheln, vb., zwitschern Jecht Mansfeld 128a; zum folgenden.
 
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zitschen, vb., zwitschern, zirpen, piepsen; zischen, quietschen. lautmalend, besonders von vogelstimmen; vgl. ähnliches zätschen 2 (sp. 320), zietschen (sp. 1239), zötschen (teil 16, sp. 127), zwitschen (teil 16, sp. 1402), sowie zitscheln, zitschern. häufig substantiviert. vom laut der vögel: curruca, est avis der zötschet, zötzschen, zitzschen Schottel haubtspr. (1663) 1449; zitschen far' il verso di certo uccellino che fà zitsch zitsch! ò zötsch zötsch! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; es ist eine schwalbe die uber mir hinferet und zitzschet ein wenig Luther 54, 171 W.; (rotkehlchen) sind scheuer als viel andere junge vögel des waldes und lassen nur wenn sie sicher zu sein glauben, ein kurzes zitschen ... hören Naumann vögel (1822) 2, 1, 411. auch vom laut anderer tiere (Campe 5, 875a): von natur müssen sie (heuschrecken) zitschen und pfeiffen (1627) bei Fischer schwäb. 6, 1245; wann er ein hund gautzen oder ein mauss zitschen höret ebda. im sinne von zischen: sibilus piszpeln, zitschen (obd. 16. jh.) Diefenbach nov. gl. 337b; mit gleichsam einer canon zitschenden, also singend bald herbeykommenden kugel (1663) bei Fischer schwäb. 6, 1245. auf den menschen übertragen: (zauberworte) mit zitschen oder mit hauchen ... ausszusprechen ebda; wenn dieses zitschen auf der seite der weiber erklang Stehr d. heiligenhof (1918) 2, 36. in der bedeutung 'quietschen' bei Jungandreas schles. zeitwortbildung 42.
 
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zitscherlein, n., birkenzeisig, carduelis flammea (L.), wie zitscherling (s. d.) ableitung zu zitschern, möglicherweise in anlehnung an das gleichfalls lautmalende slaw. čečet (vgl. Berneker slaw. etym. wb. 1, 138) und das davon abgeleitete mit zitscherlein bedeutungsgleiche tschech. čečetka, poln. czeczotka (vgl. Suolahti d. dt. vogelnamen 123), vgl. auch: zätscher (sp. 320), zetscher (sp. 814), tschätscher (teil 11, 1, 2, sp. 1441), zötscherlein (teil 16, sp. 127), sowie gleichbedeutendes ziserinchen: linaria rubra zitscherlein Zehner nomencl. (1663) 299; zitscherlein Aler dict. (1727) 2, 2252b; das zitscherlein 'in einigen gegenden der nahme einer art hänflinge, von ihrer zwitschernden stimme' Adelung 4 (1801) 1727; meerzeiszlein, auch grässerlein oder zitscherlein benennt, ist ein kleiner graugespreckelter vogel, so an der brust eine anmuthige rothe farbe hat und hier zu lande nur zu zeiten im herbst und winter angetroffen wird Heppe wohlred. jäger (1779) 267a; fringilla linaria L. zizcherlein Naumann vögel (1822) 5, 174; zitscherlein fringilla linaria Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 262.
 
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zitscherling, m., birkenzeisig, carduelis flammea (L.). neben zitscherlein ableitung zu zitschern wie gleichbedeutendes zwitscherling (s. d.) zu zwitschern: 'der zitscherling ... hat den namen von seiner zitschernden stimme erhalten' Hagedorn s. poet. w. (1764) 46. vgl. auch schitscherling teil 9, sp. 227; zitscherling ziehet hier zu lande wie der seidenschwantz sehr selten ... es ziehet derselbe, wenn er kommt, in groszer menge als der zeissig, ist auch von solcher grösse und gestalt, aber an der farbe weit schöner, zumahl das hähn- oder männlein, welches an der brust sonderbar roth gesprengelt, auf dem rucken aber grau spräcklich ist Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 361a; zitscherlinge Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3034;

[Bd. 31, Sp. 1681]


vom zitscherling oder zwitscherling Döbel jägerpractica (1754) 1, 66b;

als gott der herr die vöglein schuf,
ich denk, am fünften schöpfungstag,
da standen sie so stuf zu stuf,
wie man sie jetzt noch sehen mag,
der dompfaff, rothschwanz, meis' und fink,
gnug, adler bis zum zitscherling
Fr. Kind ged. (1817) 3, 254;

fringilla linaria L. zittscherling Naumann vögel (1822) 5, 174; zitscherling leinfinke Müller-Fraureuth obersächs. 2, 709b. übertragen: weil es ein weichliches vöglein, so nennt man auch einen weichlichen menschen so Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3363; Noel Chomel, öcon-physic. lex. (1750) 8, 2426.
 
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zitschern, vb., zwitschern, zirpen; als frequentativum zu zitschen aus mhd. zitzern (mhd. wb. 3, 917a), wie gleichbedeutendes zwitschern < zwitzern; vgl. auch zätschern 3 (sp. 320), zetschern (sp. 814). von vogelstimmen: zitschern garrire, minurire Aler dict. (1727) 2, 2252b; zitschern, vom laut kleiner vögel Frisch t.-lat. (1741) 2, 480b; es witzschern und zitzschern und zwitzschern die hupfenden büsche (d. h. die in den büschen hüpfenden vögel) S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 35; zu welcher (zeit) ... die vöglein mit ihren helltzitschernden zünglein und lieblich zwitschernden stimlein, den annahenden tag der schläferwelt vermeldeten Harsdörffer Diana (1661) 3, 60;

du (nachtigall) suchest durch gekünstelt zitschern
verlangter langmuth linderung,
und durch ein springendes und tieffes zwitschern
der grausamkeiten hinderung
b. Feind dt. ged. (1708) 415;

alte leute schlafen wenig, drum sie ein klein vöglein mit seinem zitschern ... gar leichtlich aufwecken kan Paullini philosoph. luststunden (1709) 1, 790. mundartlich: zitschern zwitschern (vom rotschwänzchen) Jungandreas schles. zeitwortbildung 42; s. auch Fischer schwäb. 6, 3491 mit belegen. vom zirpen der heuschrecke: eine zitschrende heuschreck Stockfleth macarie (1669) 162; das weiblein (der heuschrecken) zitschert mit den flügeln qu. v. 1750 bei Müller-Fraureuth 2, 709b; zitschern (von heuschrecken) criqueter Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1683c; auf menschen übertragen: dieses meineydige volk (d. Juden) oder vielmehr die herümschweiffende rotte zitschert und lispelt, solcher ehemals heiligen sprache (d. hebräischen) noch etwas ähnlich Neumark palmbaum (1668) 2.
 
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zitschkern, vb., vom laut der schwalbe, grille Jungandreas schles. zeitwortbildung 90; zum vorigen.
 
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zitschmaus, f., art von sorex L. vgl. zischmaus unter 1zischen 2 b. nur lexikalisch belegt: araneus mus ein spitz- oder zitschmauss, denn sie sollen vergifftet seyn Corvinus fons lat. (1646) 68; zitschmauss oder spitzmauss une musaraigne, ou une petite souris à long muffle, mus araneus Duez germ.-gall.-lat. (1664) 717.
 
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zittel, m., entrundete nebenform zu züttel (teil 16, sp. 876); ein armer zittel ein armer kerl, ein dummer tropf (Elsasz) Klein dt. provinzialwb. 2, 248;

du unfletiger grober zittel,
wüst über wüst, rutzig und schmotzig
Wickram w. 4, 71 lit. ver;

ach gott, der gt arm zittell hatt jetzund alles seines adels vergessen ebda 2, 69; 5, 230.
 
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zitter, m., f., n., deichsel. s. zieter (sp. 1238).
 
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zitter, ziter, sit(t)er, sinter, m., f. (auch n.?), ein nur im nördlichen Harzvorland, bes. aus Gernrode, Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg bezeugtes wort, die z. t. auch als archiv verwendete sakristei in den kirchen bezeichnend. die herkunft des seit der mitte des 14. jhs. aus mnd. urkunden belegten wortes ist noch nicht eindeutig geklärt. von den durch eine anfrage im nd. kbl. 7, 7 angeregten deutungen ist

[Bd. 31, Sp. 1682]


zu erwägen die herleitung aus mlat. sanctuarium (> nd. sinter > siter nd. kbl. 7, 46f.) oder aus secretarium (über dt. zwischenformen > mlat. siterum > dt. siter nd. kbl. 16, 30), die mlat. beide die bedeutung 'sakristei' haben. während die frühen belege (s. u.) das masc. zeigen (das neutr. läszt sich nicht belegen), herrscht in neuerer zeit im genus unsicherheit, anscheinend hervorgerufen durch Adelung2 4, 1727, der das wort als fem. kennzeichnet. in der lautgestalt und schreibweise variiert das wort stark. der anlautende dental schwankt in den frühen urkunden zwischen spirans und affrikata: unter dem syttere (1396) Erath codex dipl. Quedlinb. (1764) 617; in dem czitere (1457) 782; in dem czytter (1458) 786. inlautenden nasal zeigt: XXII gr. vor eyn schrangkdör an den alden syntere (1458) Magdeburger baurechn. in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. preusz. staates 10 (1833) 184 Ledebur. nur aus sekundären quellen belegt ist die form: syterie nd. kbl. 7, 7; siterie Lübben-Walther mnd. hwb. 350a. belege: so scole wy ... datsilve gelt ... lecghen up unsen siter t Gherenrod (Gernrode 1358) cod. dipl. Anhaltinus 4, 130 Heinemann; alse der von Osterwick bref utwiset, den we in unsem zitere to sinte Mertene licgene hebben (Halberstadt 1377) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, 473 G. Schmidt; deme altare sunte Johannis Baptisten up unser borch up dem sytere (Quedlinburg 1389) urk.-b. d. st. Quedlinburg 1, 191; ein richtiges inventarium über den cyter (17. 12. 1705) protok. d. Halberst. domkapitels in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. pr. staates 10 (1833) 179 Ledebur; in der sacristei der oberkirche, dem sogenannten zitter, wies man ihnen ... den bartkamm des unten begrabenen königs D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 10, 4; die zitter (in der stiftskirche zu Quedlinburg) enthält wertvolle denkmäler mittelalterlicher kunst Meyers reisebücher, d. Harz (161901) 33; im nordkreuz (der Quedlinb. stiftskirche) ist dann noch vor 1200 der sog. zither, einst sakristei, jetzt schatzkammer, eingebaut worden P. J. Meier d. kirchen in Quedlinburg (1932) 19. noch jetzt ist in der umgebung von Wernigerode tsītər 'sakristei' älteren leuten bekannt (auskunft von K. Bischoff). — zusammensetzungen zitter-gewölbe, -mann, -meister (s. d.).

 

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