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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitronat bis zitronen(en)duft (Bd. 31, Sp. 1669 bis 1676)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitronat, n. (früher m., f.), zitronate, f., zitrinat(e), m., f., die zerteilte und in zucker eingemachte schale einer groszen zitronenart, succade; die frucht, aus der die succade gewonnen wird, die zitronatzitrone; der zitronatbaum. zur herstellung der succade (vgl. teil 10, 4, sp. 832) s. Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 147. zitronat ist im 16. jh. über frz. citronnat aus dem von citrone abgeleiteten it. citronata (zur verwendung des suffixes -ata im it. vgl. G. Rohlfs hist. gramm. d. it. sprache § 1129) ins dt. entlehnt, teils auch direkt aus dem ital. (citronata für das it. belegt bei Kramer it.-t. [1693] 226a); vgl. die it. form im dt. satzzusammenhang bei Hohberg: die citronata (unten

[Bd. 31, Sp. 1670]


zu 1) georg. cur. 1 (1682) 224. von der ersten hälfte des 16. jhs. bis ins 17. jh. ist daneben im dt. die form zitrinat belegt, verkürzt aus zitrinatapfel (s. d. unter zitronatapfel). in der bedeutung 'succade' gilt bis in die jüngste zeit das masc. (s. unter 1), das heute für diese bedeutung allein gültige neutr. zuerst bei Sanders (neben dem masc.) wb. d. dt. spr. 1 (1860) 256a. als frucht fem. (s. unter 2), als baum in älterer zeit masc. (s. Martius, Sebiz unter 3), in neuerer zeit fem. (siehe Hehn unter 3). zur doppelschreibung des t in mundartl. belegen vgl. das bei zitrone darüber gesagte: citternat qu. bei K. Albrecht Leipzig 3; zitternad quelle bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 921b; qu. bei Askenasy Frankfurt 55. eindeutschungsversuche durch metathese des r unter gleichzeitiger reduktion des mittelsilbenvokals nur mundartl. (s. ob.), sowie in den ältesten belegen: citernat (1537) zs. f. dt. wortf. 15, 217b. gelegentliches d des suffixes wohl in anlehnung an it. mundartformen (vgl. venetian. veciada Rohlfs a. a. o.): citronaden Hohberg georg. cur. 1 (1682) 224; 234; oder in analogie zu frz. citronnade limonade: zitternad Martin-Lienhart, Askenasy s. oben; zitronade El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 20. das endungs-e nur beim fem.: die citronate Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144; die zitronate Hehn kulturpfl. u. haustiere (81911) 452; neben der endungslosen form: die grosze citronat Gryphius lustsp. 281 Palm; die grosze genuesische citronat Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 145. die belegten pluralformen (zum fem. gehörig) sind schwach: citrinaten (nom. pl.) Bock kreutterb. (1587) 366a; u. a.
1) die zerteilte und in zucker eingemachte schale einer groszen zitronenart, succade; zum bedeutungsunterschied zwischen zitronat und succade vgl. unten Karmarsch-Heeren. lexikalisch erst im 18. jh. belegt: zitronat cedronata Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; citronnat citronenschalen mit zucker eingemacht Wächtler comm. manual (1703) 1, 64; der citronat eingemachte unreife citronenschalen Adelung 1 (1774) 1207. zitronat wird als arzneimittel, vor allem aber in der küche verwendet: 3 grosz schachtel mit eingemachten citernat (1520—21) A. Dürer tageb. 74 Leitschuh; lasz auch die rinden oder was du von solichen citrinatenöpffeln einmachen oder einbeytzen wilt wol sieden ... solche einbeytzung nennet mann citrinat, ist ein nützliche und sehr krefftige artzney und hilff für alles vergifft, sterckt das hertz in sonderheyt, und bekrefftigt die leblichen geyster durch seinen gten geruch. darumb solicher citrinat bei erfarnen ärtzten inn hefftigem brauch ist Ryff confectb. (1548) 114b;

die fressen wir sew allzeit gern.
für pomerantzen und muscat,
für nägelein und zitrinat (1565)
Hans Sachs 21, 316 lit. ver.;

etwas von citrinat und andern dergleichen hertzstärckenden dingen Grimmelshausen 2, 537 Keller; der grüne citronat, welchen wir an speisen gebrauchen, wird in Italien und den südlichen provinzen von Frankreich ... eingemacht und in fässern zu uns gebracht Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 148; pfefferkuchenteig, von mandeln strotzend und zitronat O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 449; (die zitronenschale) wird dann aus dem zuckersyrup herausgenommen und getrocknet (citronat) oder in dem safte eingelegt und so in den handel gebracht (succade) Karmarsch-Heeren technol. wb. 2 (1877) 364; 70 g kleingeschnittener zitronat Davidis prakt. kochb. (371898) 523 Holle; man ... schneidet das zitronat ... in kleine schmale streifchen M. Hahn illustr. kochb. (16-181921) 532. mundartlich heiszen auch die in geschmolzenen zucker getauchten orangeschalen zitronat Hügel Wien 195; Martin-Lienhart elsäss. 2, 921b.
2) die zitronatzitrone (s. d.), aus der die succade gewonnen wird. gleichbedeutend mit zitrone 1 b, zitronatapfel

[Bd. 31, Sp. 1671]


(s. diese). lexikalisch seit der mitte des 17. jhs. belegt: malum citrium citrone oder citrinât Zehner lat.-germ. (1645) 199; 'zuweilen wird auch eine art reifer zitronen, welche eine grüne farbe haben, nach dem muster des italiänischen, mit diesem namen beleget; allein alsdann ist das wort zugleich weibliches geschlechtes, die citronate, plur. die -n' Adelung 1 (1774) 1207; die frembd frucht der wolriechenden, schönen, goldtgelben citrinaten oder judenöpffel Ryff confectb. (1548) 112a; die pommerantzen, citronaten, limonen Sebiz feldbau (1580) 59;

die pomerantzen wachsen fein,
die citrinat und weinberlein
Hayneccius Hans Pfriem 79 ndr.;

die limonien werden auch unter das geschlecht der citrinat gerechnet, wegen ihrer krafft und ihrer gestalt, auszgenommen, dasz sie kleiner seyn und langlecht, haben auch nicht so ein dicke haut oder rinde, seyn auch safftiger, am geschmack sauwr und bleich Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 662a; von den citronaten sind diejenigen die besten, welche das dickste fleisch haben, weil daraus in Italien der grüne citronat (zu 1) oder die succade bereitet wird Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144. wohl ohne die vorstellung einer bestimmten zitronenart (vgl. Mathesius unter zitrone 1 a): wenn ein theurer man ein wort redet zu seiner zeit, das ist freylich wie ein gülden apffel oder schöne pomerantzen unnd citrinat inn einer silbern schalen Mathesius Luther (1576) 147a.
3) zitronatbaum, an dem die zitronatzitrone wächst; vgl. DWB zitrone 2: der citrinat wirt auff treierley weisz gesäyet oder gepflantzet Martius v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 81b; wann du den citrinat pflantzen wilt Sebiz feldbau (1580) 279; ob wol der pomerantzenbaum mit seinen ewigen grünen streiffen blettern unnd dornen den vorgesetzten citrinaten gar ähnlich, so ist es doch meines erachtens ein besonderer apffelbaum Bock kreutterb. (1587) 367a; der ganze baum (die bizarrie) ist ... halb citronat und halb orange Krünitz öcon. encycl. 3 (1774) 96; um diese zeit also wächst auch in Unteritalien immer noch die zitronate der alten Hehn kulturpfl. u. haustiere (81911) 452.
4) vereinzelt 'limonade', wohl durch übertragung der bedeutung von frz. citronnade auf zitronat: citronat citronenscheele mit zucker eingemacht, item ein tranck von zucker und citronen Sperander a la mode-sprach (1728) 117a.
 
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zitronatapfel, zitrinat(en)apfel, m., zitronatzitrone, dass. wie DWB zitronat 2. zitrinatapfel nach neulat. malum citrinatum (belegt bei Tabernämontanus neuw kreuterb. [1591] 658b) und das analog gebildete zitronatapfel sind wie zitronenapfel 1 (s. d.) nur bis zum 17. jh. belegt: die schelffen und marck der groszen gelben citrinatenöpffel einzumachen Ryff confectb. (1548) 112a; die pomerantzen seyn auch ausz dem geschlecht der citrinatäpffel Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 660a; Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 35; einen citronatapffel von den zuckerfrüchten Gryphius lustsp. 244 Palm.
 
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-baum, m., der baum, an dem die zitronatzitrone wächst, vgl. DWB zitronat 3: citrus citrinatbaum (1587) Diefenbach gl. 124c; so wirdt auch diser citrinatbaum an warmen orten im aprillen, und an kalten im meyen geimpfft Martius v. d. feldbau vnd ackerwerck (1580) 78; citronenbaum und citronatbaum Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 658b; citronatbäume Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144. —
 
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-zitrone, f., die frucht, aus der die succade oder das zitronat gewonnen wird (vgl. zitronat 2): zitronat ... ist die mit zucker kandierte unreife schale der zitronatzitrone ..., die für konditorwaren und feines backwerk unentbehrlich ist F. Seiler lehnwort 14, 331.
 
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zitrönchen, s. zitrönlein.

[Bd. 31, Sp. 1672]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitrone, f. , (auch zitrin), citrus medica L.; vgl. Marzell pflanzenn. 1, 1031. nl. citroen, engl., frz., schwed., dän. citron. in der form zitrone (zu zitrin s. 3zitrin) entlehnt aus it. citrone; einige endungslose formen im dt. (s. u.) lassen auch einwirkung von frz. citron vermuten.das genus hat sich wie bei limone vom masc. im it. und frz. zum fem. im dt. gewandelt, bei Hohberg steht aber auch im dt. das masc.: dieses zitrons georg. cur. 1 (1682) 223; den zitron ebda 224, neben dem fem.: von einer eingemachten zitron ebda 222. gelegentliches tt deutet wohl die auch heute umgangssprachlich verbreitete kurze offene aussprache des i an, vgl. die komposita: zitteronsafft (1554) Augsb. kochbuch (1886) 9d; cittronenpulver Elisabeth Charlotte v. Orleans br. (1721—22) 261 Holland. mundartlich entsteht in der gruppe tr gelegentlich ein sproszvokal: citerone Albrecht Leipzig 23; dsìdər A. Lang Zschorlau 32. betontes ō der endsilbe erscheint in mehreren, bes. westdt. maa. als ū: zitrún Rovenhagen Aachen 168; citruen, zitruen Niessen rhein. volksbotanik 1, 271; tsitrúnn Lenz Handschuhsheim 80; tsitrúunə Meisinger Rappenau 213. der sg. in älterer zeit auch ohne auslautendes e: zitron, citron, zitrone Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469b; citron Frisch t.-lat. (1741) 1, 170c; ein schwacher sg. bei Scriver: von einer citronen seelenschatz (1737) 1, 374b; der nom. pl. ist in älterer zeit neben üblichem zitronen gelegentlich kontrahiert: citron Martius v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 78; zitron Guarinonius grewel (1610) 537. in den kompositis steht in älterer zeit zitron- neben zitronen-: citronäpffeln Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 178; citronenapffel ebda 1, 55; zitronbäume Lohenstein Arminius (1689) 2, 81a; citronenbaum M. Herr feldbau (1551) 123a. in jüngerer zeit begegnet zitron- nur noch vereinzelt: zitrongelben J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 403; zitronvogel Brehm tierl. 6, 68 P.-L. auszer der nebenform zitrin, die bereits im frühen 15. jh. belegt ist und bis ins 17. jh. vorkommt, erscheint bis zum ende des 17. jhs. eine aus dem ital. plural citroni übernommene form, die im dt. als sg. aufgefaszt wird: über den citroni Hohberg georg. cur. 1 (1682) 224 und deshalb im pl. zusätzlich mit der dt. endung versehen wird: citronien Frisius lat.-germ. (1556) 229a; Maaler teutsch spraach (1561) 84b; Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) 431. neben dem üblichen zitron-, zitronen- findet sie sich auch in zusammensetzungen: citronbaum ... citronienbaum Frisius lat.-germ. (1556) 229a; pomerantzen, limony und zitronyschelffen Guarinonius grewel (1610) 536; mit citronenblühe oder ... citroniwasser Hohberg georg. cur. (1682) 1, 247; zitronisaft Abr. a s. Clara w. 2, 197 Strigl; citronensafft ders., Judas 3 (1692) 225.
eine der citrusarten, deren heimat Indien, China und der Malaiische archipel ist und zu denen auszer der zitrone auch die apfelsine, pomeranze und pampelmuse gehören, wird den Griechen auf den Alexanderzügen in Persien bekannt und zuerst von Theophrast beschrieben; die frucht, die auf dem handelswege bald nach Griechenland, später auch nach Rom kommt, wird nach dem herkunftsort μῆλον μηδικὸν 'medischer apfel' genannt. in Rom wird der bis kopfgrosze, stark duftende und deshalb zum schutz gegen ungeziefer gern in kleidertruhen gelegte malum medium mit der dickfleischigen schale (wohl die bei uns zitronatzitrone genannte unterart von citrus medica L.) vom volke für die frucht eines der zeder (lat. cedrus) ähnlichen afrikanischen nadelbaums (lat. citrus) gehalten, dessen holz gleichfalls zum schutz gegen ungeziefer verwendet wurde; vgl. Hehn kulturpfl. u. haustiere (81911) 442f.; F. Seiler kultur im spiegel d. dt. lehnworts 32, 233f.; Hegi ill. flora v. Mitteleuropa 5, 1, 56 f.; anders Walde-Hofmann 1, 223. als im 3. jh. n. Chr. der zitronatbaum auch in Italien selbst angepflanzt wurde, war die bezeichnung malum citreum oder citrum für die frucht schon so allgemein, dasz sich der irrtum trotz des bemühens

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römischer schriftsteller nicht mehr beseitigen liesz und citrus die bezeichnung auch für den zitronatbaum blieb. die nun einmal hergestellte verbindung zwischen einem zederähnlichen baum und dem zitronatbaum sowie der lautliche zusammenfall von lat. cedrus, citrus > it. cedro 'zeder, zitronatbaum' mögen der grund sein, dasz im mlat. die frucht des zitronatbaums und später auch die des zitronenbaums (s. u.) gelegentlich mit pomum cedri (oder ähnlich) und im dt. entsprechend mit zeder(baum)apfel bezeichnet wird. mhd. noch in lat. form: poma cedri pomcedern (13. jh.) ahd. gl. 3, 385, 67 St.-S.; 386, 59. später in dt. übersetzung: pomum cedrinum ceder pam apphel (15. jh.) Diefenbach gloss. 446c; cedripomum ein zederapffel voc. ex quo (15. jh.) d 6a; limone, lemone, frutto noto cederapffel, lymon Hulsius it.-teutsch (1618) 228a. wahrscheinlich im 13., 14. jh. kommt unter dem türk. namen limon und dem arab. laimūn (beide < pers. līmūn) die kleine, dünnschalige, saftreiche varietät von citrus medica, unsere zitrone, nach Europa. Italien gibt die bald in der arzneikunst, vor allem aber in der küche gern gebrauchte limone mit dem namen nach Deutschland weiter. im dt. sind benennungen für früchte von citrus medica seit ende des 15. jhs. durchlaufend (vereinzelte frühere nennungen s. Marzell a. a. o.) belegt. zunächst: zeder(baum)-apfel (s. o.), zitrinapfel; seit der ersten hälfte des 16. jhs.: zitrin, zitrinatapfel, zitrinat(e), zitronapfel (s. d.), zitrone, zitronatapfel (s. d.), zitronat(e) (s. d.), limonapfel, limone. während it. citrone, das anscheinend schon um 1700 veraltet ist und durch das synonyme cedro ersetzt wird, die zitronatzitrone bezeichnet hatte, geht es bei der entlehnung ins dt. auf die andere art von citrus medica über und verdrängt nach und nach die herkömmliche bezeichnung limone, das heute nur noch in den österreichischen, hierin offenbar vom it. beeinfluszten dialekten lebt.
1) zitrone als frucht; vgl. DWB zitronenapfel 1 sowie als verdeutschungsversuch goldapfel 1 c (teil 4, 1, 5, sp. 713). lexikalisch seit der mitte des 16. jhs. belegt: citrea mala citronien oder pomerantzenöpffel Frisius dict. (1556) 229a; citronen malum citreum, citromalum, medicum malum, hesperium, assyrium Schönsleder germ.-lat. (1618) K 1b; citrone limone, citrone, kleine citron limoncello Kramer t.-ital. (1678) 318b; grosze zitron cedro, cedrone ders., t.-ital. 2 (1702) 1469b; die citrone Adelung 1 (1774) 1207.
a) allgemein für die frucht von citrus medica oder ohne bestimmten bezug auf eine der arten: ein wort geredt zu seiner zeit, ist wie gülden epffel in silbern schalen Luther sprüche Sal. 25, 11, dazu randglosse: pomerantzen und citrin bei Dietz wb. zu Luthers dt. schr. 1, 377; im anschlusz an Luther: denn ein solchs wort zu bequemer zeit geredt, wie könig Salomon saget, ist wie ein pomerantzen, und ein citrin in silbern schalen Mathesius Sarepta (1571) 133b; pomerantzen, citronen, melonen, granatäpffel und dergleichen in silbern und hüpsch auszgearbeiteten schalen Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 463. in anderem zusammenhang: westwegen seyn (d. Hercules) ertztenes bild ... drei zitronen trüge Lohenstein Arminius (1689) 2, 341b; mein eigentlich wohlleben aber ist in früchten, in feigen, auch birnen, welche da wohl köstlich sein müssen, wo schon citronen wachsen Göthe I 30, 42 W. umgangssprachlich bezeichnete zeitweilig zitrone alle frischen früchte der zitronenarten, limone hingegen alle eingesalzenen; vgl. Woyt gazophylacium medico-phys. (1716) 538; Adelung 3 (1777) 220; Krünitz öcon. encycl. 79 (1800) 173.
b) die grosze dickschalige zitronatzitrone, aus der das zitronat hergestellt wird: die limonen sein etwas länger, haben bleyche farb, eynen sauren geschmack, sein nicht alleyn inn die kuchen gut, sondern auch zu der artzenei sehr dienstlich, dann sie erfrischen, zertheylen und tringen durch. die citronen sein lang

[Bd. 31, Sp. 1674]


und haben fast eyergestalt und eyne dicke und auszwendig gälbe rinde, seind sauer: werden zu der hertzartzenei und zu den antidotis gebraucht Sebiz feldbau (1580) 281; es werden auch die citronen mit honig oder zucker eingemacht auff solche weiss: schele die gelbe rinden von den äpffeln, schneide das weisze marck in runde oder lange stück Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 659a; alle köstliche eingemachte früchten im honig oder zucker als kütten, zitronen, weixlen Guarinonius grewel (1610) 537; der bekannteste limonienbaum ist eine abänderung des citronenbaumes, dessen frucht kleiner, eyförmiger, und kürzer ist als die citrone, auch eine blässere farbe, dünnere schale und mehr mark hat Adelung 3 (1777) 220.
c) die heute überall in Deutschland bekannte frucht (it. limone), deren saft gern als arzneimittel angewandt wird, die aber besonders als zusatz zu speisen und getränken, sowie zur limonadebereitung verwendung findet. da die zitronatzitrone in Deutschland kaum handelsüblich gewesen sein dürfte, sondern wie noch heute nur ihre candierte schale, das sog. zitronat (s. d.) oder die succade, beziehen sich die folgenden belege wohl meist auf die frucht der kleineren unterart von citrus medica L.: nim roszenwasser, und safft von citrinen (mittel gegen flechten) Gersdorff wundarzney (1517) 81c; wellicher sich hoch beklagte, das er die gebratne repphüner ohne pomerantzen und zitronen essen müszte Guarinonius grewel (1610) 93; citronen musz man mit zucker essen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 95; ach herr wirth, ist keine citrone da, die galle läuft mir in magen C. Weise erznarren 146 ndr.; bei Niethammern habe ich auch ein neues getränk kennen lernen ... es wird aus portwein, zitronen, zucker und muskatnuss warm bereitet (1801) Schiller br. 6, 250 Jonas; ich sehe den schwarzen sarg, die träger mit gelben zitronen und rosmarin in der hand seitwärts aus dem fenster noch im geist vorüberziehn J. Grimm kl. schr. (1879) 1, 1; (er) brachte aus seinen taschen jetzt auch noch mehrere zitronen und eine löschpapierne tüte mit gestoszenem zucker zum vorschein W. Raabe s. w. I 2, 346; nehmen sie zucker und vielleicht zitrone? ich habe in Ruszland gelernt, den tee mit zitrone zu trinken Rilke ges. w. (1927) 4, 56; limonade ... aus zucker und steinharten zitronen A. Zweig eins. e. königs (1950) 303. häufig in farbvergleichen (s. a. zitronengelb): Gerngrosz wurde gelb wie eine blasse citrone. ein vorgefühl dessen, was ihm bevorstand, trieb das blut aus seinen blühenden wangen und die galle hinein Holtei erz. schr. (1861) 24, 269; einige (eier) wurden schön himmelblau, andere gelb wie zitronen Ch. v. Schmid ges. schr. (1856) 1, 197. die redensart die zitrone bis auf den letzten tropfen ausdrücken (Wander sprichwörterlex. 5 [1880] 594) wird in dem vergleich ausquetschen, auspressen wie ein zitrone häufig auf menschen angewandt, die physisch oder geistig bis zum letzten ausgeschöpft werden: wir haben nichts aus dem halunken herausgebracht ... und haben ihn doch gequetscht wie eine zitrone Holtei erz. schr. (1861) 5, 127; die leute mit den armbinden pressen die schwachen aus wie zitronen A. Zweig eins. e. königs (1950) 375. von einem menschen, der für den andern wertlos geworden ist, nachdem er ihn ausgenützt hat, sagt man: wenn die citrone ausgedrückt ist, wirft man sie weg Wander sprichwörterlex. 1 (1867) 539. dazu: aber mein gnädiger herr sind auch nicht etwan so — wie es manche giebt — die schale weggeworfen, wenn die zitrone ausgedrückt ist Iffland theatr. w. (1827) 1, 184; (Bismarck liesz sich mit sozialdemokraten nur ein,) um sie in seinem interesse zu verwenden und nachher wie ausgepreszte zitronen beiseite zu werfen Bebel a. m. leben (1946) 2, 10.
2) zitrone als baum, vgl. DWB zitronenbaum. im sinne von zitronatbaum: unterscheid zwischen pomerantzen,

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citronen und limonen (frz. vorlage: orëgers, citronniers, limoniers). die früchte von diesen bäumen sein unter sich selbs nicht eynerley Sebiz feldbau (1580) 280; die pomerantzen nun wöllen eben den fleisz und die wart haben wie die citron und limonen Martius v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 78. meist wohl für citrus medica L. allgemein, ohne bestimmten bezug auf eine der arten: von den stöcken unnd zweigen werden gepflanzet mandelbäum, byrbäum, maulberbäum, cytronen M. Herr feldbau (1551) 120b; dazwischen standen wieder gewaltige kübel mit apfelsinen und zitronen (in einem schloszgarten) Gaudy s. w. (1844) 2, 50. Göthe faszt das bild des zitronenbaums mit seinem nebeneinander von blüte und frucht in die bekannten verse Mignons:

kennst du das land, wo die citronen blühn,
im dunkeln laub die goldorangen glühn? I 21, 233 W.;

auch an einer andern stelle des Wilhelm Meister wird die zitrone zum sinnbild der sonnig-glücklichen italienischen landschaft: nun ..., da ich an dem busen eines himmlischen mädchens wieder fühle, dasz ich bin, ... nun eröffnet ihr die flammen eurer höllen ... und stellt sie dem lebhaften, wahren unzerstörlichen genusz der reinen liebe entgegen! ... besucht uns an jenen spalieren, wo die citronen und pomeranzen neben uns blühn ebda 23, 268.
 
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zitron(en)apfel, zitrin(en)apfel, m. , zitrone; zitronengelber apfel.
1) in der bedeutung zitrone nur in älterer zeit üblich. zunächst belegtes zitrin(en)apfel (nach mlat. pomum citrinum, vgl. 3zitrin) wird später durch die lehnübersetzung zitron(en)apfel (nach lat. citreum malum) ersetzt. s. auch DWB ziterapfel, DWB zitronatapfel. ob die frucht von citrus medica allgemein oder eine der arten (vgl. zitrone 1) gemeint ist, läszt sich beim einzelbeleg meist nicht entscheiden. lexikalisch seit anf. d. 15. jhs. belegt, zunächst noch in der form citrin eppel poma citrina (vor 1419) Diefenbach nov. gloss. 297b. später: malum citreum, medicum citronenapffel, limon Emmelius lat.-germ.-graeco-gall. (1592) 48; zitronenapfel malum citrinum Stieler stammb. (1691) 1379. auch literarisch zunächst zitrin(en)-, das hier vielleicht noch adjektivisch gebraucht ist: unde hijr is to merkende ... dat dysse citryn appele veerleye an sik hebben gaerde d. suntheit (Lübeck 1492) ll 2b; mit safft von citrinen öpfelen Gersdorff wundarzney (1517) 81c. später zitron(en)-: sy (d. juden beim laubhüttenfest) gebrauchen sich diser acht tag citron öpffel und palm, die sy ihn ausz Italia lassen bringen S. Franck weltbuch (1534) 150a; thue darnach solchen citronapffel inn das weinfäszlin Sebiz feldbau (1580) 525; wenn die schwangere weiber in die unnatürliche lusten geraten, sollen sie von citronenäpffel essen Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 659a; wie zween ... citronenäpffel zusammenzufügen, dasz eine grosze frucht daraus werde Hohberg georg. cur. (1682) 1, 623; kan ich doch keine rose oder citronenapffel in den händen tragen, dasz ich deren angenehmen geruch nicht solte empfinden Scriver seelenschatz (1737) 1, 393b.
2) verschiedene zitronengelbe apfelsorten: zitronenappel Mensing schlesw.-holst. 5, 761; zitronenäpfel Fischer schwäb. 6, 1244; schweiz. id. 1, 379; zitronenapfel A. Weber sprache d. obstbaus am Überlinger see (1931) 40.
 
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zitron(en)baum, m., citrus medica L. oder eine der arten (vgl. zitrone 2); citrus citronbaum oder pomerantzenbaum Frisius lat.-germ. (1556) 229a; citronenbaum citronnier, cedro arbore Hulsius-Ravellus dt.-frz.-it. (1616) 71; so man ein apffel auff ein citronenbaum impffet, so tregt der baum gar nahe das gantz jar öpffel M. Herr feldbau (1551) 123a; ein dach von citronbäumen A. U. v. Braunschweig

[Bd. 31, Sp. 1676]


Octavia (1677) 1, 885; wir sellen seyn, wie die citronenbäume in den warmen ländern, auf welchen, wenn etliche früchte zeitig sind, und abgebrochen werden, oder abfallen, andere unzeitige bleiben Scriver seelenschatz (1737) 1, 391a; besonders sind viele zitronenbäume an meinem zellenfenster schön Jean Paul w. 42/43, 130 Hempel; man kann sich keinen italienischen zitronenbaum mehr denken ohne eine Engländerin, die daran riecht H. Heine s. w. 3, 270 E. vereinzelt auch für die gattung citrus L., vgl. allg. haush.-lex. 1 (1749) 311a, s. auch zitronenholz 3. —
 
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-birne, f., 'eine sorte ziemlich groszer, länglicher, zitronengelber birnen, welche sehr süsz und saftig sind, im september reifen, sich aber nicht lange halten' Campe 5 (1811) 875b; zitronenbirne A. Weber obstbau am Überlinger see (1931) 40; zitrônenbir zitronenähnliche birne schweiz. id. 4, 1500; zitronbarne Müller-Fraureuth obersächs. 2, 709b; zitronenbirne Zschokke ausg. schr. (1824) 18, 79. —
 
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-drücker, m., kleines gerät zum ausquetschen der zitronen, vgl. DWB zitronenpresse. bildlich: eine residenzstadt ist die bärengrube der provinz und die garnwand der dörfer, der zitronendrükker derselben Jean Paul s. w. 64 (1838) 37 Reimer; ders., w. 48, 420 Hempel; ebda 7/10, 207. —
 
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-duft, m.: in zitronen- und orangendüften Jean Paul w. 15/18, 17 Hempel; H. Heine s. w. 3, 224 Elster; Rilke br. 2 (1950) 427. —

 

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