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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitrinchen bis zitrönchen (Bd. 31, Sp. 1669 bis 1671)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitrinchen, n., ein lautenähnliches musikinstrument, s. DWB zitherinchen.
 
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zitrinchen, n., ein vogel der finkenart; zur bildung und bedeutung s. 2zitrinlein: citrinella citrinichen Chyträus nomencl. (1585) 363; zitrinchen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; Naumann vögel (1822) 5, 148; das zitrillerl, citrinchen fringilla citrinella L. 'ein vogel mit einem stillen und angenehmen gesang, fast wie das hirngrillerl, fringilla serinus; er wird in Österreich zwar angetroffen, ist aber seltsam und wenig bekannt' Höfer Österr. 3, 337. in nd. form:

von nachtigallen, distelfinken,
goldhähnchen, zeisigen, zitrinken,
canarienvögeln, kolibri,
und engeln, hier und da, durchflogen
Baggesen poet. w. (1836) 4, 53.


 
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zitrinlein, n., ein lautenähnliches musikinstrument, s. DWB zitherinchen.
 
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zitrinlein, n., ein vogel der finkenart. mlat. citrinella, das als diminutiv zu einem dt. zitrin (s. 2zitrin) aufgefaszt wird, ist in der form zitrinlein (vgl. 2zitrinchen) ins dt. entlehnt. der in Südeuropa beheimatete vogel ist nach seinem grünlich-gelben gefieder benannt; s. auch DWB zitrönlein 2, zitronenfink, zitronenzeisig; vgl. Suolahti vogelnamen 124. ohne genauere bestimmung der gattung: citrynle citrinella, ein kleines vögele also genannt Maaler teutsch spraach (1561) L 4b; zitrinlein avis est, nomine thraupis, citronella et citrinula Stieler stammb. (1691) 2639; zittrinlein ò zitrinchen certo uccello detto logarino, lugarino ò ravarino Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c;

auff der harpffen schlug das praunellen.
zitrinlein rürt die zimelschellen
Hans Sachs 4, 281 lit. ver.

für carduelis citrinella (Pallas): citrinlein und hirngrillen sind zweierlei gattungen, doch fast einerlei farbe, grün und gelblicht, haben ein kurzes schnäbelein, singen schön und lieblich Hohberg georg. cur. 2 (1682) 688a; fringilla citrinella L. citrinlein, zitrinchen Naumann vögel (1822) 5, 148; zitrinlein zitronenfink, fringilla zitrinella Fischer schwäb. 6, 1244; hierzu auch Höfer (s. 2zitrinchen). für den ähnlichen girlitz, grünfink, hirngrille, serinus canaria serinus L.: etliche wältschen nennend das grünlinggschlächt, so wir ein citrinlin heiszend, quinson uerdier, das ist ein grünfincken Heusslin Gesners vogelb. (1557) 53b; citrinlein ein vogel, als ein canarienvogel, citrinella, hirngrill Frisch dict. (1741) 1, 170c; zitrinlein ... grünfink, chlorospiza chloris Fischer schwäb. 6, 1244.
 
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zitrinstein, m., dass. wie 1zitrin (s. d.): ein zitrinstein, daruff ein löw geschnitten, in silber eingefaszt inventar von 1568 bei Fischer schwäb. 6, 3490.
 
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zitroch, m., f., hautflechte, s. zittrach(t).
 
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zitronat, n. (früher m., f.), zitronate, f., zitrinat(e), m., f., die zerteilte und in zucker eingemachte schale einer groszen zitronenart, succade; die frucht, aus der die succade gewonnen wird, die zitronatzitrone; der zitronatbaum. zur herstellung der succade (vgl. teil 10, 4, sp. 832) s. Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 147. zitronat ist im 16. jh. über frz. citronnat aus dem von citrone abgeleiteten it. citronata (zur verwendung des suffixes -ata im it. vgl. G. Rohlfs hist. gramm. d. it. sprache § 1129) ins dt. entlehnt, teils auch direkt aus dem ital. (citronata für das it. belegt bei Kramer it.-t. [1693] 226a); vgl. die it. form im dt. satzzusammenhang bei Hohberg: die citronata (unten

[Bd. 31, Sp. 1670]


zu 1) georg. cur. 1 (1682) 224. von der ersten hälfte des 16. jhs. bis ins 17. jh. ist daneben im dt. die form zitrinat belegt, verkürzt aus zitrinatapfel (s. d. unter zitronatapfel). in der bedeutung 'succade' gilt bis in die jüngste zeit das masc. (s. unter 1), das heute für diese bedeutung allein gültige neutr. zuerst bei Sanders (neben dem masc.) wb. d. dt. spr. 1 (1860) 256a. als frucht fem. (s. unter 2), als baum in älterer zeit masc. (s. Martius, Sebiz unter 3), in neuerer zeit fem. (siehe Hehn unter 3). zur doppelschreibung des t in mundartl. belegen vgl. das bei zitrone darüber gesagte: citternat qu. bei K. Albrecht Leipzig 3; zitternad quelle bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 921b; qu. bei Askenasy Frankfurt 55. eindeutschungsversuche durch metathese des r unter gleichzeitiger reduktion des mittelsilbenvokals nur mundartl. (s. ob.), sowie in den ältesten belegen: citernat (1537) zs. f. dt. wortf. 15, 217b. gelegentliches d des suffixes wohl in anlehnung an it. mundartformen (vgl. venetian. veciada Rohlfs a. a. o.): citronaden Hohberg georg. cur. 1 (1682) 224; 234; oder in analogie zu frz. citronnade limonade: zitternad Martin-Lienhart, Askenasy s. oben; zitronade El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 20. das endungs-e nur beim fem.: die citronate Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144; die zitronate Hehn kulturpfl. u. haustiere (81911) 452; neben der endungslosen form: die grosze citronat Gryphius lustsp. 281 Palm; die grosze genuesische citronat Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 145. die belegten pluralformen (zum fem. gehörig) sind schwach: citrinaten (nom. pl.) Bock kreutterb. (1587) 366a; u. a.
1) die zerteilte und in zucker eingemachte schale einer groszen zitronenart, succade; zum bedeutungsunterschied zwischen zitronat und succade vgl. unten Karmarsch-Heeren. lexikalisch erst im 18. jh. belegt: zitronat cedronata Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; citronnat citronenschalen mit zucker eingemacht Wächtler comm. manual (1703) 1, 64; der citronat eingemachte unreife citronenschalen Adelung 1 (1774) 1207. zitronat wird als arzneimittel, vor allem aber in der küche verwendet: 3 grosz schachtel mit eingemachten citernat (1520—21) A. Dürer tageb. 74 Leitschuh; lasz auch die rinden oder was du von solichen citrinatenöpffeln einmachen oder einbeytzen wilt wol sieden ... solche einbeytzung nennet mann citrinat, ist ein nützliche und sehr krefftige artzney und hilff für alles vergifft, sterckt das hertz in sonderheyt, und bekrefftigt die leblichen geyster durch seinen gten geruch. darumb solicher citrinat bei erfarnen ärtzten inn hefftigem brauch ist Ryff confectb. (1548) 114b;

die fressen wir sew allzeit gern.
für pomerantzen und muscat,
für nägelein und zitrinat (1565)
Hans Sachs 21, 316 lit. ver.;

etwas von citrinat und andern dergleichen hertzstärckenden dingen Grimmelshausen 2, 537 Keller; der grüne citronat, welchen wir an speisen gebrauchen, wird in Italien und den südlichen provinzen von Frankreich ... eingemacht und in fässern zu uns gebracht Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 148; pfefferkuchenteig, von mandeln strotzend und zitronat O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 449; (die zitronenschale) wird dann aus dem zuckersyrup herausgenommen und getrocknet (citronat) oder in dem safte eingelegt und so in den handel gebracht (succade) Karmarsch-Heeren technol. wb. 2 (1877) 364; 70 g kleingeschnittener zitronat Davidis prakt. kochb. (371898) 523 Holle; man ... schneidet das zitronat ... in kleine schmale streifchen M. Hahn illustr. kochb. (16-181921) 532. mundartlich heiszen auch die in geschmolzenen zucker getauchten orangeschalen zitronat Hügel Wien 195; Martin-Lienhart elsäss. 2, 921b.
2) die zitronatzitrone (s. d.), aus der die succade gewonnen wird. gleichbedeutend mit zitrone 1 b, zitronatapfel

[Bd. 31, Sp. 1671]


(s. diese). lexikalisch seit der mitte des 17. jhs. belegt: malum citrium citrone oder citrinât Zehner lat.-germ. (1645) 199; 'zuweilen wird auch eine art reifer zitronen, welche eine grüne farbe haben, nach dem muster des italiänischen, mit diesem namen beleget; allein alsdann ist das wort zugleich weibliches geschlechtes, die citronate, plur. die -n' Adelung 1 (1774) 1207; die frembd frucht der wolriechenden, schönen, goldtgelben citrinaten oder judenöpffel Ryff confectb. (1548) 112a; die pommerantzen, citronaten, limonen Sebiz feldbau (1580) 59;

die pomerantzen wachsen fein,
die citrinat und weinberlein
Hayneccius Hans Pfriem 79 ndr.;

die limonien werden auch unter das geschlecht der citrinat gerechnet, wegen ihrer krafft und ihrer gestalt, auszgenommen, dasz sie kleiner seyn und langlecht, haben auch nicht so ein dicke haut oder rinde, seyn auch safftiger, am geschmack sauwr und bleich Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 662a; von den citronaten sind diejenigen die besten, welche das dickste fleisch haben, weil daraus in Italien der grüne citronat (zu 1) oder die succade bereitet wird Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144. wohl ohne die vorstellung einer bestimmten zitronenart (vgl. Mathesius unter zitrone 1 a): wenn ein theurer man ein wort redet zu seiner zeit, das ist freylich wie ein gülden apffel oder schöne pomerantzen unnd citrinat inn einer silbern schalen Mathesius Luther (1576) 147a.
3) zitronatbaum, an dem die zitronatzitrone wächst; vgl. DWB zitrone 2: der citrinat wirt auff treierley weisz gesäyet oder gepflantzet Martius v. d. feldbau u. ackerwerck (1580) 81b; wann du den citrinat pflantzen wilt Sebiz feldbau (1580) 279; ob wol der pomerantzenbaum mit seinen ewigen grünen streiffen blettern unnd dornen den vorgesetzten citrinaten gar ähnlich, so ist es doch meines erachtens ein besonderer apffelbaum Bock kreutterb. (1587) 367a; der ganze baum (die bizarrie) ist ... halb citronat und halb orange Krünitz öcon. encycl. 3 (1774) 96; um diese zeit also wächst auch in Unteritalien immer noch die zitronate der alten Hehn kulturpfl. u. haustiere (81911) 452.
4) vereinzelt 'limonade', wohl durch übertragung der bedeutung von frz. citronnade auf zitronat: citronat citronenscheele mit zucker eingemacht, item ein tranck von zucker und citronen Sperander a la mode-sprach (1728) 117a.
 
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zitronatapfel, zitrinat(en)apfel, m., zitronatzitrone, dass. wie DWB zitronat 2. zitrinatapfel nach neulat. malum citrinatum (belegt bei Tabernämontanus neuw kreuterb. [1591] 658b) und das analog gebildete zitronatapfel sind wie zitronenapfel 1 (s. d.) nur bis zum 17. jh. belegt: die schelffen und marck der groszen gelben citrinatenöpffel einzumachen Ryff confectb. (1548) 112a; die pomerantzen seyn auch ausz dem geschlecht der citrinatäpffel Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 660a; Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 35; einen citronatapffel von den zuckerfrüchten Gryphius lustsp. 244 Palm.
 
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-baum, m., der baum, an dem die zitronatzitrone wächst, vgl. DWB zitronat 3: citrus citrinatbaum (1587) Diefenbach gl. 124c; so wirdt auch diser citrinatbaum an warmen orten im aprillen, und an kalten im meyen geimpfft Martius v. d. feldbau vnd ackerwerck (1580) 78; citronenbaum und citronatbaum Tabernämontanus neuw kreuterb. (1591) 658b; citronatbäume Krünitz öcon. encycl. 8 (1776) 144. —
 
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-zitrone, f., die frucht, aus der die succade oder das zitronat gewonnen wird (vgl. zitronat 2): zitronat ... ist die mit zucker kandierte unreife schale der zitronatzitrone ..., die für konditorwaren und feines backwerk unentbehrlich ist F. Seiler lehnwort 14, 331.
 
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zitrönchen, s. zitrönlein.

 

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