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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziter bis zitherist (Bd. 31, Sp. 1659 bis 1663)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ziter, (genus?), wohl 'zitronenbaum': citrus citer (Augsburg 1521) Diefenbach gl. 124c. —
 
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ziterapfel, m., arzneib. v. 1457 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 1164. wohl 'zitrone' und nicht, wie sp. 439 unter zederapfel angedeutet, 'gallapfel'; vgl. DWB zitronenapfel. —
 
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-baum, m., citre ein citerbaum citrus, arbor odorifera in Mauritania Duez gall.-germ.-lat. (1664) 146b, vgl. zitronenholz 2.
 
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ziterinchen, n., ein lautenähnliches musikinstrument, s. DWB zitherinchen.
 
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zith, n., ein gerstengetränk, von Fischart wahrscheinlich aus gr. ζῦθος, lat. zythum entlehnt: da war ... dessgleichen in einer kellershülen vielerley weinmäszig, wolgebrawet, glitzend, schmutzig, dunkel, dick, kleberig zith und bier für die hopfenbrüder und biermörder Fischart Garg. 85 ndr.; nicht zu cider (teil 2, sp. 627), zider (teil 15, sp. 890) gehörig.
 
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zither, m., f., sakristei, s. 2zitter.
 
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zither, f. , s. auch cither teil 2, sp. 627; ahd. zitara, zitera; mhd. *zitter; vgl. nl. citer, dän. citar, citer, schwed. cittra, engl. cither(n), frz. cithare, russ. citra. bezeichnung verschiedener saiteninstrumente. schon in ahd. zeit entlehnt aus lat. cithara (< gr. κιθάρα), mlat. citera appendix Probi 23, z. t. wohl durch vermittlung des romanischen, worauf nach Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 215 das d in zidarpin plectrum (10. jh.) ahd. gl. 2, 500, 4 St.-S. hinweist, das romanischen formen wie prov. cedra entspricht; das dt. hat aber nicht das rom. e der haupttonsilbe. im gegensatz zu den zahlreichen belegen im ahd. ist das wort mhd. nicht belegt und läszt sich nur aus ableitungen erschlieszen: zitterie (-ie in analogie zu psalterie, das in andern hss. für zitterie steht) d. jüngere Titurel 6078 Hahn; zitorie ebda 5151; diminutiv: zitterlein Hugo v. Trimberg (s. u.). sonst wird das wort im mhd. durch zitôl, zitôle, zitolle (< afrz. citole) vertreten. jüngere hss. älterer denkmäler ersetzen zitôl durch lat. cithara oder (das diminutiv von) zitter:

harpfen und auch zytoln (14. jh.; cythara 15. jh.)
psalterien und welsche fioln
...
waz in vil sszem done
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 4669 Singer;

sô kumt aber einer und siht hin în,
der suochet ein welhisch videllîn,
ein herpfelîn und ein zitolîn (zitterlein hs. v. 1430)
mit den er wîchet ûz und în
Hugo v. Trimberg d. renner 16 781 Ehrismann.

[Bd. 31, Sp. 1660]


die bibelübersetzungen, auch Luther, meiden das wort noch; für lat. cithara setzen sie harfe. erst seit dem ende des 16. jhs. ist zither wohl infolge erneuter gr.-lat. anregung wieder stärker belegt.
dehnung des i im bairisch-österreichischen: ziedern Hügel Wien 195a; der inlautende dental erscheint als d in ahd. zidarpin (s. o.), sonst im ahd. aber stets als t: citarphinne (9. jh.) ahd. gl. 2, 217, 19 St.-S. inlautendes d in einigen bairisch-österreichischen mundartbelegen ist tenuis lenis aus ahd. t: zîdern A. Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. (1880) 196, 5; zidárn F. Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 2, 94; zidern Jakob Wien 226. in der schreibung des inlautenden dentals überwiegt im 16., 17. jh. tt, im 18. und 19. jh. schwankt die schreibung zwischen tt und th, wobei tt durch volksetymologische anlehnung des wortes an zittern (vom zitternden klang des instruments) gestützt wird. der vokal der zweiten (unbetonten) silbe erscheint im ahd. z. t. noch als a: zitarphinne (11. jh.) ahd. gl. 2, 657, 66 St.-S.; zitarphin (12. jh., Salom. gloss.) 4, 120, 4. meist ist a aber schon zum murmelvokal verblaszt: citirphin (10. jh.) 2, 495, 11; citerpfin (11. jh.) 2, 479, 45. nhd. erscheint a vereinzelt nur noch in latinisierten formen: cithar Corvinus fons lat. (1623) 181; vgl. citharschläger M. Kramer rechte lehrart (1696) 73. dreisilbigkeit mit bewahrung der endung findet sich noch im kompositum citherepinne (Trier, 11. jh.) ahd. gl. 2, 564, 25 St.-S.; vgl. auch nl. citerre Kilian etym. teut. ling. (1605) 78. cytthara (11. jh.) ahd. gl. 2, 482, 44 St.-S. dürfte wie das bei Notker häufiger begegnende cythara (vgl. Sehrt-Legner Notkerwortschatz 633) die lat. form sein. heute ist die dreisilbige form nur noch mundartlich bewahrt: zéttera, zittera Tobler Appenzell 453b; zitere Hunziker Aargau 311; tsitrə Meisinger Rappenau 213a. der sg. flektiert im ahd. schwach: an dero cytherun Notker 3, 1, 264 S.-St.; an dero cytharun ebda; an dero ziterun ebda 175. auch frühnhd. begegnen noch schwache formen: auff der zittern Ayrer dramen 2373 Keller; mit der zitteren Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 199. mundartlich im kompositum: zithernschlagen Rosegger schr. (1895) I 12, 295. analog zu den obliquen kasus ist auch ein nom. sg. mit (e)n gebildet: die zittern Davids Abr. a s. Clara neue predigten 137 lit. ver.; 'vielfach die zithern' H. Braun dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 315b. diminutiva: zyterchen Rist neuer teutscher Parnass (1652) 539; zitterlein Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c; s. auch zitherinchen.
das nhd. zither benannte instrument ist sachlich von der gr. κιθάρα und der lat. cithara unabhängig; dennoch bezeichnet zither, bes. in dichterischer sprache häufig das antike, der lyra verwandte instrument (s. unter 1). in frühnhd. zeit ist die zither ein lautenähnliches instrument (heute von der musikwissenschaft zister [s. d.] genannt), wie aus der abbildung und beschreibung bei Prätorius hervorgeht: cithara, ein cither, ist jetziger zeit bei uns viel ein ander instrumentum musicum als vor zeiten bei den alten, da mit dem namen citharae unsere jetzige harfe genennet worden ... es sind aber der cithern fünferlei art: 1. die gemeine cither von 4 chören (saiten) ... (1618) syntagmatis musici tom. secund. 64 Eitner in: publ. d. ges. f. musikforschg. bd. 13. auch im 18. jh. wird unter zither noch ein lautenartiges, der damaligen gitarre (s. teil 4, 1, 4, sp. 7569) ähnelndes instrument verstanden: cithar, ein also genantes musicalisches instrument, welches besonders in Italien gar gemein, und fast einer laute gleichet Sperander a la mode-sprach d. Teutschen (1728) 116b; guitarre ist ein plattes, einer zitter sehr gleichendes ... instrument music. lex. (1749) 168; zither, ein musikalisches saiteninstrument, gemeiniglich mit vier chören saiten, welches eigentlich eine unvollkommene laute ist Adelung 5 (1786) 407. in ihrer modernen form, mit dem flachen, länglichen, an zwei

[Bd. 31, Sp. 1661]


seiten geschweiften resonanzkasten, über den 5 oder 7 melodie- und 24 oder 37 akkordsaiten gespannt sind, hat sich die zither um 1800 in den Alpen aus dem einfacheren scheitholt entwickelt, vgl. C. Sachs real-lex. der musikinstrum. (1913) 82b (s. v. cister), 431 (s. v. zither); T. Norlind musikinstr. hist. (1941) 114.
in den wbb. ist zither seit dem ende des 16. jhs. belegt: cithara cither, harpffe Emmelius nomencl. (1592) 233; zitter oder citter, f., un cistre, une quittarre, ou guitarre, cithara Duez germ.-gall.-lat. (1664) 717; zither cithara, instrumentum musicum Stieler stammb. (1691) 2639; zitter cithara, die zitter schlagen cithara ludere Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1097.
1) ein antikes instrument, den begriff der gr. κιθάρα und der lat. cithara wiedergebend:

Achilles der berümpte held
vor Troia auff dem Llichfeld,
da er inn seiner zelten blieb
als Hector sein volck schlug und trib,
und spilt darfür er auff der zitter
Fischart w. 1, 271 Hauffen;

lesen und schreiben, auf der zitter spielen (lernten die jungen Griechen) Lessing 8, 22 L.-M.; (die götter) speisen ambrosia des himmels, sie hören die zitter des Apollo Herder 3, 211 S.;

wie lieblich erklang
der hochzeitgesang,
den zu der zitter tanzlustigen tönen,
zur schalmei und zum libyschen rohr,
sang der Kamönen
versammelter chor
auf Peleus hochzeit und Thetis der schönen
Schiller 6, 205 G.;

(der falsche Nero) aber, im abendwind und vor der flut, sprach und sang zu seiner imaginären zither Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 199. von einem instrument des alten testaments (lat. cithara): (der könig) liesz den kleinen David, wie er sich ausdrückte, bitten, mit der zither zu kommen und dem schwermüthigen Saul die melancholie zu verscheuchen durch spiel und gesang H. Laube ges. schr. (1875) 3, 133; s. auch Abr. a s. Clara unter 3.
2) verschiedene saiteninstrumente der neuzeit (s. einleitung). da die belege oft nur unsicher erkennen lassen, um welche bauart es sich handelt, sind sie zusammen angeführt: den 29. dezember ao. 90 sind ihm nachgeschriebene lauten und zithern ... übergeben worden: ... 1 cölnische cither, so 10 saiten hat (aus einem inventar von 1590) württemb. vierteljahrshefte f. landesgesch., n. f. 21, 137; die mägdlein auff der lauten schlagen oder auff der zitter Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 370;

die citter, leyer, das schallende jägerhifft
im feld und in den dörfferen freude stifft
Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) 453;

vier alte zittern ohne steffen Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 455; die mandoline und zither, oder guitarre, ist seit jahrhunderten das lieblingsinstrument der Spanier Schubart ästh. d. tonkunst (1806) 306; sie schlugen die zither vor den fenstern ihrer mädchen Gaudy s. w. (1844) 2, 70; dann sezte der wirth einen tisch mit einer zither zu uns und spielte sehr schön auf diesem musikgeräthe (1861) Stifter s. w. 21 (1925) 7. häufig wird das zitherspiel mit gesang verbunden: (Mignon) nahm ihre cither ... und sang ein lied von unglaublicher anmuth Göthe I 23, 159 W.;

don Massias, der verliebte,
stand gerade dort am gitter,
sang so glühend seine liebe,
schlug so zierlich seine zither
Uhland ged. 1, 209 Schmidt-H.;

nach der arbeit sitzt der schnitter
spät bei sonnenuntergang,
und er singt zu seiner zitter
manchen sang
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 23.

[Bd. 31, Sp. 1662]


die mundartbelege, die fast ausschlieszlich dem obd. raum angehören (s. aber zitherinchen), beziehen sich mit sicherheit auf die moderne zither: tsit-tr (Kärnten) PBB 28, 41; tsit Lenz Handschuhsheim 80a; zither Elberf. ma. 178b; andere s. einleitung;

sie möchtent gern ăn geistling hbn
der sauffa tât und zîdern schlgn
A Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. (1880) 196;

g'lang d' zidárn von nagel
und sing ains und spiel
Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 2, 94.


3) dichterische übertragungen und vergleiche; vom bild des dichters, der seinen gesang auf der zither begleitet, wird zither symbolhaft auf den begriff der poesie übertragen:

o so stimme, wie vorzeiten,
meiner zither schlaffe seyten
Gottsched ged. (1751) 1, 216;

nehmt sie an meine zither
eichen von Deutschland
Lenz ged. 165 Weinhold;

seit die griech'sche ging in splitter
tönte niemals eine zitter
lieber als die deutsche mir
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 183.

in bildhaften vergleichen: die zung (des sünders) ist eine zitter Davids, das hertz eine lantzen des Sauls Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 467;

glaubst du nicht, es sei mein herz die zither,
deren saiten allgemach verhallen?
Platen w. 1, 136 Hempel (vgl. zitherspiel 2);

von der 'zither des heiligen geistes', wie man Ephräm, den Syrer, nannte El. Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 59.
 
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zitherbube, m.:

der zitherbub zieht durch die welt,
und weilet, wo es ihm gefällt
A. Kahlert blätter a. d. brieftasche e. musikers (1832) 134;

Otto (bemerkte) einen schlanken zitherbuben, der auf seinem geschmückten pferde ... dahinritt Eichendorff s. w. (1864) 2, 516. —
 
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zitherer, m., zitherspieler: ein geiger und ein zitherer Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 211.
 
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zitherinchen, zitrinchen, zitrinlein, n. , s. auch citrinchen teil 2, sp. 628. kleines lautenartiges, bes. im 17./18. jh. übliches saiteninstrument, kleine zister (s. d.), vgl. C. Sachs reallex. d. musikinstr. (1913) 174b (s. v. Hamburger cithrinchen). entlehnt aus it. chitarrino oder chitarrina (diminutiva zu chitarra) und mit der dt. diminutivendung -chen (in nd. maa. -ken oder -tje) versehen: citharinichen qu. v. 1688 bei C. Sachs reallex. d. musikinstr. (1913) 84; meist aber mit ausfall eines oder zweier unbetonter vokale; zitrinlein ist nur lexikalisch belegt: zitrinlein et nostro idiomate zitrinchen cithara minor tremula Stieler stammb. (1691) 2639; zitterlein, hoggi zittrinlein ò zitrinchen chitarrina, chitarretta Kramer t.-ital. 2 (1702) 1469c;

den lautenisten setzt man billich vornen an,
weil kaum ein edler kunst gefunden werden kan.
nach diesem geht, der wol das ziterinchen spielet,
das etwan Engelland von ongefehr erzielet
W. Scherffer ged. (1652) 755;

mit einer gedämpften violinen oder mit einem zytrinchen Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 6; zu geschweigen, dasz sich mancher in die laute, in die violdigambe, oder auch wol ins zitrinchen verliebt Chr. Weise polit. academicus (1685) 21;

Christinchen noch ein wort:
gast und music gehn fort;
disz schadet dir kein haar,
die liebe spielt fürwahr
ein lieblicher cythrinchen,
Christinchen
J. C. Günther ged. (1746) 1108;

hiernächst hat man auch kleine citheringen oder zithringen, mit vier chören, unten offen, dasz man

[Bd. 31, Sp. 1663]


den thon tremulirend machen kan, welches mit dräternen saiten bezogen, und von dem frauenzimmer mit einer spitzgeschnittenen federkiele gerissen und gespielet werden Noel Chomel, öcon.-phys. lex. (1750) 8, 2426; eine art kleiner zithern, welche unten offen sind, werden cithrinchen oder zithrinchen genannt Adelung wb. 5 (1786) 407. mundartl. meist im nd. raum belegt: zitrienke brem.-niedersächs. 5, 316; zitriinken Dähnert plattdt. wb. 562a; zitrientje Stürenburg ostfries. 338.
 
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zitherist, citharist, m., zitherspieler. vereinzelt von lat. citharista, gr. κιθαριστής ins dt. übernommen: wir predicanten seint glych wie ein böser citharist oder ein lutenschlaher Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 60a; ein geistlicher zitterist oder harpffenschlager Albertinus hirnschleiffer (1618) 681; citharist Lessing 8, 311 L.-M.

 

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