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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zitadelle bis zitatszeichen (Bd. 31, Sp. 1655 bis 1659)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zitadelle, f. : 'castellum, propugnaculum, arx imminens urbi, ist eine kleine festung von vier, fünff bis sechs bollwercken, welche man gern an den höchsten ort der stadt, an den einfluss der flüsse, an den ort, wo die meiste zufuhr ist, mit einem wort an den vortheilhafftigsten ort einer stadt leget, damit man sie sowohl desto besser beschützen, als auch im zaum halten könne' Fäsch kriegslex. (1735) 179; das zu ait. cittade (< vulgärlat. civitatem) gebildete diminutiv cittadella 'kleine stadt, stadtschlosz' dringt in dieser form ins humanist. lat. und im 15. jh. als citadelle ins frz. alle drei sprachen tragen das wort ins dt., wo es 1453 bei Hermann v. Sachsenheim (s. u. 2) zum erstenmal auftritt; es verdrängt das ältere dt. schlosz in der bedeutung 'stadtfestung'. vgl.: citadella oder schlosz J. W. Gebhart fürstl. tischr. (1617) 2, 23. zur synonymik vgl. Eberhard-Lyon syn. hdwb. (1910) 479. im 17./18. jh. begegnet das wort häufig als neutr., vielleicht nach vorbildern wie karussell, rondell (Kluge-Götze etym. wb.15 904b): ain zütadell (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; vom citadell almanach d. dt. musen (1779) 209; das citadell H. v.

[Bd. 31, Sp. 1656]


Kleist w. 5, 145 E. Schmidt. in den wbb. erscheint zitadelle im nl. schon zu beginn, im dt. dagegen erst am ende des 17. jhs.: citadelle Kilian etym. teut. ling. (1605) 698a; cittadell (n.) Kramer teutsch-it. (1678) 319a; citadell (die) Ludwig teutsch-engl. (1716) 397; citadell (n.) arx Frisch teutsch-lat. (1741) 1, 170c; citadell (f.) ders., nouv. dict. 2 (1752) 151b; citadelle Campe wb. z. verdeutschung (1801) 228b.
1) eigentlich: (die einwohner brauchen nicht) z leiden, dasz schlösser, festungen oder citadell, es sey dann mit ihrer verwilligung und zlassen in ihren stedten gebawet werden edict kgl. maj. aus Frankreich (1573) B 2a; uff den Galler (ortsname) hat der Franzosz, so es ihme blüben, ain zütatell wollen laszen bawen (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; der ganz unvergleichliche oberingenieur Bott, welcher zu Wesel die citadelle erbauet (1713) Berliner geschr. zeitungen 3 Friedl.; sonst war meine seele wie eine stadt mit geringen mauern, die hinter sich eine citadelle auf dem berge hat. das schloss bewacht ich, und die stadt lies ich in frieden und krieg wehrlos (1778) Göthe IV 3, 224 W.; die katholischen geistlichen (fanden es) rathsam, die besten kostbarkeiten der kirchen in die zitadelle zu flüchten Schiller 7, 233 G.; an der esplanade zwischen der stadt und der citadelle läuft eine sehr schöne, breite allee längs der stadt hin J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 247; auf den plätzen, in den gassen, in den werkstätten, in den kirchen, auf dem rathause und in der zitadelle wurde das wort gehört W. Raabe s. w. I 5, 468; (eine französische armee war) vor der von den Holländern besetzten zitadelle von Antwerpen eingetroffen Roon denkw. (1892) 1, 64;

sie (die Sibylle) aber stand
jeden abend auf derselben stelle,
schwarz wie eine alte zitadelle
hoch und hohl und ausgebrannt
Rilke ges. w. (1927) 3, 137;

general Clausz feiert ostern in Brest-Litowsk auf der zitadelle, wo ihm niemand zuschaut A. Zweig eins. e. königs (1950) 169.
2) in bildlicher anwendung. von einem beschützer oder etwas beschützendem:

du (jungfrau Maria) kastel und zyttidell
mit wol beschloszner porten
Hermann v. Sachsenheim 235 lit. ver.;

gott ist der Christen hülff und macht,
ein veste citadelle,
er wacht und schillert tag und nacht,
thut rond und sentinelle
Moscherosch gesichte (1650) 2, 690;

das haus ist die citadelle der sitte Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 3, 12. ähnlich vom hauswesen (vgl.my home is my castle): nachdem du dir deine citadelle durch den aufwand deines ganzen lebens erbaut (1832) Göthe IV 49, 265 W.; denn die behörden wuszten wohl, dasz er in seiner zitadelle, seinen mit büchern überfüllten zimmern ohne maske und schminke sprach Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 390. von der dame, die erobert werden soll: die festung, die ich biszher so lange belägert, hat parlamentiret, der accord ist geschlossen, und soll von uns beyden auff künfftig unterzeichnet, auch bald darauff die citadel in posses genommen werden Gryphius lustsp. 105 lit. ver. von einem schiff:

ein schwimmend heer furchtbarer citadellen (die armada)
Schiller 4, 110 G.


 
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zitadellschiff, n., in den 70er, 80er jahren des 19. jhs. gebauter panzerschiffstyp, bei dem nur die wichtigsten teile gepanzert waren: es entstanden andere schiffstypen, turmschiffe, kasemattschiffe und zitadellschiffe Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 1, 505.
 
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zitat, n. , vgl. nl. citaat, dän., schwed. citat, russ. citata. 'das angeführte', bes. die angeführte textstelle aus einem buch, von einem autor; von lat. citatum (zu

[Bd. 31, Sp. 1657]


citare, vgl. zitieren B), das im 18. jh. aus der lateinischen gelehrtensprache ins deutsche dringt. zunächst noch in lat. form im dt. textzusammenhange: in einigen ganz kurzen anmerkungen und citatis (1754) Reichel in: Gottsched u. s. zeit 382 Danzel; lexikalisch: citata 'angeführte stellen aus schriften, wofür man mit einem worte anführungen und nachweisungen sagt' Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; vereinzelt im sinne einer beispielhaften erwähnung und namensnennung (vgl. zitieren B 3 a): Bodmer, Schlegel ..., die nur als ein citatum dastehen (bei besprechung eines kunsttheoretischen werkes) Herder 5, 399 S.
1) das angeführte wort; die angeführte stelle aus einem buch, von einem autor.
a) allgemein. bisweilen spielt die tätigkeit des zitierens (vgl. zitation 2) mit in die wortbedeutung hinein (s. unten Göthe, Fontane):

kunstwörter müssen dann der dummheit blösze decken,
und ein gelehrt citat macht zierden selbst zu flecken
Lessing 1, 252 L.-M.;

Friedrich ... brachte nach seiner art mit hundert citaten und eulenspiegelhaften anspielungen die gesellschaft zum lachen Göthe I 23, 302 W.; ich verspare die ausführung meines systems für ein ... buch, wozu ein ocean von citaten in bereitschaft liegt J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 233; Eduard schenkte dem ächt schlesischen citate (einem sprichwort) ... keine besondere aufmerksamkeit Holtei erz. schr. (1861) 21, 162; unbelegte citate (ohne quellenangabe) sind unordentlich zusammengeraffte, unbeglaubigte, unbeeidete zeugen J. Grimm vorrede zum dt. wb. (1854) xxxvi; die Berliner sind spaszmacher und gefallen sich in ironischen bemerkungen und zitaten Fontane ges. w. (1905) I 4, 323; damit durch obiges Dante-zitat kein miszverständnis entstehe, musz schnell berichtet werden, dasz Lauro nur sehr selten ein buch las Werfel geschw. v. Neapel (1931) 107; 'sie berauben Hamlet um ein zitat, lieber Clausz'. und ebenso ernst entgegnete der stabschef ..., im kriege mit England seien zitate ein für allemal. von Schiller A. Zweig eins. e. königs (1950) 34. ungewöhnlich ist übertragener gebrauch: und so baute er aus glasperlen musikalische zitate H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 42.
b) als 'geflügeltes wort' ein häufig angeführtes, besonders prägnantes (dichter-)wort. von a nicht streng zu scheiden. hierzu auch die komposita zitatenfest, zitatenschatz (s. u.): Schiller ist es darum zu thun, dasz die reflexion so, d. h. in solcher form herauskommt, wie sie als zitat sogleich in den gebildeten verkehr als geprägte münze in umlauf kommen kann O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 283; die worte (in einer aufführung des Don Carlos) galten vielen nur noch als tönender klang, als zitat sonntag (15. 5. 1955) 7e.
2) in der wissenschaftlichen fachsprache die quellenangabe einer stelle oder eines wortes (vgl. zitieren B 2): schauspiele nach dem act und auftritt anzuführen wird für ein wörterbuch, das kurzer citate bedarf, ... unbequem und unsicher J. Grimm vorr. zum dt. wb. 1 (1854) xxxvii; die auszüge geschehen auf kleinen einzelnen zetteln, ... obenhin das gemeinte wort, dann die phrase, welche den genauen sinn fassen läszt, ohne erst nachzuschlagen, zuletzt das citat (1839) J. Grimm br. 75 Gürtler-Leitzm.; ein zitat (quellenangabe für den belegort eines wortes) wie 'Gorkij' würde eine verwechselung der stadt G. mit dem dichter G. zur folge haben M. Vasmer russ. etym. wb. 1 (1953) X.
 
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zitatenfest, adj., sicher und gewandt im anführen geflügelter worte nach dem gedächtnis: übrigens ist er ein mann von kopf, wie ich höre, wohlbelesen und zitatenfest Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 13. —
 
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-prunk, m.: der gelehrte citatenprunk Tholuck vorgesch. d. rationalism. II 2 (1862) 113. —
 
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-schatz, m., sammlung von geflügelten worten: G. Büchmann

[Bd. 31, Sp. 1658]


geflügelte worte. der zitatenschatz des deutschen volkes (271926) titel; eine formulierung, die seither ... zum klassischen zitatenschatz gerechnet werden musz sonntag (13. 3. 1955) 9a. —
 
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-schaustellung, f.: jeder kenner weisz aber, wie wohlfeil es ist, ... derartige zitatenschaustellung zusammenzubringen (1858) K. Marx briefw. (1913) 2, 242.
 
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zitation, f. , vorladung (vor gericht), vorladungsschreiben; anführen (eines autors), das 'angeführte', zitat. lat. citatio, das verbalabstraktum zu citare, ist wie das verbum als fachwort der rechts- und gelehrtensprache im 15. jh. ins dt. entlehnt. zu den bedeutungsgruppen vgl. die entsprechenden bei zitieren (s. d.). im 16. jh. begegnet häufig die verkürzte form: citatz (Dorneck/Schweiz 1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 274 Franz. der plural gelegentlich mit lat. flexion: citaciones (1523) Planitz berichte 471 Wülcker; gerichtsdiener und bothen, welche die citationes weggetragen und insinuiret J. Döpler theatrum poen. 1 (1693) 488.
1) das vorladen (vor gericht), das herbeirufen.
a) abstrakt: das vorladen vor gericht, konkret: das schreiben, das die vorladung enthält. abstrakte und konkrete bedeutung liegen so nahe beieinander, dasz sich die belege nicht scharf trennen lassen. in den wbb. seit der mitte des 16. jhs. belegt: peremptorium ein ladung odder citatz, drei mal oder ein mal für drei mal geschehen Alberus nov. dict. (1540) b 4b; citation und citatz 'fodrung, beruffung, die schrifft darinn solche fodrung begriffen' Roth t. dict. (1571) C 8a; in der gerichtssprache die ladung oder vorladung Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; es sol kain citacion oder ladung auszgeen, sy sey dann auf ansuchen des principals ... durch den camerrichter erkant reichskammergerichtsordn. v. 1495 bei Zeumer quellenslg. z. gesch. d. dt. reichsverfassg. (1904) 229; dazu giengen sie (die päpstlichen) mit mir armen so fein bepstisch umb, das ich zü Rom wol 16 tage verdampt war, ehe die citation mir zu kam (1541) Luther 51, 543 W.; dasz sie allen pedellen, die citation oder banbrief z in bringen, zm ersten die oren abschneiden sat. u. pasquille 2, 43 Schade; als man aber im die citation nit zuschicken kont, und niemand wüssen mocht, wo er was, do ward dieselb citatz ... offenlich uffgeschlagen (1571) Tschudi chron. Helvet. (1736) 2, 35c; man habe ihm in der citation freigestellt, entweder selbst oder durch einen bevollmächtigten zu erscheinen Lessing 5, 55 L.-M.; eine kaiserliche citation war die folge dieser gewaltthätigkeit Schiller 8, 46 G.; sie haben mir neulich während meiner abwesenheit eine zitation zukommen lassen (1861) G. Keller br. u. tageb. 2, 526 Ermat.
b) auszerhalb des rechtsbereiches im erweiterten sinne das herbeirufen kraft gesellschaftlicher macht oder autorität: nach wenig minuten stand Oswald (ein theaterschneider) vor den beiden herren (dem polizeidirektor und dem intendanten) weder verlegen, noch erstaunt über diese ... citation Holtei erz. schr. (1861) 19, 249; in 8 bis 10 tagen erhalte ich wahrscheinlich eine telegraphische citation nach Berlin Bismarck br. an s. braut u. gattin 474 H. v. Bism. scherzhaft von suchanzeigen in der zeitung: beide citationen gelten einem dichter, der sich den wunderlichen namen Hiler Gesellius zugelegt Holtei erz. schr. (1861) 24, 261.
2) das anführen (eines autors, eines buches, eines textes); das 'angeführte', das zitat. die beiden bedeutungen gehen ineinander über, eine scharfe trennungslinie läszt sich nicht ziehen. in den wbb. erst seit dem 18. jh. belegt: citation die anführung eines autoris oder scribenten Sperander a la mode-sprach d. Teutschen (1728) 116b; citation in der gelehrtensprache die anführung Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; uberleset yho alle citation odder allegation aus der bibel ym original (vor 1530) Eberlin v. Günzburg s.

[Bd. 31, Sp. 1659]


schr. 3, 190 ndr.; gott gebe, das meine sittation (zweier frz. sprichwörter) nicht war mag werden in Englandt (1718) Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 229 Holland; meine herren, haben sie nicht gelesen und lesen vielleicht noch täglich bücher ... mit citazionen zehen tausend andrer bücher? Wieland s. w. (1824) 18, 52 Göschen; zu dieser und allen folgenden citationen Matthäus sage ich nochmals ... Herder 7, 555 S.; irrige citationen J. G. Forster s. schr. (1843) 6, 148; nicht minder schwer fiel uns der entschlusz, auf die citation der schriftstellerbelege zu verzichten Haas-v. Kienle lat.-dt. wb. (1952) 5*.
 
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zitationszettel, m., (vgl. nl. citatiecedel woordenb. d. nederl. taal 3, 2046), das schreiben, durch das jemand vor gericht geladen wird (vgl. zitation 1 a): da aber je einer uf frembdes gericht geladen, der soll den citazionszettel der obrigkeit stracks überantworten qu. v. 1600 bei Wintterlin württemb. ländl. rechtsqu. 2 (1922) 717. —
 
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-formel, f., die formel, durch die ein zitat eingeleitet und als solches kenntlich gemacht wird: 'damit erfüllet werde!' (zu erg.: was der prophet gesagt hat) ... als citationsformel (der evangelisten) Herder 7, 555 S.
 
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zitatszeichen, n., zitierzeichen, anführungszeichen, gänsefüszchen: citatszeichen sign of quotation, the inverted commas Lucas dt.-engl. (1863) 388b.

 

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