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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zistern(en)meister bis zitatenschaustellung (Bd. 31, Sp. 1655 bis 1658)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zistern(en)meister, m., im mittelalter vermutlich der für die wartung der zisterne(n) auf einer burg verantwortliche, vgl. brunnenmeister teil 2, sp. 436: zisternmaister (15. jh.) mittelalterl. invent. a. Tirol u. Vorarlberg 121 Zingerle.
 
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-schiff, n. 1) zur beförderung von öl: tankschiff Meyers convers.-lex. 20 (1908) 961; veraltete bezeichnung für tankschiff gr. Brockhaus 20 (1935) 663. 2) zisternenschiff ein leichterfahrzeug mit groszem laderaum für frischwasser, dazu bestimmt, schiffe auf der reede oder im hafen mit trink-, wasch- und kesselspeisewasser zu versorgen Meyers convers.-lex. 20 (1908) 408. —
 
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-wagen, m., eisenbahnwagen zur beförderung von flüssigkeiten: zisternenwagen, gefäszwagen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 1005; zisternenwagen, wasserwagen gr. Brockhaus 20 (1935) 663. dazu das kompositum: zisternenwagenpark (für den transport von erdöl) sonntag (20. 11. 1955) 2c. —
 
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-wasser, n., im gegensatz zum quell- oder brunnenwasser in der zisterne abgestandenes wasser, das leicht faul schmeckt; bis zum beginn des 18. jhs. daneben die form zisternwasser: cisternina aqua cisternwasser oder gesamlet rägenwasser Frisius dict. (1556) 228b; zisternenwasser Stieler stammb. (1691) 2445; regensarck- ò zisternwasser Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1266b; cisternenwasser Adelung 1 (1774) 1206; in brunnen- oder cisternenwasser Österreicher Columella 2, 320 Löffler; jedes natürlicher verstand ist die beste quelle, welche lehrbegierige gesellschafft vergnügt; da hingegen das erlernte nur für unerregtes cistern- oder grubenwasser zu achten ist Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2 (1657) 306; die menschen, die mir mein tränenbrod und das zisternenwasser brachten Schubart leben 2 (1793) 147; faules zisternenwasser G. Keller nachgel. schr. (1893) 321.
 
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zitadelle, f. : 'castellum, propugnaculum, arx imminens urbi, ist eine kleine festung von vier, fünff bis sechs bollwercken, welche man gern an den höchsten ort der stadt, an den einfluss der flüsse, an den ort, wo die meiste zufuhr ist, mit einem wort an den vortheilhafftigsten ort einer stadt leget, damit man sie sowohl desto besser beschützen, als auch im zaum halten könne' Fäsch kriegslex. (1735) 179; das zu ait. cittade (< vulgärlat. civitatem) gebildete diminutiv cittadella 'kleine stadt, stadtschlosz' dringt in dieser form ins humanist. lat. und im 15. jh. als citadelle ins frz. alle drei sprachen tragen das wort ins dt., wo es 1453 bei Hermann v. Sachsenheim (s. u. 2) zum erstenmal auftritt; es verdrängt das ältere dt. schlosz in der bedeutung 'stadtfestung'. vgl.: citadella oder schlosz J. W. Gebhart fürstl. tischr. (1617) 2, 23. zur synonymik vgl. Eberhard-Lyon syn. hdwb. (1910) 479. im 17./18. jh. begegnet das wort häufig als neutr., vielleicht nach vorbildern wie karussell, rondell (Kluge-Götze etym. wb.15 904b): ain zütadell (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; vom citadell almanach d. dt. musen (1779) 209; das citadell H. v.

[Bd. 31, Sp. 1656]


Kleist w. 5, 145 E. Schmidt. in den wbb. erscheint zitadelle im nl. schon zu beginn, im dt. dagegen erst am ende des 17. jhs.: citadelle Kilian etym. teut. ling. (1605) 698a; cittadell (n.) Kramer teutsch-it. (1678) 319a; citadell (die) Ludwig teutsch-engl. (1716) 397; citadell (n.) arx Frisch teutsch-lat. (1741) 1, 170c; citadell (f.) ders., nouv. dict. 2 (1752) 151b; citadelle Campe wb. z. verdeutschung (1801) 228b.
1) eigentlich: (die einwohner brauchen nicht) z leiden, dasz schlösser, festungen oder citadell, es sey dann mit ihrer verwilligung und zlassen in ihren stedten gebawet werden edict kgl. maj. aus Frankreich (1573) B 2a; uff den Galler (ortsname) hat der Franzosz, so es ihme blüben, ain zütatell wollen laszen bawen (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; der ganz unvergleichliche oberingenieur Bott, welcher zu Wesel die citadelle erbauet (1713) Berliner geschr. zeitungen 3 Friedl.; sonst war meine seele wie eine stadt mit geringen mauern, die hinter sich eine citadelle auf dem berge hat. das schloss bewacht ich, und die stadt lies ich in frieden und krieg wehrlos (1778) Göthe IV 3, 224 W.; die katholischen geistlichen (fanden es) rathsam, die besten kostbarkeiten der kirchen in die zitadelle zu flüchten Schiller 7, 233 G.; an der esplanade zwischen der stadt und der citadelle läuft eine sehr schöne, breite allee längs der stadt hin J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 247; auf den plätzen, in den gassen, in den werkstätten, in den kirchen, auf dem rathause und in der zitadelle wurde das wort gehört W. Raabe s. w. I 5, 468; (eine französische armee war) vor der von den Holländern besetzten zitadelle von Antwerpen eingetroffen Roon denkw. (1892) 1, 64;

sie (die Sibylle) aber stand
jeden abend auf derselben stelle,
schwarz wie eine alte zitadelle
hoch und hohl und ausgebrannt
Rilke ges. w. (1927) 3, 137;

general Clausz feiert ostern in Brest-Litowsk auf der zitadelle, wo ihm niemand zuschaut A. Zweig eins. e. königs (1950) 169.
2) in bildlicher anwendung. von einem beschützer oder etwas beschützendem:

du (jungfrau Maria) kastel und zyttidell
mit wol beschloszner porten
Hermann v. Sachsenheim 235 lit. ver.;

gott ist der Christen hülff und macht,
ein veste citadelle,
er wacht und schillert tag und nacht,
thut rond und sentinelle
Moscherosch gesichte (1650) 2, 690;

das haus ist die citadelle der sitte Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 3, 12. ähnlich vom hauswesen (vgl.my home is my castle): nachdem du dir deine citadelle durch den aufwand deines ganzen lebens erbaut (1832) Göthe IV 49, 265 W.; denn die behörden wuszten wohl, dasz er in seiner zitadelle, seinen mit büchern überfüllten zimmern ohne maske und schminke sprach Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 390. von der dame, die erobert werden soll: die festung, die ich biszher so lange belägert, hat parlamentiret, der accord ist geschlossen, und soll von uns beyden auff künfftig unterzeichnet, auch bald darauff die citadel in posses genommen werden Gryphius lustsp. 105 lit. ver. von einem schiff:

ein schwimmend heer furchtbarer citadellen (die armada)
Schiller 4, 110 G.


 
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zitadellschiff, n., in den 70er, 80er jahren des 19. jhs. gebauter panzerschiffstyp, bei dem nur die wichtigsten teile gepanzert waren: es entstanden andere schiffstypen, turmschiffe, kasemattschiffe und zitadellschiffe Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 1, 505.
 
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zitat, n. , vgl. nl. citaat, dän., schwed. citat, russ. citata. 'das angeführte', bes. die angeführte textstelle aus einem buch, von einem autor; von lat. citatum (zu

[Bd. 31, Sp. 1657]


citare, vgl. zitieren B), das im 18. jh. aus der lateinischen gelehrtensprache ins deutsche dringt. zunächst noch in lat. form im dt. textzusammenhange: in einigen ganz kurzen anmerkungen und citatis (1754) Reichel in: Gottsched u. s. zeit 382 Danzel; lexikalisch: citata 'angeführte stellen aus schriften, wofür man mit einem worte anführungen und nachweisungen sagt' Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; vereinzelt im sinne einer beispielhaften erwähnung und namensnennung (vgl. zitieren B 3 a): Bodmer, Schlegel ..., die nur als ein citatum dastehen (bei besprechung eines kunsttheoretischen werkes) Herder 5, 399 S.
1) das angeführte wort; die angeführte stelle aus einem buch, von einem autor.
a) allgemein. bisweilen spielt die tätigkeit des zitierens (vgl. zitation 2) mit in die wortbedeutung hinein (s. unten Göthe, Fontane):

kunstwörter müssen dann der dummheit blösze decken,
und ein gelehrt citat macht zierden selbst zu flecken
Lessing 1, 252 L.-M.;

Friedrich ... brachte nach seiner art mit hundert citaten und eulenspiegelhaften anspielungen die gesellschaft zum lachen Göthe I 23, 302 W.; ich verspare die ausführung meines systems für ein ... buch, wozu ein ocean von citaten in bereitschaft liegt J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 233; Eduard schenkte dem ächt schlesischen citate (einem sprichwort) ... keine besondere aufmerksamkeit Holtei erz. schr. (1861) 21, 162; unbelegte citate (ohne quellenangabe) sind unordentlich zusammengeraffte, unbeglaubigte, unbeeidete zeugen J. Grimm vorrede zum dt. wb. (1854) xxxvi; die Berliner sind spaszmacher und gefallen sich in ironischen bemerkungen und zitaten Fontane ges. w. (1905) I 4, 323; damit durch obiges Dante-zitat kein miszverständnis entstehe, musz schnell berichtet werden, dasz Lauro nur sehr selten ein buch las Werfel geschw. v. Neapel (1931) 107; 'sie berauben Hamlet um ein zitat, lieber Clausz'. und ebenso ernst entgegnete der stabschef ..., im kriege mit England seien zitate ein für allemal. von Schiller A. Zweig eins. e. königs (1950) 34. ungewöhnlich ist übertragener gebrauch: und so baute er aus glasperlen musikalische zitate H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 42.
b) als 'geflügeltes wort' ein häufig angeführtes, besonders prägnantes (dichter-)wort. von a nicht streng zu scheiden. hierzu auch die komposita zitatenfest, zitatenschatz (s. u.): Schiller ist es darum zu thun, dasz die reflexion so, d. h. in solcher form herauskommt, wie sie als zitat sogleich in den gebildeten verkehr als geprägte münze in umlauf kommen kann O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 283; die worte (in einer aufführung des Don Carlos) galten vielen nur noch als tönender klang, als zitat sonntag (15. 5. 1955) 7e.
2) in der wissenschaftlichen fachsprache die quellenangabe einer stelle oder eines wortes (vgl. zitieren B 2): schauspiele nach dem act und auftritt anzuführen wird für ein wörterbuch, das kurzer citate bedarf, ... unbequem und unsicher J. Grimm vorr. zum dt. wb. 1 (1854) xxxvii; die auszüge geschehen auf kleinen einzelnen zetteln, ... obenhin das gemeinte wort, dann die phrase, welche den genauen sinn fassen läszt, ohne erst nachzuschlagen, zuletzt das citat (1839) J. Grimm br. 75 Gürtler-Leitzm.; ein zitat (quellenangabe für den belegort eines wortes) wie 'Gorkij' würde eine verwechselung der stadt G. mit dem dichter G. zur folge haben M. Vasmer russ. etym. wb. 1 (1953) X.
 
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zitatenfest, adj., sicher und gewandt im anführen geflügelter worte nach dem gedächtnis: übrigens ist er ein mann von kopf, wie ich höre, wohlbelesen und zitatenfest Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 13. —
 
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-prunk, m.: der gelehrte citatenprunk Tholuck vorgesch. d. rationalism. II 2 (1862) 113. —
 
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-schatz, m., sammlung von geflügelten worten: G. Büchmann

[Bd. 31, Sp. 1658]


geflügelte worte. der zitatenschatz des deutschen volkes (271926) titel; eine formulierung, die seither ... zum klassischen zitatenschatz gerechnet werden musz sonntag (13. 3. 1955) 9a. —
 
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-schaustellung, f.: jeder kenner weisz aber, wie wohlfeil es ist, ... derartige zitatenschaustellung zusammenzubringen (1858) K. Marx briefw. (1913) 2, 242.

 

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