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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zistenröslein bis zitat (Bd. 31, Sp. 1652 bis 1656)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -röslein, n.: cisten-röslein 'eine pflanze mit vielen, dem fruchtboden einverleibten staubfäden, einem staubwege, und einer fünfblätterigen krone, welche in Italien und Spanien wächset' Adelung 1 (1774) 1206; cistenröslein cistus salvifolius Zschokke s. ausg. schr. (1824) 11, 330. —
 
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-saft, m., der saft von cytinus hypocystis, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1309; hypocistensaft, zistensaft succus hypocistidis Holl pflanzenn. (1833) 173b.
 
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zister, cister, (genus?), 'von frz. cistre, ist ein schon im mittelalter nachweisbares guitarreninstrument mit birnförmigem korpusumrisz, mit nach unten hin abnehmender zargenbreite und mit doppelten drahtsaiten' C. Sachs real-lex. d. musikinstrumente (1913) 82b; unter der konkurrenz dieses instruments (der guitarre) ging die cister am anfang des 19. jhs. ein ebda 84a; die mit metallsaiten bespannten zistern ... waren neben der viel vornehmeren laute als dilettanteninstrumente viel gebraucht J. Schlosser präludien (1927) 384. vgl. 2zither.
 
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zisterne, f. , unterirdischer, meist durch überdachung geschützter sammelraum für regenwasser; engl., schwed. cistern, dän. cisterne (mnl. und mnd. s. unten). lat. cisterna zu cista (entlehnt < gr. κίστη) 'kiste, kasten' mit demselben, vermutlich etruskischen suffix gebildet wie caverna, dringt um 1100 ins deutsche, bleibt jedoch stets fremdwort (vgl. die heutige betonung) und kommt gelegentlich sogar in dt. satzzusammenhang in lat. form vor: und ist sich zu verwundern das öberst dös bergs ein cisterna Samuel Kiechel reisen 354 lit. ver. ansätze zur eindeutschung schlagen fehl: cister (neben cistern; bair-österr., 15./16. jh.) summa legum

[Bd. 31, Sp. 1653]


d. sog. Raymundus 647 Gál; dazu der dat. pl.: in eygen zysteren Hans Sachs 1, 253 lit. ver., und der nom. pl. cisteren U. Schmidel reise nach Südamerika 91 lit. ver. sowie das diminutiv: zisterlîn Heinrich v. Freiberg leg. v. hl. kreuz 591 Bernt; zwistern (dat. pl.) Schiltberger reiseb. 132 lit. ver. (dazu: Germania 5, 247); cinster (15. jh. rhld. mit nd. vorlage) Diefenbach nov. gl. 93b; cisserna cissern (15. jh., md.) ders., gl. 124a. auf einflusz nd.-ndl. lautung, bzw. schreibweise deuten: syssternen (pl.) A. v. Harff pilgerf. 80 Groote, vielleicht auch: sixternen (pl.) Hier. Halverius Pauli Jovij warh. beschr. (1570) 235; cistarna cistarn (15. jh., md.) Diefenbach gl. 124a; vgl. dazu mnl. cisterne, cistaerne, cisteerne, sisterne Verwijs-Verd. 1, 1507; mnd. sisternen (pl.) Joh. v. Brakel Ägidius Romanus 106 Mante. im spätmhd. und frühnhd. begegnet gelegentlich mascul. genus: einen zisternen Schwabenspiegel 93 Lassberg; der cistern Felix Fabri eigentl. beschr. d. farth zu d. heyl. landt gen Jerusalem (1557) 71. der sg. schwankt bis zum frühnhd. zwischen starker und schwacher flexion.
die zisterne ist in grund- und quellwasserarmen südlichen gegenden zu hause, mit den Römern kommt sie auch nach Deutschland, wird aber nur beschränkt (bes. auf burgen) verwendet, vgl. M. Heyne dt. hausaltert. 1, 200, 381. während cisterna, dt. zisterne terminus technicus für den gemauerten oder aus dem felsen ausgehauenen unterirdischen sammelbrunnen ist, gibt es daneben die kunstlose altheimische grube, md., nd. kule (cisterna eyn kûle Diefenbach gl. 124a) als sammelstelle für regenwasser. die meisten belege für das seit dem 11./12. jh. im dt. bezeugte wort bietet die übersetzungs- und reiseliteratur, während es in dt. umgebung seltener erscheint. die erste dt. bibel hat für lat. cisterna stets zisterne, Luther dagegen meidet in der bibelübersetzung zisterne (nur einmal belegt, s. u. 1) und gibt lat. cisterna durch grube, kolke, (ausgehauener) brunnen wieder. die wbb. verzeichnen zisterne regelmäszig seit dem ende des 15. jhs.: zistern cisterna, compluvium, exceptoria voc. teut. (Nürnberg 1482) pp 8a; zistern cisterna est genus putei voc. inc. teut. (1485) qq 1b; cistern, wasserhalt cisterna Dasypodius (1536) 304b; cistern, f., eine krufft oder gemaurte höhle under der erden, darin man regenwasser hält und bewahret, une cisterne, cisterna, vide wasserfang und regenbrunn Duez germ.-gall.-lat. (1664) 87a; die cisterne ..., ein steinernes oder ausgemauertes behältnisz, worinn das regenwasser gesammelt und aufbehalten wird, dergleichen in den warmen ländern sehr gewöhnlich sind Adelung 1 (1774) 1206.
1) eigentlich: die fona dera christenheite chodent (sagen) daz man fone dera cisternen chuit (sagt) 'irskephit sia unze an den podem' Notker ps. 136, 7 Heinzel-Scherer (eine bair. bearbeitg. d. 11. jhs., die dem original nähersteht, hat noch das lat. cisterna);

nu sehet ze deme troumare (Joseph)
er bringet niumare!
slahem wir den selben hunt
und werfen in in dirre zisternen grunt genesis 3581 Dollmayr;

ein wurm wûchs dar inni,
der irdranc alli brunni
dî dir in der burch wârin (in Jerusalem),
dî cisternin wurdin lêri lob Salomonis in: dkm. dt. poes. u. prosa3 1, 126 M.-Sch.;

wenn ez (d. regenwasser) in ainer zistern gestêt und lauter wirt, sô sterket ez den magen und schadet im nihts Konrad v. Megenberg buch d. natur 104 Pf.; unde (d. markgraf v. Meiszen) ersteigk Warpergk (d. Wartburg) ... hyndene bey dem zwistern Johann Rothe düring. chron. 509 Lil.; und die stadt (Alexandrien) hatt anders chain wasser ze trincken, dann das selb wasser (des Nils); sie haben es gelaitt in cisternen in die stadt Schiltberger reisebuch 80 lit. ver.; da man nu zwenzig tage die brunnen verwaret hatte, hatten die von Bethulia

[Bd. 31, Sp. 1654]


kein wasser mehr, weder in cisternen noch sonst Judith 7, 12; ist er ... verborgen gelegen in einer alten zistern, die nit wasser hette Hedio chron. Germ. (1530) O 6a; der zwinger, schlachthawss, pachauss, zistern sullen allenthalben zu gleicher haltung gemein sein eim als dem andern (1471—1564) chron. d. st. Elbogen 11 Schlesinger; dann ob man gleich wol in etlichen stätten, flecken, schlössern und festungen, denen die natur die wasserflüsz und brönnen benommen, das regenwasser in den zisternen oder wasserkaltern auffbehalten unnd zur nohtturfft brauchen thut Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 433; wir handeln den göttern den regen ab, legen grosze cisternen an, und vereinzeln ihn an die irdischen, wenns dürrung gibt (übers. d. 'vögel' d. Aristophanes) Göthe I 17, 111 W.; indem er die öffentlichen zisternen und ihre Danaiden ansieht Jean Paul w. 3, 223 Hempel. bisweilen werden auch die über der erde liegenden, häufig mit einer bildsäule geschmückten brunnen auf marktplätzen, die sog. röhrkästen oder springbrunnen, zisterne genannt, vgl. Voch baulex. (1781) 65 (s. v. cisterne), 234 (s. v. röhrkasten).
2) erweitert 'sammelstelle, gefäsz für wasser', dann allgemein 'gefäsz für flüssigkeiten'.
a) in verschiedenen technischen verwendungen. als behälter für öl: (öl) fon der zisterne (von Franchavilla in Italien) an das mer zu füren (Augsburg 1506) bei K. O. Müller welthandelsbräuche (1480—1540) 142. dazu das kompositum: ölzisterne wochenpost (4. 2. 1956) 15c. in schiffen als teil des drainagesystems: Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 220. zu dieser gruppe gehören auch die kompp. zisternenschiff, -wagen (s. d.).
b) in der anatomie: verschiedene gefäsze im menschlichen organismus. in der medizinischen fachsprache wird meist die lat. form cisterna gebraucht. α) der milchsaftbehälter (cisterna chyli), ein teil des lymphsystems: 'in der anatomie wird auch das gemeinschaftliche behältnisz des nahrungssaftes und aderwassers, die cisterne oder der sammelkasten, cisterna, genannt' Adelung versuch 1 (1774) 1207. β) 'die an manchen stellen der hirnbasis und am übergang zum rückenmark gelegenen liquorgefüllten höhlen cisternae leptomeningicae' Pschyrembel klin. wb. (1951) 149. in dt. form nur in der zusammensetzung: zisternenpunktion eingriff am zentralnervensystem, subokzipitalpunktion gr. Brockhaus 20 (1935) 663.
3) beim vergleich, im bildlichen und übertragenen gebrauch bes. häufig das gefäsz für etwas seelisches oder geistiges:

Gâwân sich hal des tougen,
daz sîniu liehten ougen
weinen muosen lernen.
zeiner zisternen
wârn si beidiu dô enwiht:
wan si habtens wazzers niht
Wolfram v. Eschenbach Parzival 661, 24 Lachmann;

in diner (d. jungfrau Maria) güet zistern
laus mich min hercz erküln
Hermann v. Sachsenheim 237 lit. ver.;

seht ihr in Leipzig die fischlein, die sich in Sulzers cisterne
regen, so fangt euch zur lust einige grundeln heraus
(xenie auf die zusätze Blankenburgs u. a. zu Sulzers 'theorie d. schönen künste')
Schiller 11, 109 G.;

das ummauerte rund jener toten zisterne ..., welche vergangenheit hiesz El. Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 71. die anregung für die verwendung von zisterne als etwas negativem, herabsetzendem gibt die bibelstelle Jeremia 2, 13, die den lebendigen gott dem quellenden brunnen, die götzen aber den zisternen, die kein eigenes wasser geben, vergleicht: das wir also lossent alle cisternen (d. seelenlose christentum), das uns das wasser der woren minne werde in gegossen, des helf uns die ewige minne Tauler pred. 291 V.;

[Bd. 31, Sp. 1655]


wol hin, ir rechten cisternen (ihr seelenlosen christen): wer der lebende burne ie geqwollen in úwern dúrren grunt, so enwurde niemer an úch funden underscheit der personen ebda 287; doch ist in (den priestern) albeg (alle wege) der uberfluss zevermeiden, ... dann welh reich werden wellen, dieselben fallen in versuoechung und strick des dewfels. sy graben inenselbs kraeckig cistern, die nit wasser gehaben Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 468 Reithm.; hat also der meister fürwitz sich des wassers der leere Christi nit wellen vergnegen lassen, sonder eigen zisternen graben J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 27 Götz.; verlassen hastu den brunnen aller wollüst (gott) und hast dir gegraben trockene cisternen die kein wasser halten können Spee güld. tugendb. (1649) 426; du bist schon so lange zeit her ein brunn alles trosts und freuden gewesen, siehe, wie so unverhofft dich der allmächtige hat in eine ausgetrocknete zisterne verkehrt (Wien während der pest) Abr. a s. Clara w. 2, 177 Strigl.
 
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zistern(en)meister, m., im mittelalter vermutlich der für die wartung der zisterne(n) auf einer burg verantwortliche, vgl. brunnenmeister teil 2, sp. 436: zisternmaister (15. jh.) mittelalterl. invent. a. Tirol u. Vorarlberg 121 Zingerle.
 
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-schiff, n. 1) zur beförderung von öl: tankschiff Meyers convers.-lex. 20 (1908) 961; veraltete bezeichnung für tankschiff gr. Brockhaus 20 (1935) 663. 2) zisternenschiff ein leichterfahrzeug mit groszem laderaum für frischwasser, dazu bestimmt, schiffe auf der reede oder im hafen mit trink-, wasch- und kesselspeisewasser zu versorgen Meyers convers.-lex. 20 (1908) 408. —
 
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-wagen, m., eisenbahnwagen zur beförderung von flüssigkeiten: zisternenwagen, gefäszwagen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 1005; zisternenwagen, wasserwagen gr. Brockhaus 20 (1935) 663. dazu das kompositum: zisternenwagenpark (für den transport von erdöl) sonntag (20. 11. 1955) 2c. —
 
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-wasser, n., im gegensatz zum quell- oder brunnenwasser in der zisterne abgestandenes wasser, das leicht faul schmeckt; bis zum beginn des 18. jhs. daneben die form zisternwasser: cisternina aqua cisternwasser oder gesamlet rägenwasser Frisius dict. (1556) 228b; zisternenwasser Stieler stammb. (1691) 2445; regensarck- ò zisternwasser Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1266b; cisternenwasser Adelung 1 (1774) 1206; in brunnen- oder cisternenwasser Österreicher Columella 2, 320 Löffler; jedes natürlicher verstand ist die beste quelle, welche lehrbegierige gesellschafft vergnügt; da hingegen das erlernte nur für unerregtes cistern- oder grubenwasser zu achten ist Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2 (1657) 306; die menschen, die mir mein tränenbrod und das zisternenwasser brachten Schubart leben 2 (1793) 147; faules zisternenwasser G. Keller nachgel. schr. (1893) 321.
 
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zitadelle, f. : 'castellum, propugnaculum, arx imminens urbi, ist eine kleine festung von vier, fünff bis sechs bollwercken, welche man gern an den höchsten ort der stadt, an den einfluss der flüsse, an den ort, wo die meiste zufuhr ist, mit einem wort an den vortheilhafftigsten ort einer stadt leget, damit man sie sowohl desto besser beschützen, als auch im zaum halten könne' Fäsch kriegslex. (1735) 179; das zu ait. cittade (< vulgärlat. civitatem) gebildete diminutiv cittadella 'kleine stadt, stadtschlosz' dringt in dieser form ins humanist. lat. und im 15. jh. als citadelle ins frz. alle drei sprachen tragen das wort ins dt., wo es 1453 bei Hermann v. Sachsenheim (s. u. 2) zum erstenmal auftritt; es verdrängt das ältere dt. schlosz in der bedeutung 'stadtfestung'. vgl.: citadella oder schlosz J. W. Gebhart fürstl. tischr. (1617) 2, 23. zur synonymik vgl. Eberhard-Lyon syn. hdwb. (1910) 479. im 17./18. jh. begegnet das wort häufig als neutr., vielleicht nach vorbildern wie karussell, rondell (Kluge-Götze etym. wb.15 904b): ain zütadell (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; vom citadell almanach d. dt. musen (1779) 209; das citadell H. v.

[Bd. 31, Sp. 1656]


Kleist w. 5, 145 E. Schmidt. in den wbb. erscheint zitadelle im nl. schon zu beginn, im dt. dagegen erst am ende des 17. jhs.: citadelle Kilian etym. teut. ling. (1605) 698a; cittadell (n.) Kramer teutsch-it. (1678) 319a; citadell (die) Ludwig teutsch-engl. (1716) 397; citadell (n.) arx Frisch teutsch-lat. (1741) 1, 170c; citadell (f.) ders., nouv. dict. 2 (1752) 151b; citadelle Campe wb. z. verdeutschung (1801) 228b.
1) eigentlich: (die einwohner brauchen nicht) z leiden, dasz schlösser, festungen oder citadell, es sey dann mit ihrer verwilligung und zlassen in ihren stedten gebawet werden edict kgl. maj. aus Frankreich (1573) B 2a; uff den Galler (ortsname) hat der Franzosz, so es ihme blüben, ain zütatell wollen laszen bawen (1644) Bürster beschr. d. schwed. krieges 221 Weech; der ganz unvergleichliche oberingenieur Bott, welcher zu Wesel die citadelle erbauet (1713) Berliner geschr. zeitungen 3 Friedl.; sonst war meine seele wie eine stadt mit geringen mauern, die hinter sich eine citadelle auf dem berge hat. das schloss bewacht ich, und die stadt lies ich in frieden und krieg wehrlos (1778) Göthe IV 3, 224 W.; die katholischen geistlichen (fanden es) rathsam, die besten kostbarkeiten der kirchen in die zitadelle zu flüchten Schiller 7, 233 G.; an der esplanade zwischen der stadt und der citadelle läuft eine sehr schöne, breite allee längs der stadt hin J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 247; auf den plätzen, in den gassen, in den werkstätten, in den kirchen, auf dem rathause und in der zitadelle wurde das wort gehört W. Raabe s. w. I 5, 468; (eine französische armee war) vor der von den Holländern besetzten zitadelle von Antwerpen eingetroffen Roon denkw. (1892) 1, 64;

sie (die Sibylle) aber stand
jeden abend auf derselben stelle,
schwarz wie eine alte zitadelle
hoch und hohl und ausgebrannt
Rilke ges. w. (1927) 3, 137;

general Clausz feiert ostern in Brest-Litowsk auf der zitadelle, wo ihm niemand zuschaut A. Zweig eins. e. königs (1950) 169.
2) in bildlicher anwendung. von einem beschützer oder etwas beschützendem:

du (jungfrau Maria) kastel und zyttidell
mit wol beschloszner porten
Hermann v. Sachsenheim 235 lit. ver.;

gott ist der Christen hülff und macht,
ein veste citadelle,
er wacht und schillert tag und nacht,
thut rond und sentinelle
Moscherosch gesichte (1650) 2, 690;

das haus ist die citadelle der sitte Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 3, 12. ähnlich vom hauswesen (vgl.my home is my castle): nachdem du dir deine citadelle durch den aufwand deines ganzen lebens erbaut (1832) Göthe IV 49, 265 W.; denn die behörden wuszten wohl, dasz er in seiner zitadelle, seinen mit büchern überfüllten zimmern ohne maske und schminke sprach Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 390. von der dame, die erobert werden soll: die festung, die ich biszher so lange belägert, hat parlamentiret, der accord ist geschlossen, und soll von uns beyden auff künfftig unterzeichnet, auch bald darauff die citadel in posses genommen werden Gryphius lustsp. 105 lit. ver. von einem schiff:

ein schwimmend heer furchtbarer citadellen (die armada)
Schiller 4, 110 G.


 
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zitadellschiff, n., in den 70er, 80er jahren des 19. jhs. gebauter panzerschiffstyp, bei dem nur die wichtigsten teile gepanzert waren: es entstanden andere schiffstypen, turmschiffe, kasemattschiffe und zitadellschiffe Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 1, 505.
 
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zitat, n. , vgl. nl. citaat, dän., schwed. citat, russ. citata. 'das angeführte', bes. die angeführte textstelle aus einem buch, von einem autor; von lat. citatum (zu

[Bd. 31, Sp. 1657]


citare, vgl. zitieren B), das im 18. jh. aus der lateinischen gelehrtensprache ins deutsche dringt. zunächst noch in lat. form im dt. textzusammenhange: in einigen ganz kurzen anmerkungen und citatis (1754) Reichel in: Gottsched u. s. zeit 382 Danzel; lexikalisch: citata 'angeführte stellen aus schriften, wofür man mit einem worte anführungen und nachweisungen sagt' Campe verdeutschungswb. (1801) 228b; vereinzelt im sinne einer beispielhaften erwähnung und namensnennung (vgl. zitieren B 3 a): Bodmer, Schlegel ..., die nur als ein citatum dastehen (bei besprechung eines kunsttheoretischen werkes) Herder 5, 399 S.
1) das angeführte wort; die angeführte stelle aus einem buch, von einem autor.
a) allgemein. bisweilen spielt die tätigkeit des zitierens (vgl. zitation 2) mit in die wortbedeutung hinein (s. unten Göthe, Fontane):

kunstwörter müssen dann der dummheit blösze decken,
und ein gelehrt citat macht zierden selbst zu flecken
Lessing 1, 252 L.-M.;

Friedrich ... brachte nach seiner art mit hundert citaten und eulenspiegelhaften anspielungen die gesellschaft zum lachen Göthe I 23, 302 W.; ich verspare die ausführung meines systems für ein ... buch, wozu ein ocean von citaten in bereitschaft liegt J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 233; Eduard schenkte dem ächt schlesischen citate (einem sprichwort) ... keine besondere aufmerksamkeit Holtei erz. schr. (1861) 21, 162; unbelegte citate (ohne quellenangabe) sind unordentlich zusammengeraffte, unbeglaubigte, unbeeidete zeugen J. Grimm vorrede zum dt. wb. (1854) xxxvi; die Berliner sind spaszmacher und gefallen sich in ironischen bemerkungen und zitaten Fontane ges. w. (1905) I 4, 323; damit durch obiges Dante-zitat kein miszverständnis entstehe, musz schnell berichtet werden, dasz Lauro nur sehr selten ein buch las Werfel geschw. v. Neapel (1931) 107; 'sie berauben Hamlet um ein zitat, lieber Clausz'. und ebenso ernst entgegnete der stabschef ..., im kriege mit England seien zitate ein für allemal. von Schiller A. Zweig eins. e. königs (1950) 34. ungewöhnlich ist übertragener gebrauch: und so baute er aus glasperlen musikalische zitate H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 42.
b) als 'geflügeltes wort' ein häufig angeführtes, besonders prägnantes (dichter-)wort. von a nicht streng zu scheiden. hierzu auch die komposita zitatenfest, zitatenschatz (s. u.): Schiller ist es darum zu thun, dasz die reflexion so, d. h. in solcher form herauskommt, wie sie als zitat sogleich in den gebildeten verkehr als geprägte münze in umlauf kommen kann O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 283; die worte (in einer aufführung des Don Carlos) galten vielen nur noch als tönender klang, als zitat sonntag (15. 5. 1955) 7e.
2) in der wissenschaftlichen fachsprache die quellenangabe einer stelle oder eines wortes (vgl. zitieren B 2): schauspiele nach dem act und auftritt anzuführen wird für ein wörterbuch, das kurzer citate bedarf, ... unbequem und unsicher J. Grimm vorr. zum dt. wb. 1 (1854) xxxvii; die auszüge geschehen auf kleinen einzelnen zetteln, ... obenhin das gemeinte wort, dann die phrase, welche den genauen sinn fassen läszt, ohne erst nachzuschlagen, zuletzt das citat (1839) J. Grimm br. 75 Gürtler-Leitzm.; ein zitat (quellenangabe für den belegort eines wortes) wie 'Gorkij' würde eine verwechselung der stadt G. mit dem dichter G. zur folge haben M. Vasmer russ. etym. wb. 1 (1953) X.

 

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