Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zispern bis zisten (Bd. 31, Sp. 1649 bis 1652)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zispern, vb., mit schnellen kurzen schritten gehen Jungandreas schles. zeitwortb. 85. frequentativum zu 1zispen 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zispern, vb. , flüstern, kreischen (von fledermäusen). lautmalend, ableitung von dem nur ahd. bezeugten verbum zispen (vgl. auch zispeln): zispin (nullusque contra filios Israel) mutire (ausus est. Josua 10, 21; 12. jh.) ahd. gl. 1, 379, 3 St.-S.; dazu als intensivum auch mhd. zispezen Lexer 3, 1136. seit dem 16. jh. belegt, vorwiegend ostmd. (bes. schles.), aber auch obd.: zischpern flüstern Jungandreas schles. zeitwortb. 62; zispern Schröer wb. d. ungr. Berglandes 2, 217a; Stalder schweiz. id. 2, 476.
1) von menschen 'flüstern': zispern pispigliare, bidugliare, sibilare Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1469b;

[Bd. 31, Sp. 1650]


ich zischpere obscura voce cum aliquo garrio, susurro Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; zispern chucheter nouv. dict. (1762) 1, 1131b;

es ist nicht lang, das es geschach,
ich haymlich schlich für ein gemach.
darinn erhört ich gmachsam ziszpern,
zwo person mit eynander vispern
Hans Sachs 4, 356 lit. ver.;

mit ... zispern und murmeln Troilo orient. reisebeschr. (1676) 141; dann mit frau von Larisch und Louise auf den markt, wo wir unter den bauden die mama, andere Lubowitzer (zischpernd) und allerhand begegneten Eichendorff Lubowitzer tagebuchbl. 75 Nowack; und zischperte dar Marie ganz verholn was ins ohr J. Lowag ges. schr. (1902) 8, 250.
2) von fledermäusen 'kreischen'. nur im 17. jh. belegt:

die schwalben vispern,
fledermeusz zispern
Eyering proverb. copia (1601) 2, 131;

zisperen wie die fledermäuse Schottel haubtspr. (1663) 1449. nach Stieler stammb. (1691) 2649 gibt zispern auch vogelstimmen wieder, jedoch auch dort: stridere ut vespertilio.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisselberte, f., das wintergoldhähnchen, regulus regulus (L.): zisselperte goldhähnchen Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 23; ziszelberte Naumann vögel (1822) 2, 968.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisseln, vb., (einen baum) schütteln, (heu) auflockern, (zucker, samenkörner) auseinanderstreuen, (das masz) locker füllen. frequentativum zu zissen (zur germ. wz. *tis- 'zupfen') 'schütteln' Stroh Naumstadt 10; nd. tissen 'verfilzen' Mensing schlesw.-holst. 5, 70; 'wirren' Jørgensen dithmarsche ma. 297; vgl. das von der gleichbedeutenden wurzel *tus- gebildete zusseln, züsseln (teil 16, sp. 840). zisseln erscheint nur in md. dialekten, bes. im hessischen, zuweilen mit dehnung des vokals: zisseln Vilmar Kurhessen 471; Hofmann niederhess. 270a; Reuting Höchst 50; zisele Schön Saarbrücken2 234b; zisselen Grassow-Heidelbach Kassel 90a; ziseln, zieseln, zisseln Kehrein Nassau 1, 454; zissele, zisseln Crecelius oberhess. 938 (s. v. zusseln); zieseln Schmidt Westerwald 338; zesseln Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 339b; hetten H. Schmitts wittib und Matthes Bruckers tochter dem gemeinen becker die birn geziszelt und sich schürtz voll gemacht Ilbenstadter gerichtsbuch v. 18. 11. 1750 (Wetterau). im schles. nur als kompos.: einzisseln locker das masz füllen, schlecht messen Weinhold schles. wb. 2, 109b; aintsîzln Jungandreas schles. zeitwortbildung 76.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zissemännchen, n., (s. a. ziesemännchen sp. 1233). nur in der nd. form zissemänneken belegt; ein kleines aus angefeuchtetem schieszpulver geformtes kegelchen, das oben mit trockenem pulver bestreut wird und dann angezündet zischet und sprühet (Fallersleben) bei Frommann dt. maa. 5, 302; abweichend beschrieben als 'sprühteufel, aufflammende schwarzpulverladung im strohspier oder hohlschlüssel oder freiliegend' Frederking Hahlen 180. kompos. aus mnd., nd. sissen, zissen 'zischen' und dem diminutiv von mann. zur bedeutung von männeken vgl.feuermännche machen 'mit feuer spielen, von kindern' rhein. wb. 2, 431a. auszerdem gleicht der aufrecht stehende pulverkegel einem männchen; vgl. pulvermännchen teil 7, sp. 2222; petermännchen (s. v. peter 7) teil 7, sp. 1578; schmiedeknecht 2, teil 9, sp. 1061. in den maa. des nd. stammlandes reich belegt: ziesemänneken Leithäuser Barmen 174a; zisemännken ebda, nachtr. 31; ziesemänneken Elberf. ma. 178a; sisemännken Köppen Dortmund 54; sîsemänneken Woeste-Nörrenberg Westf. 238a; Schmoeckel-Blesken wb. d. Soester Börde 276; ssissemännken Böning Oldenburg 97; ziss-männken brem.-nieders. wb. 6, 424; zissmanntje Stürenburg Ostfriesland 338; sisemäneken Bauer-Collitz Waldeck 93;

[Bd. 31, Sp. 1651]


sisemänneken, süsemänneken Schambach Göttingen 192b; zissmännk'n Danneil Altmark 252b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zissen, vb., eine wahrscheinl. im hd.-nd. grenzgebiet entstandene kontrastform zu 2tuschen (teil 11, 1, 2, sp. 1923), das als nd. form aufgefaszt wurde; der vokal zeigt die gleiche vielfalt wie bei tuschen: zissen schweigen heiszen Schmitz Eifel 234; zössen beschwichtigen luxemb. ma. 510a; Hess spr. d. Luxemburger 77. auch im nd. gebiet entsteht anlaut mit z: züschen stille machen Mensing schlesw.-holst. 5, 762.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziste, f., korb. während die form ziste auf frühe entlehnung aus lat. cista (aber mit der mlat.-roman. bedeutung 'korb') hindeutet, weist einmal belegtes zeste (s. u.) auf spätere entlehnung aus it. cesta (mit roman. e < lat. i); das wort ist wie gleichbedeutendes zistel (s. d.), jedoch spärlicher als dieses, nur im südosten des sprachraums bezeugt: die wein und prot in flaschen, zessten und körben auftrugen (1475) bei Schmeller-Fr. 2, 1159; im Eggental, wo die gedörrten kräuter in einer zisten (tragkorb) verwahrt werden Hörmann Tiroler volksleben (1909) 130; zite, f., wäschkorb, schwinge Schröer Gottschee 237; zischt schüsselähnlicher korb (Tirol) Bacher Lusern 428; zist, f., tragkorb Schöpf Tirol 829. dazu das diminutivum: zistlein, n.: tsištle körbchen Tschinkel Gottschee 142; zist'l Schöpf Tirol 829; zistel Unger-Khull steir. 653b;

nim d a hontzischtle, scheanai Mâre;
pai dər kîrchən təscht d mich ins zischtle
Hauffen Gottschee 331.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zistel, f., handkorb verschiedener formen und verwendungsarten; bair.-österr. dialektwort. wie im spätmittelalter verschiedene bezeichnungen für hausgeräte aus Italien ins angrenzende dt. sprachgebiet eindringen (vgl. Öhmann üb. d. it. einfl. 30 in: ann. acad. scient. Fennicae B 51) wird auch zistel aus einer form sistlα (< lat. cistella), die in nordostital. maa. anstatt hochsprachl. ital. cestella begegnet (vgl. K. Jaberg u. J. Jud sprach- u. sachatlas Italiens u. d. Südschweiz 8, 1490, punkt 267), entlehnt. das vorkommen des wortes nur in Baiern-Österreich entspricht der dialektgeographischen verbreitung der fortsetzungen von lat. cistella in den nordital. maa.: Nordostitalien und der dt.-österr. südosten kennen das wort, Nordwestitalien und der schweizerisch-dt. südwesten dagegen nicht: zistel, f. Loritza id. Viennense 148a; Höfer Österr. 3, 336; Lexer Kärnten 266; Schmeller-Fr. 2, 1159; f., seltener n. Unger-Khull steir. 653b; die zīsl (Bayr. Wald.) Bayerns mundarten 2, 450; zistl, m., seltener f. Neubauer Egerländer ma. 109; dsisdl Braun wortgeogr. d. hist. Egerl. 1, 97; 2, 4; tsässel, m. Kisch Nösner w. 160. das masc. wahrscheinlich in anlehnung an korb; das neutr. ist wohl das diminutiv von ziste (s. d.), mit dem es homonym ist. nebenformen: züstl österr. weist. 7, 305; zisl 8, 190; ziestl (vgl. oben zīsl) dt. mundarten 1, 183 Nagl.
die zistel ist in Österreich 'ein runder, tiefer korb, welcher unten immer enger wird, am ende einen zipf oder zapfen hat, und hauptsächlich gebrauchet wird, um das obst von der erde zu sammeln' Höfer Österr. 3, 336, im Egerland 'das groszhenkelige körbchen, in das beim kartoffelernten die kartoffeln gelesen werden' Braun wortgeogr. d. hist. Egerlandes 1, 97 (karte mit abb. ebda 2, 4); und als handzistel oder hängezistel ein 'strohgeflochtener einkaufskorb mit deckel' ebda 1, 146 (karte m. abb. ebda 2, 113). die belege setzen in der mitte des 14. jhs. ein:

so gar schon ez sich daz jar
hat erzaigt untz an dw zeit,
so hat er zwo czistel weit.
dw hat er also genant:
aynew haist 'der vallant'
und die ain 'dw muter sein'
in den zisteln wirt der wein
aus getragen tag und nacht
Heinrich d. Teichner ged. 253, 34 Niewöhner;

[Bd. 31, Sp. 1652]


lege die erstlinge der früchte in ein zeineine cistel (vulgat.: in cartallo) Wenzelbibel 5. Mos. 26, 2 bei Jelinek mhd. wb. 994;

dem esel wechst darauf sein distel,
dem ohsen häu gibt disu zistel
Konrad v. Megenberg sphaera 1, 10 lesart, Matthaei;

dem ochsen heu, dem esel distel,
dem ritter golt geit dise zistel
Vintler pluemen d. tugent 8496 Zingerle;

dô widerfuor in âne swær
ein armer eirær
er truoc ein zistel (15 jh., kretzen 14. jh.) ûf dem ruck
Jansen Enikel weltchron. 24 959 lesart, Str.;

du pist auch aller eren vol,
es käm in ein podenlose zistl wol fastnachtsp. 4, 258 Keller;

item herr richter, der sol haben ain zisl, die er mag tragen an dem ungenanten finger, pisz das ers voll weinpör hat (1563) österr. weist. 8, 191; fur 1 zistel zum gewicht der brotherren (Eger 1579) dt. mundarten 1, 180 Nagl; so rueget man dasz der herr mag drei freitag einen seiner diener mit einer zistel zue einem pfund aier schicken zue dem pürg umb weinbeêr (1691) österr. weist. 11, 196. zweifelhaft, ob zu zistel oder zu kistlein (dim. von kiste teil 5, sp. 859) gehörig, da aussprache des anlautenden c (z oder k?) ungewisz: cistl ... ein korb, kistel, trüchel oder dergleichen bhaltnuss (1571) Simon Roth teutscher dict. 295a Öhmann in: mémoires de la société néo-philologique de Helsingsfors 11; vgl. auch ebda 260. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zistelmacher, m., korbmacher: Hannsz Wolffen, zistelmacher (Eger 1615) dt. mundarten 1, 164 Nagl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisteln, vb., lautmalend, wohl 'flüstern': das zisteln und zischeln wird zu arg, und das gemüt rennt zur entgegnung dem verstande davon (1843) Jahn br. 481 Meyer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisten, m., cistus, familie strauchartiger gewächse der Mittelmeerländer mit rosenähnlichen blüten; s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1027: cistus der zisten Grassmann pflanzennamen (1870) 43. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: