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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zispelich bis ziste (Bd. 31, Sp. 1649 bis 1651)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zispelich, zispelicht, adj., schwatzhaft, wispelig:

lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht freuntlich sprachen
auss waidelichen, gueten, rainen sachen,
sol dein pöschelochter, roter munt
Oswald v. Wolkenstein 12, 14 Schatz;

in der art wie Lenchen, aber etwas weniger hübsch und auch weniger kokett und zispelich (1875) Henriette Feuerbach ihr leben in ihren briefen 300 Uhde- B.
 
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zispeln, vb., zischen, lispeln; lautmalend, vgl. 2zispen, 2zispern: zispilontiu, zisplontiu vel lispentiu (coepissem) anhelantia (stridentiaque verba linguae chaldaicae resonare. praefatio Daniel.; 10. jh. Monseer gloss.) ahd. gl. 1, 657, 2 St.-S.; und fúrwar, ob wol die schlang, genant exedra, zispelt (sibilet) oder schwegelt erste dt. bibel 6, 258 Kurr.; zischpeln lispeln Jungandreas schles. zeitwortb. 76.
 
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zispen, vb. , trans. 'zupfen', intr. 'schleifend gehen'; wie zaspen (sp. 319) zur germ. wurzel *tas-, eine p-erweiterung zu der mit *tas- im germ. sekundär ablautenden wurzel *tis- 'zupfen, reiszen' (vgl. Walde-Pokorny 1, 766), zu der auch norw. tispla 'in streifen zerreiszen' Falk-Torp norw.-etym. wb. 21249 gehört. zur bedeutungsentwicklung 'zupfen > gehen' vgl. DWB zappen (sp. 279), sowie die zahlreichen parallelen bei Jungandreas schles. zeitwortbildung 41, anm. 1.
1) zupfen. ahd. nur im kompos. belegt: extrusit farcispit (8./9. jh.), fircispit (8. jh.), arzispit (anfang des 9. jhs.) ahd. gl. 1, 134, 18 St.-S.;

die Athener ihn (den armen mann) sahen wol,
stacken doch prachts und hochmuths vol
und zispten im an manchem ort,
einer hie und der ander dort
Hans Sachs 16, 405 lit. ver.;

'das kleid (der dame beim höfischen zeremoniell zur huldigung) berühren':

ir niu gewant
unz uf die hant
hat von siden einen rant;
ouwe! daz er nicht erblant,
der ez hovelichen hat gezispet minnesinger 3, 201b v. d. Hagen.


2) schleifend gehen:

er ist an dem tanze ein rehter treibel,
gevuoclich er zispet,
mit dem vuoze er 'z walket unde ribet minnesinger 2, 80a v. d. Hagen;

deine füszlen für in setz
gang zyspen, zaspen übers fletz,
als ein trendel dich vercher,
lasz dich sehen hin und her liederb. d. Hätzlerin 307 Haltaus.

von der schwankenden bewegung beim schleifenden gang übertragen: n' zispen haun ein räuschchen haben Fischer schwäb. 6, 1243.
 
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zispen, vb., zischen, flüstern. s. zispeln und 2zispern.
 
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zispern, vb., mit schnellen kurzen schritten gehen Jungandreas schles. zeitwortb. 85. frequentativum zu 1zispen 2.
 
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zispern, vb. , flüstern, kreischen (von fledermäusen). lautmalend, ableitung von dem nur ahd. bezeugten verbum zispen (vgl. auch zispeln): zispin (nullusque contra filios Israel) mutire (ausus est. Josua 10, 21; 12. jh.) ahd. gl. 1, 379, 3 St.-S.; dazu als intensivum auch mhd. zispezen Lexer 3, 1136. seit dem 16. jh. belegt, vorwiegend ostmd. (bes. schles.), aber auch obd.: zischpern flüstern Jungandreas schles. zeitwortb. 62; zispern Schröer wb. d. ungr. Berglandes 2, 217a; Stalder schweiz. id. 2, 476.
1) von menschen 'flüstern': zispern pispigliare, bidugliare, sibilare Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1469b;

[Bd. 31, Sp. 1650]


ich zischpere obscura voce cum aliquo garrio, susurro Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; zispern chucheter nouv. dict. (1762) 1, 1131b;

es ist nicht lang, das es geschach,
ich haymlich schlich für ein gemach.
darinn erhört ich gmachsam ziszpern,
zwo person mit eynander vispern
Hans Sachs 4, 356 lit. ver.;

mit ... zispern und murmeln Troilo orient. reisebeschr. (1676) 141; dann mit frau von Larisch und Louise auf den markt, wo wir unter den bauden die mama, andere Lubowitzer (zischpernd) und allerhand begegneten Eichendorff Lubowitzer tagebuchbl. 75 Nowack; und zischperte dar Marie ganz verholn was ins ohr J. Lowag ges. schr. (1902) 8, 250.
2) von fledermäusen 'kreischen'. nur im 17. jh. belegt:

die schwalben vispern,
fledermeusz zispern
Eyering proverb. copia (1601) 2, 131;

zisperen wie die fledermäuse Schottel haubtspr. (1663) 1449. nach Stieler stammb. (1691) 2649 gibt zispern auch vogelstimmen wieder, jedoch auch dort: stridere ut vespertilio.
 
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zisselberte, f., das wintergoldhähnchen, regulus regulus (L.): zisselperte goldhähnchen Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 23; ziszelberte Naumann vögel (1822) 2, 968.
 
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zisseln, vb., (einen baum) schütteln, (heu) auflockern, (zucker, samenkörner) auseinanderstreuen, (das masz) locker füllen. frequentativum zu zissen (zur germ. wz. *tis- 'zupfen') 'schütteln' Stroh Naumstadt 10; nd. tissen 'verfilzen' Mensing schlesw.-holst. 5, 70; 'wirren' Jørgensen dithmarsche ma. 297; vgl. das von der gleichbedeutenden wurzel *tus- gebildete zusseln, züsseln (teil 16, sp. 840). zisseln erscheint nur in md. dialekten, bes. im hessischen, zuweilen mit dehnung des vokals: zisseln Vilmar Kurhessen 471; Hofmann niederhess. 270a; Reuting Höchst 50; zisele Schön Saarbrücken2 234b; zisselen Grassow-Heidelbach Kassel 90a; ziseln, zieseln, zisseln Kehrein Nassau 1, 454; zissele, zisseln Crecelius oberhess. 938 (s. v. zusseln); zieseln Schmidt Westerwald 338; zesseln Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 339b; hetten H. Schmitts wittib und Matthes Bruckers tochter dem gemeinen becker die birn geziszelt und sich schürtz voll gemacht Ilbenstadter gerichtsbuch v. 18. 11. 1750 (Wetterau). im schles. nur als kompos.: einzisseln locker das masz füllen, schlecht messen Weinhold schles. wb. 2, 109b; aintsîzln Jungandreas schles. zeitwortbildung 76.
 
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zissemännchen, n., (s. a. ziesemännchen sp. 1233). nur in der nd. form zissemänneken belegt; ein kleines aus angefeuchtetem schieszpulver geformtes kegelchen, das oben mit trockenem pulver bestreut wird und dann angezündet zischet und sprühet (Fallersleben) bei Frommann dt. maa. 5, 302; abweichend beschrieben als 'sprühteufel, aufflammende schwarzpulverladung im strohspier oder hohlschlüssel oder freiliegend' Frederking Hahlen 180. kompos. aus mnd., nd. sissen, zissen 'zischen' und dem diminutiv von mann. zur bedeutung von männeken vgl.feuermännche machen 'mit feuer spielen, von kindern' rhein. wb. 2, 431a. auszerdem gleicht der aufrecht stehende pulverkegel einem männchen; vgl. pulvermännchen teil 7, sp. 2222; petermännchen (s. v. peter 7) teil 7, sp. 1578; schmiedeknecht 2, teil 9, sp. 1061. in den maa. des nd. stammlandes reich belegt: ziesemänneken Leithäuser Barmen 174a; zisemännken ebda, nachtr. 31; ziesemänneken Elberf. ma. 178a; sisemännken Köppen Dortmund 54; sîsemänneken Woeste-Nörrenberg Westf. 238a; Schmoeckel-Blesken wb. d. Soester Börde 276; ssissemännken Böning Oldenburg 97; ziss-männken brem.-nieders. wb. 6, 424; zissmanntje Stürenburg Ostfriesland 338; sisemäneken Bauer-Collitz Waldeck 93;

[Bd. 31, Sp. 1651]


sisemänneken, süsemänneken Schambach Göttingen 192b; zissmännk'n Danneil Altmark 252b.
 
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zissen, vb., eine wahrscheinl. im hd.-nd. grenzgebiet entstandene kontrastform zu 2tuschen (teil 11, 1, 2, sp. 1923), das als nd. form aufgefaszt wurde; der vokal zeigt die gleiche vielfalt wie bei tuschen: zissen schweigen heiszen Schmitz Eifel 234; zössen beschwichtigen luxemb. ma. 510a; Hess spr. d. Luxemburger 77. auch im nd. gebiet entsteht anlaut mit z: züschen stille machen Mensing schlesw.-holst. 5, 762.
 
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ziste, f., korb. während die form ziste auf frühe entlehnung aus lat. cista (aber mit der mlat.-roman. bedeutung 'korb') hindeutet, weist einmal belegtes zeste (s. u.) auf spätere entlehnung aus it. cesta (mit roman. e < lat. i); das wort ist wie gleichbedeutendes zistel (s. d.), jedoch spärlicher als dieses, nur im südosten des sprachraums bezeugt: die wein und prot in flaschen, zessten und körben auftrugen (1475) bei Schmeller-Fr. 2, 1159; im Eggental, wo die gedörrten kräuter in einer zisten (tragkorb) verwahrt werden Hörmann Tiroler volksleben (1909) 130; zite, f., wäschkorb, schwinge Schröer Gottschee 237; zischt schüsselähnlicher korb (Tirol) Bacher Lusern 428; zist, f., tragkorb Schöpf Tirol 829. dazu das diminutivum: zistlein, n.: tsištle körbchen Tschinkel Gottschee 142; zist'l Schöpf Tirol 829; zistel Unger-Khull steir. 653b;

nim d a hontzischtle, scheanai Mâre;
pai dər kîrchən təscht d mich ins zischtle
Hauffen Gottschee 331.

 

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