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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zislaweng bis zissen (Bd. 31, Sp. 1647 bis 1651)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zislaweng, sislaweng, schüslaweng, m. , schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. in adj. verwendung: egal, gleichgültig. ein über ganz Norddeutschland verbreitetes wort, das besonders in burschikoser umgangsspache lebt und gedruckt nur gelegentlich in stark mundartlich gefärbter sprache erscheint. will man das zuerst bei Meyer d. richtige Berliner (1878) 46 bezeugte wort nicht als 'willkürliche wortbildung ohne bestimmte bedeutung' (Betcke Königsberg 67) ansetzen, so deuten die endbetonung und der nasalvokal der letzten silbe auf herkunft aus dem französischen. Mauermann in: märkische sprachbl. 3 (1927) 4, 16 nimmt umsetzung einer frz. redensart ainsi cela vient ins berlinische schon während der Franzosenzeit an. die vermutung A. Laschs berlinisch 145, mit 'n sislaweng sei aus der sport- und spielsprache, vom ballspielplatz nd. gaue her vorgedrungen, gibt keine erklärung für die wortbildung. die ungedruckten mundartlichen belege sind von den archiven des berlinisch-brandenburgischen, des pommerschen, des rheinischen und des westfälischen wörterbuchs mitgeteilt. häufiger belegt sind die formen: zislaweng, sisslaweng, süsslaweng, schisslaweng, schüsslaweng; nur vereinzelt belegt sind: tschislaweng Halberstadt; zischlaweng Münster i. W.; schiszlewang krs. Fürstenwalde; zislawong (ältere form neben zislaweng) Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; schisselaweng, schisselameng Köln; schislameng E. Graeser Lemkes sel. wwe. 1, 237 Franke-verlag. eine kontamination mit gleichbedeutendem aveck (vgl. Meyer-Mauermann a. a. o.) liegt vor in: ziszlaweck Zuckmayer (s. u.).
1) schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. der bedeutungsbereich spannt sich vom abstrakten (a) zum konkreten (b). so kann z. b. die geläufige redewendung ein ding mit 'nem zislaweng 'ein kunststück' sein, 'das nur durch einen besonderen kniff gelingt' Mensing schlesw.-holst. 4, 499, 'ein ding mit 'nem dreh, pfiff, kniff' Pommern, Mecklenburg, Brandenburg. daneben aber auch 'ein hut mit einer (rundlichen) feder oder schleife u. ä.' Greifswald, Stralsund, Pyritz.
a) als abstraktum. zunächst im sinne von 'schwung, eleganter bogen': mit einem zisslaweng bin ich über 'n zaun gesetzt krs. Lübben; er fährt um die ecke mit 'n

[Bd. 31, Sp. 1648]


schiszlaweng krs. Fürstenwalde; de arbeit't allens mit 'n zislaweng Greifswald; und dann ging 's los ... mit humor und poesie und dem zislaweng aus dem handgelenk d. morgen (4. 5. 1955) 4c; besonders beim tanzen: jetzt gehen wir tanzen, aber mit schüszlaweng krs. Lübben;

denn vun dingem (deinem) schisselameng,
wacklen hück noch die wäng (1953) Kölner karnevalslied.

beim grusz und bei verbeugungen: he grüszt mit 'n zislaweng 'er zieht den hut sehr tief' Greifswald, Stralsund; er verabschiedet sich mit 'n zisslaweng krs. Ostprignitz. von da aus dann auch soviel wie 'gesellschaftlicher schliff, elegantes benehmen': ick bin wietend, det wia noch imma nich den richtjen zislaweng so rauskriejen wie annere leite E. Gräser Lemkes sel. wwe. 2, 315 Franke-verlag; es fehlt ihm was — der richtige ziszlaweck Zuckmayer d. teufels general (1954) 16; he hätt zisslaweng krs. Prenzlau.
eine andere bedeutungsnuance entwickelt sich von 'schwung, eleganter bogen' ausgehend über 'grosze geschicklichkeit, kniff, dreh' bis zu dem abwertenden 'geheimnisvoller, unlauterer trick': mit 'n zislaweng mit besonderem griff, mit besonderer geschicklichkeit Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; zislaweng grosze geschicklichkeit Ostwald berlinerisch (1932) 201; griff, kniff Mensing schlesw.-holst. 4, 971;

wenn die (gäste) hier noch lange blei'm,
hätt ick selba koofen können
die drei nelken, det jeschenk.
billja wär mir det jekommen,
ick wär mit 'n schiszlawäng
durch den groszen tag (den geburtstag) jekommen Berliner ztg. (31. 7. 1955) 8a;

der gerissene mensch macht alles mit einem schisslewang krs. Fürstenwalde; dat ös wat möt em ziszlaweng das ist etwas mit geheimnisvoller einrichtung (ndpreusz.) nd. jahrb. 74 (1951) 59; det is wohl mit 'n zisslaweng? (wenn einer nicht mit der wahrheit heraus will) krs. Niederbarnim.
b) als konkretum. jede schwungvolle (auszergewöhnliche) verzierung, z. b. an möbeln, gardinen, bes. von einer krause oder schleife an einem kleid: sie trägt ein kleid mit einem schüsslaweng krs. Lübben; meine güte, was hast du dir da für einen zischlaweng hingesetzt eine riesige schleife am kleid Münster i. W.; von einer locke in der stirn: du hest door 'n schön'n zislaweng; von einem anhängsel (z. b. ein orden am hals): wat vöörn zislaweng hängt di doar ruut Greifswald, Stralsund; die peitsche mit dem schüszlaweng doan krs. Fürstenwalde. häufig von einem schnörkel am namenszug, an einem buchstaben: er schreibt seinen namen mit einem schiszlaweng Brandenburg, Pommern, Westfalen; 'der schnörkel unter dem c, die cedille' Schwerin/ Meckl., Greifswald.
die abstrakte bedeutung 'kniff' (vgl. DWB a, abs. 2) erscheint ins konkrete gewendet als 'kleine, geschickt konstruierte vorrichtung', 'vorrichtung, die nur durch einen kniff bedient werden kann': süsslaweng bezeichnung für selbst hergestellte vorrichtungen, z. b. um ein fenster einige zoll weit offen zu halten Mensing 4, 971; ssisslawenk selbst hergestellte vorrichtung krs. Tecklenburg; verlegenheitsausdruck für einen dem sprechenden nicht vertrauten mechanismus irgendwelcher art Betcke Königsberg 67.
2) in adjektivischer verwendung: egal, gleichgültig. nur aus der mark Brandenburg in der wendung mir ist alles schislaweng (oder ähnlich) belegt. wie der beleg aus dem krs. Prenzlau vermuten läszt, ist schislaweng durch verwechslung mit dem ähnlich klingenden schiskojenno (< poln. wszystko jedno 'ganz egal') in diese wendung geraten: is allens ganz egl, is schüsslaweng (auch: schiskojenno) krs. Prenzlau; dett is allens schisslaweng krs. Fünstenwalde; dat is mee janz schüsslaweng krs. Luckenwalde. nur vereinzelt auszerhalb

[Bd. 31, Sp. 1649]


der wendung in ähnlicher bedeutung: zisslaweng ist einer, der nicht weisz, was er will krs. Oberbarnim.
 
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zispelich, zispelicht, adj., schwatzhaft, wispelig:

lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht freuntlich sprachen
auss waidelichen, gueten, rainen sachen,
sol dein pöschelochter, roter munt
Oswald v. Wolkenstein 12, 14 Schatz;

in der art wie Lenchen, aber etwas weniger hübsch und auch weniger kokett und zispelich (1875) Henriette Feuerbach ihr leben in ihren briefen 300 Uhde- B.
 
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zispeln, vb., zischen, lispeln; lautmalend, vgl. 2zispen, 2zispern: zispilontiu, zisplontiu vel lispentiu (coepissem) anhelantia (stridentiaque verba linguae chaldaicae resonare. praefatio Daniel.; 10. jh. Monseer gloss.) ahd. gl. 1, 657, 2 St.-S.; und fúrwar, ob wol die schlang, genant exedra, zispelt (sibilet) oder schwegelt erste dt. bibel 6, 258 Kurr.; zischpeln lispeln Jungandreas schles. zeitwortb. 76.
 
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zispen, vb. , trans. 'zupfen', intr. 'schleifend gehen'; wie zaspen (sp. 319) zur germ. wurzel *tas-, eine p-erweiterung zu der mit *tas- im germ. sekundär ablautenden wurzel *tis- 'zupfen, reiszen' (vgl. Walde-Pokorny 1, 766), zu der auch norw. tispla 'in streifen zerreiszen' Falk-Torp norw.-etym. wb. 21249 gehört. zur bedeutungsentwicklung 'zupfen > gehen' vgl. DWB zappen (sp. 279), sowie die zahlreichen parallelen bei Jungandreas schles. zeitwortbildung 41, anm. 1.
1) zupfen. ahd. nur im kompos. belegt: extrusit farcispit (8./9. jh.), fircispit (8. jh.), arzispit (anfang des 9. jhs.) ahd. gl. 1, 134, 18 St.-S.;

die Athener ihn (den armen mann) sahen wol,
stacken doch prachts und hochmuths vol
und zispten im an manchem ort,
einer hie und der ander dort
Hans Sachs 16, 405 lit. ver.;

'das kleid (der dame beim höfischen zeremoniell zur huldigung) berühren':

ir niu gewant
unz uf die hant
hat von siden einen rant;
ouwe! daz er nicht erblant,
der ez hovelichen hat gezispet minnesinger 3, 201b v. d. Hagen.


2) schleifend gehen:

er ist an dem tanze ein rehter treibel,
gevuoclich er zispet,
mit dem vuoze er 'z walket unde ribet minnesinger 2, 80a v. d. Hagen;

deine füszlen für in setz
gang zyspen, zaspen übers fletz,
als ein trendel dich vercher,
lasz dich sehen hin und her liederb. d. Hätzlerin 307 Haltaus.

von der schwankenden bewegung beim schleifenden gang übertragen: n' zispen haun ein räuschchen haben Fischer schwäb. 6, 1243.
 
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zispen, vb., zischen, flüstern. s. zispeln und 2zispern.
 
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zispern, vb., mit schnellen kurzen schritten gehen Jungandreas schles. zeitwortb. 85. frequentativum zu 1zispen 2.
 
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zispern, vb. , flüstern, kreischen (von fledermäusen). lautmalend, ableitung von dem nur ahd. bezeugten verbum zispen (vgl. auch zispeln): zispin (nullusque contra filios Israel) mutire (ausus est. Josua 10, 21; 12. jh.) ahd. gl. 1, 379, 3 St.-S.; dazu als intensivum auch mhd. zispezen Lexer 3, 1136. seit dem 16. jh. belegt, vorwiegend ostmd. (bes. schles.), aber auch obd.: zischpern flüstern Jungandreas schles. zeitwortb. 62; zispern Schröer wb. d. ungr. Berglandes 2, 217a; Stalder schweiz. id. 2, 476.
1) von menschen 'flüstern': zispern pispigliare, bidugliare, sibilare Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1469b;

[Bd. 31, Sp. 1650]


ich zischpere obscura voce cum aliquo garrio, susurro Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; zispern chucheter nouv. dict. (1762) 1, 1131b;

es ist nicht lang, das es geschach,
ich haymlich schlich für ein gemach.
darinn erhört ich gmachsam ziszpern,
zwo person mit eynander vispern
Hans Sachs 4, 356 lit. ver.;

mit ... zispern und murmeln Troilo orient. reisebeschr. (1676) 141; dann mit frau von Larisch und Louise auf den markt, wo wir unter den bauden die mama, andere Lubowitzer (zischpernd) und allerhand begegneten Eichendorff Lubowitzer tagebuchbl. 75 Nowack; und zischperte dar Marie ganz verholn was ins ohr J. Lowag ges. schr. (1902) 8, 250.
2) von fledermäusen 'kreischen'. nur im 17. jh. belegt:

die schwalben vispern,
fledermeusz zispern
Eyering proverb. copia (1601) 2, 131;

zisperen wie die fledermäuse Schottel haubtspr. (1663) 1449. nach Stieler stammb. (1691) 2649 gibt zispern auch vogelstimmen wieder, jedoch auch dort: stridere ut vespertilio.
 
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zisselberte, f., das wintergoldhähnchen, regulus regulus (L.): zisselperte goldhähnchen Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 23; ziszelberte Naumann vögel (1822) 2, 968.
 
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zisseln, vb., (einen baum) schütteln, (heu) auflockern, (zucker, samenkörner) auseinanderstreuen, (das masz) locker füllen. frequentativum zu zissen (zur germ. wz. *tis- 'zupfen') 'schütteln' Stroh Naumstadt 10; nd. tissen 'verfilzen' Mensing schlesw.-holst. 5, 70; 'wirren' Jørgensen dithmarsche ma. 297; vgl. das von der gleichbedeutenden wurzel *tus- gebildete zusseln, züsseln (teil 16, sp. 840). zisseln erscheint nur in md. dialekten, bes. im hessischen, zuweilen mit dehnung des vokals: zisseln Vilmar Kurhessen 471; Hofmann niederhess. 270a; Reuting Höchst 50; zisele Schön Saarbrücken2 234b; zisselen Grassow-Heidelbach Kassel 90a; ziseln, zieseln, zisseln Kehrein Nassau 1, 454; zissele, zisseln Crecelius oberhess. 938 (s. v. zusseln); zieseln Schmidt Westerwald 338; zesseln Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 339b; hetten H. Schmitts wittib und Matthes Bruckers tochter dem gemeinen becker die birn geziszelt und sich schürtz voll gemacht Ilbenstadter gerichtsbuch v. 18. 11. 1750 (Wetterau). im schles. nur als kompos.: einzisseln locker das masz füllen, schlecht messen Weinhold schles. wb. 2, 109b; aintsîzln Jungandreas schles. zeitwortbildung 76.
 
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zissemännchen, n., (s. a. ziesemännchen sp. 1233). nur in der nd. form zissemänneken belegt; ein kleines aus angefeuchtetem schieszpulver geformtes kegelchen, das oben mit trockenem pulver bestreut wird und dann angezündet zischet und sprühet (Fallersleben) bei Frommann dt. maa. 5, 302; abweichend beschrieben als 'sprühteufel, aufflammende schwarzpulverladung im strohspier oder hohlschlüssel oder freiliegend' Frederking Hahlen 180. kompos. aus mnd., nd. sissen, zissen 'zischen' und dem diminutiv von mann. zur bedeutung von männeken vgl.feuermännche machen 'mit feuer spielen, von kindern' rhein. wb. 2, 431a. auszerdem gleicht der aufrecht stehende pulverkegel einem männchen; vgl. pulvermännchen teil 7, sp. 2222; petermännchen (s. v. peter 7) teil 7, sp. 1578; schmiedeknecht 2, teil 9, sp. 1061. in den maa. des nd. stammlandes reich belegt: ziesemänneken Leithäuser Barmen 174a; zisemännken ebda, nachtr. 31; ziesemänneken Elberf. ma. 178a; sisemännken Köppen Dortmund 54; sîsemänneken Woeste-Nörrenberg Westf. 238a; Schmoeckel-Blesken wb. d. Soester Börde 276; ssissemännken Böning Oldenburg 97; ziss-männken brem.-nieders. wb. 6, 424; zissmanntje Stürenburg Ostfriesland 338; sisemäneken Bauer-Collitz Waldeck 93;

[Bd. 31, Sp. 1651]


sisemänneken, süsemänneken Schambach Göttingen 192b; zissmännk'n Danneil Altmark 252b.
 
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zissen, vb., eine wahrscheinl. im hd.-nd. grenzgebiet entstandene kontrastform zu 2tuschen (teil 11, 1, 2, sp. 1923), das als nd. form aufgefaszt wurde; der vokal zeigt die gleiche vielfalt wie bei tuschen: zissen schweigen heiszen Schmitz Eifel 234; zössen beschwichtigen luxemb. ma. 510a; Hess spr. d. Luxemburger 77. auch im nd. gebiet entsteht anlaut mit z: züschen stille machen Mensing schlesw.-holst. 5, 762.

 

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