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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zisemöl bis zispern (Bd. 31, Sp. 1645 bis 1649)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zisemöl, (n.?), nur einmal belegtes wort dunkler herkunft. vielleicht zu trennen: zisem-öl, so dasz sich zisem an gaunersprachl. suszim (pl. zu hebr. sûs 'pferd') Anton gauner- u. diebsspr. 71 anschlieszen würde; vgl. zusim bei Fischer schwäb. 6, 1969: weiter so möchte man dise nachfolgende salben beraiten und dem mterpferd (wenn es unfruchtbar ist) die natur oder geburt gild damit schmiren. man soll nemmen entzian, safran und myrthenbletter, jedtlichs sovil als des andern, darnach gepulvert in zisemöl vermischt und soll wie oben gebraucht werden Hoerwart v. Hohenburg v. d. ritterl. kunst. d. reiterei (1581) 12b.
 
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zisendel, zisen(n)lein, n., brühe, s. DWB ziseunlein.
 
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ziserinchen, n., birkenzeisig, carduelis flammea (L.), entlehnt aus frz. sizerin und mit der dt. diminutivendung versehen, vgl. Suolahti vogelnamen 124, sowie Schadow beitr. z. vogelfauna d. mark Brandenburg (1919) 496, der eindringen des bes. in der mark Brandenburg belegten wortes durch frz. refugiés annimmt: (ein vöglein) so ... zitscherlein an vielen orten heist; anderswo, als um Berlin ziserenichen Frisch t.-lat. (1741) 2, 480b; ziserinchen Krünitz öcon. encycl. 20 (1780) 688 (mit beschreibung); ziserinchen (in) Halle, wegen seiner zischenden stimme Popowitsch versuch (1780) 477; das ziserinchen ein name des bluthänflings oder flachsfinken (fringilla linaria L.) Campe 5, 875b; Naumann vögel (1822) 5, 174; ziserenichen, zizerenchen Schadow a. a. o.
 
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ziseunlein, zisein(d)lein, zise(n)lein, zusenlein , n., verschiedene arten von brühen, saucen, suppen. ein nur im 15./16. jh. aus obd., aber auch md. quellen belegtes wort der küchensprache, dessen herkunft noch nicht eindeutig geklärt ist. sicher besteht ein zusammenhang mit lat. juscellum, mlat. jussellum 'brühe', das aus der küchensprache der klöster als jussel, jüssel, jusselin ins dt. gedrungen ist und für das die

[Bd. 31, Sp. 1646]


belege im folgenden unter 1 nachgetragen werden, da das wort teil 4, 2, sp. 2404 fehlt. lautlich ist die verbindung mit ziseunlein schwer herzustellen. man könnte an mlat. jussellum in romanischem munde denken, das dann vielleicht ähnlich nprovenc. jussèu (< lat. juscellum v. Wartburg frz. et. wb. 5, 85a) gesprochen wurde. anlautendes frz. j (gespr. dž) wäre im dt. dann durch z substituiert. vgl. dazu auch die bei Fischer schwäb. 6, 1391 (s. v. züsenlein) aus dem Tübinger kochbuch (16. jh.) angeführten zwischenformen susennlin, jussenlin. auch das schwanken zwischen i und u (fraglich, ob mit Fischer als ü zu deuten) der ersten silbe liesze sich aus romanischer aussprache erklären. dagegen sind die starken lautabweichungen der zweiten silbe, die fast in jedem denkmal eine andere gestalt hat, schwer zu deuten. während die herkunft des in allen belegen (mit ausnahme von ziselein kuchenmeisterey [Zwickau o. j.]) auftretenden nasals dunkel bleibt, sind das nur in bair. belegen auftretende ei (< eu) und das zwischen n und dem l der diminutivendung eingeschobene d wohl als bair. sonderentwicklungen zu deuten.
1) das mit ziseunlein gleichbedeutende jussel (meist m., n., selten f.) ist schon in ahd. zeit ins dt. entlehnt. in glossen und vokabularien finden sich folgende belege: iuscellarius iussol (10. jh.) ahd. gl. 2, 623, 42 St.-S.; iussellum iussal (Salomon. gl. 12. jh.) ebda 4, 116, 26; iussil (13. jh.) ebda 28; iuscellum iussal (13. jh.) ebda 147, 67f.; jussel ius, aqua coctae carnis (1429) Schmeller-Fr. 1, 1210; ius iussel (Augsburg 1468) Diefenbach nov. gl. 224b; iüssel (o. j.) ders., gloss. 312c; iussellum, iuscellum iusselin (Augsburg 1521) ebda. das wort, das sich im textzusammenhange meist in koch- und arzneibüchern findet, ist bis ins 16. jh. belegt: lembreins (fleisch vom lamm) in ain gussel (14. jh.) urk.-buch Klosterneuburg XLIV, anm. 8 Zeibig; baches (gebackenes) in ainem jussel (anfang 15. jh.) alem. büchlin v. guter speise in: sitzungsber. d. bayr. ak. d. wiss. (1865) 2, 197; ain jüssel an kalbfleisch machen ... ain müeslî oder ain jüssel für das kalt essen (1463/91) St. Galler küchenordn. bei Lexer 1, 1491; erstlich geblotzet jung hiener, darnach ain jüssel qu. a. d. 16. jh. bei Fischer schwäb. 4, 135; jusselen sind brülen mit wein, zucker und eyern, wir nennens sonst sauffen und eyerbrüen Wirsung artzneyb. (1584) reg. ferner erscheint das wort in verschiedenen dt. umschreibungen der bibelstelle richter 6, 19; 20: Gedeon ... machte vom eyme feiszeten kitzen ein wolbereit essen in einem hafen und machte daran ein jusselin (vulgata: ius) dt. historienbibeln d. mittelalters 815 Merzdorf; und goz als uns die warheit seit in einen haven der jussal dran poet. umschr. d. alten testaments in e. Straszb. hs. bei Scherz gloss. germ. 1, 748; (Gedeon) legt das flaisch in ain korb und den jüssel des flaisches schutt er in ainen haffen Keisersberg pred. teütsch (1508) 86b. neben jüssel kann in gleicher bedeutung zisenlein stehen: ain geprattes oder ain sülzli wol gemacht für den jüssel und das zisennli (1463/91) St. Galler küchenordn. in: schweiz. id. 7, 900.
2) ziseunlein ist seit der 2. hälfte des 15. jhs. vor allem in küchenordnungen von klöstern sowie in kochbüchern belegt: ain pfeffer oder ain zisennli an krägli, mägli oder vogel (1463/91) St. Galler küchenordn. in: mitt d. St. Galler hist. vereins 3, 191; wer sy (die birnen) yn wein seut und czu feygen legt yn ein czyseunlein, sy helfen als feygen kuchenmeisterey (Nürnberg um 1485) a 7a; gib sie (die küchlein) für trucken oder in einem zisenlin kochenmeysterey (Mainz um 1487) in: Alemannia 18, 265; mach ein ziseünlein oder ein pfefferlein schon abgemacht nach seynem rechten uber die küchlein kuchenmaistrey (Nürnberg um 1490) B 1a faks. Wegener; das fünfzehnte essen was ein rechschlegel (rehschenkel) mit einem zyseindl qu. von 1509 bei Schmeller-Fr, 2, 1157; mache das (fischklops) yn ein ziselein, mit geriben pfefferkuchen,

[Bd. 31, Sp. 1647]


so ist es bereit kuchenmeisterey (Zwickau o. j.) A 6b; öpfel ziseindl: 3 trinkel wein und gewürz (um 1534) Tegernseer kochbüchlein in: Germania 9, 207; swarze knödl in pfeffer oder zizendl ebda 201; ain zusennlin ze machen. recipe siess aepfel, zerschniz sy oder hacks und brenns in ainem schmalz ab, darnach seich das schmalz darvon. nach dem nimm wein und ain wenig saffaran und imbör und zucker es ab und lasz es kochen in ainer pfannen. das magstu thun über die gebachen milch oder gefüllte ayer oder über ain verbratnes oder warüber du wilt (16. jh.) Tübinger kochb. bei Fischer schwäb. 6, 1391; nur selten in literarischen quellen:

kocht mirs (hühner)! starker natur ich bin:
ich verdeit ein hufeisen hin.
macht mirs in ein ziseinlin ein! (um 1558) narrenbuch, Peter Leu 576 Bobertag;

auszgesottene pirn und ein beyrisch ziseunel schmeckt auch wol Mathesius hochzeitpred. (1584) 64b; gelegentlich auf das gericht, das mit der brühe übergossen wird, übertragen: mach ainn hotzenblotz oder ain zusennlin über dich, wie machet man ainen hotzenblotz? wenn dir ain kaltes hünlin überbeleybt so schneydest du es in ain schüssel, und schneydest radecht oder rotunde zwibel dar an, und essich darüber, und machest es unnder ainannder, das hayszet dann ein hotzenblotz oder zusennlin Keisersberg has im pfeffer (1510) Ff 4a. —
 
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-suppe, f.: zisindelsuppen (um 1534) Tegernseer kochbüchlein in: Germania 9, 200.
 
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zislaweng, sislaweng, schüslaweng, m. , schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. in adj. verwendung: egal, gleichgültig. ein über ganz Norddeutschland verbreitetes wort, das besonders in burschikoser umgangsspache lebt und gedruckt nur gelegentlich in stark mundartlich gefärbter sprache erscheint. will man das zuerst bei Meyer d. richtige Berliner (1878) 46 bezeugte wort nicht als 'willkürliche wortbildung ohne bestimmte bedeutung' (Betcke Königsberg 67) ansetzen, so deuten die endbetonung und der nasalvokal der letzten silbe auf herkunft aus dem französischen. Mauermann in: märkische sprachbl. 3 (1927) 4, 16 nimmt umsetzung einer frz. redensart ainsi cela vient ins berlinische schon während der Franzosenzeit an. die vermutung A. Laschs berlinisch 145, mit 'n sislaweng sei aus der sport- und spielsprache, vom ballspielplatz nd. gaue her vorgedrungen, gibt keine erklärung für die wortbildung. die ungedruckten mundartlichen belege sind von den archiven des berlinisch-brandenburgischen, des pommerschen, des rheinischen und des westfälischen wörterbuchs mitgeteilt. häufiger belegt sind die formen: zislaweng, sisslaweng, süsslaweng, schisslaweng, schüsslaweng; nur vereinzelt belegt sind: tschislaweng Halberstadt; zischlaweng Münster i. W.; schiszlewang krs. Fürstenwalde; zislawong (ältere form neben zislaweng) Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; schisselaweng, schisselameng Köln; schislameng E. Graeser Lemkes sel. wwe. 1, 237 Franke-verlag. eine kontamination mit gleichbedeutendem aveck (vgl. Meyer-Mauermann a. a. o.) liegt vor in: ziszlaweck Zuckmayer (s. u.).
1) schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. der bedeutungsbereich spannt sich vom abstrakten (a) zum konkreten (b). so kann z. b. die geläufige redewendung ein ding mit 'nem zislaweng 'ein kunststück' sein, 'das nur durch einen besonderen kniff gelingt' Mensing schlesw.-holst. 4, 499, 'ein ding mit 'nem dreh, pfiff, kniff' Pommern, Mecklenburg, Brandenburg. daneben aber auch 'ein hut mit einer (rundlichen) feder oder schleife u. ä.' Greifswald, Stralsund, Pyritz.
a) als abstraktum. zunächst im sinne von 'schwung, eleganter bogen': mit einem zisslaweng bin ich über 'n zaun gesetzt krs. Lübben; er fährt um die ecke mit 'n

[Bd. 31, Sp. 1648]


schiszlaweng krs. Fürstenwalde; de arbeit't allens mit 'n zislaweng Greifswald; und dann ging 's los ... mit humor und poesie und dem zislaweng aus dem handgelenk d. morgen (4. 5. 1955) 4c; besonders beim tanzen: jetzt gehen wir tanzen, aber mit schüszlaweng krs. Lübben;

denn vun dingem (deinem) schisselameng,
wacklen hück noch die wäng (1953) Kölner karnevalslied.

beim grusz und bei verbeugungen: he grüszt mit 'n zislaweng 'er zieht den hut sehr tief' Greifswald, Stralsund; er verabschiedet sich mit 'n zisslaweng krs. Ostprignitz. von da aus dann auch soviel wie 'gesellschaftlicher schliff, elegantes benehmen': ick bin wietend, det wia noch imma nich den richtjen zislaweng so rauskriejen wie annere leite E. Gräser Lemkes sel. wwe. 2, 315 Franke-verlag; es fehlt ihm was — der richtige ziszlaweck Zuckmayer d. teufels general (1954) 16; he hätt zisslaweng krs. Prenzlau.
eine andere bedeutungsnuance entwickelt sich von 'schwung, eleganter bogen' ausgehend über 'grosze geschicklichkeit, kniff, dreh' bis zu dem abwertenden 'geheimnisvoller, unlauterer trick': mit 'n zislaweng mit besonderem griff, mit besonderer geschicklichkeit Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; zislaweng grosze geschicklichkeit Ostwald berlinerisch (1932) 201; griff, kniff Mensing schlesw.-holst. 4, 971;

wenn die (gäste) hier noch lange blei'm,
hätt ick selba koofen können
die drei nelken, det jeschenk.
billja wär mir det jekommen,
ick wär mit 'n schiszlawäng
durch den groszen tag (den geburtstag) jekommen Berliner ztg. (31. 7. 1955) 8a;

der gerissene mensch macht alles mit einem schisslewang krs. Fürstenwalde; dat ös wat möt em ziszlaweng das ist etwas mit geheimnisvoller einrichtung (ndpreusz.) nd. jahrb. 74 (1951) 59; det is wohl mit 'n zisslaweng? (wenn einer nicht mit der wahrheit heraus will) krs. Niederbarnim.
b) als konkretum. jede schwungvolle (auszergewöhnliche) verzierung, z. b. an möbeln, gardinen, bes. von einer krause oder schleife an einem kleid: sie trägt ein kleid mit einem schüsslaweng krs. Lübben; meine güte, was hast du dir da für einen zischlaweng hingesetzt eine riesige schleife am kleid Münster i. W.; von einer locke in der stirn: du hest door 'n schön'n zislaweng; von einem anhängsel (z. b. ein orden am hals): wat vöörn zislaweng hängt di doar ruut Greifswald, Stralsund; die peitsche mit dem schüszlaweng doan krs. Fürstenwalde. häufig von einem schnörkel am namenszug, an einem buchstaben: er schreibt seinen namen mit einem schiszlaweng Brandenburg, Pommern, Westfalen; 'der schnörkel unter dem c, die cedille' Schwerin/ Meckl., Greifswald.
die abstrakte bedeutung 'kniff' (vgl. DWB a, abs. 2) erscheint ins konkrete gewendet als 'kleine, geschickt konstruierte vorrichtung', 'vorrichtung, die nur durch einen kniff bedient werden kann': süsslaweng bezeichnung für selbst hergestellte vorrichtungen, z. b. um ein fenster einige zoll weit offen zu halten Mensing 4, 971; ssisslawenk selbst hergestellte vorrichtung krs. Tecklenburg; verlegenheitsausdruck für einen dem sprechenden nicht vertrauten mechanismus irgendwelcher art Betcke Königsberg 67.
2) in adjektivischer verwendung: egal, gleichgültig. nur aus der mark Brandenburg in der wendung mir ist alles schislaweng (oder ähnlich) belegt. wie der beleg aus dem krs. Prenzlau vermuten läszt, ist schislaweng durch verwechslung mit dem ähnlich klingenden schiskojenno (< poln. wszystko jedno 'ganz egal') in diese wendung geraten: is allens ganz egl, is schüsslaweng (auch: schiskojenno) krs. Prenzlau; dett is allens schisslaweng krs. Fünstenwalde; dat is mee janz schüsslaweng krs. Luckenwalde. nur vereinzelt auszerhalb

[Bd. 31, Sp. 1649]


der wendung in ähnlicher bedeutung: zisslaweng ist einer, der nicht weisz, was er will krs. Oberbarnim.
 
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zispelich, zispelicht, adj., schwatzhaft, wispelig:

lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht freuntlich sprachen
auss waidelichen, gueten, rainen sachen,
sol dein pöschelochter, roter munt
Oswald v. Wolkenstein 12, 14 Schatz;

in der art wie Lenchen, aber etwas weniger hübsch und auch weniger kokett und zispelich (1875) Henriette Feuerbach ihr leben in ihren briefen 300 Uhde- B.
 
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zispeln, vb., zischen, lispeln; lautmalend, vgl. 2zispen, 2zispern: zispilontiu, zisplontiu vel lispentiu (coepissem) anhelantia (stridentiaque verba linguae chaldaicae resonare. praefatio Daniel.; 10. jh. Monseer gloss.) ahd. gl. 1, 657, 2 St.-S.; und fúrwar, ob wol die schlang, genant exedra, zispelt (sibilet) oder schwegelt erste dt. bibel 6, 258 Kurr.; zischpeln lispeln Jungandreas schles. zeitwortb. 76.
 
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zispen, vb. , trans. 'zupfen', intr. 'schleifend gehen'; wie zaspen (sp. 319) zur germ. wurzel *tas-, eine p-erweiterung zu der mit *tas- im germ. sekundär ablautenden wurzel *tis- 'zupfen, reiszen' (vgl. Walde-Pokorny 1, 766), zu der auch norw. tispla 'in streifen zerreiszen' Falk-Torp norw.-etym. wb. 21249 gehört. zur bedeutungsentwicklung 'zupfen > gehen' vgl. DWB zappen (sp. 279), sowie die zahlreichen parallelen bei Jungandreas schles. zeitwortbildung 41, anm. 1.
1) zupfen. ahd. nur im kompos. belegt: extrusit farcispit (8./9. jh.), fircispit (8. jh.), arzispit (anfang des 9. jhs.) ahd. gl. 1, 134, 18 St.-S.;

die Athener ihn (den armen mann) sahen wol,
stacken doch prachts und hochmuths vol
und zispten im an manchem ort,
einer hie und der ander dort
Hans Sachs 16, 405 lit. ver.;

'das kleid (der dame beim höfischen zeremoniell zur huldigung) berühren':

ir niu gewant
unz uf die hant
hat von siden einen rant;
ouwe! daz er nicht erblant,
der ez hovelichen hat gezispet minnesinger 3, 201b v. d. Hagen.


2) schleifend gehen:

er ist an dem tanze ein rehter treibel,
gevuoclich er zispet,
mit dem vuoze er 'z walket unde ribet minnesinger 2, 80a v. d. Hagen;

deine füszlen für in setz
gang zyspen, zaspen übers fletz,
als ein trendel dich vercher,
lasz dich sehen hin und her liederb. d. Hätzlerin 307 Haltaus.

von der schwankenden bewegung beim schleifenden gang übertragen: n' zispen haun ein räuschchen haben Fischer schwäb. 6, 1243.
 
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zispen, vb., zischen, flüstern. s. zispeln und 2zispern.
 
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zispern, vb., mit schnellen kurzen schritten gehen Jungandreas schles. zeitwortb. 85. frequentativum zu 1zispen 2.

 

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