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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ziselierarbeit bis ziseunleinsuppe (Bd. 31, Sp. 1644 bis 1647)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ziselierarbeit, f., die tätigkeit des ziselierens, dann auch deren ergebnis, die ziselierte arbeit: ciseleurarbeit, ciselirarbeit chiselwork, chased work, enchaser's work Eger technol. wb. 2 (1884) 178b; (ein schlüssel) von feinster ziselierarbeit H. W. Seidel Krüsemann (1935) 282.
 
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ziselieren, vb. , metall künstlerisch bearbeiten, vgl. nl. ciseleeren, dän. ciselere, schwed. ciselera, engl. chisel; im 18. jh. neben gravieren, legieren, plombieren aus frz. ciseler (zu ciseau 'meiszel') entlehnt. zum sachl. vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb. 2 (1877) 362, sowie Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 78.
1) im engeren sinne: aus (gold-, silber- u. a.) blech mittels punzen und hammer erhabene figuren herausarbeiten; das fertige werkstück nennt sich ziselierte oder getriebene arbeit. s. 1treiben II C 1 a (teil 11, 1, 2, sp. 42), getrieben 3 (teil 4, 1, 3, sp. 4537): die getriebene oder ziselierte arbeit hat erhabene figuren, die auf der verkehrten seite hohl sind Sprengel handwerk u. künste 3. slg. (1769) 169; daher nennen die galanteriehändler etc. die halberhobene arbeit an goldnen oder silbernen uhren, dosen etc. ciselirte arbeit Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 1, 739; ciseliren bey den gold- und silberarbeitern, erhabene figuren in dem silberbleche vermittelst des bunzens und hammers schlagen, treiben, ciselirte arbeit getriebene Adelung 1 (1793) 1336; das ... frisch ziselierte schild mit dem familienwappen Anna Seghers d. toten bl. jung (1950) 274.
2) im weiteren sinne: ein gusz- oder schmiedestück mit meiszel, stichel, feilen und punzen künstlerisch vollenden: eine ... copie des sitzenden Moses von Michelangelo, in bronze gegossen und im einzelnen durch grabstichel und andere ciselirende instrumente fleiszigst vollendet Göthe I 36, 77 W.;

'die burg des Indra' heiszt die halle,
wo aufgestellt die götter alle,
bildsäulen von gold, fein ziselieret
H. Heine s. w. 1, 332 Elster;

ziseliren nennt man es, wenn man gegossene gegenstände nacharbeitet. dies geschieht namentlich, wenn man die sogenannten näthe hinwegnimmt, die dadurch entstanden sind, dasz das metall beim gusz in die fugen lief Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 422; der ziselierte reif selbst war alt, rennaissancearbeit Th. Mann Faustus (1948) 621.
3) aufs geistige übertragen: alles das (die umwelt) modifizirt, reparirt und ziselirt am geist und am körper und die spur des meiszels wird sichtbar Sturz schr. (1779) 2, 298; da der gusz (eine dichtung) nach dem so lange studirten modell endlich geglückt ist, so wird nun des ausführens und ciselirens kein ende

[Bd. 31, Sp. 1645]


Göthe IV 41, 234 W.; ich scheue mich fast, dieses heutzutage roh und vulgär gewordene wort für jenen ziselierten menschen zu gebrauchen H. Eulenberg neue bilder (1912) 289.
4) in der fachsprache des schneiders: ciselierter sammt geblümter sammt Heyse fremdwb. (1879) 187b; auch diese bedeutung ist dem frz. entlehnt, vgl.: ciseler du velours découper avec agréments et en manière de fleurs le dessus du velours avec la pointe des ciseaux Littré dict. de la langue franç. 1, 629c. —
 
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ziselierung, f., zu ziselieren 1 im sinne von ziselierter arbeit: die tektonik (der Griechen) in geräten, altären, kandelabern, gefäszen, ziselierungen und andern dekorativen arbeiten Brunn kl. schr. (1898) 3, 239. zu ziselieren 2: das gegossene stück (bedarf) der ziselierung durch die hand des meisters J. Schlosser präludien (1927) 56. zu ziselieren 3: die ziselierung (des grundplans) H. Hesse d. glasperlenspiel (1943) 1, 388.
 
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ziselierer, m., zu ziselieren 1, der handwerker, der ziselierte arbeiten ausführt: so übergibt er (der glockengieszer) einem ... ziselierer die zeichnung, und läszt sich die figur ... von diesem in blech einprägen Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 117; der ziselirer gieszt hernach pech in das gefäsz Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 78. —
 
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ziseliersilber, n., s. das folgende wort.
 
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-stich, m., 'dasjenige eingestochene zickzack auf den silbernen geräthschaften, welches der oberälteste des goldschmidtgewerks an denjenigen orten darauf sticht, an welchen eine festgesetzte probe bestimmt ist. die späne, so durch den ziselirstich entstehen, werden von jedem goldschmiedte besonders gesammlet, und beym schlusz des jahrs auf der kapelle untersucht, ob solche auch die festgesetzte probe enthalten, wo nicht, so wird derjenige bestraft, dessen ziseliersilber vom geringern gehalte befunden wird' Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 272.
 
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zisemöl, (n.?), nur einmal belegtes wort dunkler herkunft. vielleicht zu trennen: zisem-öl, so dasz sich zisem an gaunersprachl. suszim (pl. zu hebr. sûs 'pferd') Anton gauner- u. diebsspr. 71 anschlieszen würde; vgl. zusim bei Fischer schwäb. 6, 1969: weiter so möchte man dise nachfolgende salben beraiten und dem mterpferd (wenn es unfruchtbar ist) die natur oder geburt gild damit schmiren. man soll nemmen entzian, safran und myrthenbletter, jedtlichs sovil als des andern, darnach gepulvert in zisemöl vermischt und soll wie oben gebraucht werden Hoerwart v. Hohenburg v. d. ritterl. kunst. d. reiterei (1581) 12b.
 
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zisendel, zisen(n)lein, n., brühe, s. DWB ziseunlein.
 
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ziserinchen, n., birkenzeisig, carduelis flammea (L.), entlehnt aus frz. sizerin und mit der dt. diminutivendung versehen, vgl. Suolahti vogelnamen 124, sowie Schadow beitr. z. vogelfauna d. mark Brandenburg (1919) 496, der eindringen des bes. in der mark Brandenburg belegten wortes durch frz. refugiés annimmt: (ein vöglein) so ... zitscherlein an vielen orten heist; anderswo, als um Berlin ziserenichen Frisch t.-lat. (1741) 2, 480b; ziserinchen Krünitz öcon. encycl. 20 (1780) 688 (mit beschreibung); ziserinchen (in) Halle, wegen seiner zischenden stimme Popowitsch versuch (1780) 477; das ziserinchen ein name des bluthänflings oder flachsfinken (fringilla linaria L.) Campe 5, 875b; Naumann vögel (1822) 5, 174; ziserenichen, zizerenchen Schadow a. a. o.
 
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ziseunlein, zisein(d)lein, zise(n)lein, zusenlein , n., verschiedene arten von brühen, saucen, suppen. ein nur im 15./16. jh. aus obd., aber auch md. quellen belegtes wort der küchensprache, dessen herkunft noch nicht eindeutig geklärt ist. sicher besteht ein zusammenhang mit lat. juscellum, mlat. jussellum 'brühe', das aus der küchensprache der klöster als jussel, jüssel, jusselin ins dt. gedrungen ist und für das die

[Bd. 31, Sp. 1646]


belege im folgenden unter 1 nachgetragen werden, da das wort teil 4, 2, sp. 2404 fehlt. lautlich ist die verbindung mit ziseunlein schwer herzustellen. man könnte an mlat. jussellum in romanischem munde denken, das dann vielleicht ähnlich nprovenc. jussèu (< lat. juscellum v. Wartburg frz. et. wb. 5, 85a) gesprochen wurde. anlautendes frz. j (gespr. dž) wäre im dt. dann durch z substituiert. vgl. dazu auch die bei Fischer schwäb. 6, 1391 (s. v. züsenlein) aus dem Tübinger kochbuch (16. jh.) angeführten zwischenformen susennlin, jussenlin. auch das schwanken zwischen i und u (fraglich, ob mit Fischer als ü zu deuten) der ersten silbe liesze sich aus romanischer aussprache erklären. dagegen sind die starken lautabweichungen der zweiten silbe, die fast in jedem denkmal eine andere gestalt hat, schwer zu deuten. während die herkunft des in allen belegen (mit ausnahme von ziselein kuchenmeisterey [Zwickau o. j.]) auftretenden nasals dunkel bleibt, sind das nur in bair. belegen auftretende ei (< eu) und das zwischen n und dem l der diminutivendung eingeschobene d wohl als bair. sonderentwicklungen zu deuten.
1) das mit ziseunlein gleichbedeutende jussel (meist m., n., selten f.) ist schon in ahd. zeit ins dt. entlehnt. in glossen und vokabularien finden sich folgende belege: iuscellarius iussol (10. jh.) ahd. gl. 2, 623, 42 St.-S.; iussellum iussal (Salomon. gl. 12. jh.) ebda 4, 116, 26; iussil (13. jh.) ebda 28; iuscellum iussal (13. jh.) ebda 147, 67f.; jussel ius, aqua coctae carnis (1429) Schmeller-Fr. 1, 1210; ius iussel (Augsburg 1468) Diefenbach nov. gl. 224b; iüssel (o. j.) ders., gloss. 312c; iussellum, iuscellum iusselin (Augsburg 1521) ebda. das wort, das sich im textzusammenhange meist in koch- und arzneibüchern findet, ist bis ins 16. jh. belegt: lembreins (fleisch vom lamm) in ain gussel (14. jh.) urk.-buch Klosterneuburg XLIV, anm. 8 Zeibig; baches (gebackenes) in ainem jussel (anfang 15. jh.) alem. büchlin v. guter speise in: sitzungsber. d. bayr. ak. d. wiss. (1865) 2, 197; ain jüssel an kalbfleisch machen ... ain müeslî oder ain jüssel für das kalt essen (1463/91) St. Galler küchenordn. bei Lexer 1, 1491; erstlich geblotzet jung hiener, darnach ain jüssel qu. a. d. 16. jh. bei Fischer schwäb. 4, 135; jusselen sind brülen mit wein, zucker und eyern, wir nennens sonst sauffen und eyerbrüen Wirsung artzneyb. (1584) reg. ferner erscheint das wort in verschiedenen dt. umschreibungen der bibelstelle richter 6, 19; 20: Gedeon ... machte vom eyme feiszeten kitzen ein wolbereit essen in einem hafen und machte daran ein jusselin (vulgata: ius) dt. historienbibeln d. mittelalters 815 Merzdorf; und goz als uns die warheit seit in einen haven der jussal dran poet. umschr. d. alten testaments in e. Straszb. hs. bei Scherz gloss. germ. 1, 748; (Gedeon) legt das flaisch in ain korb und den jüssel des flaisches schutt er in ainen haffen Keisersberg pred. teütsch (1508) 86b. neben jüssel kann in gleicher bedeutung zisenlein stehen: ain geprattes oder ain sülzli wol gemacht für den jüssel und das zisennli (1463/91) St. Galler küchenordn. in: schweiz. id. 7, 900.
2) ziseunlein ist seit der 2. hälfte des 15. jhs. vor allem in küchenordnungen von klöstern sowie in kochbüchern belegt: ain pfeffer oder ain zisennli an krägli, mägli oder vogel (1463/91) St. Galler küchenordn. in: mitt d. St. Galler hist. vereins 3, 191; wer sy (die birnen) yn wein seut und czu feygen legt yn ein czyseunlein, sy helfen als feygen kuchenmeisterey (Nürnberg um 1485) a 7a; gib sie (die küchlein) für trucken oder in einem zisenlin kochenmeysterey (Mainz um 1487) in: Alemannia 18, 265; mach ein ziseünlein oder ein pfefferlein schon abgemacht nach seynem rechten uber die küchlein kuchenmaistrey (Nürnberg um 1490) B 1a faks. Wegener; das fünfzehnte essen was ein rechschlegel (rehschenkel) mit einem zyseindl qu. von 1509 bei Schmeller-Fr, 2, 1157; mache das (fischklops) yn ein ziselein, mit geriben pfefferkuchen,

[Bd. 31, Sp. 1647]


so ist es bereit kuchenmeisterey (Zwickau o. j.) A 6b; öpfel ziseindl: 3 trinkel wein und gewürz (um 1534) Tegernseer kochbüchlein in: Germania 9, 207; swarze knödl in pfeffer oder zizendl ebda 201; ain zusennlin ze machen. recipe siess aepfel, zerschniz sy oder hacks und brenns in ainem schmalz ab, darnach seich das schmalz darvon. nach dem nimm wein und ain wenig saffaran und imbör und zucker es ab und lasz es kochen in ainer pfannen. das magstu thun über die gebachen milch oder gefüllte ayer oder über ain verbratnes oder warüber du wilt (16. jh.) Tübinger kochb. bei Fischer schwäb. 6, 1391; nur selten in literarischen quellen:

kocht mirs (hühner)! starker natur ich bin:
ich verdeit ein hufeisen hin.
macht mirs in ein ziseinlin ein! (um 1558) narrenbuch, Peter Leu 576 Bobertag;

auszgesottene pirn und ein beyrisch ziseunel schmeckt auch wol Mathesius hochzeitpred. (1584) 64b; gelegentlich auf das gericht, das mit der brühe übergossen wird, übertragen: mach ainn hotzenblotz oder ain zusennlin über dich, wie machet man ainen hotzenblotz? wenn dir ain kaltes hünlin überbeleybt so schneydest du es in ain schüssel, und schneydest radecht oder rotunde zwibel dar an, und essich darüber, und machest es unnder ainannder, das hayszet dann ein hotzenblotz oder zusennlin Keisersberg has im pfeffer (1510) Ff 4a. —
 
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-suppe, f.: zisindelsuppen (um 1534) Tegernseer kochbüchlein in: Germania 9, 200.

 

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