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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zischmen bis ziselierstich (Bd. 31, Sp. 1643 bis 1645)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zischmen, pl., (ungarische) stiefel, von ungar. csizma, sg., 'stiefel': zischmen sind eine leichtere arbeit als die stiefel des deutschen schuhmachers Prechtl technol. encycl. (1830) 14, 178; die kurzen leichten husarenstiefel Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 549; fein und leicht gearbeitete, anliegende stiefeln (mit hohen schäften, von Corduanleder) Heyse fremdwb. (1879) 875; halbstiefeln, die im schaft zwei nähte haben Schmeller-Fr. bayr. 2, 1158; zischen (sic!) Schröer ungr. bergland 2, 207a. zuerst im 18. jh. bezeugt: schwartze strmpff und geschnrte zischmen (1728) bei Fischer schwäb. 6, 3490; auch zeischmen ebda; mein schuster sekirt mich immer um die bezahlung meiner neuen zischmen Bäuerle kom. theater (1820) 1, 58. in zusammensetzungen: zischmenmachernadeln

[Bd. 31, Sp. 1644]


Schedel waarenlex. (1834) 2, 83; zischmastifl Hügel Wien 195.
 
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zischörper, m., bergmannsmesser (verschreibung für zschörper?) s. DWB tscherper teil 11, 1, 2, sp. 1441: gibt als bald ein zeichen, welches bei den khlern, und weldern gebreuchlich ist, das sie mit einem zischrper oder groszem messer auff ein holtz schlagen Dresser sächsisch chron. (1596) 447.
 
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zischpeln, zischpern, vb., s. zispeln, 2zispern.
 
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zise, f., münzstock, s. 2ziese (sp. 1231), zu dem folgende belege nachzutragen sind: gewönlicher müntz gepreg one ober und unter eisen, one hammer und zisen schlagen Mathesius Sarepta (1578) 177b; one zisen und hammer pregen ebda 40a; 178a; die cise 'in den münzen der münzstock, oder diejenige maschine, mit welcher man ehedem aus freyer hand prägete, und der ort, wo sich dieselbe befindet' Adelung 1 (1774) 1206. entlehnt aus frz. ciseau 'meiszel' (aus *cisellum, *caesellum) oder cisoire ds. (aus *cisorium, *caesorium) v. Wartburg frz. et. wb. 2, 39b f.; 2, 41 ? vgl. o. zisalien.
 
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ziseindl, ziseinlein, ziselein, n., brühe, s. DWB ziseunlein.
 
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ziselierarbeit, f., die tätigkeit des ziselierens, dann auch deren ergebnis, die ziselierte arbeit: ciseleurarbeit, ciselirarbeit chiselwork, chased work, enchaser's work Eger technol. wb. 2 (1884) 178b; (ein schlüssel) von feinster ziselierarbeit H. W. Seidel Krüsemann (1935) 282.
 
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ziselieren, vb. , metall künstlerisch bearbeiten, vgl. nl. ciseleeren, dän. ciselere, schwed. ciselera, engl. chisel; im 18. jh. neben gravieren, legieren, plombieren aus frz. ciseler (zu ciseau 'meiszel') entlehnt. zum sachl. vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb. 2 (1877) 362, sowie Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 78.
1) im engeren sinne: aus (gold-, silber- u. a.) blech mittels punzen und hammer erhabene figuren herausarbeiten; das fertige werkstück nennt sich ziselierte oder getriebene arbeit. s. 1treiben II C 1 a (teil 11, 1, 2, sp. 42), getrieben 3 (teil 4, 1, 3, sp. 4537): die getriebene oder ziselierte arbeit hat erhabene figuren, die auf der verkehrten seite hohl sind Sprengel handwerk u. künste 3. slg. (1769) 169; daher nennen die galanteriehändler etc. die halberhobene arbeit an goldnen oder silbernen uhren, dosen etc. ciselirte arbeit Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 1, 739; ciseliren bey den gold- und silberarbeitern, erhabene figuren in dem silberbleche vermittelst des bunzens und hammers schlagen, treiben, ciselirte arbeit getriebene Adelung 1 (1793) 1336; das ... frisch ziselierte schild mit dem familienwappen Anna Seghers d. toten bl. jung (1950) 274.
2) im weiteren sinne: ein gusz- oder schmiedestück mit meiszel, stichel, feilen und punzen künstlerisch vollenden: eine ... copie des sitzenden Moses von Michelangelo, in bronze gegossen und im einzelnen durch grabstichel und andere ciselirende instrumente fleiszigst vollendet Göthe I 36, 77 W.;

'die burg des Indra' heiszt die halle,
wo aufgestellt die götter alle,
bildsäulen von gold, fein ziselieret
H. Heine s. w. 1, 332 Elster;

ziseliren nennt man es, wenn man gegossene gegenstände nacharbeitet. dies geschieht namentlich, wenn man die sogenannten näthe hinwegnimmt, die dadurch entstanden sind, dasz das metall beim gusz in die fugen lief Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 422; der ziselierte reif selbst war alt, rennaissancearbeit Th. Mann Faustus (1948) 621.
3) aufs geistige übertragen: alles das (die umwelt) modifizirt, reparirt und ziselirt am geist und am körper und die spur des meiszels wird sichtbar Sturz schr. (1779) 2, 298; da der gusz (eine dichtung) nach dem so lange studirten modell endlich geglückt ist, so wird nun des ausführens und ciselirens kein ende

[Bd. 31, Sp. 1645]


Göthe IV 41, 234 W.; ich scheue mich fast, dieses heutzutage roh und vulgär gewordene wort für jenen ziselierten menschen zu gebrauchen H. Eulenberg neue bilder (1912) 289.
4) in der fachsprache des schneiders: ciselierter sammt geblümter sammt Heyse fremdwb. (1879) 187b; auch diese bedeutung ist dem frz. entlehnt, vgl.: ciseler du velours découper avec agréments et en manière de fleurs le dessus du velours avec la pointe des ciseaux Littré dict. de la langue franç. 1, 629c. —
 
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ziselierung, f., zu ziselieren 1 im sinne von ziselierter arbeit: die tektonik (der Griechen) in geräten, altären, kandelabern, gefäszen, ziselierungen und andern dekorativen arbeiten Brunn kl. schr. (1898) 3, 239. zu ziselieren 2: das gegossene stück (bedarf) der ziselierung durch die hand des meisters J. Schlosser präludien (1927) 56. zu ziselieren 3: die ziselierung (des grundplans) H. Hesse d. glasperlenspiel (1943) 1, 388.
 
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ziselierer, m., zu ziselieren 1, der handwerker, der ziselierte arbeiten ausführt: so übergibt er (der glockengieszer) einem ... ziselierer die zeichnung, und läszt sich die figur ... von diesem in blech einprägen Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 117; der ziselirer gieszt hernach pech in das gefäsz Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 78. —
 
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ziseliersilber, n., s. das folgende wort.
 
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-stich, m., 'dasjenige eingestochene zickzack auf den silbernen geräthschaften, welches der oberälteste des goldschmidtgewerks an denjenigen orten darauf sticht, an welchen eine festgesetzte probe bestimmt ist. die späne, so durch den ziselirstich entstehen, werden von jedem goldschmiedte besonders gesammlet, und beym schlusz des jahrs auf der kapelle untersucht, ob solche auch die festgesetzte probe enthalten, wo nicht, so wird derjenige bestraft, dessen ziseliersilber vom geringern gehalte befunden wird' Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 272.

 

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