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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zischern bis ziseindl (Bd. 31, Sp. 1641 bis 1644)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zischern (in älterer lautung auch tschüschern, s. u.), vb., iterativbildung zu 1zischen; seltener als zischeln und in neuerer sprache ungebräuchlich; leise oder heimlich reden, schwätzen: stridere secreta diversos aure susurros einander in die ohren zischern Corvinus fons lat. (1646) 840; zischern klappen, snappen, babbelen Kramer-Moerbeek (1768) 436a; und das wart heymlich tschscherns hy vnd dort von Jesu gesagt, sint yn die zeit nymands torste offentlich zu ... rhumen M. Risch paraphrasis Erasmi (1524) R 4a; dann zischerten die andern dem ... dechant ins ohr, er sollte mich erst orglmässig spielen hören Mozart br. 1, 94 Schied. mundartl.: zischern wispern, flüstern Schröer ungr. bergland 217a. von tieren:

und zischernd treiben die gänse fern von der lustbahn der jungen
den schwimmenden schieszhund
E. v. Kleist w. 1, 183 Sauer.

im bilde oder im vergleich aus der tierwelt: alsdenn krochen einige natterschlangen herbey, welche mit ihrem zischern von weiten zu verstehen gaben, dass sie reden wolten Lindenborn Diogenes (1742) 1, 414; der andre (sänger) wiherte wie ein hengst, der dritte zischerte wie ein sperber ebda 266. von heiszen körpern:

aber ein himlisch fewr, fellt auff sie zu der stt,
gleich wie zur sommerzeit, ein brnnender comet,
mitten auff einem weg, zischernd zwittert und blicket,
drob, weil er ihm so nah, der wandersmann erschricket (um 1620)
Tob. Hübner du Bartas, das gesetz (o. j.) 71.


 
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zischern, vb., auf dem eise gleiten, glitschen, zu 2zischen (s. d.): lubrico motu labi per glaciem auffm eiss zischern nomencl. lat.-germ. (1634) 31; auffm eiss zischern, glennern Calvisius thes. (1666) 27.
 
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zischeule, f., waldkauz, strix aluco L., strix stridula: Nemnich polyglottenlex. (1793) 1381; Naumann vögel (1820) 473; Mozin dt.-frz. 4 (1856) 1297;

[Bd. 31, Sp. 1642]


Krünitz encycl. 242 (1858) 23; Brehm tierl. 5, 156 P.-L.
 
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zischgen, (pl.?) gesträuch oder holz von nadelbäumen (?): wan es sich zuetrieg, dasz an der saag (sägemühle) ... oder am wihrwerk derselben saag ... etwas brüchig wurde, und wan solche notdurft am lerchenholz oder zischgen ... nit zu bekommen hätte (qu. a. d. 16. jh., hs. v. 1742) österr. weist. 5, 344; dazu vgl. zeischke, f., zirbenzapfen Unger-Khull steir. 647a; zeischgen zapfen im zirbelbüschel Schmeller-Fr. 2, 1158; tschitschke, f., zapfen an nadelbäumen Blumer Nordwestböhmen 32b; schischke, tschischke, m. u. f., tannen- oder fichtenzapfen, kienapfel Frischbier pr. wb. 2, 276b; zesche, schuschke, schischke, pl. zeschen, zaschen, zuschken, zischken, bes. taazuschen tannenzapfen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 700b; auch gezeisch ebda 1, 419a. das wort ist in der bedeutung 'tannen-, fichtenzapfen' aus dem slawischen entlehnt: russ. šiška knollen, knorren, fichtenzapfen Pawlowski russ.-dt. wb. 32, 1749; poln. szysz, szysza, szyszka Brückner slown. etym. języka polsk. (1927) 562; tschech. šiška Holub-Kopečny etym. slovn. jazyka českeho (1952) 369.
 
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zischitzen, vb., 'zischen', zu 1zischen mit dem im bair. (gerade auch bei lautverben) beliebten suffix -itzen, s. Kluge abrisz d. wortbildungslehre 27: schmarn ... sey vom griechischen wort smarageo, welches teutsch lautet zischitzen, praszlen, rauschen, wie dann dererley speisz am kochen thut Rot dict. (1571) O 8b.
 
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zischlaut, m. , sibilant, zischender laut; s. auch DWB zisch, DWB zischer.
1) als grammatisch-phonetischer terminus (meist zur bezeichnung des -s und sch-lautes). aus der schon im 17. jh. begegnenden verbindung zischender laut (Schottel, vgl. zischen 1 c β) entsteht im 18. jh. die zusammensetzung: übrigens aber bin ich mit dem gelehrten herrn Wachter allerdings einig, dasz sehen und schauen von ouh, augen, oculus, auge durch vorgesetzten zischlaut herzuleiten sey Gottsched in: beytr. z. crit. hist. 18 (1738) 260.
a) zur bezeichnung des sch-lautes: so ist der buchstabe sch ein zischlaut Campe 5 (1811) 875. z. t. im unterschied zum s-laut; in deutlicher abgrenzung gegen letzteren bereits bei Adelung: sauselaute oder säuseler, nach verschiedenen graden der stärke, s, ß, z. von andern werden sie nebst dem folgenden zischer oder zischlaute genannt, obgleich sehr mit unrecht, indem nur das sch allein zischt umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 129; 'gluchzen' ... siehe 'schluchzen', welches durch vorsetzung des zischlautes davon herstammt Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 204; er spricht die zischlaute st, sp, sch viel milder als sein bruder mon. Germ. päd. 36 (1804) 171; statt des zischlautes sch ward gewöhnlich damals (im 14. jh.) nur ein s gesetzt Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 31, 250 anm.; ihr starker zischlaut sch oder dj statt s, macht ihre rede ... oft unverständlich Ritter erdkde (1822) teil 6, 935.
b) zur bezeichnung verschiedener s-laute; sifflante pfeifend, zischlaut, s-laut consonne de la série des fricatives, caractérisée par un bruit de sifflement de l'air expiré à travers une fente étroite ménagée vers la partie médiane de la langue: sourde s, sonore z Marouzeau lexique de la termin. linguist. (1951) 207: der goth. zischlaut war eine verdickung des reinen s-lautes, die sich im alth. durch einen parallelen übergang in r offenbart, der goth. sauselaut wurde zischend, der alth. schwirrend J. Grimm dt. gramm. (1822) 1, 165; englische grammatiker pflegen den sauselaut hissing, den zischlaut buzzing sound zu benennen nach dem schneidenden pfeifen ... der schlange und dem dumpfen summen ... der biene oder hummel ebda 1, 166; beide zischlaute können in denselben wörtern nach umständen der flexion vorkommen, z. b. sizan (sedere),

[Bd. 31, Sp. 1643]


saʒ (sedit) ebda 1, 165; vermuthlich aber hat schon in frühster zeit ein härterer, dem nhd. z gleichender und ein weicherer, dem nhd. ß gleichender zischlaut stattgefunden ebda 1, 162; sch ist eine innigere verschmelzung des reinen hauch- und zischlautes ... als sk J. Grimm briefw. m. K. Lachmann 1, 143 Leitzm.; gestoszen sind dieselben dh und th, welche wegen der engen verwandtschaft des stoszhauches und des sauselautes leicht in den zischlaut (z) übergehen Schmitthenner ursprachlehre (1826) 78; die gotischen zischlaute s und z sind aus dem urgermanischen übernommen W. Krause hdb. d. gotischen (1953) 106.
c) in weiterem sinne auch von anderen reibelauten: er (engl. th) ist ... ein harter zischlaut allg. dt. bibl. (1765) 69, 553; dazu vgl.: die asp. þ, th, welche anlautet, ist kein eigentlicher zischlaut, obwohl sich ihm nähernd J. Grimm dt. gramm. (1822) 1, 166 anm. für assibilierte laute: ci musz also dem zischlaut leichter, früher, stärker heimgefallen sein als tio, tii, tium J. Grimm kl. schr. (1864) 2, 361; die zischlaute s, z (= weich s), š (= sch), ž (= französisch j), tš, dž Gabelentz sprachwiss. (1901) 36. ungewöhnlich: wohl aber gerät sie (die luft) selbst durch die reibung (friktion) ... in vibration, was das ohr als zischen ... wahrnimmt. das lautprodukt ist dann ein frikativlaut ('reibelaut'), auch spirant ('zischlaut') genannt, z. b. f und ss in fassen Noreen einf. i. d. wiss. betr. d. sprache (1923) 69.
2) von einer zischenden sprechweise, die auf erregung, gemütsbewegung usw. zurückzuführen ist; vgl. 1zischen 1 b: Dismas, da gibts beute! sprach Jusuf mit scharfem zischlaute und faszte den griff seiner waffe P. Rosegger schr. (1895) II 2, 8; 'es geht schlecht', das sind die ängstlichen zischlaute, die sie einander zuflüstern H. Heine s. w. 6, 276 Elster.
3) vom bloszen geräuschlaut, der nicht sprachlicher sinnträger, sondern nur ausdruck des miszfallens, der überraschung oder aufforderung zur ruhe ist, vgl. 1zischen 1 d:

... ein plötzlich st! st! st!
was soll der gebietrische zischlaut? bei
Campe 5 (1811) 875b;

doch in der hauptscene ... lieszen sich zuerst einige zischlaute eines gegners vernehmen J. Schreyvogel ges. schr. (1829) 2, 1, 249; in der versammlung war ein zischlaut zu hören. was ist das? P. Rosegger schr. (1895) II 14, 331;

(wenn) sie merken, dasz jetzo zu ende das stück,
so begleiten sie meinen emporgang
mit unheilverkündendem zischlaut nicht
Hamerling s. w. 7 (1911) 63;

pater Maury zog einen leisen zischlaut durch die zähne (nach der überraschenden antwort eines anderen) Handel-Mazzetti Jesse u. Marie (1911) 2, 71. ungewöhnlich: so finden wir überall ... künstliche mittel angewendet, um das takthalten zu unterstützen. bald sind es blosze zischlaute und rufe der ruderer selbst K. Bücher arbeit u. rhythmus (1909) 220.
 
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zischmen, pl., (ungarische) stiefel, von ungar. csizma, sg., 'stiefel': zischmen sind eine leichtere arbeit als die stiefel des deutschen schuhmachers Prechtl technol. encycl. (1830) 14, 178; die kurzen leichten husarenstiefel Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 549; fein und leicht gearbeitete, anliegende stiefeln (mit hohen schäften, von Corduanleder) Heyse fremdwb. (1879) 875; halbstiefeln, die im schaft zwei nähte haben Schmeller-Fr. bayr. 2, 1158; zischen (sic!) Schröer ungr. bergland 2, 207a. zuerst im 18. jh. bezeugt: schwartze strmpff und geschnrte zischmen (1728) bei Fischer schwäb. 6, 3490; auch zeischmen ebda; mein schuster sekirt mich immer um die bezahlung meiner neuen zischmen Bäuerle kom. theater (1820) 1, 58. in zusammensetzungen: zischmenmachernadeln

[Bd. 31, Sp. 1644]


Schedel waarenlex. (1834) 2, 83; zischmastifl Hügel Wien 195.
 
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zischörper, m., bergmannsmesser (verschreibung für zschörper?) s. DWB tscherper teil 11, 1, 2, sp. 1441: gibt als bald ein zeichen, welches bei den khlern, und weldern gebreuchlich ist, das sie mit einem zischrper oder groszem messer auff ein holtz schlagen Dresser sächsisch chron. (1596) 447.
 
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zischpeln, zischpern, vb., s. zispeln, 2zispern.
 
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zise, f., münzstock, s. 2ziese (sp. 1231), zu dem folgende belege nachzutragen sind: gewönlicher müntz gepreg one ober und unter eisen, one hammer und zisen schlagen Mathesius Sarepta (1578) 177b; one zisen und hammer pregen ebda 40a; 178a; die cise 'in den münzen der münzstock, oder diejenige maschine, mit welcher man ehedem aus freyer hand prägete, und der ort, wo sich dieselbe befindet' Adelung 1 (1774) 1206. entlehnt aus frz. ciseau 'meiszel' (aus *cisellum, *caesellum) oder cisoire ds. (aus *cisorium, *caesorium) v. Wartburg frz. et. wb. 2, 39b f.; 2, 41 ? vgl. o. zisalien.
 
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ziseindl, ziseinlein, ziselein, n., brühe, s. DWB ziseunlein.

 

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