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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zis-chen bis zischmen (Bd. 31, Sp. 1631 bis 1643)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zis-chen, n., zeisig; verkleinerungsform von 1zeise mit (vor der diphthongierung) gekürztem stammvokal, vgl. die belege für tschech. čižek, nd. zîseke, md. zeischen sp. 519: zinsle, zeisel, zischen Junius nomencl. (1577) 42b; zischen, zisle Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 548; zischen Naumann vögel (1822) 5, 155; ziszche Müller-Weitz Aachen 266.
 
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zischen, vb. , schallnachahmendes wort, vgl. mnd. sissen, tzissen; mnl. nl. sissen; engl. dial. siss; formen mit anl. t im nordischen: schwed. norw. dial. tissa 'kichern'; dazu die ableitungen schwed. tissla, dän. tiske 'zischeln', s. Falk-Torp 1265. seit dem 16. jh. bezeugt, ältere varianten s. u. zispen, zispeln; im 18. jh. vereinzelt schischen, s. teil 9, sp. 227. frühe lexikalische nachweise: ich zisch strideo, sibilo Alberus (1540) r 2b; sibilare zisschen Schöpper synon. (1550) 35b; sibilus das zischen durch die zene Faber thes. (1587) 755a; zischen, wispelen siffler Hulsius t.-frz.-it. (1616) 432a; Stoer all.-fr.-lat. (1663) 635. mundartlich vor allem im nd. sprachgebiet bezeugt, z. t. in variierender lautform: sîsen Woeste-N. westfäl. 238a; sissen, sirsen, ssissen, ssirsen Doornkaat Koolman ostfries. 3, 188; ßirsen, ßissen Böning Oldenburg 97; zisken brem.-nieders. wb., nachtr. 424; ziissken Westermann Baden 92; sissen (s- und -ss- weich) Frederking Hahlen 127b; zisken, zissen ebda 179b; siseken Schambach Göttingen 192b; Damköhler Nordharz 189a; sisen (s- und -s- stimmhaft) Bauer-Collitz Waldeck 93a; zischen, zissen Dähnert plattdt. wb. 562; zissen Mi Mecklenburg 110b; zische Fischer Samland 160; zischen, tschischen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 709a; zischen Christa Trier 224; zischken Unger-Khull steir. 653b; tschisch.n, tschischgg.n Lexer Kärnten 266; zischgg'n Hintner Deferegger dial. 248; nicht populär Fischer schwäb. 6, 1242.
1) zur bezeichnung menschlicher laute.
a) vorwiegend im älteren nhd. ohne abwertenden nebensinn von leise gesprochenen äuszerungen, 'flüstern, leise reden': und Dauid sahe, das seyne knechte leysse redten (mussitantes; var. zisscheten) Luther dt. bib. 1, 112 W. (murmeln erste dt. bibel 5, 173 K.); die weil sie (die sekten) durchs evangelij von des babsts ban und tyranney gefreiet, sicher worden waren, zu leren und zu thun, was sie gelüstet, welche doch zu der zeit, da der babst gott und herr war, nicht hetten zisschen durffen (1541) ders. 51, 587 W.; (gott) mus es (das

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gebet) hören, wie er zu Mose spricht ...: was schreiestu zu mir? so doch Moses fur sorgen und zittern nicht wol köndte zisschen, denn er in der höhesten not war (1542) ders. 53, 206;

und regt sich was um strauch und plancken,
so schleich und zisch ich nur: ach kommstu, komm mein kind!
J. C. Günther s. w. 1, 127 Krämer;

ey, so hoch am brett?
glück zu! glück zu! zischt ihm der graf Melune
vertraut ins ohr
Goekingk ged. (1780) 2, 216;

freund, warum, ach! warum hat doch kein genius,
... mit unterweisendem
finger dich mir gezeigt, und mir ins ohr gezischt:
sieh! der ist es
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 287;

im vergleich: die worte kamen stoszweise, wie ein vertrauliches zischen, aus seinem munde A. Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 395.
b) häufiger von der besonderen lautfärbung der menschlichen rede, meist in abwertendem sinne und nicht auf leise äuszerungen beschränkt. in den polemischen schriften der reformationszeit vom aussprechen liturgischer formeln: meinstu das du durch dein zischen, sol got von hymel faren et in panem krichen Luther 29, 176 W.; D. Carlstad weys, das wyr uber dem brod und weyn nicht blasen noch zisschen, sondern die göttliche ... wort sprechen, die Christus ym abentmal mit seynem heyligen munde selbst sprach ebda 18, 202; die wort der einsätzung nennen sie ein zäuberisch zischen und schwaddern, eine papistische beschwehrung Nigrinus anticalvinismus (1595) 408. ähnlich: dergleichen geheime sprachen bediente sich der heidnische zauber- und verlogene wahrsagergeist, wenn er sich in gewisse klüfte unter der erden versteckte und daraus dunckele und rätzelvolle worte mit unvernehmlicher stimme mehr zischete als redete Rose homilet. studierstube (1723) 87. von der stimme des schmeichlers oder versuchers (vgl. 2 a):

lernt sich nirgends sonst so gut
als in abgelegnen büschen,
wo keine schmeichler uns was in die ohren zischen
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 6, 323;

ich gelobe! und wills halten, mein fleisch und blut niederzuschlagen ... wenn die härte mir ins ohr zischt: verdient es auch der arme? Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 558; was zischest du, düstrer dämon, in meine ohren? Klinger w. (1809) 2, 176. von äuszerungen der verleumdung und des neides, der lästerung und des spottes (vgl. 2 a): ohrenblasen heist, einem etwas in die ohren einraunen oder zischen ... das ist nachwaschen, verrhaten, angeben ... ohne ursach, noth und befehl, und andern leuten zu grossem nachteil und unglimpff Mathesius Syrach (1586) 1, 26a; freylich hatt ich ... auch meine neider, von denen ich gar wohl wuszte, dasz sie allen personen, die mit mir zu thun hatten, fleiszig ins ohr zischten Bräker s. schr. (1789) 1, 206; alsdann würden die lästerzungen erst gezischt und geschrieen haben Lichtenberg nachlasz 35 L.-Sch.; wie sie izt zischen die lästerzungen Schiller 3, 86 G.;

allein mit mir hast du vergebens dich
bemüht. mag doch verleumdung zischen!
Collin Regulus (1802) 46;

zote zischt; seiltänzer und buntbemalte springer
schreiten vorüber zur rennbahn
Sonnenberg ged. (1808) 199;

du kannst nur aus dem hinterhalte zischen, philisterpack! Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 6, 179. von geschwätz und klatsch, oft im sinne einer verstohlenen, geheimnistuerischen äuszerung:

ein so beredter (sc. geschwätziger) herr sah einen wackern mann,
der denkend schwieg, verächtlich an.
der herr, zischt er dem nachbar in die ohren,
hat wohl das reden gar verschworen
Gellert ges. schr. (1839) 1, 234;

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die halbe gesellschaft ... zischte sich in die ohren, als ... B. ihnen echappierte Iffland dram. w. (1798) 2, 73. von äuszerungen des unwillens, zornes oder hasses: ja, schreit nur, bis ihr berstet! zischte blau vor grimm der hauptmann durch die zusammengebissenen zähne und ballte die hände (1858) W. Raabe s. w. I 4, 394; bin ich wirklich das ärmste kind ... fragt Justin mit der lebhaften neugier eines unbeteiligten. oh, ihr dummköpfe, zischt mutter Soubirous und zerrt die bengel zum waschtrog Werfel Bernadette (1948) 40; sie sprang auf und ging zum angriff über. du — du bist überhaupt eine feine nummer, zischte sie Käthchen zu H. Mann d. untertan (1949) 313.
c) in phonetischem sinne als besondere lauteigentümlichkeit menschlichen sprechens.
α) in hinsicht auf charakteristische lautungen der einzelsprachen bzw. mundarten: welchs auch die sprache und ausreden gnugsam anzeigte, dasz sie (Franzosen und Italiener) läppisch und zischende die Worte pronunciren und reden Luther tischr. 4, 79 W.; darumb sie ihre angeborne muttersprache mit dem plispern, kirren und zischen der Italianer verwechselt haben B. Faber Saxonia (1563) 1b; jene (sprache) zeichnet sich durch stolze pracht, diese durch flüchtige leichtigkeit, eine dritte durch weiche fülle, eine vierte gar zischend aus Herder 27, 168 S.; (die endungen) -ig und -icht ..., welche in den groben zischenden mundarten in -isch übergegangen sind Adelung lehrgeb. (1872) 2, 70;

sie (die dichter) zeigen, dasz, nicht immer hart,
des Deutschen sprache schnarcht und schnarrt,
und zischt und pfeift, und klirrt und knarrt
J. A. Ebert epist. u. verm. ged. (1789) 170;

wir hörten zum ersten male diese krächzende, gurgelnde, zischende sprache der kehllaute, die jach herausgestoszen wie eine sprache der schlangen erschreckt (v. e. eingeborenensprache) H. Laube ges. schr. (1875) 5, 259. von der sprechweise des einzelnen: dieser ... war sehr grosz und von der höchsten magerkeit, sein gesicht schwärzlich und doch todtenblasz, seine stimme schwach und zischend Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 2, 301.
β) von der aussprache des einzelnen geräuschlautes, vgl. DWB zischlaut; zuerst in verdeutlichendem vergleich bei der lautbeschreibung: dise bchstaben sch (sc. s, c und h) geben die stimm oder das zischen nit, wie man die vgel oder hner veriagt ... die juden haben einen eintzigen bchstaben (um 1534) Val. Ickelsamer bei Joh. Müller quellenschr. u. gesch. d. deutschspr. unterr. (1882) 138 anm.; in einer anderen fassung dieser stelle unmittelbar auf den sprechlaut bezogen: ainen mangel leydet gemainlich das s, wa es bey disen bchstaben steht als sch, sc, sp, st, sq, dann wie wir dise silben nennen, hört man ain grob sibeln vnd zischen, welche stimm das scharff ß nit gibt (1537) ders., ebda 139. in ansätzen zu lautphysiologischer beschreibung in der natursprachenlehre Böhmes: das wort 'sprach' fasset sich zwischen den zähnen, denn die beiszen sich zusammen und der geist zischet durch die zähne heraus, und die zunge beugt sich in der mitte und vorn spitzet sie sich, als ob sie hörte, was da zischte und sich fürchtete J. Böhme s. w. 2, 206 Schiebler. von späteren grammatikern und sprachtheoretikern auf verschiedene reibelaute (vor allem sch, auch z, sz, s) angewandt: wann sie (c und h) aber nach s folgen, veruhrsachen sie einen solchen grob-zischenden laut, dasz es fast seltzam ist, wie doch solche drey buchstaben sich zu der zischenden stimme gefunden Schottel sprachkunst (1641) 187; wer siehet nit hiebey, wie ... durch die folge dess zischenden s der plitz unnd glantz des schwerts herzuschneide Schill ehrenkranz (1644) 189; das c ist der dritte buchstab ... wan es ausgesprochen wird, so geschihet es mit einem zischen und bricht aus, gleichsam als

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ein z oder ts, indem die zunge sich oben an den gaumen und die zähne anstöbbelt und etwas krümmet und ziehet Ph. Zesen rosenmând (1651) 83; (viele sind der ansicht) das das c for dem h nach dem s gar weg geworfen und für busch ... bußh ... mit dem zischenden ß ... könne geschriben wärden Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 39; wo aber ein sch vorher gehet, da schickt sichs nicht, denn es ein gar unangenehmes zischen verursachet Buchner dt. poeterei (1665) 79; denn wir gar nicht sehen können, was der gebrauch der sausenden und zischenden buchstaben mit der reinigkeit ... zu thun habe Gottsched crit. hist. (1732) 1, 318; eß, wie ein gelindes zischen, nicht wie ein sch ders., sprachkunst (1748) 20; in 'stand, sprach, schlug ...' hören wir weder das lispeln des s noch das zischen des sch Klopstock spr. u. dichtkunst (1779) 1, 196; so hat ... die englische und neugriechische zunge ihr gezischtes th Schmitthenner ursprachlehre (1826) 68; dieser (friesische) dialect pflegt den harten kehllaut k und kk in ein zischendes sz zu wandeln J. Grimm kl. schr. (1864) 5, 140; der durch die alveolar-koronale enge hindurchströmende ... luftstrom erzeugt ein zischendes rauschen Essen phonetik (1953) 72.
d) als bloszes geräusch, ohne verbindung mit sprachlichen sinngehalten.
α) seit dem frühnhd. häufig als miszfallensäuszerung von zuhörern und zuschauern, vgl. auszischen teil 1, sp. 1041: also lesen wir, das die heyligen veter ym concilio Niceno theten, so bald sie der Arianer lehre lesen hreten, zisscheten sie alle eintrechtiglich, und wolten sie auch nicht hren Luther 31, 1, 209 W.;

o Eulenspiegel, hettst diss gthon
nur zu Pariss in der Sorbon,
sie hetten dir gemacht sehr bang,
nit geben audientz so lang,
sonder mit zischen und mit klopffen
hetten sie dirs maul knnen stopffen
Fischart w. 2, 150 H.;

o dächt ich wie Voltair! o schrieb ich wie Racine!
alsdenn erwählt ich mir zum predigtstuhl die bühne
dich, o mein vaterland, lüd ich zum zischen ein;
und wann ein richter fehlt, — der mag die nachwelt seyn
Cronegk schr. 2 (1763) 130;

ein geschlecht, ...
welches heute klatscht der thorheit und der wahrheit morgen zischt
Platen w. 2, 332 Hempel;

das klatschen oder zischen dieses publicums entschied den ruf des tänzers im ganzen reich Mommsen (1894) 5, 461; andern tages sitzung. Eulenburg erscheint und wird mit solchem zischen und lärm empfangen Bismarck ged. u. erinn. 2, 221 volksausg.; er endete (seine rede) unter stürmischem beifall eines groszen teiles der versammlung, dem der andere mit zischen antwortete Bebel a. m. leben (1946) 1, 75; ich war zeuge, wie bei einer erstaufführung eines der atonalen jugendwerke Arnold Schönbergs, als ein herr heftig zischte und pfiff, mein freund ... ihm eine ebenso heftige ohrfeige versetzte Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 64. anders: wird doch bei den Basutonegern ein glücklicher volksredner durch zischen belohnt Peschel völkerkunde (1874) 112.
β) als aufforderung zur ruhe; erst in neuerer zeit belegt: sie hörte drauszen sprechen, hörte die groben tritte ... und zischte um ruhe Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 5, 104; zischen und leise rufe verweisen zur ruhe und aufmerksamkeit W. v. Scholz erz. (1924) 238; man zischte von verschiedenen seiten; und es trat stille ein Renn adel im unterg. (1947) 389; Guste ward ihrerseits laut, ringsum zischte man H. Mann d. untertan (1949) 383.
γ) seltenere gebrauchsweisen; als nachahmung von vogellauten: diss (häutlein der birkenrinde) nimpt der weidman auff die zunge, und legt es darauff mit zischen ober sich mit der zungen an den gaumen,

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und pfeiffet darmit wie die groben und halben waldvögel zu thun pflegen Aitinger jagd- u. weydbüchl. (1681) 206. als zeichen der freude: darüber frolocketen die Türcken mit schreien und zischen sehr Neumayr v. Ramszla bellum cypricum (1621) 203; jederweilen erzeigen sie (die kobolde) sich frölich, lachen und hüpffen, zischen und haben tausend kurtzweil mit den knappen Prätorius glückstopf (1669) 53. als zeichen der verwunderung: wenn sie (die eingeborenen) über irgend etwas ihre verwundrung ausdrücken wollten, so gaben sie einen zischenden laut von sich, dergleichen wohl die gänse hören lassen, wenn sie böse gemacht werden J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 162. vgl. auch: durchs zischen ein zeichen geben sibilo signum dare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1097.
2) zur bezeichnung tierischer laute. in älterer sprache auch im bereich niederer mythologie auf dämonen, hexen, fabelwesen u. dgl. angewandt: es werden die lamiae auch striges genennt, vom stridore, vom zischen, getöse Nigrinus von zäuberern (1592) 161; von welchen (satyren) man keine rechte stimm, sondern nur ein unfrmlich geschrey und zischen gehret Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 3, 429.
a) am häufigsten von der schlange: sibilare, fischiare, ciffolare proprio de' serpenti pfeiffen, zischen wie ein schlang Hulsius it.-teutsch (1618) 372a; anguis sibilat die schlange zischet nomencl. lat.-germ. (1634) 160; die zischende schlange Comenius janua (1638) nr. 213; so hetten sie doch mocht für furcht vergehen, da die thier unter sie furen, und die schlangen mit hauffen so zisscheten (serpentium sibilatione) Luther weish. Sal. 19, 9; als diss vollbracht war, verlieszen die schlangen mit einem schrecklichen gepfeiffe und zischen den kreisz Lohenstein Arminius (1689) 2, 1158a; ich springe auf, und sie (die schlange) schlingt sich zischend um eine der stärksten cypressen herum Gleim briefw. 2, 512 Körte. in dieser verbindung oft im vergleich oder auf menschliche äuszerungen übertragen (vgl. 1 b), z. t. in deutlicher anlehnung an den biblischen bericht vom sündenfall: so er ein weib höret reden, soll er fliehen als vor einer schlangen, die da zischt oder pfeifet Luther tischr. 4, 408 W.; Florus schreibt, das unsere alte Deutschen nach dem tode Drusi ..., welcher sie hat wollen mit gesetzen unnd gerichtszwang regieren, mit allem den seinen ermordet haben, yhnen die zungen auszgeschnitten und gesagt: sibila nunc vipera, zische nu mehr du schlange Agricola sprichw. (1534) A 3a; ähnlich S. Franck Germ. chron. (1538) 11b;

was ist's, wann peiniger uns hassen,
wann um uns zischt die schlange spott?
Schubart s. ged. (1825) 1, 45;

seit Eva, der ersten mutter, sind sie alle schlangen, die mit giftiger zunge den armen mann beständig zu sünden reizen und in tiefes verderben zischen maler Müller w. (1811) 3, 114;

nun kommt sie (Lenore) als ein werkzeug meines feindes,
sie schleicht heran und zischt mit glatter zunge,
die kleine schlange, zauberische töne
Göthe I 10, 207 W.;

im bilde:

drum gleicht dies mündlein gar genau
den hübschen rosenbüschen,
wo giftige schlangen wunderschlau
im dunkeln laube zischen
H. Heine s. w. 1, 50 Elster.

wenn ich ... von diesem geheimrat rede, da sprüh' ich nicht blosz, da zisch ich wie eine schlange Fontane ges. w. (1905) I 4, 400.
b) von anderen tieren; von der gans: zischen der gänse il cifolare delle ocche Günzel teutsch-it. (1648) 919; ein trupp gänse zischte und schnatterte mir unter der wölbung (des tores) entgegen W. Raabe s. w. II 2, 26; (gänse), nach denen (er) ... mit dem stocke schlug, worauf ein paare gänseriche zischend mit vorgestrecktem halse auf sie losfuhren R. Huch

[Bd. 31, Sp. 1636]


d. grosze krieg (1920) 2, 432. auch hier im vergleich und übertragenen wendungen: das offentlich solt gerett und gepredigt werden, das blaszen die messirer aus gleich wie die gensse tzischen Carlstadt v. beiden gestaldten d. hl. messze (1521) A 2a; so erhob sie ein so groszes geschrey, dasz ich glaubte, alle gänse der ganzen welt zischten um mich herum Heinse s. w. 2, 265 Sch. vom ähnlichen laut des schwans:

sie, die neulich mit lautem geschrei vor dem zischenden schwan floh? musenalmanach (1785) 6.

seltener von anderen vogelarten:

dessgleich, strch, atzeln, guckler, han,
verrahten thun ohn unterlan,
thet jemand auff ihr hoffstadt komn,
...
so schweigens nicht, gckern gantz rischen,
oder thun sonst schreyen vnd zischen
Eyering proverb. copia (1601) 1, 4;

denn man hret ja solche stimme wol zur genge von den jungen, wenn sie ihrer eltern begierig seyn, und etwas leiser pfeiffen oder zischen, wie die meben (gaveae) Prätorius winterfl. der sommervögel (1678) 30;

sie (die nachtigall) füllet die lüfte mit schmetterndem schallen,
sie lässet, mit flöthen und glucken gemischt,
worunter sie, lockend, bald gurgelt, bald zischt,
die reinen gesänge bald steigen, bald fallen
Brockes irdisches vergnügen (1721) 8, 16;

die jungen nachtigallen rufen anfänglich blosz fiid, aber in einem weniger sanften, vielmehr in einem schneidendern oder zischendern tone Naumann vögel (1822) 2, 381; vor allen aber zwitschert, pfeift, schnattert, zischt und gurgelt der kleine lustige schilfsänger, auch rohrsperling genannt, in allen tonarten unermüdlich bis an den hellen morgen Allmers marschenbuch (31900) 104. — von der fledermaus: aus dem chor der vögel in die schar säugender erdemütter verbannt, zischte sie (die fledermaus), bin ich ein doppelgeschöpf zweier naturreiche Herder 22, 81 S. bei katzen und verwandten tierarten für üblicheres 'fauchen':

jetzo tantzen alle katzen,
poltern, lermen, dasz es kracht,
zischen, heulen, sprudeln, kratzen
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 41;

und zischend, mit emporgesträubtem pelz schosz der kater auf W. Raabe s. w. I 6, 461; der tieger ... springt zischend hoch auf Gerstenberg Ugolino 252 H. vgl. hierzu die zusammensetzungen: zischaffe, m. Krünitz encycl. 242 (1858) 23; zischeule, f. (s. u.); zischmaus, f., spitzmaus Krünitz a. a. o. (vielleicht umgedeutet aus zissmaus < zisimûs, vgl. schweiz. id. 4, 479).
3) im gegenständlichen bereich.
a) bei berührung heiszer oder brennender körper mit wasser: zischen ... wie ein glend eisen das in ein wasser gesteckt wird griller ou grillotter Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716; so fielen stern auff die erde, so man wasser drauff gosz, so zischten sie und gaben einen hal S. Franck Germ. chron. (1538) 158b;

zuhandt zerbrach dieselbig brck,
fiel nab ins wasser an zwey stck.
die kol folgt baldt hinnach und zischt,
da sie das wasser auch erwischt
Waldis Esopus 1, 410 Kurz;

mit listen sie erwschet
die fackel flammen hell,
stiesz under sich, dasz zischet,
tief in den bronen quell
Zinkgref auserl. ged. 18 ndr.;

ob man gleich die lichten brände
leschte mit vermischtem blut
da die umgestürtzten wände
zischten in der purpur fluth
Gryphius trauersp. 180 lit. ver.;

wie aber die kohle mitten auf den strohhalm kam, fing der an zu brennen und brannte durch, kohle fiel zischend ins wasser und starb J. Grimm kinder- u.

[Bd. 31, Sp. 1637]


hausmärchen (1812) 1, 67; das fertige hufeisen des (schmiede-)meisters fuhr zischend in den kühleimer W. Raabe s. w. I 3, 391; sie probierte mit dem nassen finger, ob die plätte zischte Kluge Kortüm (1938) 69; in der hostienbäckerei zischte das glänzende waffeleisen, wenn der geschmeidige, weisze teig die initialen berührte Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 89; ungewöhnlich: die sonne war im begriff ins meer zu zischen Liliencron zehn nov. (1904) 48. im bilde: blos ein paar glühende augenblicke zischen und erlöschen auf dem eisfeld des lebens Jean Paul w. 7/10, 212 Hempel;

so aus meinem haupt, ihr kerzen
wilder lieder, sprühn und wallen
sollt ihr, und in fernen herzen
siedend, zischend niederfallen!
Freiligrath ges. w. (1877) 1, 7.


b) bei ähnlichen vorgängen, die auf verdampfung, verbrennung u. dgl. zurückzuführen sind: rumor di esso frigare della padella das zischen, wann man etwas in einer pfann röst oder brät Hulsius it.-teutsch (1618) 164b; 399b; zischen wie grün holz oder wasser im feuer Kramer teutsch-frantz. reg. (1715) 910;

sein rechte hand hielt in das fewer,
das zu dem opfer war geschüret,
hielt sie darinn und die nicht rüret,
bisz sie zischet und kolschwartz wur
Hans Sachs 2, 318 lit. ver.;

die ayer im schmaltz höret man spratzen,
die schweinen braten hört man zischen.
ein rauch gieng von gesotten vischen ebda 5, 336;

greifft mit der glenden zangn herfr,
in meinen schwantz, dasz es gleich zischt
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Qq 6a;

wie aus einem feuchten brand
die eingespärrte luft mit rauschen zischet
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 4;

das theewasser zischt Bismarck br. a. s. braut u. gattin 197 H. v. Bism.; wohl knirschten die balken unter ihm; wohl zischten seine stiefelsohlen, indem sie flüchtig deren gluth berührten Holtei erz. schr. (1861) 13, 159; am herde ... stand eine stämmige bäuerin und that den teig in die zischende pfanne Storm s. w. (1898) 3, 24. vom feuer:

wer scharfe schwerdter
schmieden und schleifen will,
scheue das zischen der flamme nicht
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 10;

heilige gluth!
rufe die jugend zusammen,
dass bei den zischenden flammen
wachse der muth
Böhme volksth. lieder (1895) 59.

von brennendem pulver, feuerwerkskörpern u. dgl.: gewohnt, das aufschlagen der pfanne und zischen des pulvers mit unerschrockener miene anzusehen Fleming d. vollk. soldat (1726) 27; wie wenn von ungefähr ... ein feuerwerk in brand geräth, und die ... hülsen ... unordentlich und gefährlich durcheinander zischen und sausen Göthe I 21, 118 W.; raketen, leuchtkugeln, schwärmer zischen, knattern, sprühen, flammen nach allen seiten Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 17.
c) besonders im 17. und 18. jh. in dichterisch gesteigerter sprache vom siedenden, hervorquellenden blut, von dem in den körper eindringenden stahl u. dgl.:

der hencker setzt in sie mit glüend-rothen zangen ...
und griff die schultern an; der dampff stieg in die höh.
der stahl zischt in dem blut; das fleisch verschwand als schnee,
in den die flamme fällt
Gryphius trauersp. 237 Palm;

so werd' ihr zischend blut
ein opffer unser rach'
Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) 17;

ihre hand reckte das glüende und von Artabazens anklebendem blut noch zischende eisen als ein siegszeichen empor ders., Arminius (1689) 1, 242a;

[Bd. 31, Sp. 1638]


die wilde gluht der dunckeln marterhöhle
entzündet schon mein zischendes geblüht
Brockes sterbender Jesus 100 Flemming.

zischend stiesz er den stahl durch den unschuldigsten busen
Lenz ged. 25 Weinhold;

das blut! — hoch hat es gesprungen — das blut!
laut hat es gezischt — gen himmel es quoll!
Z. Werner d. kreuz a. d. Ostsee (1806) 85.


d) von körpern, die schnell durch die luft fliegen, besonders waffen, geschossen u. dgl.:

als der gestiegne stahl (der wurfspiesz) in vollen lüfften zischt
Pietsch geb. schr. (1740) 24;

kaum pfiff dem ehrenmann ein heisz und zischend bley
bey seiner glatten stirn und lockenpracht vorbey anmuth. gelehrsamk. (1752) 380 Gottsched;

dort hör ich aus verschwiegnen büschen
die unsichtbaren pfeile zischen
Jacobi s. w. (1807) 1, 27;

zischend fliegt in den baum die axt
Schiller 11, 79 G.;

denn freilich sind's dergleichen kiel und pfeile
die hin und wieder fliegend, würkend zischen
Göthe I 5, 1, 119 W.;

fürchterlich zischten dem unschuldig verfolgten die kugeln um die ohren Ch. v. Schmid ges. schr. (1856) 2, 28; säbel und kosakenpeitschen zischten auf die auseinanderstiebenden, schreienden, übereinanderfallenden leute O. M. Graf unruhe (1948) 167. im bilde: und er liesz sein herz durch die geiszel der tyranney, die beständig um ihn her zischte, so lange zerfleischen, bis sein verstand ... verwirrt und verdunkelt ward Klinger s. philos. rom. (o. j.) 3, 13. mit verändertem subjekt in poetischer sprache:

plötzlich kam
der wilde Tybalt mit gezücktem schwert,
und schwang, indem er schnaubend kampf mir bot,
es um sein haupt, und hieb damit die winde,
die, unverwundet, zischend ihn verhöhnten (hiss'd him) Shakespeare 1 (1797) 12.

ähnlich von flugzeugen: in den äther hinauf zischen s'enlever rapidement Delcourt argot. allem. (1917) 84b; der propeller springt an, und man zischt in den äther hinauf Imme soldatenspr. (1917) 37.
e) vom wind und vom sturm:

zische, nord,
tausendschlangenzüngig
mir ums haupt!
Göthe I 4, 192 W.;

mit grausem zischen brauset der sturm daher
Hölderlin s. w. 1, 28 Hell.;

ein windzug zischt,
die latern verlischt
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 542;

vergeblich rief der prediger den namen desselben, der schall seiner stimme ging in dem brausen und zischen (des sturmes) verloren W. Raabe s. w. I 6, 238. besonders von den sausenden und pfeifenden tönen, die beim vorbeistreichen der luft an gegenständen oder beim durchstreichen von spalten, ritzen u. dgl. entstehen:

so bricht aus tiefer höhlen schoosz
das heer der winde brüllend los,
braust um den hain, kracht in den eichen,
zischt durch die wipfel
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 195;

und durch die übertrümmerten klüfte
zischen und heulen die lüfte
Göthe I 14, 199 W.;

nur hohl und zischend sich die luft
in des gesteines spalten fängt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 35;

der wind zischte vor den fenstern W. Raabe s. w. I 6, 460. der vom wind gestreifte gegenstand als subjekt:

um diese grotte buhlt kein westwind mit den büschen;
man hört allein das laub bejahrter eichen zischen
Zachariae poet. schr. (1772) 1, 101;

[Bd. 31, Sp. 1639]


wenn er (Brockes) das jubiliren der lerche ... nachahmt, samt dem flüsternden zischen der gespitzten blätter des schilfes Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 3, 518; man hörte nur das gras und die sträucher des abhangs im winde sieden und zischen Carossa d. schicksale dr. Bürgers (1930) 57.
f) beim ausströmen der luft; im organischen bereich vom atem oder den atmungsorganen: die fälle, ... wo erwachsene, die gerade nicht an dem gehör litten, luft oder tabaksrauch, wohl mit zischen, bei dem ausathmen durchtreiben (durch das ohr) Sömmerring menschl. körper (1839) 5, 822, anm. 1; hier aber ist die rede von solchen (tönen), wo das pfeifen und zischen der lunge allein gehört wird Schubart tonkunst (1806) 339; nachdem der trinker den noch an lippen oder bart hängenden rest des trankes durch ein kräftig zischendes blasen entfernt hat Ratzel völkerkunde (1885) 2, 257; B. stiesz melancholisch zischend den atem aus seiner allzu schmalen nase Werfel geschw. v. Neapel (1931) 46. bei musikinstrumenten: das allzufeste zusammendrücken der lippen und zähne machet den ton zischend Quantz anw. d. flöte zu spielen (1789) 44; im bilde:

die flöthe zischt zwar nur, so unsre muse rühret;
denn wo der seufzer macht des athems stärck entführet,
da kommt, wie sehr man bläst, kein heller thon heraus
J. Chr. Günther s. w. 5, 106 Krämer.

im bereich der mechanik von ausströmender komprimierter luft: sie hörte nur noch den pfiff und das zischen des dampfes, der abgelassen wurde Fontane ges. w. (1905) I 4, 163; die maschine stöszt weisze, zischende dämpfe aus ihren zylindern Gerhart Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 48; im bilde (vom körper eines kranken): dann zischt es in den ventilen, saust das angstmanometer hoch A. Zweig einsetz. e. königs (1850) 470.
g) vom wasser, das in schneller, sprudelnder bewegung ist:

lasz los des schutzes schaum, lasz zischen, gischen, gieszen
den wasserwall des Roten Meeres
Joh. Klaj geb. Jesu Christi 40 Flemming;

bald prallet er (der strom) zurück und wird mit zischen kalt
Pietsch geb. schr. (1740) 123;

und es wallet und siedet und brauset und zischt,
wie wenn wasser mit feuer sich mengt,
bis zum himmel sprützet der dampfende gischt
Schiller 11, 221 G.;

was stürzt sich vom felsen, was braust und zischt
und schleudert zur höhe den rauschenden gischt?
Körner w. 2, 208 Hempel;

der Lech ..., welcher in einem schwindelnden abgrund zischte und zürnte Kürnberger nov. (1861) 2, 192; ich traf die firnmasse nun in der that in voller auflösung; von allen seiten rauschte, zischte, sprudelte es; bäche von schmelzwasser schossen ... dahin Barth Kalkalpen (1874) 250. im bilde: es zischte und gischte in ihren adern so warm und so wohlthuend W. Hauff s. w. (1890) 3, 25. vom wasser, das durch wind aufgewühlt ist, vom wellengang: aber weisze schaumwellen zischten und es platschte immer ans ufer Bettine Goethes briefw. (1835) 1, 38; so steigt das schäumende, zischende wasser empor am schützenden damme Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 180. beim auftreffen von körpern auf die wasseroberfläche: Hans Heiling stürzte vom felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang Grimm dt. sagen (1891) 1, 218; da wich die büste von dem mauerrand und stürzte hinab, ... zischte in die Rheinflut und versank Scheffel ges. w. (1907) 3, 12. ähnlich: westwind furchte das meer und spielte mit den wasserflugzeugen, die zischend dem feuchten entflohen H. W. Seidel Krüsemann (1935) 206. vom flüssigkeitsstrahl: solange ... der weisze strahl (milch) in den melkeimer zischte, sprach sie eintönig fort Auguste Supper holunderduft (1910) 238; springbrunnen

[Bd. 31, Sp. 1640]


zischten in die luft Gaudy s. w. (1844) 2, 50. ähnlich:

cascadensturz, durch fels zu fels gepaart,
und wasserstrahlen aller art;
ehrwürdig steigt es dort, doch an den seiten
da zischt's und piszt's, in tausend kleinigkeiten
Göthe I 15, 1, 250 W.

im älteren nhd. auch 'urinieren': zischen als die frawen seichen sipho dicitur sonus mingentis mulieris, voc. inc. teut. (um 1495) E 2b; ähnlich: sie in so wol gehalten, gleich einem guckgeck, der sein ltern frist, unnd einem widhopffen, der in sein eigens nest zyscht Joh. Nas antipap. eins u. hundert 5 (1570) 67b; auch noch mundartl., vgl. DWB zisch.
h) von kohlensäurehaltigen getränken: indem knallte Sandrarts champagnerkork und in einem der ... spitzgläser zischte vor ihr der perlende wein Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 354; E. muszte ... das zischende getränk (brause) zu sich nehmen Auerbach schr. (1892) 7, 218; dunkles oder helles (bier), Kortüm? da drüben, im Augustiner, das zischt, wenns auf die zunge kommt Kluge Kortüm (1938) 574; zischend ergosz sich das bier auf den boden O. M. Graf unruhe (1948) 57. im anschlusz an diesen gebrauch umgangssprachlich auch in der wendung einen zischen 'einen schluck nehmen, ein glas bier trinken'. bei chemischen prozessen: gelberde zerfällt im wasser unter zischen zu einem pulver und stöszt luftblässchen aus Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 215; es bildet eine ... rauchende flüssigkeit, welche ... sich mit wasser unter zischendem geräusche zersetzt Muspratt chemie (1893) 4, 736; mit wenig wasser vermischt, verbindet sich die kalkerde unter zischen ... mit wasser Mothes ill. baulex. (1882) 3, 133. im bilde: weil die stoffe zur entwickelung und gestaltung ganz neuer weltverhältnisse in treibender und zischender gährung noch über und untereinander liegen E. M. Arndt schr. (1845) 4, 61.
i) bei elektrischen entladungen; von niederfahrenden blitzen:

die blitze zischten strahl auf strahl
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 196;

wie glühnde hexenbesen, zischen kreuzweis
die rothen blitz' — in strömen schieszt der regen
Z. Werner d. söhne des thales (1803) 1, 279;

das zischen des blitzes und das krachen des donners war eins Fr. L. Jahn w. (1884) 1, 468. in der technik: zischen des lichtbogens Blaschke wb. d. elektrotechnik 144; elektrisches feuer zuckte beständig unter den rädern des gefährtes (eines straszenbahnwagens) und noch stärker oben an der kontaktstange, von wo diese kalten flammen zischend in ganzen funkenschwärmen zerstoben Th. Mann Faustus (1948) 708. vgl. hierzu die zusammensetzung zischfunken, m.: 'in der radiotechnik bezeichnung für eine funkenstrecke, bei der zwei grosze elektroden sich in sehr geringem abstand ... gegenüberstehen, so dasz ... ein schnelles abreiszen der funkentladung erfolgt' gr. Brockhaus 1520, 662.
k) gelegentlich von geräuschen, die bei berührung oder reibung von gegenständen entstehen: darumb lecket der ein die finger immerzu, dasz der ander hinden auszschlag unnd zisch mit dem schuch Fischart Garg. 63 ndr.; auch erinnere ich mich, wie ich mittag bei der mutter in der stube gesesen, die fenster auf waren und alles still, dasz man blosz das zischen von den strumpfwirkerstühlen hörte J. u. W. Grimm briefw. (1881) 157;

er horcht — so rauscht kein laub, so zischt die säge
Brentano ges. schr. (1852) 6, 56;

der regen zischte durch die blätter Jean Paul w. 15/18, 311 Hempel; mit einem leisen zischen gleitet die klinge aus der scheide Jelusich d. löwe (1936) 287; wir wanderten ... über pfade, ... wo das gras kniehoch stand und bei jedem schritt leise zischte qu. v. j. 1952.

[Bd. 31, Sp. 1641]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zischen, vb., auf dem eise gleiten, glitschen; auch zuschen, zuscheln, züscheln, s. teil 16, sp. 790, 791: zischen auf dem eise im hennebergischen Popowitsch versuch 158; in Meiningen, fränk. Schweiz Kretschmer wortgeogr. 424. vgl. 2zischeln, 2zischern.
 
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zischer, (in älterer schreibung auch tschischer, s. u.), m., nomen agentis zu 1zischen; vom menschen, der den zischlaut hervorbringt; vereinzelt in pejorativem sinne, 'verleumder', vgl. 1zischen 1 b: sei ... nicht ein rauner, tschischer und visperer (vor 1600) Herberger Jesus Sirach (1698) 117a. von dem, der durch zischen miszfallen oder unwillen äuszert: was zu einem bedenklichen kampfe zwischen den klatschern und zischern anlasz gab Schreyvogel ges. schr. (1829) 2, 2, 351; so bemerkte er, dasz ein junges herrlein ... den zischern im dritten range öfters zeichen und winke gab Holtei erz. schr. (1861) 11, 21; auf jeden bravorufer kamen hundert kopfschüttler und zischer Spielhagen s. w. (1872) 2, 386; dasz die künstlerin Fröhlich so zuversichtlich und heiter bleiben und den schreiern und zischern noch handküsschen zuwerfen mochte! H. Mann d. blaue engel (1950) 108. hierzu die zusammensetzung zischerbande, f.: die wohlorganisierte zischerbande hatte sich wieder versammelt F. Wehl zeit u. menschen (1889) 1, 79. von zischenden tieren: zischer das laubvögelchen Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. (1824) 10, 548; diess ohreulengeschlecht wird darum zischer benennet, weil wie zischen ihr ruf tönet Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 126. vom laut selbst; im phonetischen sinne, 'zischlaut': du zitterlaut, du zischer, und o du sauselaut! Klopstock gramm. gespr. (1794) 16; das ... gespräch ... wird belebt durch freude über den grammatiker, der ... die geschmackvollen namen ... zitterlaut, zischer ... stötterling ... erkiesete J. H. Voss krit. blätter (1828) 1, 373. vom zischenden geräusch: s tût an zischr, wenn glühendes eisen ins wasser kommt Göpfert sächs. Erzgeb. 41.
 
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zischern (in älterer lautung auch tschüschern, s. u.), vb., iterativbildung zu 1zischen; seltener als zischeln und in neuerer sprache ungebräuchlich; leise oder heimlich reden, schwätzen: stridere secreta diversos aure susurros einander in die ohren zischern Corvinus fons lat. (1646) 840; zischern klappen, snappen, babbelen Kramer-Moerbeek (1768) 436a; und das wart heymlich tschscherns hy vnd dort von Jesu gesagt, sint yn die zeit nymands torste offentlich zu ... rhumen M. Risch paraphrasis Erasmi (1524) R 4a; dann zischerten die andern dem ... dechant ins ohr, er sollte mich erst orglmässig spielen hören Mozart br. 1, 94 Schied. mundartl.: zischern wispern, flüstern Schröer ungr. bergland 217a. von tieren:

und zischernd treiben die gänse fern von der lustbahn der jungen
den schwimmenden schieszhund
E. v. Kleist w. 1, 183 Sauer.

im bilde oder im vergleich aus der tierwelt: alsdenn krochen einige natterschlangen herbey, welche mit ihrem zischern von weiten zu verstehen gaben, dass sie reden wolten Lindenborn Diogenes (1742) 1, 414; der andre (sänger) wiherte wie ein hengst, der dritte zischerte wie ein sperber ebda 266. von heiszen körpern:

aber ein himlisch fewr, fellt auff sie zu der stt,
gleich wie zur sommerzeit, ein brnnender comet,
mitten auff einem weg, zischernd zwittert und blicket,
drob, weil er ihm so nah, der wandersmann erschricket (um 1620)
Tob. Hübner du Bartas, das gesetz (o. j.) 71.


 
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zischern, vb., auf dem eise gleiten, glitschen, zu 2zischen (s. d.): lubrico motu labi per glaciem auffm eiss zischern nomencl. lat.-germ. (1634) 31; auffm eiss zischern, glennern Calvisius thes. (1666) 27.
 
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zischeule, f., waldkauz, strix aluco L., strix stridula: Nemnich polyglottenlex. (1793) 1381; Naumann vögel (1820) 473; Mozin dt.-frz. 4 (1856) 1297;

[Bd. 31, Sp. 1642]


Krünitz encycl. 242 (1858) 23; Brehm tierl. 5, 156 P.-L.
 
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zischgen, (pl.?) gesträuch oder holz von nadelbäumen (?): wan es sich zuetrieg, dasz an der saag (sägemühle) ... oder am wihrwerk derselben saag ... etwas brüchig wurde, und wan solche notdurft am lerchenholz oder zischgen ... nit zu bekommen hätte (qu. a. d. 16. jh., hs. v. 1742) österr. weist. 5, 344; dazu vgl. zeischke, f., zirbenzapfen Unger-Khull steir. 647a; zeischgen zapfen im zirbelbüschel Schmeller-Fr. 2, 1158; tschitschke, f., zapfen an nadelbäumen Blumer Nordwestböhmen 32b; schischke, tschischke, m. u. f., tannen- oder fichtenzapfen, kienapfel Frischbier pr. wb. 2, 276b; zesche, schuschke, schischke, pl. zeschen, zaschen, zuschken, zischken, bes. taazuschen tannenzapfen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 700b; auch gezeisch ebda 1, 419a. das wort ist in der bedeutung 'tannen-, fichtenzapfen' aus dem slawischen entlehnt: russ. šiška knollen, knorren, fichtenzapfen Pawlowski russ.-dt. wb. 32, 1749; poln. szysz, szysza, szyszka Brückner slown. etym. języka polsk. (1927) 562; tschech. šiška Holub-Kopečny etym. slovn. jazyka českeho (1952) 369.
 
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zischitzen, vb., 'zischen', zu 1zischen mit dem im bair. (gerade auch bei lautverben) beliebten suffix -itzen, s. Kluge abrisz d. wortbildungslehre 27: schmarn ... sey vom griechischen wort smarageo, welches teutsch lautet zischitzen, praszlen, rauschen, wie dann dererley speisz am kochen thut Rot dict. (1571) O 8b.
 
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zischlaut, m. , sibilant, zischender laut; s. auch DWB zisch, DWB zischer.
1) als grammatisch-phonetischer terminus (meist zur bezeichnung des -s und sch-lautes). aus der schon im 17. jh. begegnenden verbindung zischender laut (Schottel, vgl. zischen 1 c β) entsteht im 18. jh. die zusammensetzung: übrigens aber bin ich mit dem gelehrten herrn Wachter allerdings einig, dasz sehen und schauen von ouh, augen, oculus, auge durch vorgesetzten zischlaut herzuleiten sey Gottsched in: beytr. z. crit. hist. 18 (1738) 260.
a) zur bezeichnung des sch-lautes: so ist der buchstabe sch ein zischlaut Campe 5 (1811) 875. z. t. im unterschied zum s-laut; in deutlicher abgrenzung gegen letzteren bereits bei Adelung: sauselaute oder säuseler, nach verschiedenen graden der stärke, s, ß, z. von andern werden sie nebst dem folgenden zischer oder zischlaute genannt, obgleich sehr mit unrecht, indem nur das sch allein zischt umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 129; 'gluchzen' ... siehe 'schluchzen', welches durch vorsetzung des zischlautes davon herstammt Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 204; er spricht die zischlaute st, sp, sch viel milder als sein bruder mon. Germ. päd. 36 (1804) 171; statt des zischlautes sch ward gewöhnlich damals (im 14. jh.) nur ein s gesetzt Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 31, 250 anm.; ihr starker zischlaut sch oder dj statt s, macht ihre rede ... oft unverständlich Ritter erdkde (1822) teil 6, 935.
b) zur bezeichnung verschiedener s-laute; sifflante pfeifend, zischlaut, s-laut consonne de la série des fricatives, caractérisée par un bruit de sifflement de l'air expiré à travers une fente étroite ménagée vers la partie médiane de la langue: sourde s, sonore z Marouzeau lexique de la termin. linguist. (1951) 207: der goth. zischlaut war eine verdickung des reinen s-lautes, die sich im alth. durch einen parallelen übergang in r offenbart, der goth. sauselaut wurde zischend, der alth. schwirrend J. Grimm dt. gramm. (1822) 1, 165; englische grammatiker pflegen den sauselaut hissing, den zischlaut buzzing sound zu benennen nach dem schneidenden pfeifen ... der schlange und dem dumpfen summen ... der biene oder hummel ebda 1, 166; beide zischlaute können in denselben wörtern nach umständen der flexion vorkommen, z. b. sizan (sedere),

[Bd. 31, Sp. 1643]


saʒ (sedit) ebda 1, 165; vermuthlich aber hat schon in frühster zeit ein härterer, dem nhd. z gleichender und ein weicherer, dem nhd. ß gleichender zischlaut stattgefunden ebda 1, 162; sch ist eine innigere verschmelzung des reinen hauch- und zischlautes ... als sk J. Grimm briefw. m. K. Lachmann 1, 143 Leitzm.; gestoszen sind dieselben dh und th, welche wegen der engen verwandtschaft des stoszhauches und des sauselautes leicht in den zischlaut (z) übergehen Schmitthenner ursprachlehre (1826) 78; die gotischen zischlaute s und z sind aus dem urgermanischen übernommen W. Krause hdb. d. gotischen (1953) 106.
c) in weiterem sinne auch von anderen reibelauten: er (engl. th) ist ... ein harter zischlaut allg. dt. bibl. (1765) 69, 553; dazu vgl.: die asp. þ, th, welche anlautet, ist kein eigentlicher zischlaut, obwohl sich ihm nähernd J. Grimm dt. gramm. (1822) 1, 166 anm. für assibilierte laute: ci musz also dem zischlaut leichter, früher, stärker heimgefallen sein als tio, tii, tium J. Grimm kl. schr. (1864) 2, 361; die zischlaute s, z (= weich s), š (= sch), ž (= französisch j), tš, dž Gabelentz sprachwiss. (1901) 36. ungewöhnlich: wohl aber gerät sie (die luft) selbst durch die reibung (friktion) ... in vibration, was das ohr als zischen ... wahrnimmt. das lautprodukt ist dann ein frikativlaut ('reibelaut'), auch spirant ('zischlaut') genannt, z. b. f und ss in fassen Noreen einf. i. d. wiss. betr. d. sprache (1923) 69.
2) von einer zischenden sprechweise, die auf erregung, gemütsbewegung usw. zurückzuführen ist; vgl. 1zischen 1 b: Dismas, da gibts beute! sprach Jusuf mit scharfem zischlaute und faszte den griff seiner waffe P. Rosegger schr. (1895) II 2, 8; 'es geht schlecht', das sind die ängstlichen zischlaute, die sie einander zuflüstern H. Heine s. w. 6, 276 Elster.
3) vom bloszen geräuschlaut, der nicht sprachlicher sinnträger, sondern nur ausdruck des miszfallens, der überraschung oder aufforderung zur ruhe ist, vgl. 1zischen 1 d:

... ein plötzlich st! st! st!
was soll der gebietrische zischlaut? bei
Campe 5 (1811) 875b;

doch in der hauptscene ... lieszen sich zuerst einige zischlaute eines gegners vernehmen J. Schreyvogel ges. schr. (1829) 2, 1, 249; in der versammlung war ein zischlaut zu hören. was ist das? P. Rosegger schr. (1895) II 14, 331;

(wenn) sie merken, dasz jetzo zu ende das stück,
so begleiten sie meinen emporgang
mit unheilverkündendem zischlaut nicht
Hamerling s. w. 7 (1911) 63;

pater Maury zog einen leisen zischlaut durch die zähne (nach der überraschenden antwort eines anderen) Handel-Mazzetti Jesse u. Marie (1911) 2, 71. ungewöhnlich: so finden wir überall ... künstliche mittel angewendet, um das takthalten zu unterstützen. bald sind es blosze zischlaute und rufe der ruderer selbst K. Bücher arbeit u. rhythmus (1909) 220.
 
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zischmen, pl., (ungarische) stiefel, von ungar. csizma, sg., 'stiefel': zischmen sind eine leichtere arbeit als die stiefel des deutschen schuhmachers Prechtl technol. encycl. (1830) 14, 178; die kurzen leichten husarenstiefel Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 549; fein und leicht gearbeitete, anliegende stiefeln (mit hohen schäften, von Corduanleder) Heyse fremdwb. (1879) 875; halbstiefeln, die im schaft zwei nähte haben Schmeller-Fr. bayr. 2, 1158; zischen (sic!) Schröer ungr. bergland 2, 207a. zuerst im 18. jh. bezeugt: schwartze strmpff und geschnrte zischmen (1728) bei Fischer schwäb. 6, 3490; auch zeischmen ebda; mein schuster sekirt mich immer um die bezahlung meiner neuen zischmen Bäuerle kom. theater (1820) 1, 58. in zusammensetzungen: zischmenmachernadeln

[Bd. 31, Sp. 1644]


Schedel waarenlex. (1834) 2, 83; zischmastifl Hügel Wien 195.

 

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