Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirse bis zis-chen (Bd. 31, Sp. 1627 bis 1631)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirse, f., hausgrille; vgl. norw. sirissa, dän. dial. serrise, schwed. syrsa 'heimchen' Torp 581; Falk-Torp 971; Hellqvist 31139. vereinzelt neben häufigerem zirpe (s. d.): zirse, preusz. zirke Fulda idiotikenslg. (1788) 603; zirse Krünitz encycl. 242 (1858) 22; Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a; Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 500. vgl. dazu mundartl. sirsen, zirsen, vb., 'surren', lautmalend vom käfer Mensing schlesw.-holst. 4, 498.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirzensisch, adj., lat. circensis 'zum zirkus gehörig', vorzugsweise in der verbindung ludi circenses 'zirzensische spiele'; vgl. Pauly-Wissowa realenzykl. d. klass. altertumswiss. suppl. 5 (1931) 608 ff.: im ingrimm darüber (feierten) sie ... keine circensischen spiele mehr Ritter erdkde (1822) 17, 1172. in freier verwendung: abenteuermut eines zirzensischen geistes H. W. Seidel Krüsemann (1935) 79; glanzvolle circensische meisterleistungen Berliner werbeplakat v. j. 1955.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirzente, f., krickente; anas circia Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; anas querquedula L. Naumann vögel (1822) 11, 677; Brehm tierl. 6, 638 P.-L.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisalien, pl., münzabfälle; von mlat. cisalia, f., vgl. du Cange gloss. lat. 2, 343a; latinisierung des frz. cisailles und dies rückbildung von cisailler 'schneiden', von ciseau, pl. cisailles 'schere' s. v. Wartburg frz. etym. wb. 2, 39a; die cisalien ... die abgeschnittenen stücke von den münzen, das gekrätz, imgleichen verdorbene gepräge, so noch einmal geschmelzet werden Adelung 1 (1774) 1206: der ... alle böse müntz ... als zuschrickte zisalien oder pagament (bruchsilber) in groszen tigel setzen ... wird Mathesius Sarepta (1571) 162b; o müntzringerer ..., müntz contrafeiter, o wie wird man euch für zerschrickte ziesalien oder pagament im höllchimischen schmeltzdigel granuliern Fischart Garg. 300 ndr.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zisch, schallwort:

... die pewrin spricht:
flux, droll dich! gieb den sewn zu essen!
der pawr:
zisch! zisch!
..........
(die bäurin zum pfaffen:)
so findt ich meinen man da sitzen
in einem korb hie auff der dillen, ...
speudt er mich ahn, wie ein brutgans
Hans Sachs 14, 176 lit. ver.;

das geld ... ist gewesen wie ein tropfen auf heiszes eisen. zisch hat's gemacht, weiter nichts Rosegger weltgift (1903) 306. als interjektion:

der gosz dir manchen becher edlen tranks
zisch! in des heerdes ... feuer
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 59.

[Bd. 31, Sp. 1628]


als beschwichtigender ausruf: fluchet er, so lechelt sie, ist der Paul unwirs, zisch zisch Davidlein, dasz die kinder nicht schreien Fischart Garg. 104 ndr.substantiviert (oder rückbildung zu zischen): der ... zisch Schottel haubtspr. (1663) 275; Steinbach dt. wb. (1734) 1096; zisch, der ein zischender laut Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a. zu den einzelnen gebrauchsweisen vgl. 1zischen, vb.; (zu 1 b:)

und es stört des kosens wonne
keiner nachbarzunge zisch
Scheffel frau aventiure (1863) 164;

(zu 1 c β:) idoch ... knte man ... das sz noch wol gebrauchen ... zum unterscheide in etlichen wrtern, die zum teile mit einem zische, zum teile on denselben ausgesprochen wrden, als: sie lasz-en sinunt, las-en legebant Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 64; (zu 1 d:) indessen kann ihnen doch eine so schreckliche und dicke armee keinen widerstand thun; vielmehr wird sie, ein unerhörtes wunder! von einem kleinen zisch, von einem kurzen anblick in die flucht getrieben Heinse s. w. 3, 337 Sch.; (zu 2 a:) zisch, der sonus serpentis Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; (zu 3 a:) in langen tropfen lief das schwitzwasser an ihm (einem gefäsz) ... herab, und sobald ein tropfen in die kohlen fiel, gab es einen kleinen zisch Kluge Kortüm (1938) 254; (zu 3 b:) sonus ... aestuantis aquae Steinbach a. a. o.; (zu 3 d:)

... und warf mit macht den speer,
der flog in hohem bogen mit zisch und zasch daher
Scheffel ges. w. (1907) 2, 194;

die sehne schnurrte, und ein zisch ging durch die luft Ganghofer in: gartenlaube (1905) 651a; (zu 3 g:) zisch bei kindern: das lassen des urins Liechtenstein-Schiffner allg. dt. sachwb. (1824) 10, 548; (ein)en zisch, e zischel machen harnen, kinderwort für 'seechen' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch mochn oder zischn von kleinen kindern 'harnen', auch tschirchen Blumer Nordwestböhmen 96. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zischaus, m., n., nur mundartlich: zisch aus, auch zietsch aus! spottruf der kinder über ein weinendes, begleitet vom streichen eines zeigefingers über den andern Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch! zisch aus! ruft man einem kinde zu, indem man einen zeigefinger über den andern streicht, dasz es sich schämen soll Blumer Nordwestböhmen 96; zischaus, n., membrum pudendum; in der kindersprache; höhnender zuruf bei unanständigen entblöszungen oder thaten Weinhold schles. 2, 109b; der zischaus Bernd Posen 362; Berndt schles. 167.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zischägge, f., auch: dschyckse ein aus Ungarn stammender helm Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 240; entlehnt aus ungar. sisak 'helm': vom Orient über ... Ungarn kam die zischägge, ein helm mit nackenschirm, wangenklappen und einem gerade vorspringenden augenschirm versehen, durch den ein verstellbarer nasenschutz gezogen war ebda 4, 721; wunderwerke von kürissen, halbharnischen und zischäggen entstanden in den schmieden Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1912) 1, 184.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zische, s. zischgen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zischeln, vb. , diminutiv- bzw. iterativbildung zu 1zischen, die seit dem 17. jh. nachweisbar ist. im unterschied zum grundwort überwiegend zur bezeichnung menschlicher lautäuszerungen, besonders in der bedeutung 'flüstern, tuscheln'. mundartlich nicht häufig: zischele Fischer Samland 160; zischeln leise, so dasz man nur ein zischen hört, sprechen Bernd Posen 362; flüstern Jungandreas schles. zeitwortbild. 76.
1) zur bezeichnung einer flüsternden sprechweise, bei der die zischlaute besonders hervortreten (im unterschied zu raunen). nur vereinzelt im phonetischen sinne als lautcharakteristik: einem Deutschen scheint ... ein Engländer durch die zähne zu zischeln Gottsched dt. sprachkunst (1748) 10.

[Bd. 31, Sp. 1629]



a) 'etwas heimlich flüstern, leise mitteilen', meist in der wendung ins ohr zischeln: einem etwas in die ohren zischeln insusurrare aliquid in aures Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; ich war gehorsam, und folgte meiner gebieterin ... ich zischelte meine complimenten so heiser zu (1672) Chr. Weise erznarren 171 ndr.; das was sie so heimlich zischelte, war aus einem psalmen (psalmodia erat, id quod mussitabat) Carpzov trost- u. leichenspr. (1698) 546;

oft wenn ich müd und still bey dem Gravina sitze, ...
scheint mir die dichtkunst selbst zur seiten da zu stehn, ...
sie öfnet ihren mund und zischelt mir ins ohr:
komm, dichte!
J. E. Schlegel w. (1761) 4, 66;

ein vornehmer mann zischelte mir in die ohren: wer dieses buch mit verstand durchgelesen hat, der kann die wichtigste bedienung verwalten Holberg, dän. schaub. (1743) 4, 240; sie werden sich doch nicht meistern lassen! zischelte mir die eine ins ohr Göthe I 25, 1, 148 W. als gegensatz zur lauten und aufrichtigen äuszerung, wobei ein pejorativer nebensinn anklingen kann (vgl.b γ):

ich sags der welt, ich schrei ihr's in die ohren,
denn zischeln kann ich einmal nicht
Z. Werner Luther (1807) 105.

vereinzelt laut (d. h. hörbar, vernehmlich) zischeln: wenn ich sie heirathe, ist die erziehung aus, zischelte er ihr laut ins ohr Alexis ruhe (1852) 1, 20. ungewöhnlich:

o! wie glücklich sind die fürsten, die im wählen weise sind,
und vor deren augen stralen jedes heuchlers list verschwindt!
freylich musz auch oft ein held ihrem sanften zischeln weichen
Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 59.

in neuerer zeit kaum noch in diesem sinne.
b) mit jem. heimlich reden.
α) 'miteinander tuscheln, mit gedämpfter stimme sprechen': man stand auch in einer art von ordnung, wie man zu thun pflegt, wenn in einer gesellschaft eine person von höherm rang erwartet wird; ausgenommen, dasz hier keiner von den ... seitenblicken, nichts von dem kleinen zischeln zu bemerken war, das sonst bei dergleichen gelegenheiten ... wahrgenommen wird S. v. Laroche frauenz.-br. in: Iris (1776) 8, 730; freilich gilts für anmaszende ungezogenheit, in den logen so laut zu zischeln, dasz es auf der bühne hörbar wird Holtei erz. schr. (1861) 36, 79; es entstand jederzeit eine art von frohem zischeln und wenig fehlte, dasz man ihm applaudirt, vivat oder bravo zugerufen hätte Göthe I 26, 290 W.; ich höre rascheln, ich höre hinter der mauer ein paar weibliche stimmen zischeln Kotzebue s. dram. w. (1827) 3, 160;

ich hörte zischeln hinter mir und in den kopf stieg mir das blut
G. Keller ges. w. (1889) 10, 14;

ein letztes rauschen, raunen und zischeln durch die versammlung, ein letztes räuspern und stuhlrücken W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 98; die gröszeren weltlichen kurfürsten lieszen sich durch ihre botschafter vertreten, unter denen der kurbrandenburgische ... wegen seines groszen herrn und seiner entschiedenen eigenart überall mit frohem zischeln begrüszt wurde Bielschowsky Goethe (1918) 1, 24.
β) häufig tritt die vorstellung des geheimnistuerischen im wortsinn hervor: ich gehe aus einem zimmer ins andere: Fritze schielet mir nach und zischelt mit Christianen zusammen, was ich wohl da zu verrichten habe Cramer nord. aufseher (1758) 1, 124; im saal hatte man fort getanzt, aber daneben viel von der begebenheit gezischelt S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 346; wir traten kaum in den komödiensaal, da hättest du das zischeln und wispeln hören sollen, das unter dem gesammten gegenwärtigen frauensvolk entstand Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 2, 52; aber Hart, was haben sie denn

[Bd. 31, Sp. 1630]


ewig mit Gustav zu zischeln und zu tuscheln? Holtei erz. schr. (1861) 5, 45; alle blicke waren auf die fortgehende gerichtet, die mädchen zischelten einander heimlich in die ohren Eichendorff s. w. (1864) 2, 471.
γ) in pejorativem sinne, 'in verleumderischer absicht über jem. (bzw. etwas) reden, verstohlen (hinter dem rücken eines andern) klatschen'; denn (es sind) bey zischeln die geheimnisse der schmähsucht, die man der aufmerksamkeit derer entziehen will, die dabey interessirt sind Eberhard synonymik (1795) 3, 75: da wuszt jedes was anders, sogar zischelte man einander in die ohren, sie seien niemals getraut gewesen Göthe I 11, 135 W.; ich habe diesen Heinrich von Orla fast erzogen ... und jetzt darf er mir nun so frech widersprechen, mit andern über meine gebrechen zischeln und lachen Tieck schr. (1828) 11, 5;

ich aber war nicht geladen,
und das habt ihr dumm gemacht!
die zischelnden muhmen und basen,
die merkten's und haben gelacht
H. Heine s. w. 1, 103 Elster;

er und der alte haudegen von hauptmann — rumoren so von pflichten und schande, dass alle nachbarn und nachbarskinder auf die madam Siward hinsehen — und fragen und zischeln, und meinen und lügen Iffland theatr. w. (1827) 5, 235; die böse welt zischelte schon gestern, dasz es nun kein wunder wäre, wenn die juristische logik des alten präsidenten eine entscheidung des prozesses befördert hätte, die einer komtesse ... die hand eines plötzlich ... bereicherten künstlers böte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 9, 278;

auf einen kehricht stellt
er seine schelmenfüsze
und zischelt seine grüsze
in die verblüffte welt
G. Keller ges. w. (1889) 9, 283;

und wenn die leute schwatzen und zischeln, so laszt sie reden, es sind leute ohne gewissen und ohne liebe im herzen Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 288; nachher wunderte ich mich auch nicht mehr so darüber, dass die jungens gar nicht über den pastor zischelten K. Fischer denkw. e. arbeiters (1903) 88. als ausdruck höhnender verachtung:

die welt tritt zischelnd an den totenschrein
und wirft, gebläht von stummem eigenruhme
herzlos auf die gefallne stein um stein,
verhöhnend die so früh geknickte blume
Leuthold ged. (1894) 76.

in bildlicher ausdrucksweise, die von der vorstellung zischender schlangen (vgl. zischen 2 a) u. dgl. ausgeht:

so kann der schlangenart'ge leumund,
dess zischeln (whisper) von dem einen pol zum andern,
so sicher wie zum ziele die kanone
den gift'gen schusz trägt, unsern namen noch
verfehlen, und die luft unschädlich treffen Shakespeare 3 (1798) 283;

sasz ich einst in einem mädchenkreise,
da begann in ihrem blüthenkranze,
erst geheim zu zischeln, klug und leise,
doch bald laut die schlange: Medisance
Lenau s. w. 351 Barthel;

die Franzosen ... hatten über das alte Germanien ein gewebe der auflauerei und späherei geworfen, in dessen weiten falten jene zischelnden und giftzüngelnden würmer der hinterlist lauerten Arndt s. w. (1892) 1, 202.
2) im gegenständlichen bereich; von körpern, die schnell durch die luft fliegen, u. dgl.: sie (die ente) fliegt ... unter ... zischelndem geräusche Brehm tierl. 6, 642 P.-L.; ich selber aber hatte von da an ... immer das gräszliche zischeln und flüstern im ohr, das ich 1915 kennenlernte, wenn die garbe der maschinengewehre über den liegenden hinfegte Klemperer l. t. i. (1949) 271. vom wind: zischelt der abendwind, raschelt der tau E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 118 Gr. von gräsern, die im winde schwanken, oder von dem geräusch, das beim vorbeistreichen des lufthauches

[Bd. 31, Sp. 1631]


entsteht: und unübersehbare kornfelder wogten und zischelten auf beiden seiten der landstrasze Spielhagen s. w. (1872) 1, 552; und jetzt begann es in den büschen unheimlich zu zischeln und zu flüstern, dürres laub flog, wie in toller angst, her vor der windesbraut ebda 1, 98; und es zischelten leise die schilfe im schilfigen sumpfrand Gerhart Hauptmann Anna (1921) 89; ein unaufhörliches zischeln und raunen fuhr durch die lose gewickelten bänder (der maisstauden) nach art der dämonensprache El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 166. unbestimmter:

und zweige zischelten an meinem fusz
wie warnungsflüstern oder todesgrusz
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 349.

dazu die zss. zischellaub, n.:

der buche zischellaub verstummte,
sie horcht dem nachtigallenschlag
Liliencron s. w. (1896) 8, 113.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zischeln, zischlen, vb., (auf dem eise) gleiten, glitschen, zu 2zischen (s. d.; vgl. auch DWB zäscheln sp. 314). in übertragenem gebrauch: von den Welschen aber werden sie (mehrsilbige reime wie z. b. 'hertziche, schmertziche') versi sdruccioli d. i. zischlende, glitschende oder gleitende, genennet Zesen verm. Helikon (1656) 1, 88.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zis-chen, n., zeisig; verkleinerungsform von 1zeise mit (vor der diphthongierung) gekürztem stammvokal, vgl. die belege für tschech. čižek, nd. zîseke, md. zeischen sp. 519: zinsle, zeisel, zischen Junius nomencl. (1577) 42b; zischen, zisle Liechtenstein-Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 548; zischen Naumann vögel (1822) 5, 155; ziszche Müller-Weitz Aachen 266.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: