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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirre bis zische (Bd. 31, Sp. 1626 bis 1628)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirre, f., krätzmilbe, s. DWB zirei.
 
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zirren, vb., schallnachahmendes wort; zu zir, s. oben; vgl. ält. dän. sirre 'vom ton der heimchen' Falk-Torp 971. wie zirpen 1: die zirrende feldhaimen (grillen) seynd ihm geheiliget Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 99;

geh heim! geh heim! das heimchen zirrt,
verschon uns grauer heimchenhirt!
H. Pöhnl dt. volksbühnenschausp. (1887) 2, 61.

mundartl. auch von anderen insekten: zirren schwirren (v. d. fliege) a. d. material d. brandenb. wbs. häufiger von vogellauten, vgl. DWB zirpen 2:

das zeiszlin klein,
zirt lieblich fein,
wann es wo sitzt,
beym stigelitz
Eyering proverb. copia (1601) 2, 130;

[Bd. 31, Sp. 1627]



rothschwänzchen zirren,
waldtauben girren
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 253;

wenn sie ... einen spatzen, sperling, tsirpend, schirrend, zirrend, oder soll ich sprechen szirpend vernehmen Tieck schr. (1828) 18, 205; und im laub lispelten und kukerten und kicherten, ... zirrten, klirrten, zwisperten ... die vögel Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 205.
 
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zirsche, zirze, f., pinus cembra, zirbelkiefer (vgl. zirbelbaum): zirschen (Zillertal, Salzburg) Schrank-Moll naturhist. briefe 2 (1785) 367; zirze Bechstein forstbotanik (1815) 780; zirsche Köne pflanzennamen (1840) 12; zirschen (Tirol); dazu zirze Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 278b. vgl. auch schwäb. zirisnüsslein 'ein zartes persönchen' Fischer schwäb. 6, 1239 und cimbr. surtso, tschurtscho 'fichtenzapfen' Schmeller-Frommann 2, 1152; ferner it. (südtirol.) ciórciole in derselben bedeutung, bei Pedrotti-Bertoldi nomi dialettali delle piante indigene del Trento 282.
 
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zirse, f., hausgrille; vgl. norw. sirissa, dän. dial. serrise, schwed. syrsa 'heimchen' Torp 581; Falk-Torp 971; Hellqvist 31139. vereinzelt neben häufigerem zirpe (s. d.): zirse, preusz. zirke Fulda idiotikenslg. (1788) 603; zirse Krünitz encycl. 242 (1858) 22; Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a; Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 500. vgl. dazu mundartl. sirsen, zirsen, vb., 'surren', lautmalend vom käfer Mensing schlesw.-holst. 4, 498.
 
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zirzensisch, adj., lat. circensis 'zum zirkus gehörig', vorzugsweise in der verbindung ludi circenses 'zirzensische spiele'; vgl. Pauly-Wissowa realenzykl. d. klass. altertumswiss. suppl. 5 (1931) 608 ff.: im ingrimm darüber (feierten) sie ... keine circensischen spiele mehr Ritter erdkde (1822) 17, 1172. in freier verwendung: abenteuermut eines zirzensischen geistes H. W. Seidel Krüsemann (1935) 79; glanzvolle circensische meisterleistungen Berliner werbeplakat v. j. 1955.
 
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zirzente, f., krickente; anas circia Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; anas querquedula L. Naumann vögel (1822) 11, 677; Brehm tierl. 6, 638 P.-L.
 
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zisalien, pl., münzabfälle; von mlat. cisalia, f., vgl. du Cange gloss. lat. 2, 343a; latinisierung des frz. cisailles und dies rückbildung von cisailler 'schneiden', von ciseau, pl. cisailles 'schere' s. v. Wartburg frz. etym. wb. 2, 39a; die cisalien ... die abgeschnittenen stücke von den münzen, das gekrätz, imgleichen verdorbene gepräge, so noch einmal geschmelzet werden Adelung 1 (1774) 1206: der ... alle böse müntz ... als zuschrickte zisalien oder pagament (bruchsilber) in groszen tigel setzen ... wird Mathesius Sarepta (1571) 162b; o müntzringerer ..., müntz contrafeiter, o wie wird man euch für zerschrickte ziesalien oder pagament im höllchimischen schmeltzdigel granuliern Fischart Garg. 300 ndr.
 
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zisch, schallwort:

... die pewrin spricht:
flux, droll dich! gieb den sewn zu essen!
der pawr:
zisch! zisch!
..........
(die bäurin zum pfaffen:)
so findt ich meinen man da sitzen
in einem korb hie auff der dillen, ...
speudt er mich ahn, wie ein brutgans
Hans Sachs 14, 176 lit. ver.;

das geld ... ist gewesen wie ein tropfen auf heiszes eisen. zisch hat's gemacht, weiter nichts Rosegger weltgift (1903) 306. als interjektion:

der gosz dir manchen becher edlen tranks
zisch! in des heerdes ... feuer
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 59.

[Bd. 31, Sp. 1628]


als beschwichtigender ausruf: fluchet er, so lechelt sie, ist der Paul unwirs, zisch zisch Davidlein, dasz die kinder nicht schreien Fischart Garg. 104 ndr.substantiviert (oder rückbildung zu zischen): der ... zisch Schottel haubtspr. (1663) 275; Steinbach dt. wb. (1734) 1096; zisch, der ein zischender laut Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a. zu den einzelnen gebrauchsweisen vgl. 1zischen, vb.; (zu 1 b:)

und es stört des kosens wonne
keiner nachbarzunge zisch
Scheffel frau aventiure (1863) 164;

(zu 1 c β:) idoch ... knte man ... das sz noch wol gebrauchen ... zum unterscheide in etlichen wrtern, die zum teile mit einem zische, zum teile on denselben ausgesprochen wrden, als: sie lasz-en sinunt, las-en legebant Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 64; (zu 1 d:) indessen kann ihnen doch eine so schreckliche und dicke armee keinen widerstand thun; vielmehr wird sie, ein unerhörtes wunder! von einem kleinen zisch, von einem kurzen anblick in die flucht getrieben Heinse s. w. 3, 337 Sch.; (zu 2 a:) zisch, der sonus serpentis Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; (zu 3 a:) in langen tropfen lief das schwitzwasser an ihm (einem gefäsz) ... herab, und sobald ein tropfen in die kohlen fiel, gab es einen kleinen zisch Kluge Kortüm (1938) 254; (zu 3 b:) sonus ... aestuantis aquae Steinbach a. a. o.; (zu 3 d:)

... und warf mit macht den speer,
der flog in hohem bogen mit zisch und zasch daher
Scheffel ges. w. (1907) 2, 194;

die sehne schnurrte, und ein zisch ging durch die luft Ganghofer in: gartenlaube (1905) 651a; (zu 3 g:) zisch bei kindern: das lassen des urins Liechtenstein-Schiffner allg. dt. sachwb. (1824) 10, 548; (ein)en zisch, e zischel machen harnen, kinderwort für 'seechen' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch mochn oder zischn von kleinen kindern 'harnen', auch tschirchen Blumer Nordwestböhmen 96. —
 
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zischaus, m., n., nur mundartlich: zisch aus, auch zietsch aus! spottruf der kinder über ein weinendes, begleitet vom streichen eines zeigefingers über den andern Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch! zisch aus! ruft man einem kinde zu, indem man einen zeigefinger über den andern streicht, dasz es sich schämen soll Blumer Nordwestböhmen 96; zischaus, n., membrum pudendum; in der kindersprache; höhnender zuruf bei unanständigen entblöszungen oder thaten Weinhold schles. 2, 109b; der zischaus Bernd Posen 362; Berndt schles. 167.
 
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zischägge, f., auch: dschyckse ein aus Ungarn stammender helm Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 240; entlehnt aus ungar. sisak 'helm': vom Orient über ... Ungarn kam die zischägge, ein helm mit nackenschirm, wangenklappen und einem gerade vorspringenden augenschirm versehen, durch den ein verstellbarer nasenschutz gezogen war ebda 4, 721; wunderwerke von kürissen, halbharnischen und zischäggen entstanden in den schmieden Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1912) 1, 184.
 
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zische, s. zischgen.

 

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