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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirpen bis zischägge (Bd. 31, Sp. 1625 bis 1628)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirpen, vb. , schallnachahmendes wort; vor allem zur bezeichnung der ähnlich klingenden geräuschlaute der grillen und verwandter insekten (vgl. zirpe, f.), doch neben anderen wörtern (zilken, zirren, tschirpen, schirken usw.) auch schon früh in der anwendung auf vogellaute. ähnliche schallwörter im romanischen bei Meyer-Lübke roman. etym. wb. nr. 9625. lexikalisch zuerst bei Stieler: zilken ... zirken ... zirpen ... zitschen usw., stammb. (1691) 2649; Kramer teutschit. 2 (1702) 1465a. vereinzelt mundartlich: sirpen, ssirpen zirpen, einen schrillenden ton hören lassen Doornkaat Koolman ostfries. 3, 188a; zirpen schwach singen, zwitschern, zirpen Mi Mecklenburg 110b; piepen Blumer nordwestböhm. 96b; zörpe zirpen Fischer Samland 160b. s. auch tschirpen teil 11, 1, 2, sp. 1443.
1) von grillen (bes. heimchen), zikaden, heuschrecken: die zirpende, schreyende, singende, springende, hüpffende grille Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 527;

und wenn der heissre grill am feurheerdt zirpt und schwirrt
Warnecke poet. versuch (1704) 390;

überall herrschte feierliche stille,
nur hier und da scirpte eine grille
Kortum Jobsiade (1799) 3, 63;

wie grillen, sitzend auf dem baum im hain,
herunter zirpen ihren silbersang
Bürger s. w. 152b Bohtz;

das heimchen zirpte kläglich,
das lange nicht gezirpt
Hölty ged. 13 Halm;

und wenn dereinst, im leisen abendthale,
ihr trauerlied die dunkle grille zirpt
Tiedge w. (1823) 2, 51;

laut erklang durch die ruhige einsamkeit des waldes das zirpende lied des heimchens Tieck schr. (1828) 8, 4; da waren ... die gröszern und kleinern heuschrecken, in miszfarbiges grün gekleidete heiduken, lustig und rastlos zirpend und schleifend Stifter s. w. 1 (1904) 176; das heimchen, das ... melancholisch zirpte H. Heine s. w. 7, 415 Elster; jede zikade, die im sommergras zirpt H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 140. im vergleich: ich lebe still vor mich hin und zirpe wie eine grille G. Freytag ges. w. 4 (1887) 347. ungewöhnlich: gestehen sie es nur, der karren steckt im schlamme, und nichts ist possierlicher, als die kannengieszernden heupferde herabspringen zu sehen, in der hoffnung, ihn in bewegung zu zirpen J. G. Forster s. schr. (1843) 6, 315.
2) von verschiedenen kleineren vögeln, besonders singvögeln: (der sperling zu seinem sohn:) fleuchstu in die kirchen vnnd hilffest spinnen vnnd die sumsenden fliegen auffreumen vnd zirpst zu gott ... so wirstu wol bleyben Mathesius ausgew. w. 3, 153 Loesche; ein geheimnisz, ... von dem der sperling auf den dächern schon zirpt Cramer Neseggab (1791) 8, 69;

nur der emmerling zirpt oben im erlenstrauch
Salis ged. (1793) 39;

die vöglein all im grünen wald,
sie hüpften, zirpten lieder
Herder 25, 210 S.;

vor meiner hütte zirpt die lerche leise
Gaudy s. w. (1844) 1, 180;

während ... die meisen in den nächsten bäumen zirpten Steub wanderungen (1862) 122; drosseln huschten zirpend und krächzend durch die büsche Storm s. w. (1898) 5, 262. im vergleich: schüttelte die kälte ihren (eines mädchens) körper und löste ein leises wimmern wie das zirpen eines schlafenden

[Bd. 31, Sp. 1626]


vögelchens E. Strausz Hans u. Grete (1919) 122. besonders von jungen vögeln und kücken: junge kanarienhähne verraten schon als nestlinge ihr geschlecht durch ... knurrendes zirpen Brehm tierl. 4, 25 P.-L.;

träumerisch im nest der schwalbe
zirpt die brut und zwitschert leise
Weber Dreizehnlinden (1907) 64;

zu hören war nichts als nur das knicken des unterholzes, das er durchschritt, auch wohl das zirpen einer eulenbrut Storm s. w. (1898) 6, 275; in den sommermonaten ... vernimmst du keinen laut ... auszer ... dem leisen zirpen der in den mauernesseln aus- und einschlüpfenden küchlein A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 370.
3) von mäusen: laut zirpt die maus, wenn die katze nicht raschelt Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 472a; mäuse zirpten hinter der wand der kammer W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 113.
4) in gelegentlicher anwendung auf ungewöhnliche menschliche laute (meist hohen, sonst aber verschiedenartigen tönen): so wenig ... die unnöthige, gewaltsame und unnatürliche hinaufschraubung des gesangs zu schrillenden und zirpenden hochtönen irgend zu entschuldigen ist Vischer ästhetik (1846) 3, 851;

auch hat
ihn wirklich gott mit einer art von stimme
begabt, die so die mitte hält von zirpen
und blöken
Bauernfeld ges. schr. (1871) 1, 160;

er ... war nur einem verständlich, ihm, ja selbst der gemeinde nicht, da er auf der kanzel nicht sprach, sondern zirpte Gutzkow ges. w. (1872) 5, 181; ihr zirpt wie die mädchen, die zum erstenmal im reigen springen G. Freytag ges. w. 9 (1887) 213; der dolmetscher übersetzte in das zirpen und gurgeln und zungenschlagen, daraus die sprache der wilden zwerge besteht qu. v. j. 1926; aber du hast doch eben gesagt, dasz du heute noch geld bekommen wirst, Maura? zirpte Elfriede mit dünner stimme El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 117.
5) selten von anderen lauten und geräuschen; vom ton einiger musikinstrumente:

wie zirpen die heischeren flöten,
quer über den mäulern voll durst!
Kretschmann s. w. (1784) 5, 68;

und der Mostbartl risz in seiner begeisterung eine alte zither von der wand, die nur mehr zirpen und wimmern konnte Anzengruber ges. w. (1890) 3, 290; kein lachen, kein singen, kein zirpen der mandoline, nicht einmal das geflüster des brunnens hörte ich Ric. Huch triumphgasse (1902) 2. vom geräusch fliegender geschosse: hinter dem ausgedehnten park tobt noch heftiges feuer und einzelne 'ausreiszer' summen mit zornigem zirpen über uns weg qu. v. j. 1917. ungewöhnlich in dichterisch freier übertragung: das wunderbar verschwiegene fragen ... hörte nicht auf im blut zu zirpen Werfel geschw. v. Neapel (1931) 392.
 
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zirre, f., krätzmilbe, s. DWB zirei.
 
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zirren, vb., schallnachahmendes wort; zu zir, s. oben; vgl. ält. dän. sirre 'vom ton der heimchen' Falk-Torp 971. wie zirpen 1: die zirrende feldhaimen (grillen) seynd ihm geheiliget Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 99;

geh heim! geh heim! das heimchen zirrt,
verschon uns grauer heimchenhirt!
H. Pöhnl dt. volksbühnenschausp. (1887) 2, 61.

mundartl. auch von anderen insekten: zirren schwirren (v. d. fliege) a. d. material d. brandenb. wbs. häufiger von vogellauten, vgl. DWB zirpen 2:

das zeiszlin klein,
zirt lieblich fein,
wann es wo sitzt,
beym stigelitz
Eyering proverb. copia (1601) 2, 130;

[Bd. 31, Sp. 1627]



rothschwänzchen zirren,
waldtauben girren
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 253;

wenn sie ... einen spatzen, sperling, tsirpend, schirrend, zirrend, oder soll ich sprechen szirpend vernehmen Tieck schr. (1828) 18, 205; und im laub lispelten und kukerten und kicherten, ... zirrten, klirrten, zwisperten ... die vögel Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 205.
 
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zirsche, zirze, f., pinus cembra, zirbelkiefer (vgl. zirbelbaum): zirschen (Zillertal, Salzburg) Schrank-Moll naturhist. briefe 2 (1785) 367; zirze Bechstein forstbotanik (1815) 780; zirsche Köne pflanzennamen (1840) 12; zirschen (Tirol); dazu zirze Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 278b. vgl. auch schwäb. zirisnüsslein 'ein zartes persönchen' Fischer schwäb. 6, 1239 und cimbr. surtso, tschurtscho 'fichtenzapfen' Schmeller-Frommann 2, 1152; ferner it. (südtirol.) ciórciole in derselben bedeutung, bei Pedrotti-Bertoldi nomi dialettali delle piante indigene del Trento 282.
 
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zirse, f., hausgrille; vgl. norw. sirissa, dän. dial. serrise, schwed. syrsa 'heimchen' Torp 581; Falk-Torp 971; Hellqvist 31139. vereinzelt neben häufigerem zirpe (s. d.): zirse, preusz. zirke Fulda idiotikenslg. (1788) 603; zirse Krünitz encycl. 242 (1858) 22; Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a; Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 500. vgl. dazu mundartl. sirsen, zirsen, vb., 'surren', lautmalend vom käfer Mensing schlesw.-holst. 4, 498.
 
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zirzensisch, adj., lat. circensis 'zum zirkus gehörig', vorzugsweise in der verbindung ludi circenses 'zirzensische spiele'; vgl. Pauly-Wissowa realenzykl. d. klass. altertumswiss. suppl. 5 (1931) 608 ff.: im ingrimm darüber (feierten) sie ... keine circensischen spiele mehr Ritter erdkde (1822) 17, 1172. in freier verwendung: abenteuermut eines zirzensischen geistes H. W. Seidel Krüsemann (1935) 79; glanzvolle circensische meisterleistungen Berliner werbeplakat v. j. 1955.
 
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zirzente, f., krickente; anas circia Nemnich pol.-lex. 5 (1796) 669; anas querquedula L. Naumann vögel (1822) 11, 677; Brehm tierl. 6, 638 P.-L.
 
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zisalien, pl., münzabfälle; von mlat. cisalia, f., vgl. du Cange gloss. lat. 2, 343a; latinisierung des frz. cisailles und dies rückbildung von cisailler 'schneiden', von ciseau, pl. cisailles 'schere' s. v. Wartburg frz. etym. wb. 2, 39a; die cisalien ... die abgeschnittenen stücke von den münzen, das gekrätz, imgleichen verdorbene gepräge, so noch einmal geschmelzet werden Adelung 1 (1774) 1206: der ... alle böse müntz ... als zuschrickte zisalien oder pagament (bruchsilber) in groszen tigel setzen ... wird Mathesius Sarepta (1571) 162b; o müntzringerer ..., müntz contrafeiter, o wie wird man euch für zerschrickte ziesalien oder pagament im höllchimischen schmeltzdigel granuliern Fischart Garg. 300 ndr.
 
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zisch, schallwort:

... die pewrin spricht:
flux, droll dich! gieb den sewn zu essen!
der pawr:
zisch! zisch!
..........
(die bäurin zum pfaffen:)
so findt ich meinen man da sitzen
in einem korb hie auff der dillen, ...
speudt er mich ahn, wie ein brutgans
Hans Sachs 14, 176 lit. ver.;

das geld ... ist gewesen wie ein tropfen auf heiszes eisen. zisch hat's gemacht, weiter nichts Rosegger weltgift (1903) 306. als interjektion:

der gosz dir manchen becher edlen tranks
zisch! in des heerdes ... feuer
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 59.

[Bd. 31, Sp. 1628]


als beschwichtigender ausruf: fluchet er, so lechelt sie, ist der Paul unwirs, zisch zisch Davidlein, dasz die kinder nicht schreien Fischart Garg. 104 ndr.substantiviert (oder rückbildung zu zischen): der ... zisch Schottel haubtspr. (1663) 275; Steinbach dt. wb. (1734) 1096; zisch, der ein zischender laut Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a. zu den einzelnen gebrauchsweisen vgl. 1zischen, vb.; (zu 1 b:)

und es stört des kosens wonne
keiner nachbarzunge zisch
Scheffel frau aventiure (1863) 164;

(zu 1 c β:) idoch ... knte man ... das sz noch wol gebrauchen ... zum unterscheide in etlichen wrtern, die zum teile mit einem zische, zum teile on denselben ausgesprochen wrden, als: sie lasz-en sinunt, las-en legebant Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 64; (zu 1 d:) indessen kann ihnen doch eine so schreckliche und dicke armee keinen widerstand thun; vielmehr wird sie, ein unerhörtes wunder! von einem kleinen zisch, von einem kurzen anblick in die flucht getrieben Heinse s. w. 3, 337 Sch.; (zu 2 a:) zisch, der sonus serpentis Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1096; (zu 3 a:) in langen tropfen lief das schwitzwasser an ihm (einem gefäsz) ... herab, und sobald ein tropfen in die kohlen fiel, gab es einen kleinen zisch Kluge Kortüm (1938) 254; (zu 3 b:) sonus ... aestuantis aquae Steinbach a. a. o.; (zu 3 d:)

... und warf mit macht den speer,
der flog in hohem bogen mit zisch und zasch daher
Scheffel ges. w. (1907) 2, 194;

die sehne schnurrte, und ein zisch ging durch die luft Ganghofer in: gartenlaube (1905) 651a; (zu 3 g:) zisch bei kindern: das lassen des urins Liechtenstein-Schiffner allg. dt. sachwb. (1824) 10, 548; (ein)en zisch, e zischel machen harnen, kinderwort für 'seechen' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch mochn oder zischn von kleinen kindern 'harnen', auch tschirchen Blumer Nordwestböhmen 96. —
 
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zischaus, m., n., nur mundartlich: zisch aus, auch zietsch aus! spottruf der kinder über ein weinendes, begleitet vom streichen eines zeigefingers über den andern Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zisch! zisch aus! ruft man einem kinde zu, indem man einen zeigefinger über den andern streicht, dasz es sich schämen soll Blumer Nordwestböhmen 96; zischaus, n., membrum pudendum; in der kindersprache; höhnender zuruf bei unanständigen entblöszungen oder thaten Weinhold schles. 2, 109b; der zischaus Bernd Posen 362; Berndt schles. 167.
 
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zischägge, f., auch: dschyckse ein aus Ungarn stammender helm Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 240; entlehnt aus ungar. sisak 'helm': vom Orient über ... Ungarn kam die zischägge, ein helm mit nackenschirm, wangenklappen und einem gerade vorspringenden augenschirm versehen, durch den ein verstellbarer nasenschutz gezogen war ebda 4, 721; wunderwerke von kürissen, halbharnischen und zischäggen entstanden in den schmieden Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1912) 1, 184.

 

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