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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirmach bis zirren (Bd. 31, Sp. 1623 bis 1626)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirmach, n., zirbelkiefergehölz; s. DWB zirbenach.
 
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zirmen, adj., aus dem holz der zirbelkiefer; s. DWB zirben, adj.; das kompositum zirmenbaum s. unter zirbelbaum.
 
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zirmet, m., f., seselkraut, silermontan Wirsung artzneyb. (1584) reg. n 6a; Tabernämontanus kreuterb. (1588) 378; vielleicht entstellt aus rom. namensformen wie ital. sciarmontano, frz. sermontayn, vgl. Tabernämontanus a. a. o.; zirmet seseli massilioticum Megiser pol. (1603) 2, 509c. in neuerer zeit meist speziell für die gattung tordylium, drehkraut Krünitz encycl. 242 (1858) 22; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 189; Röhling flora v. Deutschl. (1823) 2, 370; die zirmet Oken naturgesch. (1839) 3, 1808; tordylium maximum Waldbrühl pflanzenn. (1841) 54; Schlechtendal flora (1880) 27, 276. vereinzelt auch zirmat tordylium officinale Pritzel-Jessen volksnamen der pflanzen (1882) 405.
 
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zirneiche, f., quercus cerris; zur herkunft vgl. 2zirnenbaum: die zirneiche steiget über alle in die höhe, mit ... wenig früchten Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 329b; die zirneiche le cevre Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1111a; die zirneiche cerrus Rode Vitruvs baukunst (1796) 1, 100; die zirneiche, eine art eichen, welche sehr hoch wächset, wenige und kleine eicheln

[Bd. 31, Sp. 1624]


trägt, aber zum bauen sehr gut ist Adelung 24, 1726; cerreiche, burgundische eiche, serr-, zerr- und zirneiche Metzger pflanzenkde (1841) 356; zirneiche, zinke Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 320b; ferner berichtet er, dass man ... auch die becher ... von der zirneiche benutze (bei der tintenfabrikation) Muspratt chemie (1905) 8, 1285.
 
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zirnenbaum, m., verschiedene arten der gattung pinus. die belege s. unter DWB zirbelbaum. zur herkunft vgl. auch 2zirnenbaum.
 
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zirnenbaum, zirmenbaum, m., quercus cerris, burgundische eiche, zerr- oder zirneiche. während 1zirnenbaum 'pinus' über zirmenbaum aus *zirbenbaum (gesichert durch moderne komposita wie zirbenholz, -strauch, -wald in österr. maa.; zirben ist adj. zu zirbel 'zapfen von nadelholzbäumen') entstanden ist, ist diese herleitung für 2zirnenbaum 'quercus cerris' nicht möglich, da der name eines nach seinem wirbelförmigen zapfen benannten nadelbaums kaum auf eine eichenart übertragen sein kann (eine abbildung von cerrus bei Tabernämontanus neu vollk. kreutterb. (1687) 1377). da baumnamen, besonders in der zusammensetzung mit -baum vielfach adjektivische form zeigen (s. Hoops in Behrensfestschrift (1928) 110 ff.; Wissmann bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 62; 218; 596; 1164 f.; 1200; 2, 487; ferner nd. bökenboom ebda 2, 415), kann zu zerr (in zerreiche sp. 737) ein *zirrîn boum, *zirrîn eiche gebildet sein, woraus nhd. zirnbaum, -eiche und mit vorklingen des nasals zirnenbaum.
belege: cirmenbaum cerrus Dasypodius (1536) 404c; zirmenbaum, ein besunder geschlecht von eichen: cerrus aegilops quercus species est Gesner (1542) in: schweiz. id. 4, 1250; cerrus ein besunder geschlächt von eychen, zirnenbaum Frisius dict. (1556) 211b; es geben auch etliche für, das der baum cerrus, den man zirnen baum nennet, das männlin sei der eichen geschlecht Rivius Vitruv (1575) 189; cerrus zirnenbaum Frischlin nomencl. (1586) 33a; cerro, albero cirmenbaum Hulsius dict. (1618) 2, 85b; cerrus ein zirnenbaum nomencl. lat.-germ. (1634) 83; zirnenbaum, m., hestre, fau, fotteau, fag Stoer all.-fr.-lat. (1663) 635; zirnenbaum cerrus, pinus Aler dict. (1727) 2, 2252a; zirnenbaum 'in einzelnen oberdeutschen gegenden ein nahme des zirbelbaums ..., in andern ein nahme der zirneiche' Adelung 24, 1726.
 
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zirp, schallwort:

und ganz nach ihrem willen
umtosen ihn die grillen:
zirp, zirp, zirp!
Sallet ges. ged. (1843) 207;

wenn J. sagte: der geist gottes fuhr herab ... lieblich wie eine taube, zirp, zirp, zirp Gutzkow ges. w. (1872) 1, 113. vgl. hierzu zirpe, f., und zirpen, vb., sowie weitere tiernamen wie zirpenwanze, f. Krünitz encycl. 242 (1858) 22; zirpkäferchen Brehm tierl. 9, 194 P.-L.
 
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zirpe, f., grille, zikade, zu zirpen, vb. (andere lautnachahmende wörter s. u. zirse und bei Falk-Torp 971; Hellqvist 31139): die grille, besonders die hausgrille Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1026a; zirpen, pl.; cicaden ..., feld-, haus- und maulwurfsgrillen Krünitz encycl. 242 (1858) 22; zirpen oder zikaden (cicadina) Brehm tierl. 9, 636 P.-L.; ein langbeiniger storch promenirte eben an dem wege, darauf die zirpe zog, erfaszte sie mit seinem langen schnabel und begrub sie in das verliesz seines weiten kropfes Musäus volksmärchen 1, 15 Hempel;

und behaglich streckt er sich aus auf dem üppigen moose,
still den sanften gesang harmloser zirpen belauschend
Körner w. 2, 187 Hempel;

schlummer hüllt die erde ein,
nur die zirpe, wach allein,
singt noch unverdrossen
Greif neue lieder (1902) 71;

[Bd. 31, Sp. 1625]


von den cikaden oder 'zirpen', diesen groszköpfigen, schon durch die griechische dichtung gefeierten sängern, verdient die lauer ... erwähnung Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 428; (die singzikaden) sind grosze, namentlich in den wärmeren ländern verbreitete zirpen gr. Brockhaus 1520, 632. mundartl. vereinzelt als mask.: zirp, m., grille, grillus campestris Unger-Khull steir. 653a.
 
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zirpen, vb. , schallnachahmendes wort; vor allem zur bezeichnung der ähnlich klingenden geräuschlaute der grillen und verwandter insekten (vgl. zirpe, f.), doch neben anderen wörtern (zilken, zirren, tschirpen, schirken usw.) auch schon früh in der anwendung auf vogellaute. ähnliche schallwörter im romanischen bei Meyer-Lübke roman. etym. wb. nr. 9625. lexikalisch zuerst bei Stieler: zilken ... zirken ... zirpen ... zitschen usw., stammb. (1691) 2649; Kramer teutschit. 2 (1702) 1465a. vereinzelt mundartlich: sirpen, ssirpen zirpen, einen schrillenden ton hören lassen Doornkaat Koolman ostfries. 3, 188a; zirpen schwach singen, zwitschern, zirpen Mi Mecklenburg 110b; piepen Blumer nordwestböhm. 96b; zörpe zirpen Fischer Samland 160b. s. auch tschirpen teil 11, 1, 2, sp. 1443.
1) von grillen (bes. heimchen), zikaden, heuschrecken: die zirpende, schreyende, singende, springende, hüpffende grille Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 527;

und wenn der heissre grill am feurheerdt zirpt und schwirrt
Warnecke poet. versuch (1704) 390;

überall herrschte feierliche stille,
nur hier und da scirpte eine grille
Kortum Jobsiade (1799) 3, 63;

wie grillen, sitzend auf dem baum im hain,
herunter zirpen ihren silbersang
Bürger s. w. 152b Bohtz;

das heimchen zirpte kläglich,
das lange nicht gezirpt
Hölty ged. 13 Halm;

und wenn dereinst, im leisen abendthale,
ihr trauerlied die dunkle grille zirpt
Tiedge w. (1823) 2, 51;

laut erklang durch die ruhige einsamkeit des waldes das zirpende lied des heimchens Tieck schr. (1828) 8, 4; da waren ... die gröszern und kleinern heuschrecken, in miszfarbiges grün gekleidete heiduken, lustig und rastlos zirpend und schleifend Stifter s. w. 1 (1904) 176; das heimchen, das ... melancholisch zirpte H. Heine s. w. 7, 415 Elster; jede zikade, die im sommergras zirpt H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 140. im vergleich: ich lebe still vor mich hin und zirpe wie eine grille G. Freytag ges. w. 4 (1887) 347. ungewöhnlich: gestehen sie es nur, der karren steckt im schlamme, und nichts ist possierlicher, als die kannengieszernden heupferde herabspringen zu sehen, in der hoffnung, ihn in bewegung zu zirpen J. G. Forster s. schr. (1843) 6, 315.
2) von verschiedenen kleineren vögeln, besonders singvögeln: (der sperling zu seinem sohn:) fleuchstu in die kirchen vnnd hilffest spinnen vnnd die sumsenden fliegen auffreumen vnd zirpst zu gott ... so wirstu wol bleyben Mathesius ausgew. w. 3, 153 Loesche; ein geheimnisz, ... von dem der sperling auf den dächern schon zirpt Cramer Neseggab (1791) 8, 69;

nur der emmerling zirpt oben im erlenstrauch
Salis ged. (1793) 39;

die vöglein all im grünen wald,
sie hüpften, zirpten lieder
Herder 25, 210 S.;

vor meiner hütte zirpt die lerche leise
Gaudy s. w. (1844) 1, 180;

während ... die meisen in den nächsten bäumen zirpten Steub wanderungen (1862) 122; drosseln huschten zirpend und krächzend durch die büsche Storm s. w. (1898) 5, 262. im vergleich: schüttelte die kälte ihren (eines mädchens) körper und löste ein leises wimmern wie das zirpen eines schlafenden

[Bd. 31, Sp. 1626]


vögelchens E. Strausz Hans u. Grete (1919) 122. besonders von jungen vögeln und kücken: junge kanarienhähne verraten schon als nestlinge ihr geschlecht durch ... knurrendes zirpen Brehm tierl. 4, 25 P.-L.;

träumerisch im nest der schwalbe
zirpt die brut und zwitschert leise
Weber Dreizehnlinden (1907) 64;

zu hören war nichts als nur das knicken des unterholzes, das er durchschritt, auch wohl das zirpen einer eulenbrut Storm s. w. (1898) 6, 275; in den sommermonaten ... vernimmst du keinen laut ... auszer ... dem leisen zirpen der in den mauernesseln aus- und einschlüpfenden küchlein A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 370.
3) von mäusen: laut zirpt die maus, wenn die katze nicht raschelt Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 472a; mäuse zirpten hinter der wand der kammer W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 113.
4) in gelegentlicher anwendung auf ungewöhnliche menschliche laute (meist hohen, sonst aber verschiedenartigen tönen): so wenig ... die unnöthige, gewaltsame und unnatürliche hinaufschraubung des gesangs zu schrillenden und zirpenden hochtönen irgend zu entschuldigen ist Vischer ästhetik (1846) 3, 851;

auch hat
ihn wirklich gott mit einer art von stimme
begabt, die so die mitte hält von zirpen
und blöken
Bauernfeld ges. schr. (1871) 1, 160;

er ... war nur einem verständlich, ihm, ja selbst der gemeinde nicht, da er auf der kanzel nicht sprach, sondern zirpte Gutzkow ges. w. (1872) 5, 181; ihr zirpt wie die mädchen, die zum erstenmal im reigen springen G. Freytag ges. w. 9 (1887) 213; der dolmetscher übersetzte in das zirpen und gurgeln und zungenschlagen, daraus die sprache der wilden zwerge besteht qu. v. j. 1926; aber du hast doch eben gesagt, dasz du heute noch geld bekommen wirst, Maura? zirpte Elfriede mit dünner stimme El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 117.
5) selten von anderen lauten und geräuschen; vom ton einiger musikinstrumente:

wie zirpen die heischeren flöten,
quer über den mäulern voll durst!
Kretschmann s. w. (1784) 5, 68;

und der Mostbartl risz in seiner begeisterung eine alte zither von der wand, die nur mehr zirpen und wimmern konnte Anzengruber ges. w. (1890) 3, 290; kein lachen, kein singen, kein zirpen der mandoline, nicht einmal das geflüster des brunnens hörte ich Ric. Huch triumphgasse (1902) 2. vom geräusch fliegender geschosse: hinter dem ausgedehnten park tobt noch heftiges feuer und einzelne 'ausreiszer' summen mit zornigem zirpen über uns weg qu. v. j. 1917. ungewöhnlich in dichterisch freier übertragung: das wunderbar verschwiegene fragen ... hörte nicht auf im blut zu zirpen Werfel geschw. v. Neapel (1931) 392.
 
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zirre, f., krätzmilbe, s. DWB zirei.
 
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zirren, vb., schallnachahmendes wort; zu zir, s. oben; vgl. ält. dän. sirre 'vom ton der heimchen' Falk-Torp 971. wie zirpen 1: die zirrende feldhaimen (grillen) seynd ihm geheiliget Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 99;

geh heim! geh heim! das heimchen zirrt,
verschon uns grauer heimchenhirt!
H. Pöhnl dt. volksbühnenschausp. (1887) 2, 61.

mundartl. auch von anderen insekten: zirren schwirren (v. d. fliege) a. d. material d. brandenb. wbs. häufiger von vogellauten, vgl. DWB zirpen 2:

das zeiszlin klein,
zirt lieblich fein,
wann es wo sitzt,
beym stigelitz
Eyering proverb. copia (1601) 2, 130;

[Bd. 31, Sp. 1627]



rothschwänzchen zirren,
waldtauben girren
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 253;

wenn sie ... einen spatzen, sperling, tsirpend, schirrend, zirrend, oder soll ich sprechen szirpend vernehmen Tieck schr. (1828) 18, 205; und im laub lispelten und kukerten und kicherten, ... zirrten, klirrten, zwisperten ... die vögel Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 205.

 

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